Lange danach gesucht - auf Ibiza 2012 endlich gefunden
Musiker gesucht

                Das Mord-Komplott

 

            Kriminalkomödie in 3 Akten von

 

              Helmut Schmidt

 

Inhalt:

Alida Neumann sieht in ihrer Ehe mit Ingo keinen Sinn mehr und will sich mit Schlaftabletten das Leben nehmen. Ingo hat sich und seine Frau mit „falschen“ Aktien und dem viel zu großen Haus in den finanziellen Ruin getrieben und somit hat das Ehepaar mehr als 300.000 Euro Schulden. Alida glaubt außerdem, dass Ingo ein Verhältnis mit einer anderen Frau hat, da er in letzter Zeit viele Briefe und Anrufe von verschiedenen Damen bekommt. Dazu kommt noch, dass Ingo verlangt hat, dass Alida vier Lebensversicherungen zu je 150.000 Euro abschließen soll. Alida denkt, sie soll von ihrem eigenen Ehemann ermordet werden und wählt deshalb vorher lieber den Freitod. Doch dazu kommt es nicht, denn Ingos Plan sieht ganz anders aus. Er inseriert in diversen Zeitungen, dass er Fotomodelle sucht und lädt diese zu sich ein. Er sucht ein Ebenbild seiner Frau Alida – zumindest in Größe und Gewicht. Diese will er dann betäubt in das Auto seiner Frau setzen, einen Abhang hinunter stürzen lassen, um so mit einem vorgetäuschtem Unfall seiner „Ehefrau“ das Geld für die Lebensversicherung zu kassieren. Danach wollen sich Alida und Ingo ins Ausland absetzen. In Gabi Koch findet Ingo schließlich das perfekte Opfer. Doch ungewollt verliebt sich Ingo in sein Model und wirft den Plan um, indem er nun doch seine Alida in das Auto setzen will. Gabi erfährt kurz vor dem geplanten Mord zufällig von Alida welchen Plan Ingo zunächst hatte und kann es kaum fassen, dass sie umgebracht werden sollte. Die beiden Frauen freunden sich nicht nur an, sondern entdecken auch die Liebe zueinander und schmieden dann den Plan, Ingo zu beseitigen. Doch die mit Zyankali vergiftete Cola wird versehentlich von Ingos Freund Sven getrunken. Wohin aber so schnell mit der Leiche? Denn unentwegt taucht die neugierige Nachbarin Else Krautwurst auf.

 

 

Rollen: 5 (2m/3w)                                                    Mindestgebühr: 72,00 Euro

Spielzeit: ca. 100 Min.                                             1 Bühnenbild (Wohnküche)

 

Rollen und Einsätze:

 

Ingo Neumann (240):

ca. 30-40 Jahre

 

Alida (224):

seine Frau, 25-40 Jahre

 

Else Krautwurst (111):

Nachbarin, 50-70 Jahre

 

Gabi Koch (215):

Model, 25-40 Jahre

 

Sven Theisen (72):

Freund von Ingo, 25-40 Jahre

 

 

Bühnenbild:

Das Bühnenbild zeigt die Wohnküche von Ingo und Alida Neumann. Sie ist sehr nobel eingerichtet mit Tisch, Couch und Sesseln, großen Bildern an den Wänden, sowie diversem Luxus, den sich Durchschnittsbürger nicht leisten könnten. Desweiteren eine Stereoanlage, Regale mit Büchern und CDs, außergewöhnliche Skulpturen, diverse Blumen, ein Teppich, evtl. ein Kamin, sowie vieles Weiteres – ganz nach dem Geschmack und den Möglichkeiten der Bühnenbauer. Nach hinten führt eine Tür zum Flur nach draußen, nach rechts* oder links* eine weitere Tür zu anderen Räumen (Küche, Schlafräume u. a.) Irgendwo steht das Telefon.

Alles weitere ist der Spielgruppe überlassen.

 

*Im Stück wird beim Abgehen in die anderen Räume jeweils „rechts“ angegeben.

 

Spielort:

Größeres Dorf

 

Spielzeit:

Sommer in der Gegenwart

 

 

1. Akt

 

Wenn der Vorhang sich öffnet, sitzt Alida am Tisch und hält ein Diktiergerät in ihrer Hand. Auf dem Tisch stehen ein Glas mit Wasser und einem Löffel, mehrere leere Medikamenten-schachteln von der gleichen Sorte, sowie ein Mörser und Stößel, darin ein Pulver von vielen zerstoßenen Tabletten. Alida wirkt zunächst apathisch, starrt das Diktiergerät an. Es ist ein Wochentag in den Nachmittagsstunden

 

 

1. Szene

Alida:

(plötzlich vom Nichts erschrocken, legt das Diktiergerät auf den Tisch, schüttet das Pulver vom Mörser in das Glas, rührt es hektisch um, ihre Hände zittern; nimmt dann wieder das Gerät zur Hand, drückt auf den Aufnahmeknopf. Ihr Sprechen klingt verzweifelt und etwas weinerlich und zittrig, aber dennoch entschlossen) Ingo, mein Schatz; ich habe lange, sehr lange nachgedacht, ob wir beide noch eine neue Chance haben. Aber die Aussichten sind nicht sehr rosig – um nicht zu sagen – wir sind am Ende. Absolut am Ende. Mehr als 300.000 Euro Schulden können uns niemals wieder ein einigermaßen erträgliches Leben ermöglichen. Ich bin Dir nicht böse; Du hast eben nur Pech gehabt, mein Liebling. Wir haben Pech gehabt. Aber ich habe Angst. Angst vor dem, was in Deinem Kopf vorgeht. Du bist seit einigen Tagen so still; und mir scheint es, als wenn Du irgendetwas planst, wovon ich nichts wissen darf. (sie hält inne, muß schlucken, stellt das Gerät ab, nach einer kleinen Pause drückt sie erneut den Aufnahmeknopf) Und Deinem Verhalten nach zu urteilen, steht auch eine andere Frau zwischen uns. Ich verstehe auch nicht, warum ich vier Lebensversicherungen zu je 150.000 Euro abschließen sollte. Ich befürchte, dass Du etwas abscheuliches planst. Aber ich liebe Dich. Egal, was Du auch vor hast. Doch bevor mein Verdacht sich als richtig erweist, werde ich dem ganzen ein Ende setzen. In ewiger Liebe – Deine Alida. (drückt dann die Austaste, legt das Gerät auf den Tisch, seufzt; nimmt das Glas in die Hand, rührt und rührt, starrt dabei vor sich her) Na denn... (setzt das Glas an)

 

2. Szene

Ingo:  

(kommt zügig von hinten herein; ist modisch gekleidet, hat eine Aktenmappe in der Hand) Hallo Schatz.

 

Alida:

(verschluckt sich, hat aber erst sehr wenig von ihrem „Cocktail“ getrunken) Ingo... Du schon? Du hast doch gesagt, vor fünf wärst Du nicht zurück.

 

Ingo:  

Ich weiß; aber ich hatte ganz vergessen, das ich gegen drei einen Termin hab´ – hier im Haus. (wirft seine Aktenmappe in eine Ecke, holt vom Regal einen Ordner, blättert während des nächsten Dialogs darin)

 

Alida:

Termin? Wieso Termin. – (ist mit der Situation etwas überfordert) Ja aber... was mach ich denn jetzt? – Oh Gott...

 

Ingo:  

Wieso? Stör´ ich Dich bei irgendwas?

 

Alida:

Stören? (lacht hysterisch auf) Stören... Ingo, ich...

 

 

Ingo:  

(sieht das Diktiergerät auf dem Tisch liegen) Hier ist das Ding. (nimmt es) Und ich hab´ mich schon halb tot gesucht danach.

 

Alida:

Ja, das hatte ich mir ausgeliehen. Weil..., weißt Du, Ingo...

 

Ingo:  

(sieht nun die Medikamenten-Schachteln, Mörser und Stößel, sowie das Glas) Geht es Dir

nicht gut? Du sollst nicht soviele Medikamente nehmen, das weißt Du doch. Das ist Gift. Wenn Du etwas nimmst gegen das eine Wehwehchen, dann brauchst Du wegen der Nebenwirkungen wieder andere Tabletten. Ist ein Teufelskreis – kannst Du mir glauben. Medikamente bringen einen um!

 

Alida:

(verzweifelt, dann laut hysterisch) Ja, das hatte ich mir auch eigentlich so gedacht!

