Lange danach gesucht - auf Ibiza 2012 endlich gefunden
Musiker gesucht

„Well arbeiden will, de find ok wat“

 

oder

 

„Hartelk Willkommen bi Chez André“

 

Komödie in 3 Akten

 

von

 

                                 Helmut Schmidt und Christoph Bredau

 

(plattdeutsche Fassung)

 

 

 

 

 

Inhalt:

 

Die Freunde Andre Lambrecht und Frank Wattenfall haben an der Börse ihr gesamtes Vermögen verloren, sind seit einem Jahr arbeitslos und mieten nun gemeinsam eine 2-Zimmer Wohnung. Obwohl sich beide recht bemühten, gab es für sie bisher keine Chance auf einen neuen Arbeitsplatz. Mit ihrer Miete sind sie bereits in Verzug geraten, unbezahlte Rechnungen häufen sich und Hartz IV steht vor der Tür.  Ihre Vermieterin Elfriede Krause setzt den beiden dann ein Ultimatum von einer Woche. Sollten sie nicht in dieser Zeit einen Arbeitsplatz nachweisen oder die Mietschulden zahlen, will sie die beiden hinauswerfen. Doch dann hat Andre eine geniale Idee. Und so kommt es, dass die beiden einen Begleit-und Escord-Service für Frauen anbieten. „Willkommen im Chez André“ heißt es in der Tageszeitung. Das Angebot wird zwar schnell angenommen; jedoch hatte keiner der beiden erwartet, dass es auch Damen gibt, die mehr wünschen als ein nettes Gespräch, ein gemeinsames Essen oder eine Massage. Aber die Vermieterin Elfriede Krause und Andre´s Freundin Tina setzen alles daran, dass diesem Treiben ein Ende gemacht wird. Doch dann ist da ja auch noch die Liebe...

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Die Spieler:    3m/5w – 1 Bühnenbild mit Veränderungen

 

 

Andre Lambrecht       -           (ca. 30-40 Jahre)

 

Frank Wattenfall        -           (ca. 30-40 Jahre)

 

Elfriede Krause          -           Vermieterin (50-60 Jahre)

 

Tina Brahms               -           Freundin von Andre (ca. 25 Jahre)

 

Pamela Hack-Bock     -           Gast (ca. 50 Jahre)

 

Amelie Heuer             -           Gast (ca. 40 Jahre)

 

Birgit Kerkhoff          -           Gast (ca. 30-40 Jahre)

 

Dr. Detlef Bock         -           Gast und Ex-Ehemann von Pamela (ca. 50-60 Jahre)

 

 

---

 

 

Spielzeit:         Frühling in der Gegenwart

Spielort*:        kleine Mietwohnung im 1. Stock auf dem Land oder am Stadtrand.

*diese Komödie spielt in Ostfriesland (Stiekelkamperfehn), darf aber

 selbstverständlich geändert werden.

Spieldauer:      ohne Pausen ca. 100 Minuten

 

 

Bühnenbild:

 

Das Bühnenbild zeigt im ersten Akt eine sehr karg eingerichtete Wohnküche. Tisch, Sofa und 1 oder 2 Sessel, kleiner Schrank, ein paar Bilder und ein Kalender an der Wand. Falls ein Fenster benutzt wird, stehen zwei bis drei Grünpflanzen auf der Fensterbank, die recht vertrocknet aussehen. Es führt eine Tür nach hinten zum Flur, dahinter rechts oder links eine weitere Tür zum Treppenhaus, im Raum eine zweite Tür nach rechts zum Schlafzimmer und zum Bad und zur Kochnische. Das Zimmer befindet sich im 1. Stock des Hauses.

 

Die Ausstattungen für den 2. und 3. Akt sind dort auf den Seiten angegeben.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Erster Akt

 

                  (Wenn der Vorhang sich öffnet, sitzen Andre und Frank am Tisch. Jeder liest ein Stück einer Tageszeitung. Auf dem Tisch liegt ein Handy. Es ist ein Wochentag in den Nachmittagsstunden. Hier und da liegen Gegenstände herum. (Kleidung, Zeitungen, leere Flaschen, leere Lebensmittelpackungen – aber bitte nicht zu sehr übertreiben) Es sieht nicht sehr aufgeräumt aus. Die beiden sind etwas „schlampig“ gekleidet. In T-Shirt´s oder geöffneten Hemden; Jeans, die nicht sehr sauber aussehen oder schon Risse haben, alte Turnschuhe o.a.)

 

1. Szene

 

Frank:        (nach einer kleinen Pause:) Hier ! Speditions-Unternehmen sucht Gabelstapler-fahrer. 0441/21768...

 

Andre:       (unterbricht ihn) Frank !

 

Frank:        Ja ?

 

Andre:       0441 is in Oldenbörg.

 

Frank:        Stimmt.

 

Andre:       Un wor wohnen wi ?

 

Frank:        In Stiekelkamperfehn.

 

Andre:       Dat sünd ?

 

Frank:        (vorsichtig:) 40 Kilometer ?

 

Andre:       Mindestens 50 ! – Un hest Du ´n Auto ?

 

Frank:        Nee.

 

Andre:       Hest Du ´n Gabelstaplerföhrerschien ?

 

Frank:        Nich so würkelk.

 

Andre:       Hett dat also Sinn over dit Stehenangebot natodenken?

 

Frank:        Nee.

 

Andre:       Noch Fragen ?

 

Frank:        Nee. (etwas enttäuscht, liest weiter)

 

Andre:       (ebenso, dann nach einer kleinen Pause:) Hier! Werbeagentur sucht Modelle – männlich und weiblich bis 25 Jahre für diverse Bereiche. Senden Sie Ihre aussagekräftigen Bewerbungsunterlagen an...

 

Frank:        (unterbricht ihn) Andre !

 

Andre:       Ja ?

 

Frank:        Wat för ´n Telefonvörwahl ?

 

Andre:       04921.

 

Frank:        Emden ! – Hest Du ´n Auto ?

 

Andre:       Nich mehr.

 

Frank:        Büst Du nich ok al wat oller as 25 ?

 

Andre:       Ja.

 

Frank:        (holt Luft, will gerade noch etwas hinzufügen, als...)

 

Andre:       Un wenn Du nu noch seggst, dat ik ´n hässlichet Entlein, fett un unattraktiv bün, dann büst Du de langste Tied mien Mitbewohner west.

 

Frank:        Dat hest Du nu sülmst seggt !

 

Andre:       Mann eh, dat mutt doch endlich irgendwor in uns Rebeet een vernünftigen Job geven för uns. Irgendwat, dat fair betahlt ward un de wi ok maken könnt.

 

Frank:        Dissen Satz segg wi uns nu al siet 11 Maant, jeeden Mittwoch un jeeden Saterdag, wenn wi de Stehen in de Wortanzeigen dörforsten.

