Lange danach gesucht - auf Ibiza 2012 endlich gefunden
Musiker gesucht

 

        

         „Das Paradies ist anderswo“

 

Ein Leichenschmaus ohne Leiche in 3 Akten

 

von

 

Helmut Schmidt

 

(hochdeutsche Fassung)

 

 

 

Inhalt:

In wenigen Tagen feiert der Witwer Gustav Schumann seinen 80sten Geburtstag. Seine beiden Töchter Sonja und Anna, und seine Schwiegersöhne, die Gustav seit 8 Jahren nicht mehr gesehen hat, haben sich auch zu diesem runden Ehrentag wieder mal entschuldigen lassen. Alles was sie ihrem Vater zukommen lassen haben, sind Glückwunschkarten und Päckchen mit Geschenken, die niemand braucht. Gustav hat keine Erklärung dafür, weshalb seine Kinder den Kontakt zu ihm meiden, und wünscht sich nichts mehr, als seine Familie noch einmal um sich zu haben. Er weiß aber auch ganz genau: Wenn sie nicht mal zu seinem 80sten Geburtstag zu ihm kommen, wird er sie nie wiedersehen. Gemeinsam mit seiner Haushälterin Magda und seiner Schwester Hannelore schmiedet er dann einen raffinierten Plan. Er inszeniert seinen Tod kurz vor seinem Geburtstag. Und siehe da: Zu seiner angekündigten Beerdigung finden sich alle Familienmitglieder bei ihm ein. Das beliebteste Thema: Die Erbschaft von Gustav. Es gibt Streit zwischen den beiden Ehepaaren um jede Kleinigkeit. Und dann bröckelt auch noch die mühsam aufrecht erhaltene Fassade innerhalb der  Familien. Man trampelt dabei nicht nur buchstäblich auf dem Innenleben des "Noch-gar-nicht-Verstorbenen" herum, sondern bekämpft sich auch untereinander bis aufs Blut. Wer findet hier am Ende wo das vermeintliche Paradies oder sucht hier jeder vergebens?

 

Spieler: 4w/3m

 

 

Gustav Schumann                  -  Witwer (79 Jahre)

 

Magda Kübelmeister              -  Gustavs Haushalthilfe (ca. 60 Jahre)

 

Sonja Hansen                         -  Gustavs 1. Tochter (50 Jahre)

 

Jan-Dirk Hansen                    -  Sonjas Ehemann (ca. 50 Jahre)

 

Anna Kramer                         -  Gustavs 2. Tochter (48 Jahre)

 

Klaus Kramer                         -  Gertruds Ehemann (ca. 50 Jahre)

 

Hannelore Peters                    -  Gustavs Schwester (ca. 65 Jahre)

 

 

 

 

Spielort:   Greetsiel - Nähe der Nordseeküste

 

Spielzeit:  Frühling in der Gegenwart

 

Spieldauer: ca. 100 Minuten ohne Pausen

 

 

Bühnenbild:

 

Das Wohn-und Esszimmer von Gustav Schumann. Es ist recht gemütlich eingerichtet. Auf

der Bühne links oder rechts ein Tisch mit einigen Stühlen oder Eckbank. In der Mitte Sofa

und Sessel. Ein großer Schrank oder Vitrine; einige Bilder und ein Kalender an der Wand.

Ein Regal mit Büchern. Es werden 2 Türen benötigt. Nach links (aus der Sicht des

Zuschauerraumes) führt eine zum Flur nach draußen, rechts eine weitere zur Küche, zu den

Schlafräumen u.a. Hinten ein Fenster. Alles weiteren Ausstattungen sind der Spielgruppe

überlassen.

 

 

 

 

              Erster Akt

 

                  (Wenn der Vorhang sich öffnet, ist kein Spieler auf der Bühne. Auf dem Tisch steht ein geöffnetes Päckchen und es liegen einige Glückwunschkarten darauf. Es ist ein Montag in den Nachmittagsstunden)

 

                  (es klingelt an der Wohnungstür)

 

1. Szene

Magda:      (eine rüstige Dame in normaler Alltagskleidung*, kommt von rechts, geht zur linken Tür zum Flur, öffnet dann die Haustür) Guten Tag. (*die Kleidung von Magda ist dezent - nicht in krassen Farben - muss aber nicht schwarz sein)

 

Klaus:        Guten Tag.

 

Anna:        (noch links) Kramer. Wir sind doch richtig hier bei Schumann?

 

Magda:      Ja, kommen Sie herein.

 

2. Szene

Klaus:        (kommt gefolgt von seiner Frau Anna langsam herein. Beide tragen schwarze Kleidung) Natürlich sind wir hier richtig bei Schumann, Anna. Blöde Frage.

 

Anna:        Na ja, ich dachte ja nur, weil diese Dame hier... (hat eine Handtasche dabei, kann die Tränen dann nicht mehr aufhalten, holt ein Taschentuch hervor) Oh Gott, Klaus. Wie lange ist es her, dass wir hier waren?

 

Klaus:        (eher "kalt") Weiß ich nicht. 7 oder 8 Jahre vielleicht.

 

Anna:        7 oder 8 Jahre.

 

Klaus:        Diese Couch-Garnitur gab´s damals zumindest noch nicht, glaub´ ich. (drückt auf die Polsterung) Gar nicht schlecht. Dein Vater hat Geschmack.

 

Anna:        (weinerlich) Er hatte Geschmack, Klaus. Er hatte.

 

3. Szene

Magda:      (kommt auch wieder von links herein, schließt die Tür) Möchten Sie Kaffee oder Tee?

 

Klaus:        Das wäre wunderbar nach der langen Fahrt.

 

Magda:      Ich bin Magda Kübelmeister. Die Haushaltshilfe von Ihrem Vater.

 

Anna:        Vater hat eine Haushaltshilfe? Davon hat er nie etwas gesagt.

 

Klaus:        Wie lange sind Sie denn schon hier beschäftigt?

 

Magda:      Im Sommer werden es 6 Jahre.

 

Anna:        6 Jahre.

Magda:      Ich mach´ dann mal den Kaffee. (abgehend nach rechts)

 

Klaus:        Tun Sie das - tun Sie das. (schaut sich um)

 

Anna:        Ja aber... wir haben soviele Fragen...

 

Magda:      (schon ab)

 

4. Szene

Anna:        (sieht das Päckchen auf dem Tisch, geht dahin) Schau doch nur, Klaus. Unser Päckchen zu seinem Geburtstag. Hat er es wohl noch selbst geöffnet? Und ob er sich gefreut hat?

 

Klaus:        Ist doch jetzt egal. (schaut sich im Bücherregal um, holt einige Bücher hervor)

 

Anna:        Egal? Vater hatte uns zu seinem 80sten eingeladen. Das ist übermorgen. Jetzt wird er nicht feiern, sondern an seinem Geburtstag beerdigt.

 

Klaus:        Ja, so schnell kann das gehen.

 

Anna:        Er hat doch auch nichts davon geschrieben, dass es ihm nicht gut geht. Was ist denn nur passiert?

 

Klaus:        (belustigt) Schau mal. Dein Vater liest "Shades of grey". Hähä... vielleicht war soviel harte Erotik zuviel für sein schwaches Herz.

 

Anna:        Vater hatte ein schwaches Herz? Davon weiß ich nichts.

 

Klaus:        Meine Güte, jetzt hör´ mal auf. Dein Vater wäre übermorgen 80 geworden. Das ist doch ein schönes Alter. Irgendwann ist das Leben nun mal vorbei. Für Dich auch.