 

Ingo:  

(versteht nicht) Was? - Wenn Du Kopfschmerzen hast, dann geh besser mal zur Massage. (schaut sie an) Mensch Alida – Du siehst heute auch wirklich nicht gut aus. Vielleicht solltest Du mal zum Arzt gehen. (findet jetzt in dem Ordner das richtige Formular, nimmt es heraus) Jawoll. Das ist es!

 

Alida:

Ingo, kannst Du mir bitte einmal zuhören?

 

Ingo:  

(schaut auf die Uhr, wirkt etwas hektisch) Nein Schatz, dazu ist keine Zeit mehr. Denn ich muß Dir etwas sagen! (geht zu ihr) Alida, Du weißt ganz genau, wie tief wir uns verschuldet haben. Dieses große Haus hier hat uns nicht nur in den Ruin getrieben; auch diese Scheiss-Aktien. Fast ´ne halbe Millionen Euro Schulden... Alida – es tut mir leid, wenn ich Dir das so direkt sagen muß – aber damit kann ich nicht leben.

 

Alida:

(leicht hysterisch) Ich ja auch nicht!

 

Ingo:  

Siehst Du?! Auf einen Lottogewinn können wir nicht warten. Und irgend ´ne reiche Oma  hat auch niemand von uns beiden, von der wir mal was erben könnten.

 

Alida:

(weinerlich) Wir haben ja nicht mal mehr Eltern, an die wir uns wenden könnten. Ganz zu schweigen von Freunden; bis auf Sven und unsere (ironisch) liebe Nachbarin Else Krautwurst. Ich wußte, das Du ebenso denkst wie ich. (dann etwas „erfreuter“) Oh Ingo – dann willst Du mit mir gehen?!

 

Ingo:  

Bitte? Wohin gehen?

 

Alida:

Na, dorthin, wo wir dieses Leben vergessen können und besser untergebracht sind. Wo auch immer das sein mag.

 

 

Ingo:  

Sag mal, was hast Du denn für Gedanken im Kopf? Bist Du verrückt? Du willst... (denkt kurz nach, greift dann nach den Tablettenschachteln, sieht darauf, ahnt nun, was Alida vor hatte) Sag mal, spinnst Du?! Du kannst doch nicht Dein Leben... (muß schlucken, umarmt sie dann stürmisch, drückt sie innig) Alida...

 

Alida:

(weint dann wieder) Ich weiß eben nicht mehr weiter, Ingo. Was soll ich denn machen?

 

Ingo:  

(versucht sie zu trösten) Großer Gott, da bin ich dann ja noch gerade im richtigen Augenblick zurückgekommen. Was hast Du nur für Dinge im Kopf? Sowas tust Du nie wieder, hörst Du?! Du kannst Dich doch nicht umbringen.

 

Alida:

Du hast Dich so verändert in den letzten Wochen, Ingo. Du redest kaum noch mit mir. Immer tust Du so geheimnisvoll. Und wieso mußte ich innerhalb der letzten sechs Wochen vier Lebensversicherungen abschließen zu Deinen Gunsten? Und jede zu 150.000 Euro? Das hat doch was zu bedeuten. Du erhälst jeden Tag Briefe von Frauen, die ich nicht kenne. Und was hat es mit diesem Ordner (deutet auf den Ordner, der auf dem Tisch liegt) auf sich, in denen Du dann immer diese Briefe abheftest? Was hast Du plötzlich für einen Termin hier bei uns im Haus? Mit wem? - Ingo, ich hab´ keine Kraft mehr das zu verstehen. Du machst mir Angst.

 

Ingo:  

Schatz, ich weiß; ich hab´ zu lange gewartet. Viel zu lange. Ich hätte Dir schon viel eher von meinem Plan erzählen sollen.

 

Alida:

(beruhigt sich während der nächsten Sätze langsam) Plan? Was für ein Plan?

 

Ingo:  

Pass auf! Ich wollte erstmal alles perfekt vorbereitet haben, bevor ich Dir von dieser Sache erzähl´. Deshalb hab´ ich solange geschwiegen. Ich weiß auch, das Du mir diesen Gedanken ausgeredet hättest, wenn ich Dich vorher eingeweiht hätte. Also: Seit 14 Tagen gebe ich jeden Tag Annoncen auf, das ich Fotomodelle suche. Wenn sie mir schreiben, bekommen die Frauen einen Fragebogen von mir zugeschickt; den müssen sie dann ausgefüllt hier wieder herschicken. – Das sind die Briefe, Alida.

 

Alida:

Ja aber... wieso suchst Du Fotomodelle?

 

Ingo:  

Tu ich doch eigentlich gar nicht. Ich verspreche den Damen einen Haufen Geld, falls ich mich für sie entscheiden sollte. Den Fragebogen muß jedes Model ganz genau ausfüllen. Größe, Gewicht, ob sie Narben haben, und und und. Ihrer Antwort muß natürlich ein Bild beigefügt sein. 

 

Alida:

Ich versteh das nicht.

 

Ingo:  

44 Frauen haben schon geschrieben. Und gestern hab´ ich sie endlich gefunden.

 

Alida:

Wen Ingo?

 

Ingo:  

Warte mal. (blättert wieder in seinem Ordner) Gabi. Gabi Koch. Kommt aus Hamburg. Gabi Koch hat fast exakt Deine Größe, und auch fast alle anderen Maße kommen ungefähr hin. Und die kommt hier (schaut auf seine Uhr) in zehn Minuten her um sich vorzustellen.

 

Alida:

Ingo, ich werd noch bekloppt. Was soll das alles?

 

Ingo:  

Du läßt Dich am besten gar nicht blicken, wenn sie gleich kommt. Das was sie geschrieben hat klingt schon ganz gut; aber ich muß sie natürlich sehen – in natura – Du verstehst?! Ich will versuchen, das sie Vertrauen zu mir aufbaut. Und wenn alles passt, entscheide ich mich für sie. (überlegt) Mein Studio hab´ ich in der Stadt, sag ich mal. Sonst wundert sie sich, wieso hier nirgendwo ´ne Kamera steht und so. Und dann lass ich sie noch ein zweites mal hierherkomen. Irgendwann an einem späten Abend.

 

Alida:

Und dann?

 

Ingo:  

Dann ist sie allerdings das letzte Mal hier. Und bis dahin muß alles perfekt geplant sein.

 

Alida:

Was soll das heißen? Was hast Du vor? Ingo, wenn Du kriminell werden willst, dann geh ich zur Polizei.

 

Ingo:  

(überlegt dann einen Moment) Nein... was heißt kriminell? Gabi Koch hat auf ihr Formular geschrieben, das sie unheilbar krank ist. Sie hat nicht mehr lange zu leben, schreibt sie. Und einmal Model sein, das ist ihr letzter Wunsch.

 

Alida:

Und das stimmt auch? Lass mal sehen! (will den Ordner nehmen)

 

Ingo:  

(nimmt ihn ihr aber schnell weg) Alida bitte. Vertrau mir.

 

Alida:

Na gut. - Und dann? Was hast Du mit ihr vor?

 

Ingo:  

Sie wird von mir betäubt; nachts fahr´ ich dann mit ihr in Deinem Auto zur Petershagener Schlucht, setz´ sie dann ans Steuer und roll den Wagen den Abhang hinunter.

 

Alida:

(fasst es kaum) Ingo!

 

Ingo:  

Du weißt ja, dass es dort ungefähr 50 Meter runter geht. Das Auto explodiert garantiert, und von Gabi Koch bleibt so gut wie nichts übrig. Jeder wird denken, das DU es gewesen bist, die

 

im Dunkeln die Absperrung nicht gesehen hat und dort diesen grauenhaften Unfall gehabt hat. Ich spiele zwei bis drei Wochen den traurigen Witwer und dann setzen wir beide uns ab ins Ausland. Bis dahin darfst Du Dich hier im Dorf natürlich nirgends sehen lassen. Und dann zischen wir ab. Und zwar mit vier mal 150.000 Euro aus Deiner Lebensversicherung. Na, was hälst Du davon?

 

Alida :           

Das… das kannst Du doch nicht machen. Das ist Mord!

 

Ingo:  

Mord… Alida, ich erspare dieser Frau ein langes Leiden. Mann eh – das Leben ist nun mal hart und ungerecht – und ebenso müssen wir auch endlich werden. Engel sind wir alle nicht.

 

Alida:

Ingo, wir haben schon mal unsere Hausrat-Versicherung betrogen, ich hab´ hier und da schon mal was mitgehen lassen – vor allem im Supermarkt; wir haben versucht Falschgeld zu drucken...

 

Ingo:  

...was uns leider nicht geglückt ist.