 

Andre:       To´n vertwiefeln is dat. Ohn Auto find man in disse Tied nie nich wat.

 

Frank:        Ik weet. Aver harren wi uns Autos nich verköfft, stunn wi nu noch mit Hüür för 5 Maant in Rückstand.

 

Andre:       (ironisch) Genau ! Un nu – wor wi keen fohrboren Unnersatz mehr hebbt, sünd wi uns leeve Vermieterin ja ok blots noch 2 Mieten schüllig. Wunnert mi ja, dat se hier nich al wedder updukt is.

 

Frank:        De kummt noch – keen Bang !

 

Andre:       (faltet die Zeitung wütend zusammen, steht up) Tina trennt sück van mi, wenn nich bold wat passeert. Dat spür ik.

 

Frank:        Meenst Du ?

 

Andre:       Ik kann ehr doch so good as gor nix beeden. Wat för ´n junge Fro de ok noch toll utsücht, maakt dat denn up de Dürte mit ? Se kann doch jeeden hebben, de dat beeter geiht as mi. Van de poor Kröten de mi blieven nadem ik all Verpflichtungen betahlt hebb, kann ik ehr ja nich mol in ´t Kino off to ´n Eeten inladen - eenmol in d´ Maant.

 

Frank:        Ik find, Tina is ´n ollen Zeeg. Aver wenn se Di würkelk leev hett, steiht se ok to Di.

 

Andre:       Ik hebb dat allns so satt, Frank. Ik hass disse Bude hier. Ik krieg Platznot. Ik much gern een moijen, grooden Wohnung mit Garden; mit Tina tosamen wohnen, in Urlaub fohren, mi endlich mol wedder wat günnen – Party´s fiern. Allns dat hier is... is to´n Kotzen !

 

Frank:        Ik ok ?

 

Andre:       Wat ? – Äh... nee. Du büst taktlos un männigmol nich uttoholen. Aver ohne Di was ik ja nich mol in de Laag dit (ironisch) Apartment to betahlen.

 

Frank:        Ik doch aver ok nich. – Wenn man up so engen Ruum alltied tosamen is, blifft dat even nich ut, dat man sück ok mol nich so grön is. Aver wat uns dat hier inbrockt hett, Andre, dat is nich alleen mien...

 

Andre:       KEEN Wort van de Börse un uns verloren Geld ! Ik kann dat nich mehr hören. Dat is passeert un Schluss. Butendem hebb ik Di nie nich de Schuld alleen doran geeven. Wi... wi haren even Pech un hebbt uns täuschen laten. Un nu keen Wort mehr dorvan.

 

Frank:        Okay. – Aver wi bruken Arbeit. In 6 Weeken lett Hartz IV gröten.

 

Andre:       Gräsige Vörstellung. Weest Du, wat dat bedütt ? De Agentur för Arbeit treckt Di totol ut – bit up ´n Schlüpfer. Jede Tree, de Du dann maakst, ward kontrolleert. Nee nee, sowiet dürt dat nich komen.

 

Frank:        Mi gruselt dat ok, wenn ik doran denk. Aver wenn wi keen ördentlichen Arbeitsplatz finden – wat söllnt wi denn maken ?

 

Andre:       (schaut auf die Uhr) Tina kommt glieks. Viellicht hett se irgendwat för uns – off tomindest een good Idee.

 

                  (es klingelt an der Tür)

 

Andre:       Ah, dor is se al. (geht nach hinten, stößt dabei fast mit Elfriede zusammen)

 

2. Szene

 

Elfriede:    (wartet gar nicht, bis sie hereingebeten wird, ist schon im Raum, recht barsch, ihre Kleidung ist etwas altbacken. Sie hat Kontoauszüge in einer Hand, in der anderen einen Schlüssel) Gooden Dag, de Herren.

 

Andre:       (etwas erschrocken) Fro Krause… (gestellt freundlich) Wat för ´n moijen Överraschung. Se hier ?

 

Frank:        Ik glöv dat nich. Se hebbt eenfach wedder uns Döör opensloten. Könnt Se nich wachten, bit wi open maken ? Al mol wat van Privatleeven un Huusfreeden hört ? Wo faken komen Se denn mit Ehren Universalslödel hier bi uns rin? – Segg doch ok mol wat, Andre !

 

Andre:       (knufft ihn grob) Segg ik doch ! Wat för ´n moijen Overraschung !

 

Elfriede:    Na ja, off dat een moijen Overraschung is, sull wi offwachten. Erstmol: Dat hier is MIEN Huus !!!(wedelt mit den Kontoauszügen) Un dann: - Hier, mien Herren ! As Se sehnt, sehnt Se nix ! Up mien Kontoauszügen is tomindest keen Hüür van Se verbucht worden.

 

Frank:        (steht nun auch auf) Moment mol. Se hebbt ja erst vör 4 Weeken 5 Monatsmieten van uns kreegen. Up een Slag !

 

Elfriede:    Jaaaaa… dat annert aver nix doran, dat Se alltied noch mit 2 Mieten in ´n Rückstand sünd. (wedelt erneut mit den Auszügen) Ik hebb ja schließlich ok Verpflichtungen.

 

Andre:       Och ja, wat för al denn ? Wat sall´t denn wesen ? Een neije Prada-Kleed ut de Nobel-Boutique Yvonne ?

 

Elfriede:    Passen Se blots up wat Se seggen, Se Flegel. Se hebbt ja keen Ahnung. Ik un een Prada-Kleed… tssss… - butendem steiht dat in d´ Schaufenster van de Boutique „Fashion Queen“. Falls Se overhaupt weeten, worvan ik prot.

 

Frank:        Mann eh – wi hebbt keen Kohle mehr. Se kriegen ehr Geld al irgendwenher.

 

Andre:       Nich to faten. Wi hebbt bold nix to freeten, un de will sück uns Botterbrood um ehr recht üppige Hüften hangen.

 

Elfriede:    (schaut zunächst skeptisch zu ihren Hüften herunter, reagiert dann erst auf das Gehörte) Heel dorvan offsehn, dat disse Bemerkung mehr as unverschamt is un ik Se hier to elke Tied ut mien Huus rutsmieten kunn, passt up mien Hüften noch wesentlich mehr as blots een Botterbrood. Also – mien Herren – wat denken Se denn nu, wo dat wieder gahn sall ? Wo was dat denn mol mit Arbeit ?

 

Andre:       Fro Krause ! Wi weeten genau, wo Se over uns denken. Ok wi hören eeniges.

 

Frank:        Nich all arbeitslose Minsken sünd arbeitsscheu un alkoholkrank Gesindel.

