Lange danach gesucht - auf Ibiza 2012 endlich gefunden
Musiker gesucht

„Fruchtbare Pizza Calzone“

 

 

Komödie in drei Akten

 

 

von

 

 

Helmut Schmidt

 

 

Inhalt:  Glücklich und verliebt kehren Jörg und Heidi Nowak am frühen Sonntagmorgen von ihrer Hochzeitsfeier zurück. Jörg ist Landwirt; und da sein Bruder Holger den elterlichen Hof übernommen hat und seine Frau ein Einzelkind ist, soll Jörg nun den Betrieb seiner Schwiegereltern führen. Jörg hat jetzt nur noch seine Hochzeitsnacht im Kopf; denn er geht als Mann „jungfräulich“ in die Ehe. Doch bevor es überhaupt zur Hochzeitsnacht kommt, taucht Heidis Gynäkologe auf und teilt ihr mit, dass sie in der 10. Woche schwanger ist. Heidi ist fassungslos und verschweigt Jörg zunächst diese Neuigkeit – vertraut sich nur ihrer Mutter an. Die Nachbarin Johanna Specht hat aber das Gespräch mitbekommen und tratscht es durchs ganze Dorf, bis natürlich auch die Eltern von Jörg und Jörg selbst es erfahren. Heidi kann sich nur den italienischen Pizza-Bäcker Alfredo vorstellen, der in Frage käme als Vater. Nach einem Streit mit Jörg hat Heidi vor einigen Wochen bei Alfredo gefeiert und unter viel Alkoholeinfluss weiß sie nicht mehr genau, was in dieser Nacht geschehen ist. Nun drehen die Eltern auf. Das junge Paar muss so schnell wie möglich wieder geschieden werden – mit der Übernahme des Hofes ist es aus. Das gibt natürlich auch Konflikte zwischen Holger und Jörg. Da helfen nur noch Anwälte die alles regeln müssen. Doch dazu kommt es nicht mehr – denn dann taucht der Gynäkologe erneut auf mit einer zweiten unglaublichen Nachricht...

 

 

 

Personen:        5w/6m             1 Bühnenbild

 

 

 

Kunibert Gronewold             - (ca. 50 Jahre)

 

Elfriede                                  - seine Frau (40-45 Jahre)

 

Heidi                                      - beider Tochter (20-30 Jahre)

 

Jörg Nowak                            - Heidis Ehemann (25-35 Jahre)

 

Erwin Nowak                         - Vater von Jörg (ca. 50 Jahre)

 

Anita                                      - seine Frau (45-50 Jahre)

 

Holger                                    - Jörgs Bruder (20-30 Jahre)

 

Martina Klöppel                     - Heidis Freundin (20-30 Jahre)

 

Johanna Specht                      - Nachbarin (30-50 Jahre)

 

Alfredo Carducci                   - Ital. Pizzabäcker (20-30 Jahre)

 

Dr. Müller-Schmiede             - Gynäkologe (50 Jahre)

 

 

Bühnenbild:

 

Die Wohnküche der Familie Gronewold. Nach rechts geht eine Tür zu anderen Räumen und zur Wohnung von Heidi und Jörg. Nach hinten führt eine zweite Tür zum Flur nach draußen und nach links geht eine dritte zum Schlafzimmer von Elfriede und Kunibert. Im Zimmer stehen Tisch, Sessel oder Stühle oder auch Eckbank. Ein Schrank, Regale usw. kleiner Schrank, darauf das Telefon und ein Kassettenrecorder. Alle weiteren Ausstattungen (Fenster, Blumen u. a.) bleibt den Spielern überlassen.

 

 

 

Zeit: Sommer in der Gegenwart

Spielort: ländliches Dorf irgendwo in Deutschland

Spieldauer: ohne Pausen ca. 100 Minuten

 

 

 

Anmerkung:  Im Anhang finden Sie die deutsche Übersetzung der italienischen Sätze in diesem Stück, damit Sie wissen, was gesprochen wird.

 

 

 

 

                                                        Erster Akt

 

                  (Ein Sonntagmorgen ca. 05:30 Uhr im Sommer. Es ist kein Spieler auf der
Bühne wenn der Vorhang sich öffnet. Auf einem Schrank oder auf dem Fuß-
boden vorne stehen einige Topfblumen oder Schalen in Geschenkfolie einge-
packt. Des weiteren einige Geschenkpakete)

 

1. Szene

 

                  (Von draußen hört man Heidi und Jörg lachen, jauchzen und albern)

 

Heidi:        (noch draußen) Lass das lieber, Jörg. Du lässt mich noch fallen.

 

                  (Die Tür links öffnet sich jetzt)

 

Jörg:          (auch noch draußen) Ach was! Das ist doch ein alter Brauch. Und nun – eins, zwei, drei… (kommt jetzt auf die Bühne. Er trägt Heidi, die ihn dabei liebevoll umarmt. Beide tragen Hochzeitskleidung. Jörg einen Anzug bzw. eine Kombina-
tion; aber keine Krawatte oder Fliege mehr, das Oberhemd geöffnet. Heidi
trägt ein weißes Brautkleid. Schleier nicht notwendig. – Jörg, etwas stolz auf
sich:) So, das war der zweite Schritt über die Schwelle ins Glück. Und was heißt das jetzt für uns?

 

Heidi:        Für immer zusammen. (Kuss)

 

Jörg:          Richtig! Für immer zusammen. (schwankt etwas)

 

Heidi:        Werde ich denn nun über jede Türschwelle in diesem Haus getragen?

 

Jörg:          Aber natürlich, Frau Nowak.

 

Heidi:        Jörg, nun lass mich aber lieber runter. Du hältst mich eh nicht mehr lange.

 

Jörg:          Am liebsten würde ich Dich mein ganzes Leben auf den Armen tragen, Heidi. (lässt sie jetzt herunter)

 

Heidi:        Das überleg Dir mal gut. (schwankt auch etwas, stützt sich an Jörg, hält sich
den Kopf) Oh Mann, ich glaube, ich habe einen zu viel gehabt.

 

Jörg:          Was soll ICH denn sagen? Mit jedem musste ich einen trinken. Aber dafür habe ich mich doch gut gehalten, oder ? Ich meine... (schaut zur Uhr) Morgens um halb 6.

 

Heidi:        Das wundert mich auch. Und ich habe schon gedacht, ich müsste Dich mit der Schubkarre nach Hause fahren.

 

Jörg:          (lacht schelmisch) Hhmmm..., Trick 17, liebe Heidi. Ich hatte doch eine Spezialflasche für mich. Wenn ich einen mitgetrunken habe, dann war das meistens nur Wasser.

 

Heidi:        Was? Na, das ist aber raffiniert.

 

Jörg:          Wenn ich mit jedem unserer 138 Gäste angestoßen hätte... das hätt´ ich doch niemals ausgehalten.

 

Heidi:        Oh, dann hab´ ich aber eine Idee. (geht zum Schrank, holt eine Flasche Sekt und zwei Gläser hervor, reicht ihm die Flasche) Hier, die habe ich extra für uns beide aufgehoben. Hab´ ich vor 2 Jahren aus Modena mitgebracht und hab´ mir geschworen, dass sie nur zu einem besonderen Anlass aufgemacht wird.

 

Jörg:          (schaut auf die Flasche) Modena ? Italien ?

 

Heidi:        Ja, da war ich doch im Urlaub mit Gabi. Na los, nu mach sie doch auf, bevor die anderen kommen.

 

Jörg:          (seufzt einmal tief, schaut dann wieder glücklicher, öffnet dann die Sektflasche)
Na ja.

 

Heidi:        (sehr glücklich und etwas verträumt) Hach, war das nicht eine Traumhochzeit, Jörg?! Ich meine, andere Hochzeiten sind ja auch ganz schön – aber ich glaube, unsere war etwas ganz besonderes.

 

Jörg:          Ja, das war es. Wir waren ja auch endlich mal die Hauptpersonen. (hat die Flasche geöffnet, schenkt ein)

                                 

Heidi:        (erhebt ihr Glas dann, Jörg ebenso) Also, auf das schönste Brautpaar das es heute in diesem Dorf gibt.

 

Jörg:          Auf die Liebe, und das wir immer noch so glücklich miteinander sind, wenn wir unsere Silberne Hochzeit feiern.

 

Heidi:        Und auf den Hof; und das Du gut mit meinem Vater zurechtkommst.

 

Jörg:          Und auf ein gutes Milch-Quoten-Jahr.

 

Heidi:        Und auf viele Enkelkinder für unsere Eltern. (kurze Pause) Na, freust Du Dich auch schon auf unsere Hochzeitsnacht?

 

Jörg:          (schaut wieder zur Uhr) Du meinst auf den Hochzeitsmorgen und Vormittag. Die Nacht ist ja vorbei.

 

Heidi:        Wie auch immer.

 

Jörg:          Hoffentlich hab´ ich noch genug Kraft dafür. Wenn ich ehrlich bin, ich bin schon ganz schön müde.

 

Heidi:        Na hör mal. Immer hast Du gesagt, ich warte auf dich, bis wir endlich verheiratet sind. Und jetzt, wo es endlich soweit ist, willst Du kneifen? Oder hast Du Bammel davor?

 

Jörg:          Wie kommst Du denn darauf? Ich habe nur Angst, dass ich Dich enttäuschen könnte.

 

Heidi:        Ach was. Soll ich Dir ein paar Spiegeleier in die Pfanne hauen?

 

Jörg:          Nein, lass mal. Ich glaube, dass hilft mir auch nicht mehr.

 

Heidi:        (stößt ihr Glas an Jörgs) Na denn... auf unsere Hochzeitsnacht.

 

 

 

Jörg:          (nervös) Auf unsere Hochzeitsnacht. (trinkt schnell)

 

Heidi:        Hey, den musst Du genießen. Der hat über 20 Euro gekostet. (nippt nur am Glas)

 

Jörg:          Was? So viel? (stellt das Glas ab, „packt“ Heidi plötzlich, trägt sie wieder auf Armen) Und ich glaube, er wirkt auch schon.

 

Heidi:        Huch. Was ist denn nun los?

 

Jörg:          Wir gehen nun besser schnell ins Schlafzimmer, bevor die Wirkung wieder nachlässt. (schnell mit ihr ab nach rechts)

 

Heidi:        Jörg, so kenne ich Dich ja gar nicht. (jauchzt, lacht, beide ab)

 

(kurze Pause)

 

2. Szene

 

Kunibert:   (kommt singend mit Erwin herein. Beide sind angetrunken, Kunibert hat noch

eine Schnapsflasche in der Hand. Sie haben sich umarmt, stützen sich gegen-
seitig; tragen festliche Kleidung, aber nicht mehr ganz korrekt) „Schön ist die
Jugend bei frohen Zeiten; schön ist die Jugend, sie kommt nicht mehr. Bald
wirst Du müde durchs Leben schreiten, um Dich wird’ s einsam, im Herzen

                  leer. Drum sag ich’ s noch einmal: Schön ist die Jugendzeit...“

Anmerkung: Das „Betrunkene“ sollte nicht zu stark übertrieben werden.

