TFK 011
Der Adventskranz
Ein heiteres und besinnliches Weihnachtsstück für Kinder in einem Akt
von Helmut Schmidt
Spielzeit: ca. 25–30 Minuten bei ruhigem Spiel, deutlichen Sprechpausen und ausgespielten Aktionen
Besetzung: 5 Kinder, Geschlecht beliebig
Bühnenbild: Ein weihnachtlich geschmückter Raum mit einem großen Adventskranz
Personen:
DER KRANZ: Ein etwas eingebildeter, ungeduldiger und gelegentlich besserwisserischer Adventskranz. Er möchte endlich vollständig sein und nimmt seine Aufgabe sehr ernst. TE= 48
DIE ERSTE KERZE – GLAUBE: Nachdenklich, manchmal etwas unsicher. Sie fragt sich, ob die Menschen überhaupt noch an Gott und die Weihnachtsgeschichte glauben. TE= 27
DIE ZWEITE KERZE – FRIEDEN: Temperamentvoll, manchmal aufbrausend. Sie kann Streit überhaupt nicht leiden, obwohl sie selbst gelegentlich ziemlich streitsüchtig ist. TE= 25
DIE DRITTE KERZE – LIEBE: Herzlich und freundlich, aber auch schlagfertig. Sie ärgert sich darüber, dass die Menschen Liebe häufig mit Geschenken verwechseln. TE=20
DIE VIERTE KERZE – HOFFNUNG: Fröhlich, optimistisch und ein bisschen frech. Sie lässt sich selbst von den größten Schwierigkeiten nicht unterkriegen. TE= 16
TE= Texteinsätze
Der Adventskranz
Ein heiteres und besinnliches Weihnachtsstück für Kinder
Die Adventszeit steht vor der Tür, und eigentlich könnte alles so schön sein. Der Adventskranz ist festlich geschmückt, seine Tannenzweige sitzen perfekt und die roten Schleifen sind ordentlich zurechtgelegt. Nur eines fehlt ihm zu seinem Glück: seine vier Kerzen! Ausgerechnet jetzt, wo er endlich wieder im Mittelpunkt stehen möchte, lassen ihn die vier einfach im Stich.
Als die Kerzen nach und nach auftauchen, stellt sich heraus, dass sie ganz andere Sorgen haben als ihr eitler Adventskranz. Denn jede von ihnen steht für eine besondere Botschaft: Glaube, Frieden, Liebe und Hoffnung. Doch glauben die Menschen überhaupt noch an die Weihnachtsgeschichte? Warum gibt es so viel Streit auf der Welt? Und weshalb scheinen teure Geschenke, Smartphones und Spielkonsolen manchmal wichtiger zu sein als Liebe und ein freundliches Miteinander?
Während der Adventskranz verzweifelt versucht, seine Kerzen endlich auf ihre Plätze zu bekommen, geraten die fünf immer wieder in turbulente und urkomische Diskussionen. Doch nach und nach verlieren die ersten drei Kerzen ihren Mut und ihr Licht erlischt.
Kann die vierte Kerze, die Hoffnung, ihre Freundinnen wieder zum Leuchten bringen? Und wird der Adventskranz endlich begreifen, dass Weihnachten viel mehr bedeutet als schöne Dekoration und ein Berg voller Geschenke?
„Der Adventskranz“ ist ein humorvolles, modernes und zugleich besinnliches Weihnachtsstück über Glauben und Zweifel, Frieden, Nächstenliebe und die Kraft der Hoffnung. Mit liebenswerten Figuren, witzigen Dialogen und einer warmherzigen Botschaft erinnert es kleine und große Zuschauer daran, worauf es in der Weihnachtszeit wirklich ankommt.
Ein weihnachtlicher Theaterspaß für die ganze Familie, der zum Lachen, Nachdenken und Mitfühlen einlädt.
Bühnenbild und Ausstattung
Die Kerzen und der Kranz werden von den Kindern dargestellt. Ihre Kostüme können aus einfachen, farbigen Überwürfen bestehen. Auf dem Kopf tragen sie eine kleine Flamme aus Stoff oder Pappe. Für das Anzünden und Ausblasen der Kerzen kann jeweils ein batteriebetriebenes Licht verwendet werden. Echtes Feuer wird nicht benötigt.