 

Andre:       Genau. Wi bemühen uns jeeden Tag mehrere Stünden um neije Arbeit. Aver solang wi nix passends finden, könnt wi ok de Hüür nich betahlen.

 

Elfriede:    Ja, dann maken Se ´t doch passend ! – Wat hebb ik eenlik dorvan, dat Se hier bi mi herrumgammeln ?

 

Frank:        Ik meih Ehr dissen Sömmer ok wedder Ehren Rasen.

 

Elfriede:    Un dormit willen Se Ehr Mietschulden betahlen ? – Oh ja… Ik seh de bayrische Alpen van offmeiht Gress al bildlich vör mi.  – Horido.

 

Andre:       Un de Waterleitung, de ik Ehr repareert hebb letzt Week ? Dat harr ik ok mit 50 Euro bereken kunnt.

 

Elfriede:    (ironisch) Ja seeker. Un well betahlt mi de Klempner, de 3 Stünden bruukt hett um de Niagara-Fälle dorna wedder drög to leggen?

 

Andre:       Mann eh – dat was aver ok echt nich so eenfach.

 

Elfriede:    Herr Lambrecht – Herr Wattenfall. Ik hebb keen Lüst mehr Se immer un immer wedder wegen Ehr Verpflichtungen uptosöken. Butendem wacht tegen 16 Ühr mien Visagist up mi.

 

Andre:       (etwas leiser) Ja seeker.

 

Elfriede:    Passen Se up: Ik gev Ehr noch genau 2 Weeken Tied. Sull tomindest een van Se bit dorhen keen Arbeitsplatz vörwiesen können, rühmen Se umgehend disse Wohnung. Ik hop, wi hebbt uns verstahn !

 

Andre:       Fro Krause… 2 Weeken – dat is…

 

Elfriede:    …eenfach to goodmödig van mi. Ik weet – een Week sull ok genügen – Se hebbt vullkommen recht. – Also, anner Week um de glieke Tied bün ik wedder hier !

 

Frank:        (wie Andre geschockt über dieses Ultimatum, will ihr die Meinung sagen) Se… Se…

 

Elfriede:    Ja ? Wullen Se noch wat seggen, Herr Wattenfall ?

 

Andre:       (muß Frank zurückhalten, ist dann einsichtig) Nee ! Wull he nich ! Is up Steh, Fro Krause. Anner Week um disse Tied sehnt wi uns wedder – entweder mit een Nawies, dat wi Inkommen hebbt, oder wi hebbt bit dorhen uns Hüür betahlt. Worvan ok immer.

 

Elfriede:    Bannig vernünftig ! Worum wicht dann blots de Skepsis nich van mi ?

 

Andre:       Laten Se se eenfach wichen. Wi söllnt Se woll nich enttäuschen.

 

Frank:        Wenn wi al bi ´t Enttäuschen sünd: Wi hebbt Ehr vör twee Week een Pund Koffje utlehnt – blots, dormit ok dat nich heel vergeeten ward !

 

Elfriede:    (nach hinten abgehend:) Ik bün noch nie nich irgendwell lang wat schüllig bleeven. Se kriegen dat al torüch. - Noch een moijen Dag, de Herren.

 

Andre:       (knufft Frank, dann gemeinsam:) Se uns ok, Fro Krause.

 

Elfriede:    (empört ab)

 

 

 

 

 

3. Szene

 

Frank:        Andre Lambrecht ! Hest Du eenlik ´n Sockenschuß ? Wo kunnst Du Di up so een Deal inlaten ? Wo bitteschön söllnt wi in een eenzigen Week an Geld off een neijen Job komen, wenn wi al siet Maanten nix finden ?

 

Andre:       Wat söllnt wi denn maken ? Disse Fro is ieskolt. De droht uns nich blots; de schmitt uns würkelk rut wenn wi nich dat dohn, wat se verlangt.

 

Frank:        Na dann streng mol Dien grau Gehirnzellen an un find wat. DU hest Di schließlich up ehren Handel inlaten.

 

Andre:       Och, nu dreih nich glieks dör. Maak uns leever erstmol wat to eeten – dann kann ik beeter nadenken.

 

Frank:        Tolle Idee. Wat denn bitte ? In d´ Köhlschapp stahnt twee offlopen Joghurts, un in d´ Vörratsruum lopen de Müse Amok un bölken: „Geevt uns wat to freeten – geevt uns wat to freeten !!!“

 

Andre:       Ja dann her mit de Joghurts. – Off gah inkopen !

 

Frank:        (geht nach nebenan ab) Witzbold – worvan denn bitte Inkopen ?

 

Andre:       (hat sich wieder gesetzt und studiert etwas verzweifelt die Zeitung, die ausgebreitet auf dem Tisch liegt. Es ist darauf zu achten, dass diese während der nächsten Dialoge so liegen bleibt.)

 

Frank:        (von nebenan:) Du – de Deckels van de Joghurts wölben sück al so arig. Hett dat wat to bedüden ? Explodeeren de glieks ?

 

Andre:       Oh Mann… (ruft zurück) Geev de Müse dat. Viellicht verfehren de sück van de Knall un fallen dood um. Dann sünd wi tomindest de kwiet.

 

Frank:        (kommt zurück) Tja… un nu ? – Nix to eeten in ´t Huus, Kündigung in d´ Nacken, keen Geld up de Bank – kein Euro in ´t Portemonnaie… kannst Du mi mol seggen wo dat nu wieder gahn sall ?

 

                  (es klingelt an der Tür)

 

Frank:        (regt sich schon wieder auf) Wenn dat nochmol de Krause is, dann garanteer ik för nix mehr. (geht „geladen“ zur Tür)

 

Andre:       Dann gev ehr de beid Joghurts. Viellicht hebbt wi ja mol Glück un worden de tomindest los.

 

Frank:        (öffnet)

 

 

 

 

 

4. Szene

 

Tina:          (kommt herein. Sie ist schick, aber dennoch leger gekleidet; hat eine gefüllte Tüte vom Bäcker in der Hand) Frank – Hallo. Wat is denn mit Di los ? Du süchst ja ut, as wenn Du jeeden Moment explodeeren wullst.

 

Frank:        (beruhigt sich) Och Du büst dat, Tina. (Tür zu)

 

Andre:       (steht sofort auf, umarmt und küsst sie) Schatz, moij dat Du dor büst.

 

Frank:        (sieht etwas neidisch zu, konzentriert sich dann aber schnell auf die Tüte)

 

Tina:          Schnucki… seeker hebbt ji gor keen Appetit, aver ik hebb frische Donuts* to´n Koffje mitbrocht. (* oder aber Berliner, Muffins o.a.)