 

Anna:        Na, für Dich aber auch.

 

Klaus:        Ich bin gerade 50 geworden. Ich hab´ nicht vor schon zu sterben.

 

Anna:        Vielleicht hatte Vater das auch nicht. - Er hat sich aufgeregt. Ja genau. Er hat sich bestimmt aufgeregt, dass wir seine Einladung zum Geburtstag abgelehnt haben. Das wird es gewesen sein. - Warum Klaus? Warum haben wir ihm dieses Geschenk nicht gemacht? Warum haben wir ihm geschrieben, dass wir nicht zu seinem Geburtstag kommen?

 

Klaus:        Ist das meine Schuld? DU wolltest doch auch nicht.

 

Anna:        Das stimmt nicht. Ich hätte ihm gerne gratuliert und wäre hierher gefahren. JETZT sind wir ja auch hier.

 

Klaus:        Jetzt hör´ auf und verdreh´ nicht wieder alles. DU bist es, die gesagt hat, dass Du dann auf Deine Schwester Sonja triffst, mit der Du seit Ewigkeiten nichts anfangen kannst und die Du nicht sehen willst.

 

Anna:        Nachdem DU gesagt hast, dass der Benzinpreis gerade wieder so hoch ist und 250 km für so einen dummen Geburtstag ja wohl nicht sein müssen.

 

Klaus:        Dummer Geburtstag hab´ ich ganz sicher nicht gesagt.

 

Anna:        Dummer Geburtstag! Genau das war Deine Wortwahl.

 

Klaus:        Und wenn schon. Ist doch völlig egal. Sind wir jetzt hier, oder nicht? Und damit Du es weißt: Wir sind nicht 250, sondern 278 km gefahren. Von Norderstedt bis hier oben nach Greetsiel. Trotz hohem Benzinpreis. Und drei Tage Urlaub gehen für diesen... Kram hier drauf.

 

Anna:        Ja, wir sind hier. Aber eben nicht zu Vaters Geburtstag.

 

Klaus:        (etwas genervt) Nein, ich weiß - es geht um seine Beerdigung. Fakt ist: Wir sind da. Ob nun zum 80sten oder zu seiner Beisetzung. So groß ist der Unterschied nun auch wieder nicht.

 

Anna:        Manchmal bist Du richtig ekelig.

 

Klaus:        Pass´ bloß auf was Du sagst. Das hört sich ganz anders an, wenn ich ekelig bin.

 

Anna:        (steht am Fenster, öffnet es, evtl. hört man Vogelgezwitscher) Dieser Ort ist so wunderschön. Ich liebe Greetsiel. Alles ist so friedlich. Und diese Luft - man kann die Nordsee riechen. (atmet tief ein)

 

Klaus:        Ich riech nichts. (hat ein neues Buch hervorgeholt) Die Bibel nach Martin Luther. - Ach Du liebe Zeit. War Dein Vater gläubig?

 

Anna:        Ja, das war er wohl. Warum?

 

Klaus:        Dann wird das so ´ne Trauerfeier mit Pfaffe und Predigt und so ´n Gedönz?

 

Anna:        (nach einer kleinen Pause) JETZT Klaus. Jetzt bist Du richtig ekelig.

 

Klaus:        (will schon aufbrausen, als es erneut an der Tür klingelt)

 

Klaus:        (ironisch) Es klingelt. (schaut auf die Uhr, ironisch) Na, wer mag das wohl sein?

 

Anna:        Ich mach´ meiner Schwester ganz sicher nicht die Tür auf. (schließt das Fenster)

 

Klaus:        Tss... haben wir doch auch gar nicht nötig. Wohnen wir hier? Nein. Hier gibt es doch diese... Zofe, oder wie man das nennt.

 

5. Szene

Magda:      (kommt wieder von rechts) Ich mach´ das schon. (ab nach links)

 

Klaus:        Ja, das dachten wir uns auch so.

 

Anna:        Vater hat ´ne Haushaltshilfe. Ich kann es immer noch nicht glauben.

 

Klaus:        Er HATTE, Anna. Er hatte. Ich weiß gar nicht, was die hier noch will. Dein Vater braucht sie ja nun nicht mehr.

 

6. Szene

Magda:      (kommt zurück, noch zur Eingangstür hinsprechend) Ja, bitte. Kommen Sie herein. Die anderen sind schon da. (Wartet, bis beide eingetreten sind, geht dann wieder ab)

 

7. Szene

Sonja:        (und Jan-Dirk kommen dann zügig herein. Jan-Dirk trägt einen sehr edlen, dunkeln Anzug, Hemd, Krawatte. Sonja ein farbenfrohes, kurzes Kleid, High-Heels, ist stark geschminkt, evtl. Hut, Handtasche. Achten Sie bitte darauf, dass Sonja einen sehr üppigen Busen hat. Sonja geht sofort nach dem Eintreten zu Anna, drückt sie heftig voller Mitgefühl) Anna, Schwesterchen. Was für ein Unglück, dass wir uns zu einem solchen Anlass wiedersehen müssen, nicht wahr?! (Küsschen rechts und links - eher "Luft-Küsse")

 

Anna:        (überrumpelt, erwidert kaum) Ja...

 

Jan-Dirk:   (gibt Klaus die Hand) Guten Tag, Klaus.

 

Klaus:        Hallo Jan-Dirk.

 

Sonja:        (begrüßt dann fröhlich Klaus) Klausi-Mausi, komm, lass Dich auch drücken. (tut es)

 

Klaus:        (sehr forsch) Komm an meine Brust, liebe Schwägerin. (beide knuddeln sich, Küsschen recht und links und dann auch kurz auf den Mund)

 

Jan-Dirk:   (gibt dann auch Anna die Hand) Anna, schön Euch wieder zu sehen.

 

Anna:        Ja. (schaut aber zu Sonja. Sie ist sehr erstaunt über Sonjas Kleidung und auch über ihre Oberweite und über Sonjas Begrüßung mit Klaus)

 

Jan-Dirk:   Seid ihr schon lange hier?

 

Anna:        Was? Äh - nein, auch erst 10 Minuten.

 

Sonja:        Gott, was für ein Drama. Da ahnt man nichts Böses, da stirbt Vater einfach mal eben so.

 

Jan-Dirk:   Kommt denn noch jemand oder sind wir vollzählig?

 

Klaus:        Vaters Schwester Hannelore müsste noch kommen. Die hat doch auch bestimmt Bescheid bekommen.

 

Anna:        Habt ihr sie nicht angerufen um Euch mit ihr abzusprechen?

 

Sonja:        WIR? Ich bitte Dich. Ich hab´ meine Tante ewig nicht gesehen.

 

Klaus:        Na, wir hatten auch keinen Kontakt zu ihr. - Und? Läuft´s bei Dir, Jan-Dirk?

Jan-Dirk:   Wie? Achso, ja - es läuft sozusagen.

 

Klaus:        Hast Du eigentlich nur Frauen auf dem Tisch liegen oder auch Männer.

 

Anna:        Klaus! Bitte! Ist das denn jetzt wichtig?

 

Jan-Dirk:   Mehr Frauen als Männer. Aber auch die Herren lassen gerne mal was korregieren.

 

Klaus:        (süffisant) Lassen die sich gerne mal etwas verlängern? Hähä...

 

Jan-Dirk:   Weniger. Männer lassen sich gerne das Fett am Bauch absaugen.

