Lange danach gesucht - auf Ibiza 2012 endlich gefunden
Musiker gesucht

  „Schweinkram auf der Kaiser-Farm“

 

Komödie in 3 Akten

 

von

 

Helmut Schmidt

 

 

Inhalt: Die beiden unterschiedlichen Brüder Franz und Gerd Kaiser führen gemeinsam eine Schweine-Mesterei. Nach dem plötzlichen Tode ihrer Eltern hat sich zunächst eine Haushaltshilfe um die beiden gekümmert; die jedoch plötzlich nach einem Streit mit Franz ging. Nun verlottern die beiden mehr und mehr, aber Gerd hat ohne das Wissen seines Bruders die hübsche Lisa Bott auf den Hof geholt. Diese ist Tier-Medizin-Studentin und will dort ein Praktikum absolvieren – gleichzeitig auch für die beiden Männer kochen und den Haushalt führen. Das gefällt Franz gar nicht. Der Grund liegt nicht beim Geld... vielmehr kann Franz keine fremden Nasen auf dem Hof gebrauchen, die überall hineingesteckt werden. Aber Lisa kommt schnell dahinter, dass es auf dem Schweine-Hof nicht ganz mit rechten Dingen zugeht. In einem verschlossenen Schrank befinden sich viele Dosen mit merkwürdigem Pulver; und als Studentin riecht Lisa bald den Braten, dass die Schweine mit illegalen Mitteln schnell fettgefüttert werden. Gemeinsam mit ihrer Mutter schmiedet sie einen unglaublichen Plan: Sie mischt Franz täglich durchs Mittagessen etwas von dem Tier-Pulver. Zunächst ist keine Veränderung zu sehen, doch nach einer Woche leidet Franz plötzlich an unkontrollierbarem Muskelzucken und Schweißausbrüchen; kann plötzlich kaum noch aufstehen. Nun muß der Pastor her ! Dieser ist der einzige, den Franz in seiner Situation sehen will. Der Pastor trinkt ganz gerne mal einen und Franz hat bei ihm noch was gut, da er in betrunkenem Zustand ein Ferkel mit seinem Wagen todgefahren hat. Zu allem Übel gesellt sich auch noch die linkische Nachbarstocher Steffi (seit Jahren schwer verliebt in Gerd) dazu, und muß vom Pastor aufgeklärt werden. Lisa kriegt es wegen Franz langsam mit der Angst zutun. Der Pastor sagt ihr, es geht zuende... hat sie es wirklich zu verantworten, wenn Franz stirbt oder wird nun ihr hier eine üble Komödie vorgespielt ?

 

 

Die Spieler: 

 

Franz Kaiser                -  Schweinezüchter (ca. 40 Jahre)

 

Gerd                            -  sein Bruder (ca. 30 Jahre)

 

Lisa Bott                     -  Tier-Medizin-Studentin (ca. 25)

 

Ilse Bott                      -  ihr Mutter (45-50 Jahre)

 

Hans Eilers                 -  Pastor (30-60 Jahre)

 

Steffi Krumminga      -  Nachbarstochter (20-25 J.)

 

Martha Beening          -  Nachbarin (ca. 50 Jahre)

 

 

 

 

 

Spielort:

 

Größeres Dorf in ländlicher Gegend

 

Spielzeit:

 

Sommer in der Gegenwart

 

 

 

 

Spieldauer: ca. 100 Minuten ohne Pausen

 

 

Bühnenbild:

 

Die Wohnküche von Franz und Gerd Kaiser. Sie ist –

was die Einrichtung betrifft – recht gemütlich

eingerichtet. Auf der Bühne ein Tisch mit einigen

Stühlen oder Eckbank. Ein großer Schrank oder Vitrine;

einige Bilder und ein Kalender an der Wand. Einer der

Schränke hat Türen oder Schubladen, die abgeschlossen

werden können. Einige Regale mit Ordner und Mappen,

sowie Fachbücher über Schweinezucht. Es werden 3

Türen benötigt. Nach hinten führt eine zum Flur nach

draußen, rechts eine weitere zur Küche und links eine

dritte zu den Schlafräumen. Links oder rechts hinten

neben der Tür ein Fenster.

