Lange danach gesucht - auf Ibiza 2012 endlich gefunden
Musiker gesucht

„Chaos auf dem Campingplatz“

 

 

 

Komödie in 3 Akten

 

von

 

Helmut Schmidt

 

 

Inhalt: Jedes Jahr fahren Edmund und Birgit Rösner mit dem Wohnwagen an die Nordseeküste um dort ihren Sommerurlaub zu verbringen. Genau neben Rösners Wagen campen in diesem Jahr Elfriede und Erich Harms. Vor einigen Jahren – während eines Kuraufenthalts – hatte Edmund ein kurzes Verhältnis mit Elfriede. Zunächst etwas unsicher und zurückhaltend  entfacht das Feuer zwischen beiden jedoch erneut. Die Ehepartner dürfen natürlich nichts merken und es beginnt ein Spiel voller Heimlichkeiten und Lügen. Doch die Ehepartner Erich und Birgit sind nicht besonders erbost, wenn ihre besseren Hälften öfter mal etwas alleine unternehmen wollen und sie alleine lassen. Denn bei diesen beiden hat es ebenfalls gefunkt. Alles könnte dennoch ein schöner Urlaub werden. Aber die Kinder von beiden Paaren – die notgedrungen mitfahren mussten – bemerken das Spiel und beginnen, ihre Eltern nach Strich und Faden auszunutzen. Denn diese haben kaum eine andere Wahl als allem zuzustimmen, was die Kinder wünschen...

 

 

Personen:       4m/4w             1 Bühnenbild

 

 

 

 

Edmund Rösner                     -   (ca. 40 - 50 Jahre)

 

Birgit                                      -   seine Frau (ca. 40 Jahre)

 

Michael                                   -   beider Sohn (ca. 16 Jahre)

 

Erich Harms                           -   (ca. 40 – 50 Jahre)

 

Elfriede                                  -   seine Frau (ca. 40 Jahre)

 

Ina                                          -   beider Tochter (ca. 17 Jahre)

 

Anton Pranger                                    -   Campingplatzbesitzer (50 - 60 Jahre)

 

Irma                                        -   seine Frau (50 - 60 Jahre)

 

 

 

Bühnenbild:

 

Das Stück spielt auf einem Campingplatz. Die Bühne sollte ausgestattet werden mit mindestens 2 Campingwagen und Gartenmöbeln. Kleinere Bühnen sollten die Bühnenwände entsprechend bemalen. Es sollten dann jedoch Türen vorhanden sein, so dass der Eindruck entsteht, man geht in die Wohnwagen hinein. Rechts oder links steht ein Toilettenhäuschen. An den Seiten kann man mit Bäumen oder Büschen arbeiten. Zu-und Abgangsmöglichkeiten müssen an beiden Seiten vorhanden sein. Alle weiteren Ausstattungen sind dem Spielleiter überlassen. Ganz geschickte Bühnenbildner können mit Sand arbeiten als Strandatmosphäre.

 

Zeit: Sommer in der Gegenwart

 

Ort: Campingplatz an der Nordseeküste

 

Spieldauer: ohne Pausen etwa 100 Minuten

 

 

 

 

                                               Erster Akt

 

                  (Die Bühne ist leer, wenn der Vorhang sich hebt. Es ist ein Freitagnachmittag. Von hinten hört man Edmund und Birgit sprechen.)

 

1. Szene

 

Edmund:   (kommt gefolgt von Birgit von rechts. Beide tragen Reisetaschen, Koffer; sind sommerlich gekleidet – mit Strohhut, Sonnenbrille, Shorts etc.) Na bitte! – Hat sich nichts verändert. Ist das nicht der schönste Fleck auf Erden hier, Birgit? (stellt die Koffer ab)

 

Birgit:        (ebenso) Ja, das ist es. (streckt sich) Hach, endlich Urlaub. Und heiß ist das heute. - Als wenn wir die Sonne gleich mit gebucht hätten.

 

Edmund:   Und unserem Wohnwagen ist auch nichts passiert.

 

Birgit:        Was soll dem denn auch passieren? Anton schaut doch jeden Tag danach. Und versichert sind wir auch.

 

Edmund:   Ja, das schon - aber bei dieser Welt heutzutage... Muss mich ja wundern, das da nicht irgendwelche Banden mutwillig etwas zerstört haben.

 

Birgit:        Hier ist die Welt noch in Ordnung, Edmund. – Ist doch auch viel besser, wenn wir unseren Wohnwagen hier über´s Jahr stehen lassen, nicht wahr?!

 

Edmund:   Da hast Du recht! Wir sind über ´ne Stunde weniger gefahren als letztes Jahr. Da kannst Du mal sehen, was so ein Ballast hinterm Auto ausmacht.

 

Birgit:        Ja! – Ach, da wir gerade von Ballast sprechen. Wo ist unser Michael eigentlich?

 

Edmund:   Michael? – Weiß ich auch nicht! Ich schließ den Wagen erstmal auf. (sucht den Schlüssel)

 

Birgit:        (sieh sich um; ruft) Michael! Michael !!! – Hier sind wir. Hörst Du denn nicht? (keine Antwort)

 

Edmund:   (findet den Schlüssel nicht; sucht in allen Taschen) Sag mal, Birgit. Was hab´ ich auch noch gesagt, wo ich den Schlüssel hineingesteckt hab´?

 

Birgit:        Na, typisch Mann! Als ich den einstecken wollte, hieß es: Nein, Frauen verlegen alles! Und nun kannst Du ihn selbst nicht finden. Nun möchte ich wohl ´n Ei.

 

Edmund:   Hab´ ich Michael den vielleicht gegeben?

 

Birgit:        (überlegt) Anton hat den! Den haben wir Anton doch letztes Jahr gegeben.

 

Edmund:   Quatsch! Das hab´ ich damals nur zum Spaß gesagt. Ich gebe doch niemanden unseren Wohnwagenschlüssel. (sucht weiter) Das ist denn doch...

 

 

Birgit:        Na, das fängt ja gut an! Sollen wir vielleicht draußen übernachten?

 

Edmund:   Warum denn nicht? Warm genug ist es doch.

 

Birgit:        Sehr witzig!

 

Edmund:   Ich finde den Schlüssel ! - Du musst nur Geduld haben, Birgit.

 

Birgit:        Geduld? Wie lange denn? In drei Wochen ist unser Urlaub um. (lehnt sich verärgert an den Wohnwagen)

 

2. Szene

 

Michael:    (kommt von rechts. Er trägt eine Angelrute und einen CD-Recorder bei sich, aus dem laute Popmusik ertönt)

 

Birgit:        Oh Junge, tu mir einen Gefallen und stell das Gedudel ab.

 

Michael:    (stellt den Recorder ab) Das sind Lenny Rosewitch and the Troublekickers.

