Lange danach gesucht - auf Ibiza 2012 endlich gefunden
Musiker gesucht

"Solche Nachbarn braucht kein Mensch"

 

 

Komödie in 3 Akten

 

von

 

Helmut Schmidt

 

 

 

Inhalt: Seit sechs Monaten haben Helmut und Ute Sperling nun neue Nachbarn. Das recht wohlhabende Ehepaar Dorothea und Jan-Dirk Lemper ist mit seinem Sohn Leon von der Stadt aufs Land gezogen. Ihre Nachbarn sind die recht „einfachen“ Eheleute Sperling. Obwohl zwei Welten aufeinanderprallen, versucht man, gut miteinander auszukommen. Helmut (Arbeiter) und Ute (Hausfrau) leben zwar in kargen Verhältnissen, müssen hier und da etwas einsparen um zurechtzukommen; aber sie sind gesund und immer fröhlich. Doch Dorothea (Inhaberin eines Kosmetik-Ladens) und Jan-Dirk (Chefredakteur) zeigen ihren Nachbarn von Woche zu Woche deutlicher, dass sie etwas „besseres“ sind. Zum großen Krach zwischen den Familien kommt es dann, als Miriam Sperling aus Alabama zurückkehrt. Sie war dort ein Jahr als Au-Pair-Frau tätig, und stellt bei ihrer Rückkehr – zunächst zum Entsetzen aller – ihren neuen Lebensgefährten Jonny vor – einen farbigen Medizinstudenten! Das ist für Lempers zuviel. Mit fiesen Intrigen und Anschlägen versuchen nun die Familien sich das Leben gegenseitig schwer zu machen. Es kommt immer wieder zu Vergleichen vor Gericht; ein hoher Zaun trennt zuletzt die beiden Grundstücke. Durch einen erneuten Anschlag von Ute auf Jan-Dirk erleidet dieser einen Herzanfall. Ist das Chaos noch zu übertreffen und wer wird Jan-Dirk das Leben retten?

 

 

 

Spielort: größeres Dorf im niederdeutschen Sprachgebiet

Spielzeit: Sommer in der Gegenwart

Spieldauer: ohne Pausen ca. 120 Minuten

 

 

Die Spieler:

 

 

Personen:       5m/6 w – 1 w. Statist 1 Bühnenbild - Aussenkulisse

 

 

Helmut Sperling                    - (40 – 50 J.)

 

Ute                                        - seine Frau (40 – 50 J.)

 

Miriam                                   - beider Tochter 20 – 30 J.)

 

Jonny McBride                      - Miriams Freund (ca. 30 J.)

 

Jan-Dirk Lemper                    - (ca. 50 J.)

 

Dorothea                               - seine Frau (40 – 50 J.)

 

Leon                                      - beider Sohn (20 – 50 J.)

 

Anna – Lena                          - Köchin bei Lempers (20 – 30 J.)

 

Elli Röben                              - Nachbarin (40 – 50 J.)

 

Monika                                  - Nichte von Ute und Helmut (20 – 50 J.)

 

Jan Flügge                             - Polizist (30 – 50 J.)

 

1 weibl. Statist                       (18 – 30 J.)

 

 

 

 

Bühnenbild:

 

Das Bühnenbild zeigt die Gartenseite von zwei Häusern, die dicht nebeneinander gebaut sind.

Rechts und links jeweils die Hintereingänge der Häuser, evtl. Fenster. Neben den Türen

jeweils eine kleine Bank; links eine alte, abgenutzte aus Holz – rechts eine moderne aus

Kunststoff oder Metall. Hinten ein Auf – bzw. Abgang mit Bäumen, Zaun o. a. Genau in der

Mitte ein Gartentisch mit Stühlen. Bei dem „einfachen Haus“ steht vorne an der Hausecke

eine große Regetonne.

 

 

 

Erster Akt

 

                  (Wenn der Vorhang sich öffnet, sitzen Helmut und Ute, sowie Jan-Dirk am Tisch und frühstücken. Der Gartentisch ist vollständig gedeckt. Die Bühnenhälften sind sehr unterschiedlich ausgestattet. Links die einfache aber natürliche Seite, rechts die moderne und eher "kalte" Seite. – Links hängt aufgehängte Wäsche an einer Leine, stehen Blumenkübel, eine Regentonne u.a., evtl. ein kleines Blumenbeet. Rechts keine Blumen, jedoch eine Metallskulptur sowie eine Marmorfigur oder anderes. Es ist ein Samstag im Hochsommer, ca. 9:00 Uhr)

 

1. Szene

 

Dorothea:  (kommt mit einer Kaffeekanne aus dem Haus) So, der Kaffe ist dann auch fertig. (schenkt Tassen voll. Sie ist sehr nobel gekleidet, hat eine etwas eingebildete und "hochnäsige" Art an sich)

 

Alle:          (anderen schmieren bereits Brötchen, Brot oder essen schon)

 

Helmut:     (schlicht gekleidet, macht den Eindruck eines "normalen" Bürgers, spricht mit
vollem Mund:) Ich trinke aber eigentlich lieber Tee.     

 

Ute:           (ebenso schlicht gekleidet; knufft ihrem Mann in die Seite) Erstens spricht man nicht mit vollem Mund, und zweitens trinken wir immer Kaffee, wenn Dorothea und Jan-Dirk das Frühstück machen, ja ?!

 

Helmut:     Ja, Ute.

 

Dorothea:  Tee ist doch mehr was für Leute vom Land. 

 

Helmut:     Ja, aber das sind wir doch auch.

 

Jan-Dirk:   (elegant gekleidet mit Anzug oder einer Kombination; und Krawatte) Ja, IHR seid das. Aber wir? - Muss man denn gleich seine Angewohnheiten ablegen, wenn man aus der Stadt hierher auf´s Land zieht ?

 

Ute:           Nein, nein. Du hast ganz recht, Jan-Dirk. Und wir (sieht ihren Mann strafend an)
trinken auch gerne Kaffee - ist es nicht so Helmut ?

 

Helmut:     Ja Ute.

 

Dorothea:  (setzt sich dazu, trinkt einen Schluck; hält die Tasse dabei sehr vornehm) Ach ja, man kann es gar nicht glauben. Heute auf den Tag genau wohnen wir schon sechs Monate hier. 

 

Ute:           Mensch, dann habt Ihr ja ein kleines Jubiläum. Ein halbes Jahr schon.
 

Helmut:     Herzlichen Glückwunsch. Da kann man eigentlich drauf anstoßen, nicht wahr ?

 

Ute:           (schweigt, räuspert sich nur laut) Ihr habt Euch hier aber auch schnell eingelebt, nicht wahr ?

 

Dorothea:  Na ja, das Wohnen hier im Dorf ist ganz angenehm; die Ruhe und die schöne Natur ringsherum. Aber so rundum wohl fühlen Jan-Dirk und ich uns hier noch nicht.

 

Ute:           Was höre ich da ? Woran fehlt es Euch denn? Wir vier sind doch mittlerweile sowas wie Freunde geworden. 

 

Dorothea:  (ironisch) Na ja... Freunde?

 

Ute:           Wir frühstücken jeden Samstagmorgen miteinander. Und wenn wir etwas brauchen, helfen wir uns gegenseitig - so eine Harmonie gibt`s in der Stadt sicher nicht oft. 

 

Jan-Dirk:   Da hast Du sicher recht. Aber wir merken doch, das die Leute aus dem Dorf doch ein bisschen, na wie soll ich sagen, - ein bisschen weniger gesellschaftsfähiger und eher einfach gestrickt sind. 

 

Helmut:     Nicht gesellschaftsfähig? Ja, wir sind einfach gestrickt, schlicht und frei heraus. Und man spricht hier so, wie einem der Schnabel gewachsen ist. Vielleicht sind wir nicht so gebildet, aber ich komm auch mit etwas Dummheit gut durch´s Leben.  – Und wahrscheinlich haben wir auch nicht so ein dickes Portmonee wie Ihr, aber ich hab Arbeit, wir kommen gut zurecht und wir sind gesund. Was will man  noch mehr?

 

Jan-Dirk:   Na gut, Helmut. Aber denk doch nur mal daran, wir einige hier leben. Wenn ich an das Ehepaar aus der Osterstraße denke....
 

Dorothea:  (stöhnt auf) Oh nein... hör bitte von denen auf, Jan-Dirk. Wenn ich das Wort Osterstraße nur höre, fängt mein Magen an zu rebellieren.
 