 

Frank:        (entreißt ihr sofort die Tüte, holt ein Teil heraus, schlingt es in sich hinein)

 

Andre:       (und Tina staunen nicht schlecht über Frank) Äh… wo kummst Du dorup, dat wi Schmacht hebben ? (nimmt sich auch direkt eins, isst – aber etwas weniger gierig als Frank)

 

Tina:          Ik harr eenlik docht, dat wi komodig tosamen Koffje drinken.

 

Frank:        (nimmt sich schon das zweite Gebäck-Stück, mit vollem Mund:) Vööl Glück bi ´t Söken !

 

Tina:          Hä ?

 

Andre:       Koffje – ja – Tina, weest Du… De Krause hett sück leider uns lesd Pund utlehnt. Un Koffje is ok gor nich good för de Teint un de Blooddruck.

 

Tina:          Ik hebb jo al verstahn. So ganz van güstern bün ik ja ok nich. – Hach, ik kunn nu echt ´n Tass Koffje verdragen, de Uni hett mi vandag echt schafft.

 

Andre:       Wo löppt dat denn, Muus ?

 

Frank:        Oh bitte nix mehr van Müüse !

 

Tina:          (versteht Frank nicht richtig) Am leevsten de ik dat Studium smieten. Viellicht bün ik würkelk nich clever genug för ´t Lehramt. Heel dorvan offsehn, geiht mi dat langsom immer mehr up ´n Geist, dat ik alltied noch bi mien Ollern wohn. Wo gern wull ik mit Di tosamen wohnen, Andre.

 

Frank:        Hey… ik treck hier nich ut !

 

Tina:          Völen Dank. Ik harr dor ok nich an dit 40 qm Luxus-Appartement docht, wenn Andre un ik tosamen leven. Aver sünner Kohle…

 

Frank:        Dröm wieder, Söte – wi dont dat ok. Butendem kunnst Du Di doch nebenbi mit ´n Job ´n beeten Geld verdeenen.

 

Andre:       Frank – kannst Du Dien Taktgeföhl viellicht ´n Spor mehr Utdruck verlehnen ?

 

Frank:        Worto ? Ik sök mi ok noch ´n mittellose Schnecke – dann sünd wi ´n Quartett.

 

Andre:       Pass blots up wat Du seggst. Tina hett bestimmt ´n grooden beruflichen Karriere vör sück.

 

Frank:        Upstünd  mark wi aver nich vööl dorvan.

 

Tina:          Mien Donuts schmecken Dir aver heel good – ok wenn de van een armen Studentin komen, oder ?! - Ik wull jo ja so gern helpen. Hebbt ji denn immer noch keen passenden Job funden ?

 

Andre:       Entweder sünd wi al to old oder uns fehlt de richtige Qualifikation, off de betahlen blots ´n Hungerlohn för ´n 50 Stünden-Week. Is to´n Vertwiefeln. Un nu hett de Draaken Krause uns ok noch ´n Ultimatum stellt, dat wi in een Week Arbeit finden mutten, anners sett se uns vör de Döör.

 

Tina:          Oh nee. Aver to mi un mien Ollern kannst Du ok nich trecken. Dat laten de nie nich to, so altbacken as mien Erzeuger sünd. --- Aver ji sünd nu ja ok al bold een Johr ohne Brötchengever. Viellicht mutt ji doch noch flexibler worden mit de Utwahl. Vör allem, wenn dat so gau gahn mutt.

 

Frank:        Wenn ik mi mit de Arbeit affslut nich identifizeeren kann, dann hebb ik een Problem dormit.

 

Andre:       Hhmm… so ähnlich geiht mi dat ok.

 

Tina:          Verstah ik. Nix is leeper as mörgens na d´ Arbeit hen to fohren un blots dorup hen to arbeiden, dat de Dag vörover geiht. – Moder seggt immer, jede Minsk hett een heel besünner Gav un Talent mitkreegen van Geburt an. Un genau dat sull man nutzen.

 

Frank:        Wenn dat Dien Gav is, Donuts an twee arme Kerls to verschenken, is dat doch al mol een gooden Anfang. (will nochmal in die Tüte greifen)

 

Tina:          Halt stop ! De is för Andre ! Verdeen Dein eegen Geld un koop Di al. (bietet Andre die Tüte an)

 

Andre:       (nimmt sich den zweiten Donut, isst)

 

Frank:        Witzig. Wormit denn ?

 

Tina:          Wat weet ik ? Gah doch up ´n Strich.

 

Frank:        Ik lach glieks. Obwohl… well kunn dissen Adonis-Körper verschmähen ?

 

Tina:          Nu lach ik glieks. (mustert ihn von oben bis unten) Na ja… (fühlt seinen Bauch) Wassen dat de Speckröllchen, worum Roswitha Di verlaten hett ?

 

Frank:        Nee, dat was de Speck sülmst un de lecker Schnitzel van een Schlachter ut Harkebrügge*, worum se dörbrannt is. (*evtl. anderen Ort nennen in Ihrer Spielort-Nähe)

 

  Andre:     (hat von seinem Donut abgebissen; einige Krümel fallen auf die aufgeschlagene Zeitung) Du süchst dat ja, Tina. Hier, de heel Zeitung steiht vull mit Stehen; aver nix – ok gor nix is dorbi för uns.

 

Tina:          (schaut darauf, nimmt die Krümel auf, isst sie, liest:) Diplom-Ingenieur in Bremen gesucht, Tierarzt in Aurich, Frisör in Leer, Massage-Salon sucht hübsche männliche Masseusen*. (*kein Rechtschreibfehler)

 

Frank:        Hübsche männliche Masseusen ?

 

Andre:       (muß lachen) Ja, dat was doch wat. De heel Dag Frolüüd dörkneeden. Keen  schwor Arbeit un ´n Hopen Geld verdeenen dorbi.

 

Tina:          (schlägt ihn neckisch) Hey… dat kunn Di woll gefallen, wa ?!

 

Frank:        To dumm, dat wi keen Utbildung dorför hebbt. (schwärmt) Ik seh de Reklame al för mi: „Wohlgeformte, braungebrannte, schlanke, makellose Frauenkörper werden wieder zu Wachs in den magischen Händen von Andre Lambrecht und Frank Wattenfall.“

 

Tina:          Nette Vörstellung, Frank. Ik würd erde seggen: Overgewichtige, Zellulitisplagte, witte, van dat Leven prägte, vertwiefelte Damen um de 50 sullen woll dann blots uns Kunden sien.

 

Andre:       Meenst Du ?

 

Tina:          Seeker doch. Is doch klor. Sückse Etablissements worden doch blots van rieke, ollerde Damen besöcht, de noch mol wat beleven willen un ehr Erfüllung dorin sehnt, van een jungen, knackigen Mannslüüdkörper verwöhnt to worden.

 

Frank:        Na ja, wenn de Kohle stimmt, de ik ´n Handdook over ´t Gesicht smieten un mi dor dör quälen.