 

Erwin:       Oh Mann, oh Mann – so eine herrliche Nacht habe ich schon lange nicht mehr erlebt.

 

Kunibert:   Erwin – warum hast Du mir eigentlich nie gesagt, dass man mit Dir so wunderbar feiern kann? Das hätten wir ja schon viel früher machen können.

 

Erwin:       Ja, das werden wir nun auch machen. Jeden Samstag machen wir nun ein Fass auf.

 

Kunibert:   So ist es! Und darauf trinken wir noch einen. Und natürlich auch auf Deinen Jörg.

 

Erwin:       Und auf Deine Heidi.

 

Kunibert:   Richtig ! (beide trinken) Du sag mal, wo sind die eigentlich geblieben? Die sind doch schon eine ganze Weile vor uns losgelaufen vom Saal.

 

Erwin:       (schelmisch) Wo sind die wohl, Kunibert?! Kannst Du Dir das denn gar nicht denken?

 

Kunibert:   Meinst Du, die liegen schon im Bett ?

 

Erwin:       Na, was denkst Du denn? Hochzeitsnacht, Kunibert. So etwas gibt es doch nur einmal im Leben.

 

Kunibert:   Ach was. Die schlafen bestimmt tief und fest. Und Hochzeitnacht... das ist doch für die jungen Leute heutzutage eh nichts besonderes mehr.

 

 

Erwin:       Trotzdem ist das eine besondere Nacht. Und die gehört nur den beiden.

 

Kunibert:   Richtig.

 

Erwin:       (schmunzelt) Na, dann wollen wir sie mal nicht stören dabei, oder? (legt einen Finger auf die Lippen) Psst, Erwin – wir müssen leise sein. (holt tief Luft, beginnt zu singen, Kunibert auch:) „Drum sag ich’ s noch einmal: Schön ist die Jugendzeit, schön ist die...“

 

3. Szene

 

Anita:        (kommt gefolgt von Elfriede herein. Beide sind auch festlich gekleidet, aber nicht betrunken. Den beiden folgt kurz danach Holger) Ja, das habe ich mir doch gedacht. Ihr könnt mal wieder nicht genug bekommen, wie? Erwin ! (greift ihm grob am Arm) Weißt Du überhaupt, wie spät es ist?

 

Holger:      (ein etwas „dröger“ und verklemmter junger Mann, steht im Hintergrund)

 

Erwin:       (sieht seine Frau jetzt erst, zu Kunibert:) Oh, meine Alte. Immer wenn es mal nett wird, steht meine Alte vor mir.

 

Anita:        (geht zu Kunibert, nimmt ihm die Flasche weg) Und Du hast die Schnapsflasche noch in der Hand. Einmal muss es ja wohl genug sein, oder?!

 

Kunibert:   Nicht ein bisschen Spaß gönnen uns die Weiber.

 

Anita:        Oh doch, das tun wir. Aber Ihr findet ja mal wieder kein Ende. Erwin, es ist nach halb sechs. Und was sagt Dir das?

 

Erwin:       Früh am Tag, Anita. Sehr früh. Ich wundere mich, dass ich schon wach bin.

 

Anita:        Ja, Du Säufer. Was anderes fällt Dir wohl nicht ein. Weißt Du auch, dass wir 42 Kühe im Stall stehen haben, die gemelkt werden müssen?

 

Erwin:       W a s? Haben die denn gar nicht mitgefeiert?

 

Anita:        Nein,  haben die nicht! (regt sich furchtbar auf) Oooh... der Kerl macht mich noch wahnsinnig, Elfriede.

 

Elfriede:    Ich mache den Spritnasen erst mal einen starken Kaffee. Vielleicht kommen sie dann wieder zu Verstand. (ab nach rechts)

 

Holger:      Lass doch Mutter. Du siehst doch selbst, dass Vater nicht mehr im Stande ist, sich um die Tiere zu kümmern; ich mach´ das schon. (will schon ab)

 

Kunibert:   H a l t ! - Halt Stopp, Holger.

 

Holger:      Was ist denn, Onkel Kunibert?

 

Kunibert:   Hast Du nicht schon Wochen vor der Hochzeit davon gesprochen, dass Du am Hochzeitstag von Deinem Bruder Jörg erst bei UNS die Kühe melken willst?

 

Holger:      (weiß nicht genau, was er machen soll) Das stimmt. Ja, das stimmt Mutter. Das habe ich Jörg und Onkel Kunibert versprochen.

 

Anita:        Das ist mal wieder typisch. Wenn Du Hammel unseren Hof übernimmst werden die anderen Bauern in unserem Dorf  schnell wissen, wie sie dich um den Finger wickeln können. Wie konntest Du Dich darauf nur einlassen, Junge?

 

Holger:      (etwas weinerlich) Mutter, Jörg hat doch geheiratet. Dann kann man doch nicht von ihm verlangen, dass er am Morgen nach seiner Feier die Kühe melkt. Das ist doch mein Hochzeitsgeschenk für Jörg und Heidi, sozusagen.

 

Anita:        Ja ja... Aber Dein Vater, der ist ja wohl schon ein paar Tage länger verheiratet – aber der hat mal wieder so tief ins Schnapsglas geschaut, das er seinen ganzen Hof vergisst.

 

Erwin:       So ist es, Anita, Liebste! (will ihr einen Kuss auf die Wange geben) Auf die Liebe. (schwankt)

 

Kunibert:   (muss ihn stützen)

 

Anita:        (wehrt ihn ab) Ja, nun kommst du zu mir. Solltest mich lieber mal im nüchternen Zustand in den Arm nehmen.

 

Kunibert:   Tja, was machen wir denn nun mit unseren Kühen? Also, ich glaube, dass ich nun auch nicht mehr...

 

Anita:        Ich verstehe. (bestimmend:) Holger, Du siehst zu, dass Du die Tiere  hier schnell melkst und dann ruck zuck zu uns rüber. Und beeil Dich, ja?!

 

Kunibert:   Das ist aber nett von Dir, Holger. Sehr nett sogar.

 

Erwin:       Ja, das ist es. Sehr nett, Junge.

 

Kunibert:   Und mit unserer modernen Melkmaschine geht das so schnell wie ein Wirbelwind. Ist es nicht so, Erwin?

 

Erwin:       (zustimmend:) Wie ein Wirbelwind, Junge.

 

Anita:        Dort hinten im Stall hängt sicher noch ein Kombi von Jörg. Nicht das Du mir mit der guten Hose und der Jacke in den Stall gehst, hörst Du?! Die kannst Du noch anziehen, wenn Du selbst mal heiratest.

 

Holger:      (etwas eingeschüchtert) Ist gut, Mutter. (bleibt an der Tür stehen, dreht sich noch mal um)

 

Anita:        Na, was ist ? Ist noch was ?

 

Holger:      Ich mach das schon, Mutter. (dann weinerlich) Aber das Du vorhin Hammel zu mir gesagt hast, das ist nicht schön von Dir... (schnell ab)

 

4. Szene

 

Erwin:       (lacht) Also, hast Du das gesehen Kunibert? Mein Junge heult rum wenn seine Mutter mal ein schiefes Wort zu ihm sagt. Das ist einfach nicht zu fassen.

 

Anita:        Ja, sensibel ist er! Nicht so wie mein lieber Herr Gemahl.

 

 

5. Szene

 

Elfriede:    (kommt zurück) So, der Kaffee ist angesetzt.

 

Anita:        Kaffee. Was hast Du bloß immer mit Deinem Kaffee, Elfriede? Für meinen Mann gibt es in den kommenden Stunden nur noch eine Medizin – und das ist sein Bett. (geht zu Erwin, nimmt seinen Arm, legt ihn um ihre Schulter) So, und jetzt komm her, damit ich Dich nach Hause krieg´, das Du wenigstens heute Abend wieder bei Verstand bist.

 

Erwin:       (wehrt sich lallend) Nee, nee. Kommt nicht in Frage. Ich bleibe bei meinem besten Freund – bei Kunibert. Da kannst Du sagen, was Du willst. Und mit Dir will ich sowieso nicht mehr ins Bett.

 

Anita:        Was soll das denn heißen ?

 

Erwin:       Erstmal wühlst Du wie verrückt herum jede Nacht; und seit Du vor drei Wochen mit Deiner blöden Bohnensuppendiät angefangen hast, lässt Du auch im Schlaf Deinen Blähungen freien Lauf.

 

Anita:        E r w i n !!!

 

Kunibert:   (muss lachen) So etwas tut Deine Frau, Erwin?

 

Erwin:       Was ich Dir sage. Und das nicht zu knapp. Nicht auszuhalten ist das. Verstehst Du, wie ich leiden muss?

 

Kunibert:   Und ob.

 

Elfriede:    Was machst Du, Anita? Eine Bohnensuppendiät? So etwas gibt es auch?

 

Anita:        Ach was. Der Kerl hat heute Nacht seinen Verstand versoffen.

 

Erwin:       Ja, ja. – Soll ich Dir Einzelheiten erzählen, Kunibert? Manchmal hört sich das an, als würden Bomben fallen.

 

Anita:        Nun hör´ auf und komm. (packt ihn wieder)

 

Erwin:       Lass mich los! Ich geh´ nicht mit und damit basta!

 

Anita:        Elfriede. Nun hör´ Dir mal meinen Kerl an. Was mach´ ich denn nun?

 

Elfriede:    Tja, die haben alle beide genug gehabt, denk´ ich. Lass Erwin doch hier seinen Rausch ausschlafen. Ist heute doch eh egal.

 

Erwin:       Jawohl. So machen wir das. Nicht wahr, Kunibert ?

 

Kunibert:   Ganz wie Du meinst Erwin, Ganz wie Du meinst.

 

Anita:        Ja aber… das geht doch nicht.

 

Elfriede:    Anita, nimm doch Vernunft an. Alleine kriegst Du Erwin doch eh nicht mehr nach Hause. Und wir haben doch genug Platz in eines unserer Gästezimmer.

 

 

Erwin:       Richtig! Und Du, liebe Anita, kannst nun alleine Deinen Bohnenkram essen. MICH regst Du damit nicht mehr auf.

 

Anita:        (holt ein Taschentuch hervor, fängt an zu weinen) So sind die Männer. Das vergesse ich Dir nie, Erwin  – darauf kannst Du Gift nehmen.