Jan-Dirk:   Du willst doch den Wohnstil von diesem speziellen Ehepaar nicht "einfach" nennen?

 

Helmut:     Na ja, wenn Ihr Familie Gruebnau meint, - die leben eben noch einfacher als einfach.

 

Ute:           Die haben ja auch nix. Die können mir richtig leid tun. Und wenn es da um`s Haus nicht immer perfekt aussieht, dann...

 

Dorothea:  Die letzten Hotten-Totten sind das. 

 

Jan-Dirk:   Dorothea, was nimmst Du denn für Ausdrücke in den Mund ?

 

Dorothea:  Ich sag nur die Wahrheit. Beim Friseur haben zwei Frauen erzählt, die sollen doch tatsächlich Mäuse haben. Sowas sollte man anzeigen.

 

Helmut:     Ach was. Solange die nicht beißen.

 

Ute:           Das meine ich aber auch. Mäuse können sogar bei den saubersten Menschen auftauchen. Das ist doch nichts Schlimmes. Sonst hätten die Katzen ja auch nichts mehr zu tun.  – Wir haben in unserem Schuppen auch schon mal `ne Maus gehabt.

 

Dorothea:  (erhebt spontan die Beine, schreit los) Aaaah...

 

Jan-Dirk:   (erschrocken) Dorothea!

 

Dorothea:  (greift sich ans Herz) Hörst Du das, Jan-Dirk. Unsere Nachbarn haben Ungeziefer von dieser (zeigt mit den Händen die Größe) Größe. Ich brauch sofort mein Beruhigungsmittel, sonst kipp ich um. (geht völlig "fertig" ab ins Haus) Oh Gott, oh Gott...

 

Jan-Dirk:   Aber Dorothea, beruhige Dich doch.

 

Dorothea:  (ist schon ab)

 

Helmut:     (sowie Ute, überrascht) Was ist denn mit ihr los? 

 

Ute:           Das möchte ich auch mal wissen.

 

Jan-Dirk:   Na, wenn Ihr Dorothea so einen Schrecken einjagt. Seht ihr mal zu, das ihr die Vierbeiner los werdet, bevor die noch zu uns rüberkommen.  

 

Ute:           Dorothea macht doch nur Spaß, nicht wahr ?

 

Jan-Dirk:   (steht auf) Entschuldigt mich. Ich muss erst schauen, wo meine Liebste ist. (geht
auch ab ins Haus rechts)

 

2. Szene

 

Ute:           Der hat ja wohl ´n Rad ab, oder? - Das hat die doch nicht ernst gemeint, oder ? 

 

Helmut:     Warum musst Du auch von Mäusen erzählen?

 

Ute:           Na hör mal. Was ist denn dabei ? Wie sollte ich denn wissen, dass die so empfindlich reagiert ?– Außerdem, wie redest Du eigentlich mit mir? Was ist das denn für ein Ton, hä? Sofort hörst Du auf damit.

 

Helmut:     Ja, Ute. (kurze Pause)

 

Ute:           (dann) Wir Dorfleute sind "einfach gestrickt ". (ironisch) Hat sie das nicht schön ausgedrückt?

 

Helmut:     Eigentlich meinen die doch, dass wir nicht gut genug für sie sind.

 

Ute:           Na ja, wie auch immer. Sie haben nun mal neben uns gebaut, und wir müssen uns damit abfinden das sie unsere Nachbarn sind. Lass uns Frieden halten, so gut es geht. -  Ach und eigentlich sind sie ja auch ganz umgänglich, nicht wahr?

 

Helmut:     (holt Luft, will gerade loslegen, überlegt dann kurz) Ja, Ute.

 

Ute:           Krach in der Nachbarschaft ist das Schlimmste, was man sich vorstellen kann. Wenn Du heute Mittag den Rasen mähst, dann kannst Du auch gleich bei denen mähen, ja? Dann haben sie die Sache sicher gleich wieder vergessen.

 

Helmut:     Du weißt doch gar nicht, ob Jan-Dirk das recht ist. 

 

Ute:           Na sicher doch. Die sind doch froh, wenn das Gras gemäht ist.

 

3. Szene

 

Miriam:      (kommt vergnügt, zügig von hinten auf die Bühne. Sie trägt außergewöhnliche Sommerbekleidung, hat einen Rucksack dabei) Hallo, ich bin’s.. (bleibt beim Abgang stehen, sieht ihre Eltern, wartet)

 

Ute:           (sowie Helmut sehen erstaunt nach hinten, sind sehr überrascht) M i r i a m. (steht wie Helmut auf) Miriam, ich kann es gar nicht fassen. (schnell auf sie zu, umarmt sie stürmisch) Mein Kind. Du bist wieder da.

 

Miriam:      Hallo Mama.

 

Helmut:     (begrüßt sie ebenfalls sehr herzlich) Da kommt unsere Tochter ohne Vorwarnung einfach her und sagt: Ich bin wieder da. 

 

Miriam:      Hallo Papa. Ich komm doch nicht ungelegen ?

 

Ute:           (weint vor Freude) Wie kannst Du sowas sagen, Kind? Die Überraschung ist Dir gelungen. Komm, setz Dich schnell zu uns.

 

Miriam:      (tut dies)

 

Helmut:     (und Ute setzen sich dazu) Wie Du Dich verändert hast. Schau mal Ute, wie sie das Haar jetzt trägt.

 

Ute:           Und abgenommen hast Du. Komm, iss was. Die ganzen Sachen stehen ja noch auf dem Tisch. 

 

Miriam:      Danke. Aber ich hab im Flugzeug schon was gegessen (holt tief Luft) Hach, ist das schön wieder hier zu sein. Das Dorf, die Leute, meine Freunde. Ich wusste schon gar nicht mehr, wie es hier aussieht.

 

Ute:           Ein ganzes Jahr in Amerika. Wir hatten schon Angst, Du würdest nie mehr wiederkommen. Ach komm – lass Dich noch mal drücken. (umarmt sie erneut, gibt ihr einen Kuss)

 

Helmut:     Wann bist Du denn angekommen? Und warum hast Du nicht vorher geschrieben, oder angerufen? Und wie war es denn da drüben? Ist es wirklich so, wie es im Fernsehen gezeigt wird? Und hast Du auch Prominente gesehen?  Gab´s auch keinen Ärger ? Terroranschläge oder was weiß ich ?

 

Ute:           Jetzt überschlag Dich mal nicht, Helmut. Lass das arme Kind doch erst mal in Ruhe ankommen. Siehst Du denn nicht, dass sie noch ganz fertig von der Reise ist? Sie wird uns schon noch alles erzählen. Die Hauptsache ist doch, das sie wieder da ist.
 

Miriam:      Wenn ich Euch geschrieben hätte, wäre es ja keine Überraschung mehr gewesen. Ich bin bis Bremen geflogen, und von da mit dem Zug hierher. Na, und dann hab ich mir ein Taxi genommen. (seufzt verliebt auf) Ach, ich glaube, das war das schönste Jahr meines Lebens.

 

Ute:           Dir tut’s aber doch nicht leid, dass Du wieder hier bist, oder?

 

Miriam:      Oh nein. Dazu besteht überhaupt kein Grund.  Mein Ankommen ist ja die erste Überraschung für Euch. Da ist noch was anderes.

 

Helmut:     Na sowas. Du machst es aber spannend.

 

Ute:           Du hast doch keine Dummheiten angestellt da drüben ?

 

Miriam:      Tja, wer weiß. – Ich weiß gar nicht genau, wie ich Euch das am besten beibringe.

 

Ute:           Raus mit der Sprache. Wir haben uns vor Deiner Abreise alles sagen können, das ist jetzt noch genauso.

 

Miriam:      Na gut. Wisst Ihr, - ich bin nämlich nicht allein zurück gekommen.

 

Ute:           Das wissen wir doch, Kind. Alleine hätten wir Dich doch nie ins Ausland fliegen lassen. Wie ist es Silke Meiners denn ergangen? Ward Ihr viel zusammen? Ist sie denn überhaupt klargekommen als Au-Pair-Mädchen? Und habt Ihr Euch gut verstanden? Bei welcher Familie war die denn eigentlich untergebracht? 

 

Helmut:     Ute, jetzt überschlägst Du Dich aber.

 

Miriam:      Ihr versteht mich falsch. Ich rede nicht von Silke. Ich habe in Montgomery jemanden kennengelernt – einen jungen Mann, und....

 

Ute:           Du hast was? - Du hast Dich verliebt?

