Lange danach gesucht - auf Ibiza 2012 endlich gefunden
Musiker gesucht

 

„Riesmoschee mit Nougatcreme“

 

 

Komödie in 4 Akten

 

von

 

Helmut Schmidt und Elke Siemers

 

 

Inhalt:

 

Anna Thalmann hat eine Tochter von gerade 18 Jahren, einen Ehemann der in der Woche auswärts arbeitet und einen „guten“ Lohn verdient, eine „beste Freundin“, mit der sie täglich ein-zwei Stunden tratscht, sowie einen Wellensittich, dem sie intimstes anvertraut. Ihre Mietwohnung ist groß und hübsch eingerichtet, und sie war noch niemals ernsthaft krank. Sie könnte also eine glückliche Frau sein. Doch der Alltag frustriert sie seit einiger Zeit und sie fühlt sich in ihrer Rolle als treusorgende Mutter und Ehefrau verlassen von ihrer Familie. Die Tochter macht Schwierigkeiten, ihre wenigen Hobbys fangen an sie zu langweilen und wenn ihr Mann Erwin an den Wochenenden zuhause ist, sieht der lieber Fussball oder geht zu seiner Skatrunde, anstatt mit seiner Frau etwas zu unternehmen. Anna hat angefangen, diesen Frust in sich hineinzustopfen – und das im wahrsten Sinne des Wortes – denn sie ißt viel und gerne und hat 20 Kilo Übergewicht. Doch nun will sie was ändern ! Sie bestellt sich Fitnessgeräte im TV-Shop, geht zur Gymnastik-Gruppe, holt sich Schminktipps von ihrer Freundin Sonja; will das Feuer in ihrer Ehe erneut entfachen. Aber ihr Plan ist mühselig und langwierig. Als eines Tages die Waschmaschine defekt ist, taucht der junge, türkische Klempner Mustafa Yldiz auf, der von Anna sofort fasziniert ist – so, wie sie ist. Er läd sie zu sich ein und bereitet Anna einen unvergesslichen „türkischen“ Abend. Wird Anna schwach und verfällt diesem gutaussehenden jungen Mann oder lernt sie durch dieses Geschehen, dass sie ihr Leben selbst in die Hand nehmen muss?

 

 

 

 

 

 

Personen:            3m/3w           2 Bühnenbilder

 

 

Anna Thalmann             -           (ca. 40 Jahre)

 

Erwin                            -           ihr Ehemann (40-50 J.)

 

Corinna                         -            beider Tochter (18 Jahre)

 

Dennis                          -            Freund von Corinna (ca.

                                                   22-25 Jahre)

 

Sonja Roth                    -            Nachbarin (ca. 30 J.)

 

Mustafa Yldiz               -            Klempner (30-35 Jahre)

 

 

 

Spielort: Kleinstadt in Deutschland

 

Spielzeit: Sommer in der Gegenwart

 

 

Hinweis: Sie benötigen für eine Inzsenierung dieses Werks eine Audio-Kassette mit einem Werbespot, sowie einige Musiktitel auf CD. Achten Sie bitte auf GEMA-Gebühren und lesen Sie auch die Hinweise im Anhang.

 

 

 

 

 

1. Bühnenbild:  Akt 1,2, und 4.

 

Die Wohnküche der Familie Thalmann. Das Publikum sieht eine komplette Einbauküche; falls dieses nicht möglich ist, zumindest Schränke, Spüle sowie Kühlschrank. Ein Tisch mit vier Stühlen oder aber eine Eckbank mit zwei Stühlen. Vorne rechts oder links auf einem kleinen Tisch oder aber auf einem Regal an der Wand ein kleiner Fernseher (der Zuschauer sieht die Rückseite vom Gerät); irgendwo in der Nähe der Arbeitsplatte ein CD-Recorder. Irgendwo liegt ein Stapel mit Frauenzeitschriften. An den Wänden hängen Töpfe, Pfannen, ein Regal mit Gewürzen, Dosen mit Kaffee, Mehl, Zucker, sowie ein Korb mit Obst, des weiteren Knoblauch u.a. Der Zuschauer soll den Eindruck bekommen, dass hier gerne gekocht wird. Es hängen einige Bilder und ein Kalender an der Wand, sowie eine Uhr. Bilder von der Kaiserin Elisabeth von Österreich, Lady Diana und Roy Black kleben an der Kühlschrank-tür. Irgendwo in einer Ecke ein Käfig mit einem Wellensittich oder Kanarienvogel. Auf dem Boden bei der Tür nach rechts eine Personenwaage, darüber ein Plan mit Stift. Es werden zwei Türen benötigt. Eine nach hinten, die zum Flur und dann durch eine weitere Tür, die nicht unbedingt sichtbar sein muß, hinein-bzw. hinaus führt, eine zweite rechts oder links, die zu den anderen Räumen (Schlafzimmer, Kinderzimmer, Bad, u.a.) führt. = im Stück wird hierfür jeweils „rechts“ angegeben =. Alles weitere (Fenster, Blumen u.a.) bleibt der Theatergruppe überlassen. - Beschreibung des 2. Bühnenbilds siehe Beginn 3.Akt.

 

         Erster Akt

 

                  (Ein Montagmorgen, ca. 7:00 Uhr. Wenn der Vorhang sich öffnet, sieht das Publikum einen üppig gedeckten Frühstückstisch, mit Brot, Brötchen, Kaffeekanne, Marmelade, Käse, Wurst, Besteck, ein großes Glas mit Nougat-Creme u.v.a. Auf dem Herd ein Kochtopf, darin kochen noch einige Eier – evtl. mit Dampf sichtbar. Anna steht am Herd mit einem – nicht sehr apartem, sondern eher altmodischem Morgenmantel am Herd. Sie trägt Plüsch-Hausschuhe, im Haar einige Lockenwickler, darüber ist ein dünnes Kopftuch gespannt. Erwin sitzt am Tisch und liest die Tageszeitung; er ist bereits fertig mit dem Frühstücken, trägt schon eine Jacke. An einem Stuhlbein lehnt seine Arbeitstasche)

 

1.Szene

 

Anna:        (schaut zur Uhr, geht zur Tür nach rechts, ruft dorthin:) C o r i n n a !!! – Dat is al na söven. Fröhstück. (die Eieruhr klingelt, Anna holt mit einem Löffel drei Eier heraus, nimmt den Topf vom Herd, verteilt die Eier auf dem Tisch in bereitstehende Becher, seufzt, öffnet dann das Nutella-Glas, nimmt einen großen Löffel, füllt diesen damit, ißt genußvoll – aber so, dass ihr Mann es nicht unbedingt sieht –

                  leckt den Löffel ganz „sauber“, geht dann zu dem Käfig mit dem Wellensittich, nimmt Futter aus einer Dose, füllt die Behälter im Käfig auf, während-dessen:) Ja, Flori – Du büst immer dor, wenn man Di to ´n Fröhstück röppt, nich wohr ?! Du brukst kien Extra-Inladung. - Hier – siehste woll. Gooden Appetit. (geht dann wieder zum Tisch, nimmt sich ein Brötchen, beißt ab, dann wieder nach rechts, ruft erneut, diesmal mit vollem Mund:) C o r i n n a !

 

Corinna:    (genervt von dort) Ja doch !

 

Anna:        Dat de alltied up ´n letzten Drücker ut Huus mutt. Just för ´t Fröhstück mutt man sück doch Tied nehmen. Immer bloß hetzen, hetzen, hetzen.

 

Erwin:       Johann Hansen is dood.

 

Anna:        (stellt den CD-Recorder an, es erklingt der Titel „I am what I am“. Aber nur in der Lautstärke, dass der Dialog nicht untergeht. Sie summt das Lied leise mit, beißt wieder von dem Brötchen ab.) +++ ANMERKUNG: Die CD mit allen Titeln, die sie für diese Inszenierung benötigen, erhalten Sie mit der Bestellung dieses Stücks kostenlos zugeschickt +++ (Anna füllt nun die drei restlichen Tassen mit Kaffee) Johann Hansen?

                  Hhmm... de was aver doch al over 80, oder ?!

 

Erwin:       77.

 

Anna:        Is immer to fröh – egol in wat för ´n Oller.

                  (füllt die Kaffeemaschine erneut auf)

 

Erwin:       „Nach kurzer schwerer Krankheit“, steiht hier. Weeßt Du dor wat van ?

 

Anna:        Nee, worher ?

 

Erwin:       Harr ja wesen kunnt.

 

Anna:        Sall ik ´n Truur-Kort henstüren ?

 

Erwin:       Wenn noch een in ´t Huus is...

 

2. Szene

 

Corinna:    (kommt von rechts herein. Eine flotte, schlanke junge Frau; ist hübsch gestylt, dezent geschminkt, trägt schicke Kleidung, ist zunächst sehr gut gelaunt) Moin.

 

Anna:        Moin Corinna.

 

Corinna:    (geht zum Kühlschrank, nimmt eine Flasche Multivitaminsaft heraus, setzt sich an den Tisch, nimmt sich eine Scheibe Knäckebrot,

                  gießt sich ihren Kaffeebecher voll mit dem Saft, trinkt und ißt – das Knäckebrot ohne Belag und ohne Margarine) Moin Papa.

 

Erwin:       Hhm ? - Och, gooden mörgen.          

                 

Anna:        (sieht nun, was Corinna ißt) Kind ! Dröög Knäckebrood... Dat hollst Du doch nich dör. Elke mörgen datsülfge. Kumm, eet Dien Ei, schmeer Di ´n poor Brötchen, (schneidet ihr schon eins entzwei) drink ´n moij heet Tass Koffje un...

 

Corinna:    M a m a, bitte ! Mutt ik Di ernsthaft al weer upkloren, wovöl Cholesterin so ´n Gallus-Produkt hett ? Seeker nich.

 

Anna:        Ja aver, dann eet doch tomindest...

 

Corinna:    Dien Margarine hett tominn ungesättigte Fettsäuren, over de Brotinhaltsstoffe un de Arbeitswies - van de sogenannten Fachkräfte in een Backstuve mit even disse Produkte - schwieg ik woll beeter. Over Wurst un Koffje hebb ik woll güstern al ´n Referat holen.

 

Anna:        Aver Du mußt doch wat eeten !

 

Corinna:    Do ik doch. Süchst Du ja. Un ik leev noch. Ik föhl mi pudelwohl. Mien good Utsehn verdank ik bloß mien bewußte

                  Ernährung. (dann zaghaft) Viellicht sullst Du ok endlich mol...

 

Anna:        (schnell) Kien Wort, ja !? – Du weeßt heel genau, dat ik alls dorför do – siet Weeken.