 

Alida:

Eben! Was uns nicht geglückt ist. Wir sind wohl beide keine Engel; da hast Du vollkommen recht. Aber Mord, Ingo – Mord, das geht mir zu weit. Ich hab´ keinen Bock auf Knast.

 

Ingo:  

Mord – wie sich das schon anhört. Das ist nichts anderes als Beihilfe zum Selbstmord. Ich möchte wetten, das diese Gabi Koch schon oft mit dem Gedanken gespielt hat sich umzubringen. Nun muß sie sich keine Sorgen mehr machen; weil wir ihr dabei helfen. Außerdem geht das ruck-zuck. Sie spürt doch so gut wie nichts, wenn sie betäubt die Schlucht hinunterstürzt.

 

Alida:

Furchtbar. Kalte Schauern gehen mir über, wenn ich da nur dran denke.

 

Ingo:  

Gabi Koch sorgt dafür, dass das Leben von uns beiden glücklich weitergehen kann.

 

Alida:

Und Du bist auch ganz sicher, das dieser Gabi nicht geholfen werden kann? Ich meine, gibt es absolut keine Chance, das sie wieder gesund wird?

 

Ingo:  

Keine Chance.

 

Alida :           

Schrecklich sowas.

 

(es klingelt an der Aussentür)

 

 

 

 

 

Ingo:  

(und Alida plötzlich in Eile) Oh, ob sie das schon ist? – Hau besser ab und lass mich das alleine machen. (kramt die Tablettenschachteln zusammen, Glas, Mörser, usw., drückt es ihr in die Hand)

 

Alida:

Ich würde diese Gabi aber auch gerne kennenlernen. Sie kann mir so leid tun.

 

Ingo:  

Eben deshalb ist es viel besser, wenn Du sie erst gar nicht siehst. Ich kenn doch Dein weiches Herz. („schiebt“ sie ab nach rechts)

 

Alida:

Oh Mann... (ab)

 

Ingo:  

(fährt sich dann schnell mit den Handflächen durch´s Haar, schaut sich nochmal im Raum um ob alles „okay“ ist, geht dann zur Tür nach hinten, geht hinaus, öffnet dann die Aussentür)

 

3. Szene

Else:   

(kommt herein) Halloo... (ist dann auch schon im Zimmer, hat einen Koffer dabei, darauf ein Aufkleber „The Future and more...“, legt den Koffer dann auf den Tisch, macht ein erfreutes Gesicht) Ich bin es.

 

Ingo:  

(etwas genervt und entäuscht, kommt auch wieder ins Zimmer zurück, schließt die Tür) Else, guten Tag.

 

Else:   

(schaut auf den Tisch) Oh, habt ihr schon Kaffee getrunken, oder ist der noch in Arbeit? – Ist Alida gar nicht da?

 

Ingo:  

(seufzt) Zu Deiner ersten Frage: Nein, Kaffee haben wir noch nicht getrunken, weil ich erst vor 10 Minuten zurückgeommen bin; und – ja – Moment, ich hol Alida. (geht zur Tür nach rechts, ruft dorthin:) Alida, Besuch.

 

4. Szene

Alida:

(kommt wieder herein) Ja? – Oh, Else, Du?

 

Else:   

Richtig. Ich. Nun ratet doch mal, was mein Erich mir zum Geburtstag geschenkt hat! (deutet auf den Koffer)

 

Ingo:  

(gelangweilt) Was möchtest Du ausleihen, Else? Eier, Butter, Zucker, Milch?

 

Else:   

Wie kommst Du denn darauf?

 

 

 

Ingo:  

Sind noch zwei Brötchen da von heute morgen. Die kannst Du haben – aber sonst nichts, hörst Du?!

 

Alida:

(strafend:) Ingo!

 

Else:   

Was ist denn nur los mit Dir, Ingo? Ich will doch gar nichts ausleihen.

 

Ingo:  

Achnee? Das wäre dann ja mal ganz was Neues.

 

Else:   

Also – was glaubt ihr, womit hat Erich mich überrascht zu meinem Geburtstag? (deutet auf den Koffer)

 

Ingo:  

(gelangweilt) Ein neues Essbesteck.

 

Else:   

Quatsch – ein Essbesteck haben wir doch zur Hochzeit bekommen von meinen Eltern – echt silber. Ist wohl schon ein paar Jahre her, aber das wäre trotzdem nicht gut, wenn wir schon wieder ein neues Besteck haben müßten. Also – was hab´ ich geschenkt bekommen?

 

Alida:

Geburtstag? Heute? – (plötzlich) Achja. Else – ich gratuliere auch. (reicht ihr die Hand)

 

Else:   

Danke, vielen Dank. (wartet dann noch auf Ingos Glückwunsch)

 

Ingo:  

(steht genervt da, schaut nervös auf seine Uhr)

 

Alida:

(deutet Ingo, dass er auch gratulieren soll)

 

Ingo:  

Was? (begreift dann) Achso. Ja, ich gratuliere auch von Herzen, Else. (macht dieses, aber recht gelangweilt) Schon wieder ein Jahr älter, wie?!

 

Else:   

Jawoll. Aber im Herzen 25 geblieben.

 

Ingo:  

Und an Deinem Geburtstag bist Du hier – jetzt; zur Kaffee-Zeit?

 

Else:   

Meine Gäste kommen alle erst heute abend – ihr doch auch; das habt ihr doch nicht vergessen, oder?

 

 

 

Ingo:  

(weiß es nicht genau)

 

Alida:

(weiß es auch nicht genau, schaut Ingo ratlos an)

 

Ingo:  

Natürlich haben wir das nicht vergessen. Äh... um halb acht, nicht wahr?!

 

Else:   

Genau. Und bitte pünktlich. Ich hab´ nämlich warmes Essen um Punkt halb acht auf dem Tisch stehen. Aber nun erstmal zu meinem Geschenk von Erich. Schaut euch das an. „The future and more“. Das ist englisch und bedeutet soviel wie “Der Blick in die Zukunft”, oder so. Das ist etwas ganz Besonderes. Damit kann man alles vorhersehen. Alles was Du über Dein Leben wissen willst, sitzt hier in diesem Koffer.

 

Alida:

(ganz beeindruckt) Echt?

 

Ingo:  

(eher gelangweilt) Na toll. Du willst uns hier nun doch aber nicht ein paar Kunststückchen vorführen mit diesem Blödsinn, oder?

 

Else:   

(öffnet den Koffer) Was heißt Kunststückchen und Blödsinn? Interessiert euch denn gar nicht, was in eurem Leben noch so passiert?

 

Alida:

Aber ja! Mich schon.

 

Ingo:  

Else – Alida; die Zukunft ist nicht geschrieben. Und das einzige, was bei so ´nem Future-Kram rauskommt, ist der Gewinn, den dieser Kerl damit macht, der diesen Koffer auf den Markt gebracht hat. Und außerdem... (zeigt Alida seine Armbanduhr, deutet darauf)

 

Alida:

Ja ja. Ich find das aber trotzdem spannend.

 

Else:   

Siehst Du, Ingo?!

 

Alida:

Lass mal sehen. (schaut neugierig in den Koffer)

 

Else:   

Hier. Erstmal das dicke Handbuch, Tarot-Karten, Glaskugel, Bleigießen – alles was Du willst. (die Sachen können teilweise gezeigt werden, muß aber nicht, falls Ihrer Gruppe diese Artikel nicht zur Verfügung stehen)

 

Ingo:  

Alles nur Hokus Pokus!

 

 

 

Alida:

Und Du kannst damit auch mir sagen, wie meine Zukunft verläuft?

 

Else:   

Wenn ich es doch sage. Deine Zukunft, Alida – Deine, Ingo – oder die Zukunft von euch beiden zusammen, oder eben allgemein – jede Sache hat eine eigene Abteilung in diesem Kasten – Soll ich?

 

Alida:

(findet durch diese Sache plötzlich wieder neuen Mut) Oh ja. Mach mal!

 

Ingo:  

Oh nein...

 

Else:   

Und? Was darf es sein?

 

Ingo:  

Ich geh nach nebenan und bereite alles vor. – Else; zehn Minuten, länger kannst Du leider nicht bleiben. Ich bekomm gleich wichtigen Besuch.

 

Else:   

Ja ja, nun reg Dich ab.

 

Ingo:  

(recht wütend zu Alida schauend, dann etwas „geladen“ an nach rechts)

 

5. Szene

Else:   

So, und nun sag. Was für ´ne Methode soll ich wählen?