DER ADVENTSKRANZ: Er trägt einen großen, rund um den Körper angeordneten Kranz aus künstlichen grünen Tannenzweigen, der mit weihnachtlichen Verzierungen, kleinen goldenen Kugeln und roten Schleifen geschmückt ist. Der Kranz sollte so gestaltet sein, dass sich das Kind darin bequem bewegen und seine Arme frei benutzen kann. Eine Besonderheit sind vier breite, kräftig rote Schleifenbänder, die am Kranz befestigt sind. Jedes dieser Bänder ist etwa 1,50 bis 2 Meter lang und kann vom Adventskranz aus auf dem Bühnenboden ausgebreitet werden. Die Bänder führen in vier verschiedene Richtungen und enden jeweils in einer großen, dekorativen Schleife.
Wenn die vier Kerzen im Verlauf des Stückes nacheinander auftreten, breitet der Adventskranz für jede Kerze eines dieser roten Bänder aus. Die jeweilige Kerze stellt sich anschließend auf die große Schleife am Ende ihres Bandes. So entsteht nach und nach ein lebendiges, weit ausgebreitetes Adventskranzbild, bei dem der Kranz in der Mitte steht und die vier Kerzen mit ihm verbunden sind.
Am Ende des Stückes stehen alle vier Kerzen auf ihren roten Schleifen, und ihre Lichter leuchten. Gemeinsam mit dem grünen Adventskranz entsteht ein festliches Schlussbild.
1. Szene – Ein Kranz hat Sorgen
(Wenn sich der Vorhang öffnet, steht der Adventskranz allein auf der Bühne. Er ist festlich geschmückt, hat aber noch keine Kerzen. Er schaut sich ungeduldig um, richtet seine Tannenzweige und betrachtet sich zufrieden)
KRANZ: Also, ich muss schon sagen, ich sehe in diesem Jahr wieder ganz besonders hübsch aus. Meine Tannenzweige sind wunderbar grün, die Schleifen sitzen genau an der richtigen Stelle und meine vier Kerzenhalter sind frisch geputzt. Da kann Weihnachten eigentlich kommen. (schaut sich um) Wenn da nicht ein winzig kleines Problem wäre. Meine Kerzen sind verschwunden! Vier Stück! Einfach weg! Und das ausgerechnet jetzt, wo die Adventszeit beginnt. Andere Adventskränze haben ihre Kerzen längst beisammen, und ich stehe hier herum wie ein Weihnachtsbaum ohne Nadeln! (Er schaut in alle Richtungen) Hallo? Ist hier vielleicht irgendwo eine Kerze? Eine kleine würde mir fürs Erste schon reichen! Ich bin schließlich nicht anspruchsvoll. Obwohl... eigentlich doch. Ich möchte vier schöne Kerzen haben, die ordentlich auf mir stehen und nicht ständig irgendwelche Schwierigkeiten machen. Ist das denn zu viel verlangt?
2. Szene – Die erste Kerze: Glaube
(Die erste Kerze kommt langsam auf die Bühne. Sie wirkt nachdenklich und bemerkt den Kranz zunächst nicht)
GLAUBE: Manchmal verstehe ich die Menschen wirklich nicht. Sie schmücken ihre Häuser, hängen Lichterketten auf und kaufen Weihnachtsgeschenke. Aber wenn man sie fragt, warum wir eigentlich Weihnachten feiern, wissen manche überhaupt keine Antwort mehr. Da frage ich mich, ob ich überhaupt noch gebraucht werde.
KRANZ: (erleichtert) Da bist du ja endlich! Ich habe schon gedacht, ich müsste den ersten Advent ohne eine einzige Kerze verbringen. Komm her und stell dich auf deinen Platz. Aber vorsichtig, meine Schleifen sind frisch gebügelt!
GLAUBE: Hallo Adventskranz. Ich würde mich ja gern auf meinen Platz stellen, aber ich habe gerade ganz andere Sorgen. Weißt du eigentlich, wofür ich stehe?
KRANZ: Selbstverständlich weiß ich das! Du bist die erste Kerze. Und die erste Kerze wird am ersten Advent angezündet. Das ist eine sehr wichtige Aufgabe, denn ohne dich könnte man ja gar nicht anfangen.
GLAUBE: Das ist richtig, aber ich meine etwas anderes. Ich stehe für den Glauben. Ich soll die Menschen daran erinnern, dass Weihnachten nicht nur aus Geschenken, Plätzchen und Weihnachtsmärkten besteht. An Weihnachten feiern die Christen die Geburt von Jesus.
KRANZ: Ach, das weiß doch jedes Kind! Jesus wurde in Bethlehem geboren, lag in einer Krippe und bekam Besuch von Hirten. Außerdem waren da noch Maria und Josef. Ich habe schließlich schon viele Weihnachtsgeschichten gehört.