 

Erwin:       Dann nehmen wir eben Gift. Nicht wahr, Kunibert?! (greift sich die Sektflasche,
die noch auf dem Tisch steht, trinkt daraus)

 

Elfriede:    (nimmt sie ihm schnell weg) Hoho, nun ist es aber gut. Ich glaube, wir bringen Euch nun zu Bett. Und gegen Abend sieht die Welt dann wieder ganz anders aus. Hilfst Du mir, Anita?

 

Anita:        (hat sich langsam beruhigt) Ja... (nimmt Kuniberts Arm über ihre Schulter, Elfriede macht gleiches bei Erwin, dann alle vier ab nach hinten. Die Männer singen beim Abgehen wieder lauthals:) „Drum sag ich’ s noch einmal: Schön ist die Jugendzeit, schön... „

 

(kurze Pause)

 

6. Szene

 

Johanna:    (kommt von links hereingeschlichen. Auch sie trägt noch festliche Kleidung) Hallo? Keiner da?  (zu sich selbst:) Sonderbar, ich hab´ doch gerade noch jemanden singen gehört. (geht durch das Zimmer, sieht dann die Geschenke und Topfblumen, holt die daran hängenden Karten hervor, liest diese:) „Wünschen Euch beiden Familie Hollatz“. – Ach Gott, nur eine billige Blume. Dabei prahlt die geizige Gretchen Hollatz schon seit Tagen herum, dass ihr Mann wieder einmal befördert worden ist. (öffnet einen weiteren Umschlag) “Martha Penning und Partner“. – Tsss, ich kann es bald nicht glauben.’ „und Partner“... die wechselt ihre Kerle so schnell, dass sie nicht mal den aktuellen Namen Ihres Liebhabers auf die Glückwunschkarte schreiben kann. Hähä...

 

7. Szene

 

Heidi:        (kommt im Nachthemd von rechts herein, hält sich den Bauch, verzerrt das Gesicht)

 

Johanna:    (etwas erschrocken, faltet die Karte schnell wieder zusammen, legt sie zurück) Oh, Hallo Heidi.

 

Heidi:        Johanna! Was machst  Du denn hier?

 

Johanna:    Ach weißt Du, ich war schon zuhause. Aber ich bin vom Feiern noch so aufgedreht, dass ich noch einmal an die Luft gegangen bin. Und dann bin ich hierher gelaufen. Ist ja nicht weit. Und ich möchte Euch noch einmal persönlich sagen, was das für eine herrliche Hochzeitsfeier war. Also ganz ehrlich - ich habe schon lange nicht mehr so schön gefeiert.

 

Heidi:        Das freut mich, Johanna.

 

Johanna:    Und dann habe ich vorhin Holger Nowak hier in den Stall laufen sehen. Was hat das denn zu bedeuten?  Muss er bei Euch vielleicht die Tiere melken? Und wo sind denn Deine Eltern?

 

Heidi:        Das weiß ich auch nicht, Johanna. War unsere Hintertür denn offen? (verzehrt das Gesicht wieder)

 

Johanna:    Ja sicher. Sonst wäre ich hier ja nicht reingekommen. - Kind, ist was mit Dir?

 

Heidi:        Ach, ich hab´ seit ein paar Tagen solche stechenden Schmerzen im Unterleib. Und ich finde bei uns im Haus einfach keine Tabletten.

 

Johanna:    Leibschmerzen? Seit Tagen? Kind, damit ist aber nicht zu spaßen.

 

Heidi:        Ich weiß. Vorgestern war ich ja schon bei Dr. Müller–Schmiede. Der hat aber nichts gefunden. (schaut in einigen Schubladen nach, ob sie Tabletten finden kann)
 

Johanna:    Leibschmerzen in Deiner Hochzeitsnacht. Na, das ist wohl auch nicht mehr das, was es früher einmal war? Oder ist das Nervosität? - Oder waren es vielleicht die Schweinelendchen vom Hochzeitsmenü? Die  waren sehr fettig, das muss ich mal sagen. Und wenn man dann einen empfindlichen Magen hat...  Aber ansonsten war das Essen ein Hochgenuss, Heidi. Wirklich.

 

Heidi:        Tja, ich weiß auch nicht.

 

Johanna:    (steht ungeduldig da)

 

Heidi:        Hhmmm, weißt Du Johanna, es ist gleich sechs Uhr. Wenn es Dir nichts ausmacht, komm doch zur Teezeit wieder. Ich meine, nach all den Strapazen sind wir sehr müde. Das verstehst Du doch sicher, oder?

 

Johanna:    (gestellt freundlich) Aber sicher doch. Ich bin doch die Letzte, die dafür kein Verständnis hat.

 

Heidi:        Na, siehst Du.

 

Johanna:    (geht zur linken Tür, dreht sich noch mal um) Ach äh... ist denn noch einiges an Geschenken zusammen gekommen? Ich meine, die meisten haben doch sicher Geld gegeben, oder?

 

Heidi:        Ja, wir wissen noch gar nicht, wie viel da insgesamt zusammengekommen ist.

 

Johanna:    Wir Nachbarn haben jeder 30 Euro gegeben. Und das Geld für den Türkranz natürlich extra. Tja, das kann ich mir mit meiner kleinen Witwenrente eigentlich gar nicht leisten, aber ich wollte mich bei Eurer Hochzeit dann doch nicht lumpen lassen.

 

Heidi:        (hört das gar nicht ) Ja...

 

8. Szene

 

Anita:        (kommt gefolgt von Elfriede von hinten sprechend zurück) Das darf man ja gar keinem erzählen, eine Schande ist das.

 

Elfriede:    Na dann erzähle es doch keinem. - Oh, Johanna?!

 

Johanna:    Guten Morgen,  Elfriede. – Ach, Anita, Du bist auch noch hier?

 

 

Anita:        (giftig) Ja, ich bin auch noch hier, hast du irgendwas dagegen ?

 

Johanna:    Tss…

 

Elfriede:    Heidi, alles in Ordnung?

 

Heidi:        Ja Mama. Sag mal, wo hast du denn neuerdings die Medikamente versteckt?

 

Elfriede:    (geht besorgt zu ihr) Oh Kind; geht es Dir nicht gut ?

 

Heidi:        Nein, nichts schlimmes, ich hab´ nur leichte Bauchschmerzen.

 

Johanna:    Haben Du und Jörg denn noch keinen eigenen Medizinschrank? Eigentlich sollte sowas ja in jedem guten Haushalt zu finden sein.

 

Anita:        Sie sind ja erst vor zwei Wochen hier eingezogen, liebe Johanna.

 

Johanna:    Ja und? (schaut Anita abwertend an)

 

Elfriede:    Im neuen Unterschrank im Badezimmer hab ich so etwas nun hingelegt. Soll ich mitgehen?

 

Heidi:        Nein, nein, das find ich dann schon. (schon abgehend nach rechts)

 

Anita:        Wo ist Jörg denn? Schläft er schon?

 

Heidi:        Nein nein - es ist doch unsere Hochzeitsnacht. - Tja, er hat sich schon vor 10 Minuten auf der Toilette eingeschlossen und sagte, er hätte noch eine große Überraschung für mich. - Schlaft gut. (ab nach rechts)

 

Elfriede:    Ja, Du auch Heidi.

 

9. Szene

 

Johanna:    In die Toilette eingeschlossen? Eine Überraschung für Heidi? Na wer weiß, was er sich für einen Schweinkram ausgedacht hat.

 

Anita:        Was soll das denn heißen? Nimm das auf der Stelle zurück!

 

Johanna:    Na, wie komme ich denn dazu? Dein Junge hatte schon immer eine blühende Phantasie, Anita Nowak. Ich kenne ihn nicht erst seit gestern.

 

Anita:        (empört) Elfriede; nun hör Dir das an. Mein Jörg ist ein herzensguter Mensch – ist er immer gewesen. – Was willst Du hier eigentlich am frühen Morgen? Die Hochzeitsfeier ist vorbei. Hast Du kein Bett?

 

Johanna:    Oh doch. Aber ich bin ja hier bei Elfriede und Kunibert im Haus. Das kannst Du mir ja wohl nicht verbieten, oder?! - (zu Elfriede) Ich wollte nur noch einmal sagen, was das für ein herrliches Fest war. Wirklich, Elfriede – ein Traum kann ich dazu nur sagen. Und damit meine ich einfach alles. Vom Essen bis zum letzten Tanz.

 

Elfriede:    Das freut uns, Johanna.

 

 

Johanna:    Obwohl – Die Bedienung beim Essen hätte eigentlich etwas flotter vonstattengehen können. Die ersten hatten schon den Pudding vor sich stehen, da waren die anderen immer noch bei der Suppe.

 

Anita:        Das ist ja gar nicht wahr.

 

Johanna:    Doch doch. Und die Musik war ja auch langweilig. Irgendwie haben die nicht den rechten Schwung gehabt. Wenn ich da an die Hochzeit von Heino und Karin Müller denke – das war doch ganz was anderes.

 

Elfriede:    Dafür hast Du dich doch gut amüsiert, oder? Ich habe Dich fast nicht von der Tanzfläche kommen sehen.

 

Johanna:    Na ja. Wenn man als junge Witwe schon mal die Chance bekommt zu feiern, dann muss man sich eben mit der Musik zufrieden geben, die einem geboten wird, nicht wahr?

 

Anita:        So, ich muss nun nach Hause. Und Elfriede ist auch müde, Johanna.

 

Johanna:    Ja ja, ich habe schon verstanden. Aber die Hochzeit – toll – ganz toll, Elfriede.
Obwohl ich ja einen Sprung in meinem Teller hatte, aber dafür könnt ihr ja nichts. Und beim kalten Buffet hätte ich ja zu und zu gerne ein Stück Himbeertorte gehabt, aber das war ja leider nicht im Angebot. Für Himbeertorte könnte ich sterben, das wisst ihr doch.

 

Anita:        (packt Johanna am Arm) Sicher Johanna, das wissen wir. Nun ist es aber gut gewesen. (öffnet die Tür schon nach draußen)

 

Johanna:    Hey, was fällt Dir denn ein. Lass mich los.

 

10 Szene

 

Holger:      (kommt im Arbeitsanzug aufgeregt herein) Mutter, Tante Elfi, kommst schnell.

 

Elfriede:    (besorgt) Was ist denn, Holger?

 

Holger:      Eine von den Kühen kalbt. Ich habe schon versucht es alleine rauszuholen, aber das Kalb kommt mit den Hinterbeinen zuerst.

 

Elfriede:    Ach Du liebe Zeit. Das muss unsere Laura sein. Die hat doch erst übermorgen Termin.

 

Holger:      Ich schaff das nicht alleine. Tante Elfi. Kannst Du mir nicht helfen? Und wo ist Vater denn?