 

Anna:        (deutet dann auf Sonjas Brüste, auf die sie schon die ganze Zeit schaute) Sonja... Du... äh...

 

Sonja:        (versteht sofort, stolz, greift mit beiden Händen unter ihre Brüste) Jaaa... ist es Dir doch aufgefallen Liebes, ja?! Die hab´ ich von Jan-Dirk zu Weihnachten geschenkt bekommen. Sind sie nicht großartig?!

 

Klaus:        Der absolute Hammer. Jan-Dirk, Du hast Deiner Frau neue Titt... äh... neue Brüste unter den Weihnachtsbaum gelegt? Wie geil ist das denn?! - Und Du selbst hast ihr diese Airbags dann auch...

 

Jan-Dirk:   Ich bitte Dich. Schönheitschirurgen operieren niemals die eigene Frau. Das war mein Kollege. Aber er hat gute Arbeit geleistet, nicht wahr?!

 

Klaus:        Allerdings.

 

Sonja:        Das hat er. Hach, Jan-Dirk hat genau gewusst, was ich mir am meisten wünsche. Und dann kam er zu Weihnachten mit diesem Gutschein an. Ja, ich bin ehrlich: Das Heilen hat etwas gedauert - und es war nach der OP auch eine schmerzhafte Zeit. Deshalb bin ich auch ganz froh, dass Vater nicht schon im Februar gestorben ist. Da hätt´ ich womöglich gar nicht bei seiner Beerdigung dabei sein können.

 

Klaus:        Aber nun ist alles verheilt und gut?

 

Sonja:        Alles verheilt und gut. Man sieht nicht mal eine Narbe. Ich bin so stolz auf meine beiden neuen Wuppies. Möchtest Du sie mal anfassen, Klaus?

 

Anna:        (und Jan-Dirk gemeinsam direkt:) Nein, möchte er nicht!

 

Sonja:        (etwas enttäuscht) Okay.

 

Anna:        Tsss... ich fass´ es einfach nicht.

 

Sonja:        Was meinst Du?

 

Anna:        Irgendwo auf der Welt verhungert gerade in diesem Augenblick wieder ein Mensch, und meine Schwester lässt sich für ein paar 1000 Euro neue... Wuppies  machen.

 

Klaus:        Na hör mal. Das muss sie ja wohl selber entscheiden.

 

Anna:        Das DU mir in den Rücken fällst, war mir klar!

 

Jan-Dirk:   Ich spende auch jedes Jahr zu Weihnachten 100 Euro für "Brot für die Welt".

 

Anna:        (ironisch) Wie beruhigend. (dann zu Sonja) Und wie Du hier überhaupt auftauschst. Hast Du kein dezenteres Outfit in Deinem Kleiderschrank gefunden? Ist ja fast peinlich. Unser Vater ist gestorben, Sonja. Schon vergessen?

 

Sonja:        Anna. Schwesterherzchen. Menschen, die wirklich aufrichtig trauern, machen das mit dem Herzen und trauern innerlich. Wozu also tristes schwarz anziehen? Niemand kann dem Tod aus dem Weg gehen. Aber für mich geht das Leben nun mal weiter. Und für irgendwelche Leuten mit Trauerkleidung eine Show abziehen - nein, das ist nun wirklich nicht mein Stil.

 

Anna:        Behauptest Du etwa, ich ziehe hier eine Show für irgendjemanden ab? Es gibt auch sowas wie Pietät, Sonja. 

 

Jan-Dirk:   Hey hey, Schluss jetzt. Wir sind hier zusammengekommen um die Trauerfeier und die Beerdigung miteinander zu besprechen und nicht um zu streiten.

 

Sonja:        Genau.

 

Anna:        Ja ja. Ich bin ja schon still. Die Brüste sind übrigens viel zu groß und völlig unnatürlich.

 

Sonja:        Du kannst mich mal, tristes Schwesterlein. (geht zu Jan-Dirk, der seinen Arm um sie legt)

 

Anna:        Pah... Du mich schon seit Jahren.

 

8. Szene

Magda:      (kommt mit einem Tablett herein. Darauf Kaffeegeschirr und Kanne, Zucker, Milch. Stellt es auf den Tisch ab) Der Kaffee wäre dann fertig. (will damit beginnen, Tassen zu verteilen)

 

Anna:        Lassen Sie nur. Wir machen das schon. (tut es dann, schenkt auch ein)

 

Magda:      Ach danke. Das ist freundlich von Ihnen. Kuchen ist leider nicht im Haus. Aber ich kann nachsehen ob noch Kekse da sind.

 

Jan-Dirk:   Machen Sie sich keine Mühe, Frau...

 

Klaus:        Kübelmeister. Das ist Frau Magda Kübelmeister. Sie war die Zofe unseres Schwiegervaters.

 

Sonja:        Zofe... Hähä, das ist gut.

 

Anna:        Herrgott, halt doch Deinen Mund, Klaus!

 

Magda:      Ich war bei Herrn Schumann angestellt. In seinem Alter ist ihm natürlich nicht mehr alles so leicht von der Hand gegangen. Ich hab´ für ihn gekocht, das Haus sauber gemacht, Besorgungen erledigt, ihm vorgelesen...

 

Sonja:        Ihm vorgelesen?

 

Magda:      Ja, seine Augen wollten nicht mehr so recht in den letzten Jahren.

 

Anna:        Vater konnte nicht mehr sehen? Davon weiß ich ja gar nichts.

 

Magda:      Nun, Sie waren ja auch sehr lange nicht hier, soweit ich informiert bin.

 

Klaus:        Ich wüsste nicht, was Sie das angeht.

 

Anna:        (straft ihn mit ihrem Blick) Sie haben recht, Frau Kübelmeister. Wir waren wirklich lange nicht hier.

 

Klaus:        Ich wiederhole den Satz meiner lieben Frau, den sie vor 3 Minuten sagte: (ironisch äffend) Das DU mir in den Rücken fällst, war mir klar!

 

Anna:        (geht zu Klaus, sehr aufgebracht und leicht weinerlich) Du bist so ein Ekelpaket Klaus Kramer, weißt Du das eigentlich? Unser Vater ist tot. Tot - tot - tot. (schlägt ihm dabei mit ihren Fäusten auf seine Brust, Kopf gesenkt) Und Du kannst nichts anderes als Unfrieden stiften. (wütend und weinend ab zum Flur nach draußen)

 

9. Szene

Sonja:        Etwas überarbeitet, die Gute?

 

Jan-Dirk:   Sonja, fang´ Du jetzt nicht auch noch an. (Sonja und Jan-Dirk schauen Klaus an, kurze Pause)

 

Klaus:        Ja, ich geb´s ja zu. Dieser ganze Kram nervt mich. Mir geht gerade ein gutes Geschäft durch die Lappen. Und Anna fühlt sich irgendwie schuldig, dass wir nicht zum 80sten Geburtstag ihres Vaters hierhergekommen sind.

 

Jan-Dirk:   (fasst ihn an den Oberarm) Komm, jetzt geh´ hin und schau nach ihr. Wir müssen jetzt alle einen klaren Kopf behalten. Und wir müssen die Beisetzung planen. Streit kann jetzt keiner gebrauchen.

 

Klaus:        (mit Widerwillen) Ja, ist ja gut. Ich geh´ ja schon. (ab nach draußen)

 

10. Szene

Magda:      (starrt auf Sonjas Brüste)

 

Jan-Dirk:   Entschuldigen Sie, Frau Kübelmeister. Wir sind alle etwas angespannt.