 

Birgit:        Und die hörst Du besser, wenn Du alleine bist. Da fallen einem die Ohren ja ab.

 

Michael:    Oh Mann! Hier ist ja wieder mal gar nichts los. Letztes Jahr war es hier ja schon öde, aber dieses Mal übertrifft das alles, was ich bisher gesehen hab´.

 

Birgit:        Jammer jetzt nicht herum. Hilf Deinem Vater lieber den Schlüssel zu suchen.

 

Edmund:   Michael, ich hab´ Dir doch den Schlüssel gegeben, als wir von zuhause abgefahren sind, nicht wahr?!

 

Michael:    Das wüsste ich aber.

 

Birgit:        Siehste, dann hast Du ihn selbst verschludert.

 

Edmund:   Dann müssen wir den Wagen aufbrechen.

 

Birgit:        (aufgebracht) Bist Du verrückt? Das kommt ja gar nicht in Frage.

 

Edmund:   Hast Du denn eine bessere Idee?

 

Michael:    Ich! Ich weiß was wir machen. Wir fahren wieder nach Haus, und dann schließ ich mich doch meiner Clique an und fahre nach Frankreich.

 

Birgit:        Das könnte Dir so passen. Mit zehn wildgewordenen Handfegern ins Ausland. Und das mit sechszehn Jahren. Da wimmelt es doch nur so von Krankheiten und Verbrechern. Außerdem laufen da den ganzen Tag die Mädchen splitternackt am Strand herum. Ich hab´ vor ein paar Tagen erst einen Bericht darüber im Fernsehen gesehen. Da hast Du noch nichts zu suchen.

 

Edmund.   (süffisant) Das hab´ ich ja gar nicht gewusst.

 

Birgit:        Jaja! Das wäre auch noch was für Dich, wie? Schämen solltest Du Dich. Mir wird schon übel, wenn ich nur daran denke. Keine zehn Pferde würden mich dahin kriegen. 

 

Michael:    Und elf?

 

Birgit:        Tsss… Hier an der Nordseeküste ist es noch so, wie es sein muss. Die Natur ist noch in Ordnung…

 

Edmund:   Na ja...

 

Birgit:        Hier gibt es noch nicht so viel Ärger und so viele kaputte Ehen...

 

Michael:    Na ja...

 

Birgit:        Und hier sind auch die Leute noch freundlich und ehrlich.

 

Edmund:   (räuspert sich)

 

Birgit:        Denkt doch, was ihr wollt. Wir sind hier und hier bleiben wir auch. Seit fünf Jahren kommen wir hierher. Und? Hat sich schon mal einer beschwert?

 

Michael:    Ich bin jedes Jahr gezwungen worden mitzufahren. – Und wenn Vater die Tür nicht bald aufbekommt, dann werde ich verhungern dieses mal. Wollt ihr, als meine Eltern, das verantworten?

 

Edmund:   Geduld! Geduld! Ich hab´ hier vorne in dem Koffer noch nicht nachgesehen.

 

Michael:    Hier um die Ecke ist ´ne Frittenbude. Wenn es nichts mehr wird, dann...

 

Birgit:        Das kommt ja gar nicht in Frage. Gerade angekommen und Du willst Dich schon wieder mit diesen fetten Kalorien vollstopfen? Nein nein! Ich mach uns gleich eine schöne Kaltschale. Das erfrischt und satt macht es auch.

 

Michael:    Kaltschale? Iiiih... Das mussten wir doch zuhause schon jeden Tag essen.

 

Edmund:   Um uns schon mal vorzubereiten auf den Urlaub. (findet endlich den Schlüssel) Na bitte! Wer sagt´s denn? Ich hab´ Dir doch extra gesagt, das ich den Schlüssel hier vorne in den großen Koffer tu. – Warum hast Du das denn schon wieder vergessen, Birgit?

 

Birgit:        Davon weiß ich nichts, - und nun mach´ endlich die Tür auf.

 

Edmund:   (öffnet)

 

Michael:    Na also. (geht hinein) Oohh... wie sieht es hier denn aus? Und wie das hier stinkt.

 

Birgit:        (geht auch hinein) Oh nein, Edmund, wir hätten doch mal über´s Jahr herfahren sollen – zumindest um zu lüften. Das machen andere Camper auch, glaub´ ich.

 

Edmund:   Es ist doch das erste Mal, dass wir unseren Wagen hier stehen lassen haben. Ach – zwei Stunden die Tür und das Fenster auf, dann riecht es hier gleich wieder frisch.

 

Birgit:        Und wie staubig es hier ist. Hier muss ich ja erstmal ordentlich sauber machen. Lass mich mal gleich anfangen damit.

 

Michael:    Ich denke, das soll unser Urlaub sein. Und DIE fängt hier gleich mit ´nem Frühjahrsputz an.

 

Birgit:        (kommt wieder heraus)

 

Edmund:   (will gerade die Koffer hineinbringen)

 

Birgit:        Edmund, geh Du mal eben schnell zum Hahn und hol uns einen Eimer Wasser. Und Du, Michael – (der jetzt auch wieder herauskommt) gehst zu Anton Pranger und sagst ihm, das wir angekommen sind.

 

Michael:    Der wohnt doch ganz am anderen Ende. Mutter, ich will nun was essen und dann möchte ich angeln.

 

Edmund:   Du tust, was Deine Mutter Dir sagt.

 

Michael:    Wenn ich das irgendeinem meiner Arbeitskollegen erzähle - das glaubt mir niemand. Sechzehn Jahre alt und hat zu tun was Mami und Papi ihm sagen.(will kopfschüttelnd ab, als...)

 

3. Szene

 

Anton:       (...von links kommt) Bleib hier, Junge. Ich bin schon da. – Guten Tag zusammen!

 

Edmund:   Anton! – Hallo! (schüttelt ihm die Hand)

 

Birgit:        Guten Tag Anton! (ebenso)

 

Michael:    Guten Tag, Herr Pranger! Hat sich hier in diesem Loch etwas verändert? Oder ist das noch genauso langweilig wie jedes Jahr?

 

Birgit:        Michael, nun sei doch still.

 

Anton:       Ist schon gut, Birgit. Er hat ja recht. Für die jungen Leute ist das Angebot hier wirklich nicht besonders groß. Aber ich hab´ doch eine Überraschung für Dich.

 

Michael:    Ja?

 

Anton:       In Boltersen hat die Gemeinde mit der Kirche zusammen ein Haus gekauft.

Extra für junge Leute. Eine Jugendgruppe hat das Gebäude zu einer Art „Disco“ umgebaut, natürlich wird dort kein Alkohol angeboten. Aber vielleicht wäre das was für Dich. Es sind fast zwei Kilometer von hier, aber Du bist ja gut zu Fuß.