 

Corinna:    Du deihst wat worför ?

 

Anna:        Dorför, dat ik wat Punden verlees.

 

Corinna:    Aha. - Is ´n Düvelskreis, nich wohr ?!

 

Anna:        Wat ?

 

Corinna:    Na, Gymnastik dreemol in d´ Week, Dien neije Power-Trainer, Schlankheitspillen in acht verscheeden Sorten - un nich to vergeeten – Dien Nutella-Glas !

 

Anna:        Wat sall dat heeten ?

 

Corinna:    (nimmt das Nutella Glas, öffnet den Deckel) Mama; kieneen in uns Familie ett dit Tüch. Papa nich und ik al lang nich. Aver dennoch is dit Glas hier al weer half leeg. Un dorbi hest Du de vörgüstern erst köfft. Wat nützt Di de heel Anstrengung und Bewegung ? Du sweetst dat Fett na buten und schmittst de Kalorien mit disse Kram weer in Di rin. (deutet auf das Nutella-Glas)

 

Anna:        (holt tief Luft, weiß aber nicht spontan, wie sie sich daraufhin wehren soll; dann:) Kummst Du bitte mol mit ?! (geht zur Personenwaage, steigt hinauf) Na ? Wat seggst Du nu ?

 

Corinna:    (geht hin, schaut auf die Anzeige, dann auf den darüberhängenden Plan) Genau dat glieke Gewicht as güstern, Moder. Deiht mi leed, aver dat maakt kien Indruck up mi.

 

Anna:        Pah, Du mußt ja woll dat Gewicht van de Lockenwicklers offtrecken.

 

Corinna:    (muß lachen) Oh ja...

 

Anna:        De hebb ik güstern nich dragen – un hebb de vörher wogen. Dat maakt genau 220 Gramm minner ! So.

 

Corinna:    (geht zum CD-Recorder, stellt die Musik ab) Tatatata... mien Moder hett 220 Gramm offnohmen. Dat ward de Schlagzeile des Tages. „I am what I am“ – Moder, legg Di gau ´n neij Liebelingslied to. Wo was dat nu mit „I´ve lost my pounds, I´m happy“ ?

                 

Anna:        Ik weet, dat ik ´n bietje Overgewicht hebb. Aver dat krieg ik woll in ´n Griff. Du hungerst Di nochmol to Dood, Corinna.

 

Corinna:    Moder – is doch egol. Laat uns nich al weer Skandal anfangen. Aver bitte laat mi sülmst entscheeden, wat ik eet un drink, ja ?! Letst Du mi tofree, maak ik ok kien „ironische

                  Bemerkungen“ mehr over Dien Figur.

 

Anna:        Wieso mutt ik mi dat eenlik anhören ? Van mien eegen Dochter. – Erwin, seeg doch ok mol wat dorto !

 

Erwin:       (schaut jetzt von der Zeitung auf) Wat ?

 

Anna:        Dien Dochter provozeert mi !

Erwin:       (nebenbei:) Corinna, provozeer Dien Moder nich.

 

Anna:        (sieht ihn strafend an; ironisch:) Wow, dat hett aver seeten ! – (dann wieder zu Corinna) Un wenn Du de Bus noch kriegen wullt, dann kiek mol up d´ Uhr. Is ja kien Wunder, wenn Du kien Tied to ´n Fröhstücken hest. Bit midden in de Nacht unnerwegs aver mörgens nich ut de Feern komen.

 

Corinna:    Moder – ik bün 18.

 

Anna:        Ja un ? Dat nimmt mi dat Recht, Di de Wohrheit to seggen ?

 

Corinna:    Natürlich nich, Moder. Aver - bevör ik dat vergeet; also – ik hebb´ jo dor noch wat mittodeelen.

 

Anna:        (kommt interessierter an den Tisch, ist erschrocken) Oh Gott. Dat is doch nich de Moment, vör de al Moders Not hebben ?

 

Corinna:    Bitte ?

 

Anna:        Kind, Du wullt uns doch nich mitdeelen, dat Du uttrecken wullt, oder ?

 

Corinna:    Oh nee, tomindest nich in den nächste Weeken. Hüür betahlen is doch totol out –butendem koop ik mi leever neije Klamotten van mien Geld. Dat is... tja, wo sall ik seggen?

3. Szene

 

Dennis:      (kommt von rechts herein. Er trägt nur Boxershorts oder eine Schlafanzughose. Kommt mit nacktem Oberkörper herein, das Haar wirr auf dem Kopf, sieht verschlafen aus, gähnt, streckt die Arme) Moin.

 

Anna:        (muss sich am Tisch festhalten) Moi....in.

 

Corinna:    (ist über die jetzige Situation auch überrascht und schämt sich etwas dafür) Oh...

 

Erwin:       (sieht nun auch zur Tür nach rechts)

 

Dennis:      Is Koffje klor ?

 

Anna:        (schluckt, versucht dann aber sehr cool mit der Situation umzugehen) Koffje ? Klor doch. Mit Melk un Zucker ? (holt schon eine Tasse hervor)

 

Dennis:      Nee danke. Swart bitte.

 

Erwin:       (schaut seine Frau verblüfft an)

 

Corinna:    (geht zu ihm) Dennis – Dien Uptritt kummt nu aver wirs unverhofft hier. Ik wull mien Ollen nett van Di vertellen.

 

Dennis:      Eh Zuckerschnecke – gifft dat irgend ´n  Problem ?

 

Corinna:    Mausi bitte. – Also – dat is Dennis. – Dennis; mien Moder, mien Vader.

 

Dennis:      Hi.

 

Erwin:       (ebenso) Hi.

 

Anna:        Ja, aver hi ! (reicht ihm einen Becher mit Kaffee) Bitteschön.

 

Dennis:      Eh Mann, spontane Bedienung – geil.

                  (trinkt)

 

Anna:        Ja, echt geil hier, nich wohr ?!

 

Erwin:       Junger Mann – wat denken Se, well word Dütske Meister ?

 

Dennis:      Schwor to seggen – aver as HSV-Fan de ik mi natürlich wünschen, dat...

 

Erwin:       (ist spontan aufgestanden, schüttelt ihm die Hand, sehr erfreut) Na, dat is mol ´n Wort. Hartlik willkommen in uns Familie.

 

                  (es hupt ein paarmal)

 

Erwin:       Oh, Paul is dor.

 

Dennis:      Ok Hamburg-Fan ?

 

Erwin:       Alltied west. (schnappt sich seine Tasche, setzt einen Hut auf) Wi mutten uns mol unnerholen – ochwat – wi mutten mol tosamen in ´t Stadion. Freedag avend bün ik weer torüch.

 

Dennis:      (überrascht) Van mi ut, gern.

 

Erwin:       Wi sehnt uns. (schon abgehend nach hinten, dann in der Tür) Ik freu mi.

 

Anna:        Erwin !

 

Erwin:       (dreht sich nochmal um) Ja ?

 

Anna:        Hebb wi nich irgendwat vergeeten ?

 

Erwin:       Wi ? Ik weet nich. Also... (dann fällt es ihm ein, gibt Anna einen Kuss auf die Wange) Deiht mi leed. Bit Freedag, Anna. Un moij munter blieven. – Tschüß Corinna.

 

Corinna:    Tschau Papa.

 

Erwin:       Wiedersehn, junger Mann.

 

Dennis:      See you Friday, Mister Thalmann.

 

Anna:        Fohrt vörsichtig.

 

Erwin:       Maak wi doch alltied. (ab)

 

4. Szene

 

Anna:        (seufzt) Tja, dor geiht he weer hen – uns Vader, un lett uns de heel Week alleen.

 

Dennis:      Arbeit´ utwärts, de good Oll ?

 

Anna:        So is dat.

 

Dennis:      Krass. Dat was nix för mi. Vör allem – 5 Dag ohne Frauen un ohne Sex – totol uncool.

 

Anna:        (glaubt fast nich, wat sie da hört) Groot Gott...

 

Corinna:    Dennis, dat is mien Moder !

 

Dennis:      Ja, Du seest dat al, Püppi.

 

Anna:        Na ja, irgendwor mutt dat Geld ja schließlich herkomen, wenn man leben will. Denn Tüch, Brot un Koffje will ja schließlich betahlt worden, nich wohr ?!

 

Dennis:      (trinkt wieder) Klor, seh´ ik ok so.

 

Anna:        Corinna, Du hest mi nich viellicht irgendwat to seggen ?

 

Corinna:    Mama, Dennis un ik... dat geiht al ´n poor Dag. Un wi wullen gern mol ´n Nacht mitnanner verbrengen. Is doch nix dorbi. – Ja, okay, ik harr Papa of Di vörher fragen sullt – aver, Mensch, ik bün doch woll mit 18 Johr olt genug.

 

Anna:        (kurz) Seeker. Natürlich büst Du dat. Deiht mi leed, dat ik so unfründlik was.

 

Corinna:    Mama, dat klingt nu echt ´n bietje na „beleidigte un ingeschnappte Leverwurst“.

 

Anna:        Nee nee – is al good. - Un... junger Mann - wo verdeenen Se hör Geld so, wenn ik nich indiskret bün mit disse Frag ?

 

Corinna:    (schnell) Dennis is Künstler, Mama.

 

Anna:        Künstler, aha. – Wat künstlern Se denn so ?

 

Dennis:      Ik mal.

 

Anna:        Se malen. – Fein. Un wor kann man Hör Biller kopen ?

 

Dennis:      Ik mal eenlik mehr up d´ Straat. Hauptsächlich Passanten in d´ Fussgängerzone, to ´n  Biespiel.

 

Corinna:    Dennis kann Di doch ok mol teeken, Mama. Dat maakt he grootartig. Ik hebb hum vörgüstern Modell stahn. 4 Stünn lang.

 

Anna:        Wie bitte ? Veer Stünn ?

 

Corinna:    Ja seeker. Bi mi war dat ja nich bloß ´n Portrait. Dennis hett mi heel malt. Elke eenzelne Körperdeel is up dat Bild to sehn.

                  Een wunnerbor Gemälde. - Nich wohr, Spatz?! (Kuss, schwärmt dann:) Dat was nettso as bi Rose Dewitt-Beaucater un Jack Dawson up de Titanic. (erneuter Kuss)

 

Dennis:      Exakt, Honey. Ja, ik denk ok, dat mi dat heel good gelungen is. (Kuss)

 

Anna:        Un wenn Du mi nu noch seggst, dat Du ok noch nakend warst, as he Di malt hett, dann...