 

Magda:      Was? Achso... ja sicher.

 

Sonja:        Anna war immer schon etwas sonderbar. Meine kleine Schwester hat mich als Kind schon immer aufgeregt. (zu Jan-Dirk) Hab´ ich Dir eigentlich je erzählt, dass sie die 2. Klasse wiederholt hat? Ja wirklich. Obwohl sie erst mit 6 Jahren eingeschult wurde, kam die nicht mit. Unglaublich, oder? Und dennoch war sie immer Mutters Liebling. IMMER. Das verzeih´ ich meiner Mutter nie. Also ich sag´ Dir, Jan-Dirk...

 

Jan-Dirk:   Sonja, bitte. Das gehört hier jetzt nicht hin.

 

Sonja:        Nein? Na dann eben nicht.

 

Magda:      Setzen Sie sich doch. Der Kaffee wird kalt und im Sitzen trinkt es sich doch viel besser.

 

Jan-Dirk:   Ja danke. Sehr freundlich. (beide setzen sich) Äh... Frau Kübelmeister. Wissen Sie, ob Herr Schumann - also mein Schwiegervater - etwas verfügt hat. Ich meine, was eventuell seine Wünsche angeht bezüglich der Beerdigung? (Sonja und Jan-Dirk trinken Kaffee während der nächsten Dialoge)

 

Magda:      Nein. Herr Schumann hat immer gesagt, meine letzten Verwandten werden mir bestimmt einen würdigen letzten Weg zukommen lassen.

 

Jan-Dirk:   Ja, das werden wir auch.

 

Sonja:        Ja, das werden wir auch. Muss ja nicht der teuerste Sarg sein. Was kosten so eine Kiste überhaupt?

 

Jan-Dirk:   Das sehen wir dann, Schatz. (zu Magda) Wissen Sie denn, ob er überhaupt eine Erdbestattung wollte?

 

Sonja:        Ist verbrennen nicht viel preisgünstiger?

 

Jan-Dirk:   Ich glaub´ nicht. Weil - da kommen zu dem Sarg die Kosten vom Krematorium ja noch obendrauf.

 

Sonja:        Ach, man wird MIT Sarg abgefackelt? Ich dachte, die schieben die Leichen da so in den Ofen.

 

Jan-Dirk:   Wir sind nicht bei Hänsel und Gretel, Sonja.

 

Sonja:        Hänsel und Gretel, ja lustig. Hähä... die Hexe - schwups - weg war sie.

 

Magda:      Die Frau von Herrn Schumann wurde vor 11 Jahren ja auch erdbestattet. Und es gibt ein Doppelgrab auf dem Friedhof hier in Greetsiel. Ich habe oft Blumen auf Wunsch von Herrn Schumann auf das Grab gelegt.

 

Jan-Dirk:   Ja sicher. Schwiegervater sollte neben seiner Frau seine letzte Ruhe finden.

 

Sonja:        Wie war das überhaupt mit meinem Vater und wo ist er jetzt? Ist er hier im Haus gestorben oder im Krankenhaus oder was?

 

Magda:      Äh... er schlief hier ganz friedlich in seinem Bett ein. Ich war bei ihm. Dann musste ich natürlich einen Arzt rufen und danach einen Bestatter. Die Firma Osterthum hat ihn dann abgeholt und bahrt ihn auf. Wenn Sie aber lieber einen anderen Bestatter möchten, ist das sicher kein Problem. Wir haben hier in Greetsiel aber nur den einen.

 

Jan-Dirk:   Ist schon in Ordnung. Nicht wahr, Püppi?

 

Sonja:        Ja Hase. Wenn Du das sagst...

 

Jan-Dirk:   Das bedeutet, wir können ihn dort bei diesem Bestatter nochmal sehen, und auch alle weiteren Details klären? Termin der Beerdigung, welche Dekoration, welcher Sarg und so?

 

Magda:      Das ist der übliche Weg, ja. Ich habe Herrn Osterthum schon informiert, dass die Verwandtschaft von Herrn Schumann heute hier eintrifft.

 

Jan-Dirk:   Das war sehr freundlich von Ihnen.

 

11. Szene

Klaus:        (kommt von draußen zurück) Hab´ ich was verpasst?

 

Anna:        (kommt auch herein, schaut nach wie vor etwas betrübt)

 

Sonja:        Alles wieder gut, ihr Streithähne?

 

Jan-Dirk:   (räuspert sich) Schwiegervater wurde zu dem hiesigen Bestatter hier im Ort gebracht. Wenn wir ihn also sehen wollen...

 

Anna:        Oh ja, nichts lieber als das. Und wenn der Termin der Beerdigung feststeht, müssen auch Sascha und Pia hierher kommen. Die müssen doch bei der Beisetzung ihres Großvaters dabei sein. Kümmerst Du Dich dann darum, Klaus?

 

Klaus:        (leicht ironisch) Aber gerne doch, Anna.

 

Sonja:        Ach, Eure Kinder. Richtig. Wie alt sind denn die mittlerweile?

 

Anna:        18 und 21. (dann schaut sie Jan-Dirk an) Ihr seid kinderlos geblieben?

 

Sonja:        (antwortet) Ich bitte Dich. Ich ruiniere doch nicht meinen Körper für ein Kind. Nein danke.

 

Anna:        Nein. Du ruinierst Deinen Körper lieber auf andere Art und Weise. (deutet Brüste an bei sich)

 

Jan-Dirk:   Wollen wir dann zu dem Bestatter fahren?

 

Sonja:        Ja. Von mir aus jetzt gleich.

 

Anna:        Ja.

 

Klaus:        Na gut. - Wer fährt?

 

Anna:        Na, jeder mit seinem Wagen, oder?

Klaus:        Wozu denn? Wir vier passen doch gut in einen Wagen.

 

Anna:        Na, dann fahr´ DU doch.

 

Klaus:        Ja, oder aber Jan-Dirk.

 

Jan-Dirk:   Wo finden wir denn diesen Bestatter?

 

Magda:      An den Vossbergen heißt die Strasse. Es sind kaum 3 Kilometer von hier.

 

Klaus:        Achso. Ja, dann kann auch ich fahren.

 

Magda:      (zu Anna und Klaus) Sie hatten ja noch gar keinen Kaffee.

 

Anna:        Ist schon gut. Frau Kübelmeister - es gibt kein Testament von meinem Vater? Irgendwas, was er aufgeschrieben hat, was er gerne hätte bei seiner Trauerfeier? Spezielle Blumen, Musik oder sowas?

 

Magda:      Von einem Testament weiß ich nichts, aber was die Wünsche von Herrn Schumann wegen der Beerdigung betrifft...

 

Sonja:        Wir wissen das alles schon, Anna. Wurde von Frau Kübelbecher alles schon berichtet, als ihr zwei Eure Ehe draußen einigermaßen gekittet habt.

 

Anna:        Sehr komisch.

 

Magda:      KübelMEISTER.

 

Sonja:        Ja ja. Obwohl - ich denke gerade: Testament. Das ist natürlich AUCH ein wichtiges Thema.

 

Klaus:        Ja, hört sich etwas makaber an, aber Schwiegervater braucht ja Erben.

 

Anna:        Ihr denkt jetzt an Vaters Nachlass? Mein Vater braucht jetzt erstmal einen würdigen Abschied. Und wir müssen zum Floristen. Er soll einen schönen Kranz bekommen.

