Lange danach gesucht - auf Ibiza 2012 endlich gefunden
Musiker gesucht
         „De 75ste Gebursdag“

 

 

 

Komödie in 3 Akten

 

von

 

Helmut Schmidt

 

 

Inhalt:

 

In wenigen Wochen feiert Alma Hansen ihren 75. Geburtstag. Es war immer ihr großer Wunsch, dass dieser Tag mit der ganzen Familie groß gefeiert werden sollte. Doch leider ist der Kontakt zu ihren Söhnen und Schwiegertöchtern schon seit Jahren abgebrochen. Sie selbst ist zu stolz, den ersten Schritt zur Versöhnung zu machen. Hinzu kommt, dass ihre bisherige Mitbewohnerin Tatjana in weniger Tagen heiraten wird und somit bei ihr auszieht. Alma wird zunehmend betrübter und igelt sich ein. Doch da steht auch schon ihr ältester Sohn Heinrich vor der Tür mit schweren körperlichen Verletzungen. (angeblich verursacht durch einen Arbeitsunfall) Wenig später gesellt sich auch noch Fridolin dazu, ihr zweiter Sohn; und berichtet von Dingen, die Alma kaum glauben kann. Doch schnell kommt Alma dahinter, dass die Ehefrauen der Männer, diese verpügelt haben. Alma´s weiches Herz kann nich anders und sie nimmt die beiden Söhne bei sich auf. Doch zu allem Übel taucht nach einem heftigen Krach mit Tatjana auch noch dessen zukünftiger Ehemann Jens auf und bittet um Unterkunft bei Alma. Nun hat sie plötzlich 3 verzweifelte Männer bei sich wohnen. Das wird selbst dieser rüstigen alten Dame zuviel und sie muß handeln... Aber wie ? Gemeinsam mit Tatjana schmiedet sie einen Plan und lockt ihre Schwiegertöchter in ihr Haus. Diese haben nun drei Wochen Zeit um zu beweisen, dass sie doch ein gutes Herz haben und müssen selbstständig jewiels 1500,- Euro verdienen. Das machen die Frauen auch – aber mit welchen Methoden kommen sie an das Geld ? Fällt Alma auf die Tricks der beiden Frauen herein oder will sie die Wahrheit nicht sehen ?

 

 

 

 

 

 

Personen:   4m/4w                  1 Bühnenbild

 

 

Alma Hansen              -     (74 Jahre)

 

Heinrich Hansen         -     Alma´s ältester Sohn (ca.50 J.)

 

Katrin                         -     seine Frau (ca. 40-45 J.)

 

Fridolin Hansen          -     Alma´s jüngster Sohn (ca.45 J.)

 

Gesine                        -     seine Frau (ca.40 Jahre)

 

Tatjana Mayer            -     Alma´s Haushaltshilfe (25 J.)

 

Jens Ritter                  -     Verlobter von Tatjana

                                          (ca. 30 Jahre)

 

Rudolf Hibben           -     Nachbar von Alma (ca. 60 J.)

 

 

 

Spielzeit: Sommer in der Gegenwart

 

Spielort: Dorf irgendwo auf dem Land oder am Stadtrand

 

 

Hinweis:

Sie benötigen das Lied „Du hast Geburtstag“ von Freddy

Quinn auf CD, welches Ihnen gerne von mir kostenlos

zur Verfügung gestellt wird, falls Sie diese nicht selbst

vörrätig haben.

 

Bühnenbild:

 

Das Bühnenbild zeigt das Wohnzimmer von Alma Han-

sen. Es ist modern eingerichtet mit Tisch, Couch, 2

Sesseln, Schrank, hübschen Bildern an den Wänden.

Irgendwo hängen auch zwei Hochzeitsfotos ihrer Söhne

und Schwiegertöchter. Nach hinten führt eine Tür zum

Flur nach draußen, nach rechts eine weitere zum Schlaf-

zimmer und nach links eine dritte zur Küche. Irgendwo

steht das Telefon. Alles weitere (Fenster, Blumen u.a.

ist den Spielern überlassen)

 

 

Prolog:

 

Jens:          (kommt vor den Vorhang, wendet sich an die Zuschauer: ) Gooden Avend. Mien Naam is Jens Ritter*. Viellicht kennen Se mi noch van dat Stück „Stiekelwier um ´t Himmelbett“. Ik bün ´n bietje nervös – aver nich, wiel ik hier nu vör Hör de Prolog vertellen sall – nee, ik heirat bold. In ´n poor Week is dat sowiet, dann word Tatjana mien Frau. Wi hebbt neijbaut – un wi willen dann ok futt na de Hochtied intrecken dor. Dat Huus hett Alma betahlt. Ochja, de good Alma. Tatjana un ik sünd alltied sowat as hör eegen Kinner west. Weeten Se – Alma hett woll sülmst twee Jungs, de ok beid verheirat sünd – aver Alma´s Schweegerdochters, de hebbt hör dat Leeven in de letzte Johren nich eenfach maakt. Um nich to seggen – dat sünd de grotste Düvels, de man sück vörstellen kann. Aver sieht de Kontakt heelmol offbroken is, löppt dat eenlik heel good hier. Aver Tatjana maakt sück Sörgen um Alma. Na ja, wenn wi nu bold uttrecken is se heel alleen in hör Huus, un gesundheitlich geiht hör dat ok nich alltobest. Un dorto kummt, dat Alma bold hör 75ste Gebursdag fiert. Un hör sehnlichste Wunsch hett alltied west, dat an disse Dag hör Familie in Harmonie binanner sitt un mit hör fiert. Aver ik glöv, dat sall woll blots ´n Dröm blieven, oder wat meenen Se ? Komen Se nu mit mi in de Wohnköken van Alma Hansen un beleeven Se, wat hier vör sück geiht. Wunnern Se sück aver nich, wenn dat hier just nettso utsücht as in ´n Frisörsalon – mien tokünftig Frau verdeent sück nämlich ok gern ´n poor Euro swart dorto, aver (legt einen Finger auf die Lippen) Psssst...., dat dürt dat Finanzamt nich weeten. --- Ik kom naher weer vörbi – mutt noch eem gau na d´ Bau – dat verstahnt Se doch seeker, oder ?! Bit dorhen, un laaten Se sück de Tied nich lang worden bit to de 75ste Gebursdag van Alma Hansen.

 
                
 
                                                               Erster Akt

 

                  (Wenn der Vorhang sich öffnet, sitzt Rudolf mit dem Gesicht zum Publikum auf einem Stuhl. Er trägt einen Frisierumhang. Der Fußboden unter dem Stuhl ist ausgelegt mit einem Stück Wachstuch oder Plastikfolie; darauf liegt abgeschnittenes Haar. Es ist ein Samstagnachmittag, ca. 15:00 Uhr)

 

1. Szene

 

Tatjana:     (kämmt sein Haar erneut durch) So, Herr Hibben. Ich habe Haare geschnitten im Nacken nicht so kurz dieses mal. Wenn Sie bitteschön selber schauen möchten ?! (gibt ihm einen Spiegel in die Hand, hält einen zweiten hinter seinen Kopf) Ist es gut so ?

 

Rudolf:      (sehr begeistert; aber nicht nur von dem Haarschnitt, sondern hauptsächlich von Tatjana) Wunnerbor, Fräulein Mayer. Man markt doch futt, dat Se van ´t Fach sünd.

 

Tatjana:     Na ja, ich tue mein Bestes. (nimmt ihm den Umhang ab)

 

Rudolf:      (steht dann auf) Dat is mi rein schaneerlik, dat ik Hör al weer privat stören muß.

 

Tatjana:     Herr Hibben, ich weiß doch, dass Sie nicht gerne in meinen Salon kommen, wegen der vielen Menschen. Das ist in Ordnung. – Ist wirklich kein Problem. Sonst würde ich es sagen.

 

Rudolf:      Rudolf, Fräulein Mayer. Seggen Se eenfach „Rudolf“ an mi.

 

Tatjana:     Na gut, Rudolf. Aber das Haareschneiden wird hier in Zukunft wohl nicht mehr gehen.

 

Rudolf:      Trecken Se nu doch al in dat neije Huus ? Un – word denn ok noch heirat vörher ?

 

Tatjana:     Im nächsten Monat schon. Am 28ten. Ich bin jetzt schon sehr aufgeregt, wenn ich nur denke daran.

 

Rudolf:      Dat glöv ik Hör gern. Was bi mi domols nich anners. (seufzt) Ochja, Gott hebb hör selig, mien leeve Frieda.

Tatjana:     Nicht traurig sein, Rudolf. Sie müssen Tod Ihrer Frau endlich überwinden. Ist doch auch schon soviele Jahre her. Wer weiß – vielleicht Sie finden sogar nochmal eine neue Partnerin an Ihrer Seite.

 

Rudolf:      Aver Fräulein Tatjana...

 

Tatjana:     Warum sollte das nicht passieren ? Sie sind doch so ein netter Mann. Dieser Frau kann man gratulieren nur, die mit Ihnen zusammen sein darf.

 

Rudolf:      Dat hebbt Se nun aver moij seggt. (nimmt ihre Hand, küsst diese) Dann nochmol völen Dank för ´t Hoorschnieden. (zieht sein Portmonee) Wat bün ik schuldig ?