 

Anita:        Der! Der liegt mit Kunibert im Ehebett. Den können wir ganz abschreiben.

 

Johanna:    Ach ja? Das ist ja interessant.

 

Anita:        Ja, geh´ Du mal los und erzähl das im Dorf. Dann hast Du was zu tun, Du alte Klatschbase.

 

 

 

 

Johanna:    Klatschbase? Also...

 

Elfriede:    Dann lass mich mal schnell den Tierarzt anrufen. (wählt schnell eine Nummer)

 

Anita:        Oh nein. Was für eine Aufregung am frühen Morgen. – Soll ich nicht lieber Jörg aus dem Bett holen? Soviel getrunken hat er ja nicht.

 

Elfriede:    Nein, lass die beiden zufrieden. Die haben ihre Hochzeitsnacht. Und die gibt es nur einmal im Leben.

 

Johanna:    Sag das nicht. Die Scheidungsrate in Deutschland war noch nie so hoch, wie in diesem Jahr.

 

Anita:        Also, wenn Du Weibsstück nicht auf der Stelle Dein altes Schandmaul hältst, dann vergesse ich mich noch am frühen Morgen.

 

Johanna:    Schandmaul?! - Das hättest Du nicht sagen sollen, Anita Nowak. Das hat ein Nachspiel. (erhobenen Hauptes ab)

 

11. Szene

 

Anita:        (geladen) Die bringt mich immer wieder zum kochen. Wie konnten wir diese Kanallje eigentlich einladen ?

 

Elfriede:    Nachbarn kann man sich nicht aussuchen.

 

Holger:      Was ist denn nun? Oh Mann, warum sind Jörg und Vater auch nicht hier?

 

Anita:        Du musst als Jungbauer in Zukunft eh zusehen, dass Du mit so was alleine zurechtkommst. Du kannst doch nicht immer nach Papa schreien.

 

Holger:      Nein, Mutter.

 

Elfriede:    Der Tierarzt meldet sich nicht, Anita.

 

Anita:        Es ist Sonntagmorgen, keine sechs Uhr. Da würde ich auch nicht ans Telefon gehen.

 

Elfriede:    Aber irgendjemand muss doch Notdienst haben. Kannst Du nicht mal rasch in der Zeitung nachschauen ? Oder Holger - hast Du kein Smartphone?

 

Anita:        Lass uns das doch erstmal alleine versuchen. Vielleicht ist es ja gar nicht so schlimm, wie Holger meint.

 

Holger:      Nun aber los. Jede Minute zählt.

 

Anita:        Ja ja, wir sind ja schon unterwegs. (mit Holger abgehend)

 

Elfriede:    (legt auf) Hach, und das mit meinem besten Kleid.(drohend zur Tür hinten:) Aber dafür kaufst Du mir ein Neues, Kunibert Gronewold. (ab, Tür zu)

 

(kurze Pause)

 

 

 

 

12. Szene

 

Heidi:        (kommt von rechts zurück) Ich finde die Tabletten nicht, Mutter. – Mutter ? Ach, nun sind die auch schon alle zu Bett gegangen. (seufzt)

 

Jörg:          (ruft) H e i d i !!!

 

Heidi:        Jaaa... ich komme.

 

(es klopft an der Tür nach draußen)

 

Heidi:        (etwas erschrocken) Wer ist das denn nun schon wieder am frühen Morgen? Verwandtschaft von Johanna?

 

Doktor:      (von draußen) Hallo? Ist hier noch jemand wach?

 

Heidi:        (geht zur Tür, öffnet diese) Ja! Sicher!

 

Doktor:      (kommt herein. Er trägt evtl. einen weißen Kittel und hat eine Arzttasche dabei) Guten Morgen, Fräulein Gronewold. (stockt) Oh, Entschuldigung. Ich meine natürlich: Frau Nowak. Tja, an diesen neuen Namen muss man sich erst mal gewöhnen, nicht wahr?

 

Heidi:        Oh ja. – Sie müssen mich entschuldigen, dass ich hier so herumlaufe. (zeigt auf ihr Nachthemd)

 

Doktor:      Das verstehe ich doch. Ich will sie gar nicht vom Schlafen abhalten. (reicht ihr die Hand) Aber gratulieren wollte ich noch, dass gehört ja zu einer Hochzeit. Und alles Gute und viel Glück.

 

Heidi:        Danke, Herr Doktor, (wundert sich)

 

Doktor:      Sie wundern sich sicher, dass ich hier so am frühen Morgen hereinplatze. Aber ich hatte einen Notfall in der Birkenstrasse. Und auf dem Rückweg sah ich Ihre Mutter in den Stall laufen. Und da habe ich mir gedacht: Dann ist die junge Braut auch sicher noch auf. Ich wollte nicht nur gratulieren - Ich habe nämlich eine besonders erfreuliche Neuigkeit für Sie. Und damit wollte ich nicht länger warten.

 

Heidi:        Mutter ist im Stall? Hmm... Und Sie haben eine Neuigkeit? Für mich?

 

Doktor:      Ganz recht, und das passt so schön. Na ja und da Sie nun verheiratet sind, ist das ja noch besser. - Passen Sie auf: Sie waren doch vorgestern mit Ihrer Mutter bei mir in der Praxis. Und auf dem ersten Blick habe ich nichts ungewöhnliches festgestellt. Auch nicht wegen Ihrer Bauchschmerzen. Aber das Blut musste ja noch untersucht werden.

 

Heidi:        (verängstigt) Und? Sie haben da was entdeckt, nicht wahr?

 

Doktor:      (belustigt) Ganz recht.

 

Heidi:        Und? Sagen Sie mir die Wahrheit. Ich kann es ertragen. Ich wusste, dass mit mir etwas nicht stimmt. Wie lange habe ich noch zu leben, Herr Doktor? Sagen Sie es

 

 

 

                  mir direkt ins Gesicht. Die Wahrheit ist immer noch besser als jede Lüge . (geht nervös im Zimmer auf und ab)

 

 

Doktor:      Heidi. Sie haben aber Gedanken im Kopf. Mich wundert es eigentlich, dass Sie noch nicht selbst darauf gekommen sind.– Sie sind in der 10. Woche schwanger.

 

Heidi:        (muss sich setzen) Ich bin? Was bin ich? Ich bekomme...

 

Doktor:      Ja, Sie werden Mutter, Heidi. Ist das nicht eine wunderbare Überraschung am Hochzeitstag?

 

Heidi:        Ja aber... ich meine...sind Sie da auch ganz sicher, dass ich das bin?

 

Doktor:      Heidi, nun muss ich mich aber wundern. Seit fast 10 Jahren sind Sie nun bei mir in Behandlung. Und Ihre Mutter noch viel länger. Immer haben sie mir vertraut. Und auf einmal zweifeln Sie an meine Diagnosen?

 

Heidi:        Nein. Nein. - Es ist nur: Ich und schwanger. (fasst sich an den Bauch, sieht darauf) Wieso habe ich das denn selbst noch nicht gemerkt ? (ist fassungslos)

 

Doktor:      Tja, das frage ich mich ja auch. Am besten kommen Sie in den nächsten Tagen noch einmal in meine Praxis, damit wir eine Ultraschalluntersuchung machen können. Aber lassen Sie sich Zeit.

 

Heidi:        Ja.

 

Doktor:      Na, was ist ? Freuen Sie sich denn gar nicht?

 

Heidi:        Freuen? – (gestellt) Doch, doch. Sicher freue ich mich.

 

Doktor:      Na, dann will ich auch nicht länger stören. (öffnet die Tür nach draußen, als... )

 

14. Szene

 

Elfriede:    (... eilig hereingestürmt kommt. Sie trägt eine Gummischürze und Gummihandschuhe, ist etwas dreckig, stößt mit dem Doktor zusammen) Huch ! Sie ?

 

Doktor:      Guten Morgen, Frau Gronewold.

 

Elfriede:    Guten Morgen, ist gut. Aber Sie kommen gerade zur rechten Zeit. Unsere Laura kalbt und wir können den Tierarzt nicht erreichen. Helfen Sie uns. Wir bekommen das Tier einfach nicht alleine heraus.

 

Doktor:      Gute Frau Gronewold. Ich bin Gynäkologe und kein Tierarzt. Da muss ich Sie leider enttäuschen.

 

Elfriede:    Ach was. So eine Kuh ist doch eigentlich auch nur eine Frau. Und mehr als zwei Kinder haben Sie ja wohl auch schon auf die Welt geholt, oder?

 

Doktor:      Ja aber...

 

 

 

Elfriede:    Nun helfen Sie uns mal. Wir helfen Ihrer Geldbörse auch schon seit Jahren, wenn wir bei Ihnen behandelt werden.  

 

Doktor:      Frau Gronewold, das kann ich nicht.

 

Elfriede:    (resolut) Herr Müller – Schmiede, das ist ein Notfall und es gibt für meine Tochter und mich noch andere Ärzte, – haben Sie mich verstanden?

 

Doktor:      (etwas eingeschüchtert) Ja. – Dann will ich mal schauen, was ich machen kann.

 

Elfriede:    (scheucht ihn heraus, will mit ab, als... )

 

15. Szene

 

Heidi:        (... ihre Mutter zurückruft) Mutter, warte bitte noch einen Augenblick.

 

Elfriede:    (kommt zurück, lässt die Tür nach draußen aber halb geöffnet) Ja, was ist denn noch, Kind? – Du sag mal, was will der Kerl hier eigentlich um diese Zeit bei uns?

 

Heidi:        (steht auf, geht auf ihre Mutter zu, fällt ihr lauthals weinend in die Arme) Mama – Ich bin schwa...nger!

 

Elfriede:    Was ist? Oh Gott, Kind, Du machst dich dreckig.

 

Heidi:        (löst sich von ihrer Mutter, holt ein Taschentuch hervor, trocknet die Tränen)

 

Elfriede:    Du bist in anderen Umständen ? Na prima. Das ist doch toll, Heidi. Warum weinst Du denn? Das ist doch eine schöne Nachricht.

 

Heidi:        (hat sich etwas beruhigt) Mutter..., ich... ich muss Dir was sagen.

 

Elfriede:    Ja, was denn, Kind ?

 

Heidi:        Mutter, es ist besser, ich sage es Dir jetzt, als wenn ich das bis zu meinem Lebensende mit mir herumschleppe. Damit würde ich sowieso nicht klarkommen.

 

Elfriede:    Womit?

 

Heidi:        Mutter, Du musst nun stark sein, denn das, was ich Dir nun sage, ist sicher nicht einfach für Dich.

 

Elfriede:    (besorgt, nimmt Heidi in den Arm) Das hört sich nicht gut an. Nun rede schon!