 

Sonja:        Ja ja, Anna. Du hast ja so recht. Aber es heißt UNSER Vater! - Ich finde Gerbera so herrlich. Wir sollten ihm einen Kranz mit pinkfarbenen Gerbera schenken.

 

Anna:        Vielleicht sollten wir Blumen wählen, die VATER gemocht hat. Und das waren ja wohl gelbe Chrysanthemen.

 

Magda:      Äh... Herr Schumann mochte Rosen. Weiße Rosen!

 

Alle:          Achwas?!

 

Jan-Dirk:   Na dann lasst uns fahren. (alle wollen schon gehen)

 

Klaus:        (zu Magda) Wo finden wir den Bestatter?

 

Magda:      An den Vossbergen heißt die Strasse. Die Hausnummer ist wohl 18. Soll ich Ihnen den Weg erklären? Es sind nur 5 Minuten von hier.

 

Klaus:        (ironisch) Es gibt Navis. Schon mal was von gehört? Vielen Dank.

 

Anna:        (ehrlich) Ja, vielen Dank, Frau Kübelmeister. Wir kommen dann später wieder.

 

Magda:      Tun Sie das.

 

Sonja:        Na, dann los.

 

Alle:          (ab)

 

12. Szene

Magda:      (folgt allen in den Flur, die nach draußen führt, kommt zurück, seufzt, geht dann zu dem Bücherregal, greift hinter einigen Büchern und holt ein Walky Talky hervor, drückt eine Taste, spricht hinein:) Herr Schumann, sie sind weg. Die Luft ist rein.

 

13. Szene

Gustav:      (kommt dann von rechts herein mit einem Rolator. Er trägt Hausschuhe, Hose, Hemd und Strickjacke, sowie eine Brille. Er ist zwar leicht gehbehindert, aber geistig völlig klar, macht einen mürrischen Gesichtsausdruck, äfft nach:) "Es gibt Navis. Schon mal was von gehört?"

 

Magda:      (muss schmunzeln, geht gleich zu ihm, stellt einen Stuhl bereit für ihn, hilft ihm dabei, sich zu setzen) Haben Sie alles mit angehört, Herr Schumann?

 

Gustav:      Zum größten Teil ja. Diese Walky Talkies sind ganz okay. Schade nur, dass sie manchmal ausfallen und es nur knattert.

 

Magda:      Die sind alt, Herr Schumann. Ich hab´ sie im Keller gefunden. Meine Enkel haben früher damit gespielt. Ein Wunder, dass die überhaupt noch funktionieren. 

 

Gustav:      Tja, Magda - das ist sie: Meine liebe Verwandtschaft. Da habe ich nur den einen Wunsch, meine Kinder nochmal zu sehen; muss dafür sogar meinen Tod inszenieren weil sie zu meinem 80sten Geburtstag nicht kommen wollen; und dann so ein Verhalten. Diesen ganzen Plan hätten wir uns sparen können.

 

Magda:      Ihre Tochter Anna ist schon recht betroffen.

 

Gustav:      Anna, ja. Aber sie ist auch die Einzige.

 

Magda:      Und dieser Herr Hansen ist auch recht freundlich.

 

Gustav:      Der Kerl, der meiner Tochter Sonja zwei neue Airbags einbauen lassen hat?

 

Magda:      Nun ja, es ist sein Beruf, und wir leben nun mal in einer verrückten Welt.

 

Gustav:      Ich hab´ nichts gegen Schönheitschirurgen, Magda. Aber musste er gleich an meiner Tochter rumschnibbeln lassen? Ist ja nicht zu fassen. - Wie... wie groß waren die denn eigentlich - ich meine, diese neuen Bälle?

 

Magda:      Recht groß, Herr Schumann. - Möchten Sie etwas? Auch Kaffee, Tee oder ein Glas Wasser?

 

Gustav:      Nein danke. - Wir haben sie schlicht und ordentlich erzogen, meine Frau und ich. Anna und auch Sonja. Was ist nur aus ihnen geworden?! Annas Kerl ist ein... ein...

 

Magda:      Er ist ein Ekelpaket.

 

Gustav:      Richtig.

 

Magda:      Entschuldigen Sie, dass ich das sage. Aber Ihre Tochter brauchte dieses Wort.

 

Gustav:      Als sie geheiratet haben, war Klaus anders. Ist schon interessant, wie Menschen sich im Laufe der Jahre verändern können. Und Sonja - Himmel, was ist nur mit meiner Sonja passiert? Kalt und egoistisch ist sie. Woher hat sie das nur? Und wie sie alle damit umgehen, dass ich jetzt tot bin. Es ist fast allen nur lästig.  

 

Magda:      Ich frag´ mich jetzt allerdings: Wie soll es nun weitergehen, Herr Schumann?

 

                  (es klingelt an der Tür, beide leicht erschrocken und in Aufruhr)

 

Magda:      Bleiben Sie erstmal sitzen. Ich schau durch den Spion. (ab in den Flur nach draußen, dann von dort:) Oh, hallo. Wir haben Sie schon erwartet.

 

14. Szene

Hannelore: (kommt herein. Sie trägt normale Kleidung, Hut, Handtasche. Sie ist in ihrer Art liebevoll, aber auch etwas forsch. Geht sofort auf Gustav zu, begrüßt ihn) Gustav mein Lieber. Wie geht es Dir heute?

 

Magda:      (ist auch zurückgekommen)

 

Gustav:      Ach Hannelore, Du. Schön, dass Du da bist. Wir brauchen Dich hier ganz dringend.

 

Hannelore: So?

 

Magda:      Die Kinder waren schon hier und sind jetzt auf dem Weg zum Bestatter.

 

Hannelore: Um ihren lieben Vater nochmal zu sehen?

 

Gustav:      Genau.

 

Hannelore: Was hast Du Dir nur dabei gedacht, Gustav? Das war wirklich nicht schön. Wie haben Sie es denn aufgenommen und wie gehen sie damit um? Deine Kinder müssen ja verzweifeln.

 

Gustav:      Verzweifeln? Eine "Kiste" für mich - wie Sonja es so schön ausdrückt - gar nicht billig genug sein, meint sie. Dann bleibt ja mehr Geld übrig für neue Implantate. Am Hintern könnte man ja sicher auch noch was machen lassen. Und Mr. Großkotz hat nur ein Thema im Kopf: Das Erbe!

 

Hannelore: Gustav, was redest Du denn da? Das ist doch nicht wahr, oder?

 

Magda:      Es ist leider so, Frau Peters. Ich hätte ihrem Bruder das alles auch lieber erspart.

 

Hannelore: (zu Magda) Und Sie haben das alles gehört?

 

Gustav:      Na und ich auch. Nebenan mit diesem Funkgerät. Aber die setzen manchmal aus und ich verstehe nicht alles. Und Magda kann ja auch nicht immer dabei sein. Deshalb ist es gut, dass Du endlich da bist.

 

Hannelore: Was soll ich denn tun? Ich kann hier mit Deinen Töchtern und Schwiegersöhnen doch nicht die trauernde Schwester spielen.

 

Gustav:      Warum denn nicht? Nur so lernen wir alle die wahren Gesichter dieser Sippe kennen. (leicht melancholisch) Ich kann es gar nicht glauben.

 

Hannelore: (legt den Arm um ihn) Das muss sehr hart für Dich sein, Dein eigen Fleisch und Blut so zu erleben.