 

Dennis:      Na klor was se nakend – just dat is doch de Kick an de Biller. Disse makellose, schlanke Super-Körper van Corinna kann man eenfach bloß nakend malen. - Rose drog up de Titanic ok bloß dat Hart van d´ Ozean.

 

Anna:        (etwas böse) Ja, bün ik hier in ´t Kino ? Ik hebb de Film leider nich sehn, Herr... – Dawson ! Deiht mi leed, wenn ik nich alls verstah van dat, wat Se seggen.

 

Corinna:    Du sullst ok faker in ´t Kino gahn, Mama.

 

Anna:        (kurzes Schweigen, dann schon abgehend nach rechts) Ik hebb Waske vandag. Am besten, ik stell de Maschine futt an. – De

                  Disk is noch deckt, junger Mann. Wenn Se wat wünschen, wat nich up d´ Tafel steiht, wennen Se sück an mien Dochter. (will ab, bleibt an der Tür stehen, dreht sich nochmal um, dann barsch:) De Eier sünd noch warm ! (ab na rechts)

 

Corinna:    Mama...

 

5. Szene

 

Dennis:      De is ja geil drup – Dien Moder. (setzt sich an den Tisch, schmiert sich ein Brötchen, „köpft“ ein Ei)

 

Corinna:    Dennis, dat was irgendwie... (kann sich jetzt aber auch das Schmunzeln nicht verkneifen) ...totol verrückt. Vör mien Ollen steiht an d´ fröhen Mandagmörgen een frömden, bold nakend, wenn ok gootutsehende Mann un deiht so, as was he hier tohuus.

 

Dennis:      Locker blieven, Baby. Is doch straight offgahn. Wormit hest Du ´n Problem ?

 

Corinna:    Du sullst Di nu antrecken un futt mit mi rutgahn. Un an ´t Weekenend treckst Du Di mol moije Klamotten an un wi versöken dat Vörstellen am Besten nochmol.

 

Dennis:      Sweety – ik doch, wi leggen uns futt nochmol of – (neckisch) so na ´t Fröhstück – een bietje neije Power för mi... Na ? Kien Buck ? (schmiert sich Nutella, Marmelade, Fleischsalat u.a. abwechselnd auf´s Brötchen, nascht hier und da, indem er mit dem Messer aus allen Gläsern und Bechern etwas herausholt und es auch mit dem Messer ißt)

 

Corinna:    Du weeßt genau, dat ik al lang wegwesen muß. – Bitte Schatz, maak dat nich noch leeper, as dat ohnehen al was.

                  (trinkt ihren Saft) Mien Moder is woll ´n modern denkende Frau, aver so ´n Situation  as vörhen is einfach tovöl för hör. Wenn se mit sowat konfronteert word, denkt se as in de 50er Johren. – Un wi sullen dat nu dorbi belaaten; un wi leggen uns nich nochmol of, ja ?!

 

Dennis:      Was ik nich good, vanachts ?

 

Corinna:    Dennis – bitte !

 

Dennis:      (ißt; und trinkt seinen Kaffee) Okay okay; Einspruch also offwesen. Is gebont, mien Schnalle.

 

Corinna:    Un hör bitte up, Di dit ungesunde Kram rintostoppen. Dat langt doch, wenn mien

                  Moder as schlecht Beispiel voran geiht.

                 

Dennis:      Eh, schmeckt doch lecker-schlecker.

 

Corinna:    Ja, lecker-schlecker un totol ungesund. (schaut auf ihre Armbanduhr) Ik mutt nu wirs los. Bitte treck Di an, maak Di frisch un verschwind ok hier, ja ?! (Kuss, geht dann nach rechts, kommt mit einer Schultasche zurück)

 

Dennis:      Ja doch.

 

Corinna:    Ik kann mi up Di verlaaten ?!

 

Dennis:      Eh Mann – nu bliev mol geschmeidig, ja ?!

 

Corinna:    Ik roop Di vanabends an. (schon an der Tür nach hinten) Übrigens – Du warst wunnerbor vanachts.

 

Dennis:      (zeigt ihr den erhobenen Daumen, wirft ihr noch einen Kuss zu) I´ll always do my very best, Sweetheart.

 

Corinna:    Och Du... (glücklich ab)

 

6. Szene

 

Dennis:      (ißt weiter)

 

Anna:        (kommt nach einer kleinen Pause dann schimpfend zurück) Verfluchte Mist ok...

                  (kurze Pause, schaut Dennis skeptisch an) - Is äh... Corinna al weg ?

 

Dennis:      (nickt) Hhmm. Is se !

 

Anna:        Seggen Se – junger Mann – Se kennen sück nich viellicht mit Waschmaschinen ut ?

Dennis:      (ironisch:) Waschmaschinen... dat sünd doch disse Deelen, wor man fuul Tüch rinschmitt um dat dann mit Wasser, Pulver un Elektrizität weer schoon to kriegen; hebb ik recht ?

 

Anna:        (leicht genervt von diesem „Witz“) Bingo; vull in ´t Swarte truffen.

 

Dennis:      Sorry, was ´n Joke. Na ja... kummt drup an, wat Se unner „utkennen“ verstahn.

 

Anna:        De Döör geiht nich mehr open. – Ik harr güstern abend noch ´ne Ladung Buntwaske. Is ok mien Jogging-Anzug dorbi – ik mutt doch um 10 na d´ Gymnastik. Un nu geiht de Döör nich mehr open. Ik hebb´ doch bloß de een Jogging-Anzug.

 

Dennis:      Dat is Kacke, wa ?! Aver – seeker kien Problem – ik kiek mol. Wor steiht denn dat good Deel ? (steht auf, leckt sich die Finger ab, an denen noch Marmelade o.a. klebt)

 

Anna:        (führt ihn nach rechts) Hier vörn rechts. (mit ihm abgehend na rechts, kurze Pause, dann klingelt es sehr oft an der Haustür)

 

Anna:        (kommt dann zügig wieder von rechts herein, abgehend nach hinten) Ja doch, ja doch, ja doch... (ab nach hinten, öffnet dort die Tür zum Flur)

 

7. Szene

 

Sonja:        (ist schon im Raum, wirkt etwas hektisch. Sie trägt einen sehr aparten Morgenrock oder einen Schlafanzug aus Satin. Sie ist eine junge, schlanke Frau) Gooden mörgen, Anna. Och, ik seh´ al – Du büst mien letzte Rettung. Wenn ik Dien Frühstücksdisk seh... hier gifft dat doch wirs nix, wat dat nich gifft.

                  Bitte laat mi nich in Stich, mien good Anna.

 

Anna:        (ist mitlerweile auch wieder von hinten dazugekommen, schließt die Tür) Sonja ! Also, Nachbarschaftshilfe in allen Ehren – aver dat is kört na söven.

 

Sonja:        Even Anna. Even weil dat erst kört na söven is, bruuk ik Dien Hülp. De Ladens sünd doch noch dicht. – Un wieso Nachbarschaftshilfe ? Dat is nu ok nich de feine Art over de beste Fründin to proten.

 

Anna:        Ja, okay – Du büst ja ok mien beste Fründin; wohnst aver een Etage hoger in ´t glieke Huus un büst somit ok mien (leicht ironisch) beste Naverske. Inverstahn ? – Also - wat kann ik för Di dohn ?

 

Sonja:        Ik hop doch – ´n heel büld. Ik bün nett dorbi dat Fröhstück vörtobereiten; dor is mi doch tatsächelk de Koffje utgahn. Hebb´ bloß noch de olle lösliche. Un H-Milch bruuk ik ok – för de Melkschuum, weeßt Du ?!

Anna:        (mutt lachen) Na, wat is denn los, dat Du Di an d´ Mandagmörgen so verwennen wullt ?

 

Sonja:        Ik ? Mi ? – Anna – Du sullst mi eenlik kennen; ik de Di doch nich mörgens um 7 Üür um Koffje un Melk bidden, wenn dat alleen för mi was.

 

Anna:        (stockt einen Moment) Dat heet – Du hest weer – Besöök ?

 

Sonja:        (schwärmt) He hett mi güstern abend in ´t Lido anprot. Gott, wat för ´n Mann.

 

Anna:        Un dann hett he futt bi Di övernacht ?

 

Sonja:        Dat Leven is to kört, dat man sück ok bloß een Stunde langwielen dürt. Un ik hasse Langewiel. Ik mutt mi beielen, bevör he upwaakt.

 

Anna:        Äh... kenn ik hum viellicht ?

 

Sonja:        Antonio ? Woher denn ? Du geihst doch so good as noit rut ut ´t Huus.

 

Anna:        Danke, dat Du mi an mien langwielig Leven erinnerst. - Antonio ?

 

Sonja:        (schwärmt wieder) Richtig. Antonia Farisi. Du ahnst nich, wat Mannlüüd mit Frauen maken könnt, dormit se richtig glückelk sünd. Ik hebb al männig Mann belevt, aver nix is to verglieken mit Antonio.

 

Anna:        Italiener ?

 

Sonja:        Oh ja. Een richtigen Latin-Lover.

 

Anna:        Sonja – Du troost Di aver wat. Un dann noch mit ´n  Utlanner. Also – ik kunn sowat noit !

 

Sonja:        Mußt Du ja ok nich. Du hest ja Dien Erwin.

 

Anna:        Segg mol – heet´ de van ´t letzt Weekenend nich Mark ? Mark Müller, of so ? - Un hebb ik dor nich nettso ´n schwärmen hört ?

 

Sonja:        Mark ? Och de. Nee nee, dat was woll doch nich dat wohre för mi. Butendem hett de alltied de Socken anbeholen in ´t Bett. Blöd Angewohnheit, nich wohr ?!  – Du, de gifft ´t sowieso ja gor nich mehr. Heet doch nu Euro Müller; weil ´t de Mark doch nich mehr gifft. (lacht)

 

Anna:        (lacht gestellt mit, findet den Witz aber weniger lustig, weil sie das ganze Erzählte von Sonja weniger „okay“ findet)

 

Sonja:        Aver mit Antonio – dor kunn ik mi sogar vörstellen, dat dat wat langer dürt. Wow, wenn Du sien Körper spüren kunnst – disse makelose, bruun, muskulöse Huut, disse Oogen, disse Mund...

Anna:        Ja ja, nu komm´ mol weer runner. (geht zum Schrank, holt eine Dose mit Deckel hervor, holt ihre Kaffeedose hervor, holt aus dem Kühlschrank eine neue Packung H-Milch)

 

Sonja:        (währenddessen:) Ik hebb´ bloß ´n bietje flirt´. Hebb´ nich in Dröm doran docht, hum mittonehmen na Huus. Aver dann... na ja, Du weeßt ja, wo schwak Fraulüüd wesen könnt.