 

Alida:

(kann plötzlich die Tränen nicht mehr verbergen, holt ein Taschentuch hervor)

 

Else:   

(sieht das dann) Hey hey, was ist denn?

 

Alida

Ach Else, noch vor zehn Minuten hatte ich vor, hier mein Leben... (stockt) und nun schau ich

in die Zukunft.

 

Else:   

Hä?

 

Alida:

Was erzähl´ ich Dir eigentlich? (zwingt sich, sich zu beruhigen) Fang einfach an.

 

Else:   

Ist alles in Ordnung, Alida?

 

Alida:

Ja ja.

 

 

Else:   

Ich weiß nicht recht.

 

Alida:

Doch. Ich bin nur so aufgeregt. Also, ich hätte ganz gerne gewußt, was hier so passiert, na ich

meine, so mit Ingo und mir – so allgemein. Geht das mit dem Koffer?

 

Else:   

(blättert schnell in dem Buch) Ja sicher. Dann sollten wir Bleigießen. Hol mal ´nen kleinen

Eimer oder ´n Sektkübel oder sowas. Halb voll mit Wasser!

 

Alida:

(steht auf, abgehend nach rechts, etwas enttäuscht) Bleigießen? Das macht man doch auch an Silvester. Und das trifft dann doch nie ein, was einem für´s kommende Jahr prophezeit wird. (ab)

 

Else:   

(holt derweil einen Löffel hervor, ein Bleistück, welches sie auf den Löffel legt, liest in dem Buch, ist selbst auch ganz aufgeregt, ruft Alida nach rechts zu) Ja, mit dem billigen Silvester-Blei kann das ja auch nicht funktionieren. Aber mit meinem neuen Koffer... warte es nur ab. Du wirst Dich wundern. Ich hab´ das selbst ausprobiert. Erst vor ´ner halben Stunde. Das „Moment-Bleigießen“ zeigt Motive, die sofort in den nächsten Minuten eintreffen. Ich gieße also mein Blei, und was zeigt das Motiv – einen Kringel, das so ähnlich aussieht wie ein Telefon. Und ob Du es glaubst oder nicht – im nächsten Augenblick klingelt es bei mir.

 

Alida:

(ist mit einem Sektkübel oder kleinen Eimer zurückgekommen, darin etwas Wasser, ganz beeindruckt) Nein. Wirklich? Und wer war dran?

 

Else:   

Falsch verbunden – aber immerhin.

 

Alida:

(stellt den Kübel ab, setzt sich wieder; muß lachen; Else gibt ihr den Löffel mit dem Blei darauf) So, kann losgehen.

 

Else:   

(blättert wieder in dem Buch) Wie war das noch gleich? (findet) Ah ja. In welchen Zeitraum wollen wir blicken? Sofort? Die nächsten Tage? Wochen, oder Monate? Was interessiert Dich am meisten?

 

Alida:

Ja, also – sagen wir mal... so die nächsten Wochen. Ja, was so in den nächsten zwei bis drei Wochen hier vor sich geht bei Ingo und mir, das würde ich schon gerne wissen.

 

Else:   

Hhhm..., das ist schlecht.

 

Alida:

Was?

 

 

 

 

Else:   

Na ja, dann muß Ingo den Löffel auch mit anfassen, steht hier. Allein kann ich Dir nichts Persönliches von euch beiden anbieten. Das einzige, was möglich ist, das Du erfährst, was hier allgemein in diesem Haus passiert. Das kannst Du auch allein – ohne Partner, steht hier.

 

Alida:

Na ja, das ist ja auch schon was. Ingo krieg ich doch nicht dazu hier mitzumachen.

 

Else:   

Nicht wahr?! Gut, dann also allgemein die nächsten 14 Tage bis drei Wochen. (sucht wieder, findet, liest schnell) Hhmmm... hhmmm... allgemeines Geschehen... ja. (nimmt ein Feuerzeug, entfacht die Flamme, hält diese unter den Löffel, den Alida hält) Du mußt die Augen gleich dabei schließen steht hier, und den Satz sagen: „Schicksal, so nimm Deinen Lauf“, und das Blei mit Schwung in den Kübel kippen .

 

Alida:

Mach ich. (schließt die Augen)

 

Else:   

Moment noch... jaaa..., (wartet kurz) So, nun ist das Blei geschmolzen. Bist Du soweit?

 

Alida:

(nickt, wirkt nervös und angespannt, hat die Augen fest geschlossen) Mmmh...!

 

Else:   

(führt Alida´s Hand über den Kübel) Und los!

 

Alida:

Schicksal, so nimm Deinen Lauf! (und gießt das Blei in den Eimer) (HINWEIS: Sie müssen nicht wirklich Blei schmelzen; der Löffel muß nur so gehalten werden, damit die Zuschauer nicht sehen, dass kein Blei auf dem Löffel ist. In dem Kübel oder Eimer muß sich schon das „feste“ Stück Blei befinden, welches eine Art „Kreuz“ darstellt. Unten an dem Kreuz hängt vom Blei ein Faden) Hach, da bin ich ja mal gespannt.

 

Else:   

Ja, und ich erst.

 

Alida:

Und Du weißt nun auch gleich bestimmt, was das Motiv zu bedeuten hat?

 

Else:   

Stehen über 250 Motive hier in dem Buch. Ich wette, dass Deins auch dabei ist.

 

Alida:

Ist ja irre.

 

Else:   

So, ich denke, jetzt ist das abgekühlt. Du mußt es selbst herausholen, das ist ganz wichtig. Mit der rechten Hand.

 

Alida:

Aha. (tut dies, holt das beschriebene Teil aus dem Kübel, bzw. Eimer, schaut es unverständlich an) Tja, was mag das sein?

 

Else:   

(schaut ebenfalls neugierig darauf; dann etwas erschrocken) Alida, das ist doch ganz eindeutig ein Kreuz.

 

Alida:

Ein Kreuz? Ja, nun wo Du es sagst. Aber hier unten hängt noch was dran; so ´ne Art Faden. Hat das auch etwas zu bedeuten?

 

Else:   

Das wissen wir gleich. (blättert eifrig in ihrem Buch, sucht) Blume, Sonne, Schlange, Kreuz, da haben wir´s! (liest) Das Symbol des Kreuzes bedeutet in dem Haus Trauer in den nächsten Wochen. Diese kann sich durch ein unerwartetes Ereignis wie Krankheit, Arbeitslosigkeit oder auch Wohnungswechsel auswirken, aber auch durch (stockt leicht) - Tod.

 

Alida:

Oh Gott...

 

Else:   

Moment, das geht noch weiter ! (liest weiter) Kreuze mit Zusatz bedeuten: Kringel oder Faden oben – Fehlgeburt; Kringel oder Faden seitlich – Verlust eines Menschen in der Familie; Kringel oder Faden unten – (kleine Pause) Mord! (wird ganz still, schlägt langsam das Buch zu, nimmt sich das Bleimotiv nochmal zur Hand, hält es in Augenhöhe, so dass auch die Zuschauer es sehen können) Alida – der Faden an Deinem Kreuz ist unten.

 

Alida:

(ebenso geschockt, leise:) Mord!

 

Else:   

(mehr zu sich) In diesem Haus passiert in den nächsten Wochen also ein Mord.

 

Alida:

(wie in Trance:) Jaaa... (fängt sich dann schnell) Ach Else, das ist sicher so, wie Ingo vorhin schon gesagt hat – alles Hokus Pokus. Mord – hier in diesem Haus – ha, darüber kann man ja nur lachen.

 

Else:   

Lachen? Du denkst also, dass mein Koffer nicht die Wahrheit sagt? (steht langsam auf, man merkt, dass sie etwas ängstlich ist plötzlich, kramt die Sachen in den Koffer)

 

Alida:

Else, das ist nur ein Stück Blei, dass man flüssig in kaltes Wasser gießt. Was sagt das denn schon?

 

Else:   

Und wie erklärst Du Dir mein Zeichen? Das Telefon? Wieso hat es danach gleich geklingelt bei mir, als ich das Moment-Giessen gemacht habe? (geht schon zur Tür, macht immer noch einen ängstlichen Gesichtsausdruck)

 

Alida:

War wohl Zufall. Was denn sonst? Else, Mord – was denkst Du eigentlich von uns?