 

Gustav:      (regt sich auf) Ich bin nur eine Last für alle. Ja, ich habe es gewagt, meine eigenen Töchter und Schwiegersöhne zu meinem 80. Geburtstag einzuladen. Da müssen die dann reagieren - mit ´ner billigen Karte. Zu dumm dass da auch noch ´ne  Briefmarke drauf muss. Ach und draufschreiben müssen sie auch noch was. Nämlich, dass sie wieder mal NICHT zu mir kommen. 

 

Magda:      Ihre Tochter Anna hat aber zumindest ein Päckchen geschickt. (geht dahin)

 

Hannelore: Ach, das ist doch lieb von ihr.

 

Gustav:      Achja?! Billiges Duschbad aus dem Discounter und ein paar Socken von Kik. Etwas anderes ist auch meiner lieben Anna nicht eingefallen.

 

Magda:      (holt die beiden Dinge aus dem Päckchen heraus, während Gustav sie aufzählt) 

 

Hannelore: Na, es ist ja auch nicht so einfach einem alten Mann etwas zu schenken.

 

Gustav:      Ich möchte ja GAR NICHTS haben. Aber wenn man sich ein paar Gedanken über den anderen macht, fällt einem auch etwas ein, was dem Beschenkten wirklich Freude macht. Letztes Jahr hab´ ich von Magda eine Karte für Mozarts Zauberflöte bekommen. Eine Open-Air-Inszenierung in Norddeich. Und sie hat mich begleitet. Mit dem Taxi sind wir dahin. Es war ein herrlicher Sommerabend und wir beide trugen die allerbeste Abendgarderobe. Es war das schönste Geschenk, dass mir je eine gemacht hat.

 

Magda:      Oh danke, Herr Schumann.

 

Gustav:      Weißt Du, was ich damit sagen will, Hannelore? Magda hat nachgedacht. Sie hat sich intensiv Gedanken gemacht, was mir gefallen könnte. Und DAS ist eine Art von Liebe. Aber dieses Wort steht bei meinen Kindern ja nicht im Duden. Sie wissen ja nicht mal, welche Blumen ich gerne hab.

 

Hannelore: Na weiße Rosen, oder?

 

Gustav:      Eben. Immer schon. Aber wenn es nach Sonja geht, bekomme ich einen Trauerkranz aus rosa Gerbera.

 

Magda:      Gelbe Chrysanthemen könnten es allerdings auch werden.

 

Hannelore: Reden wir nicht von Kränzen zur Beerdigung. Sag´ uns lieber, wie Dein Plan nun fortgeführt werden soll.

 

Gustav:      Na, ich bin tot. Das wisst ihr doch.

 

Hannelore: Gustav, nun sei doch vernünftig. Das kann doch so nicht weitergehen. Deine Kinder sind jetzt also auf dem Weg zum Bestatter Osterthum. Ja und was passiert dort?

 

Gustav:      Ludwig Osterthum weiß bescheid. Sein Vater und ich sind zusammen zur Schule gegangen und ich bin der Patenonkel von Ludwig. Wenn meine Kinder gleich kommen, wird er denen einen leeren geschlossenen Sarg zeigen in dem ich aufbewahrt werde. Er sagt, dass ich vor Jahren schon schriftlich verfügt habe, dass der Sarg nach meinem Tod nicht mehr geöffnet werden soll.

 

Magda:      Dass dieser Bestatter sich auf so etwas einlässt.

 

Hannelore: Dieser Gedanke geht mir auch gerade durch den Kopf.

 

Gustav:      Er war mir noch einen Gefallen schuldig.

 

Magda:      Irgendwann müssen Sie aber doch auch beerdigt werden.

 

Hannelore: Eben!

 

Gustav:      Übermorgen. An meinem 80sten ist die Trauerfeier mit anschließender Beisetzung.

 

Hannelore: Gustav, bei allem Verständnis. Du willst mir doch nicht erzählen, dass Osterthum sich darauf einlässt, einen leeren Sarg zu beerdigen und allen Leuten im Dorf weißmachen will, dass DU da drin liegst?

 

Gustav:      Du hast recht. Darauf hat er sich wirklich nicht eingelassen. So ein Mist aber auch.

 

Magda:      Was ist denn überhaupt, wenn jemand aus dem Dorf herumerzählt, dass Sie tot sind?

 

Gustav:      Das wird nicht passieren. Meine Kinder kennen hier niemanden. Also reden sie auch mit keinem. Und der Bestatter hält dicht.

 

Hannelore: Na, hoffen wir das mal. Aber dennoch bitte ich Dich jetzt, diesem Unsinn ein Ende zu bereiten. Sei froh, dass Du einigermaßen gesund bist und lebst. Was hast Du also vor?

 

Gustav:      (steht auf) Es bleibt mir wohl nichts anderes übrig, als die Bombe platzen zu lassen - zumindest bis kurz vor meiner Beerdigung. Aber bis dahin ist noch Zeit. Zuerst will ich wissen, was hier als nächstes passiert. Ich werde mich ins Gästezimmer einschließen und ihr beide mischt hier ordentlich mit. Und dann wird es Zeit mein Testament zu ändern. Helfen Sie mir dabei, Magda? Es wäre schön, wenn Sie für mich schreiben. Sie wissen ja; meine Augen.

 

Magda:      Mach ich doch gerne, Herr Schumann. (stützt ihn beim Gehen)

 

Hannelore: Und was soll ICH machen?

 

Gustav:      (bleibt stehen) Na warten, bis der Rest der Familie zurück ist. Es kann nicht lange dauern. Beim Bestatter erreichen sie ja nichts. Und Du kannst beim Bäcker anrufen und meine Lieblingstorte bestellen. Immerhin habe ich übermorgen Geburtstag und werde 80 Jahre alt. Das muss doch gefeiert werden. Hähähä... (mit Magda ab)

 

15. Szene

Hannelore: (schaut den beiden kopfschüttelnd hinterher, seufzt) Mein Bruder... (holt aus ihrer Handtasche dann ein Smartphone hervor, tippt und schiebt darauf, hält das Gerät dann ans Ohr, wartet kurz) Ja Peters. Ich würde gerne eine Torte bestellen. Ja, eine Große. Sahne mit Rumrosinen. Ach und machen Sie doch bitte eine 80 darauf. Übermorgen so gegen 10 Uhr, klappt das? Wunderbar. Ich hole sie dann ab. Ist für Gustav Schumann. Sie wissen Bescheid? Prima. Vielen Dank. Wiederhören. (beendet das Gespräch, verstaut das Smartphone wieder in ihre Tasche, dann klingelt es an der Tür. Hannelore überlegt kurz was sie tun soll, geht dann ab zum Flur, öffnet die Haustür)

 

16. Szene

Sonja:        ("platzt" dann wütend als Erste in den Raum, Hannelore folgt ihr sogleich, bleibt an der Tür stehen, ist überrascht und leicht erschrocken) Nicht zu fassen! Was denkt der sich eigentlich?! (kramt aus ihrer Handtasche eine Packung Zigaretten, nimmt eine heraus) Mit uns kann er es ja machen. Aber SO nicht, Vater. SO nicht! (sieht dann erst Hannelore) Haben Sie mal Feuer?

 

Hannelore: Äh nein. Ich rauche nicht. Aber ich könnte nachschauen, ob...

 

17. Szene

Anna:        (kommt herein, geht an Hannelore vorbei. Sie ist auch aufgebracht, aber eher traurig als wütend) Wie kann er uns das antun? Was hat er sich nur dabei gedacht? (ihre Handtasche legt sie in einen Sessel o.a.)