 

Tatjana:     Hhmm... geben Sie mir 8 Euro – wiel Sie es sind, Rudolf. Aber – (legt einen Finger auf die Lippen) nicht weitersagen, ja ?! Das ist ein Freundschaftspreis.

 

Rudolf:      (gibt ihr einen 10 Euro-Schein) Bitte Tatjana. De Rest is för Hör – wiel Se dat sünd.

 

Tatjana:     Oh, das kann ich nicht annehmen. Das ist zuviel.

 

Rudolf:      Natürlik könnt Se dat. Well so fründelk is as Se, de hett süch ok ´n ördentlich Drinkgeld verdeent.

 

Tatjana:     (steckt das Geld ein) Ja, dann vielen vielen Dank, Herr Hibben – ich meine Rudolf.

 

Rudolf:      (zieht sich eine Jacke über, die irgendwo liegt, setzt seinen Hut auf den Kopf; vorher geht er aber nochmal mit den Handflächen über´s Haar) Wunnerbor hebbt Se dat schneeden, Fräulein Tatjana. (schon an der Tür)

 

Tatjana:     (fühlt sich sehr geschmeichelt)

 

Rudolf:      Och, wat ik noch fragen wull – wo geiht

                  Alma dat eenlik ?

 

Tatjana:     Ach, das ist ein ewiges auf und ab mit ihr. Letzte Woche hatte ich richtig Angst um sie. (räumt auf, während sie redet)

 

Rudolf:      Wat hett se denn genau ?

 

Tatjana:     Immer Schmerzen in der Herzgegend. Und dann irgend so eine Sache mit dem Darm. Aber kein Arzt kann sagen genau, was es ist. Dreimal war sie nun schon für ein paar Tage im Krankenhaus; die machen dort Spiegelungen von Magen und Darm und sowas. Sie hat immer Schmerzen; manchmal richtige – wie sagt man ? Koliken. Aber die Ärzte können einfach nicht finden die Ursache. Na ja, und der leichte Schlaganfall im letzten Jahr hat auch hinterlassen seine Spuren.

 

Rudolf:      Aver dat gifft doch seeker Spezial-Kliniken för sückse Krankheiten. Off wo was dat mit ´n Heilpraktiker ?

 

Tatjana:     Dort war Alma schon. Ich selber habe auch gesprochen mit dem. – Wissen Sie, Rudolf – bei Darmgeschichten man denkt immer gleich das Schlimmste. Aber die Medizin ist sehr

weit fortgeschritten heutzutage. Und wenn die Ärzte absolut nichts finden können... glauben Sie mir – oftmals steckt da nur ein psychisches Problem dahinter.

 

Rudolf:      Psychisch ? Wo meenen Se dat denn ?

 

Tatjana:     Na ja, Sie wissen doch sicher noch, dass vor ungefähr 5 Jahren der Kontakt zu ihren Kindern ist abgebrochen. Das hat Alma bis heute nicht überwunden. Ich bin keine Ärztin, aber ich denke, dass das ist Alma´s ganze Krankheit. Nun kommt dazu, dass sie in wenigen Wochen feiert ihren 75sten Geburtstag. Und an diesem Tag möchte sie gerne alle ihre Kinder beisammen haben in Harmonie.

 

Rudolf:      Wieso verdragen de süch denn ok nich weer ? Dat kann doch nich an Alma liggen.

 

Tatjana:     Oh nein. Aber haben Sie denn nie gehört, was hier vor Jahren vorgefallen ist ? Ihre beiden Schwiegertöchter haben versucht, Alma langsam aber sicher umzubringen, damit sie eher kommen an ihr Erbteil.

 

Rudolf:      Ik hebb dorvan hört. Aver ik bün ja erst vör knapp 2 Johr hierhertrucken. Ik kunn dat noit glöven. Is dat denn wirs wohr west ? Ik kenn de Kinner ja nichmol.

 

Tatjana:     Aber ja. Und deshalb findet sie seit Jahren auch nur noch Halt bei Jens und mich.

 

Rudolf:      Mir !

 

Tatjana:     Bei Ihnen auch ? – (muß lachen) Achso, ja, ich verstehe. Deutsche Sprache ist immer noch sehr schwer für mich.

 

Rudolf:      Un wo sünd Se nochmol verwandt mit Alma?

 

Tatjana:     Gar nicht. Ich bin damals angefangen bei Alma als Putzfrau. Aber mitlerwiele bin ich geworden sowas wie beste Freundin von ihr. Das neue Haus, wo Jens und ich bald einziehen, hat ganz alleine Alma bezahlt. Sie will das so. Aber ich denke, dass sie ist auch traurig, wiel wir nun bald hier bei ihr ausziehen. Sie versucht, sich unsere Liebe zu ihr zu kaufen, glaube ich.

 

Rudolf:      Kann man good verstahn, wenn man bedenkt, dat se kien Kontakt mehr to hör Kinner hett.

 

Tatjana:     Sie ist so gut zu Jens und mir. Auch die Miete von meinem Frisiersalon zahlt Alma, obwohl ich mich immer wieder dagegen wehre.

 

Rudolf:      Un wenn Se nu bold uttrecken ? Ik meen, dor mutt sück doch irgendwell um Alma kümmern. Mit 75 is se woll noch kein oll Oma, aver trotzdem... Un dann kummt hör Gesundheitstostand dorto...

 

Tatjana:     Das ist auch meine große Sorge. Aber Jens und ich sind jung. Wir müssen leben unser eigenes Leben. Ich weiß auch nicht wie es soll weitergehen hier.

 

Rudolf:      Hhmm...

 

2. Szene

 

Jens:          (kommt zügig von hinten herein, macht einen aufgeregten Eindruck, geht zu Tatjana, küsst sie flüchtig) Hallo Schatz. (zu Rudolf:) Gooden Dag, Herr Hibben.

 

Rudolf:      Gooden Dag ok.

 

Tatjana:     Oh Jens ? Hast Du endlich was organisieren können ?

 

Jens:          Ja. Gott sei Dank, kann man woll seggen. Aver wenn al mal wat scheef geiht, dann kummt ok alls up eenmol. Nu steiht ok noch de Möbelwagen bi uns vör d´ Döör.

Rudolf:      (merkt, dass er stört) Äh, ik will nu ok nich langer stören. Bit annermol dann. Un grööten Se bitte Alma van mi.

 

Tatjana:     Werde ich machen, Rudolf. Wiedersehen.

 

Jens:          Tschüß.

 

Rudolf:      (ab)

 

3. Szene

 

Tatjana:     Moment mal. Was sagst Du ? Möbelwagen ? Du willst doch nicht etwa behaupten, dass heute schon die Möbel geliefert werden. Die haben wir doch bestellt für nächsten Montag. (räumt dann etwas genervt weiter auf, falls sie nicht schon fertig damit geworden ist, während des Gesprächs mit Rudolf. Stuhl zur Seite, Schere, Kamm usw. wieder in eine Tasche, faltet das Wachstuch zusammen mit den abgeschnittenen Haaren o.a.)

 

Jens:          Ja, ik weet. Se sünd aver nu mol dor. Un wenn wi de weer wegstüren – well weet, off de dann overhaupt noch up Tied leefern.

 

4. Szene

 

Alma:        (kommt von rechts herein, macht einen leicht kränklichen und betrübten Eindruck) Hallo ji beid.

 

Tatjana:     Alma – na, wie geht es Dir ? Besser als heute morgen ?

 

Alma:        (setzt sich) Ik kann de Pien utholen. – Is Rudolf al weer weg ?

 

Tatjana:     Ist gerade zur Tür hinaus.

 

Jens:          Aver ik hebb ok ´n good Naricht. - Alma, stell Di mol vör – ik hebb doch noch ´n anner Band funnen, de up uns Hochtiedsfier spölen kann.

 

Alma:        Harr ji denn nich al vör ´n Week ´n Kapelle ?

 

Tatjana:     Sicher. Aber von dieser Kapelle hat sich einer den Arm gebrochen. Un dazu noch ausgerechnet der Drummer. – Äh Trommler, Alma.

 

Jens:          Ja, dat was richtig Pech. Aver ik hebb Ersatz besörgt. Is dat nich toll ? – Ik meen, ohne Musik harr wi moij dumm dorstahn.

 

Alma:        (ohne Interesse) Ja seeker.

 

Tatjana:     Was ist denn, Alma ? Freust Du Dich denn gar nicht für uns ? – Geht es Dir auch wirklich gut? Un hast Du genommen Deine Tabletten?

 

Alma:        Ja, hebb ik. Un ik frei mi ja ok för jo. Dat is blots... jedesmol, wenn dat um jo Hochtied geiht, kummt bi mi ok de Gedanke hoch, dat ik bold heel alleen bün in dit Huus.

 

Jens:          (ungeduldig zu Tatjana:) Kummst Du nu bitte?! – De Möbelpacker wachten up uns.

 

Tatjana:     (gereizt) Ja doch – gleich. --- Alma, Du hast doch immer gewußt, dass dieser Tag einmal wird kommen. Und Du hast es doch auch selbst so gewollt. Die Idee mit unserem Hausbau ist doch von Dir gewesen. Und Du hast es bezahlt. Das wir irgendwann einmal dort einziehen werden, war Dir doch sicher immer klar, oder ?

