Lange danach gesucht - auf Ibiza 2012 endlich gefunden
Musiker gesucht

 

„Stiekeldraht um ´t Himmelbedd“

                  

 

 

Komödie in 3 Akten

 

von

 

Helmut Schmidt

 

 

 

 

 

 

 

Inhalt:

 

Die recht vermögende Witwe Alma Hansen quält sich seit Wochen mit Schmerzen in den Knochen. Ihr Arzt rät ihr zu einer Kur; Alma`s Söhne Heinrich und Fridolin sind sich nicht ganz einig über diesen Vorschlag, doch ihre beiden Schwiegertöchter Katrin und Gesine reden ihr dieses immer wieder aus. Eine Kur sei zu anstrendend für Alma – in Wirklichkeit befürchten die Frauen aber, Alma könnte dort wieder richtig gesund werden. Und da beide Ehepaare in finanziellen Schwierigkeiten stecken, und Alma neuerdings auch noch über Herzbeschwerden klagt, käme das Erbe von ihrer Schwiegermutter ganz passend. Ein Dorn im Auge ist den Kindern allerdings die neue Haushaltshilfe Tatjana. Das junge Mädchen ist eine sogenannte Deutsch-Russin und rät Alma letztenendes doch, zur Kur zu fahren. Und Alma fährt ! Vier Wochen später kommt sie wie neugeboren zurück. Keine Knochenschmerzen mehr, fast um 20 Jahre verjüngert; und hat sich zum Übel der Kinder auch noch einen Kurschatten angelacht, der auch sofort vor der Tür steht, mit dem sie – angeblich – schon über eine Hochzeit gesprochen hat. Nun müssen die Kinder andere Geschütze auffahren, damit dieses nicht geschieht und das Testament nicht geändert wird. Mit fiesen Anschlägen trachten sie Alma nach dem Leben. Da werden Bomben ins Klo eingebaut und starke Herzmittel in den Tee gemischt. Aber mit der Hilfe von Tatjana durchschaut Alma langsam das üble Spiel ihrer Kinder und schlägt zurück...

 

 

 

 

 

 

 

Personen:  3m/4w      1 Bühnenbild – Wohnküche

 

 

Alma Hansen           -    (ca. 70-80 Jahre)

 

Heinrich Hansen      -    Alma´s ältester Sohn (ca. 45 J.)

 

Katrin                       -    seine Frau (ca. 40 Jahre)

 

Fridolin Hansen       -    Alma´s jüngster Sohn (ca.40 J.)

 

Gesine                      -    Fridolin´s Frau (ca.40 Jahre)

 

Tatjana Mayer          -   Alma´s Haushaltshilfe (20-25 J.)

 

Jens Ritter                 -   Alma´s Kurschatten (25-30 J.)

 

 

 

 

 

 

Spielzeit: Herbst in der Gegenwart

 

 

Spielort: Dorf im niederdeutschen Sprachgebiet

 

 

Spieldauer: ohne Pausen ca. 100 Minuten

 

 

 

 

Bühnenbild:

 

Die Wohnküche von Alma Hansen. Sie ist noch recht altmodisch eingerichtet, wie in den 70er Jahren. Ein Sofa, zwei Sessel, Schrank und Tisch. Hinten ein Fenster mit schlichten Gardinen und Vorhängen.

Nach hinten geht eine Tür zum Flur nach draussen und zur Toilette, nach links eine zur Küche und rechts eine dritte zum Schlafzimmer. An den Wänden einige Fotografien (Hochzeitsfotos von Alma´s Kinder, sowie von ihrem verstorbenen Mann) Irgendwo das Telefon. Alles weitere (Regale, Fernseher, Radio, Blumen usw.) bleibt den Bühnenbildnern überlassen.

 

 

 

 

 

 

 

 

Erster Akt

 

                  (Wenn der Vorhang sich öffnet, ist Katrin damit beschäftigt, das Zimmer auszumessen. Sie macht dieses mit einem Zollstock, schreibt dann mit einem Stift in einem Block die Maße auf. Heinrich steht etwas abseits und schaut sich die Aktion seiner Frau an)

  

1.Szene

 

Katrin:       Na ja – twee Kamers van disse Wohnköken is amenne doch ´n bietje lütjet. Meenst Du nich ok, Heinrich ?

 

Heinrich:   (hört gar nicht zu)

 

Katrin:       (etwas genervt und dann lauter:) Heinrich !

 

Heinrich:   (leicht erschrocken) Bitte ? Wat hest Du seggt, Katrin ?

 

Katrin:       Wenn wi dat Huus verhüren willen – dat is doch nich so ´n gooden Idee, dor twee Mietwohnungen van to maken. Man will dat ja immerhen ´n bietje komodig hebben. Off wat meenst Du ? – Na, nu segg doch mol Dien Meenung !

 

Heinrich:   Mien Meenung – ja. Also, ik meen, dat wi uns dorover erstmol gor kein Gedanken

                  maken sullen. Wi weeten doch gor nich, off Moder uns dit Huus jemols verarft.

 

Katrin:       (legt den Zollstock zusammen) Seeker deiht se dat. Immerhen büst Du hör ollste Jung. Dann steiht uns ok dat Huus to. Un mit Dien duddige Brör Fridolin ward wi al klor. – Eenlik bruuk wi gor nix maken an dat Huus. Kann so verhürt worden. Verflixt aver ok, dat dat nich grood genug is för twee Familien.

 

Heinrich:   Laat uns dor doch van uphören, Katrin. Wenn Moder uns hört.

 

Katrin:       Wat büst Du eenlik för ´n Kerl ? Eenmol kummt de Dag, dann mutt wi uns dor Gedanken over maken, wat mit dit Huus passeeren sall. Un dann ? Ja, dann kummt alls tomol up uns dohl. Un wenn ik nu al mol weet, wat hier passeeren sall is dat bloß van Vördeel.

 

Heinrich:   Dat is in twintig Johr ok noch fröh genug.

 

Katrin:       Du glövst ja woll noch an d´ Wiehnachtsmann, wa ?!

 

2. Szene

 

Tatjana:     (kommt mit einem Staubsauger von links herein; ist etwas erschrocken, als sie die Anwesenden sieht) Oh...

 

Katrin:       (ebenfalls überrascht, dann aber gefasst) Achnee, dat Fräulein Tatjana. Se sünd ok al wedder hier ?

 

 

 

 

Heinrich:   (eher erfreut über Tatjana´s Anwesenheit) Guten Tag.

 

Tatjana:     (spricht mit russischem Akzent) Ich habe gar nicht gehört, dass Sie sind gekommen herein.

 

Katrin:       Dor könnt Se mol sehn, wo Se uppassen. Hier kann elk un een rin – so as he will. ´n mojen Huushollerske sünd Se.

 

Tatjana:     Wie meinen ?

 

Katrin:       Ja, wie meinen... Lern man erst mal uns Spraak, bevör Du Di mit uns unnerholst.

 

Heinrich:   Katrin, nu is aver good. – Wenn wi nich klingeln, kann Tatjana uns ok nich hören. – Nich wohr, Tatjana ?!

 

Tatjana:     Ja sicher. Hätten klingeln müssen. Dann ich hätte gehört.

 

Katrin:       Nu gaht mi noch al beid up de Nerven; dat kann ik bruuken. – Seggen Se mol – wat spölt dat denn för ´n Rull, off Se weeten, dat wi hier sünd, hä ? Dit hier is immerhen dat Huus van uns Oma – un Se sünd man bloß ´n Putze, de nettakrat twee Week hier is – (leiser) Dorto noch ut Russland. - Nu riskeer hier man kein dicke Lippe, ja ?!

 

Tatjana:     (etwas eingeschüchtert) Wie Frau Hansen meinen. Ich werde saugen später.

 

Katrin:       Dat is up Steh; dat passt nu just gor nich.

 

Tatjana:     (wieder abgehend mit dem Staubsauger, dreht sich dann nochmal um) Soll ich machen Tee für Sie ?

 

Katrin:       Na, dat is ´n Frag...

 

Tatjana:     Wie ?

 

Heinrich:   Meine Frau meint – das wäre sehr freundlich von Ihnen, Tatjana.

 

Tatjana:     Kommen auch anderer Sohn mit Frau von Alma ?

 

Katrin:       Ja, de mussen eenlik al hierwesen. Tee för five Personen. Un wenn ´t geiht ´n bietje zack-zack, ja ?!

 

Tatjana:     Ich werde machen. (ab)

 

 

Katrin:       (schüttelt mit dem Kopf)

 

Heinrich:   (schaut Tatjana lächelnd hinterher)

 

 

 

Katrin:       Kannst Du mi bitte mol seggen, wat Oma sück dorbi docht hett, sück hier so ´n Fromenschke hertoholen ?