 

Sonja:        Ja, das fragst Du MICH?! Hast DU Feuer?

 

Anna:        Nein. (setzt sich)

 

Sonja:        (steckt die Zigarette wieder wütend in die Handtasche) Na dann eben nicht. - Das ist Rache. Das ist pure Rache, weil wir nicht nach seinen Regeln gespielt haben. Und damit will er uns jetzt eins auswischen. GANZ großes Kino, lieber Papa!

 

Anna:        (ruhig) Er hat es so gewollt.

 

Sonja:        Jaaaaaaa... eben! Das ist es ja gerade.

 

Hannelore: (schaut verblüfft zu, als...)

 

18. Szene

Klaus:        (...an Hannelore vorbeirauscht) Mein Gott, jetzt fahrt mal wieder runter. Beide. Das ist doch jetzt nicht der Weltuntergang.

 

Anna:        Nein, das ist es nicht. Es ist nur traurig.

 

19. Szene

Jan-Dirk:   (kommt dann auch herein, nimmt Hannelore auch gar nicht wahr) Kommt Leute, lasst uns seine Entscheidung einfach akzeptieren. Und auch respektieren.

 

Hannelore: (geht dann nach hinten und schließt die Tür, kommt während des nächsten Dialogs aber gleich zurück und stellt sich wieder an die Tür)

 

Sonja:        Respektieren? Hat er denn Respekt vor uns? Nein. Da müssen wir doch was machen. Gibt es denn da kein Gesetz, dass wir dagegen vorgehen können? Jan-Dirk, Du bist doch schlau. Du kennst Dich da doch sicher aus.

 

Klaus:        Du willst gegen den Willen und den Wunsch Deines Vaters klagen? Obwohl Du ihn Jahre nicht gesehen hast?

 

Jan-Dirk:   Du hast den Bestatter doch gehört, Sonja.

 

Anna:        Es ist traurig. Es ist einfach nur traurig.

 

Klaus:        (rollt mit den Augen) Jaaaa... SO traurig ist das.

 

Hannelore: (kommt dann vor, deutlich) Guten Tag erstmal.

 

Alle:          (schauen Hannelore dann an, begrüßen sie kurz, leise und knapp) Tag, Hallo o.a.

 

Anna:        Tante Hannelore? (geht zu ihr, reicht ihr die Hand)

 

Hannelore: Na, zumindest eine, die mich wiedererkennt. Grüß Dich, Anna.

 

Klaus:        Da schau an. Die liebe Schwester des Verstorbenen.

 

Sonja:        (geht auch zu Hannelore, begrüßt sie auch, aber eher kurz) Guten Tag.

 

Hannelore: Sonja. Meine Güte, hast Du Dich verändert.

 

Sonja:        Veränderungen bestimmen positiv unser Leben, Tante Hannelore.

Hannelore: Achja?

 

Jan-Dirk:   (geht zu ihr, reicht ihr die Hand) Jan-Dirk Hansen. Ich kann mich gar nicht mehr an Dich erinnern. Haben wir uns überhaupt je gesehen?

 

Hannelore: Haben wir. Aber das ist sehr lange her.

 

Anna:        Eine Schande, dass Vaters Tod der Anlass sein muss, dass wir uns alle wiedersehen.

 

Sonja:        Eine Schande ist es, was Vater uns antut! (zu Hannelore) Hast DU das gewusst?

 

Hannelore: Was denn?

 

Sonja:        Na, dass er bei diesem Bestatter als letzten Willen hinterlegt hat, dass nach seinem Tod der Sarg sofort geschlossen werden soll und wir ihn nicht mehr zu sehen bekommen?!

 

Klaus:        Warum nur? Wenn er einen Unfall gehabt hätte, ihm bei einem tragischen Unglück der Kopf abgerissen worden wäre, oder...

 

Anna:        KLAUS! Hör auf!

 

Sonja:        Der Kopf ist aber ganz sicher noch dran.

 

Hannelore: Also, mein Bruder hat vor einigen Monaten mal davon gesprochen, dass das sein Wunsch ist, ja. So genau weiß ich das aber auch nicht mehr.

 

Sonja:        Es ist unfassbar!

 

Hannelore: Es ist sein Wunsch gewesen. Wir sollten das respektieren.

 

Jan-Dirk:   Wird uns wohl nichts anderes übrig bleiben.

 

Anna:        Das ist unsere Schuld. Allein unsere! Vielleicht würde ich mir das auch wünschen, wenn meine Kinder mich jahrelang nicht mehr besucht hätten.

 

Klaus:        Hört hört. Da spricht die Verständnisvolle.

 

Sonja:        Ja, was machen wir denn nun?

 

Jan-Dirk:   Wir werden Abschied nehmen von Gustav und können nur das tun, was noch noch zu erledigen ist.

 

Anna:        Tante Hannelore, Du weißt bestimmt mehr als wir. Hatte Vater engen Kontakt zu den Nachbarn? Die müssen ja auch bescheid wissen. Sicher wollen die auch zur Beerdigung kommen. Und wir sollten eine Traueranzeige in die Zeitung setzen.

 

Sonja:        Ich dachte, wir wollen erstmal zum Gärtner und den Kranz bestellen.

 

Jan-Dirk:   Was ist mit dem Pastor? Der wird doch sicher mit uns reden wollen wegen der Trauerede, oder?

 

Klaus:        Meine Güte, was für ein Aufwand das alles ist.

 

Anna:        (streng zu Klaus) Ein Geburtstag hätte da weniger Arbeit gemacht, ja?

 

Klaus:        Geht es schon wieder los?

 

Jan-Dirk:   Hört ihr jetzt mal auf?!

 

Sonja:        Ja, was machen wir denn jetzt zuerst? Wir sollten uns da schon einig sein oder die Aufgaben zumindest aufteilen. Ich bin für Blumen bestellen. Ich liebe Blumen. Möchte jemand mit zum Floristen?

 

Hannelore: Ja äh...

 

Jan-Dirk:   Dann werd´ ich mal mit dem Pastor telefonieren. (zu Hannelore) Wie heißt der?

 

Hannelore: Also...

 

Anna:        Dann lass´ uns die Traueranzeige vorbereiten, Tante Hannelore. Hatte Vater vielleicht einen Lieblingsspruch aus der Bibel?

 

Hannelore: Ich bin da nicht ganz sicher. (weiß nicht mehr was sie noch antworten soll)

 

20. Szene

Magda:      ("platzt" zügig ins Zimmer) Ach, da sind Sie ja schon wieder.

 

Klaus:        Ja, da sind wir schon wieder. Weil wir unseren lieben Schwiegervater nicht sehen dürfen. Da hatten SIE vielleicht nicht irgendwelchen Einfluss drauf - auf diese Entscheidung? Ich meine... so als langjährige Zofe.

 

Magda:      Entschuldigung, was Sie nur von mir denken.

 

Anna:        (noch ruhig aber "geladen") Klaus, wenn es hier in den nächsten zwei Tagen keinen weiteren Toten geben soll... tust Du mir dann bitte einen Gefallen?

 

Klaus:        (eher belustigt) Äh... ja... was denn?

 

Anna:        (sehr laut und fast hysterisch) HALT EINFACH DEINE DÄMLICHE KLAPPE!