 

Alma:        Ja seeker. Aver... (beginnt zu weinen, holt ein Taschentuch hervor)

 

Jens:          (steht ungeduldig da, ist etwas genervt von der Situation) Tatjana, bitte...

 

Tatjana:     (geht zu Alma, umarmt sie liebevoll) Ach Alma, Du solltest das nicht nehmen so schwer. Wir sind doch dann gar nicht weit weg von Dir. Un wenn Du nicht mehr leben kannst alleine, dann werden wir auch finden darauf eine Lösung. Ich verspreche Dir das. Aber Du solltest auch verstehen Jens und mich. Wenn wir bald sind verheiratet, dann sicher wir werden auch haben eigene Kinder. Und dann ist doch den ganzen Tag Geschrei im Haus. Und das ist auch nicht schön für Dich.

Alma:        (seufzt) Eegen Kinner seggst Du ? -  Ja...

 

Tatjana:     Du hast uns solange hier bei Dir verwöhnt. Wir sollten endlich lernen zu stehen auf eigenen Füßen.

 

Alma:        Ik hebb jo beid siet 5 Johr as mien eegen Kinner sehn. Ji hebbt mi so good dohn. Un erst dör jo hebb ik vergeeten, wat mien beid Jungs un Schweegerdochters mi domols andohn hebben. – Ik... ik sülmst hebb ja gor kien Kinner mehr. (fängt bei dem letzten Satz wieder an zu weinen)

 

Jens:          Oh Mann...

 

Tatjana:     Alma, ich weiß sehr gut, wie sehr Du leidest darunter. Wie wäre es denn, wenn Du doch nochmal versuchst einen neuen Anfang mit Heinrich und Fridolin ? Seit so langer Zeit hast Du kein Wort mehr gesprochen mit Deinen beiden Söhnen.

 

Alma:        Un dat wunnert Di ok noch ? Na al dem wat west hett ?

 

Tatjana:     Natürlich nicht. Aber ich weiß auch, Du würdest das gerne wieder ändern. Gibt es denn keine Möglichkeit um sich wieder zu vertragen ?

 

Alma:        Wat mien Kinner mi andohn hebben, dat könnt se in hör heel Leven nich weer goodmaken.

 

Tatjana:     Du darfst aber nicht vergessen, dass alleine Deine Schwiegertöchter hatten die Zügel fest

                  in der Hand. Eigentlich sind Deine Jungs unschuldig. Sie haben nur unter Druck das getan, was die Frauen verlangt haben.

 

Alma:        Ik weet. Aver wenn se blots ´n Funken Geweeten in d´ Liev haren, dann wassen se al lang mol komen. Ik maak de Anfang heel seeker nich. Dat is blots... ik hebb doch bold Gebursdag, un mien grötste Wunsch hett alltied west, dat ik an mien 75ste mit de heel Familie tosamen bün. Aver dat blifft woll blots ´n Dröm. – Hach, worum is dat Leeven blots so schwor ?

 

Tatjana:     Vielleicht gibt es noch eine Lösung. Es sind doch noch 20 Tage bis zu Deinem Ehrentag. – Du solltest einfach mal Alfred oder Fridolin anrufen. Nur fragen, wie es denn so geht.

 

Alma:        Nee ! Noit ! Weeßt Du denn nich mehr ? Een Bomb harren se mi in ´t Klo inbaut. Explo-deeren sull ik.

 

Tatjana:     Aber das war ganz alleine die Idee Deiner Schwiegertöchter.

 

Alma:        Un wenn al.

Jens:          Mann eh – dürt dat noch lang hier ? Ik meen, ik verstah ja, dat hier eeniges to annern is – aver de Möbelwagen steiht vör ´t Huus. Wo faken sall ik dat noch seggen ? Un Du, Tatjana, hest doch ´n heel genau Vörstellung, wor alls stahn sall, oder ?!

 

Tatjana:     Ja doch. Ich komme ja mit.

 

                  (es klopft an der Hintertür)

 

Alma:        Ja bitte.

 

5. Szene

 

Heinrich:   (kommt zaghaft herein, hat zwei volle Koffer dabei; bleibt an der Tür stehen, unsicher:) Hallo Mama.

 

Alma:        (steht auf, kann gar nicht glauben, wen sie da in der Tür sieht) H e i n r i c h !!!

 

Tatjana:     (und Jens wundern sich ebenso) Herr Hansen.

 

Jens:          Wenn man van d´ Düvel prot...

 

Alma:        (weiß zunächst nicht genau, wie sie sich verhalten soll, hält inne, geht aber dann jedoch schnell auf ihn zu; umarmt ihn stürmisch, dabei kommen ihr wieder die Tränen) Jung, wo lang hebb ik up disse Oogenblick wacht ? Oh Gott, kumm her...

 

Heinrich:   Och Mama...

 

Alma:        (streichelt sein Gesicht mit beiden Händen) Heinrich... Schamen sullst Du Di. Dien eegen Moder eenfach vergeeten.

 

Heinrich:   Weeßt Du...

 

Alma:        (schaut ihn von unten bis oben an) Un dünn büst Du worden. Kookt Katrin denn nich dat richtige Eeten för Di ?

 

Heinrich:   Mama, wenn Du wüßt...

 

Jens:          (verliert nun die Geduld) Alma, wees uns nich düll; aver Tatjana un ik mutten nu na ´t  Huus.

 

Alma:        Ja ja, gaht man.

 

Tatjana:     (mit ihrer Tasche, Spiegel usw. hinter Jens her ab nach hinten) Bis nacher, Alma.

 

Alma:        Ja ja. Tschüß.

 

Beide:        (ab)

 

6. Szene

 

Alma:        Sett Di doch hen. Hest Du al Tee hat ? (man merkt, dass sie richtig „aufblüht“)

 

Heinrich:   Tee harr ik al. Danke. (setzt sich)

 

Alma:        (setzt sich auch) So, un nu vertell. Wat drifft Di tomol na mi hen ? (bemerkt jetzt erst die Koffer, die an der Tür stehen) Segg mol, wat hebbt denn de Kuffers to bedüden ?

                  (belustigt) Büst Du nu unner de Vertreter gahn ? Jung, Du wullt mi doch nich viellicht ´n neijen Stoffsuuger verkoopen off ´n Kökenmaschine ?

 

Heinrich:   Wat ? – Nee nee, ik bün kien Vertreter. Ik arbeit siet ´n half Johr in Meiners Gärtneree.

 

Alma:        In ´n Gärtneree ? Un dat kannst Du ok ?

 

Heinrich:   Na ja, man lert d´r mit an.

 

Alma:        Hauptsaak, dat geiht Di good un Du hest ´n Arbeitsplatz. Wat will man noch mehr ? Un anners is bi Di ok alls up Steh ? Ik meen – privat ?

 

Heinrich:   (seufzt) Moder – de Kuffers dor... dorin sünd mien... ik weet gor nich, wo ik dat seggen sall. – Mama – kann ik ´n tiedlang bi Di wohnen ? (schnell) Ik meen, blots solang, bit ik wat anners funnen hebb ?

 

Alma:        (sehr überrascht) Du wullt bi mi blieven ? Is dat Dien ernst ? Wat ist denn passeert ? Hest Du Schandal mit Katrin ? (seufzt) Oh ja, ik kann mi dat al denken. Ik hebb mien Schweegerdochters kennenlert. Ik weet, worto de in Stand sünd. - Aver ji beid sünd doch anners immer eenigermaaten mitnanner klorkommen, oder ?

 

Heinrich:   Na ja; dat was nich immer heel eenfach – un ik hebb dat bitlang ja alltied utholen, aver ditmol... (senkt den Kopf)

 

Alma:        Wat is denn nu genau passeert, Heinrich ?

                  Kumm, rut mit de Spraak !

 

Heinrich:   (etwas weinerlich) Se hat mi verhauen, Mama.

 

Alma:        (setzt sich zu ihm, nimmt ihn in den Arm, streichelt seinen Kopf) Oh nee, dat ist doch woll nich wohr.

 

Heinrich:   Doch. Ik krieg ja faker mal een an de Bäck. Doran hebb ik mi ja al wendt. Man nu is Katrin to wiet gahn. - Se hett ´n Köken-Stohl kötthauen un mi dann mit dat hart Stohlbeen traktiert. – Ik was veer Dag in ´t Krankenhuus; twee Rippen wassen anbroken.

 

Alma:        Du arme Kerl. - Katrin – de sall mi blots nich to nah kommen... Is denn nu alls weer verheelt ?

 

Heinrich:   Ja seeker. Dat ist ja al veer Week her, Mama.

 

Alma:        Veer Week seggst Du ? Ja aver – wo warst Du denn solang ?

 

Heinrich:   Nahdem ik ut ´t Krankenhuus entlaaten worden bün, hebb ik erstmal bi Heiko Siefkes wohnt. Is ´n Arbeitskolleg van mi. Sien Frau was to Kur in disse Tied. Aver – vandag kummt se torüch, un do muß ik natürlik gahn. (wieder weinerlicher) Mama, ik weet nich, wor ik hen sall...