 

Heinrich:   Wieso ? Se is doch heel nett. Un Moder hett seggt, ehrlich un flügg is se ok.

 

Katrin:       Du kannst de Menschen woll vör de Kopp kieken, man nich drin. Well weet, wat de vör hett hier ? Ik tro de nich wieder as ik hör smieten kann. Un mit mien kaputte Rügg bün ik so good as overhaupt nich belastbor – dat weest Du ja.

 

Heinrich:   Wi sullen nu erstmol kieken, wor Moder is; meenst Du nich ok ?

 

Katrin:       Na, wor sall se al wesen ? In ´t Bett natürlich. Du hest güstern doch sülmst sehn, wo schitterg hör dat gung.

 

Heinrich:   (geht zum Schlafzimmer) Eben ! Ward nödig Tied, dat wi na hör kieken. (abgehend zum Schlafzimmer)

 

Katrin:       Ja, dann gah doch hen !!!

 

Heinrich:   (ab)

 

3. Szene

 

Tatjana:     (kommt zurück mit einem großen Tablett, darauf fünf Teetassen, Kandis, Milch. Verteilt dieses auf dem Tisch)

 

Katrin:       (von oben herab) Un ? Gifft dat kein Koken vandag ?

 

Tatjana:     (schaut sie verständnislos an)

 

Katrin:       K u c h e n !

 

Tatajana:    Oh, wenn ich gewusst, dass Sie kommen alle, dann ich hätte gebacken für Sie. Vielleicht Sie sollten sich immer anmelden bei Tatjana – dann auch bestimmt Kuchen da.

 

Katrin:       Ja, sowiet kummt dat noch. Un dat wi hier bold elke tweed Dag up Versiet sünd, sullst Du Di ok langsam mol achter de Ohren schrieven. Na ja – wat sall man Di ok al groodartig verlangen ? In Russland was dat woll nich so üppig mit Koken. Amenne weest Du gor nich, wo man richtig backt bi uns.

 

Tatjana:     (verärgert) Ich weiß sehr wohl, wie man backt Kuchen. Ich bin nicht dumm.

 

Katrin:       Oh, Du versteihst uns plattdütsk ja doch beeter as ik doch.

 

Tatjana:     Nur weil ich aus Sibirien hierhergezogen, habe ich dort nicht gelebt hinterm Mond. Und wenn Alma mir gesagt hätte: backe – dann ich hätte gebackt, jawoll. –

 

 

 

 

Sie immer nur nörgeln an mir herum. Nichts ist gut an Tatjana. Alles mache ich falsch für Sie.

 

Katrin:       Huchnee, nu wees doch nich futt insnappt. Du musst Di ok mol in uns Laag versetten. Wi willen immerhen bloß dat allerbeste för uns good Oma. Un Du büst nu siet 2 Week elke Dag ´n poor Stünn bi hör un geihst hör to Hand. Man wat weet wi denn al grood van Di? Bloß dat Du erst siet knapp ´n Johr hier in Dütskland wohnst. Un dat is ja nich alltolang.

 

Tatjana:     Großeltern waren Deutsch. Wurden vertrieben damals. Was können ich dafür ?

 

Katrin:       Ja ja, nu kom man wedder runner.

 

4. Szene

 

Gesine:      (kommt gefolgt von Fridolin von hinten herein) Moin mitnanner. Ji sünd al hier ?

 

Katrin:       Ja, wi sünd ´n bietje erde vandag. Ik äh... muß noch eem wat nakieken hier.

 

Gesine:      So ? (sieht dann Tatjana:) Och, un dat Fräulein van ´t mongolische Volksstamm is ok wedder hier ?!

 

Tatjana:     (wütend ab in die Küche) Oooh....

 

5. Szene

 

Fridolin:    Is se schlecht gelunt ?

 

Katrin:       Schient bold so.

 

Gesine:      Is de hier also immer noch bi uns Oma ? De mutt hier weer verswinden, dat is tomindest mien Meenung.

 

Katrin:       Dor snackst Du mi aver wirs mol ut ´t Hart, Gesine. Du harrst mol hören sullt, wat för ´n Ton de hier nett anslahn hett. Wenn ji hier nich just rinkomen wassen – de was glatt up mi dahl gahn.

 

Fridolin:    Ik find dat Fräulein Tatjana heel nett. Ja, se is direkt wat besünners.

 

Gesine:      Ha, wat is dor denn woll besünners an ? De kannst Du dreihen as Du wullt. Ok de hör Mors blifft alltied achtern.

 

Katrin:       Genau !

 

Fridolin:    Tsss... snackt ji doch. Ik kiek erstmol, wo Moder dat geiht. (ab ins Schlafzimmer)

 

 

 

 

 

 

 

6. Szene

 

Katrin:       (setzt sich, seufzt)

 

Gesine:      (ebenso)

 

                  (kurze Pause)

 

Katrin:       (dann:) Na, hest güstern Avend ok wedder na Dien anonyme Kurs henwest ?

 

Gesine:      (empört) Also... wat bildst Du Di eenlik in, hä? Ik weet gor nich, worvan Du snackst.

 

Katrin:       Hör doch up. Dat weet doch nu so langsam dat heel Dörp, dat Du speelsüchtig büst. – Dat ji jo Auto verkoopen mussen was ja al ´n Ding; man nu hebb ik hört, dat ok jo Huus dick in de Kried steiht bi de Bank – is dor wat van wohr ?

 

Gesine:      Gah doch futt na d´ Zeitung un sett ´n Annonce in ´t Blatt; dann weet dat wirs elke. (überlegt kurz) Dann kannst Du aver am besten futt twee Anzeigen drinsetten.

 

Katrin:       Twee ?

 

Gesine:      Ja twee ! – Meenst Du denn, mi is noch nich upfallen, dat Dien Heinrich al siet dree Week nich mehr na de Arbeit geiht ? Sien Urlaub hett he van ´t Sömmer al hat – ik hebb mi erkundigt.

 

Katrin:       Wat denkst Du eenlik, well Du hier vör Di hest, hä ?

 

Gesine:      Mien leeve Schwägerin, de hör Kerl nu elke Dag in ´t Huus herumsitten hett, wiel he nämlich entlaten worden is bi Bloom un Voss, jawoll. Ik bün nich blöd, Katrin Hansen. Du meenst alltied, dat Du mi geistig hoch overleegen büst, man ditmol hest Du Di anscheeten.

 

Katrin:       (holt tief Luft, antwortet aber nicht)

 

                  (kurze Pause)

 

Gesine:      Un wat is nu ? Hett Di dat de Spraak verslahn, oder wat ?

 

Katrin:       Hör mol to! Wi sünd almitnanner woll kien Engel. Du un Fridolin nettso minn as heinrich un ik. Wat hett dat denn för ´n Sinn, wenn wi uns elke Dag kabbeln ?

 

Gesine:      Wat is dat denn ? Een heel neijen Katrin Hansen ? Tsss...

 

Katrin:       Sitt wi denn nich al in dat sülfge Boot ? Worum kom wi hier denn bold elke Dag her? – Wiel hier in dit Huus uns Rettung liggt. Geev doch to, dat Fridolin un Du dor ok al siet Maanten an denken.

 

 

 

 

Gesine:      Du weest doch seeker al, wo Du disse Kamers hier mol umbaust, oder ?

 

Katrin:       Also, wat Du van mi denkst...

 

Gesine:      Wees doch ehrlich. Uns good Oma Alma hett mehr as 75.000 Euro up hör Sporbook; dit Huus hier is ungefähr nettso völ wert, un dann hett se noch 12 Hektar Bauland in de Karkstraat. – Wi weeten doch almitnanner wat dat för uns heet.

 

Katrin:       Dat uns good Oma Alma heel moj wat achterlett.

 

Gesine:      Un dat wi dat mol arven, wenn se nich mehr dor is.

 

Katrin:       Wo kannst Du woll so denken, Gesine ? Scham Di. Dat hört sück an, as kunn Di dat gor nich gau genug gahn.

 

Gesine:      Katrin, so hebb ik dat nich meent. (zeiht ein Taschentuch hervor, trocknet sich die Tränen) Uns good Omama; nee – ik mach dor gor nich an denken, wenn se eenes Dags mol nich mehr unner uns is. Man Du süchst doch sülmst, wo schitterg hör dat geiht de letzte Weeken. De Knaaken – nu kummt hör schwacket Hart dorto. Wi könnt nu elke Dag mit alls reeken, Katrin.