 

Michael:    Oh toll! Da muss ich sofort hin heute Abend. Danke für den Tipp, Herr Pranger. Und jetzt geh ich zur Frittenbude; ob euch das passt oder nicht. (ab)

4. Szene

 

Birgit:        Der Junge, der bringt mich noch ins Grab.

 

Anton:       Lass ihn doch. Ich denke sowieso, das ihr ihn ein wenig zu hart anpackt. Das ist nicht gut. Man muss die jungen Leute tun lassen was sie für richtig halten. Verbieten wir etwas, dann machen sie es heimlich. Und das ist auch nicht gut. Muss mich ja eh wundern, das er in seinem Alter noch mit seinen Eltern in Urlaub fährt.

 

Birgit:        Siehste! Ich hab´ das ja immer gesagt - er sollte mit seiner Clique wegfahren... aber Edmund meint ja immer...

 

Edmund:   Jaja! So plötzlich? Willst Dir wohl bei Anton ´nen guten Ruf holen, wie?

 

Anton:       Wenn ich mich richtig erinnere, ist Michael letztes Jahr sechszehn geworden, nicht wahr? Haben wir nicht hier noch seinen Geburtstag gefeiert?

 

Edmund:   Richtig! Und in vier Wochen wird er siebzehn. Ein halbes Kind noch! Den kann man doch nicht aus den Augen lassen.

 

Anton:       (seufzt) Na ja! Ich freu mich auf jeden Fall, das ihr wieder hier seid. Wie lange wollt ihr denn diesmal bleiben?

 

Birgit:        Drei Wochen. – So, wie immer.

 

Edmund:   (sieht den Wohnwagen links) Sag mal, Anton, ist das vielleicht der Wohnwagen von Pollmeyers aus Bergedorf?

 

Birgit:        Ach was! Die wollten doch nach Spanien diesen Sommer.

 

Edmund:   Aber die Pollmeyers hatten auch so ´n Aufkleber hinten dran.

 

Anton:       Der Wagen gehört Familie Harms aus Bad Zwischenahn. Ein Ehepaar in eurem Alter mit einer Tochter. Die sind heute Morgen schon sehr zeitig angekommen.

 

Birgit:        Bad Zwischenahn? Und sie sind auch noch in unserem Alter? Besser kann es ja gar nicht kommen. Zu denen sollten wir schnellstmöglich Kontakt aufnehmen, Edmund.

 

Edmund:   (denkt) Ja. - Familie Harms, sagtest Du, Anton? Aus Bad Zwischenahn?

 

Birgit:        Was ist denn ? Kennst Du die vielleicht?

 

Anton:       Erich und Elfriede Harms mit ihrer Tochter Ina.

 

Edmund:   (nervös, schnell) Nein! Nein nein, die kenn ich nicht.

 

Birgit:        (zu Anton) Er war mal in Bad Zwischenahn zur Kur. – Aber das heißt ja noch lange nicht, dass Du auch jeden Einwohner von dort kennst, Edmund. Und mit den anderen Kurgästen hattest Du doch eh kaum Kontakt; sagst Du doch immer.

Edmund:   Ja ja. Wie ich schon gesagt hab´, die kenn ich nicht! – Äh, steht der Wagen nicht ein wenig zu dicht an unserem? Oder kommt der noch wo anders hin?

 

Birgit:        Du kannst aber auch Fragen stellen. Das ist doch gerade schön, wenn man so dicht aneinander steht. Stell Dir mal vor, alle Wagen würden hundert Meter auseinander stehen – dann könnte Anton nicht viel mit seinem Platz hier verdienen.

 

Anton:       So ist es wohl! Aber wenn Du lieber mehr Platz haben möchtest, Edmund – ich kann gern nachsehen, ob sich da was machen lässt.

 

Birgit:        Kommt ja gar nicht in Frage! Wir stehen hier und hier bleiben wir. Und auch der Wagen dort bleibt hier so stehen. Das wäre ja noch schöner, wenn wir gleich am  ersten Tag Streit mit den anderen Campern bekommen.

 

Anton:       Versucht das doch erstmal so. Und wenn es doch irgendwelche Probleme gibt, dann könnt ihr immer noch umziehen.

 

Birgit:        Das meine ich auch. Und wie prima haben wir uns letztes Jahr mit den Pollmeyers verstanden?! Liesel ruft mich jetzt noch jede Woche einmal an.

 

Edmund:   Ist ja gut! Ich bin wohl überstimmt. Nun lass uns mal erst unsere Klamotten auspacken, Birgit.

 

Anton:       Das macht ihr mal. Ich will auch nicht langer stören. Ich wünsche euch wieder einen schönen Aufenthalt hier bei uns. Und wenn ihr was braucht oder ihr sonst was auf dem Herzen habt – ihr wisst ja, wo ich zu finden bin. (will ab)

 

Birgit:        Das ist nett, Anton. Edmund, hatten wir Anton nicht auch noch was mitgebracht? (knufft ihn)

 

Edmund:   (versteht erst nicht, dann...) Ach so, ja.(sucht in einer Tasche eine Flasche)

 

Birgit:        Warte noch eben, Anton.

 

Edmund:   (findet die Flasche, hübsch verpackt) Hier Anton, die ist für Dich. Weil Du jeden Tag ein Auge auf unseren Wagen wirfst.

 

Anton:       Das muss aber doch nicht sein.

 

Birgit:        Doch - die ist für Dich. – Und morgen Abend sind Irma und Du bei uns hier eingeladen zum Grillen. – Sagst Du ihr das?

 

Anton:       Das ist in Ordnung. Aber macht euch bitte keine Umstände wegen uns.

 

Birgit:        Ach was, das tun wir doch gern. Ein netter gemütlicher Abend soll es werden. Nicht wahr, Edmund?

 

Edmund:   (träumt vor sich her)

 

Birgit:        (stößt ihn an) E d m u n d!

 

Edmund:   Jaja!

 

Birgit:        Was ist denn mit Dir? – Geht es Dir nicht gut? Du bist ja plötzlich ganz blass im Gesicht.

 

Edmund:   Ach, ich hab´ Magen – und Kopfschmerzen.

 

Anton:       Was? - Du wirst uns hier doch nicht krank?

 

Birgit:        Na! Das fehlt noch. – Und so plötzlich? Davon hast Du unterwegs noch nichts gesagt.

 

Edmund:   Ich... ich wollte euch ja nicht den Urlaub verderben. – Das Beste wird es wohl sein, wenn ich mich eine Zeitlang hinlege, ja!

 

Birgit:        Bitte ? - So schlimm ist das?

 

Edmund.   Ja.

 

Anton:       Ich schau mal eben nach, was Irma in ihrer Hausapotheke anzubieten hat. Ich bin gleich wieder da. (ab)

 

Birgit:        Danke Anton!

 

5. Szene

 

Birgit:        Sag mal, geht es Dir wirklich nicht gut?

 

Edmund:   Meinst Du, ich spiel euch hier was vor? Na, Du bist mir vielleicht eine Frau.