 

Alma:        Nu bedohr Di. Nu büst Du erstmol bi mi.

 

Heinrich:   Dat is mi so schaneerlik. Na all de Johren duuk ik hier tomol bi Di up. Ik hebb so lange overleggt, off ik dat overhaupt wag, hierher to komen.

 

Alma:        Wat hier domols passeert is, geiht heel alleen up dat Konto van Kartin un Gesine. Du harrst doran kien Schuld. Ik denk, Du büst domols van Katrin nich fragt worden, off Du bi de Anschläge tegen mi mitmaaken wullst. Du büst dwungen worden, stimmt ´t ?

 

Heinrich:   Kann man so seggen, ja. Dat was alleen Katrin´s Idee, wat wi Di andohn hebben. Un dat blots, wiel se gauer an dat Arvdeel ran wull. Ik scham mi aver trotzdem heel düchtig. Was hest Du blots dörmaken mußt wegen uns?

 

Alma:        Tja, dat was nich heel eenfach för mi. Man wi willen dor nu nich mehr van proten. – Du treckst nu erstmol in Dien oll Kamer. Dien Bett steiht dor sogor noch in. Du mußt dat aver noch weer tosamenbauen. Un dat Zimmer mutt putzt un uprümt worden. Ik treck Di dann later de Bettwaschke drover.

 

Heinrich:   Ja aver – geiht dat denn ok ? Ik meen, Du hest doch dissen Jens un Tatjana al bi Di wohnen. Un wo geiht Di dat denn overhaupt ? Ik will Di ja nich to Last liggen, wenn Du krank büst.

 

Alma:        Mi geiht dat nich heel good. Aver Du kannst blots to mien Gesundheit bidragen, Jung. Un Platz is genug in dit grood Huus. Butendem büst Du mien eegen Fleesch un Blood. Wo kunn ik Di denn weer wegstüren ? – Du geihst nu erstmol in Dien Zimmer un richst Di dat in. Ik maak uns in de Tied ´n Tass Tee un dann vertellst Du mi in aller Ruh, wat in de letzt fiev Johr all passeert is. – Aver wenn dat för Di to anstrengend is, dat Bett tosamen-tobauen, dann wacht, bit Jens weer torüch is.

                  Du büst ja ok noch nich weer heel gesund.

 

Heinrich:   (ist mitlerwiele aufgestanden, hat seine Koffer genommen, geht damit schon langsam ab nach links, bleibt stehen, dreht sich nochmal zu Alma um) Dat geiht al un... - Danke Mama.

 

Alma:        Ist al up Steh, mien Jung.

 

Heinrich:   (ab)

 

Alma:        (seufzt schwer, holt Teetassen aus einem Schrank, deckt den Tisch) Wat is blots ut disse Welt worden ? Dat Radio meld de heel Dag blots van Elend un Gewalt in de Welt; man ik segg mi alltied – dat is wiet weg van hier. Dorbi hebb wi weibliche Terroristen in de eegen Familie. – Dor will ik man hopen, dat dat tomindest mien Fridolin good geiht. (will seufzend ab nach rechts, als es erneut an der Aussentür klopft) Äh ja ?

 

7. Szene

 

Fridolin:    (kommt mit Gehstock, sowie mit verbundener Stirn langsam herein) Dag Moder. Tja, dor kickst Du, nich wohr ?! Ik bün dat.

 

Alma:        (schlägt die Hände vor´s Gesicht) Dat ist doch hopentlich alls blots ´n Dröm. Fridolin – wat maakst Du denn hier ?

 

Fridolin:    Dürt ik rinkomen ? (kommt aber schon

                  während seiner Frage humpelnd ins Zimmer)

 

Alma:        (geht zu ihm, schaut ihn an) Ik faat dat eenfach nich. Wat is denn mit Dien Kopp passeert ? Un wieso geihst Du an ´n Stock ? Un... (schaut zur Tür) ...wor sünd Dien Kuffers ?

 

Fridolin:    Kuffers ?

 

Alma:        (umarmt ihn herzlich aber vorsichtig) Wo kunn Gesine Di dat andohn ?

 

Fridolin:    Gesine ? (dann schnell) Och... ochso, Du denkst, Gesine hett mi dat hier andohn ? Oh nee – dormit hett Gesine doch nix to dohn.

 

Alma:        Hett se nich ? Ja aver...

 

Fridolin:    Ik äh... ik harr ´n Unfall, Moder. ´n Arbeitsunfall, ja.

 

Alma:        Sowat aver ok.

 

Fridolin:    Ja, Pech, nich wohr ?! – Ik bün mit ´n Gabelstapler vull Paletten tegen een Müür fohren; mit de Achterkopp dann tegen de Schiev prallt, mien Knee hett sück dorbi unner de Kupplung quetscht, un de Arm hebb ik mi to allen Übel noch tüschen Döör un Müür inklemmt. Hett heel moij seer dohn, dat kannst Du mi glöven.

 

Alma:        Oh Jungi. Un in disse Tostand mutt ik Di dann na al de Johren weersehn. Du süchst wirs bannig leep ut. Du büst doch krankschreeven ?

 

Fridolin:    Ja seeker. Du, dat sücht blots dorum so leep ut, wiel de Unfall sück erst vör twee Stünn todragen hett. De Sanitäter in d´ Bedriev hett mi verarzt, ja, un dann hett mien Chef meent ik sullt mi woll beeter in ´t Huus utkureeren.

Alma:        Dat was ja ok noch beeter west, wenn he Di wieder arbeiten laten harr. (dann plötzlich:) Aver ik verstah dat nich heel. Vör 2 Stünn seggst Du ? - Du mußt doch dormit na d´ Doktor. Dat was doch immerhen ´n Arbeitsunfall. Ik bün woll al old, aver nich dumm, Fridolin.

 

Fridolin:    Du hest ja recht. Aver dat mutt nich wesen. So leep is dat gor nich. Sücht blots so ut.

 

Alma:        Wenn al. Du kannst doch ok binnen irgendwat kött hebben. Bi so ´n Unfall harrst Du doch gründlich in ´t Krankenhuus unnersöcht worden mußt. (überlegt kurz) Segg mol, Du harrst vör twee Stünn disse Arbeitsunfall un dann kummst Du na al de Johren na mi ?

 

Fridolin:    Dat mutt Di arig vörkomen, dat kann ik good verstahn. Ik bün nett hier vörbifohren un just hier vör Dien Huus kreeg ik tomol heel leep Koppseer. Un do hebb ik docht, off Du nich viellicht ´n Tablette för mi hest.

 

Alma:        Siehste – Du hest seeker ´n Gehirner-schütterung. Unerhört van Dien Chef, dat de so gliekgültig is. Wenn Jens weer torüch is, fohrt de up Steh mit Di na d´ Doktor. Un bit dorhen leggst Du Di moij up mien Sofa, hörst Du?!

 

Fridolin:    Dat is nett meent, Mama. Aver wirs nich nödig. Wenn ik ´n Koppseertablette kriegen kunn - dann word dat al weer. – Ik hebb in mien Leven al sovöl Pöters kre... ik meen – dat is alls half so leep.

 

Alma:        (hat wieder nachgedacht) Segg mol, wo büst Du hier denn vörbikomen ? Du büst doch nich noch Auto fohren in Dien Tostand, oder ?

 

Fridolin:    Nee nee – ik bün to Foot.

 

Alma:        To Foot bit hierher ? Heel van de Jansen-Werft ? Lina Hoffmann hett mi vör Mannten mol anroopen un vertellt, dat Du dor nu arbeitst. Off büst Du mitlerwiel al weer annerswor?

 

Fridolin:    Also, weeßt Du Moder... (hält sich den Kopf) Kann ik Di dat nich ´n anner mol al verkloren?

 

Alma:        Ja seeker. Du leggst Di nu erstmol hen. Du weeßt ja seeker noch, wor de Wohnköken is.

 

Fridolin:    (abgehend nach links) Ja ja.

 

Alma:        Un Gesine ? Ik meen – Dien Frau mutt doch ok bescheed hebben, wat mit Di passeert is. (geht zum Telefon, seufzt, wiel es ihr schon schwer fällt, diese anzurufen)

 

Fridolin:    (bleibt an der Tür stehen, zaghaft) Ja...

 

Alma:        Mensch, dat kost mi aver Oberwindung. (hebt den Hörer ab, wählt schon)

 

Fridolin:    (kommt schnell humpelnd dazu, hindert sie daran, weiter zu wählen) Nee Moder, dat is nich nödig; dat heet – Gesine is gor nich tohuus. Se is... ja äh... för ´n poor Dag na hör Süster na Dibbersen fohren.

 

Alma:        Och ja ?

 

Fridolin:    Ja. Un ok dor mußt Du nich anroopen. Dann maakt sück Gesine blots unnödig Sörg um mi. Seeker geiht mi dat bold beeter. Un sobold dat so is, roop ik Gesine sülmst an. Dann mußt Du Di dor ok nich mit quälen.

 

Alma:        As Du wullt. Wenher kummt se denn ut Dibbersen torüch ?

 

Fridolin:    Ik glöv Middeweek off Dönnerdag.