 

Tina:          Oh… Du büst unmögelk. So toll büst Du ok wedder nich.

 

Frank:        Hebb ik ok nie nich behaupt.

 

Andre:       Och, well weet, wat man dorbi verdeent ? Wenn man anstellt is kommen dor ok nich mehr as 7 Euro in d´ Stünd bi rut.

 

Tina:          Mögelk. Wenn man dat selbstständig maken de, kweem dor seeker mehr bi rover.

 

Frank:        Dat is bi een Job in dat horizontale Gewerbe doch ok so, denk ik.

 

Tina:          (muß lachen) Ja, dann arbeit Du doch as Prostituierter !

 

Frank:        (ironisch) Prot mi dat man faken genug in – dann maak ik dat sogor.

Andre:       (schweigt, aber überlegt plötzlich und lächelt)

 

Tina:          Laat uns doch tosamen nochmol allns dörkieken. Wat steiht denn hier ? (schaut in die Zeitung) Hhmm…

 

Andre:       (hat es plötzlich eilig, Tina loszuwerden) Also Tina… nich dat ik unfründelk sien much, aver… Frank un ik, wi…

 

Tina:          Ja ?

 

Andre:       …wi hebbt heel vergeeten Di to seggen, dat wi noch för ´n Bekannte van Fro Krause bi d´ Umzug helpen mutten.

 

Frank:        (ahnungslos) Ja ? Dorvan weet ik ja gor…

 

Andre:       (schnell) Ja klor. Hest Du Trottel dat denn al wedder vergeeten ? Fro Krause wull uns doch dorför 50 Euro van uns Hüür offlaten.

 

Tina:          Ja ? Un wenher mutt ji los un wor is dat ?

 

Andre:       Äh… (schaut zu Uhr) Wi sullen eenlik al lang dor sien – in de Ahorn-Allee.

 

Frank:        Ja, seeker hett Andre recht. Oder was dat doch de Barkenstraat ?

 

Tina:          Dat is nu echt totol gemeen. Du sullst doch mit mi lernen.

 

Andre:       Tja… wat nu mol nich geiht…

 

Tina:          Un mörgen ? Mörgen namiddag hebb ik ok Tied.

 

Andre:       Ik roop Di an, okay ?

 

Frank:        Blots as Info: Sünd noch 85 Cent up de Kort van uns Handy.

 

Tina:          Ji sünd beid echt doof. – Okay, mörgen tegen 15 Ühr. – Un… (sehr ironisch) Arbeid nich to vööl, Jungs.

 

Andre:       (komplimentiert sie zur Tür) Maak wi doch nie. (Kuss)

 

Tina:          (an der Tür) Na dann bit mörgen. (schaut zu Frank) Wullst Du mi noch wat seggen?

 

Frank:        Wieso ? Wat denn ?

 

Andre:       (deutet gestisch auf die Tüte, die auf dem Tisch liegt)

 

Frank:        Och ja… danke för de Appetit-Anreger; un – dat anner Mol mehr dorvan bitte.

 

Tina:          Dat anner Mol bitt ik de Backer een beeten Taktgeföhl för Di intobacken.

 

Frank:        (ironisch) Och, Du büst so good to mi.

Tina:          Tschauiii… (ab)

 

Andre:       (schließt die Tür schnell)

 

5. Szene

 

Frank:        Segg mol... wat is denn nu los ? Ik raff woll nich immer allns up Steh; aver dat harr nu ok een Blinden mit ´n Krückstock sehn, dat Du Dien Tusse hier kwiet worden wullst.

 

Andre:       (geht zu ihm, is ganz euphorisch) Dat hest Du afslut richtig vernohmen. - Frank, pass up ! Ik hebb dor een mega-geile Idee.

 

Frank:        Du wullt Di van Tina trennen? Super ! Dat harr ik Di al vör 6 Maant raden. Ik kann de echt nich off.

 

Andre:       Och, hol de Mund. – Tina is ´n Schatz. Ohne Tina was ik ja gor nich up dissen Trichter komen.

 

Frank:        Wat för ´n Trichter ?

 

Andre:       Uns beid berufliche Trichter, Frank !

 

Frank:        (glaubt schon, Andre´s Idee zu kennen und plappert sie direkt heraus) Tina backt jeden Dag ´n poor 100 van disse köstliche Gebäck-Deelen; wi verkopen de för 3 Euro dat Stück up de Dörpsplatz van Stiekelkamperfehn* un sacken de Kohle in. (*evtl. wieder ändern)

 

Andre:       Prot doch nich so ´n Schwachsinn. Denk doch mol na, up wat för ´n Infall Tina uns hier just brocht hett.

 

Frank:        Denk denk.... komm nich drup !

 

Andre:       Na, Du Blitzdenker... Du weest sülmst heel genau, wo schwor dat is an een neijen Job to komen, de eenigmaten good betahlt ward un de uns ok nich fardig maakt.

 

Frank:        Un wieder ?

 

Andre:       Na, worover hebbt wi denn just prot ? - Dat gifft dor een Marktlücke, de Mannslüüd sluten könnt. Denn wat is för de Minsken viellicht just so wichtig as eeten un drinken ?

 

Frank:        (überlegt kurz) Football ?

 

Andre:       (argh) Kontakte, Du Dumm-Schlumpf ! Nix is gräsiger as Eensamkeit.

 

Frank:        Mögelk. Un wat hett dat mit een neijen Job för uns to dohn ?

 

Andre:       Ik verklor Di dat: Wi leeven in een Tied, de uns modernste Technik bütt. De Minsken lernen sück vandag over dat Internet kennen.

 

Frank:        Stimmt.

 

Andre:       Aver wat glövst Du woll, wövöl Minsken immer noch Probleme hebben sück een Partner to söken ?

 

Frank:        Hhmm...

 

Andre:       Un dann gifft dat wedder vööl, de willen gor keen Partner – de söken eenfach blots een beeten Gesellskupp – för een Avend. Ohn Verpflichtungen un Beziehungs-Dramen. Un dat sünd nich blots de Herren der Schöpfung; kannst Du mi glöven.

 

Frank:        (nach kurzer Überlegung) Okay – un wieder ?

 

Andre:       Vööl Minsken hebbt ok eenfach nich mehr de rechte Partner. De Beziehung is inslapen, un dann söken se na Offwesslung. Wat glövst Du woll, wovöl Frolüüd dat gifft, de dorvan drömen eenmal mit ´n Mann tosamen zu sien, de ehr een beeten Geborgenheit vermittelt – un wenn dat ok blots för een Stünd is in een Gaststuve. Männigeen langt dat viellicht al, sück eenfach blots mol mit een Mann an ´t Telefon fründelk to unnerholen. Aver live is dat natürlik noch vööl moijer.