 

Helmut:     Ja, gibt´s denn sowas ? Hier auf dem Land hast Du den Richtigen nie gefunden, und dort ist es dann passiert? Hat er denn Urlaub gemacht dort? 

 

Ute:           Nu frag doch nicht so dumm, Helmut. Was soll er denn sonst da gemacht haben? 

 

Miriam:      (zaghaft) Wisst Ihr – ein Tourist war er eigentlich nicht; jedenfalls nicht so direkt.

 

Ute:           Nun rede schon, Kind. Wie heißt er denn und wo kommt er her ? Und - lade ihn doch gerne mal ein zu uns.

 

Miriam:      (plötzlich) Ja, das ist gut. Er ist nämlich schon hier, ich meine....

 

Helmut:     Was sagst Du ?

 

Miriam:      Mutter, Vater, ich habe ihn gleich mit her gebracht. (steht auf)

 

Ute:           Bitte ?

 

Miriam:      Ja. Aber... damit wir uns aber gleich richtig verstehen. Er ist etwas anders als wir. -  Er wartet vor dem Haus, bis ich ihm ein Zeichen gebe.

 

Helmut:     Das gibt´s doch nicht. Her mit ihm. Lässt den armen Kerl dort alleine stehen. Geh hin und hol ihn.

 

Miriam:      (etwas unsicher) Na gut. Ihr habt es so gewollt. (geht nach hinten)

 

Ute:           Unsere Miriam. Nicht zu fassen. Aber alt genug ist sie ja. Und wenn er es wirklich ehrlich meint, warum nicht ? 

 

4. Szene

 

Miriam:      (kommt zurück, zunächst allein) Mutter, Vater – das ist Jonny !

 

Jonny:        (kommt exakt jetzt auf die Bühne. Er sollte möglichst im ersten Akt schwarze Kleidung tragen. Er ist im Gesicht und an den Handoberflächen völlig "schwarz", wie ein Farbiger. evtl. auch gefärbte Haare bzw. Perücke) Hello...

 

Miriam:      (stellt sich dicht neben ihn, legt ihren Arm um seine Taille. Beide schauen sehr glücklich aus)

 

Ute:           (die vor Helmut steht, sucht vergeblich Halt bei ihrem Mann, da sie sehr schockiert ist) Ha... Ha... Hello.

 

Helmut:     Hello.

 

Miriam:      Jonny – das sind meine Eltern. Meine Mutter und mein Vater, von denen ich Dir so viel erzählt habe. – Mama, Papa, das ist Jonny. Jonny McBride.

 

Jonny:        Alright. Es ist sehr nett für mich Ihnen zu lernen kennen.

 

Ute:           (immer noch "platt") Ja, das geht uns genauso. Ist es nicht so, Helmut? 

 

Helmut:     (gefasster als Ute, reicht ihm die Hand) Guten Tag, Jonny. Wir hoffen, es gefällt Ihnen bei uns.

 

Jonny:        Well. Was ich bisher habe gesehen ist sehr beautiful. – Sorry, mein Deutsch ist nicht so good.

 

Ute:           Ach... das macht doch nichts. Hauptsache Miriam versteht Sie gut; ist es nicht so, Helmut? (hält Helmut schon einige Zeit am Hemdsärmel fest)

 

Helmut:     Ja Ute. Jetzt lass mich aber los, verdammt.

 

Ute:           (tut dies)

 

Miriam:      Oh ja. Wir verstehen uns prima. Jonny bringt mir perfekt "englisch" bei und ich ihm "deutsch" - Er ist der beste Lehrer, den ich mir vorstellen kann. 

 

Helmut:     Und was machen Sie beruflich wenn ich fragen darf?

 

Jonny:        Ich studiere Medizin. Zur Zeit ich mache Holliday von Semester. Vielleicht ich
werde mir hier später in Deutschland suchen eine Arbeit. Ist leichter als bei uns
in Alabama.

Ute:           Dann bleiben Sie hier ? Für immer ?

 

Miriam:      Wieso denn nicht ? Es gibt so oder so nur zwei Möglichkeiten: Entweder Jonny bleibt hier, oder ich gehe wieder zurück nach Amerika.        

 

Ute:           Ja aber... dann wollt Ihr... ich meine, ihr wollt ernsthaft....
 

Miriam:      Jonny und ich haben schon über´s Heiraten nachgedacht. Wir kennen uns jetzt acht Monate. Das ist doch lange genug, oder?
 

Ute:           Unsere Miriam. Nie hat sie ein Wort von ihm geschrieben, und jetzt so was. (gibt Jonny nun auch die Hand) Tja, Mr. Jonny, dann herzlich willkommen in unserer Familie.

 

Jonny:        Oh yeah, I will try eine gute, - wie sagt man - Schwiegersohn zu sein.

 

Helmut:     Na, darauf müssen wir aber anstoßen. (will schon ab ins Haus) Alltugether mir nach.

 

Alle:          (anderen wollen auch ab ins Haus, als...)

 

5. Szene

 

Elli:            (... zügig von hinten auf die Bühne kommt. Sie hat einen Einkaufskorb dabei)

H a l l o zusammen.

 

Ute:           (etwas genervt) Oh, Elli, Du ? Das ist jetzt ganz ungünstig.

 

Elli:            Ich habe hier ein Taxi vor Eurem Haus stehen sehen, und.... (sieht jetzt Miriam, geht sofort auf sie zu) Miriam, Du bist wieder da. Komm, lass Dich ansehen. (fasst sie an den Schultern an, betrachtet sie einen Moment, sieht dann jedoch Jonny, leicht erschrocken) Ach, wer ist das denn ?

 

Jonny:        (begrüßt sie freundlich) Hello, I'm Jonny McBride. Nice to see you.

 

Elli:            (sehr überrascht) Willst Du etwa sagen, Du hast Dir einen Neger mitgebracht? Ist das etwa ein Sklave, der alles für Dich macht ?

 

Ute:           Elli – Du und Deine Phantasie. Jonny und Miriam sind ein Paar.

 

Miriam:      Ja. - Und Neger, Elli - das sollte man nicht mehr sagen. Wenn schon, dann Farbiger.

 

Elli:            W a s ? – Du willst damit sagen, dass Du und... (fängt sich sofort) Du hast Mut, Mädchen. Ich gratuliere, und Ihnen auch junger Mann. (reicht beiden die Hand) Man muss in dieser Zeit ja eine moderne Einstellung haben. Gerade bei dieser Ausländerfeindlichkeit, die teilweise immer noch in Deutschland herrscht.
 

Ute:           (wundert sich) Ja ?

 

Elli:            Schau Ihn doch an,  Ute. Ein schöner, stattlicher Mann im besten Alter. Sauber und gepflegt, macht einen freundlichen Eindruck, hat Benehmen – gibt also bestimmt einen guten Ehemann für Eure Tochter ab. Was macht da denn schon die Hautfarbe ? Es ist eine Schande, wenn einige Leute heute noch mit dem Finger nach so Einem zeigen.  – Nein, nein, ich sehe das anders. Viel Glück Euch beiden.

 

Helmut:     Das hätte ich nicht von Dir gedacht, Elli, dass Du so reagieren würdest. 

 

Ute:           Das wollte ich auch gerade sagen.

 

Elli:            Und stellt Euch nur mal die süßen Kinder vor, die irgendwann mal kommen.  Oooh... ich sehe sie schon vor mir, die schönen, kleinen Babys. Das Gesicht von der Mutter, die Augen vom Vater und dann diese dunkle Haut. Das ist doch eine Freude. Auch für Euch als Oma und Opa, nicht?!

 

Ute:           Jaaa…aber so weit sind sie ja noch nicht. Alles zu seiner Zeit, Elli. 

 

Elli:            Und Sie, junger Mann ? Was machen Sie denn so? Und wie habt Ihr Euch die Zukunft denn so gedacht? Ach wisst Ihr was? Ich trink eben `ne Tasse Tee mit Euch  und dann könnt Ihr mir alles erzählen, ja? (ist schon fast bei der Tür)

 

Ute:           (hält sie zurück) Moment. Elli, Du bist jetzt vernünftig und besuchst uns ein anderes Mal. Die Beiden sind doch erst vor fünf Minuten angekommen und noch ganz fertig von der Reise.