 

Alma:        Dann bliffst Du solang bi mi, bit se weer dor is, hörst Du ?! (hält sich den Bauch)

 

Fridolin:    Maak ik. – Geiht Di dat ok wirs good, Moder?

 

Alma:        Geiht so. An mien Pien hebb ik mi langsam wend.

 

Fridolin:    Un dat maakt Di ok wirs nix ut, wenn ik för ´n poor Dag hierbliev ?

 

Alma:        Du büst mien Jung. Un nun frag nich langer un slap ´n bietje. Dorna sehnt wi wieder.

 

Fridolin:    As Du meenst. (geht wieder zur Tür nach links) Un – völen Dank, Mama.

 

Alma:        Is al good.

 

Fridolin:    (lächelt ihr nochmal leicht seufzend zu, dann ab)

 

Alma:        (allein:) Verrückte Welt. Jens un Tatjana willen uttrecken, un ik krieg unverhofft twee Unnermieter. (dann wieder überlegend:) Wat hett Fridolin seggt ? Wo is de Unfall passeert? Mit de Achterkopp is he tegen de Schiev van de Gabelstapler hauen? - Hebbt Gabelstapler denn Schieven ? Un wat was dat mit Kupplung ? – Kupplung bi  ´n Gabelstapler ? – Dor stimmt doch irgendwat nich. (kopfschüttelnd ab nach rechts, kurze Pause)

 

8. Szene

 

Tatjana:     (kommt zügig verärgert, gefolgt von Jens herein, setzt sich „sauer“ auf einen Stuhl, verschränkt die Arme) Du hast ja ´nen Sockenschuss, mein lieber Jens. Deine Eifersucht ist krankhaft, jawohl.

 

Jens:          (ebenso aufgebracht, „knallt“ die Tür zu) Krankhafte Eifersucht – aha. Un wo ik mi bi Dien Verhollen föhl, dat spölt kien Rull, wa ?

Tatjana:     Wenn ik Dich wollte betrügen, hätte ik das machen können schon hundert mal. Ich bin sehr oft alleine durch Deine dumme Schichtarbeit. Jede zweite Woche abends bis nach halb 12.

 

Jens:          Wat sall dat denn heeten ? Steiht dor viellicht al een tüschen uns ? Na, wunnern de mi ´t nich !

 

Tatjana:     Oh... Du...

 

Jens:          Un wat heet hier eenlik „dumme Schichtarbeit“ ? – Wees blied, dat ik ´n Arbeitsplatz hebb. Well van uns will denn woll elke Maant neije Klamotten ? Du doch woll !

 

Tatjana:     Die kann ich mir sehr wohl kaufen von meinem eigenen Geld. Ich verdiene mit meinem Salon ganz gut. Habe ich jemals verlangt Geld von Dir ?

 

Jens:          Oh ja, dat hest Du !

 

Tatjana:     Ja, aber immer nur für Sachen für das Haus. An mich habe ich gedacht so gut wie überhaupt nicht in den letzten Monaten.

 

Jens:          Na, ik weet nich recht.

 

Tatjana:     Du kannst mich mal lecken am Popo, Jens Ritter.

Jens:          (setzt sich nun wütend ebenfalls auf einen Stuhl, beide schauen in entgegengesetzte Richtungen) Du mi ok, Tatjana Mayer.

 

9. Szene

 

Alma:        (ist während des letztes Satzes von Jens zurückgekommen) Hey hey hey, wat is denn mit jo los ? Hör ji woll sofort up to strieden ?!

 

Jens:          Ik bün nich anfangen.

 

Alma:        Rut mit de Spraak. Wat is hier los ?

 

Jens:          (nach einigem Schweigen dann ironisch:) Mien leeve, good tokünftige Frau hett Mister Möbelpacker Johannes Schmik mol weer moij Oogen maakt. Se hebbt sück mit hör Blicken tegensiedig praktisch uttrucken. Wat ´n Wunner ok. He is ja ok an de transsibirische Iesenbahnstrecke geboren.

 

Tatjana:     Du hast verloren Deine Verstand. Was hat das zutun damit ?

 

Jens:          ´n heel büld. Russen unner sück – dat passt even !

 

Tatjana:     (außer sich) Ohh...

 

Alma:        Hört nu up ! In all de Johren harr ji noch noit Schandal. Un nu kört vör de Hochtied fang ji dormit an ?

Jens:          Dat is alleen Tatjana´s Schuld, Alma. As wi uns Möbels utsöcht hebben, stunn disse blöde Fohrer Johannes Schmik tomol achter de Verkäufer un grinste al de heel Tied so dämlich. Un as Tatjana letzt Week uns Upfohrt offfegt, holt up eenmol ´n Möbelwagen. Well satt an d´ Stür ? Dat sibirische Stöhlbeen; un fragt hör, wor denn de Nelkenstraat is. As wenn he dat nich wüss; dissen Buck. So grood is uns Dörp ja nich. – Un as de Tofall dat will, leefert disse nette Johannes Schmik ok uns vandag de neije Sitzgruppe. As wenn de blots een Fohrer hebben. Un dat ok noch ´n poor Dag to fröh. Dat is doch offmaakt Spill. – He was totol verdutzt, dat ok ik dor was. Kunn he ja ok nich ruuken, dat ik Urlaub hebb vandag.

 

Tatjana:     Du bist verrückt, Jens.

 

Jens:          Blots för ´t Utladen van een Sofa hett he 15 Minüten bruukt. Is dat nich sünnerbor ?

 

Tatjana:     Johannes macht seine Arbeit eben gut. Immerhin er ist ein Fachmann.

 

Jens:          Fachmann in wat, frag ik mi.

 

Alma:        Nu bedohr Di erstmol, Jens. Du weeßt doch; Tatjana is even ´n fründelk Wicht. Dat is se doch to elk un een. Dat mutt doch nix bedüden.

 

Jens:          Ha, Du hest ja kien Ahnung, Alma. Tatjana hett hum sogor to uns Einzugs-Fest inladen; dat seggt ja woll alls. Pah – ´n sibirischen Möbelpacker.

 

Tatjana:     Warum sagst Du das – und dann so abwertend? Arbeit ist Arbeit. Du packst 8

                  Stunden am Tag Schokolade ein in einer Fabrik. Ist das ein Traumjob vielleicht ?

 

Jens:          Wenn ik as Lakierer kien Job kriegen kann... Ik bün mit mien Arbeitsplatz bestens tofree !

 

Tatjana:     Johannes auch !

 

Alma:        Oh Mann... dat is doch kien Weltunnergang, blots wiel Tatjana dissen Fohrer van dat Möbelhuus to d´ Einzug inladen hett. Du weeßt doch gor nich, off he ok kummt, Jens.

 

Jens:          Och nee ??? - Du harrst hum mol hören sullt, Alma: (äfft nach:) „Aber sicher komme ich zur Einzugsfeier; Frau Mayer - es ist mir sogar eine Freude.“ - Un Tatjana dorup: „Ach, sagen Sie doch Tatjana, Herr Schmik. Das klingt doch viel persönlicher, nicht wahr ?“ – Un he: „Aber ja, lass uns gleich beim DU bleiben – ich bin der Johannes“. – Böah, schlecht is mi bold worden. Disse Schapsbuck. - Wat findst Du blots an disse Kerl ? Bloß wiel he mehr Muskeln hett as ik? Oder wiel he ok ut Russland kummt ? Dat harrst Du Di vör uns Upgebot overleggen mußt.

 

Tatjana:     Er ist ein netter Mann, das ist alles. Und Du bist in letzter Zeit so... so...

 

Jens:          Ja ? Ik hör ?

 

Tatjana:     So kurz zu mir.

 

Jens:          (zu Alma:) Oh, nu spölt se de vernachlässigte Noch-Nicht-Ehefrau. Un söcht Trost bi Möbel-Tarzan Johannes. Wenn dat nu al so is, kann dat ja in uns Ehe heiter worden.

 

Alma:        (steht da, will was sagen, weiß aber nicht mehr weiter)

 

Tatjana:     Wenn Du immer nur bist eifersüchtig – damit kann ich auch nicht leben. Außerdem - noch sind wir nicht verheiratet.

 

Alma:        Tatjana, nu geihst Du aver to wiet !

 

Jens:          Laat hör doch, Alma. Ik weet woll; wenn ik jeden Tag Not hebben mutt, dat se dat mit ´n annern drifft, dann...

 

Alma:        (schnell) J E N S !!!

 

Tatjana:     (lauter, steht nun auf) Wenn Du mir wirklich traust zu so etwas schlechtes, dann weiß ich nicht ob wir heiraten sollten überhaupt !

Jens:          Fein, dat Du nettso denkst as ik. Un falls Du dat noch nich weeten sullst – Johannes Schmik is noch Junggeselle – na, wo was dat mit hum ?

 

Alma:        Nu büst Du aver still, Jens ! Un Du hörst ok up, Tatjana. Jo gahnt seeker de Nerven dör na de Huusbau. Nu vertragt jo un vergeet gau weer, wat ji jo nett an d´ Kopp schmeeten hebbt. (kurze Pause) Na, word dat bold !

 

Jens:          (nach einer weiteren kleinen Pause, immer noch kurz:) Also, wat hest Du mi to seggen ?