 

Katrin:       (reibt sich die Hände) Wat, meenst Du, dat dat al so gau geiht ? (dann schnell wieder ernst)

 

Gesine:      Ik will dat nich hopen.

 

7. Szene

 

Heinrich:   (kommt mit Fridolin aus dem Schlafzimmer. Beide haben Alma im Arm)

 

Alma:        (mit Handstock, sehr trist – am besten ganz in schwarz gekleidet, macht einen kranken, schwachen und alten Eindruck) Laat ´t good wesen, Jungs. Mit mien Stock kann ik ok noch alleen lopen.

 

Heinrich:   (und Fridolin führen sie zum Stuhl, lassen sie dann los)

 

Katrin:       (und Gesine sind sofort bei ihr) Oma, dor büst Du ja endlich. Wi hebbt uns al Sörgen maakt. Wo geiht Di dat denn vandag ? (streichelt liebevoll ihre Wange)

           

Gesine:      Oh, Du gefallst mi gor nich, Oma. Kiekt mol wo blass se is. – Föhlst Du Di nich good ?

 

Alma:        (hat sich gesetzt) Och Kinner. Ji sünd alltied so besörgt um mi. Wo geiht mi dat ? Tja, de Knaken rappeln, mien Rüch ward elke Dag wat krummer un ok dat Hart bubbert off un an so arig. Man dat is in mien Oller seeker heel normal, denk ik. Wenn Doktor Plenter ok wat anners seggt.

 

 

 

 

Fridolin:    Oh Mama, so geiht dat aver nich wieder mit Di. Wo was dat denn, wenn Du nich alltied bloß up Dien Huusdoktor hörst, sondern mol na ´n Spezialisten hengungst ? Off mol na ´n Heilpraktiker ?

 

Katrin:       (schroff) Dor hett uns Oma doch al hen west. Al na dree verscheeden Spezialisten ! Du wullt hör doch woll nich noch mehr Unnersökungen tomooden, oder ?

 

Alma:        Katrin hett al recht, Fridolin. Mi kann woll doch kieneen mehr helpen. Ik hebb dat langste End Brood up.

 

Heinrich:   Sowat musst Du doch nich seggen, Moder. (tätschelt ihre Wange wieder)

 

Fridolin:    (macht dieses nun ebenso)

 

Alma:        (wird es jetzt zu bunt, wehrt die Hände ab) Ha, nu hört doch mit dat olle Getätschel up. Ik bün doch kein Teddybär. – Sett jo dor hen (zeigt zum Sofa) un laat mi eenfach tofree, ja?!

 

Heinrich:   (und Fridolin setzen sich)

 

Katrin:       Wullt Du nich leever ´n Küssen achter d´ Rüch hebben, Oma ?

 

Alma:        Nee, laat man. Un dorför hebb ik ja ok Tatjana.

 

Katrin:       Ochja – wor wi al bi ´t Thema sünd. Wat sall dat eenlik, dat de hier immer noch is, Oma ? Gesine un ik sünd bold elke Dag hier un kieken na Di. Un vandag sogor mit Heinrich un Frido. Wi besörgen Di alls, fohren mit Di na d´ Doktor; un wenn ´t wesen mutt suus ik hier ok mol mit ´n Stofflappen dör. Worto betahlst Du de Deern denn noch ? Dat is doch wegsmeeten Geld.

 

Gesine:      Ja, dor hett Katrin heel recht. Een wildfrömde Mensch hollst Du Di hier in ´t Huus. Un dorto kummt noch, dat se ut Russland kummt. – Du hest völ to völ Vetrauen in de Menschen, Oma. Pass man up – eenes gooden Dags haut se mol off mit al Dien hab un Good. Wo kunnst Du hör ok ´n Slödel van ´t Huus geeven ? Man wenn dat mol sowiet komen ist, dann kummt dat groode Jammern. Ik hör dat al: „Harr ik doch bloß up Katrin un Gesine hört“. – Is ja sowieso ´n Ding, dat Du uns kein Wort dorvan seggt hest, dat Du ´n Huushollerske söchst.

 

Katrin:       Richtig ! Unerhört is dat, wenn man ´t genau nimmt.

 

Alma:        Nu hört aver up ! Tatjana is ´n leev Deern. Ik hebb hör hier, dormit ik mol ´n bietje anner Gesellskupp um mi to hebb.

 

Katrin:       Hört jo dat an. Unnerhol wi Di denn nich good ?

 

Alma:        Ja ji – ji jaulen mi elke Dag ´n poor Stünn wat vör, wo dür dat Leeven doch worden is. Dat Schlachter Meiners al weer 50 Cent mehr nimmt för ´n Pund

 

 

 

 

Gehacktes, dat de Benzinpries seeker bold bi 2 Euro* liggt. Dat man elke Euro dreemol umdreihen mutt, bevör man hum utgifft... *(aktualisieren)

 

Gesine:      Ja, dat is doch ok so. Du hest dor nix mit to dohn. Nimmst eenfach wat bi Dien dicke Büld weg.

 

Fridolin:    Gesine, ik weet nich, off Du so mit Moder snaken sullst.

 

Gesine:      Worum nich ? Sowat dürt driest mol up ´n Disk.

 

Katrin:       Ja Oma – ik mutt ok seggen, dat Du uns al mitnanner bannig enttäuscht hest mit disse Tatjana. Wi mutten ja glöven, dat Dien eegen Kinner Di nich mehr good genug sünd.

 

Gesine:      Un bedenk doch mol, wat disse Russen-Deern Di elke Week för ´n Geld kosten deiht. 10 Euro betahlst Du hör in d´ Stünn. Un se is elke Dag dree Stünn hier. Dat reekend mol ut. Dor hett se Di heel moj over ´t Ohr hauen.

 

Alma:        10 Euro sünd up Steh. Un dat hebb ik hör anboden.

 

Heinrich:   Dat is doch ok nich tovöl. Heel in Tegendeel.

 

Fridolin:    Dat stimmt. Dor kunn driest noch wat bi, Moder.

 

Gesine:      (explodiert fast) Ik kann nich glöven, dat disse Worden ut de Mund van mien eegen Kerl komen. Du weest ja woll am Besten wo dür dat Leeven is, oder ? 

                 

Katrin:       (räuspert sich laut) Ja ja, Gesine. Hol Du Di man leever still. Ik segg bloß: Einarmiger Bandit. – Also Oma – wat hest Du nun denn vör mit Tatjana ?

 

Alma:        Ji könnt aver ok Fragen stellen. Wat sall ik denn mit hör vör hebben ? Se blifft hier bi mi, solang hör un mi dat gefallt. – Un ji sünd bitte fründelk to hör, ja ?! De Deern hett dat nich eenfach hier. Se bruukt ´n heel büld Leevde, verstah ji ?

 

Fridolin:    Ik verstah, Moder.

 

Alma:        Un nu laat uns dat Thema wesseln. Laat uns van wat anners snacken.

 

Fridolin:    Dat meen ik ok.

 

Katrin:       Du hörst, dat uns Oma unvernünftig is, Gesine.

 

Gesine:      Tja... man dat letzt Wort is dorover noch nich wesselt.

 

Alma:        Hest Du disse Week Fröhschicht, Frido ?

 

Fridolin:    (will gerade antworten)

 

 

 

 

Gesine:      Seeker Oma. Anners harr he ja nich mitkomen kunnt.

 

Alma:        Un Du Heinrich ?

 

Katrin:       He hett Urlaub, Oma. Bloß vandag.

 

Alma:        (wundert sich) Ja ? Al weer ? Dat kummt aver faken vör in letzte Tied. Ik denk, ji hebbt dat so drock. Hest Du mi nich vör ´n Week noch wat van Urlaubssperre vertellt ?

 

Heinrich:   Tja...äh...

 

katrin:        Dat deiht he bloß, dormit he so faken as dat geiht, bi Di wesen kann, Oma. Avends will wi Di ja nich stören. Du geihst ja alltied up Tied in d´ Bett.

 

8. Szene

 

Tatjana:     (kommt während des letzten Satzes aus der Küche mit Teekanne in der Hand)

 

Alma:        Na, so fröh nu ok weer nich.

 

Tatjana:     (schenkt ein, lächelt Alma freundlich zu)

 

Katrin:       (überfreundlich) Oh Tatjana; is de Tee al klor. Na, dat gung aver fix.

 

Gesine:      (ebenso zuckersüß) Kiek mol Katrin, wat se för ´n wunnerbor Kleed dragt.