 

 

               Erster Akt

 

                  (Auf der Fensterbank stehen zwei verwelkte Topfblumen. Die Gardinen sehen recht „schmuddelig“ aus, als wären sie lange nicht mehr gewaschen worden. Im Raum liegen mehrere Kleidungsstücke der beiden Männer herum. Auf dem Tisch stehen einige leere Bierflaschen. Es ist ein Wochentag in den Mittagsstunden)

 

1. Szene

 

Gerd:         (schaut etwas eingeschüchtert zu seinem Bruder auf)

 

Frannz:      (wütend nach einer kleinen Pause) Ohne mir davon auch nur ein Wort zu sagen...

 

Gerd:         Franz, ich hab´ ernsthaft gedacht, dass auch Dir das recht wäre.

 

Franz:        Ja, dann hast Du eben mal wieder falsch gedacht. – Kommen wir zwei denn nicht gut alleine zurecht ? Du hast doch selbst gesehen, was dabei herauskommt, wenn eine Haushälterin erst das Regiment übernimmt.

 

Gerd:         Erna war eben nicht die richtige für uns.

 

Franz:        Und Du glaubst, andere Frauen sind besser ? Du hast ja keine Ahnung. (steht auf, läuft gereizt im Raum hin und her) Ich hab´ es doch selbst erlebt. Was denkst Du wohl, warum ich mich von Hannelore scheiden lassen hab´ ? Sicher nicht, weil wir uns so gut verstanden haben.

 

Gerd:         Franz, das ist fünf Jahre her.

 

Franz:        Eben ! Und auch genauso lange kommen wir hier bestens ohne Frau zurecht.

 

Gerd:         Ja ? – Mit Erna lief es hier ´ne Zeitlang aber besser als jetzt. Da kannst Du sagen was Du willst. Die hat für uns gewaschen, gebügelt, gekocht und...

 

Franz:        Erna, Erna. Dieses Weib hat hier nur überall ihre Nase reingesteckt; sonst nichts.

 

Gerd:         Wir haben aber nicht nur von Knorr und Maggi gelebt, als sie noch hier war.

 

Franz:        Dann bring doch mal was anderes auf den Tisch, wenn Dir das nicht passt. Du kochst doch bei uns. Oder soll ich mich vielleicht an den Herd stellen ?

 

Gerd:         Warum eigentlich nicht ? – Das heißt – wir haben nun ja wieder eine, die für uns da ist.

 

Franz:        (schaut ihn erbost an) Darüber sind wir uns noch nicht einig – damit das klar ist !

 

Gerd:         Ach Franz; nun warte doch erstmal ab. Vielleicht gefällt sie Dir ja sogar. Auf mich hat sie einen sehr guten Eindruck gemacht. Lisa ist so ganz anders als Erna.

 

Franz:        Du kennst sie ja schon ganz gut, wie ?

 

Gerd:         Was heißt kennen ? Du wirst sie schon mögen. Und – jünger ist sie auch. Ich meine, jünger als Erna es ist.

 

Franz:        Noch besser ! Schleppst uns hier auch noch so ´n junges Gemüse an. Das sag ich Dir gleich: Die können gar nichts. Wollen nur auf die schnelle Art ´ne Mark machen. Die krümmt hier keinen Finger und kostet uns nur Geld – kapier´ das doch endlich.