 

Heidi:        Mutter, Jörg ist NICHT der Vater von dem Kind ! (weint wieder)

 

Elfriede:    Was sagst Du da ?  (beide setzen sich nebeneinander)

 

16. Szene

 

Johanna:    (kommt leise von links kurz auf die Bühne, sieht die beiden, dreht dann blitzschnell um, lauscht aber weiterhin an der geöffneten Tür)

 

 

 

Heidi:        Weißt Du Mutter – Jörg und ich; wir haben noch nie... also... na ja, Jörg wollte bis zur Hochzeit auf mich warten. Er kann also nicht der Vater sein.

 

Elfriede:    Ja, aber wer denn ? Ihr kennt Euch nun doch schon fast sechs Jahre. In dieser Zeit haben andere Männer doch nie eine Rolle für Dich gespielt. Wie ist das denn bloß möglich? Das muss ja auch erst vor kurzem gewesen sein. Und weshalb warst Du denn überhaupt mit einem anderen Mann im Bett?

 

Heidi:        (sieht ihre Mutter unsicher an) Ich kann mir darauf auch keinen Reim machen. Das heißt... (wieder weinerlich) vielleicht gibt es doch einen, der dafür in Frage kommt.

 

Elfriede:    Heidi, was sagst Du da?

 

Heidi:        Doch, aber vor ungefähr drei Monaten hatten wir mal einen großen Krach.

 

Elfriede:    Und da hast Du Dich sofort in ein neues Abenteuer gestürzt? Heidi, ich muss schon sagen. Wer ist das gewesen?

 

Heidi:        (laut weinend nach einer kurzen Pause) A l f r e d o !!!

 

Elfriede:    (völlig „platt“) Alfredo ? Alfredo Carducci, dieser Spaghetti–Fritze von der Pizzeria?

 

Heidi:        (weint weiterhin, nickt)

 

Johanna:    (hustet und prustet hinter der Tür laut los)

 

Elfriede:    (geht schnell hin, empört) Was machst DU hier denn noch? Stehst hinter der Tür und lauscht? Was hast Du gehört, Johanna?

 

Johanna:    Genug, Elfriede.

 

Elfriede:    Oh Johanna, wenn Du nicht Deinen Mund hältst, lernst Du mich aber kennen.

 

Johanna:    Ja, ja, ich schweige wie ein Grab. So, und nun muss ich aber los. Tschü...ss. (ab)

 

Heidi:        Und nun geht sie damit im Dorf hausieren. Ich kann mir mal einen Strick kaufen. (fällt ihrer Mutter wieder weinend in die Arme)

 

17. Szene

 

Kunibert:   (kommt mit Nachthemd und Nachtmütze von hinten lallend und schwankend
herein)  Was ist hier eigentlich für ein Krach? So kann man ja kein Auge zu kriegen. (stützt sich an einem Schrank)

 

Elfriede:    Kunibert. Nun bleib doch im Bett.

 

Erwin:       (kommt sodann danach auch von hinten herein. Er trägt ein Damennachthemd, singt wieder:) „... schön ist die Jugend, schön ist die Jugendzeit, sie kommt nicht mehr.“

 

Kunibert:   (hakt in dem Gesang ein) „Sie kommt sie kommt nicht mehr...“

 

 

Elfriede:    (geht empört zu den beiden) Könnt ihr beiden denn nicht endlich Ruhe geben ?

 

Kunibert:   Haha, hörst Du das, Erwin ? WIR sollen Ruhe geben?! Wer schreit denn hier wohl herum?

 

Elfriede:    (hält sich den Kopf) Ich werde noch wahnsinnig in diesem Haus.

 

19. Szene

 

Anita:        (kommt gefolgt von Holger und dem Doktor herein. Auch sie trägt eine Schürze, sieht „geschafft“ aus) Wo bleibst Du denn Elfriede ? Lässt uns mit der ganzen Arbeit alleine. (sieht dann ihren Mann) Ach Du liebe Zeit. Was ist das denn? Was trägst Du denn da?

 

Erwin:       (lallend) Schön, nicht wahr!?

 

Elfriede:    Wer hat Dir denn mein Nachthemd angezogen ?

 

Erwin:       Ich mir selbst! Ich bin ja schon groß.

 

Holger:      Das Kalb ist da. Munter und gesund, Tante Elfi. Haben wir das nicht gut gemacht, Mutter?

 

Anita:        Ja ja, DU Tollpatsch hast ja wohl nicht viel dazu beigetragen.

 

Holger:      (beleidigt) Der Doktor aber auch nicht.

 

20. Szene

 

Jörg:          (ruft von rechts) H e i d i !  Heidi, ich bin nun soweit.

 

Heidi:        (zu ihrer Mutter) Ich kann ihm nie wieder mehr in die Augen schauen, Mutter.

 

Anita:        Was sagst Du da ?

 

Elfriede:    Ach nichts.

 

Holger:      Was ist denn mit Dir, Heidi ?

 

Jörg:          (ruft wieder) H e i d i ! Heidi, mein Liebling, wo bist Du denn ? (kommt jetzt herein mit nacktem Oberkörper; trägt nur einen weißen Slip mit „Bein“, darauf sind viele rote Herzen gemalt) Heidi, ich bin soweit. (schaut in die Menge, wundert sich, darin fällt schnell der Vorhang)

 

 

 

Ende des ersten Akts

 

 

 

 

 

 

 

 

Zweiter Akt

 

           

                  (Am späten Nachmittag desselben Tages. Ca. 17:30 Uhr. Die Blumen und Geschenke sind weggeräumt worden. Auf dem Tisch stehen Teetassen sowie eine Schale mit Gebäck. Wenn der Vorhang sich hebt, sitzen Kunibert und Elfriede nachdenklich und etwas betrübt am Tisch, trinken Tee. Beide tragen jetzt „normale“ Alltagskleidung)

 

1. Szene

 

Kunibert:   (schlägt nach einer kurzen Pause mit der Faust auf den Tisch) Verdammt noch mal. Ich kann es immer noch nicht glauben. Ooh... (hält sich den Kopf)

 

Elfriede:    Ja, das kommt davon, wenn man zu viel trinkt.

 

Kunibert:   Ja, ich weiß, Elfriede. – Ach ,das wäre hier doch eine Zukunft wie aus dem Bilderbuch gewesen. Unsere Tochter Heidi heiratet die beste Partie unter den Bauern hier im Dorf. Es sind zwei Söhne auf dem Hof und er heiratet hier praktisch ein. Er ist ein guter Mann; und viel von der Landwirtschaft versteht er auch. Da bezahlen wir fast ein halbes Vermögen für die Hochzeit, damit auch alles vom Besten ist und dann so was!

 

Elfriede:    (seufzt) Ja. (schüttelt unverständlich mit dem Kopf)

 

Kunibert:   8.000 Euro für nichts und wieder nichts. Und der ganze Bau hier nebenan. Das kommt auf rund 125 Tausend. Wer soll das denn nun bezahlen? Und wofür auch noch das ganze Spektakel? Oder will Heidi dort jetzt alleine drin wohnen? Nun sitzen wir damit. Aber natürlich musste es ja ein großes und üppiges Haus werden.

 

Elfriede:    Nun reg Dich doch nicht auf.

 

Kunibert:   Ja, Du kannst gut reden. Ich darf gar nicht darüber nachdenken. Das Aufgebot war schon bestellt; da lässt unsere liebe Tochter sich noch ein Kind von einem anderen andrehen.

 

Elfriede:    Kunibert!

 

Kunibert:   (laut) Ja, hab´ ich denn nicht recht? Du hättest sie als Kind mal strenger erziehen sollen. Was soll denn nun werden? Oder soll dieser Spaghetti-Heini hier in Zukunft unsere Kühe melken? – Dann kommt aus den Eutern bestimm bald Cappuchino.  - Das ist Deine Erziehung, Elfriede.

 

Elfriede:    (verärgert und etwas weinerlich) Nun gib mir alleine die Schuld...

 

Kunibert:   Was haben wir eigentlich für eine Welt, dass Kinder so gleichgültig sind ? Bloß weil sie ein bisschen Streit mit Jörg hatte, na und? Dann hüpft man direkt mit einem Itaker ins Bett? Na prima. (regt sich auf)

 

Elfriede:    Heidi sagt, sie kann sich das selbst nicht erklären.

 

Kunibert:   Ja..., nun, wo es zu spät ist, ist das Geschrei groß. – Jörg sollte ihr mal ordentlich den Hintern versohlen. Und wenn er sich nun scheiden lässt... ich verstehe ihn. - Was sagt er eigentlich dazu ?

 

Elfriede:    (kleinlaut) Er weiß das ja noch gar nicht.

 

Kunibert:   (ironisch und sehr verärgert) Ach... noch besser. Will sie vielleicht das Kind bekommen und ihm erzählen, dass es von ihm ist? Und wenn die Hautfarbe dann etwas dunkler ist als unsere? Was sagt sie Jörg dann? – Das sie in der Schwangerschaft zu viel Schwarzbrot gegessen hat, oder was?

 

Elfriede:    Kunibert, das ist für uns alle schlimm genug. Wir müssen uns nun mal auf die momentane Situation einstellen. Und was Jörg und seine Eltern angeht – da muss Heidi alleine durch. – Das ist für sie auch nicht einfach. Seit heute Morgen sechs Uhr liegt sie im Bett und weint.

 

Kunibert:   (steht auf) Nimm Du sie auch noch in Schutz, unser kleines Flittchen. (geht zur Tür nach links) Ich vergesse ihr das mein Lebtag nicht. Und das soll sie immer zu spüren bekommen. („geladen ab“)

 

Elfriede:    (seufzt nochmal schwer, trinkt dann den Rest aus ihrer Tasse, zu sich selbst:) Oh Heidi, warum bestrafst Du uns so? (schüttelt den Kopf)

 

                  (nach einer Pause klopft es)

 

Elfriede:    Ja ?

 

2. Szene

 

Martina:     (kommt herein) Guten Morgen, Frau Gronewold.

 

Elfriede:    (steht auf) Guten Morgen, Martina. Na, auch schon wieder munter?

 

Martina:     Na ja. Es war eine wunderbare Hochzeit, nicht wahr?

 

Elfriede:    (betrübt) Ach ja, das war es. Du willst sicher mit Heidi sprechen, oder ?!

 

Martina:     (jetzt auch ernster) Sie hat mich angerufen und mir erzählt, was heute Morgen passiert ist. Ich dachte erst, sie macht Spaß.

 

Elfriede:    Das sieht nicht danach aus, Martina. (geht zur rechten Tür) Lass sie Dir das mal selbst erklären. Warte – ich hol sie. Setz Dich doch hin. (abgehend nach rechts)

 

Martina:     Danke. (setzt sich, wartet)

 

                  (kurze Pause, dann klopft es erneut)

 

Martina:     (etwas unsicher) Äh ja?