 

Katrin:      (fühlt den Stoff) Herrlich. Un dann de Verarbeitung. Stammt de noch ut Hör Tied in Russland, Frau Mayer ?

 

Tatjana:     („kocht“, versucht aber nett zu sein) Meine Mutter hat genäht sehr viel. Auch dieses Kleid. Freut mich, wenn Ihnen gefällt.

 

Fridolin:    (reicht ihr die Tasse zum Einschenken) Kann ik Hör irgendwie helpen, Fräulein Tatjana ?

 

Gesine:      Ik denk, dat se mit Teeinschenken woll alleen torecht kummt.

 

Tatjana:     (reagiert gar nicht auf Gesine´s Bemerkung) Vielen Dank, Herr Hansen. Wenn ich brauche eine Starke Hand, ich werde melden.

 

Gesine:      (mehr zu sich selbst:) Ja, dat kann ik mi lebhaft vörstellen.

 

Alma:        Tatjana, dor unnern in d´ Schapp mutt noch ´n neije Paket Koken wesen. De sett man eem up ´n Disk, ja ?!

 

Tatjana:     Ist gut. (holt diese, tut sie in eine Schale. stellt sie auf den Tisch)

 

 

 

Gesine:      (kramt währenmddessen in ihrer Handtasche herum, holt Zigaretten und Feuerzeug hervor, zündet sich eine an)

 

Heinrich:   Seggen Se – sünd Se eenlik mit Hör heel Familie hier na Dütskland komen ?

 

Tatjana:     Nur Großmutter und Großvater sind in Russland geblieben. Können sich nicht trennen. Vielleicht irgendwann sie kommen nach.

 

Gesine:      (leiser) Ja, wi hebbt ok ja noch nich genug van dat Volk hier bi uns in Dütskland.

 

Alma:        Nu sett Di doch eem bi uns hen, Tatjana.

 

Tatjana:     Oh, will aber nicht stören. Und Küche ist auch noch nicht aufgewischt.

 

Alma:        Kumm, sett Di ! De Welt is ok nich rasend maakt.

 

Tatjana:     (will sich dann setzen)

 

Fridolin:    (steht sofort auf) Hier was noch ´n Ecke free.

 

Tatjana:     Vielen Dank. (setzt sich dann aber auf einen freien Stuhl, den sie aus dem Hintergrund hervorholt und nachdem sie sich eine Teetasse aus dem Schrank geholt hat, sich dann selbst einschenkt)

 

Alle:          (trinken nun Tee, essen Kekse)

 

Katrin:       Wat hebbt Se denn so vör, wenn ik mol so direkt fragen dürt. Ik meen, wat de Arbeit angeiht. – Van de poor Euro van uns Oma kann man ja schlecht leeven, oder langt Hör dat ?

 

Tatjana:     Ich war in Russland – wie sagt man – Haarschneiderin ?

 

Gesine:      Friseuse.

 

Katrin:       Friseurin, Gesine.

 

Gesine:      Och Gott, ja...

 

Tatjana:     Richtig. Aber hier ist keine Arbeit für mich. Aber ich möchte verdienen. Und deshalb ich bin erst mal angefangen hier bei Ihrer Mutter.

 

Alma:        Un dor bün ik ok heel blied over. Ik mach dor gor nich an denken, wenn Du irgendwenher mol weer geihst.

 

Tatjana:     Ah, noch ist Tatjana bei Dir, Alma.

 

Katrin:       (sieht nun erst, dass Gesine raucht) Ik faat dat nich. Nikotinsüchtig büst Du ok ? Siet wenher dat denn ?

 

 

 

 

Gesine:      Katrin Hansen – ik will Di mol wat seggen...

 

Alma:        (hustet)

 

Fridolin:    Dor sücht Du ´t, Gesine. Moder kann dat olle Gequalm ok nich off. Wat sall dat ok woll ?

 

Gesine:      Dat do ik bloß to Beruhigung.

 

Katrin:       Ochja ? Wat reegt Di denn so up ?

 

Alma:        Laat man Gesine. Ik wull eenlik so un so eem vör d´ Döör kieken un ´n bietje friske Luft snappen. (steht beschwerlich auf)

 

Katrin:       Nu musst Du flüchten, bloß wiel Gesine hier de Bude verpest, Oma ?

 

Alma:        Nee nee, heel wirs nich. Rook man driest wieder, Gesine.

 

Fridolin:    (und Heinrich helfen ihrer Mutter) Geiht dat so, Moder ?

 

Alma:        Ja ja.

 

Heinrich:   Wi gahnt even mit Di. Wullt Du Di nich noch eem wat overan trecken ? Dat hett heel moj offkölt.

 

Alma:        Nee, ik will ja bloß eem rutkieken.

 

Gesine:      Pass aver up, dat Du kien Zoch littst, Oma.

 

Alma:        Kien Bang. (ab mit Heinrich und Fridolin, die sie wieder an jeder Seite eingehakt haben)

 

9. Szene

 

                  (kurze Pause)

 

Katrin:       Tja...

 

Gesine:      Tja...

 

Tatjana:     Tja...

 

Katrin:       Gifft dat denn noch ´n Tass Tee, off was dat alls ?

 

Tatjana:     Oh Entschuldigung. Ich habe nicht gesehen, das Tasse schon leer. (schenkt ihr nach, dann auch Gesine´s Tasse) Bitteschön.

 

 

 

 

 

Katrin:       (und Gesine gleichzeitig) Dankeschön.

 

Tatjana:     (will ab nach links) So, ich muß weitermachen.

 

Katrin:       (springt auf) Moooment mol, junge Frau. Ik glöv, wi mutten erstmol reinen Disk maken. Wat Se hier mit uns Oma vörhebben, dat liggt ja woll up de Hand.

 

Tatjana:     Ich verstehe nicht.

 

Gesine:      Ha, nu stellt se sück weer dumm.

 

Katrin:       Ich will mit Ihnen gar nicht lange diskutieren und um den heißen Brei reden. Und darum komme ich gleich zum Punkt: Was kostet es mich, damit Sie hier auf der Stelle verschwinden ? (holt ihre Handtasche hervor)

 

Gesine:      (überrascht) K a t r i n !!!

 

Tatjana:     Bitte ? Was meinen Sie ?

 

Katrin:       Ich denke, Sie haben mich sehr gut verstanden. Russisch spreche ich nämlich nicht so gut. (holt aus ihrer Handtasche das Portmonee, zückt daraus einige Hunderter)

                  Was ist mit 300 Euro ? Bar auf die Hand – aber mit der Bedingung, dass Sie noch heute gehen. (zeigt ihr die Scheine)

 

Gesine:      (völlig platt und gierig) Katrin, sovöl Geld hest Du bi Di ? Wor hest Du dat denn her ?

 

Katrin.       Dat geiht Di gor nix an. Ik hebb dat un basta. Also ? Was ist, junge Frau. Ist das nicht ein verlockendes Angebot ?

 

Tatjana:     (sehr wütend) Oooh... Sie sind so schlecht. Bieten mir ihr Geld an, damit ich nicht mehr länger sorgen kann für Ihre Schwiegermutter. Und ich weiß auch warum. Damit Sie endlich haben – wie sagt man ? – freie Hand hier. Ihre Männer haben ja schon zu sagen gar nichts mehr. Und wenn auch ich bald weg bin, dann Sie werden auch schnell mit Alma fertig. So ist es doch. Ich bin nicht dumm – dobre wetsche.

 

Katrin:       (bleibt fast die Luft weg) Gesine, hörst Du, wo disse Russen-Kanallje mit und snackt ?

 

Gesine:      Dat is ja nich to glöven.

 

Tatjana:     Wir wollen doch mal sein ganz ehrlich. Ich habe oft gehört, wie Sie denken. Das was Sie wollen ist Alma´s Geld. Ihnen kann es nicht gehen schnell genug, dass Alma geht weg von dieser Welt. Sie hat mir erzählt, dass der Doktor ihr hat geraten, sie soll zur Kur gehen. Und immer wieder Sie reden ihr aus dieses. Und

 

 

 

 

 

warum ? Weil Sie nicht möchten, dass Alma wieder richtig wird gesund. Denn dann könnte es dauern etwas länger, bis Sie können antreten das Erbe.

 

Katrin:       Ik will Di mol wat seggen Du Früchtchen...