 

Anna:        Ja ?

 

Sonja:        Na ja, Du hest woll siet mehr as 20 Johr alltied de glieke Mann an Dien Siet; een Saak, mit der ik persönlich overhaupt

                  nich klorkommen de. Aver ik denk doch, dat ok Dien Erwin sück männigmol wat raffineertes neijes för Di overleggt, oder ?! Ik meen – anners schlöppt se doch in, so ´n Ehe, nich wohr ?! (knufft sie) Vertell doch mol – wat denkt Erwin sück ut, dormit dat bi jo alltied weer prickelt ? – Mi kannst Du dat doch seggen.

 

Anna:        (steht an der Arbeitsplatte, mit dem Rücken zu Sonja, kann die Tränen nicht mehr verbergen, während sie Kaffee in die leere Dose schüttet)

 

Sonja:        (sieht dies zunächst nich) Na, nu segg al. Ik weet, dat is ´n recht pikant Thema, aver wi beid könnt uns sowat doch seggen. Is doch anners kieneen hier, Anna.

Anna:        (schluchzt, winkt bloß ab)

 

Sonja:        (sieht dieses nun, jetzt leicht besorgt, geht zu ihr) Anna, wat is denn ?

 

Anna:        Och nix. Laat mi eenfach in Ruh.

 

Sonja:        Ja, sowiet kummt dat noch. – To blöd, dat ik nich völ Tied hebb. Stell Di doch bloß mol vör, Antonio waakt up, ik bün nargends to finden un he geiht womögelk weg. Nich uttodenken.

 

Anna:        Even. Dorum kümmer Di nich um mi un gah weer na boven na Dien Lover.

 

Sonja:        (kurzes Überlegen, dann plötzlich erfreut aufschreiend) Hach..., de kann ja gor nich rut!

 

Anna:        Well ?

 

Sonja:        Antonio. Ik hebb doch offsloten van buten. (sitzt schon) Un nu komm al. 5 Minüten günn´ ik Di. Wat is los ?

 

Anna:        Och, laat doch.

 

Sonja:        Na Tempo Tempo – avanti, prego. Wenn een Frau van mien Kaliber al 5 Minuten van hör neije Liebhaber opfert, dann dürt man dat nich ignorieren un diese Tied verplempern. – Also, mien leeve Anna – mien Ohren sünd open. Un bitte tacheles !

Anna:        Un Du wullt dat ok wirs hören ?

 

Sonja:        Word dat nu bold ?!

 

Anna:        (kommt zum Tisch) Na good. - Dat... dat word mi al tovöl. Nee; dat is... ik bün so untofree, och – ik weet ok nich, wo ik Di dat verkloren sall.

 

Sonja:        Vertell dat so, as dat is. Wat passt Di nich ?

 

Anna:        Wat mi nich passt ? – Ik mi sülmst; mien Leven, – mien Familie, eenfach alls ! Un vör allem Kleergrööt 48/50.

 

Sonja:        Oooh, dat klingt gor nich good. Aver nix in ´t Leven is so leep, dat man dat nich annern

                  kann. Vör allem dorum nich, wenn man ´n Fründin hett, de Sonja Roth heet. – Gott, Schätzchen, Du letzt Di aver ok gahn. Wenn ik al seh, wo Du weer rumlöppst... disse Lockenwickler – disse Mörgenrock... Gott der Gerechten...

 

Anna:        Danke, Du baust mi echt up.

 

Sonja:        Na, ik bün viellicht männigmol ´n bietje taktlos, aver alltied open un ehrlich. Find ik beeter as schwiegen un achter d´ Rüch klatschen – dat is verlogen.

 

Anna:        (nach einer kurzen Pause) Du hest ja recht, Sonja. Un ik wull so gern ´n poor Pund offnehmen; siet Weeken versöök ik dat. Du kannst Di nich vorstellen, wo stur dat is. Un ik much ok mien Utsehn verannern, mien Charakter viellicht ok ´n bietje. Ik weet, dat dat bold nich mögelk is, aver...

 

Sonja:        Du wullt eenfach nich mehr Du wesen.

 

Anna:        Ja, so ähnlich kunn man dat utdrücken.

 

Sonja:        Oh – Ehekrise ?

 

Anna:        Ehekrise... ochwat. Dat is infohren in uns Ehe un in de Familie. Un dat so leep, dat mi dat bloß noch frustet un ik de heel Dag brullen kunn. Corinna word langsam ´n Frau. De Halt an uns Dochter kann ik mi also langsam offschminken. Un bi Erwin un mi passeert absolut nix mehr, wat man as Eheleven beteeken kunn.

 

Sonja:        (kann dat kaum glauben) Nee ? Is dat wirs wohr ?

 

Anna:        De heel Week is he utwärts arbeiten. Jeden Mandag mörgen word he offholt, jeden Freedag abend kummt he torüch. Siet Johren dat glieke – immer dat sülfge.

 

Sonja:        Is natürlich dumm, wenn man bloß noch de Weekenenden tosamen hett.

 

Anna:        Wenn wi de dann tomindest mitnanner nutzen deenen.

 

Sonja:        Och, maak ji nich ? Is mi gor nich upfallen in all de Johren.

 

Anna:        Wo denn ok ? Ik hebb´ ja bitlang nix seggt un al de besörgte Moder un glückliche Ehefrau vörspölt. – Dat is to ´n verrückt worden, ja. - Entschuldige, aver so is dat. Freedags abends kummt Erwin torüch, schufft sück dat Abendeeten rin, wat alltied up d´ Tied up d´ Disk stahn mutt; drinkt zwee Buddels Beer un dann geiht he in d´ Badewanne. Kört na acht geiht he dann na sein Skatavend un kummt erst na een torüch. Saterdags vörmiddags angeln, namiddags löppt irgendwor ´n Footballspöl. Wenn nich in ´t Stadion dann in ´t Fernsehen.

 

Sonja:        Du leeve Tied, dat is ja bedrövt.

 

Anna:        Abends hock wi dann meestens mitnanner vör d´ Fernseher un kieken uns ´n Quiz-Show of de Volkstümliche Hitparade an.

 

Sonja:        Oh Gott – wo old sünd ji denn ?

 

Anna:        Sönndags slöppt Erwin lang. Un heel heel selten – un ok bloß, wenn dat Weer good is, gahn wi viellicht mol spazeeren Namiddags. Aver dat passeert ok bloß 3 mol in ´t Johr. Avends dann fröh up Bett, wiel he ja Mandag weer fröh ruut mutt. So sücht uns Weekenend ut.

 

Sonja:        Dat is een Alpdröm. Wieso hest Du denn noit wat seggt ?

 

Anna:        Sonja, dat hett doch sien Grund, dat Erwin un ik kien normal Ehe mehr föhren, so as se wesen sull. Un ik alleen bün 100%tig de Grund dorför. He mag mi nich mehr. He packt mi ja bold nich mehr an.

 

Sonja:        W a t ? – Ji hebbt nich mol mehr an de Weekenenden... (stockt) Segg, dat dat nich wohr is !

 

Anna:        Wenn ik Glück hebb´ - eenmol in d´ Maant !

 

Sonja:        Grood Gott ! - Du hest recht. Hier mutt sück wat annern.

 

Anna:        Ik alleen bün der Grund dorför, dat dat so is. Ik bün unattraktiv worden för Erwin. (wieder weinerlicher) Dat sall woll nich mehr lang düren, bit he Gefallen an anner Frauen find un mi verlett. Viellicht hett he in Polen ja al lang ´n anner...

 

Sonja:        Na, dat was ja woll noch mojer. Noch bün ik ja dor. Schatz, futt vanamiddag kommst Du bi mi. Dann arbeit´ wi ´n speziell Programm för Di ut. Ik geev Di Schminktipps, wi gahn shoppen, ik maak ´n Stil-un Farbberatung bi Di; un ok ´n poor Diätpläne prot mit Di dör. Un dann maak wi dien Erwin mol weer ´n bietje Füür unner d´ Mors...

Anna:        (hat sich etwas beruhigt, muß jetzt schon wieder darüber lachen, obwohl sie noch weint) Du meenst dat so good mit mi, Sonja. Harr ik doch bloß ´n bietje mehr van Dien Charakter.

 

Sonja:        (umarmt sie) Dat word al. Ik bün ja bi Di.

 

Anna:        Danke. – Och, wat jammer ik eenlik herum ? Ik sull mich schamen. Anner Lüüd geiht dat bestimmt nich so good as mi. Butendem was ik noch noit ernsthaft krank in mien heel Leven.

 

Sonja:        Physisch viellicht nich. Aver wenn Dien Seele ´ne Grippe hett, Anna – de will ok kuriert worden.

 

Anna:        (versteht das nich so ganz) Hä ?

 

8. Szene

 

Dennis:      (kommt zurück) Deiht mi leid. Dit Scheiß-Bullauge is nich to bewegen.

 

Sonja:        Na sowat. Well hebb wi denn dor ?

                  (geht schon auf ihn zu, ist sehr angenehm überrascht)

 

Anna:        Oh, Hör harr ik nu heel vergeeten. (steht auf) Sonja – dat is Herr...

 

Dennis:      Mien Naam is Dennis. För alle einfach Dennis. (reicht Sonja die Hand)

 

Anna:        Ja genau.  (stellt Dennis dann Sonja vor) Mien Naverske un Fründin Sonja Roth.

 

Sonja:        Freit mi, Hör kennentolernen. So attraktiv – un so Textilfrei. (bewundert seinen nackten Oberkörper)

 

Dennis:      (geschmeichelt) Völen Dank, Lady Sonja.

 

Anna:        Och ja, Du mußt al entschüldigen Sonja, dat Dennis hier so... weeßt Du...

 

Sonja:        Nee nee, Du mußt mi doch nix erklären, Anna-Schatz. Well versteiht Dien Situation

                  denn woll beeter as ik ? – Aver Dien lüttje Show-Inlage nettakrat was good, dat geev

                  ik to. Sogor de Tranen hebb´ ik Di offköfft. Du sullst Theater spölen.

 

Anna:        Bitte ? Show ? Theater ? Wat sall dat ? Du glövst doch nich in ernst, dat ik mi dissen jungen Mann... also, Sonja !

 

Sonja:        (geht nah an Dennis heran) Ik mutt leider weer na boven na mien Antonio, junger Mann – aver, wi sullen uns Telefonnummern uttuschen, meenen Se nich ok ? (legt ihre Hand auf seine nackte Brust, streichelt diesen erotisch; ihre Lippen berühren fast seine)

                  7-4-3 zweimal de 6...