 

                  (kurzes Schweigen, alle sind etwas geschockt)

 

Jan-Dirk:   (stellt sich dann hinter Anna, legt seine Hände kurz auf ihre Schultern) Ist ja gut. Beruhige Dich. Ist alles ein bißchen viel auf einmal, nicht wahr?!

 

Anna:        (weint)

 

Sonja:        (zieht ihren Mann zu sich zurück) Genau. Ein bißchen viel.

 

Hannelore: Tja... hähä... was wollten Sie uns denn mitteilen, Frau Kübelmeister? Nun sagen Sie doch schon.

 

Magda:      Ja. Ich äh... wollte Sie vorhin nicht beunruhigen und Sie erstmal in Ruhe ankommen lassen, aber Herr Schumann hat mir vor einigen Wochen DOCH ein paar Dinge mitgeteilt. Und alles war absolut seine freie Entscheidung. Glauben Sie mir bitte. Auch Sie, Herr Kramer.

 

Klaus:        Ja ja. Ich sag´ gar nix mehr.

 

Sonja:        Was hat er Ihnen mitgeteilt?

 

Magda:      Nun, er hat mir zwar nichts von seiner Verfügung beim Bestatter erzählt, das müssen Sie mir glauben, aber es gibt da ein paar andere Entscheidungen.

 

Jan-Dirk:   Welche?

 

Magda:      Herr Schumann möchte keine Blumen-Kränze zu seiner Beerdigung. Sie können sich den Weg zum Gärtner also sparen.

 

Sonja:        Was?

 

Magda:      Er hat auch gesagt, dass es keine Todes-Annonce in der Presse geben soll. Mit den Nachbarn hatte er absolut keinen Kontakt, die müssen also auch nichts wissen. Eine anschließende Teetafel nach der Beisetzung kommt somit auch nicht in Frage. Und der Pastor...

 

Jan-Dirk:   Ja?

 

Magda:      Er... also Herr Schumann hat die Trauerrede bei dem Pastor schon vor Monaten hinterlegt. Es ist alles fertig.

 

Hannelore: (beruhigt, seufzt gestellt) Ja, so war er - mein Bruder.

 

Sonja:        Dann... dann... wir können gar nichts tun?

 

Jan-Dirk:   Sieht ganz so aus.

 

Klaus:        Aber zahlen - das dürfen wir!

 

Anna:        (holt Luft, will schon wieder "explodieren")

 

Klaus:        Ups - tschuldigung. Ich geh´ mal an die frische Luft. (ab)

 

21. Szene

Sonja:        Das ist alles total ungerecht. Und traurig macht mich das auch. Anna und ich sind seine Töchter. Und Klaus und (zu Jan-Dirk) Du - ihr seid seine Schwiegersöhne. Tante Hannelore - Du bist seine Schwester. Und wir alle sollen nicht das Recht bekommen, in Würde Abschied von ihm zu nehmen? Das kann er uns einfach so verbieten?

 

                  (kurzes Schweigen)

 

Anna:        Eigentlich ist es richtig. Absolut richtig. Vater hat sich bestimmt gedacht: Wer sich zu Lebzeiten nicht um mich kümmert, soll es nach meinem Tod auch nicht verdienen.

 

Jan-Dirk:   Da ist sicher was dran.

 

Sonja:        Und da gibt es keine Gesetze, die es zulassen, dass wir dennoch was für ihn tun?

 

Hannelore: Es ist sein letzter Wille, Sonja. Sollten wir ihm das verwehren? Wenn Du gerne ein rotes Kleid tragen würdest auf Deiner letzten Reise; würdest Du es gutheißen, wenn man Dir dann einen schwarzen Hosenanzug anziehen würde?

 

Sonja:        Neeeeee, Hosenanzüge mag ich eh nicht. Die machen dick.

 

Anna:        (mehr zu sich selbst) Boah, die rafft nix.

 

Jan-Dirk:   Uns bleiben hier aber noch zwei Tage bis zur Beerdigung. Was können wir denn machen in dieser Zeit? Irgendwas müssen wir doch tun.

 

Sonja:        Das ist eine gute Frage. WAS können wir tun?

 

Anna:        Trauern. Trauern um unseren Vater und auch um uns. Vater trauert da oben im Himmel sicher mehr um uns als wir um ihn.

 

Sonja:        Du denkst, Vater ist im Himmel? Ich dachte der liegt im Sarg.

 

Anna:        (schaut Sonja ungläubig an) Mein Gott, das ist ja nicht zum Aushalten. Wie doof bist Du eigentlich?! (zügig ab nach draußen)

 

22. Szene

Sonja:        Hast Du das gehört, Mäuschen? Die hat mich ja wohl voll beleidigt.

 

Jan-Dirk:   Ja, es ist nur... mach Dir nichts draus. Sie ist wohl gläubig, soweit ich das einschätze. Von wegen Himmel und so.

 

Sonja:        Echt? - Krass.

 

Jan-Dirk:   Tja, wenn wir denn gar nichts zu erledigen haben, werden Sonja und ich auch erstmal wieder gehen. Wir brauchen ja ein Hotel für die nächsten beiden Nächte.

 

Magda:      Wir haben ja all ihre Mobilfunknummern. Darüber können wir dann ja Kontakt halten.

 

Jan-Dirk:   Ja gerne. Wir sehen uns dann - na, spätestens übermorgen.

 

Hannelore: Ja. Bis dann.

 

Magda:      Auf wiedersehen. Sie finden ja ohne mich heraus. ich mach die Tür gleich zu.

 

Sonja:        Ja ja. Tschüsssiiii... (beide ab)

 

23. Szene

Hannelore: (schauen sich an, und Magda seufzen gemeinsam auf)

 

Magda:      Was für ein böses Spiel die hier doch treiben.

 

Hannelore: Na, mein Bruder hat ja wohl mit diesem bösen Spiel angefangen.

 

24. Szene

Gustav:      (ist sodann wieder hereingekommen) Genau so ist es. Und das ist gut so. Sollen sie jetzt alle zwei Tage lang warten und leiden bis zu meiner Beerdigung. Und nichts, aber auch gar nichts sollen und werden sie für mich tun.

 

Magda:      Herr Schumann, wir verstehen Ihren Ärger. Aber bitte sagen Sie uns jetzt, was Sie als Nächstes vor haben.

 

Gustav:      Was ich jetzt vor habe? Jetzt wird erstmal ein bißchen gefeiert. (geht zum CD-Recorder) Holen Sie uns bitte eine Flasche Sekt und drei Gläser, Frau Kübelmeister. Ich will mich jetzt besaufen und dazu gehört auch die richtige Stimmung. (stellt den Recorder an, daraus ein flotter Schlager wie "Atemlos durch die Nacht" von Helene Fischer o.a. Gustav erhebt die Arme, tänzelt beim Lied mit)

 

Magda:      (und Hannelore schauen ihm nur verwundert zu, also sodann...)

 

25. Szene

Anna:        (wieder zügig hereinkommt, nicht glauben kann, was sie da sieht)

 

Magda:      (und Hannelore äußerst erschrocken)

 

Gustav:      (ebenso, stellt dann sofort die Musik aus) A N N A!

 

Anna:        V A T E R! - Ich... ich hab´ meine Handtasche vergessen.

 

 

 

 

Blackout

 

 

Schneller Vorhang

 

Ende des ersten Akts

 

Druckversion Druckversion | Sitemap Diese Seite weiterempfehlen Diese Seite weiterempfehlen
© Die ganze Welt ist eine Bühne