 

Tatjana:     Nein ! Jetzt redet Tatjana. – So einfach ist es nicht wie Sie sich haben vorgestellt. Ich bin vielleicht nicht ganz deutsch. Aber ich lasse mich nicht von Sie kaufen. Wenn irgendeine kann verhindert hier ein großes Unglück, dann bin das wohl ich. Ich kann nur hoffen, bald gehen Alma auf die Augen, was sie doch für (ironisch) liebe Schwiegertöchter hat. (abgehend nach links, sich dann nochmal umdrehend:) Ich bleibe; darauf können Sie nehmen Gift !!! (ab, die Tür nach links bleibt aber einen Spaltbreit geöffnet)

 

10. Szene

 

Gesine:      (drückt die Zigarette wütend aus) Also, dat is denn doch...

 

Katrin:       (holt tief Luft) Sowat hett noch kieneen mit mi maakt. De is riep. Wenn mi bloß erst dat richtige infallt...

 

Gesine:      Ja, dann overlegg doch.

 

Katrin:       (nach einer kleinen Überlegungspause) Dor gifft dat bloß eens: Oma mutt so gau as mögelk ´n Testament maken. Dat was anners gor nich nödig west – man siet dit Fräuleinchen hier is... stell Di mol vör, de arft noch wat.

 

Gesine:      ´n Testament, ja. Aver wo wullt Du Oma dorto brengen ?

 

Katrin:       Viellicht in reinherut de beste Methode.

 

Marianne:  (kommt während des letzten Satzes herein, holt die teekanne, die noch auf dem Tisch stand) Das ist nicht nötig, meine Damen. Alma hat gestern gemacht ihr Testament, weil ich ihr angeraten dazu. Anwalt Kretschmer war hier. Und zufällig war auch ich dabei. Noch irgendwelche Fragen ? (erhobenen Hauptes schmunzelnd ab nach links, Tür zu)

 

11. Szene

 

Gesine:      (springt sofort auf) Hest Du dat hört, Katrin? Oma hett hör Testament al maakt. Wat beeters kann uns doch gor nich passeeren. (umarmt Katrin stürmisch, freut sich sehr)

 

Katrin:       (abwehrend) Hey, laat mi los. Is Di nich good?

 

Gesine:      Wieso freist Du Di denn nich ? Uns heel Sörg is umsünst west.

 

Katrin:       Gesine, denk doch erstmol na bevör Du wat seggst. Weest Du denn ok, wat dor in steiht in Oma´s Testament ? Well hör Geld, dit Huus un dat ganze Land arvt.

 

 

 

Gesine:      Ja, ik denk dat is klor.

 

Katrin:       Ja, dat meen wi. Un well seggt uns, dat dat

                  ok so is ?

 

Gesine:      Du meenst ernsthaft, Oma hett noch well anners as uns bedocht ?

 

Katrin:       Is doch mögelk. Oma´s Verhältnis to Tatjana kenn wi ja bi lütjen. Un hest Du nich sehn, wo se grienen de, as se uns van dat Testament vertellt hett ?

 

Gesine:      Oh, wenn de düchtig wat offstufft hier, dann sleiht ja woll darteihn.

 

Katrin:       Dat mutt wi rutkriegen, Gesine. Un beeter vandag as mörgen. Anners kann ik doch weer de heel Nacht nich slapen.

 

Gesine:      Ja, aver wo will wi dat anstellen ?

 

Katrin:       Wi mutten dat Testament lesen. Dat Original liggt seeker bi de Anwalt. Man is doch mögelk, dat Oma ´n Kopie dorvan kreegen hett. Du weest doch, wo genau se mit hör Papierkram is.

 

Gesine:      Hhmm..., un wieder ?

 

Katrin:       Na, wat wieder ? Kumm her, dat Testament söken. Wat denn woll anners ? (abgehend nach rechts)

 

Gesine:      (ihr etwas ängstlich folgend) Oh, ik hebb ´n heel schlecht Geweeten. Wenn dor een over to

                  kummt…

 

Katrin:       Na un ? Dann segg wi eenfach wi rühmen up. Un wenn wi Glück hebben, find wi ok endlich dat Sporbook. (von Gesine gefolgt ab nach links)

 

                  (kurze Pause)

 

12. Szene

 

Alma:        (kommt mit den beiden Söhnen wieder von hinten zurück) Hach, dat hett good dohn.

 

Fridolin:    (und Heinrich begleiten sie wieder zum Sessel, währenddessen kommt auch...)

 

13. Szene

 

Tatjana:     (...von links dazu, hat einen Lappen dabei, wischt den Tisch ab)

 

Alma:        Wor sünd Gesine un Katrin denn bleeven ?

 

 

 

Tatjana:     (weiß nicht recht, was sie antworten soll) Ich weiß nicht – vielleicht sie sind auch schnappen frische Luft ?

 

Alma:        Nee, to d´ Döör is kieneen rutgahn. Dat is ja arig.

 

Tatjana:     (hat den Tisch abgewischt, nimmt das restliche Geschirr, geht damit ab in die Küche)

 

Fridolin:    Geiht dat ok alleen, Fräulein Tatjana ? Off sall ik leever eem mitgahn ?

 

Tatjana:     Oh, vielen Dank. Aber ich schaffe alleine.

 

Fridolin:    Ik glöv aver doch, dat is beeter, wenn ik eem mitgah. (hinter Tatjana her, ab in die Küche)

 

14. Szene

 

Alma:        (schmunzelt) Oh oh...

 

Heinrich:   (seufzt)

 

Alma:        Wat is los, mien Jung ? Bedrückt Di irgendwat ?

 

Heinrich:   Och Moder; wenn ik Di so seh... Du hest noch vör twee Johr alls maakt. Rasenmeiht, Waschen, Pletten, Eetenkoken, sogor na d´ Gymnastik büst Du eenmol in d` Week hengahn. Un so tomol büst Du 20 Johr oller worden.

 

Alma:        Ja, Du hest ja recht. Mien Doktor seggt alltied dat ik dor sülmst schuld an bün; wiel ik mi upgeev. Wenn ik nix anner, kann he ok nix för mi dohn.

 

Heinrich:   Dat is ja woll heel grood Blödsinn, wa ?! Dat mutt aver doch ´n Ursaak hebben. Kiek Di doch mol anner Frolüüd in Dien Oller an, wat de noch al maken. Un Du kummst bold nich mehr to d` Huus ut. Wat deiht Di denn seer ?

 

Tatjana:     (aus der Küche, laut und empört) Herr Hansen, wollen Sie das bitte bleiben lassen?!

 

Heinrich:   (muß lachen) Ha, mien lütje Brör; kann de Fingers mol weer nich van de jungen Dinger laten.

 

Alma.        (ruft:) Fridolin ! F r i d o…

 

15. Szene

 

Fridolin:    (kommt schnell aus der Küche) Ja, wat is denn, Mama ?

 

Alma:        Sett Di doch eem hier bi uns hen, ja ?! Tatjana kummt ok ohne Di best torecht.

 

Fridolin:    (setzt sich etwas eingeschüchtert hin) Wenn Du meenst...

 

 

 

Alma:        Dr. Plenter hett seggt, ik was kerngesund. De Knaken dohnt dorum seer, wiel se nix mehr to dohn hebben. Is dat nich ´n Witz ?

 

16. Szene

 

Tatjana:     (kommt aus der Küche mit einem Handtuch in der Hand, richtet ihre Kleidung) Kann ich noch irgendwas bringen ? Saft oder ein Bier für die Herren ? (holt eine neue Tischdecke aus dem Schrank, wechselt diese)

 

Alma:        För mi nix, Tatjana.

 

Heinrich:   Nee, laaten Se man. Wi hebbt ja erst nett Tee hatt. – Aver Moder, wo kann Dr. Plenter sowat seggen ? Ik verlang, dat Du futt anner Week nochmol na ´n anner Doktor geihst.

 

Alma:        Wat sall dat denn, Jung ? Un ik weet ok nich, off Katrin un Gesine dat recht is.

 

Tatjana:     Sicher nicht. (räumt hier und da auf)

 

Heinrich:   Mischen Se sück dor beeter nich in, junge Frau.

 

Tatjana:     Aber der Doktor hat recht. Seien Sie doch bitte ehrlich zu sich selber. Solange ich hier nun arbeite bei Alma, kommen Ihre Frauen fast täglich hierher. Alles wird Alma genommen von der Hand. Man kauft ein für Dich, Du wirst bedauert; ja – Deine eigenen Kinder reden Dir doch ein, dass Du bist schon alte Oma.

 

Alma.        Nu hör aver up, Deern.

 

Tatjana:     Aber ich sagen die Wahrheit. Nur weil Du hast selber nichts mehr zu tun, wirst Du immer mehr alt. Warum machst Du nicht das, was Doktor Plenter Dir hat geraten und gehst zur Kur ?

 

Alma:        Een Kur – ja, de Doktor meent, dat was genau dat rechte för mi.