                  (spricht de „6“ mit leicht scharfem „s“ aus)

 

Dennis:      (etwas perplex, schaut verblüfft drein)

 

Anna:        (ebenso verblüfft)

 

Sonja:        Könnt Se sück dat marken ?

 

Dennis:      Ik... ik glöv´ woll.

 

Sonja:        Un de Pries spölt kien Rull.

 

Dennis:      (schaut verblüfft ins Publikum; Blackout)

                  Och...

Vorhang

 

Ende des ersten Akts

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Zweiter Akt

 

                  (ca. 1 Stunde später. Der Tisch ist jetzt abgeräumt. Anna trägt nu einen etwas altmodischen Rock und einen Pullover oder Bluse. Die Lockenwickler hat sie aus dem Haar entfernt, sie ist aber noch nich gekämmt und die Frisur sieht noch etwas „unfertig“ aus. Wenn der Vorhang sich öffnet, steht Anna am Telefon, den Hörer in der einen Hand, in der anderen hat sie eine Bürste, versucht damit sich zu kämmen; was ihr nicht gut gelingt, weil sie die zweite Hand nicht frei hat. Außerdem ist sie etwas aufgebracht, wegen der Gesprächspartnerin am Telefon. Auch der Fernseher „läuft“ nun; der Ton ist aber recht leise gestellt)

 

1. Szene

 

Anna:        Dat is na acht, Fräulein. (schaut auf die Uhr) Och, wat segg ik – bold half negen. Vör over ´n  Stünn hebb ik Hör Blitz-Service al anroopen. Ja, wor blieven Se denn ? – Entschuldigen Se bitte, dat ik mi so direkt utdrück – aver dann mutten Se sück nich „Blitz-Service“ nömen. Stellen Se sück mol vör, dat de sück um ´n Notfall handeln; Rohrbruch, of wat weet ik; dann was ik doch al lang verdrunken. Butendem handelt sück dat bi mi ja enlik ok um ´n Notfall. (kurze Pause, dann lauter und direkt:) Leeve  Frömenschke, wenn Se 15 Kilo Overgewicht haren, Hör Ehe inslöppt, se alles dorför dohn wullen, dormit Se ´n poor Pund verlesen, um 11 Üür na d´ Gymnastik-Gruppe mutten, un Hör Jogging-Anzug in een Waschmaschine insperrt is, bi de sück de bescheetene Döör nich mehr rögt, un Se nebenbei een noch laat-pubertierenden halfnakend Möchte-gern-Künstler – de Se so good as gor nich kennen – bi sück in d´ Wohnung harren, bi de Se nich weeten, wat de noch so vör hett mit Hör, un Hör best Fründin glövt, dat dit ´n Call-Boy is, de se sück bestellt hebben, dann handelt sück dat doch sehr wohl um ´n Notfall oder ?! Ja, Se mi ok. („knallt“ den Hörer wütend auf die Gabel, holt tief Luft) Blöd Koh ! (äfft nach) „Wir sind nicht der Flying Pizza Service, meine Liebe. Etwas Geduld müssen Sie schon aufbringen“. – Unverschämtheit. (bürstet sich das Haar, geht nach hinten zum Flur, dort hängt ein Spiegel an der Wand; ist immer noch „geladen“, dementsprechend bürstet sie auch ihr Haar)

 

2. Szene

 

Dennis:      (kommt von rechts, is nun angezogen. Er trägt ein Sweatshirt, Lederhose, hat einen Rucksack über die Schultern gehängt, raucht

                  eine Zigarette, hat eine angebrochene Packung Zigaretten und Feuerzeug in der anderen Hand) Moder Thalmann ?

 

Anna:        (etwas erschrocken, kommt dann zurück ins Zimmer, schließt die Tür zum Flur) Ja ?

                  Och, Se sünd dat.

 

Dennis:      Ik maak´ dann mol de Flatter, ja ?! Mutt noch ´n bietje Kohle scheffeln.

 

Anna:        Oh, Se hebbt ja sogor... ik meen, Se sünd ja antrucken.

 

Dennis:      Klaro. Denken Se, ik bün nakend hierher komen ?

 

Anna:        Nee nee, natürlich nich.

 

Dennis:      Se sehnt übrigens ok heel verannert ut – un beeter as vör ´n Stünn, wenn ik dat mol tacheles so seggen dürt.

 

Anna:        Ja ?

 

Dennis:      De Lockenwickler – de wassen echt krass. Ik doch erst, dat sull ´n Gag wesen, bit Corinna mi vertellt hett, dat de doch irgendeen Zweck erfüllen söllnt.

 

Anna:        Aha.

 

Dennis:      Deiht mi leed, dat ik Hör nich helpen kann – ik meen – dat Problem mit

                  de Wash-Box. (sucht einen Ascher, findet, drückt die Zigarette aus)

 

Anna:        Is kien Problem. Ik hebb´ al ´n Klempner bestellt. Un so as dat utsücht, hebb ik good Chancen, dat de in dit Johr noch hier upduukt. – Aver trotzdem völen Dank. – Un äh... mi deiht dat leed.

 

Dennis:      Wat denn ?

 

Anna:        Disse peinliche Situation mit uns Naverske Sonja even. Dat was unmögelk van hör, dat se doch, Se sünd een – na ja – een, de man sück na Huus hen bestellt.

 

Dennis:      Kien Ding, eh.

 

Anna:        Na ja, mi was dat al peinlich, dat se doch, Se un ik harren... (man merkt jedoch, dass sie diese Vorstellung nicht ganz von der Hand weisen möchte)

 

Dennis:      Was doch witzig. Sückse Frauen kenn ik. De kann man nich annern.

 

Anna:        Hett aver trotzdem lang düst, bit Sonja endlich verstahn hett, dat Se de Fründ van uns Corinna sünd, nich wohr ?

 

Dennis:      Locker bleiben. Is doch good to weeten, dat dat sowat as disse Sonja gifft. Na ja, wenn man nett nix fastes an d´ Hand hett ... Ik hebb´ de Nummer mol speichert. För alle Fälle. Un wenn se ok noch dorför betahlen will...

 

Anna:        Wat meenen Se ?

 

Dennis:      De Telefonnummer ! Van disse pralle Sonja.

 

Anna:        (erbost) Dat is doch nich Hör ernst ?

 

Dennis:      Mensch, Moder Thalmann - Ik bün tro, kien Bang. Ik hebb Corinna leev, ehrlich. Un bloß hör. – Eh Mann, dat was bloß ´n Gag, Frau Thalmann. Nehmen Se doch nich alls so ernst. Vör allem nich dat Leven. Maak ik al siet Johren nich mehr.

 

Anna:        Beruhigend.

 

Dennis:      (geht zur Arbeitsplatte der Einbauküche; dort steht noch der Brötchenkorb mit den restlichen Brötchen, er nimmt sich zwei) Is

                  dat okay, wenn ik mi twee van disse Deelen insteek ?

 

Anna:        Ja seeker. Ik kann Hör ok noch al upschmeeren, wenn Se willen.

 

Dennis:      Nee danke, dat geiht al so. (nimmt seinen Rucksack vom Rücken, öffnet diesen, legt seine Zigarettenpackung und das Feuerzeug

                  derweil auf die Arbeitsplatte, verstaut die Brötchen, schließt den Rucksack) Un völen Dank för dat Fröhstück. Hebb´ lang nich mehr so good spachtelt.

 

Anna:        Spachtelt... Oh bitte, gern. - Tja... dann völ Glück bi ´t Malen – of wo seggt man ? Un – besöken Se uns doch mol weer.

 

Dennis:      Maak ik glatt. (an der Tür nach hinten) Moijen Dag noch, Moder Thalmann. (er vergisst seine Zigaretten) Un – straight on.

 

Anna:        Nettso --- Dennis. (zu sich selbst:) Wat ok immer dat bedüden mach.

 

Dennis:      Ik glöv, Se sünd doch gor nich so verklemmt, as ik erst doch. Moder Thalmann - Tschauiii... (ab)

 

3. Szene

 

Anna:        (allein) Moder Thalmann... Tssss... (schüttelt mit dem Kopf, seufzt, geht dann zu dem Käfig mit dem Wellensittich) Straight on, Flori – hest Du hört ? Un dor was wi beid weer alleen. Un wat nützt mi dat nu, wenn ik stünnenlang alleen hier in de Wohnung sitt un dorbi straight on bün ? Un Du ? Büst Du ok straight on nu ? - Ha, disse junge Lüüd – Irgendwie is he aver heel nett, disse Dennis, meenst Du nich ok ? – Okay, he is ´n bietje verrückt un he prot in ´n direkten un ungewöhnlichen Spraak – aver wenn man hum erstmol beeter kennt... tomindest hett he versöcht, sück um mien Waschmaschine to kümmern. Ja ja, Flori, ik geev to, he hett dat nich schafft, de Döör open to kriegen, aver he hett ok kien Gewalt anwendt, dat is doch een good Teeken, oder ? Na, openbreeken kann ik dat Ding sülmst. – Ja, Du mußt mi gor nich so ankieken – Dennis brengt doch tomindest neijen Schwung in uns Huus – in mien Leven – (dann melancholischer:) Okay okay, in dat Leven van mien Dochter Corinna, meen ik. (träumt dann einige Sekunden vor sich her, dann fängt sie sich schnell) Okay Flori – dat gifft bloß ´n poor Möglichkeiten. Wat sall ik maken ? (geht im Raum hin un her) Vandag nich na d´ Gymnastik gahn ? Noch gau ´n neijen Jogging-Anzug kopen ? De Übungen hier tohuus maken ? Wat ratst Du mi ? Hä ? Wat ? – Neij Anzug is to düür ? Ja, Du