 

Birgit:        Ist ja gut, ich wundere mich eben. Das hast Du doch sonst noch nie gehabt.

 

(von hinten hört man Elfriede und Erich reden)

 

Birgit:        Oh! Ich glaub´, da kommen unsere neuen Nachbarn. Na, dann wird es Dir sicher  gleich besser gehen.

 

Edmund:   (hört Elfriede und Erich nahen) Nein, das glaub´ ich nicht! (hält sich die Hand vorm Mund, schnell ab ins Toilettenhäuschen)

 

Birgit:        Na sowas.

 

6. Szene

 

Elfriede:    (kommt gefolgt von Erich von hinten. Beide tragen Plastiktüten, sind sommerlich gekleidet) Oh, Guten Tag!

 

Birgit.        Hallo! – Sagen Sie nichts. Sie sind Familie Harms aus Bad Zwischenahn, stimmt´s?

 

Elfriede:    (wundert sich) Ja, genau! Haben Sie die sechsten Sinn?

Birgit:        (muss lachen) Entschuldigen Sie! Anton Pranger hat uns das gerade erzählt. (reicht ihr die Hand) Birgit. Birgit Rösner!

 

Elfriede:    (ebenso) Elfriede Harms! - Und das ist mein Mann Erich.

 

Erich:         (reicht ihr die Hand) Angenehm. Ist das Ihr Wagen?

 

Birgit:        Ganz recht. Wir sind schon zum fünften Mal hier. Jeden Winter, wenn wir den Sommer-Urlaub planen fangen wir an zu überlegen: Spanien, Griechenland, Türkei, Österreich... Und nach Wochen sind wir uns dann endlich einig, dass wir wieder hierher fahren.

 

Erich:         Wir sind zum ersten Mal hier. Ist ja auch viel preisgünstiger, wenn man mal in Deutschland bleibt und campt, nicht wahr?

 

Birgit:        Sie sagen es! Wir sind aus Meppen. (evtl. ändern)

 

Elfriede:    Oh, dann haben Sie es ja auch nicht so weit.

 

Birgit:        Nein! Knapp zwei Stunden mit dem Auto, wenn man vernünftig fährt.

 

Erich:         (öffnet den Wagen, geht mit den Tüten hinein)

 

Elfriede:    Haben Sie nicht Lust heute Abend mit uns ein bisschen zusammen zu sein ? So lernen wir und ja auch viel besser kennen, nicht wahr ?!

 

Birgit:        Ach ja, das wäre doch ganz schön.

 

Edmund:   (hustet und prustet laut aus dem Toilettenhäuschen)

 

Elfriede:    (schaut erschrocken nach dort)

 

Birgit:        Tja, mein Mann! – Er fühlt sich plötzlich nicht besonders gut.

 

Elfriede:    Ach! Und das am ersten Tag im Urlaub? Das ist ja schade.

 

Birgit:        Na ja, wird schon wieder vorüber gehen. Ich will Sie nun aber auch nicht länger aufhalten. Ich hab´ selbst noch genug zu tun.

 

Elfriede:    Wir haben ein paar Dinge eingekauft. Man muss ja immerhin was zu beißen haben. - Tja, dann bis später, ja ?! Sagen wir, so um acht Uhr?

 

Birgit:        Ja, das ist gut. - Bis dann!

 

Elfriede:    (ab in den Wohnwagen)

 

Birgit:        (nimmt eine Tasche, ab in ihren Wagen)

 

 

 

 

7. Szene

 

Edmund:   (öffnet vorsichtig die Tür des Toilettenhäuschens, sieht sich um) Oh nein! Warum muss das nur passieren? (schleicht zu seinem Wagen. Als er fast dort ist, kommt...)

 

8. Szene

 

Erich:         (...aus dem Wohnwagen) Oh! Guten Tag! (reicht ihm die Hand) Erich Harms! Sie sind sicher unser neue Nachbar für die kommenden drei Wochen, stimmt´s?

 

Edmund:   (etwas ängstlich) Ja, das ist möglich. Rösner! – Freut mich auch.

 

Erich:         Spielen Sie Skat?  - Ich spiele für mein Leben gern – und in jedem Urlaubsland hab´ ich noch zwei gefunden. Wenn Sie also auch spielen...

 

Edmund:   Skat? Nein, das kann ich nicht. Und wenn Sie mich nun bitte entschuldigen. Ich muss... also wir sehen uns sicher noch öfter. (zu sich selbst) Hoffentlich nicht! (ab in den Wagen)

 

Erich:         (wundert sich) Hä? – (zu sich selbst:) Merkwürdig. (ab nach hinten)

 

9. Szene

 

(Kurze Pause, die Wohnwagentüren werden geschlossen)

 

Michael:    (kommt mit Ina von hinten) So, ich bin da.

 

Ina:            Ja, und ich auch.

 

Michael:    Was? – Soll das bedeuten, dass Du hier wohnst?

 

Ina:            Wohnst? Ja, wenn Du so willst. Das ist der Wohnwagen von meinen Eltern.

 

Michael:    Dann wohnen wir ja genau nebeneinander.

 

Ina:            Echt krass! – Ich finde es ja langweilig, mit den Eltern in Urlaub zu fahren, aber...

 

Michael:    ...Deine Eltern meinen, dass Du noch nicht soweit bist, alleine etwas zu unternehmen?

 

Ina             Eben!

 

Michael:    Dann haben wir vieles gemeinsam. Wie alt bist Du denn, wenn ich mal fragen darf?

 

Ina:            Siebzehn. Alt genug um selbst zu entscheiden, meinst Du nicht auch?

 

Michael:    Oh ja! Wie lange wollen sie uns wohl noch so behandeln? Meine Mutter war schon mit zwanzig verheiratet und Vater was dreiundzwanzig damals.

 

Ina:            War bei meinen damals ähnlich. Aber das erzähl´ denen mal. (ironisch) Früher war das ganz was anderes.

 

Michael:    Wir müssen endlich mal zeigen, das wir alt genug sind und selbst wissen, was wir wollen.

 

Ina:            Oh ja. Und ich hab´ da auch schon einen Plan. Mir hat nur immer der rechte Partner dazu gefehlt. Aber nun...

 

Michael:    (etwas unsicher) Äh... ja, an was hast Du denn da gedacht? Wir kennen uns doch erst zehn Minuten.

 

Ina:            Keine Bange, ich komm Dir nicht zu nah! Das ist nur Spaß. Wir jagen unseren Eltern mal einen großen Schreck ein. - Und zwar so, dass sie ein für allemal merken, dass wir keine Kinder mehr sind.

 

Michael:    Und wie soll das aussehen?

 

Ina:            Erzähl´ ich Dir. Aber nicht hier. Gleich kommt noch jemand raus, und dann platzt die ganze Sache noch. – Gehst Du mit an den Strand?