 

Tatjana:     Und warum gehst Du nicht ?

 

17. Szene

 

Katrin:       (und Gesine kommen aus dem Schlafzimmer, machen erfreute Gesichter. katrin versteckt blitzschnell hinter ihrem Rücken ein Schriftstück, als sie die Anwesenden sieht)

 

Alma:        Dor sünd ji ja. Wat maak ji denn in mien Slapstuve ?

 

Katrin:       Äh...ik wull mi eenlik dat grön-bunte Kleed van Di utleenen, Oma. Dat gefallt mi so good. Un wiel wi doch bold na ´n Hochtied mutten... Du hest dor doch nix tegen, oder ? (schnappt sich schnell ihre Handtasche, lässt das Schriftstück geschickt darin verschwinden)

 

 

 

Alma:        Nee nee – wenn dat passt... – Un ? Hest Du dat nich funden ?

 

Katrin:       Nee. Is aver ok nich so wichtig.

 

Heinrich:   Moder, wenn Doktor Plenter meent, dat ´n Kur för Di genau richtig is, dann bün ik ok dorför.

 

Gesine:      (und Katrin haben sich evtl. auch wieder gesetzt) Wat is dat ? Wor snack ji van ? Kur ?

 

Tatjana:     Aber es ist sicher sehr gut für Alma. Und sie sieht mal etwas anderes als ihre Wände hier in grau.

 

Katrin.       Se verholen sück am besten heel still. Ik wüss nich, wat Hör angeiht, wat mit uns Oma passeert. – Oma, hebb wi Di nich al vör Weeken verklort, dat so ´n Kur nix för Di is ?! Du hest ja kein Ahnung, wat de dor mit Di upstellen. Morrbäder, elke Dag swemmen, Gymnastik, Joggen, Unterwassermassage, Bodybuilding...

 

Gesine:      Stimmt. Oma – dat hollst Du nich dör. Du weest doch wo schwack Dien Hart worden is.

 

Alma:        Ja, man Doktor Plenter meent ja, dat just dat de Urssak van mien Schlappheit is – wiel ik mi bold gor nich mehr beweg.

 

Katrin:       Ja seeker. Wat so ´n Huusdoktor woll kasseert, wenn he een na ´n Kurklinik overwisst... ? De denken doch alltied bloß an ´t Geld.

 

Gesine:      So is ´t. Fall dor man nich up rin, Oma.

 

Fridolin:    Man so kann dat mit Moder ok nich wiedergahn. Se is doch noch kein 80.

 

Gesine:      (räuspert sich, sieht Fridolin strafend an)

 

Katrin:       Nu laat uns disse Saak offsluten. Een Kur kummt för uns Oma nich in Frag un dormit basta. Dat deiht hör nich good – dat brengt hör höchstens in ´t Graff.

 

Tatjana:     Und ich sagen: Eine Kur wird für Alma sicher das Beste sein. Die Ärzte wissen genau, wie weit sie die Patienten dürfen belasten. – Alma, es wird Dir gut tun, glaube mir.

 

Gesine:      Oma, Du wullt doch nich up disse Deern hören, oder ?

 

Alma:        Tja, ik weet ok. Fohren kunn ik ja. De Doktor hett seggt, sobold ik mi dat endlich overleggt

harr, wull he mi so gau as mögelk ´n Steh besörgen.

 

Katrin:       Oma, Du wullt doch nich ernsthaft na so ´n olle Kur ?

 

 

 

 

Alma:        Wat meen ji denn, Jungs ?

 

Heinrich:   Dat musst Du heel alleen entscheeden, Moder. Wenn Du meenst, dat Di dat helpt, dann fohr doch driest.

 

Fridolin:    Ja, dat meen ik ok. Un wor doch dat Fräulein Tatjana ok dorför is...

 

Gesine:      (streng) Wat hett dat dor denn mit to dohn ?

 

Katrin:       Also – ik find dat ´n Unding van jo Mannlüüd, dat ji uns Oma noch sückse Strapazen tomooden willen.

 

Alma:        (seufzt) Ik weet ja sülmst nich, off dat wat för mi is.

 

Tatjana:     Du musst Dich entscheiden, Alma. Aber Du solltest jetzt nicht mehr warten zu lange.

 

Heinrich:   Am Besten, Du entschettst dat nu futt un hier, Moder.

 

Gesine:      Ik wüss nich, wat dat over de olle Kur noch to overleggen gifft.

 

Tatjana:     Nun Alma – was denkst Du ?

 

Alma:        Dor fragst Du mi wat.

 

Katrin:       (geht zu ihr) Oma, wees vernünftig.

 

Tatjana:     Genau ! Alma – sei vernünftig !

 

Alma:        (überlegt einige Zeit) Also good. Ik fohr ! Ik roop futt bi Doktor Plenter an, dat he alls in de Wege leiten sall.

 

Katrin:       Oh nee – dat is doch nich Dien ernst ?!

 

Alma:        Doch ! Un off ik nu gesund un lebendig weerkom, off de heel Kur erst gor nich overleev, dat wor wi ja dann gewohr. Leeper as mi dat nu geiht, kann dat dor achtern ok nich worden.

 

Tatjana:     Oh Alma – ich denke, das ist eine gute Entscheidung.

 

Alma:        Amenne geiht dat erde los, as wi denken. Tatjana, wi mutten erstmol mien Kleerschapp nakieken, off ik noch wat Neijes bruuk. (steht auf)

 

Tatjana:     (hilft ihr beim Gehen) Sicher doch, Alma. (mit ihr ab nach rechts)

 

Alma:        (an der Tür) Dat is jo doch recht, wenn ik mi nu eem um mi sülmst kümmer ?

 

 

 

 

Gesine:      Ja ja, maak doch wat Du wullt.

 

Katrin:       Uns Meenung is för Di ja so un so unwichtig.

 

Alma:        Hhmmm... Dat kann aver ´n sett anholen. Ji finden alleen na buten, ja ?!

 

Katrin:       Ja seeker.

 

Alma:        (mit Tatjana ab)

 

18. Szene

 

 

Katrin:       Oh Mann, dat muß ja so komen. (schaut dann die beiden Männer an, bau sich auf) Un ji beid Duddlappen hebbt ok noch jo Tostimmung dorto geeven. Harr wi nich utdrücklich tohuus over dat Thema Kur diskuteert ?

 

Gesine:      Genau. Wat hebb ik Di seggt, mien leeve Fridolin ?

 

Heinrich:   (und Fridolin eingschüchtert) Wenn hör dat 

                  doch good deiht...

 

Gesine:      Un well könnt wi disse Aktion noch verdanken ? – Dat Fräulein Sibirien.

 

Katrin.       Kein Bang. Mit de wor wi ok noch klor. Wi söllnt woll erde an hör Geld komen, as Oma dat leev is. Mi sall woll wat infallen. Wacht dat man off.

 

Schneller Vorhang

 

 

Ende des 1. Akts

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Zweiter Akt

 

                  (ca. 10 Wochen sind vergangen. Wenn der Vorhang sich öffnet, befindet sich kein Spieler auf der Bühne. Es ist ein Samstag, ca. 14:00 Uhr)

 

1. Szene

 

Tatjana:     (kommt mit einem hübschen, kleinen Blumenstrauß in einer Vase aus der Küche, stellt diesen auf den Tisch, sieht auf die Uhr, dann wieder ab in die Küche)

 

                  (kurze Pause)

 

2. Szene

 

Fridolin:    (kommt von hinten herein, hat eine große Schachtel Pralinen dabei, sieht sich um)

 

3. Szene

 

Tatjana:     (kommt wieder aus der Küche, diesmal mit Putzlappen, leicht erschrocken) Oh, Herr Hansen. Sie ?

 

Fridolin:    Ja ich. ich hab´ ihr Fahrrad vor dem Haus gesehen.

 

Tatjana:     Nein, reden Sie nur weiter ihr plattes Deutsch. Ich kann schon verstehen sehr gut.

 

Fridolin:    Na good. Weeten Se, Fräulein Tatjana, ik hebb dor för Hör… bitte. (gibt ihr die Pralinenschachtel)

 

Tatjana:     Oh – Pralinen. Womit habe ich das verdient, Herr Hansen ? Vielen Dank.

 

Fridolin:    Ik... ik hebb allerdings up de Weg hierher ´n poor dorvan eeten; wenn ik heel ehrlich bün.

 

Tatjana:     (schmunzelt) Oh, ist kein Problem, Herr Hansen.

 

Fridolin:    Se sünd alltied so good to uns Moder, un ok to ... mi. Un dorum hebb ik mi docht – off mögen Se kien Pralinen ?