 

Elli:            (etwas eingeschnappt) Ja, ja. Ist ja schon gut. Ich hab schon verstanden. (wieder freundlicher) Aber trotzdem alles Gute für Euch Beiden. Eigentlich habe ich ja auch keine Zeit. Schlachter Lüken hat nämlich Gehacktes im Angebot, 2,45 Euro das Pfund. Und auch noch halb und halb. Das kann man auch mal am Sonntag essen, nicht wahr? Immer dieses teure Fleisch, wer kann sich das heutzutage denn noch leisten ?

 

Ute:           Ja, Elli. Du hast vollkommen recht.

 

Elli:            Ich will denn nicht länger stören. Tschüss.  (winkend ab nach hinten)

 

Alle:          (anderen, verabschieden sie schmunzelnd)

 

6. Szene

 

Miriam:      So Jonny, und ich zeig Dir jetzt erst mal das Haus. The Living room, Bath and cellar and our kitchen. Come on.

 

Jonny:        Oh yeah, let's go. (beide ab ins Haus)

 

7. Szene

 

Ute:           (wundert sich) Was war das denn mit "Kitchen" ? Der hat doch hoffentlich nichts auf dem Kerbholz ?

 

Helmut:     Ich glaube, wir müssen uns noch ein Wörterbuch kaufen, Ute. 

 

Ute:           Ja. Ich weiß im Augenblick gar nicht wo mir der Kopf steht. Stell Dir doch mal vor, dieser Jonny soll unser Schwiegersohn werden, Helmut. 

Helmut:     Das muss man erst verdauen.

 

Ute:           Und denk mal an die Leute, die werden doch über uns reden. 

 

Helmut:     Ja; aber von der ich das als erste gedacht hätte, die denkt anscheinend ganz anders darüber.

 

Ute:           Elli? Ja, sonderbar, nicht wahr ?

 

Helmut:     Du, aber eigentlich hat sie doch recht. Jonny ist doch wirklich ein stattlicher Mann. Und so wie Miriam ihn anhimmelt, muss sie ja ganz schön verliebt sein. Na, und an die Hautfarbe gewöhnen wir uns schon noch.

 

Ute:           Eigentlich hast Du ja recht. Lass die Leute doch reden, recht macht man es denen sowieso nie.

.

Helmut:     Genau ! (drückt Ute plötzlich einen Kuss auf die Wange, ist sichtbar erfreut)

 

Ute:           Hey, was ist jetzt denn los?

 

Helmut:     Ute; wir sind endlich mal einer Meinung. Darauf müssen wir anstoßen. Komm her.

 

Ute:           Ach, Du... Ich helf Dir gleich. Du reparierst jetzt erst den Wasserkran und zwar dalli dalli. Der leckt nämlich schon seit Tagen. (zeigt auf die Tür)

 

Helmut:     Aber Ute; sollten wir uns nicht erst um Miriam und Jonny kümmern ?

 

Ute:           Das mach ich schon. Und Du machst Dich an die Arbeit. Los, zack, zack.

 

Helmut:     Ja, Ute. (etwas ängstlich ab ins Haus, gefolgt von Ute)

(kurze Pause)

 

8. Szene

 

Anna-Lena:(kommt mit Tablett aus dem Haus rechts, beginnt den Tisch abzuräumen. Sie trägt
eine weiße Schürze, evtl. ein weißes "Häubchen")

 

Dorothea:  (kommt aus dem Haus, hat einen Block und Bleistift in der Hand)

 

Anna-Lena: Ich darf doch abräumen, Frau Lemper ?

 

Dorothea:  Ja, sicher. Mir ist der Appetit sowie vergangen. (greift sich an die Brust) Hach,
ich bin noch ganz durcheinander.

 

Anna-Lena:Tut mir leid. 

 

Dorothea:  Können wir dann bitte den Essensplan für heute besprechen? Ich habe um zehn einen Termin beim Friseur. 

 

Anna-Lena: Natürlich. (hört mit dem Zusammenräumen auf)

 

Dorothea:  Zu Mittag hätten mein Mann und ich gerne eine Bouillabaisse als Vorspeise. Zum Hauptgang machst Du uns gedünsteten Steinbutt "pikante Art", mit polnischer Biersoße, und als Dessert dann bitte Kopenhagener Schnee.

 

Anna-Lena: Dann muss ich aber noch einkaufen, Frau Lemper. Die meisten Sachen dafür sind leider nicht im Haus.

.

Dorothea:  (leicht gereizt) Ja, dann kauf doch ein. Ist das denn so schlimm?

 

Anna-Lena: Nein.

 

Dorothea:  Na also. Und pass mit dem Fisch auf, das der nicht wieder so auseinander fällt, wie beim letzten Mal. 

 

Anna-Lena: Ich bin vorsichtig.

 

Dorothea:  Ja, ja. Würde mich wundern. (will schon ab ins Haus, kommt dann noch mal zurück) Ach ja, bevor ich`s vergesse: Wenn Du schon unbedingt telefonieren musst, dann nicht gerade dann, wenn wir frühstücken. Ich musste heute den Kaffe selbst einschenken. Und das gehört schließlich zu DEINER Arbeit. Außerdem leben wir in einem Zeitalter, wo jeder Mensch ein Smartphone besitzt. Von daher ist mir das eh unverständlich, dass Du unser Telefon benutzen musst.
 

Anna-Lena :Mein Handy hatte ich vergessen. Und es was ein wichtiges Gespräch, dass ich führen musste, Frau Lemper.

 

Dorothea:  Anna-Lena – wichtig oder nicht; Deinen Privatkram erledigst Du nach Feierabend, ja ?!
 

Anna-Lena: Ja, Frau Lemper.

 

Dorothea:  Und das Mittagessen bitte pünktlich um zwölf. Und das Du die Tür abschließt. Mein Mann muss noch in den Betrieb und Leon geht auch nochmal weg. Nicht das hier die Hausierer ins Haus schleichen.

 

Anna-Lena: Natürlich nicht, Frau Lemper.

 

Dorothea:  (angewidert) Oder Mäuse. (ab)

 

Anna-Lena: (seufzt, räumt den Tisch weiter ab) Ja, Frau Lemper. Ist gut, Frau Lemper; ich werd´s mir merken, Frau Lemper. – Oh Mann, wie lange ich das wohl noch aushalte?

 

9. Szene

 

Leon:         (ein junger Mann, schick, aber locker gekleidet, kommt aus dem Haus, hat ein

                  Reiseprospekt in der Hand, will schon ab nach hinten)

 

Anna-Lena: Ach Leon, warte doch mal.

 

Leon:         Ja ? Was ist denn ?

 

Anna-Lena: Äh... wann fährst Du noch mal?  (etwas unsicher und verliebt)

 

Leon:         Das weißt Du doch. Morgen Nachmittag um halb zwei fliege ich von Hannover ab.

 

Anna-Lena: Echt? Nach Afrika - ganz alleine? 

 

Leon:         Nach Kenia. Um genau zu sein, wird es eine Ostafrika – Rundreise:  Mombasa, Nairobi, vielleicht noch der Kilimandscharo. Ist zu Studienzwecken. Kannst Du Dir das vorstellen? Eine total vulkanische Landschaft mit über 90 % Bantuneger. Und was dort alles herkommt:  Kaffee, Gold, Soda, Mais – so was muss man sich doch mal ansehen.

 

Anna-Lena :Und Du fliegst wirklich ganz alleine?

 

Leon:         Warum denn nicht ? Meine Freundin bekommt jetzt leider keinen Urlaub. Und man muss auch mal alleine was unternehmen. So `ne Beziehung ist ja ganz schön, aber jeden Tag zusammenhocken, macht auch nicht glücklich.

 

Anna-Lena: Hhmm... wenn Du das so siehst. Aber ist das denn nicht gefährlich, so ganz allein in Afrika? Kommst Du denn da klar? Allein die Sprache. Also, ich könnte das nicht.

 

Leon:         Ich hab´ jetzt keine Zeit mehr, ich muss noch mal ins Reisebüro. Ich Schussel habe nämlich die Schutzimpfungen vergessen. Hoffentlich krieg´ ich das bis zum Abflug noch alles hin.

 

Anna-Lena: Sei bloß vorsichtig da hinten.

 

Leon:         Bin ich doch immer. (will ab, als...)

 

10. Szene

 

Jan-Dirk:   (... schnell aus dem Haus kommt) Fährst Du ins Dorf, Leon ? (er hat eine Akten-
mappe unterm Arm)

 

Leon:         Ja, Vater.

 

Jan-Dirk:   Dann nimm mich doch bitte mit in den Betrieb. Ich hab gestern Abend doch tatsächlich das Licht vom Auto brennen lassen, Tja und nun....