 

Gerd:         (wird nun auch resolut) Schau Dich doch mal um hier. Siehst Du denn nicht, das hier mal wieder richtig sauber gemacht werden muß ? Was machen wir beide denn schon ? Ja, den Knopf der Waschmaschine drücken, das können wir. Aber das ist auch schon alles. Ein Bügeleisen und Putzlappen hat von uns noch nie einer in die Hand gehabt. Und mit dem Essen ist das genauso. Mensch; ich will mal wieder Kartoffeln mit Rotkohl und ein saftiges Stück Fleisch dazu. Selbst führen wir hier die größte Schweinmesterei im Dorf, und dennoch leben wir seit Wochen nur von Wassersuppen...

 

Franz:        Sag mal, was ist eigentlich mit Dir los ?

 

Gerd:         Hab´ ich denn nicht recht ? – Franz, schau Dir das Mädchen doch erstmal an. Wenn es absolut nicht klappt, können wir sie immer noch wieder wegschicken. (keine Antwort) Franz ?

 

Franz:        Einen Tag ! Einen einzigen Tag schau ich mir das an. Und wenn sie herumquarkt, kann sie auf der Stelle wieder abhauen. Haben wir uns verstanden ?

 

Gerd:         (erfreut) Haben wir ! – (kurze Pause)

 

Franz:        Sag mal, wie alt ist sie denn ?

 

Gerd:         25

 

Franz:        Und so eine will bei uns als Haushälterin arbeiten ?

 

Gerd:         Eigentlich will sie ein Praktikum machen hier. Sie studiert. Und jeder Student kann doch ein bißchen Geld nebenbei gut gebrauchen.

 

Franz:        Praktikum ? Ich hör wohl nicht recht. Damit die hier alles durcheinander bringt – dazu kommt die hierher ? Was studiert sie denn ? Psychologie ? Dann kann sie uns ja den ganzen Tag was von unseren Verhaltensweisen erzählen...

 

Gerd:         Sie wird Tierärztin, Franz. Wieso sollte sie denn wohl sonst hier bei uns ein Praktikum machen ?

 

Franz:        (ironisch) Das wird ja immer besser. – Und wann will sie sich vorstellen ?

 

Gerd:         Äh – ja, wie soll ich sagen ? Sie äh – wartet schon im Flur, damit wir sie hereinholen. (schnell ab in die Küche)

 

Franz:        (kann kaum glauben, was er da gehört hat, geht ihm wütend hinterher) Ich fass es nicht. Alles ohne mein Wissen. (als er gerade an der Tür ist, kommt...) Na warte...

 

2. Szene

 

Martha:      (...von hinten herein. Sie trägt einen Einkaufskorb, Alltagskleidung; eine resolute Person) Mahlzeit Franz.

 

Franz:        (bleibt an der Tür stehen zunächst, nicht sehr erfreut über ihr Erscheinen) Tag Martha.

 

Martha:      Hey, was ist denn mit Dir los ? Wer hat denn so schlechte Laune an einem solch schönen Tag?

 

Franz:        Es soll ja Tage im Leben geben, da wird einem die gute Laune gründlich verdorben.

 

Martha:      Ja ? Also, wenn ich hierher komm´, bin ich immer in der besten Stimmung.

 

Franz:        Ja, das kann ich mir denken.

 

Martha:      Zwei Sachen, Franz: Ich bin gerade auf dem Weg zum Kaufmann und wollte fragen, oder ich euch beiden etwas mitbringen soll.

 

Franz:        Nein danke. Wir haben alles was wir brauchen.

 

Martha:      So ? Na ja, wenn ich mich hier so umschaue...

 

Franz:        (gereizt) Martha, was willst Du ?

 

Martha.      Nun, die zweite Sache: Heute ist doch der Erste. (hält die Hand offen)

 

Franz:        Was denkst Du eigentlich, mit wem Du es hier zutun hast ? Du kannst mir nichts beweisen – gar nichts. Was Du hier mit mir machst, das ist Erpressung. Und ich werde nicht länger mein Portmonee zücken, nur weil Du hier jeden Ersten Deine Hand aufhälst.