 

Frank:        (kann es kaum glauben) Echt ?

 

Andre:       Aver ja. Un dorför betahlen de sogor good.

 

Frank:        Echt ?

 

Andre:       Un dat Programm un de Pries könnt de Mannslüüd dann bestimmen.

 

Frank:        Echt ? (begreift jetzt langsam, was Andre meint) Moment mol – verstah ik Di richtig ? Du protst hier van een spezielle Service blots för Frolüüd ?

 

Andre:       Genau, mien Leeve ! Nöm wi dat mol de Escort-Service „Deluxe“ oder aver de männlichen Spezial-Dienstleistungs-Bedriev för de moderne, eensame Fro van hüüt.

 

Frank:        Krasse Idee. Aver wo sall dat funktioneeren?

 

Andre:       Dat weet ik ok noch nich. Up jedenfall kunn man mit so ´n Geschäftsidee seeker heel good verdeenen – wenn man dat richtig uptreckt.

 

Frank:        Dat meenst Du doch nich ernst, oder ?

 

Andre:       Aver seeker. Worum denn nich ? Kann man lichter un gauer Geld verdeenen? Frolüüd proten gern. De mutten ehr Probleme mol kwiet worden. Sück utquatschen. Un dat Tegenover mutt immer Verständnis wiesen. Un dat maken de meesten nich so gern bi een Therapeuten. Een Mann de good utsücht, de tohört, is Frolüüd männigmol vööl leever as de beste Fründin. Un dorför bruuk wi blots een moij inrichtet Zimmer, wor sück de Kundinnen wohl föhlen – mehr nich.

 

Frank:        Du spinnst doch. – Worher weest Du sowat ? Un worher wullt Du bitteschön de Mannslüüd för so ´n Unnernehmen updrieven ?

Andre:       (sieht ihn nur schweigend an, hofft, dass Frank langsam versteht, was er meint)

 

Frank:        (tut es dann auch, holt tief Luft) Du meenst doch nich ernsthaft, dat....

 

Andre:       Genau dat, mien Fründ !

 

Frank:        Andre Lambrecht ! Du büst ja komplett dörknallt. In erster Linie willen de Frolüüd bestimmt optisch wat genießen, dat, wat se tohuus nich hebbt. Kiek Di doch mol an. Süchst Du etwa ut as ´n Unnerbüxen-Model ? Un wo wullt Du denn de Hüür för ´n tweeden Wohnung betahlen, in de Du de Damen empfangen deihst – wenn Du nich mol disse Pacht betahlen kannst ? – Butendem... hest Du mol dorover nadocht dat dat nich blots schlanke, moije Frauen bit 25 Johr gifft ? Kiek Di doch blots uns Vermieterin an. Ok sowat kunn na Di hen komen. Kiek mol ´n richtig hässlichen Fro ´n Stünd lang in ´t Gesicht un hebb för allns Verständnis wat se Di vertellt un bliev cool un maakt ehr ok noch Komplimente. Dat is unmögelk.

 

Andre:       Nu mol heel ruhig. Wi beid sünd optisch recht good antokieken. Een tweed Wohnung bruuk wi nich. Disse langt dorför ut. De mutt wi blots een beeten torecht maken. Un wat uns Kundschaft angeiht... na ja... wi mutten even bi jede fründelk sien. Uns Utsehn spölt dor gor keen grood Rull. De Damen willen bestimmt blots mol wat anners an ehr Sied hebben off eenfach blots proten.  

 

Frank:        Ja, aver wat genau mutt wi denn maken?

 

Andre:       Wi mutten vör allem mit Geföhl an de Saak rangahn, de Frauen Komplimente maken – ok wenn se ´n krummen Nöös hebben. Wi beeden een Begleitservice för Damen an. Een Eeten to ´n Biespiel, wenn se up ´n Party inladen sünd un nich alleen dorhen mögen, off eenfach blots nett mitnanner unnerholen oder viellicht noch...

 

Frank:        Ja even ! „Oder viellicht noch“ is dor ok noch !!!

 

Andre:       Na ja, ik denk, wenn een Fro gern de Nacken off de Schullers masseert hebben much, dann sull dat keen Problem för uns sien. Immerhen düren wi ja ok de Pries dorför bestimmen.

 

Frank:        Nee ! Dat kann ik nich ! Dat breng ik nich. So cool kann ik nich sien. Mitnanner proten geiht viellicht noch – aver ik faat keen Fro an !

 

Andre:       Dat kannst Du ! Ik kenn Di lang genug. De Hauptsaak is, Du büst immer fründelk – egol, wo se utsehnt. Dat willen Frauen hören.

 

Frank:        Nee ! Ik kann sowas nich !

 

Andre:       Hhhmmm... na ja – een Benimm-Kurs bi de VHS was för Di vörher seeker noch van Vorteil.

 

Frank:        Blödmann !

 

Andre:       Ochwat, wenn´t nich klappt, verkoop wi Di even as de „verbal-rustikale“ Typ. Dorup fohren ok männig Frauen off.

Frank:        Danke, Du Monster. – Hest Du overhaupt mol doran docht, wat Du Tina dormit andeihst ?

 

Andre:       Ik weet. De dürt natürlik nie nich wat dorvan gewohr worden. Aver för uns geiht dat um ´t Overleven. Butendem – wat is denn al dorbi, wenn man een Fro nett unnerholt? Hier geiht dat ja nich um ernsthafte Geföhlen, Leevde oder sowat. Mien Hart hört Tina. Un ik gah ja nich frömd. Wat sull se mi also vörholen ?

 

Frank:        De nette Art is dat aver just nich. – Un wo wullt Du för disse Aktion werben ?

 

Andre:       Uns Unnernehmen bruukt erstmol een Naam – na ja, un dann maak wi Reklame in d´ Dagblattje. Aver dorum kümmern wi uns later. Erstmol... - Komm, stell Di mol dor hen !

 

Frank:        Worto ? (stellt sich in die Mitte der Bühne vor den Tisch)

 

Andre:       Ik mutt doch offchecken, off dat würkelk Sinn maakt. (mustert ihn)

 

Frank:        Och, un Du büst Supermann oder wat ?

 

Andre:       (drückt an seinen Oberarmen, dann an den Unterschenkeln)

 

Frank:        Hey... geiht ´t noch ?

 

Andre:       Genau. Geiht even so nich. Du musst Di gründlicher raseeren – un nehm mol ´n After Shave. Un nu treck mol Dien Hemd ut.

 

Frank:        (holt Luft, will schon wieder protestieren...)

 

Andre:       Runner mit de Fummel ! Nu geneer Di doch nich. Wenn wi dat würkelk maken willen, mutt wi uns tegensiedig al ehrlich seggen, off wi dat ok wagen dürden. Frolüüd sünd schließlich anspruchsvoll vandag.