 

3. Szene

 

Holger:      (kommt langsam herein) Guten Morgen. Oh, Hallo. Ich hab´ gedacht, Heidi wäre hier. Ich wollte nämlich, na ja... (er trägt jetzt einen Arbeitsanzug oder Jeans und Kittel, sowie eine Mütze)

 

 

 

 

 

 

Martina:     (reicht ihm die Hand) Hallo. Martina Klöppel. Du bist Holger, stimmt´s ?

 

Holger:      (nickt kräftig) Hhmm.

 

Martina:     Wenn ich mich nicht täusche, haben wir gestern Nacht sogar miteinander getanzt – beim Marsch-Walzer.

 

Holger:      (grinst verlegen) Jaa..., das glaube ich auch.

 

Martina:     Ich bin Heidis Freundin.

 

Holger:      Aha. (nimmt seine Mütze ab, steht wartend und verlegen da)

 

Martina:     Du trägst Arbeitsklamotten? Am Sonntag?

 

Holger:      Wir Bauern kennen keinen Sonntag. Wir müssen jeden Tag ran.

 

Martina:     Na, das kannst Du mir nun aber nicht erzählen. Bei meinem Opa – da war das vielleicht noch so. Aber heutzutage sieht es in der Landwirtschaft doch ein bisschen moderner und anders aus, oder?

 

Holger:      Na ja, Sie haben ja recht. Aber melken muss ich gleich noch. Darum laufe ich so herum.

 

5. Szene

 

Heidi:        (kommt herein, verheultes Gesicht) Hallo Martina.

 

Martina:     (geht zu ihr, umarmt sie herzlich) Heidi, was machst Du denn für Sachen?

 

Holger:      (sieht Heidis verweintes und betrübtes Gesicht) Heidi... Nun muss ich mich aber wirklich wundern. Du schaust aus, als ob es zehn Tage geregnet hat. Genau wie mein Bruder. Der hat auch gerade geweint. Ich habe immer gedacht, man ist glücklich, wenn man verheiratet ist.

 

Martina:     Ja, das ist auch so, aber... (weiß nicht weiter)

 

Heidi:        Holger, sei uns nicht böse, aber Martina und ich würden gerne einen Augenblick alleine sein. Das verstehst du doch sicher, oder?

 

Holger:      Ja ja.

 

Heidi:        Oder wolltest Du irgendwas bestimmtes von mir ?

 

Holger:      Nein, eigentlich nicht.

 

Martina:     Sag´ Deinem Bruder, dass Heidi sich nachher noch mit ihm unterhält.

 

Heidi:        Martina, ich...

 

Martina:     (hält sie zurück) Und dann sag´ ihm noch, er soll aufhören zu heulen, so was tut ein erwachsener Mann nicht. Das ist doch lächerlich.

 

 

 

Holger:      (schon an der Tür, betrübt) Wir Nowaks sind eben so empfindlich. Das muss wohl von Vaters Seite kommen. Es gibt Tage, da können wir einfach nichts dagegen machen. (fängt während des letzten Satzes wieder an zu weinen, dann schnell ab)

 

6. Szene

 

Martina:     (seufzt auf) Oh Mann, hier scheint ja einiges im Argen zu liegen. Sag mal – stimmt das, was Du am Telefon erzählt hast?

 

Heidi:        (beruhigt sich etwas) Martina, ich weiß nicht mehr weiter.

 

Martina:     In der zehnten Woche schwanger. Und Du bist sicher, das nur Alfredo dafür in Frage kommt ?

 

Heidi:        (erbost) Was denkst Du eigentlich von mir ? Meinst Du, dass ich mit jedem rummache...

 

Martina:     Nun beruhige Dich. So habe ich das nicht gemeint. Aber Du und Alfredo... (schüttelt den Kopf) Das will mir einfach nicht in den Kopf.

 

Heidi:        Mir ja auch nicht!

 

Martina:     Hä? Wann soll das denn gewesen sein ?

 

Heidi:        Einen Tag nach meinen Geburtstag. Du warst doch dabei, als wir bei Alfredo auf meinen Ärger einen getrunken haben.

 

Martina:     (erinnert sich) Oh, als Jörg sich ein neues Auto bestellt hat, ohne Dir ein Wort davon zu sagen ?

 

Heidi:        Genau ! Das vergesse ich ihm auch nicht. Was ist denn das noch für ein Vertrauen? Wenn das jeder so macht? Er soll mir so etwas sagen. Wenn ich auch so wäre...

 

Martina:     Ja, aber ich verstehe nicht ganz. Du warst sehr sauer auf Jörg. Und da haben wir beide aus Trotz ohne ihn in der Pizzeria ein bisschen gefeiert. Wir hatten beide eine wunderbare Pizza Calzone und wir hatten beide anständig einen in der Krone von dem Lambrusco – aber davon bekommt man doch kein Kind.

 

Heidi:        Martina; Du hast doch selbst gesehen, dass Alfredo mir den ganzen Abend schöne Augen gemacht hat. – Er ist ja auch ein toller Hecht.

 

Martina:     Na ja gut.

 

Heidi:        Er hat uns doch gefragt, ob wir nicht Lust hätten, nach Feierabend mit ihm und seinen Mitarbeitern noch ein kleines Sommerfest zu feiern; weil er doch 10 jähriges Jubiläum hier im Dorf hatte.

 

Martina:     Ja. Aber wir sind doch gegen halb zehn miteinander von dort gegangen.

 

Heidi:        Das stimmt.

 

Martina:     Ja dann... Also ich kapier´ das nicht. Du musst mir mal weiterhelfen.

 

Heidi:        (seufzt) An der Schützenstraße haben wir uns auf dem Weg nach Hause doch voneinander getrennt.

 

Martina:     Ja.

 

Heidi:        Na ja. Und dann kamen wieder diese Gedanken in mir hoch. Das mit Jörg und wie er mich doch so enttäuscht hat. Und dann... bin ich umgedreht und bin zurück zu Alfredo und den anderen.

 

Martina:     H e i d i !!! Na, Du bist mir ja eine schöne Freundin.

 

Heidi:        Ich musste Jörg das einfach zurückzahlen, diesem Schuft.

 

Martina:     Und was ist nun bei Alfredo passiert ?

 

Heidi:        Wir hatten an dem Abend so viel Spaß, dass glaubst Du gar nicht. Italiener haben ja so viel Lebensfreude. Einer hat Gitarre gespielt, wir haben gesungen und er hat Geschichten aus seiner Heimat erzählt. Na ja - und wir haben mit sechs Leuten noch vier Flaschen Rotwein leer gemacht.

 

Martina:     Ach Du liebe Zeit. Dabei hattest Du doch schon genug gehabt.

 

Heidi:        Eben ! Irgendwann ist bei mir dann der Faden gerissen. Ich weiß nur noch, dass Alfredo mich auf seinen Armen irgendwo hingetragen hat. Tja, und am anderen Morgen bin ich in seinem Schlafzimmer aufgewacht - und... Alfredo lag neben mir.

 

Martina:     Nun wird mir einiges klar. Dann haben Du und er in dieser Nacht also...

 

Heidi:        (verzweifelt) Ja, wenn ich das denn noch wüsste... ich kann mich an gar nichts mehr erinnern.

 

Martina:     Du willst damit also sagen, dass Du so betrunken warst, das Du nicht einmal gemerkt hast, was Alfredo mit Dir angestellt hat? (verärgert) Der hat mit Dir geschlafen und Du weißt das gar nicht? Das hätte ich Alfredo nun aber wirklich nicht zugetraut. Nutzt eine unschuldige junge Frau auf diese Art schamlos aus. Eine Frechheit ist das. – Pass mal auf; nachher weist er jeden Verdacht von sich. Du weißt von nichts, und er auch nicht. Und Zeugen werden ja wohl nicht dabei gewesen sein.

 

Heidi:        (fängt wieder an zu weinen)

 

Martina:     Nun hör´ doch auf zu heulen. Damit hilfst Du Dir selbst am allerwenigsten.

 

Heidi:        Ich hab´ das doch nicht gewollt, Martina. Ich wollte Jörg doch nur ärgern. Bei Alfredo schlafen wollte ich bestimmt nicht – Und mit ihm schon gar nicht!

 

Martina:     Da hast Du Dich ja in einen schönen Schlamassel hereingeritten – und Doktor Müller-Schmiede hat Dir das heute Morgen mitgeteilt?

 

Heidi:        (nickt nur, beruhigt sich etwas)

 

 

 

 

Martina:     Und selbst hast Du in den zehn Wochen nichts gemerkt? Ich meine, ich bin ja selbst eine Frau. Und ich denke, das sich doch irgendwas im Körper verändert.

 

Heidi:        Ach, mein Körper spielt im Moment eh zurück. Auch mit meiner Regel ist das alles chaotisch. Und gespürt habe ich bislang nichts. Bis auf Bauchschmerzen. Ist wohl auch noch ein bisschen früh.

 

Martina:     Ist Dir morgens denn nicht schlecht gewesen?

 

Heidi:        Nein, nicht wirklich. Eben nur diese Unterleibsschmerzen. Aber ich habe mir nichts dabei gedacht.

 

Martina:     Darum bist Du dann auch zum Frauenarzt gegangen?

 

Heidi:        Nein. Da gehen Mutter und ich eh jedes Jahr zur Krebsvorsorge hin – den Urin hat er ja nicht untersucht; sonst hätte er sofort festgestellt das ich... (fängt wieder an zu weinen) Die ganze Hochzeit hätten wir uns sparen können. Alles umsonst.

 

Martina:     (nimmt sie liebevoll in den Arm) Du darfst nun nicht verzweifeln, Heidi – das ist nicht gut für Deinen Zustand. Finde Dich einfach mit der Situation ab. Sprech´ mit Jörg! Wissen muss er es so oder so irgendwann. Du kannst ihm das nicht verschweigen.

 

Heidi:        Ich weiß.

 

Martina:     Wissen denn noch andere davon?

 

Heidi:        Nur meine Eltern. Aber Johanna Specht hat wohl heute Morgen was mitbekommen. Und wenn DIE erst lostratscht, dann weiß es mittlerweile auch der letzte Mensch hier im Dorf. Und Jörg ? Ich weiß nicht - da bin ich mir nicht ganz sicher. Er hat sich gewundert, das ich letzte Nacht nicht mehr zu ihm gekommen bin ins Bett - Aber sicher weiß er es auch schon - warum heult er denn sonst?

 

Martina:     (beruhigt sie weiterhin) Ach Du...