 

Michael:    Dann sollte ich aber erst meinen Eltern Bescheid sagen. - Die lassen mich sonst noch von der Polizei suchen.

 

Ina:            Schau, da haben wir´s schon wieder! Man kann nicht mal auf´s Klo ohne das Mami und Papi dabei sind. – Aber ich sag auch lieber Bescheid. (ab in den Wohnwagen) Bis gleich!

 

Michael:    (ruft) Mutter! Vater! – Kommt ihr mal?! (klopft an die Tür)

 

10. Szene

 

Edmund:   (schaut vorsichtig aus der Tür) Was ist denn, Junge?

 

Michael:    Ich bin zurück und geh nochmal wieder weg. Mir die Gegend anschauen.

 

Edmund:   Aber nicht zu lange – und geh nicht zu weit.

 

Michael:    Nein, Vater – mach ich nicht!

 

Edmund:   Wann bist Du denn wieder da?

 

Michael:    Das weiß ich noch nicht genau. In einer Stunde oder so.

 

Edmund:   Und pass gut auf, wenn Dich jemand anspricht. - Und lass Dich nicht auf flüchtige Bekanntschaften ein. Du weißt, da kommt nichts bei raus.

 

Michael:    (ironisch) Einmal das, und dann bin ich auch ja noch viel zu jung für die Liebe.

 

Edmund:   Machst Dich auch noch lustig über mich, wenn ich mir Sorgen um Dich mache, wie?

Michael:    Ist ja gut! - Ich geh.

 

Edmund:   (schließt kopfschüttelnd die Tür)

 

11. Szene

 

Ina:            (kommt aus dem Wagen) Ja, Mutter! - Ich pass auf mich auf! Bis dann. – Tschüss! (schließt die Tür, genervt) Ooohh... diese Eltern.

 

Michael:    Wem sagst Du das? Lass uns gehen, bevor mein Vater uns noch zusammen sieht.

 

Ina:            Und nun zeigen wir denen mal, wie sie gewesen sind, als sie so jung waren wie wir jetzt.

 

Michael:    Eben! Auf in den Kampf. (mit Ina vergnügt ab nach hinten)

 

12. Szene

 

Birgit:        (kommt nach einer kurzen Pause aus dem Wohnwagen, hat einen Staublappen in der Hand, schüttelt diesen aus) DU kannst natürlich auch die Bude sauber machen. Mir ist das egal. Wenn Dir das lieber ist.

 

Edmund:   (kommt vor, steht in der Tür) Birgit, es geht mir nicht gut! - Das weißt Du doch. Ich kann jetzt nicht einkaufen.

 

Birgit:        Wenn Du Kopfschmerzen hast und Magendruck ist frische Luft das Beste für Dich. Ich kenne Dich ja immerhin schon ein paar Jahre. Und irgendwas sagt mir auch, dass Du nur simulierst.

 

Edmund:   Hallo? Nun ist es ja wohl gut.

 

Birgit:        Ja, das ist es auch! Nun geh ins Dorf und kaufe die Sachen ein, die ich aufgeschrieben hab´. Wir müssen doch was zu essen haben.

 

Edmund:   (gereizt) Ich geh ja schon! (geht in den Wagen)

 

Birgit:        Und setz´ Dir ´nen Hut auf! Die Sonne knallt noch ganz schön. Nachher verbrennst Du noch.

 

Edmund:   (kommt aus dem Wagen, hat eine Tasche in der Hand, sowie einen Strohhut)

 

Birgit:        Und dann musst Du uns das Wasser noch anschließen, Edmund. – Aber geh erst einkaufen. - Ich hol mir ´n Eimer von Anton und Irma. (ab nach hinten)

 

Edmund:   Ja, Birgit... ist gut! (will die Tür vom Wohnwagen schließen, als…)

 

13. Szene

 

Elfriede:    (...aus ihrem Wagen kommt. Sie hat einen Sonnenschirm in der Hand) Oh, guten Tag!

 

Edmund:   (steht mit dem Rücken zu ihr, dreht sich langsam um) Ha... hallo!

 

Elfriede:    (fällt aus allen Wolken) Edmund? – Du?

 

Edmund:   Ja ich, Elfriede.

 

Elfriede:    (stellt den Schirm ab) Du machst Urlaub hier?

 

Edmund:   Schon zum fünften Mal.

 

Elfriede:    Ach! - Dann war das Deine Frau vorhin?! Und wir wohnen hier Tür an Tür?

 

Edmund:   Ja, drei Wochen lang. (es folgt ein gesuchtes Velegenheitsgespräch)

 

Elfriede:    Na toll. – Wie geht es Deinem Rücken? Hat die Kur was gebracht?

 

Edmund:   Erst dachte ich - ja, aber nachdem ich ein paar Wochen wieder zuhause war, ging es mir wieder wie vorher.

 

Elfriede:    Ach, das tut mir aber leid. – Das Wetter ist prima, nicht? Besser könnte es gar nicht sein. 

 

Edmund:   Stimmt!

 

Elfriede:    Tja...

 

Edmund:   Tja...

 

(kurze Pause)

 

Elfriede:    Ich ... ich will den Sonnenschirm mal eben aufstellen.

 

Edmund:   Warte doch, ich helfe Dir. Wo ist denn der Ständer?

 

Elfriede:    Hintern Wagen. Aber pass auf, - der ist schwer.

 

Edmund:   (geht hinter den Wagen, kommt sogleich mit dem Schirmständer zurück) So! Wo soll er stehen?

 

Elfriede:    Am besten hier vor dem Fenster.

 

Edmund:   (stellt ihn ab)

 

Elfriede:    Danke Edmund! (sieht ihm tief in die Augen)

 

Edmund:   Mach´ ich doch gern für Dich, Elfriede. (sieht ihr ebenfalls tief in die Augen)

 

Elfriede:    (nach einer kurzen Pause) So, dann will ich den Schirm mal reinstecken. (tut dieses)

 

Edmund:   Das kann man auch viel besser zu zweit. (spannt zusammen mit Elfriede den Schirm auf, dabei berühren sich ihre Hände)

 

Elfriede:    Warum fühlt man nur immer wieder etwas so tief, was stärker ist als man selbst?

 

Edmund:   Wir müssen dagegen an kämpfen, Elfriede. Und bevor meine Frau nicht den Vorschlag macht, das wir uns alle duzen sollen, müssen wir auch per „Sie“ bleiben. Verstehst Du das?

 

Elfriede:    Sicher verstehe ich das! Aber...

 

Edmund:   Reiß Dich bitte zusammen, Elfriede. Ich versuch´ es auch.

 

Elfriede:    Du bist gut. Ich war fast soweit, das ich Dich endlich vergessen konnte. Auf einmal tauchst Du hier auf und ich soll drei Wochen mit Dir verbringen – und so tun, als wenn nichts gewesen ist zwischen uns? Nein, da verlangst Du zu viel von mir.