 

Frank:        Mann eh... (tut es dann – aber widerwillig) Wat sall denn disse Mist? Ik treck bi disse Job seeker nich mien Klamotten ut. Butendem is dat totol unfair. Wieso dürt ik Di nich mustern ?

                 

Andre:       Is ja good. (zieht auch sein T-Shirt oder Hemd aus) Tofree ?

 

Frank:        Irgendwie ruckt dat hier tomol sünnerbor.

 

Andre:       Ik hebb vörgüstern erst duscht – aver de Gestank holt sück doch in Grenzen, oder ?

 

Frank:        Iiiih... ik will doch stark hopen, dat dat een Witz war.

 

Andre:       (mustert Frank) Du musst heel gau in ´t Solarium – unner d´ Assi-Toaster. Sowat witts mögen Frauen nich.

 

Frank:        Du süchst ok nich beeter ut. (fasst ihn an) Un Fitness-Studio was ok heel good för Di.

 

Andre:       Dorto is dat nu to laat. – (geht um ihn herum) Ik denk aver, wi dürden dat wagen. Du süchst sowiet ganz passabel ut.

 

Frank:        (ironisch) Völen Dank. Mien Meenung verkniep ik mi dann mol.

 

Andre:       Do Di blots keen Zwang an.

 

Frank:        Ik verstah dat aver immer noch nich. – Ik treck bestimmt nich mien Hemd ut, wenn sück hier een vertwiefelte Fro bi mi utproten will.

 

Andre:       Ik doch ok nich. Aver man kann ja nie nich weeten. Dat erste, wat wi allerdings annern mutten...

 

Frank:        Oh Mann, wat denn nu noch ?

 

Andre:       Wi brauchen beeter Kleedasch. Wi hebbt doch so good as nix. Moije, moderne Hemden, een poor neij Jeans, Schoh, na ´n Frisör muss wi ok noch. Du süchst doch in dat wi uns van uns best Sied wiesen mutten, wenn wi uns mit Frauen treffen, oder ?!

  

Frank:        Un well bitte sall Hugo-Boss, Dolce un Gabana betahlen ?

 

Andre:       Wi bestellen dat in d´ Versandhuus-Katalog – in d´ 24Std. Service. För een Anroop langt ja dat Geld up uns Handy noch ut. Dat maak wi glieks. Een Katalog hett Tina mol mitbrocht; dor kiek wi uns glieks mol een poor Dinge an. Betahlen könnt wi dat immer noch – wenn dat sien mutt – in Raten.

 

Frank:        Un wenn disse blöde Idee nich funktioneert, hebb wi achterna noch mehr Schulden. – Mi is echt nich wohl bi disse Saak.

 

Andre:       Wees doch mol een beeten minner pessimistisch. Wenn ok Du Dien Charme spölen letst, söllnt wi de Frauen woll anlocken – sallst man sehn.

 

Frank:        Aver dat mit dat Masseeren, dat maak ik nich. – Kannst Du dat overhaupt ?

 

Andre:       Nich würkelk. Aver een Nacken off Rüch to bearbeiden, sall ja woll nich so schwor sien. Wi kneden eenfach drup los – wenn ´t van uns verlangt word - egol, off dat medizinisch korrekt is. De Hauptsaak is doch, dat de Tanten sück dorbi wohl föhlen un good dorför löhnen. Wenn se kreischen hebbt wi seeker wat verkehrt maakt.

 

Frank:        Ik maak dat aver trotzdem nich. Dat geiht mi to wiet. – Un, segg mol, wat denkst Du, wovöl man verlangen dürt för so een Treffen mit ´n Fro ?

 

Andre:       Pass up – wi staffeln dat ! Eeten gahn un quatschen kost pro Stünd 50 Euro.

 

Frank:        Echt ?

 

Andre:       Wenn de hier ungestört mit uns alleen wesen willen, dann beden wi viellicht een Glas Sekt an, off een poor Häppchen. Wiel dat aver uns Privatkamers sünd, nehm wi dann 75 Euro för ´n Stünd.

Frank:        Dat dürt wi verlangen ?

 

Andre:       Ik denk woll. Un falls dann doch mol een Massage verlangt worden sull... nu – dorför nehm wi mol 100.

 

Frank:        Dat betahlt doch keen Minsk.

 

Andre:       Frank ! Wenn Du een Fro för 10 Minuten mol een beeten Körperkontakt vermittelst, wiel se tohuus een grummeligen, ollen Ehemann sitten hett, dann betahlt de – ik schwör Di dat.

 

Frank:        Ik glöv, dat kann ik doch ! Bi de Stündenlohn...

 

Andre:       Wo lang büst Du nu al Junggesell ?

 

Frank:        Bold twee Johr, worum ?

 

Andre:       Un in disse Tied hest Du nie nich mol Kontakt hatt to ´n Fro ? Verstah mi nich verkehrt – ik much blots weeten, off Du overhaupt dat – na ja - „Einfühlungsvermögen“  hest, Di mit ´n Fro to unnerholen – up ´n bestimmtet Niveau, versteihst Du ?!

 

Frank:        Ik söök even de afslut Richtige för mi. Dat is gor nich so eenfach. Aver bannig intensiv söcht hebb ik in de letzte Tied eenlik nich. Well hett denn al Lüst een mittellosen Mann uttoholen ?

 

Andre:       Dat is bold vörbi – glöv mi. Ik hebb aver wirs keen Ahnung off dat klappt mit Di.

 

Frank:        Ik kann mi even nich so good utdrücken as Du. Un ok mit Frauen kann ik nich so good umgahn.  

 

Andre:       Is ja good. Sall woll good gahn. - Wat is nu ? Maakst Du mit off nich ?

 

Frank:        Hhmm... okay. (unsicher) Na ja... un dit Masseeren... also – ik meen – wenn dat wirs mol een verlangen sull för 100 Piepen - kunnst Du mi dat mol wiesen, Andre?!

 

Andre:       Du warst noch nie nich bi ´n Masseur ?

 

Frank:        Nee. Du ?

 

Andre:       Nö – aver dat is een Saak, de man eenfach mit Geföhl maken mutt, glöv ik. Un in ´t Fernsehen hebb ik dat al faken sehn.

 

Frank:        Na good. Aver... ik meen... was dat okay för Di, wenn wi beid dat mol tosamen üven ? Wi willen ja nix verkehrt maken.

 

Andre:       Worum nich ? Butendem kann de een de anner dann genau seggen, wat he dorbi föhlt.

 

Frank:        Richtig. (zieht mit einer hastigen Bewegung die Tischdecke vom Tisch herunter, so dass alles was darauf stand - Zeitungen, Stifte, evtl. Blumenvase o.a. nun auf dem Boden liegt)

 

Andre:       Up ´n Disk ?