 

 

 

 

Else:   

(an der Tür) Das weiß ich jetzt auch nicht mehr genau. Ich weiß nur, das ich nun los muß. Wäre ja möglich, dass doch noch Gäste unverhofft am Nachmittag zu mir kommen. (zügig ab)

 

Alida:

Aber Else, so warte doch... (geht ihr noch nach, aber Else ist schon ab. Kommt zurück, schließt die Tür; zu sich selbst:) Mord – hier in dieser Wohnung... Aber wenn der Plan so läuft, wie Ingo es erzählt hat, dann soll dieses Modell hier doch nur betäubt werden. Der Mord passiert dann doch eigentlich in dieser Schlucht... (kurze Pause, dann aufgebracht) Alles nur Lügen! Ich bin es, die hier umgebracht werden soll. Und das lass ich nicht zu. Ich mach das selbst. Wieso hat er mich nur unterbrochen vorhin? (will zügig ab nach rechts, als es an der Tür wieder klingelt)

 

6. Szene

Ingo:  

(kommt währenddessen von rechts herein, stößt fast mit Alida zusammen; spricht noch, während er noch von rechts hereinkommt:) So Else, tut mir leid, aber... (wundert sich, dass sie schon gegangen ist) Ist sie auf ´s Klo gegangen oder wahrhaftig schon wieder weg?

 

Alida:

Else ist wieder gegangen.

 

Ingo:  

Na endlich. Es hat wieder geklingelt. Das ist Gabi Koch. (schaut auf die Uhr) Pünktlich wie die Feuerwehr. Bitte lass Dich nicht sehen, Alida, solange sie hier ist. Und nehm den Eimer (bzw. Kübel) mit. (geht schon zur Tür nach hinten)

           

Alida:

(tut dies) Ich... Ingo, ich...

 

Ingo:  

Ja?

 

Alida:

Ach nichts. (mit dem Kübel oder Eimer ab nach rechts, es klingelt erneut)

 

Ingo:  

(geht nach hinten, öffnet dann die Tür nach draußen) Guten Tag.

 

Gabi: 

Hallo.

 

Ingo:  

Bitte, kommen Sie herein.

 

7. Szene

Gabi: 

(kommt nun herein. Sie ist schick gekleidet, macht einen sympathischen Eindruck; hat eine Handtasche dabei, sieht sich im Raum um) ANMERKUNG: Es sollte hier darauf geachtet werden, dass die beiden Akteure Gabi und Alida sich zumindest in Gewicht und Größe etwas ähnlich sind.

 

 

Ingo:  

(folgt ihr, schließt die Tür) Tja, schön, dass Sie so pünktlich da sind. (mustert sie)

 

Gabi: 

Entschuldigen Sie – ich hab´ gedacht, dass ich hier in einem Studio eingeladen bin.

 

Ingo:  

Kann ich gut verstehen. Mein Foto-Studio ist in der Stadt; und bevor wir uns einig sind über alles, find ich es doch vorteilhafter, hier bei mir im Wohnzimmer über alles zu reden. Ist doch auch gemütlicher, nicht wahr?! Darf ich Ihnen etwas anbieten? Eine Tasse Kaffee, einen Likör, ein Glas Wein vielleicht…?

 

Gabi: 

Zu ´nem Glas Rotwein sag ich nicht “nein”.

 

Ingo:  

(geht zum Schrank, holt zwei Gläser heraus und eine Flasche Rotwein, sowie einen Korkenzieher) Aber bitte, nehmen Sie doch Platz.

 

Gabi: 

Danke.

 

(Man merkt recht deutlich – aber nicht zu übertrieben – dass Ingo Gabi sehr sympathisch findet)

 

Ingo:  

(öffnet die Flasche schenkt ein)

 

Gabi: 

(währenddessen:) Ich hab´ mich etwas gewundert über den Fragebogen, den Sie mir zugeschickt haben.

 

Ingo:  

Kann ich gut verstehen. Aber für das Projekt, was ich im Kopf hab´, such´ ich einen ganz bestimmten Typ Frau. Und dafür musste ich bei den Fragen leider ein wenig ins Detail gehen. Ich hoffe, Sie verzeihen mir das.

 

Gabi: 

Sicher.

 

Ingo:  

Haben Sie denn schon als Model gearbeitet?

 

Gabi: 

Bisher noch nicht. Meine Freundin sagt immer, dass ich das endlich mal wagen soll. Sie sagt mir schon seit Jahren, ich habe das gewisse etwas dafür. Na ja, und weil ich seit über einem halben Jahr nach einem neuen Job suche, hab´ ich mir gedacht...

 

Ingo:  

...dass Sie als Fotomodel vielleicht Karriere machen könnten. Und das war der beste Einfall, den Sie gehabt haben; glauben Sie mir. (reicht ihr jetzt das volle Weinglas) Frau Koch – auf eine gute Zusammenarbeit.

 

 

Gabi: 

Ich trinke immer auf den Weltfrieden.

 

Ingo:  

Und auch darauf.

 

Beide:

(trinken)

 

Gabi: 

(wundert sich) Wieso auf eine gute Zusammenarbeit? Ich denke, das dieses hier sowas wie ein Vorstellungsgespräch ist.

 

Ingo:  

Ist es jetzt nicht mehr. Wenn Sie mit den Einzelheiten einverstanden sind... ich hab´ mich soeben entschieden. Für Sie.

 

Gabi: 

Oh...

 

Ingo:  

Sicher möchten Sie nun wissen, um was es genau geht; wann wir definitiv mit dem Fotoshooting beginnen und so weiter.

Gabi:   Richtig. Nur... damit wir uns da gleich richtig verstehen – ich zieh´ mich nicht aus! Das heißt – nicht ganz.

 

Ingo:  

Das müssen Sie auch nicht; obwohl ich nichts dagegen hätte...

 

Gabi: 

(schaut ihn nur an, weiß nicht, ob sie wütend oder geschmeichelt sein soll über diese Äußerung)

 

Ingo:  

(hat sich mitlerweile auch gesetzt) Also, das ganze ist eine Werbekampagne für ein After Shave.

 

Gabi: 

(wundert sich sehr) Für ein After Shave? Hätten Sie sich da nicht besser einen Mann suchen sollen?

 

Ingo:  

Diese Frage habe ich jetzt erwartet von Ihnen. Aber das ist gerade der Punkt. Schauen Sie mal; After Shave wird von Männern benutzt nach dem Rasieren, weil sich die gereizte Haut davon entspannen soll. Zu 95% ist es aber der Duft, welches Rasierwasser ausmacht. Und die Männer benutzen es in erster Linie nicht für sich selbst, sondern für die Frauen, die es riechen sollen, verstehen Sie?!

 

Gabi: 

Hhmm...

 

 

 

 

Ingo:  

Denn Frauen finden das oftmals ganz angenehm – einen gut riechenden Mann.  Das kennen Sie doch sicher auch von Ihrem Mann, oder?!

 

Gabi: 

Ich bin nicht verheiratet. Ich hab´ mich vor drei Monaten von meinem Verlobten getrennt. Da gab es wohl noch eine andere, die sein After Shave besonders gut riechen konnte.

 

Ingo:  

Oh, das tut mir leid.

 

Gabi: 

Ist schon gut.

 

Ingo:  

Aber dennoch können Sie sich vorstellen, was ich meine, oder?

 

Gabi: 

Sicher. (schnuppert) Sie riechen auch nicht schlecht.

 

Ingo:  

Danke. Und genau darum geht es. Wir wollen einmal nicht nur den Mann auf dem Plakat, sondern vor allem die Frau, die diesen Duft mag.

 

Gabi: 

Das heißt also, dass ich zusammen mit einem Mann fotografiert werde.

 

Ingo:  

Ganz recht. Das Projekt sieht folgendermaßen aus: Er steht mit nacktem Oberkörper vor´m Spiegel; eben nachdem er das After Shave aufgelegt hat – während Sie dann im Morgenrock diesen Duft schnuppert.

 

Gabi: 

Dann werden die Bilder in gewisser Hinsicht also doch irgendwie erotisch?

 

Ingo:  

Nun ja – so ganz ohne Pfiff kann aber den Leuten nichts mehr verkaufen heute.

Sex sales.

 

Gabi: 

War auch nur ´ne Frage. Ist okay.

 

Ingo:  

Wir haben Probe-Bilder von unserer Idee eingesandt, und spontan den Zuschlag bekommen von der Firma. Genau sowas hätten sie schon immer gesucht; haben die uns geantwortet. Und es kann eigentlich sofort losgehen. Zum Ersten des nächsten Monats soll die Kampagne starten. (steht auf, holt einen Ordner aus dem Regal, sucht ein Formular)

 

Gabi: 

Hört sich interessant an.