 

Leon:         ... ist das Licht von selbst ausgegangen ?

 

Anna-Lena: (muss lachen)

 

Jan-Dirk:   (streng) Lach nicht. Das kann jedem mal passieren. Sieh Du lieber zu, das heute Mittag das Essen pünktlich auf dem Tisch steht.  

 

Anna-Lena : (eingeschüchtert) Ja, Herr Lemper. (räumt die restlichen Sachen vom Tisch)

 

Leon:         Ja, Vater. Das Licht brennen lassen kann jedem mal passieren, aber nicht dreimal in der Woche.

Jan-Dirk:   Na ja,... Können wir jetzt ?

 

Leon:         Sicher. (kopfschüttelnd ab nach hinten, gefolgt von Jan-Dirk)

 

Anna-Lena: (zu sich selbst) Schlau und gebildet – das sind sie - meine Arbeitgeber. Wissen alles, können alles, haben ja Geld. - Aber Licht vom Auto brennen lassen, das passiert dem größten Dummkopf NICHT. (mit Tablett ab ins Haus)

(kurze Pause)

 

11. Szene

 

Elli:            (kommt von hinten, schaut, ob keiner der Sperlings "draußen" ist, klopft dann bei Lemper. Sie hat wieder ihren Korb dabei)

 

Dorothea:  (öffnet nach kurzer Pause die Tür) Ja ?

 

Elli:            Guten Morgen, Frau Lemper. Was für ein schöner Vormittag, nicht wahr?

 

Dorothea:  Und um mir das zu sagen, klopfen Sie hier an? Ich hab im Moment keine Zeit für Sie.

 

Elli:            Ich will ja gar nicht lange stören. Aber haben Sie schon das Neueste gehört?
 

Dorothea:  (zuckt mit den Schultern)

 

Elli:            Die Tochter von nebenan ist vorhin zurückgekommen. Sie war für ein Jahr als Au-pair-Mädchen im Ausland. 

 

Dorothea:  Stimmt, das hat Ute mal erzählt.

 

Elli:            Ja, ja. Ute erzählt ja immer, das da nicht jedes Mädchen genommen wird, aber mir kann sie so was nicht erzählen. -  Eigentlich wundert es mich, das sie Miriams Zimmer nicht gleich vermietet haben in dieser Zeit. 

 

Dorothea:  Na, hören Sie mal.

 

Elli:            Ute sagt ja, das Miriam ihre Englischkenntnisse da aufbessern wollte. Sie will ja wohl  Dolmetscherin werden. Aber so schlau ist das Mädchen auch wieder nicht. Schon fast dreißig und hat noch nichts verdient. Von arbeiten ganz zu schweigen. (geht nah an Dorothea heran) Im Dorf wird ja sogar erzählt, Helmut und Ute hätten Miriam deshalb dahin geschickt, um sie nicht mehr durchfüttern zu müssen. Ist das nicht eine Schande?

 

Dorothea:  Ach, das ist doch nur Gerede.

 

Elli:            Wenn ich es Ihnen doch sage. Aber das Beste kommt ja noch: Nicht genug, dass sie ihren Eltern jetzt wieder auf der Tasche liegt, - sie hat sich zur Krönung auch noch einen Neger mitgebracht. 

 

Dorothea:  (entsetzt) Nein !

 

Elli:            Und das ist nicht nur so eine Bekanntschaft. Nein... die reden schon vom Heiraten. Und das hier bei uns im Dorf.

 

Dorothea:  Bei uns im Dorf ist gut. Wir haben dann Tür an Tür das Vergnügen.

 

Elli:            Da müssen wir doch was unternehmen. Wir haben doch schon genug Ausländer in Deutschland. Woher kommt denn wohl die ganze Gewalt und der Terrorismus ? Und Aids ? Wo ist das denn bitte hergekommen? Doch nur aus den fernen Ländern. Früher gab`s das alles doch nicht. Und heute? Nicht mal in den eigenen vier Wänden ist man mehr sicher, stimmt´s?

 

Dorothea:  (jetzt sehr bestimmend) Und die Arbeit nehmen sie uns weg!

 

Elli:            Genau ! Aber ein freundliches Gesicht machen, das können sie. (äfft nach) "Es ist erfreulich, Ihnen kennenzulernen," hat er zu mir gesagt.  – Hach, mir ist es richtig kalt den Rücken heruntergelaufen. 

 

Dorothea:  Das glaube ich Ihnen. Sie haben ihn doch nicht etwa angefasst?

 

Elli:            Nein! Ich bin doch nicht verrückt. Bei so einem kann man sich doch mit - wer weiß was - anstecken.

 

Dorothea:  Ich hab damals gleich zu Jan-Dirk gesagt: „Ob das wohl der richtige Bauplatz ist“? -  Aber er wollte ja unbedingt hier bauen. Jetzt sehen wir ja, was wir davon haben.

 

Elli:            Und wissen Sie, was Ute gesagt hat? – Man müsste heutzutage eine moderne Einstellung haben,  die Hautfarbe wäre doch egal. Und von den niedlichen Kindern hat sie auch schon gesprochen.

 

Dorothea:  Oh nein. Das kann doch nicht wahr sein. Sie meinen, das die auch noch Kinder in die Welt setzen wollen? 

 

Elli:            Na sicher doch. Grade die Ausländer können DAS doch besonders gut.

 

Dorothea:  Was ? (schnell) Ach ja, ich versteh schon. Aber das überlebe ich nicht. Am besten, wir verkaufen das Haus und bauen woanders neu. Ich muss gleich mit Jan-Dirk reden.

 

Elli:            Ja, das wäre vielleicht am besten. Und wenn sie einen Rat brauchen, ich komme gerne wieder vorbei, ja ? !

 

Dorothea:  Ja danke, Frau Röben.

 

Elli:            Jetzt muss ich aber erst zum Schlachter. Ich muss noch was für Sonntagmittag einkaufen. Ich denke, wir werden Roastbeef essen. Ist zwar etwas teurer, aber man gönnt sich ja sonst nichts. – Hier nebenan gibt es Sonntags ja meistens nur Gehacktes. Ist das nicht eine Schande?

 

Dorothea:  Gehacktes - am Sonntag ? Igitt igitt.

 

Elli:            Meine Rede. - So, jetzt muss ich aber weiter. Bis zum nächsten Mal, Frau Lemper.

 

Dorothea:  (wieder völlig "fertig" von den Neuigkeiten) Wiedersehn, Frau Röben.

 

Elli:            (erfreut und schelmisch lachend ab nach hinten)

 

Dorothea:  (will ab ins Haus, bleibt einen Moment stehen, überlegt, „baut“ sich innerlich auf, geht dann zu Sperlings Haus, klopft oder klingelt)

 

12. Szene

 

Ute:           (öffnet nach einer kleinen Pause) Oh, Dorothea. Hast Du Dich wieder beruhigt ? Tut mir leid, wenn wir Dich erschreckt haben mit dieser Geschichte von der kleinen Maus in unserem Schuppen. Das kommt nicht wieder vor.

 

Dorothea:  (sehr aufgebracht) Kleine Maus ? Ich hör wohl nicht richtig. Was kümmern mich denn eine kleine Maus in Eurem Schuppen, wenn bei Euch im Haus ein großes schwarzes, fast zwei Meter langes Untier wohnt, hä? 

 

Ute:           (versteht erst nicht) Was meinst Du ?

 

Dorothea:  Ja, stell Dich doch nicht dumm. Ich habe mir ja einiges gefallen lassen von Euch. Aber diesmal ist Schluss.

 

Ute:           Aber Dorothea…

 

Dorothea:  Wenn Du und Deine saubere Familie meinen, Ihr könnt Euch hier alles erlauben, da habt Ihr Euch aber angeschissen.

 

Ute:           Ich will Dir mal was sagen, Dorothea Lemper. Unser zukünftiger Schwiegersohn, der hat sicher mehr Anstand als Du und Dein nobler "Chefredakteur". Außerdem geht Dich unser Familienleben einen Dreck an, ja !?

 

Beide:        (werden während des Gesprächs immer dreister und lauter)

 

Dorothea:  Oh... Sie wissen wohl nicht, wen Sie vor sich haben.

 

Ute:           Oh doch. Aber mit Ihnen nehm ich`s noch zehnmal auf. Ich muss mich nicht schämen. Und Ihren Muckefuck, den Sie uns jeden Samstag anbieten, den können Sie in Zukunft alleine saufen. Wir trinken sowieso viel lieber Tee!