 

Martha:      Nein ? Dann wundert es mich aber, dass Du mir das letzte halbe Johr ohne jeglichen  Kommentar an jedem Ersten 50 Euro in die Hand gedrückt hast.

 

Franz:        Manchmal versteh´ ich mich ja selber nicht. Eben gerade hab´ ich mich noch gefragt, was ich eigentlich für ein Trottel bin. Mein kleiner Bruder – tanzt mir auf dem Kopf herum. Macht, was er will.

 

Martha:      Ja ? Was hat er denn ausgefressen, wenn ich mal fragen darf ?

 

Franz:        Schleppt uns hier einfach ´ne neue Haushälterin an. Und ich ? Ich erfahre das erst, wenn sie schon so gut wie eingestellt ist.

 

Martha:      Was sagst Du da ? Neue Haushaltshilfe? Interessant. Und ich ? Hab´ ich euch nicht schon seit Wochen darum gebeten, dass ich euch gerne zur Hand gehen will, wenn ihr Hilfe benötigt ?!

 

Franz:        Ja ja, das hast Du. Wir brauchen Dich nicht. Dich nicht und auch keine andere.

 

Martha:      Na, dann kommt doch um hier in eurem Dreck. Oh oh, Deine Mutter – umdrehen würde sie sich sicher im Grab, wenn sie diese Zustände hier sehen könnte. – Aber was reg ich mich auf ? Ich muß weiter. Wenn ich denn bitten darf... (hält die Hand wieder auf)

 

Franz:        („kocht“, geht dann geladen zum Schrank; holt aus einer Blechdose einen 50 Euro-Schein, drückt ihr diesen – nicht sehr galant – in die Hand) Hier; damit Du endlich Ruhe gibst.

 

Martha:      Oh, vielen Dank auch. (steckt es schnell weg) Dicke Schweine - dicke Scheine.

 

Franz:        Du hälst Deinen Mund, hörst Du ?

 

Martha:      Keine Aufregung, lieber Franz. Kein Mensch wird von mir jemals erfahren, dass Du Östrogene durchs Schweinefutter mischst.

 

Franz:        Du hast nichts, absolut gar nichts gegen mich in die Hand.

 

Martha:      Da verlass´ Dich lieber nicht drauf. – Aber keine Bange, Franz. Ich schweig´, solange Du jeden Monat einen Schein dafür springen läßt. Dabei fällt mir ein: Das geht nun schon über ein halbes Jahr so. So langsam könnten wir das Schweigegeld auch etwas erhöhen, meinst Du nicht auch ?

 

Franz:        Du kannst mich mal am A...

 

Martha:      War nur Spaß, Franz. (muß lachen) Oh Mann, noch ein paar mehr von Deiner Sorte und ich wäre eine reiche Frau. – Also, nicht das ich neugierig bin, aber – wo ist sie denn, euch neue Putzfrau ?

 

Franz:        Seh nur zu, das Du wegkommst.

 

Martha:      (abgehend nach hinten) Bin schon weg; Du alter Gnatterpott. Krieg das auch ohne Deine Hilfe raus. (ab)

 

Franz:        (holt wütend tief Luft)

 

3. Szene

 

Gerd:         (kommt aus der Küche, spricht dorthin, macht ein erfreutes Gesicht) So, und dies hier ist unsere Wohnküche. Ach ja, und mein Bruder Franz.

 

Lisa:          (kommt nun herein, schaut sich zunächst um. Eine „flotte“ junge Frau, trägt einen Rucksack über die Schulter, lockere Kleidung; reicht Franz freundlich die Hand) Guten Tag, Herr Kaiser.

 

Franz:        (nachdem er sie skeptisch begutachtet hat, kurz:) Tag.

 

Lisa:          Sie sind dann also der ältere Bruder von Gerd? Ich hab´ schon viel von Ihnen gehört.

 

Franz:        So ? (sieht seinen Bruder strafend an) Ich weiß von Ihnen so gut wie gar nichts.