 

 

 

 

Ingo:  

Das ganze dauert vielleicht insgesamt drei Tage bis wir die besten Bilder im Kasten haben. Sie geben dann Ihre Zustimmung, das in jeder Illustrierten und auch auf Plakaten diese Fotos mit Ihnen veröffentlicht werden dürfen. – Tja, und dann wollen Sie sicher wissen, wieviel da nun letztenendes bei rausspringt für Sie, nicht wahr?! Denn darum geht es ja auch.

 

Gabi: 

Na ja...

 

Ingo:  

(hält ihr das Formular hin) Wenn alles so läuft, wie ich mir das gedacht hab´, werden Sie nach dem Shooting pauschal bezahlt. Das hier ist der Betrag.

 

Gabi: 

(staunt nicht schlecht) Wow, also damit hätte ich nun nicht gerechnet. Nur für ein paar Fotos von mir? Das lohnt sich ja sogar.

 

Ingo:  

Und wenn Sie gut sind, dann können danach noch andere Projekte folgen.

 

Gabi: 

Dabei kann ich gar nichts vorweisen; ich hab´ noch nie als Model gearbeitet; vielleicht stell´ ich mich ja im Studio völlig dumm an. Sie können doch nicht Ihre Modelle nach schriftlichen Bewerbungen auswählen und nach Sympathie. Es gibt doch Castings.

 

Ingo:  

Da haben Sie vollkommen recht. Aber glauben Sie mir – ich allein darf mir die Frau für diese Werbekampagne aussuchen, die ich für passend halte. Und das sind Sie! Was können Sie denn schon falsch machen? Und so wie Sie aussehen... welcher Mann kann da schon wegsehen, wenn Sie auf einem Plakat zu sehen sind?

 

Gabi: 

Sie machen mich ganz verlegen, Herr Neumann.

 

Ingo:  

Und was die einzelnen Posen betrifft, da haben wir ein ganz spezielles Konzept entwickelt. Wenn Sie wollen, können wir gerne mal ´ne Probe machen; so wie es dann letztenendes im Studio in etwa auszusehen hat.

 

Gabi: 

Was denn, hier?

 

Ingo:  

Warum nicht? Oder haben Sie ein Problem damit?

 

Gabi: 

Nein nein.

 

Ingo:  

Und nur so erfahren wir, ob Sie sich wirklich eignen für diese Sache; und das waren doch vorhin noch Ihre Bedenken, nicht wahr?!

 

 

 

Gabi: 

Ja, das stimmt allerdings. Was soll ich machen?

 

Ingo:  

Moment mal. Ich bin sofort wieder da. (ab nach rechts)

 

Gabi: 

(steht auf, geht mit dem Weinglas zum Regal, sieht sich die Ordner und Bücher an, sowie die CD-Sammlung o.a.)

 

Ingo:  

(kommt mit einem lebensgroßen Spiegel auf Rollen zurück, so wie aber ihn von Bekleidungsgeschäften kennt, sowie einem Morgenrock aus Satin oder sonstigem glänzenden Stoff) So. Den ziehen Sie bitte mal über. (reicht ihr den Morgenrock)

 

Gabi: 

(tut dies, über ihre Kleidung)

 

Ingo:  

(sieht das, dann:) Äh... vielleicht sollten Sie sich schon mal so fühlen, wie es im Studio dann auch passiert. Ich meine, ziehen Sie Ihr Oberteil lieber aus. Wirkt besser und so werden Sie auf den Fotos viel lockerer aussehen. Glauben Sie mir.

 

Gabi: 

Ja, wenn Sie meinen. (zieht den Morgenrock wieder aus, geht in eine Ecke, dreht sich um, zeiht dann alles, bis auf den BH bzw. Unterhemd aus, dann den Morgenrock wieder an. Ganz mutige Spielerinnen können auch nichts mehr unter dem Morgenrock tragen)

 

Ingo:  

(währenddessen) Sie haben doch nichts dagegen, wenn ich hier jetzt den Part Ihres Foto-Partner übernehme?

 

Gabi: 

Nein, alleine kann ich ja doch nichts machen.

 

Ingo:  

Nicht wahr?! (zieht blitzschnell sein Oberhemd bzw, Pullover und Unterhemd aus, steht nun mit nacktem Oberkörper da)

 

Gabi: 

(dreht sich dann um, wundert sich sehr) Oh...

 

Ingo:  

Wahrscheinlich wird... (überlegt schnell) Dennis Keller Ihr Partner für diese Fotos.

 

Gabi: 

Dennis Keller?

 

Ingo:  

Noch nichts von ihm gehört? Unser bestes männliche Modell. – Hab bitte keine Hemmungen, weil ich jetzt plötzlich oben ohne vor Dir stehe. Wir können doch „Du“ sagen, oder?

 

 

Gabi: 

(etwas überrumpelt, aber dennoch:) Ja sicher, von mir aus gerne.

Ingo:  

Ich hab ganz bewußt mein Hemd ausgezogen. So kommst Du am besten damit klar. So steht Dennis dann später auch vor Dir. Das hier passiert nur zu Deinem Vorteil. Und im Badezimmer morgens haben Männer und Frauen nun mal nicht sehr viele Klamotten an. Und darum geht es ja.

 

Gabi: 

Das stimmt allerdings.

 

Ingo:  

Dennis wird staunen, wie professionell Du bist. Er sagt nämlich immer, dass er nicht mit Laien arbeiten will.

 

Gabi: 

Oh, dann bin ich ihm vielleicht gar nicht recht?

 

Ingo:  

Na, dafür werde ich schon sorgen. Die Fotos werden so geschossen, das unser Spiegelbild zu sehen ist, verstehst Du?! Also, wir stellen uns vor den Spiegel... (Ingo stellt sich vor den Spiegel) Du stehst dann hinter mir – ich bin soeben fertig mit dem Rasieren und hab´ dieses neue After Shave aufgelegt. Stell Dir das vor.

 

Gabi: 

Mach ich. (stellt sich dichter hinter ihm. Diese Szene bitte schräg seitlich zum Publikum zeigen)

 

Ingo:  

Der Mann und die Frau sollen auf den Plakaten natürlich ein Paar darstellen. Durch den Duft des Rasierwassers bist Du... na ja... wie sagt man?

 

Gabi: 

(überlegt) Hhmm... irgendwie angeturnt - ein wenig geil?

 

Ingo:  

Genau. Er versucht, cool und männlich in den Spiegel zu schauen, während sie dicht an seine Wange geht und von dem Duft total fasziniert ist. Eine Hand legt sie um seine Schulter. So hatte ich mir das gedacht. Möchtest Du das mal versuchen? Am besten ist es, Du stellst Dir diese Situation so vor, als wenn sie tatsächlich so wäre und Dein Fotopartner auch wirklich Dein Partner wäre. Das ist fast so wie beim Theater. Du mußt versuchen, in eine Rolle zu schlüpfen.

 

Gabi: 

Okay.

 

Ingo:  

Na dann. (stellt sich in Pose vor den Spiegel, schaut hinein)

 

 

 

 

Gabi: 

(umarmt ihn mit einem Arm von hinten, legt ihre Hand auf seine Brust, geht mit ihren Lippen dicht an seine Wange) So?

 

Ingo:  

Super Gabi. Dir muß man ja gar nichts beibringen. Das werden die besten Fotos, die unsere Firma je gemacht hat. Wir haben hier natürlich das falsche Licht und wir sind nicht geschminkt, aber Du bist echt genial. Das meine ich wirklich ernst.

 

Gabi: 

Danke. Ich hätte nicht gedacht, dass das so einfach ist.

 

Ingo:  

Obwohl...

 

Gabi: 

Ist doch irgendwas nicht in Ordnung?

 

Ingo:  

Na ja, es würde natürlich noch besser aussehen, wenn Du diesen Morgenrock... wie soll ich sagen?  Auf den Bildern wirkt es besser, wenn eine Schulter frei ist, oder vielleicht sogar nur die nackte Haut zu sehen ist.

 

Gabi: 

(zieht den Morgenrock so herunter, dass beide Schultern nun frei sind) So?

 

Ingo:  

Exakt. Und nun nochmal die gleiche Pose wie vorhin.

 

Beide :           

(machen dies, schweigen, bleiben eine zeitlang in dieser "Starre" stehen, dann schaut Gabi auch in den Spiegel)

 

Ingo:  

(dreht sich zu ihr um, sieht ihr tief in die Augen) Gabi...

 

Gabi: 

Ja?

 

Ingo:  

Wir... wir sollten nun besser aufhören.