 

13. Szene

 

Helmut:     (kommt aus dem Haus) Was ist hier los ?

 

Ute:           Was hier los ist? Dieses Weibsbild hat Jonny ein schwarzes Untier genannt.

 

Helmut:     (zunächst noch ruhig) Das hast Du gesagt, Dorothea ?

 

Ute:           Mit denen sind wir ab sofort wieder per "Sie", Helmut.

 

Dorothea:  Ich hab Ihnen das "Du" nie angeboten. Aber Sie haben sich ja regelrecht aufgezwungen. - Und damit Sie`s nur wissen, mein Mann und ich haben den Kontakt zu Ihnen von Anfang an nicht gewollt. Sie passen nämlich nicht in unsere Kreise. Vom Niveau ganz zu schweigen.

 

Helmut:     Ha, das ich nicht lache. Ihr Mann, dieser Hornochse, dem muss ich dreimal in der Woche sein Auto überbrücken, weil er ständig die Batterie leer hat. Aber dafür ist unsereins gut genug.

 

Dorothea:  Wer steht denn gleich mit dem Kabel parat? Sie ! Wir haben nie danach gefragt. Und wer weiß, warum Jan-Dirks Auto in der letzten Zeit öfters `ne Macke hat? Neider haben auch schon oftmals etwas zerstört.

 

Helmut:     Das ist ja wohl unerhört. Ute, sag Du doch auch mal was.

 

Ute:           Jetzt sieht man endlich mal das wahre Gesicht von diesen Pack.

 

Dorothea:  Ha, Pack. Das trifft ja wohl eher auf Sie zu.

 

Ute:           Aber auf unseren Geburtstagen sich bei uns den Bauch voll schlagen. Dann sind wir gut genug. Die halbe Torte hat Ihr Mann bei uns verdrückt. Und das nennt sich dann Benehmen.

 

Dorothea:  Auf Ihre Geburtstage können wir herzlich gern verzichten. Aus Ihren schmierigen Tassen mag man ja gar keinen Tee trinken.    

 

Ute:           Hörst Du das, Helmut ?

 

Dorothea:  Und wenn man bei Ihnen zur Toilette muss, kriegt man Angst, das man sich `ne Krankheit holt. 

 

Helmut:     Das hätten Sie nicht sagen dürfen. Das hat Folgen. -  Und damit Sie`s nur wissen: Der billige Aschenbecher, den Ihr Mann mir geschenkt hat, der hat noch nie auf unserem Tisch gestanden, so! Außerdem raucht von uns keiner. Was sollte dieses Geschenk eigentlich?  

 

Ute:           Genau !

 

Dorothea:  Ha, diese Tischdecke von Ihnen, zu unserem Einzug, ist gleich in den Altkleider-Sack gelandet. - Umgehend!

 

Ute:           Oooh... Helmut, was haben wir denn sonst noch von diesen Leuten bekommen?    

 

Helmut:     Was weiß ich ?

 

Ute:           (plötzlich) Aber ich ! Diese alte ekelige Hose, die Du trägst, hat Dir doch dieser „feiner“ Jan-Dirk geschenkt, oder? 

 

Helmut:     Ja, stimmt.

 

Dorothea:  Aus Mitleid, wissen Sie...  wir wollten die Hose schon entsorgen, aber für Sie ist Second Hand ja gerade gut genug, denke ich.

 

Ute:           SOFORT ziehst Du die Hose aus!

Helmut:     Aber Ute, ich kann doch nicht…

 

Ute:           (bestimmend) U m g e h e n d !!!

 

Helmut:     Ja, Ute. (zieht die Hose aus)

 

Dorothea:  Das darf ja wohl nicht wahr sein. (sieht beschämend weg)

 

Ute:           Ja, da schauen Sie.   

 

Helmut:     (wirft ihr die Hose vor die Füße) Die kann Ihr Mann selbst anziehen, war sowieso viel zu eng im Schritt. 

 

Ute:           Und in Zukunft lassen Sie uns in Ruhe, ja ? ! Unser Schwiegersohn, der hat nämlich den "bösen Blick", wissen Sie.

 

14. Szene

 

Leon:         (kommt von hinten, wundert sich über das Geschehen) Nanu; ist es Ihnen zu warm in der langen Hose, Herr Sperling ?

 

Dorothea:  (zieht ihren Sohn zu sich) Du sprichst ab sofort kein Wort mehr mit diesen Leuten, hörst Du?! 

 

Leon:         Ja, aber – was ist denn passiert ?

 

Ute:           Wir gehen mit Euch vor Gericht, darauf könnt Ihr Gift drauf nehmen.

 

Dorothea:  Ja, gerne. Ich freu mich schon auf den Prozess.

 

15. Szene

 

Jonny:        (kommt gefolgt von Miriam aus dem Haus) What's the matter here ?

 

Dorothea:  (schreit laut auf) Aaah... (fällt dann in Leons Armen in Ohnmacht)

 

 

Schneller Vorhang

 

 

Ende des ersten Akts

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Zweiter Akt

 

(Am nächsten Tag, ca. 12:00 Uhr. Die beiden Grundstücke sind in diesem Akt

durch einen Zaun (ca. 50-100 cm hoch) getrennt. Die Wäscheleine bei Sperlings

ist nicht mehr da. Hinten, vorne am Zaun der Lempers steht ein gefüllter Müllsack. Oben ist der Sack eingerissen und es ist eine kaputte Glasflasche zu sehen)

 

1. Szene

 

Helmut:     (kommt mit zwei vollen Müllsäcken aus dem Haus, gefolgt von Ute) Jetzt am Sonntagmittag, Ute. Wie sieht das denn aus, wenn wir den Müll jetzt schon zur Straße bringen?

 

Ute:           Andere Leute machen das auch. Und bevor es wieder vergessen wird... ich kenne doch dein Gedächtnis. Außerdem ist das Mittagessen noch nicht fertig.

 

Helmut:     Ja Ute, ist gut. (geht damit nach hinten)

 

Ute:           (wieder ab ins Haus)

 

Helmut:     (sieht dann Lempers Müllsack, bleibt stehen, setzt seine Säcke ab) Das darf doch nicht wahr sein, das ist ja lebensgefährlich.

 

2. Szene

 

Jan-Dirk:   (kommt aus dem Haus, zündet sich eine Zigarette an, sieht Helmut nicht)

 

Helmut:     (sieht sich die Szene einen Augenblick an, spricht ihn dann etwas "frech" an;
steht aber auf seiner Hausseite) Ja, das sind mir die Richtigen. Die Luft verpesten mit Ihrem Gequalme, aber das  "Duale System" ist ein Fremdwort für Sie.

 

Jan-Dirk:   (etwas erschrocken, hustet) Was ? Was fällt Ihnen denn ein, mich so zu erschrecken? 

 

Helmut:     Schauen Sie sich diese Schweinerei doch an! Sie haben wohl noch nie was von Glascontainer und Recycling gehört ? Den ganzen Dreck in einen einzigen Sack; wenn sich da jemand die Hand dran aufschneidet...

 

Jan-Dirk:   Kümmern Sie sich lieber um den Dreck in Ihrem eigenen Haus. Der hat sogar zwei Beine. - Außerdem betreiben wir nur noch per Anwalt mit Ihnen Konversation. 

 

Helmut:     (ist außer sich) Oooohh... Sie... Sie...(ruft ins Haus, geht sehr aufgebracht
dabei hinein) Ute! U t e !!!

 

3. Szene

 

Ute:           (kommt schnell aus dem Haus) Was ist denn schon wieder, Helmut ?

 

Jan-Dirk:   (steht stolz da; raucht)

 

Helmut:     Dieser Windbeutel hat es doch tatsächlich gewagt...

 

Ute:           (sieht Jan-Dirk, unterbricht Helmut) Warum unterhältst Du Dich auch mit diesem.....diesem .... Chefredakteur? Wir haben doch abgemacht, das wir nie wieder ein Wort mit denen reden.

 

Helmut:     Ja, aber – schau Dir doch mal die Katastrophe an. (zeigt zu dem Müllsack)

 

Ute:           Was die da machen, geht uns nichts an. Und solange sie uns in Ruhe lassen, können sie von mir aus Ihre Kartoffeln im Kühlschrank anpflanzen. Oder zu Fuß zum Mond laufen! - Das wäre sowieso das Beste.

 

Jan-Dirk:   (stolziert nach hinten, rauchend ab) Tsss…

 

Helmut:     Das Du so ruhig bleibst, Ute. Hast Du denn schon vergessen, was die uns alles an den Kopf geworfen haben?