 

Edmund:   Anders geht es aber nicht. Wenn ich gewusst hätte, das Du und Dein Mann auch hier Urlaub machen, dann wären wir bestimmt woanders hingefahren. Aber das konnte ich doch auch nicht riechen. Und nun lass uns versuchen das durchzustehen.

 

Elfriede:    Ich soll alles vergessen, was uns in Bad Zwischenahn verbunden hat? Die ganzen vier Wochen? Jeden Tag, wo wir zusammen am See spazieren waren – Hand in Hand? Jeden Abend, wo wir zusammen Tanzen waren ? Und die letzten Nächte soll ich auch einfach vergessen, als wir...

 

Edmund:   Elfriede! Nun mach´ doch nicht alles noch schlimmer.

 

14. Szene

 

Erich:         (öffnet die Tür vom Wohnwagen) Kommst Du zurecht mit dem Schirm, Schatz?

 

Elfriede:    Jaja, Erich. Ich hab´ ´ne starke Hand gefunden.

 

Erich:         Ach, das ist ja nett von Ihnen, Herr...

 

Edmund:   Rösner! Edmund Rösner!

 

Erich:         Rösner, richtig! – Elfriede, wenn es Dir nichts ausmacht, leg ich mich noch eben kurz hin, ja?! – Die Fahrt hat mich doch ganz schön geschafft.

 

Elfriede:    Ist gut, Erich. Ich mach hier draußen alles soweit klar. Ruh Dich nur aus.

 

Erich:         Okay. – Wir lernen uns sicher später noch besser kennen, Herr Rösner.

 

Edmund:   Bestimmt!

 

Erich:         (schließt die Tür)

 

15. Szene

 

Elfriede:    Mein Erich. Ist er nicht nett?

 

Edmund:   Das ist er. Und deshalb sollten wir ihm auch keinen Anlass geben auf einmal nicht mehr nett zu sein.

 

Elfriede:    Du hast ja recht! Aber glaub´ nicht, dass mir das leicht fallen wird.

 

Edmund:   Mir ja auch nicht. Aber eine andere Lösung gibt es nun mal nicht. (geht zu seinem Wohnwagen) Das Beste wäre, wenn wir gar nicht so viel Kontakt miteinander haben. (will in den Wagen, als...)

 

Elfriede:    (schnell zu ihm kommt, ihn um den Hals fällt) Hör doch auf, Edmund. Du spürst doch auch, dass unsere Gefühle stärker sind. Wehr Dich doch nicht. Ist doch Urlaub. (küsst ihn)

 

Edmund:   (zunächst völlig überrascht, erwidert schließlich den Kuss, umarmt sie auch)

 

16. Szene

 

Anton:       (kommt von hinten, hat einen kleinen Medikamentenkoffer dabei. Sieht die beiden, schweigt, staunt aber nicht schlecht. Darin fällt der Vorhang)

 

 

 

Ende des ersten Akts

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Zweiter Akt

 

(Eine Woche später. Ein Samstag, ca. 23.00 Uhr. Auf der Bühne steht jetzt rechts ein aufgebautes Zelt. Vor einem der Wohnwagen Gartentisch mit Stühlen. Darauf Teller, Gläser, etc. Evtl. etwas abseits ein Grill. Es soll den Eindruck einer beendeten Party machen. Michael und Ina hocken im Schneidersitz vorm Zelt. Birgit und Elfriede sind eifrig damit beschäftigt, den Tisch abzuräumen, sie tragen Sachen in die Wohnwagen. Erich und Edmund sitzen beisammen und spielen Karten.)

 

1. Szene

 

Edmund:   (legt eine Karte auf den Stapel in der Mitte) Zwei nehmen!

 

Erich:         Oh nein, nicht schon wieder.

 

Edmund:   Ich kann gar nicht glauben, das Karten-Spielen soviel Spaß machen kann.

 

Erich:         Wenn man es richtig versteht...

 

Edmund:   Bei „Mau Mau“ kann man ja nicht viel falsch machen.

 

Michael:    (und Ina stehen auf) Wir machen noch einen Spaziergang, ja?!

 

Erich:         Aber nicht mehr so lange,... es ist schon nach elf.

 

Ina:            (nimmt Michael an die Hand, ab nach hinten) Okay, Vater.

 

Birgit:        (die gerade aus dem Wohnwagen kommt) Nun schaut euch das an: Die beiden jungen Leute! Hand in Hand.

 

Elfriede:    (die jetzt auch herauskommt) Ich hab´ das vor ein paar Tagen schon bemerkt, das sich da was anbändelt.

 

Edmund:   Und wo hast Du Deine Augen wieder gehabt, Birgit? Warum hast Du das denn nicht gesehen? (legt eine weitere Karte in die Mitte) Aussetzen und schon wieder zwei nehmen.

 

Birgit:        Na, hör mal! Ist Dir das vielleicht aufgefallen? Nein! Und mich hier anmachen. Das ist ja wohl ´n Witz.

 

Erich:         Lass die beiden doch. Vielleicht ist das nur ein Urlaubsflirt. Und alt genug sind sie doch auch.

 

Edmund:   Alt genug? – Eure Ina vielleicht. Aber unser Michael ist noch lange nicht soweit.

 

Erich:         Nun hör aber auf, Edmund. Was soll denn schon groß passieren mit den beiden? Sie haben ein bisschen Spaß zusammen, das ist alles.

 

 

Birgit:        Weißt Du auch, wie weit dieser Spaß gehen kann? Lern Du mir die jungen Frauen heute nicht kennen. Das sind alles Luder.

 

Elfriede:    Was soll das denn heißen? Unsere Ina ist nicht doof, ja?! Die weiß genau, wo die Grenzen sind. Oder meinst Du, sie ist mit siebzehn Jahren noch nicht aufgeklärt?

 

Birgit:        (sprachlos) Also, das ist denn doch...

 

Erich:         Warum greifst Du Birgit denn so an? Sie meint es doch nur gut mit ihrem Sohn.

 

Birgit:        Genau!

 

Erich:         Wir sind doch alle mal jung gewesen. Und euer Michael ist auch nur ein Mensch. Wenn er mit sechszehn Jahren die Gelegenheit schnuppert, dann wird er wohl zupacken – auch wenn er sich gerne dumm stellt. Warum denn auch nicht?

 

Edmund:   (wirft die Karten wütend auf den Tisch) Bist Du wohl auf der Stelle still?! – Unser Junge ist durch und durch gut erzogen. Und er nutzt kein Mädchen schamlos aus.

 

Elfriede:    Hey hey – nun ist es aber gut gewesen. Eine ganze Woche lang haben wir uns nun so gut verstanden, und jetzt gibt es wegen unserer Kinder Streit ?