 

Gerd:         Nehmen Sie doch Platz, Frau Bott.

 

Lisa:          Danke. (tut dies, legt den Rucksack ab)

 

Gerd:         Irgendwas zu trinken ?

 

Lisa:          Nein danke.

 

Gerd:         (setzt sich auch an den Tisch, lächelt erfreut)

 

Franz:        (bleibt gelassen stehen) So, Sie wollen also hier bei uns ein Praktikum machen und uns im Haushalt zur Hand gehen ?

 

Lisa:          Richtig. Ihr Bruder hat mir erzählt, dass sie unbedingt wieder eine Frau für die Arbeit brauchen hier im Haus. Und somit kann ich das schön verbinden mit meinem Studium und dem Praktikum, nicht wahr ?!

 

Franz:        Soso. Wir brauchen also unbedingt ´ne Frau im Haus...

 

Lisa:          Nun ja, es bleibt mir hier doch sicher genügend Zeit für die Hausarbeit, denke ich. Und kochen, bügeln, waschen und saubermachen mußte ich zuhause auch immer.

 

Franz:        Aha.

 

                  (kurze Pause)

 

Lisa:          Wenn Sie beide einverstanden sind...

 

Gerd:         Franz, nun sag doch was !

 

Franz:        (nachdem er sie weiterhin gemustert hat) Nicht mehr als drei Stunden pro Tag; sonst wird uns das zu teuer. Und beschränken Sie sich auf das Wesentliche. Kümmern Sie sich nicht um Sachen, die Sie nichts angehen. Das mit dem Praktikum, das gefällt mir gar nicht. Ich kann es nicht haben, wenn mir den ganzen Tag jemand auf die Finger schaut.

 

Gerd:         Franz, bitte !

 

Lisa:          Ich hab´ schon kapiert. Ich mach hier nur das, was ich soll.

 

Gerd:         Prima. Verdienen können Sie bei uns 8 Euro in der Stunde. Wir hoffen, das ist okay.

 

Lisa:          Klingt fair.

 

Franz:        Fair ? Wir haben uns informiert vor unserer letzten Putzfrau. 8 Euro* liegt derzeit über dem Durchschnitt. (* bitte der Gegenwart anpassen)

 

Lisa:          Ja ja, ist ja gut.

 

Franz:        Und dann gibt es hier im Haus ein paar Stellen, da dürfen Sie auf gar keinen Fall sauber machen. Wir haben hier ja immerhin eine Schweinemesterei; und man will ja nicht, das alles durcheinander gerät. Die Papiere und so. Sie verstehen ?

 

Lisa:          Sicher.

 

Franz:        Franz – so ´n Quatsch. Was soll das denn nun?

Lisa:          Ist schon gut, Gerd. Ihr Bruder meint es sicher nur gut.

 

Franz:        Hier in diesem Schrank, da sind sehr teure Medikamente drin. Da gehen Sie bitte nicht ran; hören Sie ?!

 

Lisa:          Ach, ist denn irgendwer krank von Ihnen ?

 

Gerd:         Krank ? Wir ? – Das ist nur für unsere Schweine.

 

Lisa:          Und das lagern Sie hier im Wohnzimmer-schrank ?

 

Franz:        (frech) Ist das Ihr Problem ?

 

Lisa:          Nein; entschuldigen Sie.

 

Gerd:         Na, dann ist doch eigentlich alles paletti. Wann könnten Sie denn anfangen bei uns?

 

Lisa:          Ist mir egal. Wenn Sie einverstanden sind, bleib ich gleich hier und leg los.

 

Gerd:         (freut sich) Hey super. – Franz ?

 

Franz:        (grimmig) Von mir aus. Aber das sag ich Ihnen gleich: Wenn wir spüren, dass Sie nicht die Richtige für uns sind, dann…

 

Lisa:          ...dann bin ich genauso schnell wieder verschwunden, wie ich aufgetaucht bin.