                  hest recht. Dor sünd bi mien Grööt weer futt 100 Euro weg. Aver bit de Klempner kummt, is dat seeker Wiehnachten. Wat sall ik also maken ? (läuft zur Küchenzeile, geht dann zu dem Bild von der Kaiserin Elisabeth) Sisi, ja, Du hest wüßt, wenher dat Tied word wat to annern. Aver Dien Leven was völ leeper as mien. Dien Schweegermoder nohm di de Kinner; Dien Jung hett sück dat Leven nohmen; un dien lütje Dochter is an ´n tückischen Krankheit stürven. Aver as Du al upgeeven wullst, do hest Du dien Schönheit insett un nich upgeeven. – (wendet sich dann ab von dem Foto) In Melk hett se alltied bad... hett hör Schönheit unnerstützt. Viellicht sull Moder Thalmann dat ok mol maken. Wat holst Du dorvan in Melk to baden, Flori ? Nix? Hhmmm... (etwas traurig und weinerlich:) Kieneen mag mi, Flori. (sie geht zum Recorder, legt evtl. eine andere CD ein, es erklingt dann von Roy Black „Irgend-jemand liebt auch Dich“. Sie singt den Text teilweise mit, tänzelt evtl. vertäumt dazu. Nach einiger Tied schaut sie zum Fernseher, dann interessierter, dreht diesen dann lauter, nachdem sie den CD-Recorder schnell abgestellt hat) HINWEIS: (hier spielen Sie bitte die Audio-Kassette* ab, so dass sie auch von den Zuschauern gut zu hören ist, und der Eindruck entsteht, der Ton würde aus dem TV-Gerät kommen. *Dieses Tape erhalten Sie, wenn Sie sich definitiv für dieses Stück entschieden haben) (Anna hört und sieht gespannt zum Fernseher; am Schluss des Spots holt sie schnell Schreibzeug hervor und notiert sich die Telefonnummer, stellt dann den Fernseher ab, bzw. leiser und wählt die Nummer; bekommt dann nach einer angemessenen Pause Anschluss, ist ganz aufgeregt irgendwie) Ja Hallo ? Mutter Thalmann hier. (besinnt sich sogleich) Ach, entschuldigen Sie. Thalmann. Anna Thalmann. Ich hab gerade ihren Werbespot gesehen. Ja, würde ich gerne bestellen. Ja, einmal. Hat sich das Produkt denn schon bewährt ? Ich meine, gibt es schon Kunden, die von Erfolgen berichtet haben ? (kurze Pause) Achwas, das klingt ja wunderbar. – Per Nachnahme liefern Sie ? Ja, das ist in Ordnung. Thalmann, Anna. Zeisigstrasse 17, 21244 Dibbersen. – (etwas enttäuscht) 2-3 Wochen dauert die Lieferzeit ? Naja, schade. Ja sicher – wegen der großen Nachfrage. Natürlich. Ja prima. Danke und auf wiederhören. (legt auf) Hest Du hört, Flori? Bit to 5 Kilo Gewichtsverlust pro Week sünd drin. Dat is sogor bewesen. Na ja, tomindest gifft dat een Person, de dat behaupt. – Aver wat maak ik solange, bit de Ware leevert ward? Van „straight on wesen“ word mien Körper ok nich fitter. Hhhm... (geht zur Arbeitsplatte, sieht dort die angebrochene Schachtel Zigaretten, die Dennis vergessen hat, betrachtet diese) Oh, nu hett Dennis sien Zigaretten liggenlaten. Na ja...  Bezwecken dohnt disse stinkenden Stengel eh nix. (legt sie wieder zurück, überlegt kurz, nimmt die Packung dann erneut in die Hand) Obwohl, Gisela Poppen schwört ja, dat de ok de Punden verdrängen. Hhmm... of ik mol... ? Wat denkst Du, Flori? – Aver Du verratst mi nich, hörst Du ?! (nimmt eine Zigarette aus der Packung, heraus, steckt sich diese zwischen die Lippen, zündet sie dann mit dem Feuerzeug an, stellt sich leicht ungeschickt dabei an, zieht daran, bläst den Rauch aus, hustet dann – aber nich zu sehr übertreiben) Na ja, gewöhnungsbedürftig. Wovöl mutt ik denn dorvan qualmen un wovöl nimmt man denn letztenendes dorvan of ? Wat ? Weeßt Du ok nich, Flori ? Dat stinkt ? Ja, Du hest recht. Wat seggst Du ? Du denkst, dat de Gewichtsverlust hierbi nich unbedingt bi ´t Rooken sülmst passeert, sondern erde

                  bi ´t Besörgen van de Zigaretten ? Van ´t Loopen ? Ochso – ja ja, ik verstah Di, Flori. „Ich gehe Meilenweit für eine Camel“. (zieht nochmal daran, dann klingelt es an der Tür)

                  Oh Sonja, wat is nu denn al weer ? (geht etwas genervt zur Tür nach hinten, öffnet dann die Aussentür)

 

Mustafa:    (von hinten zu hören) Guten morgen.

 

Anna:        Morgen.

 

Mustafa:    Blitz-Service Hollenstedt. Se hatten angerufen, weil Sie ein Problem haben ?

 

Anna:        Ach Du meine Güte; ich glaub´s ja kaum. Ja sicher. Kommen Sie rein.

 

4. Szene

 

Mustafa:    (kommt nun herein. Er trägt einen blauen Arbeitskombi oder aber auch Arbeitshose - und Jacke, hat einen Metallkoffer dabei)

 

Anna:        (folgt ihm sogleich, schließt de Tür, ist sichtbar erfreut, dass der Mitarbeiter doch so schnell gekommen ist, legt die Zigarette in den Ascher, drückt diese aber nicht aus) Hach, ich bin ja so froh, dass Sie da sind.

 

Mustafa:    Eine Kollegin hat mich von der Zentrale über Handy mitgeteilt, dass es sich hier um einen – wie sagt man ? - Notfall handelt. Und ich war gerade hier in der Nähe.

 

Anna:        (schämt sich jetzt ein bißchen) Na ja, Notfall... wenn Sie so wollen. (sieht ihn an)

 

Mustafa:    Nun, wo finde ich das Gerät ?

 

Anna:        Achso, ja – entschuldigung. Es ist die Wasch-

                  maschine. Hier nebenan. (geht nach rechts ab, läßt die Tür geöffnet)

 

Mustafa:    (folgt ihr)

 

Anna:        (von dort) Ich krieg die Tür einfach nicht offen. Hab´ die Maschine ganz normal gestartet. Buntwäsche, 40 Grad. Sogar das Energie-Sparprogramm. Auch nicht überladen oder so – alles völlig normal: Einige von Corinna´s T-Shirts, den Schlafanzug von  Erwin, und natürlich meinen Jogging-Anzug. Und darum geht es eigentlich ja auch nur bei dieser Katastrophe.

 

Mustafa:    Hhmm... tja, dann schauen wi mal.

 

Anna:        (kommt zurück, aber noch nach rechts schauend) Äh... darf ich Ihnen etwas anbieten? Eine Tasse Kaffee oder Tee, oder vielleicht ein Bier ?

 

Mustafa:    Bier am frühen Morgen wäre nicht so gut. Aber zu einer Tasse Kaffee sag ich nicht nein

Anna:        (füllt die Kaffeemaschine mit Wasser, entnimmt den „alten“ Kaffeefilter, legt einen neuen ein, schüttet Kaffee hinein, startet die Maschine. Währenddessen etwas lauter nach rechts:) Finde ich wirklich nett, dass Sie so schnell gekommen sind. Un richten Sie Ihrer

                  Kollegin von der Zentrale doch bitte aus, dass es mir leid tut, wenn ich am Telefon vorhin etwas barsch zu ihr war. (seufzt) Hach, jetzt wird alles gut und ich kann doch noch zur Gymnastik.

 

Mustafa:    Ich muß erstmal lösen das Problem, Frau Thalmann. Dann sehen wir weiter.

 

Anna:        Ja ja – sicher.

 

Mustafa:    Manchmal löst sich die Sicherheitssperre nicht; das hatten wir schon öfter.

 

Anna:        (stellt derweil Tassen auf den Tisch, Zucker u.a.) Das werden Sie als Fachmann  ja sicher schnell reparieren. Wissen Sie – um 11 Uhr beginnt nämlich meine Gymnastikstunde; und ich muß den Jogging-Anzug noch trocknen und bügeln.

 

Mustafa:    Und anziehen; hab´ ich recht ?

 

Anna:        Wie ? – (muß dann lachen) Achso, ja natürlich. – Denken Sie, dass ich noch ´ne Chance hab` ?

 

Mustafa:    Ich werde sehen, was sich machen läßt. – Also, das Waschprogramm ist komplett abgeschlossen, ja ?!

 

Anna:        (geht zur Tür) Ja, ik denke schon. Bloß diese Tür läßt sich eben nicht öffnen.

 

                  (es klingelt an der Haustür)

 

Anna:        (geht zur Tür nach hinten, öffnet dann die Außentür)

 

5. Szene

 

Sonja:        (ist schon im Raum, etwas aufgebracht und durcheinander) Wees mi nich dll, mien Leeve, aver ik bruuk nochmol Dien Hülp.

 

Anna:        (kommt wieder von hinten dazu, etwas genervt) Wat dürt dat denn ditmol wesen ? Brot, Eier, wat to Antrecken ?

 

Sonja:        Anna, mien Good – wat to Antrecken... Tsss... ik glöv nich, dat wi de glieke Grööt hebben.

 

Anna:        (ironisch) Danke, dat Du mi alltied weer so taktvoll an mien „perfekte“ Figur erinnerst.

 

Sonja:        Entschuldige, Herzchen, aver Du kennst ja mien open Art.

 

Anna:        Even ! – Grood Gott, Du büst ja immer noch nich antrucken.

Sonja:        Sull ik ? Antonio hett noch ´n bietje Tied. Un dor hebb wi even in ´t Bett fröhstückt. (sieht jetzt die noch qualmende Zigarette im Ascher, äußerst erstaunt) A N N A, Du rookst ?

 

Anna:        Ik... wat ? (geht zum Ascher, drückt die Zigarette aus) Dat is bloß... och, Dennis hett de hier liggenlaaten.

 

Sonja:        Gott, wenn ik disse Qualm ruuk... is dat herrlich. – Entschuldige, aver ik bruuk nu een. (nimmt sich eine Zigarette aus der Packung, zündet sich diese an)

 

Anna:        Sonja, ik denk Du hest uphört.

 

Sonja:        Hebb´ ik ok – al vör ´n half Johr. Aver wenn ik nervös bün... disse Dinger sünd dat allerbeste tegen nervöse Nerven. (inhaliert den Rauch gierig) Hach, is dat wunnerbor.

 

Anna:        Un wat is mit Dien Gesundheit ? Just dorum hest Du doch uphört, oder ?

 

Sonja:        Och, hör doch up. Okay, Nikotin is wohrschienlich nich dat gesundste; aver dat gifft Bewiese, dat disse Stengel ok völ positives bezwecken. – Erstmol wirken se as Balsam bi sückse Situationen, in de ik mi just befind; annern behaupten, se söllnt sogor schlank maken; weer annern seggen, dat...

 

Anna:        (hat sich bei dem letzten Satz von Sonja sofort auch erneut eine neue Zigarette genommen und sich diese angezündet) Siehste. Hett Gisela Poppen also doch recht !