 

7. Szene

 

Alfredo:    (kommt schnell, sehr aufgebracht von links herein. Er trägt eine weiße Halbschürze; seine Gesichtsfarbe ist etwas dunkler, evtl. – typisch italienisch – die italienischen Sätze spricht er schnell und zügig. Bei den deutschen Sätzen sollte entsprechend langsamer gesprochen werden. – Gleich hinter Alfredo kommt Johanna herein; macht einen etwas schadenfrohen Eindruck) Scusa, il io semplice invadere un paese, Heidi. (geht besorgt zu ihr)

 

Heidi:        (sehr erstaunt und verwirrt zugleich) Alfredo!

 

Johanna:    (stolz) Na..., da staunt ihr, was ?! Wenn ihr mich nicht hättet. Nun soll er gerade stehen für seine Schandtaten.

 

Alfredo:    Come stai, Heidi? Diese Frau hier (deutet auf Johanna) machen großes Hallo in Pizzeria. Ich weiß nicht, was sie meint, Senora Specht.

 

Johanna:    Na..., nun stell Dich auch noch dumm, Du Pizza-Spezialist. Erst seinen Spaß haben und dann kneifen. Das sieht Euch Ausländern mal wieder ähnlich...

 

 

Martina:     Frau Specht, ich weiß nicht, warum SIE sich da einmischen.

 

Johanna:    Was ich mit meinen eigenen Ohren gehört habe, habe ich gehört.

 

Heidi:        (steht auf, geht wütend auf Johanna zu) Verschwinde hier! Und das ein bisschen flott.

 

Alfredo:    (steht nichtsahnend da)

 

Johanna:    Was sagst Du ? Na, das ist nun der Dank für meine Gutmütigkeit? Aber das war ja schon immer so. (will schon beleidigt ab, als...)

 

8. Szene

 

Anita:        (... gefolgt von Erwin sehr aufgebracht hereinkommen. Sie stoßen fast mit Johanna zusammen. Anita geht schnurstracks auf Alfredo zu, packt ihn am Kragen) Duuuu... Du elendiger italienischer Bock hast meine Schwiegertochter ins Unglück gestürzt?

                 

Alfredo:    (ängstlich) Prego ? Mi dispiace, aber ich weiß nicht, was Sie wollen von Alfredo.

 

Erwin:       Moment, Anita. (geht wütend zu Heidi) Und was ist mit ihr? Hast Du unsere liebe Schwiegertochter schon vergessen? Sie ist ja wohl auch zu 50 Prozent beteiligt gewesen - an diesem italienisch-deutschen Paarungsritual.

 

Heidi:        (erstaunt) Schwiegervater...

 

Erwin:       Ich bin ab sofort dein Schwiegervater nicht mehr. Mit so einem Flittchen möchte ich nicht verwandt sein.

 

Heidi:        (fällt weinend in Martinas Armen)

 

Anita:        Ja, heulen nützt nun auch nichts mehr. (zu Alfredo) Und mit DIR Lustmolch rechnen wir noch ab, darauf kannst Du Dich verlassen.

 

Alfredo:    No no, Senora. Alfredo haben nichts gemacht. Vielleicht war ein Malör, aber damit haben Alfredo nichts zu tun.

 

Anita:        (streng, geht wieder einen Schritt auf ihn zu, laut:) Mit Dir rechnen wir ab !!!

 

Alfredo:    (schnell, ängstlich) Si ! Si si.

 

Anita:        Na also – geht doch.

 

9. Szene

 

Elfriede:    (kommt von rechts zurück) Hey, was ist denn hier für ein Geschrei ? (sieht Johanna) Oh Johanna, Du alte Klatschbase. Hast Du wieder rumgetratscht ?

 

Johanna:    (wirft sich in die Brust)

 

 

 

 

 

Anita:        Tratschen ? Tratschen nennst Du das, Elfriede ? Ein Glück kann ich da bloß sagen, das Johanna das hier aufgeschnappt hat. Sonst wäre die Wahrheit womöglich nie herausgekommen. Na, da hat unser Junge ja in eine schöne Familie eingeheiratet.

 

Elfriede:    Was soll das denn heißen ?

 

Erwin:       Ich hab´ schon immer gesagt, dass Heidi nichts für unseren Jörg ist, Anita. Aber nein – DER musste es ja unbedingt sein. Nun sieht man ja, worauf er sich da eingelassen hat.

 

Elfriede:    Nun ist es ja wohl soweit! Wer ist ihr denn immer hinterher geschwänzelt ? Euer Jörg ! Unsere Heidi hätte auch noch andere Bauernjungen abbekommen. 

 

Anita:        Oh ja ?

 

Elfriede:    Oh ja !

 

10. Szene

 

Kunibert:   (kommt von links zurück)

 

Elfriede:    Den Sohn von Hannes Wagner zum Beispiel. Der hat auch noch keine Frau. Und das ist ein anständiger Mensch mit Verstand. AUCH die Eltern!

 

Erwin:       Hörst Du das, Anita. Anständige Menschen mit Verstand. Und was sind wir ? Und wie nennst Du das, was Deine Tochter zehn Wochen vor der Hochzeit mit diesem Mister Carducci gemacht hat?  (sprich: Karducki)

 

Alfredo:    Carducci, prego. (sprich: Cardutschi)

 

Anita:        (zu Alfredo) R u h i g !!!

 

Kunibert:   Moment mal. Wir sollten uns erst einmal fragen, warum das überhaupt passiert ist. Heidi hat das sicher nicht ohne Grund getan. Und lasst uns doch mal ehrlich sein : Dein lieber Jörg ist auch noch nie ein Unschuldsengel gewesen.

 

Johanna:    Ach, ist das spannend hier. (reibt sich die Hände) Das ist ja besser als der beste Krimi im Fernsehen.

 

Martina:     (nimmt Heidi im Arm, geht mit ihr langsam ab nach links. Die anderen bemerken dies nicht)

 

Anita:        Das wird ja immer besser. Nun ist unser Jörg am Ende noch schuld an allem. Heidi ist ein flatterhaftes Ding, das liegt ja wohl auf der Hand. – Wer weiß, nach wem sie wohl geraten ist, Erwin.

 

Elfriede:    Bitte ?

 

Alfredo:    Permette ? Vorrei...

 

Erwin:       SIE verhalten sich ruhig, ja?!

 

 

 

 

Alfredo:    Si.

 

Elfriede:    Kunibert. Diese Kanallje will mir anhängen, dass auch ICH keine reine Weste habe. Ist das denn zu fassen !?

 

Kunibert:   Das sagt gerade die Richtige, Elfriede. Und was haben die Leute hier im Dorf nicht schon für Geschichten über sie erzählt.

 

Anita:        Ja ?

 

Kunibert:   Oh ja !  Soll ich auspacken ?

 

Anita:        (ironisch) Nur zu; ich bin ganz Ohr.

 

Kunibert:   Als euer Holger geboren wurde...

 

Elfriede:    (will ihn zurückhalten) Kunibert, nun lass doch.

 

Kunibert:   (lässt sich nicht unterbrechen) Als euer jüngster, der Holger geboren wurde, da hat jeder Mensch hier im Dorf erzählt, dass das wahrscheinlich gar nicht Dein Kind ist, Erwin. Jawoll, Anita Nowak, Du hast Dich herumgetrieben in jungen Jahren. Tja, wen wundert´s. Wenn Erwin die ganzen Tage lang auf dem Acker zugange war, hattest Du ja Zeit genug für den Postboten; den Elektriker, den Schornsteinfeger, Staubsaugervertreter...

 

Anita:        (außer sich) Ich ..., Ich..., das ist Verleumdung vierten Grades. Das...Erwin, sag doch auch mal was!

 

Erwin:       (braust zunächst auch auf) Also, das ist... Kunibert, so kannst Du nun aber wirklich nicht über meine Frau reden. (besinnt sich kurz) Obwohl...

 

Anita:        Was ist nun denn los ?

 

Erwin:       Na ja, ich denke gerade  – Holger schlägt  ja in keiner Art und Weise nach mir. Und wenn ich es mir recht überlege; Zeit hattest Du damals auch wirklich nie für mich, Anita.

 

Anita:        E r w i n, Du glaubst doch nicht etwa, was dieses Volk hier von sich gibt ?

 

Johanna:    Ja, also, wenn ich dazu auch mal was sagen dürfte...

 

Elfriede:    Du bist still. Was willst du hier denn eigentlich noch ? Sieh zu, dass Du nach Hause kommst. Du bist deinen Verpflichtungen ja nun nachgekommen.

 

Johanna:    Ja, aber...

 

Elfriede:    (zeigt streng mit dem Finger zur Tür nach draußen) Wird es nun bald ?

 

Johanna:    Ja ja. (eingeschüchtert und beleidigt ab) So´n Mist aber auch.

 

 

 

 

 

11. Szene

 

Anita:        Jörg muss sich so schnell wie möglich wieder scheiden lassen, das ist ja wohl klar. Vielleicht kann man, wenn es geht, die Ehe ja noch ondulieren lassen.

 

Elfriede:    Annullieren heißt das, Du Dummkopf.

 

Anita:        Ich helf` Dir gleich, Du Spinatwachtel.

 

Erwin:       Moment, erst mal zurück zu unserem Holger.

 

Anita:        Holger ist doch jetzt wohl völlig unwichtig!

 

Erwin:       (bestimmend) Nein, ist er nicht ! Ist das Kind nun von mir, oder nicht ?

 

Anita:        Du hast doch wohl einen Sockenschuss. Wie kann mein eigener Mann nur so was von mir denken ? Nur weil das Pack hier versucht Unfrieden zu stiften, fängst Du nun auch an, an mir zu zweifeln ? – Komm Du mir nach Hause, dann kannst Du was erleben.

 

Elfriede:    PACK hat sie gesagt, Kunibert. Hast Du das gehört ? Pack !

 

Erwin:       (verschränkt die Arme, „baut“ sich vor seiner Frau auf) Du, meine liebe Frau kannst was erleben, wenn wir nach Hause kommen. Und das passiert nun auf der Stelle.

 

Anita:        (eingeschüchtert; wird langsam aber deutlich von Erwin zur linken Tür gedrängt) Erwin, so beruhige Dich doch.

 

Erwin:       Das will ich nun genau wissen, was da vor 30 Jahren passiert ist. (lauter) Hast Du mir noch was zu Holgers Vater zu sagen ?

 

Alfredo:    Dove siamo qui ? Mi puo andar ’d accordo con ? Mamma mia.

 

Anita:        (zu Alfredo) Du hältst Deinen Mund, das habe ich dir eben schon einmal gesagt.

 

Erwin:       DU hältst Deinen Mund. Sofort. (zeigt wütend zur Tür) Und nun ab nach Hause. Das hier wird ein anderes Mal geklärt. Erstmal bist Du dran.