 

Tatjana:     Ich weiß nicht. Ich denke, wir beide brauchen etwas Zeit um nachzudenken über das alles.

                  Ich kann nicht so schnell verzeihen. Du hast mir sehr weh getan.

 

Alma:        Oh nee.

 

Jens:          Un wo lang sall disse Tied wesen, Frau Mayer?

 

Tatjana:     Weiß nicht. Aber ein paar Tage wird es dauern, denke ich.

 

Jens:          As Du wullt. Aver up ´n Entschuldigung van mi kannst Du lang wachten. Alls is heel alleen Dien Schuld.

 

Tatjana:     (ironisch:) Ja sicher. – Und wie wollen wir verbringen die Nächte bis zur Entscheidung ?

Jens:          Woll beeter getrennt !

 

Tatjana:     Denke ich auch.

 

Jens:          Wo sall dat utsehn ?

 

Tatjana:     Nun, ich werde schlafen in unserem Haus; Du nimmst für die nächsten Tage das Gästezimmer von Alma oder unser altes Schlafzimmer hier.

 

Jens:          Na good.

 

Alma:        (zaghaft) Oh, dat ist schlecht im Moment. Ik kann wohrschienlik kieneen mehr unnerbrengen in de nächste Dagen. Deiht mi leed.

 

Jens:          Bitte ?

 

Alma:        Na ja, wo sall ik seggen ? Ik bün beleggt.

 

Tatjana:     Was soll das heißen, belegt ?

 

Alma:        De Gastenkamer is beleggt. Un seeker bruuk ik ok noch jo oll Slapstuve. Ja, ji hebbt doch al dree Nachten in jo neije Huus schlapen. Do hebb ik ok even plant. Well kunn denn ahnen, dat ji nochmol torüchkomen ?

 

Jens:          Bitte ? – Spinnst Du nu, Alma ? Well wohnt hier denn bi Di ? Kannst Du bitte düdelker worden ?!

Alma:        Nu fragt doch nich langer. Dat is even so un basta. Hier is för jo kien Bott de nächste Dagen.

 

Tatjana:     Gut. Dann schläfst Du eben in unser Haus und ich werde nächtigen bei Alma im Ehebett, okay ?

 

Jens:          Ja, dat harrst Du Di so docht. Du glövst doch nich in ernst, dat ik mi in dat Bett legg, wat disse sibirische Schaps-Buck upstellt hett.

 

Tatjana:     Das hat Dir doch auch die letzten drei Tage ausgemacht nichts.

 

Jens:          Do wüß ik ok noch nich, dat disse Mister Schmik dat Bett tosamenbaut hett.

 

Alma:        Oh Gott, Kinner – nu fangt doch nich al weer an.

 

Tatjana:     (sehr „sauer“; geht zur Tür nach hinten) Wie Du willst. Mir macht es aus gar nichts, in diesem neuen Bett zu schlafen, welches hat Johannes aufgebaut. Du kannst hingehen, wo wächst der Pfeffer, Jens Ritter. (wütend ab)

 

10. Szene

 

Alma:        Jens, nu hol hör torüch – dat ist ja nich to faten.

 

Jens:          Nee. Se will dat so un so sall se dat hebben.

Alma:        (seufzt) Du leeve Tied.

 

Jens:          (dann etwas ruhiger) Alma, ik kann doch hier blieven, oder ? Dat was doch blots Spaß van Di, dat de Kamers nich mehr free sünd, oder ? Ik slap ok gern up de Couch.

 

Alma:        Up de Couch ? Ja, seeker. De kannst Du hebben, wenn Du wullt. Dat is blots... wo sall ik seggen ?

 

11. Szene

 

Heinrich:   (kommt von links) Moder ? – (kommt weiter ins Zimmer herein) Jens Ritter, hebb ik recht ?

 

Jens:          (völlig verdutzt, dass Heinrich noch da ist)

 

Alma:        Wat is denn, Heinrich ?

 

Heinrich:   Wenn dat nich tovöl verlangt is – ik harr vandavend so ´n Jieper up Pannkoken. Lett sück dat inrichten ?

 

Jens:          Ik faat dat nich. Wat is hier los ? - Heinrich Hansen will doch nich etwa bi Di wohnen, Alma, oder ? Na al de Johren ?

 

Alma:        Weeßt Du...

 

 

 

 

12. Szene

 

Fridolin:    (kommt nun auch von links herein) Mama, hest Du viellicht doch ´n Koppseertablett för m... (sieht nun Heinrich) Heinrich, Du ?

 

Jens:          Fridolin Hansen ok ? – Alma, wat geiht hier off ?

 

Heinrich:   (ebenso überrascht) Fridolin ? Wat maakst Du denn hier ?

 

Alma:        Mann oh Mann – dor krieg ik old Menschke up een Slag dree vertwiefelte Mannlüüd in ´t Huus. Dat is ok för mi tovöl. Is dat hier ´n Männerhuus oder wat ? (läßt sich in einen Sessel oder auf einen Stuhl fallen, dann fällt auch der Vorhang)

 

Ende des ersten Akts

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Zweiter Akt

 

                  (Drei Tage später, Dienstag, mittags. Wenn der Vorhang sich öffnet, sitzen Alma, Heinrich, Fridolin und Jens am Tisch. Dieser ist gedeckt mit Tellern, Schüsseln, Besteck u.a., sowie vier Puddingschälchen. Alle vier essen gerade den Rest von ihrem Pudding)

 

1. Szene

 

 Heinrich:  Hhmmm... lecker Moder.

 

Alma:        Machst Du noch wat ? Hier is noch ´n Rest in de Kumm.

 

Heinrich:   Nee danke; ik platz futt.

 

Fridolin:    Puuh... ik ok. Wenher harr ik toletzt een so lecker Mittagessen ? – Mann, dat is lang her.

 

Alma:        Freit mi, wenn jo dat schmeckt hett. (räumt das Geschirr zusammen) Jens, Du noch Pudding ?

 

Jens:          (immer noch etwas mürrisch) Blots nich.

 

Alma:        Du hest ja sowieso bold nix eeten. Hest Du Bedenken, dat Dien Hochtiedsanzug dann nich mehr passt ?

 

Jens:          (steht auf) Witzig, Alma. De kann sowieso weer wegbrocht worden. Ik bruuk de heel seeker nich mehr. Dree Dag hett Tatajana  nu al nich mehr mit mi prot. Kannst Du mi bitte mol seggen, wo man sück dor noch mit Genuss de Liev vullhauen kann ? (abgehend nach hinten)

 

Alma:        Na ja, Du büst aver just so stur as Tatjana. Viellicht sullst Du mol de Anfang maken un...

 

Jens:          (ist schon ab, „knallte“ die Tür zu)

 

Alma:        (schaut ihm sprachlos hinterher mit Geschirr in der Hand)

 

2. Szene

 

Heinrich:   (und Fridolin helfen Alma beim Zusammen-räumen, evtl. stellen sie Teller usw. auf ein Tablett) Is düchtig dicke Luft bi Tatjana un hum, wa ?

 

Alma:        Ja, bedröft is dat. So tomol siet güstern. Un utgerekent so kört vör de Hochtied. Ik denk, ik mutt de beiden mol düchtig de Kopp waschen.

 

Fridolin:    So ´n Arger. Un wi beid liggen Di nu ok noch to Last.

 

Alma:        Ik hebb mi mehr as 25 Johr lang um jo kümmert. Dat hebb ik ok noit as Arbeit sehn. Ji liggen mi nich to Last. Ik frei mi, dat ji bi mi sünd. Obwohl – dat is ja eenlik ok kien Lösung, wat ji hier nu maken.

 

Fridolin:    Hörst Du Heinrich ? Mama is doch heelmol overfordert mit uns. Un dat nu al 3 Dag.

 

Alma:        Och Quatsch. Ji weeten genau, wo ik dat meen. Ik hebb mi alltied wünscht, dat

                  wi uns irgendwenher mol up een vernünftige Art un Wies weertreffen un uns utproten – all veer – ok jo Frauen. Aver dat hier – dat ist ja Körperverletzung, wat de Wieven mit jo maken. Worum laat ji jo denn sowat blots gefallen ?

 

Heinrich:   Tja, dor fragst Du uns wat. Dat liggt woll an de Erbfaktoren.

 

Alma:        Mach wesen. Jo Vader was ok so week. Elk un een kunn hum up d´ Kopp rumdanzen. – Aver Dien Geschicht mit de Gabelstapler, Fridolin, de hebb ik Di futt nich offköfft. Dor wassen tovöl Fehlers in. (geht schon mit Geschirr zur Küche)

 

Fridolin:    Deiht mi leed, Mama. Dat was mi eenfach to peinlich, Di to vertellen, dat Gesine mi binannerhauen hett. (folgt ihr mit Geschirr)

 

Heinrich:   (wischt derwiel den Tisch mit dem Ellenbogen ab, spricht etwas lauter zur Küche:) Aver kiek mol Moder – Fridolin un ik könnt Di doch moij to Hand gahn hier. Du hest dann ´n heel büld minner Arbeit, un alleen büst Du dann ok nich mehr – wiel doch Jens un Tatjana bold uttrecken.