 

Gabi: 

Ja? Wie Du meinst. (löst sich von ihm, zieht den Morgenrock wieder ordentlich über) Ich kann nur hoffen, dass ich das so mache, wie Du Dir das gedacht hast. Oder war doch irgendwas nicht okay?

 

Ingo:  

(verwirrt von der Situation) Besser! Besser als ich mir das gedacht hab´, Gabi.

 

Gabi: 

Vielen Dank. (seufzt) Ach, wer hätte gedacht, das mein Traum von einer Modellkarriere doch nochmal wahr wird? Ich kann mich dann wieder anziehen, oder? (will dieses schon tun)

 

Ingo:  

Ja sicher. Das heißt... (geht schnell zu ihr) Gabi?

 

Gabi: 

Ingo?

 

Ingo:  

(steht vor ihr, fasst sie an den Armen, steht einige Zeit unschlüssig vor ihr) Ich... also...  (küsst sie dann einmal auf den Mund)

 

Gabi: 

(überrascht) Ingo? Was...

 

Ingo:  

Gabi, ich kann Dir das auch nicht erklären, aber... (umarmt sie dann plötzlich stürmisch und küsst sie leidenschaftlich)

 

Gabi: 

(lässt es gerne zu)

 

 

 

 

Blackout - Vorhang

 

 

Ende des ersten Akts

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

2. Akt

 

(ca. zwei Wochen sind vergangen. Wenn der Vorhang sich öffnet, sitzt Ingo am Tisch und starrt vor sich hin. Sven lehnt am Türrahmen. Er trägt einen Jogging-Anzug. Es ist ein Wochentag, ca. 17 Uhr. Auf dem Tisch stehen zwei gefüllte Kaffeebecher, sowie eine Kaffeekanne)

 

1. Szene

Sven: 

Die Beweise waren von Anfang an eindeutig. Aber einen Richter davon zu überzeugen das man im Recht ist – Mann eh, das ist ein hartes Stück Brot. Dabei hat die Alte seit 12 Jahren 7 Punkte in unseren Verträgen gebrochen. Ich meine, da hört ´s doch auf. Wozu macht man denn Verträge? Damit einer von beiden Vertragspartner jede Regelung brechen darf?

 

Ingo:  

(abwesend) Hhmm...

 

Sven: 

Fast 3 Jahre dauert dieser Rechtsstreit nun schon an. Mit Gutachten, Anwalts-und Gerichtskosten kommen da ungefähr 80.000 Euro zusammen. Und Du weißt ja - weil das ´ne Vertragsgeschichte ist, kommt keine Rechtsschutzversicherung dafür auf. Wer verliert muß alles zahlen.

 

Ingo:  

Hhmm... (schaut auf die Uhr)

 

Sven: 

(setzt sich zu ihm, trinkt einen Schluck Kaffee) Meine Anwältin hat gesagt, es wäre eine gute Idee, dass wir Berufung eingelegt haben; das Oberlandesgericht wird nun beim zweiten Anlauf wohl endlich entscheiden, das dieser Verlag nur scheiße baut. (lacht auf) Ich muss Recht bekommen, denn 80.000 Euro, Ingo, das wäre mein Ende. – Am nächsten Donnerstag wird das Urteil verkündet. Hach, ich möchte ja zu gerne das dumme Gesicht von dieser Alten sehen, wenn der Richter sagt: „Die Klage wird anerkannt und Sven Theisens Verträge mit Frau Adams sind ab sofort ungültig “.

 

Ingo:  

Sicher. – Siehst Du denn nicht dieses dumme Gesicht?

 

Sven: 

Nicht bei dem Urteil. Verrückt, das man gar nicht selbst erscheinen muß, nicht wahr?! Die teilen meiner Anwältin das Urteil einfach schriftlich mit. Sie ruft dort Donnerstag natürlich an, damit wir endlich bescheid wissen; das ist ja klar. Das warten macht mich nun schon ganz kribbelig. - Weißt Du, ich hab´ doch nur mein Hobby als Autor und... na ja, und Dich, als meinen einzigen und besten Freund. Meine Eltern leben nicht mehr, Geschwister hab´ ich nicht; mein einziger Halt und meine Freude auf dieser Erde ist die Schreiberei von Theaterstücken. Aber dieser Prozess zieht mich richtig runter. Ich kann schon gar keinen freien Gedanken mehr fassen, denk nur noch an diesen Mist.

 

Ingo:  

Tut mir leid. Diese Verlagsverträge einfach zu kündigen wäre nicht möglich gewesen? (schaut wieder zur Uhr)

 

Sven: 

Nein. Es steht in dieser Klausel: Dieser Vertrag ist gültig für die Dauer der gesetzlichen Schutzfrist. Ohne Angabe von Daten. Und das heißt, dass sie beendet werden 70 Jahre nach meinem Tod.

 

Ingo:  

Wow, das ist lange.

 

Sven: 

Allerdings. Deshalb MUSSTE ich sie ja verklagen. Sonst komme ich nie von der los. - Gestern hab´ ich erstmal mein Testament gemacht. Klingt verrückt in meinem Alter, ich weiß. Aber stell Dir mal vor, mir passiert unverhofft etwas, bevor die Klage anerkannt wird; dann kassiert diese Frau Adams von dem Verlag ihr Lebenlang die Tantiemen von sämtlichen Theatergruppen – und das nur durch mein Talent. Ich bekäme unter der Erde sicher keine ruhige Minute, wenn ich nicht wüsste, dass das so nicht laufen soll nach meinem Tod. Nicht einen Cent soll sie dann noch kriegen, dieses Miststück. (holt einen gefalteten Papierbogen aus seiner Jogging-Hosentasche, wedelt damit kurz vor Ingos Gesicht herum) Das hab´ ich jetzt ganz genau aufgeschrieben. 

 

Ingo:  

Hhmm...

 

Sven: 

(steckt den Bogen wieder ein) War nicht leicht, meinen Nachlass aufzuschreiben – bin ein bißchen abergläubisch, das weißt Du ja. Aber nun ist es gemacht und ich fühl mich ganz gut dabei.

 

Ingo:  

(immer noch abwesend) Kann ich gut verstehen.

 

Sven: 

Sag mal; hörst Du mir eigentlich zu? Was ist denn los mit Dir?

 

Ingo:  

Wieso?

 

Sven: 

Na, Du träumst nur herum; schaust ständig auf die Uhr... bedrückt Dich vielleicht auch irgendwas? Mensch, ich bin Dein Freund; mir kannst Du doch alles sagen.

 

Ingo:  

(noch immer abwesend) Ich drück Dir die Daumen, das Du den Rechtsstreit gewinnst. 80.000 Euro sagst Du, kostet das wahrscheinlich? Tss... das nennst Du Schulden? Und das nur für einen Rechtsstreit? – Und Tod; - Mensch Sven, Du bist in den besten Jahren – denk doch nicht an sowas.

 

Sven: 

Hey, wieso quatsch ich mir den Mund hier eigentlich fusselig? Dich interessiert mein Privatleben ja doch nicht.

 

Ingo:  

Sicher interessiert mich das. Es ist nur... (nach einer kleinen Pause) Sven; sag´ mal: Bist Du glücklich?

 

Sven: 

Ob ich glücklich bin? Na ja... eigentlich schon. Ich hab´ ein schönes Hobby - ein eigenes Haus... aber was soll das denn jetzt?

 

 Ingo: 

Wie lange warst Du mit Ina zusammen?

 

Sven: 

4 Jahre. Aber ich weiß jetzt langsam, das sie nichts dafür kann, dass es mit uns nicht mehr geklappt hat. Ich tauge einfach nicht für ´ne Beziehung. Ich bin eben wohl als ewiger Single geboren.

 

Ingo:  

Alida und ich sind acht Jahre verheiratet. Wir sind glücklich zusammen. Aber kannst Du Dir vorstellen, das da plötzlich eine andere Frau einbricht in so ´ner Ehe?

 

Sven: 

Ingo... Du bist fremd gegangen? Oooh... nun versteh ich erst. Deshalb bist Du so merkwürdig drauf und hörst mir nicht zu. Du hast es mit ´ner anderen Frau getrieben? Ist ja krass. – Na ja, was soll ich dazu sagen? Davon geht die Welt ja nicht unter, auch wenn man verheiratet ist. Solange das ´n einmaliger Ausrutscher bleibt und Alida nichts davon erfährt...

 

Ingo:  

Nein nein, Alida weiß von nichts.