 

Sonja:        (äußerst „baff“) Anna, ik faat dat nich. Du mit ´n Fluppe in d´ Bäck – dat is as, na, as wenn Inge Meysel bi de „No angels“ instiegen de.

                 

Anna:        Sonja, bitte. Ik will ok endlich mol wat annern –  un nu raad mol, wat ik mi nett bestellt hebb`. In d´ Tele-Shopping hebbt de een heel neij Präperat anboden, dor verlüst man doch tatsächelk in een Week mehr as...

 

Sonja:        Ja, fein. Aver dat mutt wachten. – Anna-

                  ik bün heelmol oberrumpelt worden van Antonio. Un Du as Ehefrau un Moder büst

                  de eenzige, de mi nu helpen kann. (sitzt jetzt, sehr nervös) Tomindest hoop ik dat.

 

Anna:        Aha. Du büst ja richtig dörnanner. Wat is denn passeert ? (setzt sich zu ihr an den Tisch; Anna hat den Ascher von der Arbeitsplatte geholt und auf den Tisch gestellt)

 

Sonja:        Ik weet sülmst nich, wat mit Antonio los is. Ik hebb uns vör dat Fröhstück ´n „American Beauty“ mixt. Ik wette, dat de sien Sinne verwirrt hett. Ik hebb´ eenfach kien anner Erklärung dorför.

 

Anna:        (versteht nix) American Beauty, aha.

Sonja:        Ja, Du kennst doch disse wunnerbor Cocktail, oder ? Een vördel Kognak, de glieke Menge Granatapfelsirup, een achtel Orangensaft, een vördel drög Wermut, een achtel drög Rotwien un een Spritzer Créme de menthe. Een wunnerbor Gesöff. - Sovöl ik hört hebb, hett man hum up de Titanic drunken. Kann aver ok de Marie Celeste west wesen; dor bün ik mi nich heel seeker.

 

Anna:        Titanic ? Wat hebben de Menschen vandag bloß al mit de Titanic ? Du hest Di bi ´t Drinken wohrschienlich föhlt as disse, disse... wo heet de nochmol ?

 

Sonja:        Rose Dewitt-Beaucater, genau.

 

Anna:        Antonio hett Di doch aver nich ok malt, mit disse Coktail-Glas in d´ Hand un bloß klett mit dat Hart van d´ Ozean ?

 

Sonja:        Nee; wo kommst Du denn up sowat ? Up jedenfall hebb wi tosammen disse American Beauty drunken un dann... - Anna – hol Di fast.

 

Anna:        Ja ?

 

Sonja:        He will mi heiraden.

 

Anna:        („platt“) Well ?

 

Sonja:        Na Antonio – mi.

Anna:        Och Du leeve Tied.

 

Sonja:        Dat wassen ok mien Worden bi sien Andrag. Okay okay, wi kennen uns nu bold 10 Stünn – dat sull doch eenlik genügen; aver heiraden... ik weet nich. Un dorum... Anna, wat sall ik maken ?

 

Anna:        (überlegt, dann plötzlich etwas kurz) Bevör Dien beste Fründin Di ´n gooden Rat gifft, will ik van Di noch ´n Entschuldigung.

 

Sonja:        Worför dat denn ?

 

Anna:        Na, overlegg mol !

 

Sonja:        (tut dies, dann:) Ja, ik weet al. Mann eh, deiht mi leed, dat ik Dien tokünftige Schweegersöhn angebaggert hebb. Kummt nich weer vör. Aver well kunn dat denn ahnen?

 

Anna:        Du ritst Di in Tokunft bitte tosamen, wat mien Gasten angeiht, ja ?! Off dat allerdings mien Schweegersöhn word, dat steiht noch in d´ Steerns. Dennis is bloß upstünd de Fründ van Corinna.

 

Sonja:        Ja ja, ik will hum ja gor nich. Is mi so un so völ to jung. (schaut Anna an, die immer noch etwas pikiert schaut, dann lauter und direkter) Es tut mi leid ! Langt dat nu ?

 

Anna:        Na good. Entschuldigung annohmen.

 

Sonja:        Nu hör aver bitte up mit Dien Schmollen un mit de Probleme in Dien Familie. Nu segg mi doch endlich, wat ik maken sall. – Hach, ik bün heelmol dörnanner.

 

Anna:        Du wullt dissen Italiener doch nich ernsthaft heiraden ? – Sonja, dorto büst Du völ to oberflächlich.

 

Sonja:        (erbost) Also... wat denkst Du Di ?

 

Anna:        Hebb´ ik denn nich recht ? Du dürst mi alltied alls open un taktlos vör de Kopf hauen, ja ?! Un ik mutt alltied bloß dat seggen, wat Du hören wullt. Arig Updeelung.

 

Sonja:        Ja... Du hest ja sogar irgendwie recht.

 

Anna:        Nich irgendwie. Dat is de Wohrheit. Un ik hebb ok dat Recht Di as mien beste Fründin de Meenung to seggen; dorto sünd Fründen schließlich dor.

 

Sonja:        Ja seeker. Also, wat ratst Du mi denn nu ?

 

Anna:        Sonja, Du kennst diesen Antonio siet güstern avend. Un dat is bloß ´n Frage van Tied, dann legst Du ok dit Abenteuer to de Akten. Dann gifft dat ´n Gilbert, ´n Jonny off Hassan in Dien Leven. Entschulige bitte, aver so büst Du nu mol.

                  Ik hebb´ doch noch vör ´n good Stünn sehn, wo Du Dennis bold mit Dien Blicken uttrucken hest.

 

Sonja:        Ja, aver Antonio liebt mi.

 

Anna:        Leevde... - Ji haren ´n moijen Avend, een moije Nacht – alls is dann rosarot un 1000 Moij-Weer-Wulken hangen vull mit wohlklingende Geigen – dor prot man gau van Leevde. Aver heiraden... Sonja, dat kann man doch so gau nich entscheeden. Een Eheverspreeken – dat is wat – na, för alltied ! Seeker hest Du mit Dien charmante Art dissen Antonio de Steerns van d´ Himmel holt.

 

Sonja:        Nee, hebb´ ik nich. Ik was as alltied.

 

Anna:        Een Mann maakt ´n Frau doch nich na een Nacht ´n Heiradsandrag. Ik much drum wetten, dat Du irgendwie de Anstoß dorto geven hest.

 

Sonja:        Kien Wort ! Ik schwör.

 

Anna:        Nich ?

 

Sonja:        Nee !

 

Anna:        Ja dann...

 

Sonja:        Ja ?

 

Anna:        Ik denk...

 

Sonja:        Nu segg doch endlich !

 

Anna:        Dann lag dat woll doch an disse American Beauty.

 

Sonja:        Oooohh..., Du maakst mich noch wahnsinnig. (steht auf, drückt die Zigarette aus)

 

Anna:        Deiht mi leed, aver wat sall ik Di raten ? Ik bün siet 21 Johr mit Erwin verheirad; dat hett vörher un ok während uns Ehe noit ´n annern Mann in mien Leven geven.

 

Sonja:        Wirs nich ?

 

Anna:        Nee, noit.

 

Sonja:        Nich mol een lüttje Flirt ?

 

Anna:        Nee; ik bün even nich so as Du.

 

Sonja:        Danke; off dat allerdings ´n so wahnsinnig moij Leven is, much ik betwiefeln.

 

Anna:        Ik bün glücklich – (zaghaft) sowiet.

 

Sonja:        (ironisch) Ja seeker.

 

Anna:        Ik harr in all den Johren mehr as dusend Gelegenheiten hatt, Erwin to bedreegen, wenn he doch de heel Week utwärts arbeit.

Sonja:        Un worum hest Du ´t dann bitlang noit dohn ? Is doch nix dorbi. Wenn dat tüschen Erwin un Di tomindest interessant was... Hest Du mi nich noch vör ´n Stünn vörklagt, dat se langsam inschlöppt; Dien – ach so tolle Ehe?!

 

Anna:        Un wenn al, doran arbeit ik. – Dat hett aver nix dormit to dohn, dat ik dör un dör troo bün. Denn dat bün ik. Basta !

 

Mustafa:    (von rechts) Ich brauche mol einen Lappen, bitte. Ik hab´ hier einiges nass gemacht.

 

Sonja:        (fällt die Kinnlade herunter)

 

Anna:        (singt fast zurück) Jaaa...

 

Sonja:        (schaut Anna völlig verdutzt an, zeigt schweigend und immer noch „platt“ nach rechts) He... he hett sück natt maakt, Anna.

 

Anna:        (geht zur Einbauküche, holt von irgendwo her einen Lappen bzw. Feudel) Ja, dat kann doch passeeren.

 

Sonja:        Un dat was nich de Stimme van Dien Nachwuchs-Schweegersöhn, mien Leeve.

 

Anna:        (etwas schadenfroh) Nee, dat is nich Dennis; dor hest Du völlig recht.. (geht nach rechts)

 

 

 

6. Szene

 

Mustafa:    (van dort:) Ich bin fast fertig, Frau Thalmann.

 

Anna:        Oh prima.

 

Sonja:        (hält es nich mehr aus, will dann auch ab nach rechts, als...) 

 

Anna:        (...schon wieder zurückkommt und sie ins Zimmer „zurückdrückt) Dat is de Klempner, Sonja. Bloß ´n Klempner. - Un dat is dat, wat ik vorhin dormit meent hebb. Du hest boven in Dien Bedd een Antonio liggen; hörst hier bi mi de Klempner un hest ok mit de al weer schmerig Phantasien in d´ Kopp. Un dorum dögst Du ok nich för ´n Ehe.

 

Sonja:        Dat is doch nich eenfach ´n Klempner. Du leeve Tied, Anna; ik hebb´ ´n Gespür för sückse Stimmen. Büst Du denn taub ? Dat is seeker de perfekte Adonis. Kumm, de mutt ik sehn ! (will wieder nach rechts, doch...)

 

Anna:        (hält sie erneut zurück) Du geihst nargends hen un letzt disse Mann sien Arbeit maken.

 

Sonja:        Oh Gott, mit de kunn ik mi bestimmt wat vörstellen. To ´n Biespiel, dat he mi...

 

Anna:        (schnell:) Segg dat leever nich. Ik will dat nich weeten.

 

Sonja:        Ja, aver hest Du denn gor kien Gedanken in d´ Kopp, dat Du un disse Supermann viellicht tosamen – na ja...

 

Anna:        Nee, hebb´ ik nich. Disse nette Mann is hier um mien Waschmaschin to repareeren, dat is alls.