 

Alma:        (kommt zurück, hat einen feuchten Lappen dabei, sieht, was Heinrich da macht, schüttelt mit dem Kopf) Jung, wat maakst Du denn dor? (wischt den Tisch dann ab) Hiermit maakt man dat !

 

Fridolin:    (kommt zurück) Heinrich hett recht, Mama.

 

Alma:        Ik verstah jo ja. Ik frei mi ok, dat ji bi mi sünd. Aver ji könnt doch nich eenfach bi jo Fraulüüd weglopen un hier weer intrecken. Ji sünd verheirat. Okay, wenn dat gor nich mehr geiht, dann mutt man sück scheeden laaten, aver eenfach weer na d´ Moder flüchten – dat is eenfach kien good Weg. So geiht dat even nich.

 

Fridolin:    Also, ik gah freewillig nich weer na Huus.

 

Heinrich:   Mi sücht Katrin ok so gau nich weer.

 

Alma:        Ik verstah jo ja. Aver ik hebb dor tosamen mit Tatjana al so ´n lüttjen Plan. Immerhen sünd ji dejenigen, de dat Geld verdeenen. De Frauen bruuken jo nich – aver jo Geld.

 

Fridolin:    Ja, aver Gesine hett siet güstern kien Vullmacht mehr over mien Konto.

 

Heinrich:   Katrin van mien ja ok nich mehr. – Ik weet nich Moder – was dat woll so ´n good Idee van Di, dat wi futt na d´ Bank hengahn sünd un uns Konten för uns Frolüüd sperren laaten hebbt ?

 

Alma:        Aver seeker. Un bestimmt söken se nu al na jo.

 

Fridolin:    (schon weinerlich) Eben !

 

Alma:        Wo hebb ji jo dat Leven nu denn vörstellt ? Wo sall dat wiedergahn ? Ji gahnt elke Dag hen to schuften; un jo Fraulüüd, mit de ji kien Wort wesseln un jo verhauen, verpulvern dat dann jo stur verdeent Geld ? – Sowiet kummt dat seeker nich. Nich, solang ik noch dor bün.

 

Fridolin:    Wi kunnen hier doch fein bi Di blieven – för immer. - Ik mook hier sogor in d´ Huushollen alls, Mama. Waschen, pletten, Stoff wischen un suugen, dat muß ik tohuus ok immer. Dat kann ik heel good.

 

Heinrich:   Un ik kunn all technische Pannen lösen un de ok gern mol koken för uns dree. Na, wat holst Du dorvan, Moder ?

 

Alma :       Och Jungs – ji meenen dat so good – aver so geiht dat nu mol nich.

 

 

 

3. Szene

 

Tatjana:     (kommt von rechts herein, trägt einen Einkaufskorb bei sich) So, ich gehe dann schnell einkaufen. Ich bringe auch Dir alles mit, was Du hast aufgeschrieben, ja ?!

 

Alma:        Oh ja, dat is nett, Tatjana. Hest Du Di genug Geld mitnohmen ?

 

Tatjana:     Ja, habe ich. 50 Euro. Das sollte reichen. Haben die Herren auch noch irgendeinen Wunsch ?

 

Heinrich:   Völen Dank; Tatjana. Wi kriegen hier bi uns Moder alls wat wi bruken.

 

Fridolin:    (wieder weinerlich) Ja – fragt sück blots, wolang noch. Du hörst doch, wat Mama seggt. So kann dat hier nich wiedergahn, seggt se.

 

Alma:        Nu brull doch nich al weer.

 

Tatjana:     Entschuldigt – aber Alma hat doch nicht ganz Unrecht. Das wird Dir doch sicher alles zuviel, oder ?

 

Alma:        Kein Bang. Hier passeert ja nu wat. Tatjana – hest Du anroopen ?

 

Tatjana:     Jawoll – habe ich.

 

Fridolin:    Anroopen ? Wor hett se anroopen ?

 

Alma:        Wacht dat man off, Jungs. Dat is mögelk, dat jo Frolüüd doch nochmol to Verstand komen un sück annern.

 

Heinrich:   Dor glöv ik nich mehr an. Dat Beste is, wi laaten uns scheeden.

 

Tatjana:     Scheidung ? – Bedenkt doch nur, was da auf allen zukommen wird. Vor allem werden die Frauen mit allen widerlichen Mitteln arbeiten, um ordentlich Geld aus diesen Scheidungen zu schlagen; das wird eine schlimme Schlacht. Ich habe die Frauen kennengelernt – ich weiß, wovon ich rede.

 

Heinrich:   Dor hett Tatjana recht.

 

Fridolin:    Ja, dat word nich eenfach – un bit wi endlich schett sünd, maaken se uns dat Leeven to d´ Hölle. (wieder weinerlich) Wenn wi de Scheedung overhaupt overleeven.

 

Heinrich:   Ja, aver – wat hebb ji denn för ´n Plan ?

 

Tatjana:     Einen sehr guten – zumindest hoffe ich das. Ich habe schon alles vorbereitet dafür. Zusammen mit Alma. Es war ihr Wunsch.

 

Alma:        Ja, so is dat. Dorbi sull Tatjana sück eenlik nu leever um sück un Jens kümmern. --- Ji hebbt doch – weet Gott – nu sülmst Probleme genug, oder ?

 

Tatjana:     Eben darum ja habe ich das gemacht. Ich grüble seit 3 Tagen nur herum – da ist eine neue Aufgabe für mich eine gute Abwechslung zu meinem eigenen Kummer.

 

Alma:        Aver ji mutten doch ok endlich mitnanner in ´t Reine komen – immerhen will ji bold heiraden.

 

Tatjana:     Das ist noch gar nicht klar. Erstmal geht es nun um diese Männer hier.

 

Heinrich:   Moder, wat hebb ji vör ?

 

Tatjana:     Den Frauen einfach das Geld entziehen oder sich scheiden lassen – das ist keine Lösung. Was Katrin und Gesine brauchen – das ist ein Denkzettel. Wir müssen sie zwingen, das sie ändern ihren Charakter. Und damit sollten wir sofort anfangen.

 

Fridolin:    Gesine brengt mi um, wenn ik hör wat do.

 

Heinrich:   Katrin is ok to eeniges in d´ Stand.

 

Tatjana:     Und gerade das ist der Fehler von Ihnen beiden. Sie müssen endlich mal hauen mit der Faust auf den Tisch. (tut dies) Zeigen Sie den Frauen, wer der Herr im Hause ist !

 

Heinrich:   Dat wag ik nich.

 

Fridolin:    Nee, ik ok nich.

 

Tatjana:     Ich habe gerade beide Frauen angerufen und sie gebeten, dass sie bitte hierherkommen.

 

Fridolin:    (springt sofort auf – falls er sitzt; Heinrich ebenso) W a t ??? (wieder weinend) Oh nee... dat is doch nich wohr, oder ?

 

Heinrich:   Wat sall dat denn ? Moder, un Du hest sogor Dien Tostimmung dorto geeven ?

 

Alma:        Ja, dat hebb ik. Ji weeten genau, dat ik bold Gebursdag hebb. Un mien grötste Wunsch is alltied west, dat mien heel Familie in Harmonie binanner sitt an disse Dag. Un ok, dat ik jo overhaupt nich in mien Testament bedocht hebb, siet de Vörfall hier vör Johren – dat maakt mi heel krank. Un dorum will ik weeten, off dat nich doch noch to annern is.

 

Tatjana:     Das ist doch eine gute Idee. Und wir drehen den Spieß nun um. – Passt auf: (will gerade erzählen, als man von hinten schon...)

 

Katrin:       (...und Gesine aufgebracht reden hört) Na, de kann wat beleeven, dissen Kerl. Sück hier bi Mama verkrupen, dat sall hum ok woll nix nützen.

 

Alma:        Dor sünd se al.

Heinrich:   (ängstlich) Oooh…, wat maak wi denn nu?

 

Gesine:      (von hinten) Fridolin sall mi nu mol so richtig kennenlernen. Ik hau hum windelweek.

 

Fridolin:    (blitzschnell ab nach links, weinerlich) Ik hau off.

 

Alma:        Am besten, wi verdrücken uns erstmol al. Kumm; Du ok, Tatjana. Inkoopen kannst Du laater noch. (zügig ab nach links, gefolgt von Heinrich und Tatjana)

 

Tatjana:     Ist vielleicht der beste Weg. (ab)

 

Heinrich:   Oh nee, oh nee... (ab)

 

4. Szene

 

Katrin:       (kommt herein, gefolgt von Gesine. Beide sind recht nobel gekleidet, beide mit Handtaschen, wirken äußerst aufgebracht) Na, dat hebb ik mi docht. Kiek Di dat an hier, Gesine – all neije Möbel. Dorför smitt uns Oma dat Geld rut.

 

Gesine:      Ja, hett sück ´n heel büld dohn hier in de letzte fiev Johr. (schaut sich auch um)

 

Katrin:       Ik kann gor nich glöven, dat ik hier bün. Kien een Cent is hier to holen, wenn uns „leeve“ Schweegermoder mol nich mehr dor is. Se hett doch alls dit Russen-Früchtchen un de hör tokünftig Kerl verarft in hör Testament.

 

Gesine:      Ja leider.