 

Tatjana:     Oh doch. (isst eine davon) Ich mache noch schnell alles sauber hier. Alma kommt gegen 14:08 Uhr mit dem Zug wieder zurück.

 

Fridolin:    Ja. Seggen Se – weeten Se denn wat van Moder ? Hett hör de Kur denn nu good dohn ? Wi weeten ja so good as nix van hör. In de ganze veer Week hebb wi nich een Lebensteeken hört.

 

Tatjana:     Warum haben Sie auch nicht besucht die Alma ? Bad Pyrmont ist nicht so weit. Und man kann fahren mit der Bahn. Habe ich auch gemacht – zwei mal !

 

 

 

 

Fridolin:    Och, weeten Se – ik was ja gern mol na Moder henfohren, aver – mien Fro...

 

Tatjana:     Ich verstehe schon.

 

Fridolin:    Un wenn ik mol anroopen hebb – heimlich – dann was Moder alltied nich up ´t Zimmer. Dorbi hebb ik dat woll five mol versöcht.

 

Tatjana:     Fünf mal in vier Wochen ? Oh... Aber ich kann Sie beruhigen. Ihre Mutter ist noch lebendig. Es geht ihr... nein – Alma hat gesagt, es sollte sein große Überraschung für alle. Sie werden sehen, wenn sie ist zurück.

 

Fridolin:    Holen Se hör off van d´  Bahnhof ?

 

Tatjana:     Alma meinte, sie würde fahren mit Taxi. Sie und ihr Bruder sollten sich bitte machen keine Umstände. – Aber jetzt Sie müssen mich bitte entschuldigen. ich möchte noch etwas aufräumen.

 

Fridolin:    Ik hol Hör nich up. (schon abgehend) Roopen Se doch eem an, wenn Moder weer dor is. Un off se uns sehn will – ja nadem, wo hör dat geiht.

 

Tatjana:     Mache ich.

 

Fridolin:    Un – seggen Se mien Fro bitte nich, dat ik hier alleen west bün.

 

Tatjana:     Meine Lippen sind verschlossen, Herr Hansen. Und – Danke nochmal für die Pralinen.

 

Fridolin:    Bitte bitte. Tschüß, Fräulein Mayer. (ab)

 

Tatjana:     Wiedersehen, Herr Hansen. (kopfschüttelnd ab in die Küche. Kurz darauf kommt sie mit einem Stapel Handtücher zurück, damit ab ins Schlafzimmer, kommt kurz darauf zurück mit dreckiger Bettwäsche, wieder ab in die Küche)

 

                  (kurze Pause)

 

4. Szene

 

Alma:        (kommt herein. Sie trägt einen Jogging-Anzug, ein Stirnband, Turnschuhe, hat evtl. ihre Haarfarbe geändert, sie ist dezent geschminkt. In der Hand hält sie einen Walkman, hat die Kopfhörer aufgesetzt. Sie ist sehr gut gelaunt, tänzelt herein, wippt in den Hüften zum Takt der Musik) Haa...llloo? Is hier kieneen ? Tatjana ? (singt dann den Titel mit – einen englischen Popsong)

 

5. Szene

 

Tatjana:     (kommt gleich darauf aus der Küche, freut sich sehr, umarmt sie) Alma – Du bist schon da ?!

 

 

 

 

 

Alma:        (nimmt die Kopfhörer ab) Tatjana, mien Kind. Fein, dat Du hier büst. Wo geiht Di dat ?

 

Tatjana:     Du fragst mich sowas ? – Wie geht es Dir ?

 

Alma.        Dat süchst Du doch. Ik bün 30 Johr junger worden dor achtern. – Hier, disse Kassettenspöler hebb ik mi up Bahnhof köfft för de Fohrt. Dor lopen de junge Lüüd ok all mit herum. Wullt Du mol hören ? (setzt Tatjana die Kopfhörer auf)

 

Tatjana:     (sehr überrascht) Alma – Du hörst solche Musik ?

 

Alma:        Wieso denn nich ? Hett doch ´n geilen Beat, oder ?

 

Tatjana:     Oh Alma, was ist nur passiert mit Dir. Ich habe gesehen noch vor 14 Tagen, dass die Kur Dir tut sehr gut. Aber das hier...

 

Alma:        (gibt ihr einen Kuss auf die Wange) Ik kann Di gor nich genug danken, dat Du mi to de Kur overred hest. Ha, ik kunn Bomen utrieten.         

 

Tatjana:     Und was ist mit Deinem Rücken, den Knochen und das Herz ?

 

Alma:        Wat sall mit mien Rüch un Knaken wesen ? De hebbt ´n poor Johr slapen – man nu hebb ik hör upwaakt. Kiek sülmst. (macht gymnastische Übungen)

 

Tatjana:     Super Alma.

 

Alma:        Ik bün ja mol gespannt up de Gesichter van mien Kinner. Fridolin hett mi Gott sei Dank nich sehn, as dat Taxi vörfuhr. – Ha, de meenen ja bold, ik overleev dat in Kur gor nich.

 

Tatjana:     Nicht böse sein – aber ich hatte eher ein gefühl, dass sie haben Angst, dass Du wirst wieder richtig gesund.

 

Alma:        Tatjana, dat is nu aver wirs nich nett van Di. Good, mien Kinner sünd viellicht kein Engel. Man för mi willen se alltied bloß dat Beste.

 

Tatjana:     Die beiden Männer – gut. Aber da gibt es noch die – wie sagt man nochmal ? Schweigertochter ?

 

Alma:        Schwiegertöchter. Ja – Katrin un Gesine; se hebbt ´n grood Mundwark. Aver mit mi hebbt se dat alltied good meent.

 

Tatjana:     Alma, entschuldige bitte – aber das weiß ich besser. Sie spielen Dir die liebevollen Frauen vor – aber es ist Dein Geld was sie wollen – und das sehr schnell.

 

Alma:        Tatjana...

 

 

 

 

 

Tatjana:     Vor knapp drei Monaten – als wir haben besprochen die Kur, da waren die beiden Frauen in Deine Schlafzimmer, weißt Du noch ?

 

Alma:        (überlegt, nickt)

 

Tatjana:     Denk doch nach, was sie haben dort wirklich gewollt. Nicht ausleihen Dein grünes Kleid. Was ist denn wohl in diesem Zimmer zu finden, was Katrin und Gesine könnte interessieren ? Na ?

 

Alma:        Weet ik nich.

 

Tatjana:     Alma; es ist sicher die Kopie von Testament.

 

Alma:        Dat is doch lächerlich. Wenn ik irgendwenher mol nich mehr bün, dann arven mien Kinner mien heel Hab un Good. Well denn woll anners ? Dat könnt se sück doch sülmst an five Fingers offtellen. Worum sullen se dor denn tomol an twiefeln?

 

Tatjana:     Nun, vielleicht weil ich bin hier seit vielen Wochen.

 

Alma:        Ach, Du denkst – de meenen...

 

Tatjana:     Ja, genau das. Und deshalb mussten sie doch sicher lesen das Testament um zu gehen ganz sicher.

 

Alma.        Tatjana, hest Du schlecht drömt ?

 

Tatjana:     Warum glaubst Du mir nicht ? Deine Kinder spielen ein falsches Spiel. Ich weiß es. Schau doch nach, ob irgendwas fehlt.

 

Alma:        Ja, dat do ik nu ok erst. (geht ab ins Schlafzimmer)

 

Tatjana:     (wartet eine kurze Zeit)

 

Alma:        (kommt zurück) Tatjana – de Kopie van dat Testament is wirs nich mehr dor. Ik harr de in mien Gewittertrumm in ´n brunen Umschlag dohn. De is d´r nu nich mehr.

 

Tatjana:     Na bitte. Glaubst Du es jetzt ?

 

Alma.        Dat mutt ik ja woll. – Mensch, sull ik mi denn so in Katrin un Gesine täuscht hebben ?

 

Tatjana:     Oh ja. Und das schon viel zu lange. Du glaubst nicht, wie oft Katrin hier war, solange Du zur Kur warst und was ich mir anhören musste.

 

Alma:        Dat vertellst Du mi al in Ruh vanabends, ja ?!

 

 

 

 

Tatjana:     (dann plötzlich:) Alma, ich habe eine gute Idee.

 

Alma:        Idee ?

 

Tatjana:     Wenn Du herausbekommen willst, wie Deine Kinder wirklich stehen zu Dir, dann spielst Du ihr vor die kranke Oma vor vier Wochen. Und dann Du wirst schon sehen.