 

Ute:           Oh nein. Und die können auch sicher sein, das wir zurückschlagen. Ein freundliches Wort hören die von mir mein Lebenlang nicht mehr. Und DU redest auch nicht mehr mit denen; hörst Du? 

 

Helmut:     Aber Ute, ich hab doch nur...

 

Ute:           (streng) Hörst Du, Helmut ?

 

Helmut:     Ja, Ute.

 

Ute:           Und weil wir gerade von "Kühlschrank" reden, wie oft soll ich noch sagen, dass wir einen Neuen brauchen? Gleich morgen gehst Du nach der Arbeit los, und kaufst einen. Dieser hat immerhin schon 17 Jahre auf dem Buckel.

 

Helmut:     Aber Ute; was das wieder kostet?! Wozu brauchen wir überhaupt einen Kühlschrank? Ich mag Butter und Käse auch, wenn`s ein bisschen warm ist.

 

Ute:           (aufgebracht)  Aha. Und was ist mit Deinem Bier ? Wer schreit denn immer, wenn das Bier nicht kalt genug ist ? Gerade bei dieser Hitze.

 

Helmut:     Ach ja, daran hab ich gar nicht gedacht. 

 

Ute:           Das glaub ich Dir, Du Pappnase. Und schick auch gleich eine Karte ab, damit das alte Gerät abgeholt wird. Die dreißig Euro dafür müssen vorher noch überwiesen werden. Aber ich kann auch Peter Hagedorn anrufen, dass wir das bar am Wagen zahlen. Wir kennen ihn ja gut.

 

Helmut:     30 Euro! Soviel Geld – nur damit die einen kaputten Kühlschrank abholen ?

 

Ute:           Das ist nun mal so, und jetzt halt den Mund.

 

Helmut:     Ja, Ute.

 

Ute:           Und jetzt bring endlich den Müll an die Straße. - Na wird’s bald? 

 

Helmut:     Ja, ich bin ja schon unterwegs.

 

Ute:           (kopfschüttelnd ab ins Haus) Männer - was hat der liebe Herrgott sich dabei nur gedacht ? (ab)

 

Helmut:     (mit den Säcken ab nach hinten)

 

                  (kurze Pause)

 

Dorothea:  (kommt aus dem Haus, nobel gekleidet, ruft) Jan-Dirk ? Jan-Dirk - Liebster? Wo bist Du denn ? (sieht sich um)

 

5. Szene

 

Jan-Dirk:   (kommt sodann von hinten zurück) Was ist denn Dorothea ?

 

Dorothea:  Anna-Lena hat das Mittagessen fertig. Wir essen etwas früher, weil Leon doch gleich weg muss. - Oh Jan-Dirk. - Du rauchst ja schon wieder. Weißt Du nicht mehr, was Dr. Gersmann Dir gesagt hat?

 

Jan-Dirk:   Jaaa...; aber lass mich doch.

 

Dorothea:  Dein Herz, Jan-Dirk. Die Kranzgefäße sind doch schon verengt. Und wenn Du das Rauchen nicht lässt, sind Deine Adern bald ganz verstopft. 

 

Jan-Dirk:   Es gibt Leute, die rauchen ihr Leben lang, und werden über neunzig. Denk doch bloß mal an Helmut Schmidt. Warum sollte das bei mir anders sein?

 

Dorothea:  Ich hab einfach Angst um Dich. Immerhin will ich Dich noch ein paar Jahre bei mir haben. 

 

Jan-Dirk:   (nimmt sie in den Arm) Ah ja ? (gibt ihr einen Kuss auf die Wange)

 

Dorothea:  (wehrt ab) Nicht Jan-Dirk. Mein Kleid wird doch ganz knittrig, und mein Make up verschmiert.
 

Jan-Dirk:   (lässt sie los) Hhmm...

 

Dorothea:  Und jetzt komm, die Suppe steht schon auf dem Tisch. - Aber erst mach das Ding aus, ja?! 

 

Jan-Dirk:   Ja, ja.

 

Dorothea:  (ab ins Haus)

 

Jan-Dirk:   (ihr nach)

 

6. Szene

 

Ute:           (kommt gefolgt von Miriam und Jonny aus dem Haus. Sie hat eine Tageszeitung
"aufgeschlagen" in der Hand) Hier, das ist doch ihre Nummer. (liest vor) Zum
nächstmöglichen Zeitpunkt suchen wir eine nette, erfahrene Raumkosmetikerin.

 

Miriam:      Raumkosmetikerin – also, hochnäsiger konnten die das wohl nicht ausdrücken?

Jonny:        What is that – Raumkosmetikerin ?

 

Ute:           (etwas resolut) Eine Putzfrau, mein Junge ! (liest wieder) ... gegen gute Bezahlung. Tägliche Arbeitszeiten von 10 bis 13 Uhr. Zeugnisse und Empfehlungsschreiben erwünscht. Telefon 0441 / 3340. (nennen Sie gerne eine Telefonvorwahl ihres Spielortes)

 

Miriam:      Und Du bist sicher, dass DIE (zeigt auf Lempers Haus) das sind ?

 

Ute:           Sicher doch – die Nummer kenn ich, ich hab noch nicht mal ins Telefonbuch schauen müssen.

 

Miriam:      Die suchen eine Putzfrau und verlangen Zeugnisse. Das gibt`s doch nicht.

 

Ute:           Typisch für das Weibsbild.

 

Miriam:      Und das steht heute in der Zeitung?

 

Ute:           Ja, im Sonntagsreport. (freut sich) Darum kommt mir das ja auch so gelegen. Ist doch erst Mittag. Ich hab grade bei Monika angerufen. Die soll sich da gleich drauf melden.  

 

Miriam:      Monika ?

 

Ute:           Ja, warum denn nicht ? Die sucht schon länger eine Arbeitsstelle. Das wäre genau das Richtige für sie. 

 

Miriam:      (sieht ihre Mutter skeptisch an) Mutter, Du hast doch nicht etwa Hintergedanken?

 

Ute:           Na ja, wenn ich ganz ehrlich bin....

 

Miriam:      Na ?

 

Ute:           Na gut, ich geb es zu, ich hab Monika für meine Rache mit eingeplant. Davon muss sie ja aber nichts wissen. Und das Monika meine Nichte ist, das dürfen Die natürlich auch nicht spitz kriegen.

 

Miriam:      Oh Mutter – das geht nicht gut, das fühl ich jetzt schon.

 

Ute:           Ach was ! Dann stimmt irgendwas mit Deinem Gefühl nicht. Was soll denn da schief gehen?

 

Miriam:      Und woher willst Du die Zeugnisse nehmen? Monika hat doch noch nie als Putzfrau gearbeitet. Sie arbeitet zuhause auf dem elterlichen Hof mit.

 

Ute:           Die Zeugnisse schreib ich.

 

Miriam:      Du ?

 

Ute:           Ja, das heißt WIR ! Ihr müsst mir dabei helfen. Ich kann mich ja nicht so gut ausdrücken. Ich denke mal, drei werden wohl reichen.- Jetzt stellt Euch nicht so an. Das ist doch nur ein Spaß. Ich hab´ sie gerade angerufen. Monika muss gleich hier sein.

 

Miriam:      Ich weiß nicht recht.

 

Jonny:        Aber ich möchte nicht – how do you say ?  - to join in ?

 

Ute:           Was will er ?

 

Miriam:      Jonny macht da nicht mit.

 

Jonny:        Wo ich allein doch bin das... Hüpfende Komma von Streit.

 

Miriam:      Springender Punkt, Jonny. Es heißt: "Springender Punkt"!

 

Jonny:        Oh yeah, that' s right.

 

Ute:           Die haben das verdient, und was ist denn dabei? Wir besorgen Monika nur eine neue Arbeitsstelle. Das ist doch eine gute Tat. 

 

Jonny:        I don’t think so. Bestimmt haben wir bald große Malör.

 

7. Szene

 

Monika:     (kommt von hinten evtl. mit dem Fahrrad auf die Bühne. Eine junge Frau, etwas altmodisch gekleidet – Kleid, Rock o.a., sowie eine etwas "dröge" Art; ist gut
gelaunt) Guten Tag zusammen.

 

Ute:           (steckt die Zeitung schnell weg) Oh Monika, Du bist schon da.

 

Monika:     Du hast am Telefon doch gesagt, ich soll gleich kommen, oder?

 

Ute:           Ja, ja.