GLAUBE: Dann weißt du mehr als manche Erwachsene. Neulich habe ich gehört, wie ein Junge seine Mutter gefragt hat, warum wir eigentlich Weihnachten feiern. Und weißt du, was sie geantwortet hat? Weil der Weihnachtsmann Geburtstag hat!
KRANZ: (entsetzt) Der Weihnachtsmann? Geburtstag? Dann bekommt er ja womöglich auch noch Geschenke! Und wer soll die ganzen Sachen dann verteilen? Das gibt doch ein heilloses Durcheinander!
GLAUBE: Genau deshalb mache ich mir Sorgen. Manche Menschen haben den Glauben verloren, andere haben nie einen gehabt. Und wieder andere glauben zwar an Gott, aber im Alltag denken sie kaum noch darüber nach, was das bedeutet.
KRANZ: Nun übertreib mal nicht. Es gibt doch immer noch Kirchen, Weihnachtsgottesdienste und Krippenspiele. Und wenn ich mich richtig erinnere, singen die Menschen auch jedes Jahr dieselben Weihnachtslieder. Obwohl manche dabei so falsch singen, dass mir beinahe die Tannennadeln ausfallen.
GLAUBE: (muss lachen) Das stimmt. Aber weißt du, was ich besonders wichtig finde? Niemand muss so tun, als hätte er auf alle Fragen eine Antwort. Manche Kinder glauben an Gott, andere sind unsicher, und manche glauben nicht. Trotzdem können sie miteinander reden und einander respektieren.
KRANZ: Das klingt vernünftig. Ich muss schließlich auch nicht alles verstehen. Zum Beispiel verstehe ich bis heute nicht, warum Menschen an Weihnachten unbedingt Socken verschenken. Wer freut sich denn über Socken?
GLAUBE: Vielleicht jemand, der kalte Füße hat. Es kommt doch darauf an, ob ein Geschenk von Herzen kommt.
KRANZ: Jetzt wirst du schon wieder nachdenklich. Komm endlich auf deinen Platz! Ich möchte wenigstens am ersten Advent ordentlich aussehen.
GLAUBE: Gut, ich komme. Aber versprich mir, dass du mich nicht nur als Dekoration betrachtest.
KRANZ: Versprochen! Du bist meine erste Kerze, du stehst für den Glauben und du darfst sogar ein bisschen schief stehen. Aber wirklich nur ein bisschen!
(Glaube stellt sich auf ihren Platz. Ihr Licht wird eingeschaltet)
GLAUBE: Siehst du? Schon ein kleines Licht kann die Dunkelheit ein wenig heller machen.
KRANZ: (zufrieden) Wunderbar! Jetzt sehe ich schon fast wie ein richtiger Adventskranz aus. Es fehlen nur noch drei Kerzen. Hoffentlich sind die wenigstens pünktlich!
(Glaube schaut plötzlich traurig auf ihr Licht)
GLAUBE: Aber was ist, wenn jemand mein Licht nicht haben möchte? Wenn jemand sagt, dass der Glaube für ihn überhaupt keine Bedeutung hat?
KRANZ: Dann darf er das sagen. Du musst deswegen doch nicht gleich ausgehen.
GLAUBE: Vielleicht hast du recht. Ich wünsche mir nur, dass die Menschen wieder mehr darüber nachdenken, was ihnen im Leben wirklich wichtig ist.
(Ihr Licht wird langsam ausgeschaltet)
KRANZ: Hey! Was soll das denn jetzt? Gerade warst du noch so schön hell!
GLAUBE: Manchmal wird der Glaube schwach. Aber das bedeutet nicht, dass er für immer verschwunden ist.
KRANZ: Na großartig. Meine erste Kerze steht endlich auf ihrem Platz, und schon ist sie wieder dunkel. So hatte ich mir das nicht vorgestellt!
3. Szene – Die zweite Kerze: Frieden
(Die zweite Kerze kommt mit schnellen Schritten auf die Bühne. Sie wirkt aufgeregt)
FRIEDEN: Also wirklich! Ich habe die Nase gestrichen voll! Überall wird gestritten, geschimpft und gemeckert. Auf der Straße, in den Schulen, in den Familien und sogar im Internet. Manchmal habe ich das Gefühl, dass die Menschen überhaupt nicht mehr wissen, wie man freundlich miteinander umgeht!
KRANZ: (erschrickt) Meine Güte! Musst du denn gleich so herumbrüllen? Ich bin ein empfindlicher Adventskranz und keine Bahnhofsdurchsage!
FRIEDEN: Entschuldigung. Aber ich rege mich nun mal auf, wenn ich sehe, wie die Menschen miteinander umgehen. Dabei bin ich doch die Kerze des Friedens. Gerade in der Weihnachtszeit sollte es doch ein bisschen friedlicher zugehen.