 

Alma.        (überlegt kurz) Oh nee... dor hebb ik aver ´n völ beeter Gedanke in d´ Kopp. (schaut auf die Uhr) Oh – un dat passt as de Fuust up ´t Oog. Un Du musst mi dorbi helpen.

 

Tatjana:     Wobei helfen ? Ich verstehe nicht.

 

Alma:        Wi mutten d´r nu ´n bietje achterto sitten. Du suust noch eem gau in ´t Dörp um besörgst mi ´n moij Geschenk. Is Saterdag, de Ladens hebbt bit veer open.

 

Tatjana :    Aber ich habe eingekauft – gestern. Was fehlt denn ?

 

Alma:        Ik bruuk ´n moij persönlich Geschenk för ´n jungen Mann. (kramt in der Tasche ihrer Jogging-Hose, holt das Portmonee heraus, gibt ihr einige Hundert-Euro-Scheine) Hier, dat geev man driest ut. Un nu suus off.

 

Tatjana :    Aber was soll ich denn kaufen ? Für soviel Geld ?

 

Alma:        Irgendwat heel Feines. ´n Armbanduhr, ´n golden Kette off ´n Ring – irgendwat heel moijs. – Un beeil Di – (schaut erneut auf die Uhr) Ik bruuk dat futt – wi kriegen noch Versiet.

 

Tatjana:     (verwirrt ab nach hinten; von der Garderobe nimmt sie eine Jacke, zieht diese an, dann Tür zu und ab)

 

Alma.        So, de is hen. (reibt sich die Hände, geht dann auch nach hinten, kommt aber gleich mit zwei Koffern zurück, bringt diese ins Schlafzimmer, kommt zurück, geht zum Telefon, wählt eine Nummer, wartet kurz) Heinrich ? Ik bün hier – Mama. Ja, ik bün nett na Huus komen. Wo mi dat geiht ? (setzt nun eine klagende Stimme auf) Ochja, wo geiht mi dat al. So ´n Kur Heinrich – dat is ´n hart Stück Brood. Aver ik wull jo gern eem sehn. Breng ji Frido un Gesine in d´ Loop ok mit, ja?! – dat is fein. Ja, bi futt denn. (legt auf) So, de sünd unnerwegs.

 

                  (es klopft an der Tür)

 

Alma:        (etwas verwirrt) Äh, ja bitte.

 

6. Szene

 

Jens:          (kommt herein, ein junger Mann, flott, schick aber locker gekleidet) Hallo, junge Frau...

 

 

Alma.        (überglücklich, geht sofort zu ihm, umarmt ihn) Jens – Du kummst genau in d´ reche Ogenblick. Ik hebb nett an Di docht.

 

Jens:          Na, ik harr doch seggt: An 23sten tüschen twee un dree.

 

Alma:        Dor hest Du aver Glück. Ik bün nett erst vör 10 Minüten ankomen.

 

Jens:          Wat seggst du ? Ik denk, Du büst al ´n Week tohuus, nett as ik.

 

Alma:        De hebbt mi noch ´n Week Na-Kur upbrummt.

 

Jens:          Oh nee, un nu kom ik hier heelmol unpassend. Dat is mi nu aver schaneerlick.

 

Alma:        Jens, Du glövst gor nich, wo blied ik bün, dat Du hier büst. Du musst mi nämlich bi mien Plan helpen.     

 

Jens:          Plan ? Ik hol mi ut alls rut.

 

Alma:        Dat is heel schlecht. Du büst nämlich al midden drin. – Un so moj Blomen hest Du mi mitbrocht. Kumm, dorför kriggst ok ´n Sööten. (gibt ihm einen Kuss)

 

Jens:          Hey, wat is denn nu los ?

 

Alma:        Meenst Du, Frauen in uns Oller könnt nich mehr leev wesen ? Ik hol mol even ´n Vase, ja?! (ab in die Küche)

 

Jens:          (etwas überrumpelt, öffnet den Hemdskragen etwas)

 

Alma:        (aus der Küche, bzw. beim zurückkommen:) Un ? Wo was de Fohrt hierher ? Hest Du Di ok nich verfohren ?

 

Jens:          (hat sich umgesehen) Nee nee, Du harrst mi de Strecke ja genau verklort. – Moij hest Du dat hier.

 

Alma:        Schlicht un eenfach meenst Du ?! Hier mutt sück eeniges annern, dat weet ik sülmst. (stellt die Blumen auf einen Tisch an der Wand o.a.) Man ik hebb mi alltied so schitterg föhlt, dat ik bold meenen de, dat lohnt sück gor nicht mehr. – Wo geiht Di dat nu na de Kur ?

 

Jens:          Bestens. Un dor büst Du nich heel unschuldig an.

 

Alma:        Na ja, wi hebbt uns even good verstahn un uttuscht – hett uns doch beid good dohn; ok wenn ik ´n poor Johr oller bün...

 

                  (draußen hört man Katrin und Gesine mit ihren Männern schimpfen)

 

Alma:        Oh, dat sünd mien Kinner. Nu mutt wi hier erstmol verschwinden, Jens; anners is de Overraschung weg. Laat uns man in mien Slapkamer gahn, dor maak ik Di alls plausibel. Un do mi een Gefallen Jens – laat mi nich in Stich.

 

 

Jens:          Ja, aver worbi denn eenlik ?

 

Alma:        Vertell ik Di, vertell ik Di. (schiebt ihn vor sich her ins Schlafzimmer, beide ab)

 

                  (kurze Pause)

 

7. Szene

 

Fridolin:    (kommt schimpfend gefolgt von Gesine herein) Kannst Du denn nich versöken, dormit uptohören, Gesine ? Sall ik mi dat Geld to de Mors utschnieden, oder wat ?

 

Gesine:      Kerl nochmol – wat reegst Du Di denn up ? Hebb ik denn nich 50 Euro wunnen ?

 

Fridolin:    Ja, dat hest Du. Nadem Du over 100 Euro in de olle Aparat rinstoppt hest.

 

Gesine:      Dat kann ok mol heel anners lopen. Butendem maakt dat Spaß.

 

Fridolin:    Spaß ? Meenst Du dat maakt ok Spaß, wenn ik alltied tegen uns rood Tahlen up uns Kontoauszüge kieken mutt ? Mit 2000 Euro hest Du al weer overtrucken. Begrippst Du denn nich, dat dat so nich wiedergahn kann ?

 

Gesine:      (jetzt resolut) Nu hol man eem de Luft an, ja?! Is Di dat leever, wenn ik anfang to suupen, so as Du dat johrenlang dohn hest. Dat hett woll alltied umsünst west, wa?

 

Fridolin:    Immer musst Du mi dat weer vörholen. Dat is vörbi – dat weest Du heel genau. Ik bün in Entzug gahn. Un dat was ok woll dat beste för Di, Gesine.

 

Gesine:      Ja, nu sleiht ja woll dartteihn, wa ?! (hat ihre Zigaretten hervorgeholt, zündet sich eine an)

 

Fridolin:    Un nu musst Du ok all weer qualmen.

 

Gesine:      Hach, laat mi tofree. (setzt sich)

 

8. Szene

 

Katrin:       (ist bereits hereingekommen, ihr folgt Heinrich. Dieser trägt eine kleine Kiste unterm Arm) Versöchst Du denn ernsthaft, Di neije Arbeit to söken ? Nee ! ´n Schand is dat. So langsam weet dat dat heel Dörp, dat se Di entlaaten hebben.

 

Heinrich:   Dat sücht upstünd even nich good ut mit freie Arbeitsstehen. Un wat kann ik denn dorför, wenn up d` Werft 40 Mann kündigt worden sünd ?

 

Katrin:       Ja. 40 ! Van over 500. Un wieso warst Du dor nettakrat bi ? Dat hett doch seeker sien Grund. (setzt sich)

 

Fridolin:    (und Heinrich setzen sich jetzt auch) Wor is denn nu uns Moder ? Ik denk, se is weer dor.

 

 

 

 

Katrin:       Mann, wor sall se woll wesen ? In ´t Bett natürlich. Wor denn woll anners.

 

Heinrich:   Dat glöv ik nich. Viellicht is se mood van de lang Zugfohrt; aver meen ji denn, dat hör de Kur overhaupt nich hulpen hett ?

 

Gesine:      Dat söllnt wi woll futt gewohr worden.

 

Katrin:       Un eenlik is dat ok schietegol, wo uns goode Oma dat geiht. Wi trecken uns Plan dör – nettso as dat offmaakt is.

 

Heinrich:   Katrin, ik hebb Di aver al seggt, dat ik dor nich mitmaak.

 

 

 

 

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