 

Franz:        (etwas überrascht) Gut.

 

Lisa:          Haben Sie schon zu Mittag gegessen ?

 

Franz:        Mein kleiner Bruder kommt ja nicht soweit heute.

 

Lisa:          Wenn ich darf... – dann koche ich Ihnen noch schnell etwas. Ich mach das gern.

 

Gerd:         (schon sehr erfreut) Oh ja. Das ist klasse. Nicht wahr, Franz ?!

 

Franz:        (keine Antwort)

 

Lisa:          Worauf haben Sie denn Appetit ?

 

Gerd:         Kartoffeln ! Auf jedenfall endlich mal wieder Kartoffeln. Alles andere ist mir egal.

 

Franz:        (zu Gerd) Zeig ihr unsere Speisekammer. (dann zu Lisa) Aber kommen Sie uns nicht jeden Tag mit solchen außergewöhnlichen Ausländerspezialitäten, ja ?! Das ist nichts für uns. Und wenn Sie einkaufen, dann achten Sie auf die Sonderangebote. Und keine unnützen Sachen hier ins Haus brengen. Haben Sie das verstanden ?

 

Lisa:          Hab´ ich. Na denn…

 

Gerd:         (geht zur Küchentür, öffnet diese) Bitte sehr, Frau Bott.

 

Lisa:          Frau Bott – das gewöhnt euch mal gleich ab. Ich bin Lisa für euch. Wir können gerne „Du“ zueinander sagen.

 

Gerd:         Aber klar doch. – Franz ?

 

Franz:        (nicht sehr begeistert von diesem Vorschlag) Hhhmmm...

 

Lisa:          Wir werden schon gut miteinander auskommen, denke ich. Ob nun per Du oder per Sie.

 

Gerd:         Das glaub´ ich auch, Lisa.

 

Franz:        (gereizt) Ja, nun man an den Herd. Oder soll es heute abend erst was zu essen geben ? Den Kartoffeln ist es nämlich nicht egal – ob nun heiß oder kalt...

 

Lisa:          Ja ja, ich geh´ ja schon. (ab, gefolgt von Gerd)

 

Franz:        (allein) Die soll ihr Mundwerk mal bloß nicht zu voll nehmen; dann fliegt sie schon wieder, bevor die Herdplatten richtig heiß sind. (holt dann einen Schlüssel aus der Tasche, schließt Tür oder Schublade des Schranks auf. Aus diesem nimmt er eine große Dose mit weißem Pulver, darauf die Aufschrift „Clen-Buterol“, dann eine weitere Dose; darauf „Ventipulmin-Sympatikum“. Im Schrank befinden sich von diesen Dosen noch viele mehr. Er schließt den Schrank wieder, will mit den beiden Dosen ab nach hinten, als...)

 

4. Szene

 

Steffi:        (...hereingestürmt kommt. Sie trägt für die heutige Zeit recht altmodische, bzw. „tantige“ Kleidung; ist in ihrer Art etwas linkisch und tollpatschig) Franz Franz, komm schnell. (sie ist sehr aufgeregt und etwas außer Atem. Sie darf auch eine „Macke“ haben; evtl. lispelt sie; sollte aber möglichst nicht stottern)

 

Franz:        (hat sich erschrocken und dabei eine der Dosen fallenlassen) Ha...; hast Du Deinen Verstand verloren, mich so zu erschrecken ?

 

Steffi:        Tut mir leid – aber auf der Strasse laufen mindestens 20 von euren Ferkeln.

 

Franz:        W a s ???

 

Steffi:        Ja. Hach, ich krieg kaum noch Luft. – Die Schweine müssen wohl von der anderen Strassenseite durchs Stacheldraht gebrochen sein. – Na, nun mach doch was, Franz!