KRANZ: Ach, du bist meine zweite Kerze! Wunderbar! Dann stell dich bitte sofort auf deinen Platz. Und versuch dabei, nicht meine Tannenzweige zu zertrampeln.
FRIEDEN: Moment mal! Ich habe dir gerade erzählt, dass ich mir große Sorgen um den Frieden mache, und du denkst nur an deine Tannenzweige?
KRANZ: Natürlich denke ich an meine Tannenzweige! Ich habe sie schließlich das ganze Jahr über gepflegt. Weißt du eigentlich, wie schwierig es ist, als Adventskranz immer gut auszusehen?
FRIEDEN: Du bist wirklich unglaublich! Ich spreche von Streit und Krieg, und du jammerst über deine Frisur!
KRANZ: (beleidigt) Das ist keine Frisur! Das sind sorgfältig angeordnete Tannenzweige!
GLAUBE: (schmunzelt) Ihr beiden merkt aber schon, dass ihr euch gerade streitet, oder?
(Frieden und Kranz schauen sich verblüfft an)
FRIEDEN: Oh. Ja, da hast du wohl recht. Das ist mir jetzt ein bisschen peinlich. Ausgerechnet ich, die Kerze des Friedens, fange hier einen Streit an.
KRANZ: Und ich habe auch nicht gerade freundlich reagiert. Vielleicht sollten wir noch mal von vorne anfangen. Herzlich willkommen, liebe zweite Kerze! Ich freue mich sehr, dass du endlich da bist.
FRIEDEN: Vielen Dank, lieber Adventskranz. Ich freue mich ebenfalls, hier zu sein. Und ich verspreche, dass ich deine Tannenzweige nicht absichtlich durcheinanderbringe.
KRANZ: Na also! Geht doch!
GLAUBE: Seht ihr? Manchmal beginnt Frieden damit, dass jemand den ersten Schritt macht und sich entschuldigt.
FRIEDEN: Das stimmt. Und Frieden bedeutet ja nicht nur, dass es keinen Krieg gibt. Frieden beginnt oft bei ganz kleinen Dingen. Wenn Kinder jemanden mitspielen lassen, der sonst immer allein ist. Wenn man nach einem Streit wieder miteinander redet. Oder wenn man jemanden nicht auslacht, nur weil er anders ist.
KRANZ: Und wenn man seinen kleinen Bruder nicht mit einem Schokoladenweihnachtsmann bewirft, nur weil er die Fernbedienung versteckt hat?
FRIEDEN: (lacht) Genau! Obwohl ich zugeben muss, dass ein versteckter Fernseher manchmal gar nicht so schlecht wäre. Dann würden die Menschen vielleicht wieder mehr miteinander sprechen.
GLAUBE: Oder zusammen spielen. Früher haben die Familien an Weihnachten oft Gesellschaftsspiele gemacht.
KRANZ: Das machen sie heute doch auch noch! Allerdings habe ich gehört, dass es bei manchen Familien spätestens beim dritten verlorenen Spielzug wieder Streit gibt.
FRIEDEN: Eben deshalb werde ich gebraucht. Und ich möchte, dass mein Licht die Menschen daran erinnert, freundlich miteinander umzugehen. Auch dann, wenn sie verschiedener Meinung sind.
KRANZ: Dann stell dich jetzt bitte auf deinen Platz. Ich verspreche auch, dich nicht mehr anzumeckern.
(Frieden stellt sich auf den zweiten Platz. Ihr Licht wird eingeschaltet)
FRIEDEN: So. Jetzt leuchte ich für den Frieden. Für die Menschen, die miteinander reden, statt sich anzuschreien. Und für alle, die sich wünschen, dass Kriege und Gewalt endlich aufhören.
GLAUBE: Dein Licht ist wunderschön.
KRANZ: Und jetzt habe ich schon zwei Kerzen! Wenn das so weitergeht, bin ich bis Weihnachten tatsächlich noch vollständig.
FRIEDEN: Aber manchmal habe ich Angst, dass mein Licht nicht ausreicht. Es gibt so viele Menschen, die sich gegenseitig verletzen. Und manche wollen überhaupt keinen Frieden schließen.
(Auch ihr Licht wird ausgeschaltet)
KRANZ: Nicht schon wieder! Was ist denn bloß mit euch Kerzen los? Kaum steht ihr auf meinem Kranz, geht euch das Licht aus!
FRIEDEN: Ich bin traurig, weil die Menschen den Frieden so oft vergessen.
GLAUBE: Aber vielleicht kann uns die nächste Kerze helfen.