 

Frank:        Ja klor. – Ik toerst. - Du knetst ! (legt sich mit dem Bauch nach unten längs auf den Tisch) So – fang an !

 

Andre:       Hey, Du hest doch ´n Macke. Hier sall sück woll heel seeker keen Fro up ´n Disk leggen. Sett Di gefälligst in de Sessel.

 

Frank:        Keen Chance. Ik will spüren, wat in Di sitt. Dat kann ik blots, wenn ik ligg. Butendem bün ik total verspannt. Wenn ik also Dien Partner worden sall – dann maak.

 

Andre:       Du sallst Di woll glieks wunnern, mien Fründ. (streckt die Arme nach oben aus, spreizt die Finger und ballt sie zu Fäusten mehrmals, dann:) Moment. (nach rechts abgehend)

 

Frank:        Wat denn noch ?

 

Andre:       (von rechts sprechend) To een good Massage hört Massage-Öl.

 

Frank:        (schaut hoch) Ochja ? – Un dat hebb wi ok in ´t Huus ?

 

Andre:       (kommt zurück. In einer Hand hält er eine Flasche Pflanzenöl, in der anderen einen Becher Margarine und eine Packung Bratfett) Hebb wi !

 

Frank:        (sieht das) Boah krass.

 

Andre:       Hauptsaak dat erfüllt de Zweck. – To ´n Üven langt dat. Wat för ´n Variante haren Se denn gern ?

 

Frank:        (neigt den Kopf wieder nach unten) Na de flüssige natürlik. Wag dat nich, mi mit Palmin* intorieven – dann büst Du dood. (*oder Biskin o.a.) Ik bün keen Steak !

 

Andre:       (öffnet die Flasche, gießt ihm direkt davon was auf den Rücken)

 

Frank:        Aahh... kolt.

 

Andre:       Jammerlappen.

 

Frank:        Wenn ik ok nich vööl Ahnung hebb - aver so kannst Du dat bi de Tussen nich maken. Dat was al mol bannig unprofessionell. Erst up de Hand to ´n Anwarmen – dann up de Huut, Herr Lambrecht.

 

Andre:       Interessant. Ik denk, Du hest keen Ahnung. - Ööaahhh... igitt - wat för ´ne Pampe. (steht noch neben ihm) Ik fang dann mol an, ja ?!

 

Frank:        Ik bitte dorum.

Andre:       (massiert ihm dann den Nacken nicht sehr galant, sondern eher grob) Los geiht ´t.

 

Frank:        Hallo ? Geiht dat noch brutoler ? – Mehr Geföhl bitte !

 

Andre:       (macht es jetzt weniger „hart“) Jaja...

 

Frank:        Jaaaa.... so is dat angenehm. – Bitte de Schullerbladen noch – un dann runner bit Mors.

 

Andre:       (etwas genervt, macht es aber)

 

Frank:        Oh jaaaaa... wenn de Frauen dat spüren, wat ik nu föhl, dann könnt wi ok dorför 100 Piepen verlangen. Föhlt sück richtig good an.

 

Andre:       Och ja ? Hest Du ok doran docht, dat eenig Frauen sück viellicht umdreihen muchen ?

 

Frank:        Leeve Tied. – Dat is doch nich Dien ernst, oder ?!

 

Andre:       (hat aufgehört mit dem Massieren) Nee nee – dat war blots ´n Witz.

 

Frank:        Wat denn ? Wieder !

 

Andre:       Na, wi könnt doch mol wesseln, oder ? Du büst doch dejenige, de nich weet, wo he dat anstellen sall.

 

Frank:        Kummt nich in Frag. Du hest mit disse Idee anfangen. Nu musst Du dor dör.

 

Andre:       Witzig. (massiert weiter) Kiek mol, Frank. Dat gifft seeker ok Damen, de för een lütte Massage 150 Eier un mehr betahlen. Un dat wat ik hier just bi Di maak, düss doch bi een Fro, de ok noch good utsücht, för Di keen Problem sien, oder ?

 

Frank:        150 Piepen ? Ik sall woll allns geven bi ´t Kneden. Aver – stell Du Di nu erstmol vör, ik bün een junge Fro un will Di för de Massage sogor 200 Eier betahlen. Wo dest Du Di dann verholen ? Ik meen – wat seggst Du dann?

 

Andre:       200 Euro ? Wow. Un Du büst een Fro, de bannig toll utsücht?

 

Frank:        Extrem un bannig toll !

 

Andre:       Tja... (spielt dann den Charmeur, massiert sanft und geschmeidig den Rücken von Frank) Also, Fro Meier – Ehr Rüch... de is ja as Babyhuut. Heel dorvan offsehn, dat Se een sympathische Fro sünd. – Se dürden gern faker hierher komen. Ik kann blots seggen: „Willkommen bi Chez André“.

 

Frank:        (genießt dat) Oh ja – un wieder ?

 

6. Szene

 

Elfriede:    (macht ohne Anzuklopfen oder zu Klingeln plötzlich die Tür auf und steht mit einem Paket Kaffee in der Hand da, sieht das Geschehen, glaubt es nicht)

 

Andre:       (und Frank bemerken sie nicht) „Wi kriegen Ehr Verspannungen al in ´n Griff. Un de Genuss, de Se empfinden, wenn ik Se berühr, kann ik blots torüchgeven. Ik funn nich blots dat Eeten un Ehr Gesellskupp een Hochgenuss – nee, ik mach dat besünners, dissen Körper antofaten – un much eenlik nie nich mehr dormit uphören“.

 

Elfriede:    (läßt vor Schreck das Paket Kaffee fallen, dann laut:) Grood Gott !!!

 

 

Schneller Vorhang

 

 

Ende des 1. Akts

 

 

 

Zweiter Akt

 

                  (ca. 1 Woche später. Das Bühnenbild ist verändert worden, in dem jetzt einige Bilder an den Wänden hängen; des weiteren andere nette Deko-Artikel wie Herzen, Schleifen, Tücher, Kerzen u.a. Es ist der Spielleitung überlassen, wie dekoriert wird; es sollte zumindest einen netten und leicht romantischen Eindruck erwecken. Auf einem Schrank o.a. steht eine Stereo-Anlage oder ein CD-Player. Auf dem Tisch steht eine halb leere Flasche Rotwein, 2 Gläser, und eine geöffnete Schachtel Pralinen. Es wurden aber keine neuen Möbel angeschafft. Die Blumen auf der Fensterbank wurden ausgetauscht durch frische. Wenn der Vorhang sich öffnet, ist kein Spieler auf der Bühne. Es ist ca. 22 Uhr. Die Bühne ist dunkel

 

(Man hört, wie von hinten die Tür aufgeschlossen wird, dann kommt...)

 

 

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