 

Birgit:        Eben! Und ich glaub´, es ist spät genug geworden. Die Hitze hat uns wohl alle mit-einander etwas verwirrt. Es ist Zeit – wir sollten schlafen gehen.

 

Edmund:   (wütend) Das wird wohl das Beste sein. Ich hab´ genug. (steht auf, plötzlich) – Wo will er denn aber hin, unser Michael - mit dieser Ina?

 

Elfriede:    Die wird schon wiederkommen. - Keine Bange!

 

Edmund:   Da hast Du sicher recht, Elfriede. – Tja, ich geh dann schon mal in unseren Bau. (wirft Elfriede beim Hineingehen einen Kuss zu, ab)

 

Birgit:        (nimmt noch einige Geschirrteile mit in den Wagen) Gute Nacht zusammen! Schlaft gut!

 

Erich:         Danke! Du aber auch, Birgit.

 

Birgit:        Ich schlaf immer wie ein Murmeltier. (lächelt Erich schelmisch zu, dann ab)

 

Elfriede:    (hat auch noch einige Gläser in der Hand, will ab in den Wagen) Kommst Du auch, Erich?

 

Erich:         Jaja! Sofort! Ich schau nur noch eben ob der Grill gut abgekühlt ist. (steht auf, tut dies – sieht dann auf die Uhr, seufzt. Nimmt die restlichen Sachen mit in den Wohnwagen)

 

                  (das Bühnenbild wird deutlich dunkler. Der Zuschauer soll den Eindruck bekommen, dass es Nacht wird und ca. 1 bis 2 Stunden vergehen. Man kann diese Zeit mit einer Musik überbrücken oder aber den Vorhang kurz schließen. Beides muss aber nicht sein.)

2. Szene

 

Michael:    (kommt mit Ina von hinten, schaut auf die Uhr) Schau mal, schon fast ein Uhr. Über zwei Stunden waren wir unterwegs.

 

Ina:            Na und? Das ist für unseren Plan doch “optimal”, Michael. Sonst glauben sie uns das doch nicht.

 

Michael:    Ach ja, der Plan. Weißt Du, ich hab´ da nochmal drüber nachgedacht. Ich weiß nicht recht, ob wir das machen sollten.

 

Ina:            (wundert sich) Was? Erst warst Du begeistert und nun willst Du kneifen?

 

Michael:    Du kennst meine Eltern nicht. Die sind imstande und bringen sich um... oder mich – das wäre ja noch schlimmer.

 

Ina:            Warum das denn? – Das können sie auch nur einmal machen. – Wir wollen doch, das unsere Eltern endlich kapieren, das wir erwachsen sind. Und ich freu mich nun schon auf ihre Gesichter, wenn wir erzählen, das ich ein Kind von Dir bekomme.

 

Michael:    Geht diese Lüge nicht ein wenig zu weit?

 

Ina:            Ich will wissen, was dann passiert. Was meinst Du? – Was machen Deine Eltern wohl als erstes?

 

Michael:    Das weiß ich doch nicht. Meinem Vater trau ich einiges zu.

 

Ina:            Das wird der größte Spaß in der deutschen Urlaubsgeschichte. Wenn ich das meinen Arbeitskollegen erzähle, die kriegen sich nicht wieder ein.

 

Michael:    Und wie lange spielen wir diese Show?

 

Ina:            Bis die Sache zu explodieren droht. – Und nun schau nicht wie so ´n Auto; das wird nun so gemacht und damit basta.

 

Michael:    Ich komm da trotzdem nicht mit klar.

 

Ina:            Was hast du denn?

 

Michael:    Denk doch mal nach. Wir kennen uns gerade eine Woche. Ich weiß doch so gut

wie nichts von Dir. Und wir sollen erzählen, das wir gleich was miteinander gehabt haben. Das glauben die uns doch nie im Leben. Außerdem kann kein Mädchen nach einer Woche sagen, dass sie definitiv schwanger ist.

 

Ina:            Ach so, nun verstehe ich. Ist doch nichts dabei. Nun geb Deinem Herz einen Stoß und mach mit. Und schwanger ? Egal – bei diesem Wort spielt bei unseren Eltern die Zeit keine Rolle. Da geht´s ums Prinzip.

 

Michael:    (nach einer kleinen Pause) Na gut! Aber wenn es brenzlig wird, sagen wir die Wahrheit, ja?

 

Ina:            Sicher! Gleich morgen, am besten beim Mittagessen lassen wir die Bombe platzen. (vergnügt) Oh, ich freu mich schon darauf. (gibt Michael plötzlich einen Kuss auf den Mund)

 

Michael:    (völlig überrascht) Hey! Was war das denn?

 

Ina:            Seh´ es einfach als Belohnung dafür, dass Du mitmachst.

 

Michael:    (überlegt einen Augenblick, küsst sie dann plötzlich auch, aber etwas länger)

 

Ina:            (weniger überrascht) Äh... und wofür war das?

 

Michael:    Nehm es einfach als Dankeschön, das ich Dich hier getroffen hab´. Ohne Dich wäre es für mich ganz schön langweilig hier.

 

Ina:            Ich bin auch froh, dass Du hier bist. Und,... wenn ich ehrlich bin, hab´ ich mich...

 

Michael:    Ja? Du auch?

 

Ina:            Hhmmm...(nickt)

 

Michael:    Hast Du meine Wohnung schon gesehen?

 

Ina:            Deine Wohnung? (versteht nicht ganz) Nein...

 

Michael:    Hast Du Lust? (zeigt auf sein Zelt)

 

Ina:            Ach so! Okay, wenn Du mich einlädst. Hast Du denn auch was anzubieten?

 

Michael:    Oh ja, das zeig´ ich Dir gleich. (mit Ina ab ins Zelt)

 

3. Szene

 

(kurze Pause)

 

Edmund:   (kommt aus dem Wohnwagen, Birgit bleibt in der Tür stehen) Ich bin gleich wieder da. Nur eben zum Zigarettenautomat, Birgit.

 

Birgit:        Ja, aber wo musst Du denn ganz hin? Und so spät noch ?

 

Edmund:   Äh... ich hab´ kein Kleingeld. Ich werde wohl bis zum nächsten Wirtshaus laufen müssen. – Kann schon zehn bis zwanzig Minuten dauern. Warte nicht auf mich. Geh doch wieder schlafen, Birgit.

 

Birgit:        Jaja!

 

Edmund:   (wundert sich) Sag mal – das ist alles? Mehr kommt nicht?

 

Birgit:        Was denn?

 

Edmund:   Na, das was Du sonst immer sagst: „Rauch nicht soviel. – Spar Dein Geld lieber. – Denk an Deine Gesundheit. – Was soll diese Qualmerei wohl“...

 

Birgit:        (ganz gefasst) Ach, das hab´ ich aufgegeben. – Du lässt es ja doch nicht. Und nun geh.