 

Anita:        Aber Erwin... (schreit ängstlich auf, dann schnell ab nach draußen)

 

Erwin:       (ihr schnell nach)

 

12. Szene

 

Elfriede:    (setzt sich „geschafft“ hin) Oh nein, das musste ja so kommen.

 

Alfredo:    (besorgt, aber vorsichtig zu Elfriede:) Non capisco, Senora Gronewold. Was ist los hier in gute Stube von Bauer ? Ich verstehe nicht, warum sich alle streiten. Und was hat zutun damit Heidi ? Bitte klären Sie auf Alfredo.

 

Kunibert:   Na, das fragst Du noch ? Heidi bekommt ein Kind. Bambini – verstehst Du ? (macht eine „Wiegenbewegung“) Und Du bist der Vater. Das hast Du meiner Tochter nicht umsonst angetan.

 

Alfredo:    Heidi ? Gravidanza ? Tanti Auguri. (freut sich)

 

Elfriede:    Nee, Tante Auguri hat damit nichts zu tun. (verärgert)

 

Kunibert:   Dafür bezahlst Du, mein Junge. Und den Preis bestimmen wir ! Hast Du uns verstanden ?

 

Alfredo:    (versteht nichts) Prego ?

 

Kunibert:   You are betahling for Bambini.

 

Alfredo:    Oh, si si. Wir machen bei Taufe große Festa, für ganze Familia.

 

Kunibert:   Große Festa ? Begreifst Du denn gar nichts ? (verärgert) Du sollst bis an Dein Lebensende für Deine Schandtat  bezahlen, Du Taugenichts.

 

Elfriede:    Du kommst dafür auf, hörst Du ? (zeigt mit den Fingern „Geld“) Moneta.

 

Alfredo:    Aaah... (begreift, holt sein Portemonnaie hervor) Si si.

 

Kunibert:   (wundert sich) Woher kannst Du denn so gut italienisch, Elfriede ?

 

Elfriede:    Wieso ? Keine Ahnung.

 

Kunibert:   Tja, er hat Dich verstanden.

 

Alfredo:    (legt einige Geldstücke auf den Tisch) Prego, danaro spicciolo.

 

Elfriede:    (will aufgeben) Das wird im Leben nichts, Kunibert. Der versteht doch gar nicht, worum es hier eigentlich geht.

 

Kunibert:   (gibt noch nicht auf) Nix spiccioli. (zeigt mit Händen und Armen eine große Menge) Mehr spiccioli. You verstand ? M e h r... große Moneta für kleine Bambini. Viel Euro.

 

Alfredo:    Non capisco.

 

Kunibert:   Moneys !

 

Alfredo:    Non caposco. Per favore parli piu adagio.

 

Elfriede:    Mit dem wird das nichts. Merkst Du das denn nicht, Kunibert ?

 

Kunibert:   Ja, was machen wir denn nun ?

 

Elfriede:    (überlegt; hat dann einen plötzlichen Einfall, steht auf) Momento. (zu Alfredo, langsam) Gibt es in Ihrer Pizzeria einen Menschen, der übersetzen kann ?

 

Alfredo:    (versteht nicht) Non capisco, tutto.

 

Kunibert:   Ja - verpissen – das könnte Dir so passen.

 

Elfriede:    Übersetzen. Translation, Italiano - Germany.

 

 

 

Alfredo:    (plötzlich) Aaah..., si si. C’e qualcuno che parla tedesco al Pizzeria ? Si, Antonio, piu.

 

Elfriede:    (glaubt, gerettet zu sein) Antonio spricht deutsch ?

 

Alfredo:    Si. Antonio deutsch. Alfredo – questo non funziona. Antonio, si.

 

Elfriede:    (hat die Tür nach draußen schon geöffnet) Na bitte.

 

Kunibert:   Elfriede, was hast Du vor ?

 

Elfriede:    Na, was wohl? Wir gehen nun zu Antonio. Und DER übersetzt ihm dann, was wir mit ihm vorhaben.

 

Kunibert:   Was; jetzt sofort ?

 

Elfriede:    Sofort – auf der Stelle.  (schon draußen)

 

Kunibert:   Na dann. (noch an der Tür)

 

Alfredo:    (steht nichtsahnend da)

 

Kunibert:   Na, was ist ? Avanti Avanti; Pizza wird sonst kalti.

 

Alfredo:    (bleibt noch an der Tür stehen) Bene, d’ accordo.

 

Kunibert:   Ja, ich mach´ ich Dir gleich Beene.(schnell hinter Alfredo ab nach draußen)

 

                  (kurze Pause)

 

13. Szene

 

Jörg:          (kommt gefolgt von Holger von rechts herein. Auch er trägt Arbeitskleidung, setzt sich)

 

Holger:      (setzt sich auch, besorgt) Und das stimmt auch, was Du mir da erzählt hast ?

 

Jörg:          Wenn Mutter es doch sagt. Mit so etwas spaßt man doch nicht. Und es könnte stimmen. Wir hatten mal einen großen Krach; und da ist Heidi die ganze Nacht nicht zu Hause gewesen.

 

Holger:      Das ist ja ein Hammer. Was machst Du denn nun ?

 

Jörg:          Tja, Mama und Papa denken ja, ich sollte mich so schnell wie möglich wieder scheiden lassen.

 

Holger:      Oh nein...Du bist doch erst einen Tag verheiratet....

 

Jörg:          Eben ! Ich liebe Heidi doch auch. Aber das nun..., das hätte sie nicht machen sollen.

 

Holger:      Und wenn man das – wie soll ich es sagen? Ich meine, wenn Heidi das Ungeborene wegmachen lässt ?

 

Jörg:          Mama hat eben noch zu mir gesagt, dass das nicht mehr geht. Dafür ist es schon zu spät.

 

Holger:      (überlegt kurz, versteht nicht recht, schaut dann auf die Uhr) Zu spät ?

 

Jörg:          Mann eh, bist du doof ?

 

Holger:      Achso... Hmmm... Ach, ist doch eigentlich auch egal.

 

Jörg:          Was ?

 

Holger:      Na, das mit dem Kind. Schau mal, Ihr wolltet doch sicher irgendwann sowieso mal Kinder haben; dann ist es doch gut, wenn schon eins unterwegs ist – dann hast Du damit zumindest keine Arbeit mehr.

 

Jörg:          Hast Du den Verstand verloren ? Weißt Du eigentlich, was Du da sagst?

 

Holger:      Bedenk doch mal: Wenn Heidi und Du euch wieder scheiden lasst; dann kommst Du doch wieder nach Hause zurück, oder ?

 

Jörg:          Wohin soll ich denn sonst ?

 

Holger:      Ja. Und dann sind wir wieder zwei Jungs auf dem Hof unserer Eltern. Und dann geht auch wieder die Streiterei los. So wie es Jahrelang gewesen ist. Dabei haben Papa und Mama mir doch nun den Hof versprochen.

 

Jörg:          Na hör mal. Ich bin ja wohl der Älteste. Heirate Du doch eine Frau mit ´nem Hof. Wenn ich mich scheiden lasse, und wieder nach Hause komme, dann steht mir ja als Erstgeborener auch der Hof zu. Frag Papa doch, was er dazu meint.

 

Holger:      Du gehörst aber hier hin. Das ist schon seit Jahren so abgemacht. Ich habe viele Schulden für unseren neuen Boxenstall am Hals. Außerdem hast Du hier doch groß angebaut. Das hat Dich doch auch ein halbes Vermögen gekostet.

 

Jörg:          Das muss mir Schwiegervater dann zurückzahlen. Oder meinst Du, ich soll hier einfach einziehen ?

 

Holger:      Das ist mir egal. Nach Hause kannst Du auf jeden Fall nicht wieder.

 

Jörg:          Pah, das hast Du ja wohl nicht zu bestimmen.

 

Holger:      Papa hat mir letzte Woche noch gesagt, das er froh ist, das ich unseren Hof übernehme, nachdem Du nun endlich hier untergekommen bist. Du bist nämlich zu grob zu unseren Tieren, hat er gesagt.

 

Jörg:          (steht auf, ist wütend) Das ich nicht lache. Mama jammert mir seit Monaten die Ohren voll, warum Du nicht woanders eingeheiratet hättest. Sie sagte, Du wärst zu dämlich für die Landwirtschaft. Und für unseren Elternbetrieb erst recht. 

 

Holger:      (steht jetzt auch auf, weinerlich) Nimm das sofort zurück, Du Spinner.

 

Jörg:          Nein. Was wahr ist, darf man auch sagen.

 

Beide:        (stehen jetzt voreinander)

 

 

Holger:      Und Du willst mein Bruder sein ? Ein ganz gemeiner Kerl bist Du. Wer weiß, warum Heidi dich betrogen hat... Oder hat sie von Deinen Leiden gehört ? Dann ist es ja kein Wunder, wenn sie sich einen anderen Kerl sucht.

 

Jörg:          Holger, so was will ich nicht wieder hören. Du hast mir auf die Bibel geschworen, dass Du keinem Menschen auf dieser Welt jemals davon erzählst.

 

Holger:      Nein, das tue ich auch nicht – aber trotzdem bin ich der bessere Bauer von uns beiden.

 

Jörg:          Na, wenn Du dich da mal nicht täuscht. Nicht nur Mama hat was gegen Dich gesagt. Papa denkt auch so. Weißt Du was er gesagt hat ? Du hast keine Freundin, Du trinkst nicht, du rauchst nicht, und wenn es bloß den kleinsten Ärger in deinem Leben gibt, fängst Du gleich an zu weinen. Ein kleines Würstchen bist Du und verhältst Dich nicht, wie sich ein richtiger Mann verhalten würde. Ganz zu schweigen davon, dass Du mal Gewalt anwenden würdest, wenn dir irgendwas nicht passt. – Du bist ein Jammerlappen, seh´ das doch ein.

 

Holger:      (überlegt einen Augenblick, gibt ihm dann eine kräftige Ohrfeige, nach einiger Überwindung)

 

Jörg:          (völlig „platt“) Was... was war das denn ? Bist Du bescheuert? Du kannst mir doch nicht einfach eine runterhauen. (geht auf ihn zu) Na warte, kleiner Bruder, das hast Du nicht umsonst getan. (es beginnt ein Katz und Mausspiel im Zimmer)

 

Holger:      (ängstlich) Jörg, lass mich. Du weißt genau, dass Du stärker bist als ich.

 

Jörg:          Du kannst was erleben, das schwör ich Dir.

 

Holger:      Jörg, nun hör doch auf.

 

Jörg:          (bekommt seinen Bruder vor’m Tisch schließlich zu fassen, reißt ihn zu Boden, kniet auf ihn, gibt ihm Ohrfeige, über Ohrfeige, schlägt ihn dann ins Gesicht) Sooo..., das hast Du nun davon.

 

 

 

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