 

Sven: 

Wer ist denn die Frau? Und wie hast Du sie kennengelernt? Im Internet? (belustigt) Ein One night stand? Oder weißt Du vielleicht ihren Namen gar nicht? Du kennst ja diese Szenen aus bestimmte Spielfilmen: (schauspielert:) „Oh Mann, Du warst wunderbar heute nacht. Ach sag mal – wie heißt Du eigentlich ?“

 

Ingo:  

(findet das weniger witzig) Sie heißt Gabi. Du kennst sie nicht. Aber mal ehrlich – könntest Du Dir vorstellen, das es Dich so erwischt, das Du ernsthaft daran denkst, Deine Frau zu verlassen?

 

Sven: 

Sowas darfst Du mich nicht fragen. Ich bin Single und wenn mir nicht bald die absolut perfekte und tolerante Traumfrau über ´n Weg läuft, dann bleib ich sicher auch Single. - Ingo, Du denkst doch nicht an Scheidung? Mann eh, es hat Dich doch nicht voll erwischt ?

 

Ingo:  

Oh doch. Voll!

 

Sven: 

Oh Scheiße. Habt ihr Probleme – Alida und Du? Ist irgendwas eingeschlafen in eurer Ehe? Klappt es im Bett nicht mehr?

 

Ingo:  

Das ist das ja gerade. Bei Alida und mir ist alles bestens. Aber von eine auf die andere Minute ist Gabi in mein Leben getreten und… Peng – ich kann nicht mehr ohne sie. Ich kann nichts dagegen machen.

 

 

Sven: 

Boah... und wie lange geht das schon?

 

Ingo:  

Seit zwei Wochen.

 

Sven: 

So ´ne Ehe – 8 Jahre – Mensch, die wirft man nicht einfach weg wie ein kaputtes Radio. Sicher gibt es Phasen, wo ´ne Partnerschaft langweilige Tage hat. Man entdeckt nichts Neues mehr an seiner Frau und sie wird unattraktiv. Okay, Sex mit ´ner anderen Frau ist nach 8 Jahren Ehe bestimmt interessanter und besser als immer mit der gleichen. Aber scheiden lassen... Mensch Ingo... Du bist selbstständig, Dein kleiner Betrieb läuft doch gut...

 

Ingo:  

(mehr zu sich selbst) Hast Du ´ne Ahnung...

 

Sven: 

Du bist gesund; ihr habt hier ´ne schicke, noble Wohnung, euch geht es finanziell sicher nicht schlecht. Zumindest, wenn man sich hier so umschaut.

 

Ingo:  

(lacht kurz höhnisch auf)

 

Sven: 

Das gibt man doch nicht alles auf wegen so ´ner (etwas ironisch) ...Gabi; die man erst 14 Tage kennt.

 

Ingo:  

Ich hab´ versucht, mich dagegen zu wehren, Sven. Aber ich hab´ verloren. Ich kann nicht mehr leben ohne Gabi.

 

Sven: 

Und Alida weiß von all dem noch nichts?

 

Ingo:  

(schüttelt mit dem Kopf)

 

Sven: 

Und wann willst Du ihr das beichten?

 

Ingo:  

Genau das frag ich mich auch seit 14 Tagen.

 

 

2. Szene

Alida:

(kommt von rechts herein, trägt einen Jogginganzug, hat eine gefüllte Sporttasche dabei) Hey, Hallo Sven. Seit wann bist Du denn hier?

 

Sven: 

Hallo Alida. Ich bin eigentlich nur vorbeigekommen, um Deinen Mann zum Joggen abzuholen. Aber der hat heute keine Lust auf Bewegung.

 

 

Alida:

Dabei würde ihm das ganz gut tun. (streichelt Ingo neckisch über den Bauch) Nicht wahr, Schatz?!

 

Ingo:  

Ein anderes mal. Nicht heute. Gehst Du zum Zumba?

 

Alida:

Richtig. In knapp zwei Stunden bin ich wieder zurück. Abendbrot gibt es heute etwas später. (schon abgehend nach hinten) Im Kühlschrank stehen noch 2 Stücke Kuchen von gestern. Wenn ihr mögt... Tschüß.

 

Sven: 

Tschüß Alida.

 

Ingo:  

(steht schnell auf) Alida?

 

Alida:

Ja?

 

Ingo:  

Heute ist Donnerstag.

 

Alida:

Ja, ich weiß. Wieso?

 

Ingo:  

Na, Du weißt doch. – Donnerstag.

 

Sven: 

(wundert sich nur)

 

Alida:

(dann plötzlich, etwas erschrocken) Du meinst doch nicht... der Donnerstag?

 

Ingo:  

(nickt)

 

Alida

Oh Gott.

 

Ingo:  

Du nimmst mein Auto mit, ja?! Weil ich Deins brauche, Du verstehst?!

 

Alida:

Ja. Und wenn ich wieder zurück komme, dann...

 

Ingo:  

...dann ist alles erledigt, denke ich. Gegen 19 Uhr mußt Du aber auf jedenfall wieder zurück sein, hörst Du?!

 

Alida:

(nickt, schluckt, zittert etwas, geht dann spontan auf Ingo zu, umarmt ihn) Viel Glück und Kraft, Ingo. (Kuss, dann muß sie sich die Tränen trocknen) Gott steh Dir bei.

 

Ingo:  

Danke.

 

Sven: 

Du liebe Zeit; hier spielen sich ja Dramen ab.

 

Alida:

Na ja, dann... dann geh ich mal.

 

Sven: 

(steht auf) Warte Alida. Ich geh gleich mit raus. Eure Rätsel hier sind doch ein bißchen zu hoch für mich.

 

Alida:

Aber Du mußt doch nicht gehen.

 

Sven: 

Ich will doch was für meinen Body tun; und hier auf einem Stuhl ist das denkbar schlecht. (klopft Ingo auf die Schulter) Ingo, ich schau mal wieder herein. Erstmal liegen nun 10 Kilometer vor mir.

 

Ingo:  

Das nächste mal jogg ich gerne mit. Aber heute... Und wenn wir uns vorher nicht mehr sehen, dann viel Glück für Deinen Prozess.

 

Sven: 

Vielen Dank. Das kann ich gebrauchen. Nächste Woche läufst Du aber mal wieder mit mir; hörst Du?! (an der Tür)

 

Alida:

(hört das gar nicht, seufzt, streichelt nochmal Ingos Wange, geht dann schnell ab nach hinten, muß aber dann weinen; schlägt Tür hastig zu)

 

Sven: 

Alida? Ich äh.. wollt´ doch mit raus. Mensch, was habt ihr nur für Probleme? Ahnt Alida vielleicht doch schon, das Du ihr nicht treu bist? So benimmt sich doch keine glückliche Frau.

 

Ingo:  

(seufzt) Nein Sven, das ist es nicht.

 

Sven: 

Ich glaub langsam, Du hast mir nicht alles erzählt.

 

Ingo:  

Manche Dinge kann man nicht erzählen, nicht einmal seinem besten Freund.

 

 

 

 

 

Sven: 

Wie Du meinst. – Boah, bin ich doch glücklich, das ich Single bin. (macht schon einige Joggingbewegungen auf der Stelle) Überleg Dir gut, was Du tust, Ingo. Alida ist so ´ne tolle Frau.

 

Ingo:  

Mach ich.

 

Sven: 

Und tschüß… (ab)

 

Ingo:  

(allein:) Überleg Dir gut, was Du tust, Ingo… Ja… Alida ist ´ne tolle Frau. - Du hast ja so recht, Sven. – Aber Gabi... (steht eine zeitlang unschlüssig im Raum, geht dann zum CD-Player, startet eine Musik. # bitte keine flotten Disco-Rhythmen, sondern eher leicht melancholische Instrumental-Musik #. Ingo lauscht der Musik, schaut wieder auf die Uhr, dann nach einer Weile klingelt es sehr oft an der Wohnungstür. Ingo stellt die Musik ab, geht nach hinten, öffnet die Tür)

 

3. Szene

Else:   

(„stürmt“ herein, aufgebracht, sieht sich hastig um) Alles in Ordnung hier?

 

Ingo:  

(kommt von hinten wieder dazu, schließt die Tür, etwas genervt) Else, was soll hier denn nicht in Ordnung sein?

 

Else:   

Na, Du bist gut. Heute ist Stichtag. Und das müßte ja wohl mit dem Teufel zu- gehen, wenn mein Future-Koffer nicht die Wahrheit gesagt hat.

 

Ingo:  

Kannst Du mir bitte mal erzählen, wovon Du sprichst? Aber fass Dich kurz – ich hab´ nicht viel Zeit.

 

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