 

Edmund:   Ja, ich bin ja schon weg.

 

Birgit:        (schießt die Tür)

 

4. Szene

 

Edmund:   (horcht an Müllers Tür, schaut auf die Uhr, versteckt sich hinter einem Baum, Gebüsch oder dem Toilettenhäuschen, wartet)

 

5. Szene

 

Elfriede:    (kommt nach einer kurzen Pause aus dem Wohnwagen, spricht zu Erich) Ich weiß auch nicht... Die Grillwürste waren sicher zu fett für mich. Irgendwas bekommt mir nicht.

 

(schließt die Tür, geht langsam zum Toilettenhäuschen, sieht sich um)

 

Edmund:   (kommt vor, flüstert) Hey Elfriede.

 

Elfriede:    Oh Edmund, da bist Du ja. (nimmt ihn am Arm, zieht ihn in den Vordergrund beim Toilettenhäuschen, umarmt ihn, Kuss) Ich halt´ das nicht mehr länger aus, Edmund. Den ganzen Tag müssen wir so tun, als wenn wir uns erst eine Woche kennen.

 

Edmund:   Das geht mir doch genauso. Ein Glück, das Birgit den Vorschlag gemacht hat, dass wir uns alle duzen sollen.

 

Elfriede:    Ja stimmt. - Wie lange hast Du Zeit?

 

Edmund:   Zehn Minuten ungefähr. Bis zum Wirtshaus. Und Du?

 

Elfriede:    (muss lachen) Bis ich meinen Darm entleert hab´.

 

Edmund:   (lacht mit)

 

Elfriede:    Schsch... nicht so laut. – Was machen wir denn jetzt? Wollen wir zum Strand laufen?

 

Edmund:   Und wenn uns jemand sieht?

 

Elfriede:    Um diese Zeit ? Ist ja schon fast Nacht. Da wird wohl nicht mehr viel los sein. (Arm in Arm mit Edmund nach hinten abgehend)

 

Edmund:   Um so besser. Dann sind wir endlich eine kleine Weile ganz allein. (ab)

 

6. Szene

 

Michael:    (öffnet den Reißverschluss vom Zelt, kommt heraus) Spinn ich nun, oder was?

 

Ina:            (kommt auch heraus) Das war doch die Stimme von meiner Mutter.

 

Michael:    Ja, das war sie. Und hast Du auch die andere Stimme gehört?

 

Ina:            Oh ja! – Was hat er gesagt? Dann sind wir endlich mal allein?

 

Michael:    (nach kurzer Überlegung) Nein nein, das kann nicht sein. Mein Vater doch nicht! Das waren dann wohl doch irgendwelche anderen Leute.

 

Ina:            Warum haben wir auch nicht schnell aus dem Zelt geschaut ? So ´n Mist aber auch.

 

Michael:    Glaub´ mir, das kann nicht sein. Mein Vater mit seiner ewigen Predigt über Moral und Sitte. Du siehst das doch alleine daran, wie er mich behandelt. Das kann mein Vater nicht gewesen sein. – Basta! Das wäre ja auch wohl ´n Ding. – Der alte Knacker... (geht wieder ins Zelt) Kommst Du?

 

Ina:            Aber meine Mutter war das doch! Ich kenne doch die Stimme meiner Mutter. – Warte mal. (geht zum Wohnwagen, horcht an der Tür, kommt zurück) Nichts zu hören. Vielleicht hab´ ich schon Halluzinationen, wer weiß. (winkt ab, geht wieder ins Zelt, schließt den Reißverschluss)

 

(kurze Pause)

 

7. Szene

 

Birgit:        (öffnet die Tür einen Spalt, schaut mit dem Kopf heraus, ob jemand in der Nähe ist, kommt heraus, klopft dann bei Harms an die Tür)

 

Erich:         (öffnet sogleich)

 

Birgit:        (gespielt) Ach, entschuldigt die späte Störung. Habt ihr wohl ´ne Kopfschmerz-Tablette für mich. Ich kann einfach nicht...

 

Erich:         (unterbricht sie) Geb Dir keine Mühe - sie ist nicht da. Aber... (legt den Finger auf ihren Mund) Pssst...! (zeigt zum Toilettenhäuschen)

 

Birgit:        (begreift, spricht leiser) Edmund ist auch nicht da.

 

Erich:         Na prima! (umarmt sie, Kuss. Der Kuss ist laut zu hören) Komm, lass uns spazieren gehen. (umarmt Birgit)

 

Birgit:        (seufzt) Hach... (mit Erich ab nach hinten)

 

 

 

 

8. Szene

 

Ina:            (öffnet wieder den Reißverschluss vom Zelt, kommt hervor, diesmal schneller) Hast Du das auch gehört, Michael?

 

Michael:    (kommt auch heraus) Was denn?

 

Ina:            Na, das Geräusch.

 

Michael:    Das waren wir. Schau mal, ich mach es Dir vor. (küsst sie, so dass man es hören kann)

 

Ina:            (wehrt ab) Ach was, das waren wir nicht! Ich bin doch nicht blöd. Das hörte sich an wie mein Vater.

 

Michael:    Dein Vater? Der geht fremd? Das ist ja ´n Ding.

 

Ina:            Halt Deinen Mund. Wenn mich nicht alles täuscht, dann was die andere Deine Mutter.

 

Michael:    Was hast Du nur gegen meine Eltern. Gerade musste mein Vater dran glauben und nun...?

 

Ina:            Jetzt will ich´s aber wissen. (geht zur Wohnwagentür ihrer Eltern, klopft energisch, niemand öffnet. Macht die Tür auf, geht hinein, kommt gleich darauf zurück) Nichts; niemand da! Wo sind die denn?

 

Michael:    Was weiß ich?

 

Ina:            Und wie ist das bei euch? (geht zu deren Wagen, klopft)

 

Michael:    Eh, bist Du... das kannst Du doch nicht machen.

 

Ina:            Warum denn nicht? (niemand öffnet) Siehst Du? Auch hier scheint niemand da zu sein.

 

Michael:    Was? (öffnet die Tür, sieht hinein) Tatsächlich! Das ist ja sonderbar.

 

Ina:            Allerdings! Hier scheint ja einiges durcheinander geraten zu sein, nicht wahr!?

 

Michael:    Das bildest Du Dir ein, Ina. Die sind sicher alle gemeinsam zum Strand gelaufen und machen einen Nachtspaziergang.

 

Ina:            Das glaubst Du doch selber nicht. – Aber warte; das will ich sehen. Kommst Du mit?

 

Michael:    Ans Meer? Ich weiß nicht recht. Unseren Eltern nachspionieren?

 

Ina:            Nur schauen, ob sie nichts verbotenes tun. – Und wenn wir etwas sehen, was nicht sein sollte... ja, dann ist aber was los.

 

 

 

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