KRANZ: Hoffentlich! Sonst muss ich am Ende noch einen Elektriker bestellen!
4. Szene – Die dritte Kerze: Liebe
(Die dritte Kerze erscheint. Sie trägt einen kleinen Geschenkkarton, den sie kopfschüttelnd betrachtet)
LIEBE: Also, ich weiß wirklich nicht, was ich davon halten soll. Ich habe gerade eine Weihnachtswunschliste gesehen, die war länger als ein Einkaufszettel für ein ganzes Jahr. Ein neues Smartphone, ein Tablet, eine Spielkonsole, Kopfhörer, Markenschuhe und am besten noch ein Fernseher fürs Kinderzimmer. Und ganz unten stand: „Falls noch Geld übrig ist, hätte ich gern einen Hund.“ Da fehlen mir wirklich die Worte!
KRANZ: (begeistert) Ah, endlich! Meine dritte Kerze! Komm schnell her, wir haben hier nämlich ein kleines Beleuchtungsproblem.
LIEBE: Guten Tag zusammen! Ich bin die Kerze der Liebe. Und ich kann euch sagen, dass ich in diesem Jahr besonders viel Arbeit habe. Die Menschen kaufen und kaufen und kaufen. Aber manchmal frage ich mich, ob sie überhaupt noch wissen, was Liebe bedeutet.
FRIEDEN: Ich glaube, ich weiß, was du meinst. Manche Menschen denken, dass man mit einem teuren Geschenk alles wiedergutmachen kann. Dabei wäre eine ehrliche Entschuldigung manchmal viel wichtiger.
LIEBE: Genau! Natürlich ist es schön, jemandem etwas zu schenken. Aber Liebe kann man doch nicht im Geschäft kaufen. Wenn eine Mutter ihrem Kind zuhört, wenn ein Vater sich Zeit nimmt oder wenn jemand einem einsamen Menschen einen Besuch abstattet, dann ist das manchmal viel wertvoller als das teuerste Geschenk.
KRANZ: (nachdenklich) Das stimmt wohl. Aber ich finde Geschenke trotzdem schön. Ich würde mich zum Beispiel über eine neue rote Schleife freuen. Meine alte hat nämlich schon einen kleinen Knick.
LIEBE: Du bist wirklich ein hoffnungsloser Fall! Wir sprechen hier über die Liebe, und du denkst schon wieder an deine Weihnachtsdekoration.
KRANZ: Was soll ich denn machen? Ich bin nun mal ein Adventskranz! Andere Leute wünschen sich eine Kreuzfahrt, und ich wünsche mir eine neue Schleife. Das ist doch ziemlich bescheiden!
GLAUBE: Aber die dritte Kerze hat recht. An Weihnachten erinnern wir uns daran, dass Jesus in einem einfachen Stall geboren wurde. Da gab es keine teuren Geschenkeberge und keine glänzenden Schaufenster.
LIEBE: Und trotzdem ist diese Geschichte für viele Menschen bis heute etwas ganz Besonderes. Sie erzählt davon, dass jeder Mensch wertvoll ist, auch wenn er nicht reich oder berühmt ist.
FRIEDEN: Weißt du, was ich mir zu Weihnachten wünschen würde? Dass die Menschen einander wieder mehr zuhören. Und dass niemand an Heiligabend ganz allein sein muss, wenn er sich Gesellschaft wünscht.
KRANZ: Ich hätte da auch eine Idee. Man könnte doch jemanden einladen, der sonst allein zu Hause sitzt. Dann hätte man einen Gast mehr und vielleicht sogar jemanden, der beim Abwaschen hilft.
LIEBE: (lacht) Das ist zwar wieder einmal typisch für dich, aber die Idee ist gar nicht schlecht. Und vielleicht könnte man auch einem Nachbarn helfen, der nicht mehr so gut laufen kann. Oder einem Kind etwas schenken, dessen Eltern sich keine großen Geschenke leisten können.
KRANZ: Dann habe ich es jetzt verstanden! Liebe bedeutet, dass man nicht immer nur an sich selbst denkt.
LIEBE: Ganz genau! Und deshalb möchte ich jetzt auf deinen Kranz. Ich will den Menschen zeigen, dass Weihnachten nicht davon abhängt, wie viele Pakete unter dem Weihnachtsbaum liegen.
KRANZ: Sehr schön! Dann komm auf deinen Platz. Und wenn du zufällig jemanden kennst, der noch eine rote Schleife übrig hat...
LIEBE: Adventskranz!
KRANZ: Schon gut! Ich habe ja gar nichts gesagt!