 

Katrin:       Noit prot ik weer ´n Wort mit mien Schweegermoder. Dor kann se Gift up nehmen.

 

Gesine:      Un wor sünd uns Mannlüüd nu ?

 

Katrin:       (ruft energisch:) Heinrich Hansen, wenn Du Di hier verstoppst, dann kom sofort rut – anners kannst Du wat beleeven !

 

                  (nichts passiert)

 

Gesine:      Wenn dit Fräuleinchen uns hier vegebens herlockt hett, dann flipp ik ut.

 

 Katrin:      (geht zu einer Vase, die auf einem Schrank steht, schaut darunter) Meissen – is dat wat wert ?

 

Gesine:      Meissen is good Porzellan. Un wenn de ok nich antik is – up d´ Flohmarkt kriggst immer 10 bit 20 Euro dorför.

 

Katrin:       (öffnet die Handtasche, verstaut die Vase darin)

 

Gesine:      Dat is doch ok kien Lösung.

 

Katrin:       Kannst Du mi denn bitte mol vertellen, worvan wi in Tokunft leeven söllnt, wenn de Kerls uns de Togang to ´t Bankkonto sperrt hebbt ?

 

Gesine:      Ha, dat könnt se gor nich maken. De könnt wi verklagen, wenn wi willen. Noch sünd wi mit hör verheirat.

 

Katrin:       Ja, leider.

 

Gesine:      Wo denkst Du eenlik over Scheedung ?

 

Katrin:       Worto ? Solang wi finanziell unabhängig sünd, kann Heinrich gern mien Kerl blieven. Dat krieg ik al weer hen – anners ward he sien heel Leeven nich weer glückelk, dor sall ik woll för sörgen. – Un – Spass hol ik mi sowieso al siet Johren bi anner Mannlüüd.

 

Gesine:      Is nich wohr ?!

 

Katrin:       Aver seeker. Du glövst doch nich in ernst, dat ik mit so ´n Drömbüdel as Heinrich Hansen noch in ´t Bedd gah.

 

Gesine:      Also, dat harr ik mien Schwägerin nu wirs nich totrood.

 

Katrin:       Du wullt doch nich ernsthaft behaupten, dat Du un Fridolin noch mitnanner..., nee, segg, dat dat nich Dien ernst is.

 

Gesine:      Docht hebb ik dor woll al an – man frömdgahn bün ik noch nich – wirs nich.

 

Katrin:       Du mußt ja weeten, wat Du deihst – moj dumm – mehr kann ik dorto nich seggen.

                  Mi ward dat hier bi lüttjen aver to blöd. Willen de uns hier to ´n Narren holen, oder wat ? (ruft nochmal laut:) Hallo...

 

5. Szene

 

Alma:        (kommt wieder herein, sie wirkt nun sehr gefasst, aber auch nicht besonders freundlich) Gooden Dag, de Damen.

 

Katrin:       (überrascht, dass sie ihre Schwiegermutter vor sich sieht, aber sehr kurz, wendet sich auch gleich ab) G´n Dag.

 

Gesine:      (ähnlich) Moin.

 

Alma:        Dat wi uns hier in d´ Arms fallen, na al dem wat west hett, is woll nich anbrocht, denk ik.

 

Katrin:       Tsss...

 

Alma:        Ik weet, dat ji nich besünners doran interesseert sünd, jo hier mit mi to unnerholen; un dat geiht mi nettso. Aver dat is immer noch mien Huus und Heinrich un Fridolin hebbt mi bitt, dat ik jo wat seggen sall.

 

Katrin:       Kann ja woll nich wohr wesen.

 

Alma:        Is aver wohr. – Un nu hört good to – ik vertell dat blots eenmol.

 

Gesine:      (setzt sich)

 

Alma:        Ik hebb nix dorvan seggt, dat ji jo hensetten söllnt.

 

Gesine:      (steht wieder auf, empört) Dat is dann doch...

 

Katrin:       (nimmt Gesine schon am Arm) Kumm Gesine, dat hier is unner uns Niveau. Dat is wat för uns Rechtsanwälte.

 

Alma:        Ja, dor gaht man hen. De söllnt ji woll bruken, nadem jo Mannlüüd de ok al upsöcht hebben.

 

Katrin:       (und Gesine waren schon an der Tür nach draußen, drehen sich um, sehr erstaunt) Bitte ?

 

Alma:        Ik will gor nich lang um de heet Bree proten. Ik weet alls, wat vörfallen is. Heinrich un Fridolin hebbt jo beid anzeigt wegen Körperverletzung. Un beid hebbt mitlerwiel ok de Scheedung inreicht. Ji hebbt kein Kinner – un wenn dat ärztliche Gutachten van beid Mannlüüd vörliggt, sall dat woll gau over d´ Bühne gahn, denk ik. Dat Heinrich un Frido för jo de Bankkonten sperrt hebbt, dat mutt ik jo seeker nich mehr vertellen. Siet ji verheirat sünd, hett nich een van jo Frolüüd ok blots ´n halben Euro verdeent – alltied hebb ji blots van dat Geld van Heinrich un Fridolin leevt. Van dat Geld, wat ik de beiden in jo erste Ehejohren tostoppt hebb, will ik gor nich proten.

 

Katrin:       Segg mol, wat denkst Du eenlik, well...

 

Alma:        Ik bün noch nich klor ! – Jo beid Huusen stahnt alleen up de Naam van Heinrich un Fridolin. Dat was de beste Infall, de ik domols hatt hebb. Na ja – ik hebb ja ok bold elke Euro för jede Steen dorför henbladert.

 

Katrin:       Pluster Di man noch mehr up.

 

Gesine:      Un wat wullt Du uns dormit nu seggen ?

 

Alma:        Dat ji an ´t End sünd – all beid ! Wenn de Scheedungen und de Klagen dör sünd, dann stah ji mit nich mehr dor, as dat, wat ji nu up ´t Liev dragen.

 

Gesine:      (muß weinen) Oh Gott, dat kann ja woll nich wohr wesen.

 

Katrin:       Riet Di tosamen, Gesine. Dat is doch al offmaakt Spill hier. Un dorto kummt dat erst gor nich. Wor is mien Heinrich ? De will ik helpen, dit Mama-Söhnchen. Denn Du, mien „leeve“ Schweegermoder, hest mi ja woll gor nix to seggen.

 

Alma:        Ha, Du maakst mien kein Not mehr, Katrin. Dat hest Du lang genug dohn. Nu sünd mien Jungs un ik an de Rieg.

 

Gesine:      (verzweifelt, dann zu Katrin:) Aver wenn Frido un Heini dat wirs so maken, as Oma dat seggt, dann... dann... – dat is wirs uns End Katrin.

 

Alma:        Allerdings. Vör allem, wiel dat ärztlich Gutachten nix anners beseggt, as dat de Verletzungen dör körperliche Gewalt entstahn sünd.

 

Katrin:       Dat laat se uns man erstmol bewiesen, dat wi dat west sünd.

 

Alma:        Kien Problem. Elf Tügen stahnt up uns Liste, de wi bi d´ Anwalt offgeeven hebbt. Ji hebbt de beiden nämlich ok faker mal in de Öffentlichkeit een over d´ Ohren trucken. Wenn se Fieravend harren, stunnen dor genug Arbeitskollegen bi – off in d´ Supermarkt, wenn de Mannlüüd d´ Knippke vergeeten harren.

 

Gesine:      Oh neeee.... de weet alls, Katrin.

 

Alma:        Dat was ´t, mien Damen. Kien Dack mehr over d´ Kopp, kien Cent in d´ Portemonaie, kien Mannlüüd mehr – dat sünd denkbor schlechte Utsichten, nich wohr ?!

 

Katrin:       (gibt jetzt auch auf) Gesine, dat.... se... ik glöv, se hett recht. (beginnt, während sie diesen Satz noch ausspricht, zu weinen, fällt Gesine dann in die Arme, die ebenfalls „heult“)

 

Alma:        (immer noch sehr gefasst) Dat is mol ´n fein Bild. Dorup hebb ik lang wacht.

 

Katrin:       Ja, dat maakt Di woll Spaß uns so to sehn, wa?!

 

Alma:        Ik glöv, dat dor ok ´n heel büld Schmerzensgeld up jo dohl kummt. Un wenn man mittellos is – so as ji – dann denk ik, mutt dat woll mit Knast bestraft worden. ´n anner Mögelkeit gifft dat ja leider nich.

 

Katrin:       (und Gesine umarmen sich heftiger, „heulen“ lauter) Ik seh mi al bi RTL in Reutlitz bi Frau Baal un Kittler un Walter.

 

Alma:        Hört up ! Sofort ! Dat kann man ja nich mit ankieken. - Heinrich un Frido hebbt jo aver een allerletzte Frist sett.

 

Katrin:       (und Gesine beruhigen sich langsam) Frist ? Wat sall dat heeten ?

 

Alma:        Tja, ik was ja dortegen, aver de Wunsch van mien Jungse will ik natürlik nich in d´ Patt stahn.

 

Gesine:      Wat... wat meenst Du denn nu genau ?

 

Alma:        Jo Mannlüüd willen van de Anzeigen un viellicht ok van de Scheedungen offsehn. Unner 2 Bedingungen.

 

 

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