 

Sonja:        Du kannst een aver ok jede Freid verdarven. (etwas „sauer“, geht dann zur Tür) Mensch Anna, maak doch eenmal in dien Leven wat verrücktes – leev ! Denk doch nich alltied bloß an Dien Familie, an Dien Erwin un Dien Dochter. Man dürt doch Spaß hebben. Un wenn ´t ok bloß ´n lüttje Techtelmechtel is mit disse... disse.. oh Mann, wat mutt dat för ´n Kerl wesen. Ik stell mi to disse erotische Stimm nett de makellose un muskulöse Körper vör. Un dann splitternakend. (schließt die Augen, schwärmt, stöhnt leicht auf) Aaah...

 

Anna:        S o n j a !!! – Bitte !

 

Sonja:        (kommt dann wieder herunter von ihrem “Schwärm-Trip”) Un dorto disse glänzende Akzent. Wat is he ? Türke ? Iraner ? Russe ?

 

Anna:        He is ´n Mitarbeiter van de Blitz-Service. – Wieso ? Is dat denn kien Dütsken ?

 

Sonja:        Leev Himmel; dat hört man doch sofort; disse sööte, utländische Akzent; un dann erst de dunkle Oogen, de he seeker hett. – (dann, etwas pikiert:) Na ja, okay; ik stör dann ok nich langer. Ik segg Antonio, dat ik mi dat mit sien Andrag noch overleggen will. Aver trotzdem völen Dank för Dien Hülp.

 

Anna:        Bitte bitte, nix to danken. Dorför sünd wi ja dor.

 

Sonja:        Dat Du mi disse Super-Klemper nich vörstellst, vergeet ik Di dennoch nich. Ik kiek later nochmol weer in. Moijen Dag noch un... denk an mien Worden, Schätzchen. Leev !

 

Anna:        (etwas genervt) Aver immer doch, mien Leeve.

 

Sonja:        (seufzend ab nach hinten)

 

Anna:        (schließt die Tür, seufzt) Oh Mann...

 

7. Szene

 

Mustafa:    (kommt jetzt ins Zimmer) So, Frau Thalmann. Die Tür ist jetzt offen. Wie ich schon vermutete, hatte sich die Sicherheitsverriege-lung verklemmt. Das passiert schon mal nach einigen Jahren. Ich werde noch einen neuen Schnapper einbauen; aber die Kleidung ist jetzt nicht mehr eingesperrt; wenn Sie so wollen.

 

Anna:        Oh wie schön. Das ging aber fix. Der Kaffee ist auch schon fertig. Ich steck´ nur mal schnell den Jogging-Anzug in den Trockner, ja ?! Aber bitte, nehmen Sie doch Platz. (schnell ab nach rechts)

 

Mustafa:    Vielen Dank. (nimmt Platz, sieht sich um)

 

Anna:        (ruft von rechts) Sie dürfen sich gerne eine Zigarette nehmen, falls Sie rauchen.

 

Mustafa:    Danke, aber ich habe aufgehört. (steht auf, geht zunächst zum Vogelkäfig, schaut hinein, geht dann zum CD-Recorder, schaut sich dann die Hüllen an, nimmt sich dann die Freiheit und stellt den Recorder an. Es erklingt erneut das Lied von Roy Black „Irgendjemand liebt auch Dich“)

 

Anna:        (kommt nach etwa einer knappen Minute zurück, wundert sich schon etwas über die Musik, bleibt erstmal im Türrahmen stehen)

 

Mustafa:    (stellt die Musik nun so leise, dass sie sehr wohl noch zu hören ist, aber den Dialog nicht übertönt) Ich hab´ mal etwas Musik gemacht. Das ist doch in Ordnung ?

 

Anna:        (etwas verlegen und verwundert) Aber ja, bitte. (holt dann zwei Kaffeetassen aus einem Schrank, Zucker, Milch, Löffel, stellt alles auf den Tisch, lächelt Mustafa währenddessen etwas gestellt zu, ist leicht unsicher)

Mustafa:    (läßt Anna beim „Tischdecken“ nicht aus den Augen, lächelt sie freundlich an; schaut dann auf die CD-Hülle) Roy Black, aha.

 

Anna:        Ja, ich ahne, was Sie denken. Wieso hört eine Frau in meinem Alter solche Schnulzen.

 

Mustafa:    Nein nein. Musik ist relativ. Sie sagt etwas über den Hörer aus. Und jeder Mensch hat da seinen eigenen Geschmack. Musik muß die Seele berühren, etwas auslösen bei dem, der es hört. Der eine liebt Klassik oder Reggae, der andere Hip Hop, Volksmusik oder Techno. Wenn Sie gerne diese alten deutschen Schlager hören...

 

Anna:        Na ja, eigentlich bloß den Roy.

 

Mustafa:    Musik ist wie ein Gefühl, Frau Thalmann. Man muß empfinden bei seiner Lieblingsmusik. Viele fühlen den Rhythmus oder empfinden bei bestimmten Instrumenten etwas. Bei diesen alten Schlagern – denke ik – geht es um Ihre Zeit als Teenager; und sicherlich mögen Sie die eingängigen Melodien; aber vor allem die Texte, nicht wahr ?! Es sind Texte, die irgendwie unerfüllte Wünsche widerspiegeln, hab´ ich recht ?

 

Anna:        Nun ja, ich... (stellt nun den CD-Recorder aus; ihr ist diese Unterhaltung recht unangenehm) Wir sollten den Kaffee nich kalt werden lassen. - Aber bitte, setzen Sie sich doch wieder.

 

Mustafa:    (setzt sich lächelnd, nimmt die CD-Hülle mit an den Tisch)

 

Anna:        (folgt ihm mit Kaffeekanne, füllt zwei Tassen) Mit Milch und Zucker ?

 

Mustafa:    Nur Milch bitte.

 

Anna:        (gießt ihm Milch in die Tasse, sieht ihn an dabei, verschüttet etwas Milch) Ach, wie ungeschickt von mir. (holt einen Lappen, wischt den Tisch ab)

 

Mustafa:    (merkt, dass Anna nervös ist in seiner Gegenwart) Das kann doch mal passieren.

 

Anna:        Ja. (steht noch mit dem Lappen unschlüssig am Tisch) Wie... äh... läuft denn das mit der Bezahlung ? Krieg ich ´ne Rechnung oder soll ich gleich bar zahlen ?

 

Mustafa:    Sie bekommen in den nächsten Tagen eine Rechnung von der Firma. – Aber bitte, setzen Sie sich doch zu mir. (sieht sie fortwährend an)

 

Anna:        Ja. (tut dies, trinkt einen Schluck von ihrem Kaffee; wird dann wieder sehr unsicher, weil Mustafa sie ohne Unterbrechung ansieht, kippt sich dann fünf bis sechs Kaffeelöffel Zucker in den Kaffee, lacht wieder gestellt, dann, nach einer Pause) Ich hoffe, der Kaffee ist in Ordnung. Ich nehme immer den aus ´m Sonderangebot.

 

Mustafa:    (trinkt, lächelt) Wunderbar. (sieht sich dann ein wenig im Raum um) Schön haben Sie´s hier.

 

Anna:        Achja, schlicht und einfach.

 

Mustafa:    Aber gemütlich.

 

Anna:        Ja..., danke. (dann, nach einer weiteren kleinen Verlegenheitspause, nachdem auch sie ihn eine Weile tief in die Augen gesehen hat) Dann müssen Sie also nr noch den Stecker einführen und dann läuft es wieder ?

 

Mustafa:    Den Sicherheitsschnapper werde ich austauschen, Frau Thalmann.

 

Anna:        (war in einer Art Trance, aus der sie nun abrupt herausgerissen wird) Ja ja, das meinte ich ja. – Gott, was red´ ik denn da ? (weiterhin nervös)

 

Mustafa:    (steht auf, nimmt seine Kaffeetasse mit, geht wieder zum CD-Player, startet das Lied von Roy Black „Irgendjemand...“ von vorne) Schön, es gefällt mir. Der Text ist schön. Es handelt von einer recht unglücklichen Frau. (dreht den Ton jetzt lauter, lehnt sich an die Arbeitsplatte, hört der Musik zu, schaut Anna dabei an)

 

Anna:        (hält es nach einer weiteren kleinen schweigenden Pause nich länger aus, geht dann zügig zum CD-Recorder und stellt die Musik ab) Das... das macht mich ganz... also... ich möchte jetzt keine Musik mehr hören, verstehen Sie ?! (wendet sich dann ab)

 

Mustafa:    Natürlich. Entschuldigen Sie bitte vielmals.

                  Das war sehr taktlos von mir. (trinkt) Ich werde dann mal das neue Teil einbauen. Und vielen Dank für den Kaffee. (stellt die Tasse ab, geht dann wieder nach rechts)

 

Anna:        (seufzt etwas erleichtert auf) Haaa..., Anna Thalmann, hörst Du nu bitte sofort up, Di so antostellen. Dat is bloß ´n Klempner. Un nich mol ´n Dütsken. Wieso büst Du so nervös ? (muß dann unwillkürlich weinen, holt ein Taschentuch hervor, trocknen die Tränen, reißt sich dann zusammen, indem sie spontan aufsteht) Sonja, Du hest vollkomen recht.

                  L E E V !!! – Ja, dat do ik ok. Dat hier is mien Wohnung, mien Wohnküche, mien Waschmaschine, mien CD-Player un mien Roy Black-Platt. Ik bün glückelk mit mien Erwin, mi geiht dat good un ik was noch noit ernsthaft krank. Un ik hör Musik wenher ik dat will. Un ik stell ok de Musik ut, wenher ik dat will. So ! Kieneen hett dat to bestimmen over mi un kieneen kann mi nervös maken, basta. Al gor nich so ´n Klempner. Un ikik Anna Thalmann entscheed nu, dat ik nu Musik hören will. Un zwar mien Lieblingslied. Straight on, Anna Thalmann. Straight on. (stellt das Lied wieder an, diesmal lauter, träumt dabei vor sich hin, singt evtl. mit. Kurz bevor dat Lied zuende ist, kommt...)

 

Mustafa:    (...wieder herein mit seinem Koffer und dem alten Schnapper) Frau Thalmann ?

 

Anna:        (erschrocken, stellt blitzschnell die Musik wieder aus) Ja ?

 

Mustafa:    Ich hab´ den Stecker nun eingeführt. Ich... ach, was red´ ich denn ? Ich meine – der neue Schnapper ist nun eingebaut.

 

Anna:        (versucht gefasst un „cool“ zu wirken) Oh, schön.

 

Mustafa:    Ich hätte da allerdings noch einen Wunsch.

 

Anna:        Ja gerne. Möchten Sie ein Brötchen oder doch ein Bier ?

 

 

 

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