 

Miriam:      (zu Miriam und Jonny) Hallo.

 

Monika:     (gibt Jonny die Hand) Und Sie sind also der Neger, von dem meine Mutter erzählt hat? (betrachtet ihn)

 

Miriam:      (und Ute müssen schmunzeln) Monika - NEGER solltest Du nicht sagen.

 

Jonny:        Hi.

 

Monika:     Oh, tut mir leid.

 

Miriam:      Ist schon gut, Monika. (gibt Jonny einen Kuss auf die Wange)

 

Monika:     Oh, Ihr habt Euch wohl richtig gern, oder?

 

Miriam:      Hhmm, das haben wir.

 

Monika:     Du hast Dich ganz schön verändert, Miriam. Siehst richtig toll aus. Macht das etwa die Liebe?

 

Miriam:      Das ist gut möglich.

 

Monika:     Sonderbar. Mein Heinrich hat mich jetzt doch auch schon seit zwei Jahren lieb, aber ich sehe noch genauso aus wie immer. Vielleicht sollte ich mir auch jemanden mit einer anderen Hautfarbe suchen. Ja, das ist die Idee. Wo hast Du den denn her?

 

Ute:           Moni, das ist doch jetzt nicht so wichtig. - Du hast doch noch keine neue Arbeitsstelle, oder?

 

Monika:     Nein, hast Du etwa was für mich, Tante Ute ?

 

Ute:           Eben ! Darum hab ich Dich doch herbestellt. Hier gleich nebenan wird eine neue Putzfrau gesucht.

 

Monika:     Oh, das ist ja toll. Und nicht so weit weg von Zuhause. Soll ich mich gleich vorstellen?  (will schon hingehen)

 

Ute:           Nein, nein – jetzt warte erst mal. Die essen doch grade zu Mittag. Und sowieso... (sieht sie von oben bis unten an) Weißt Du, das sind – na ja...  „besser Leute“. Vielleicht solltest Du da nicht so... ich meine.... wie soll ich sagen?
 

Miriam:      (hat schon verstanden) Was hältst Du davon, wenn Du ein paar von meine Kleidern anziehst, Monika ? Ganz was Modernes.

 

Monika:     Oh ja, das wär´ toll.

 

Miriam:      Du willst bei Deiner Vorstellung doch einen guten Eindruck machen, nicht wahr?

 

Monika:     Sicher doch !

 

Ute:           Und Zimmer sauber machen ,- das kannst Du ja wohl, oder? 

 

Monika:     Klar! Bei uns Zuhause muss ich ja auch immer die Schweineställe ausmisten. 

 

Ute:           (etwas skeptisch) Ja...

 

Miriam:      Na dann komm. Wollen mal sehen, was wir aus Dir machen können. (ab ins Haus, gefolgt von Monika)

 

Ute:           (zu Jonny) Und Du hilfst mir jetzt bei den Zeugnissen, Junge. Aber in deutscher Sprache, sonst meinen die noch, Monika wäre Klofrau in Alabama gewesen.

 

Jonny:        Well, I'll do my very best.

 

Beide:        (ab ins Haus)

(kurze Pause)

 

8. Szene

 

Anna-Lena:(spricht noch im Haus, kommt dann mit einer großen Porzellan-Schüssel mit
Deckel bei "Lempers" heraus) Ich denk dran, Frau Lemper, bestimmt. Eine Minute und nicht länger; sonst kühlen sie zu stark aus. (stellt genervt die Schüssel auf den Gartentisch, nimmt den Deckel ab, legt ihn daneben. Je nach Möglichkeit sollte auch Dampf herausströmen. Anna-Lena steht daneben, sieht auf die Uhr, wartet. Von hinten hört man jetzt eine Katze miauen; sie wird sofort aufmerksam, sieht sich suchend um) Miez Miez, wo bist Du denn ? Miezi... (suchend ab nach hinten)

 

9. Szene

 

Helmut:     (kommt sodann von hinten zurück, schaut noch mal auf Lempers Müllsack) Anzeigen sollte man das Pack. (sieht dann die Kartoffelschüssel) Oh, was ist das denn ? Die eine - Minute-Abkühl-Phase ? Wo ist denn die Köchin? (schaut schnell nach hinten, holt dann aus seiner Hosentasche eine Stoffmaus, fasst sie am Schwanz für's Publikum sichtbar an, legt sie in die Schüssel, Deckel drauf. Schelmisch lachend ab ins Haus) Guten Appetit, Familie Lemper. (ab)

 

(kurze Pause)

 

10. Szene

 

Anna-Lena:(kommt zurück, zuckt die Schultern) Na, dann eben nicht, du ängstliche Katze. (will die Schüssel nehmen, wundert sich etwas) Nanu, hab ich den Deckel denn nicht abgenommen? (winkt ab) Na– ist ja egal. Nachher sind Frau Lemper die Kartoffeln doch wieder zu kalt. Das kenn ich ja langsam. Dieser Tick ist doch eh das dämlichste, was man verlangen kann. (mit Schüssel ab ins Haus)

(kurze Pause)

 

11. Szene

 

Helmut:     (kommt von Ute gescheucht aus dem Haus) Aber Ute...

 

Ute:           Nein, das Essen ist noch nicht soweit. Dafür hab ich im Moment überhaupt keine Zeit. Du gehst jetzt, und holst die Sackkarre aus dem Schuppen. Und dann bringst schon mal den Kühlschrank hinters Haus. Leergeräumt ist er schon. Und die Karte steckst Du gleich in den Postkasten. (gibt ihm eine Postkarte) Dann wird er schnellstmöglich abgeholt. Na, was ist?
 

Helmut:     Heute ist Sonntag, Ute. Am siebten Tag hat sogar Gott sich einen Ruhetag gegönnt.

 

Ute:           Das ist aber schon sehr lange her. Und jetzt mach Dich an die Arbeit.

 

Helmut:     Aber mein Magen hängt mir schon in den Kniekehlen.

 

Ute:           (streng) H e l m u t, muss ich erst laut werden? 

 

Helmut:     Nein, Ute.

 

Ute:           Na bitte. (ab ins Haus)

 

12. Szene

 

Helmut:     (seufzt auf) Erst Müllsäcke voll stopfen und zur Straße bringen, jetzt den Kühlschrank hinters Haus schleppen, - und nach dem Teetrinken muss ich sicher noch den Garten umgraben. (will ab nach hinten, als man aus Lempers Haus einen entsetzlichen Schrei hört von Dorothea)

 

13. Szene

 

Dorothea:  (kommt sodann aus dem Haus, immer noch schreiend, läuft zunächst mit "wirr", erhobenen Händen herum, dann schließlich schnell ab nach hinten)

 

Helmut:     (versteckt sich schnell im Hintergrund, beobachtet die Szene, muss laut lachen)

 

14. Szene

 

Jan-Dirk:   (kommt dann ebenfalls schnell aus dem Haus, hält sich die Hand vor dem Mund,
muss erbrechen, auch schnell ab nach hinten)

 

15. Szene

 

Leon:         (kommt dann gefolgt von Anna-Lena heraus, hält die Maus am Schwanz hoch,
ist amüsiert)

 

Anna-Lena:(weint bitterlich) Ich weiß wirklich nicht, wie das passiert ist, Leon. Glaubst Du mir denn auch nicht?

  

Leon:         Ja, ich glaub Dir. Schau Dir das arme Tier doch mal an.

 

Anna-Lena:(dreht sich angeekelt um, immer noch weinend und völlig verzweifelt)

 

Leon:         Das ist eine Stoff-Maus, Anna-Lena. Und bestimmt ist die nicht von alleine in den Topf gesprungen. (lauter) Und ich kann mir auch schon denken, wie die da reingekommen ist. – Du wirst schon sehen, das kommt wieder in Ordnung. Ich leg ein gutes Wort bei meiner Mutter für Dich ein. (steckt die Maus in seine Hosentasche)

 

16. Szene

 

Dorothea:  (kommt von hinten zurück. Immer noch sehr aufgebracht; laut:) Du verschwindest auf der Stelle. Du willst eine gute Köchin sein? Vergiften willst Du uns - ins Grab bringen. Ich zeig Dich an. Geh mir sofort aus den Augen, bevor ich meine guten Manieren vergesse.

 

Leon:         Mutter, nun hör doch. Das ist bestimmt ganz anders, als Du denkst.

 

Dorothea:  (laut zu Anna-Lena) Hast Du mich verstanden?

 

Anna-Lena:(schnell laut heulend ab nach hinten)

 

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