 

Franz:        (zügig ab nach hinten) Wenn die vor ein Auto laufen... (von hinten noch) Sag Gerd auch schnell bescheid – ist in der Küche.

 

Steffi:        Ja, mach ich. – (will schon in die Küche, bleibt dann aber vor der Tür stehen, fängt verlegen an zu grinsen) Oh Gerd... (druckst linkisch herum, glättet die Schürze, bzw. das Kleid mit den Händen, nimmt das Kopftuch ab, „richtet“ das Haar, klopft dann an die Küchentür, ruft gleichzeitig dorthin:) Gerd ? Gerd Kaiser ? Bist Du in der Küche ? – Ich bin es. Steffi. Steffi Krumminga. (seufzt, wartet)

 

5. Szene

 

Gerd:         (kommt nach einer kleinen Pause aus der Küche) Steffi ? Du ?

 

Steffi:        (ist sehr glücklich, als sie Gerd sieht, spielt verlegen mit dem Kopftuch o.a.) Hhmm...

 

Gerd:         Hast Du uns wieder Eier gebracht ? Das trifft sich gut heute.

 

Steffi:        Eier ? Nee, Eier kriegt ihr doch immer Montags und Freitags. Heute ist doch Mittwoch. (grinst dabei)

 

Gerd:         Stimmt ja. Tja, Möchtest Du irgendwas ausleihen oder gibt es was Neues? Ich hab´ nämlich nicht viel Zeit für Dich.

 

Steffi:        Neee... ausleihen will ich auch nichts.

 

Gerd:         Kriegst Du noch Geld von uns ? Haben wir die Eier nicht bezahlt das letzte Mal ?

 

Steffi:        Die Eier bezahlt ihr doch immer einmal im Monat. Zum Ersten. Und das ist doch erst in 14 Tagen.

 

Gerd:         (wird es jetzt ein bißchen zu „blöd“, dann eher etwas schroff:) Ja, warum bist Du dann hier, Steffi ? Ich hab´ echt keine Zeit.

 

Steffi:        Warum ich hier bin ? (überlegt) Hhmm..., ja – warum eigentlich ? – (dann fängt sie wieder an, verlegen zu grinsen) Ist ja bald wieder Schützenfest, nicht wahr ?!

 

Gerd:         Ja. In 2 Wochen.

 

Steffi:        Und ? Gehst Du auch wieder hin ?

 

Gerd:         Mann Steffi; was fragst Du denn ? Ich bin doch Adjudant im Schützenverein. Wie könnte ich da denn fernbleiben ?

 

Steffi:        Achja, das hatte ich ganz vergessen. Ich meine auch ja nur – also, wenn Du nun erst überhaupt nicht weisst, mit wem Du zum Schützenfest gehen sollst...

 

Gerd:         (ahnt schon böses) Ja ?

 

Steffi:        Ich könnte all meine anderen Einladungen absagen. Es ist ja nicht so, das mich noch niemand gefragt hat – oh nein. Jochen hat mich schon eingeladen, Ludger will mit mir dorthin, Harald hat auch Interesse; aber er traut sich nicht mich zu fragen. Weisst Du – Harald ist ja ein bißchen dusselig – Du kennst ihn ja.

 

Gerd:         Steffi – pass auf ! Ich bin mit dem Verein auf dem Schützenfest. Und wenn es gerade so passt, will ich an diesem Abend auch gern mal mit Dir tanzen – und trinken können wir auch gerne etwas zusammen. Langt das ? – (hat den Türgriff der Küchentür schon wieder in der Hand) Aber nun hab´ ich mit bestem Willen keine...

 

Steffi:        Das versteh´ ich doch. Wenn Du mir einen Tanz versprichst, will ich auch gar nicht länger stören.

 

Gerd:         Und deshalb bist Du extra hierher gekommen? (schüttelt den Kopf)

 

Steffi:        (nickt zustimmend, dann:) Nein, oh Gott, nein. Ich sollte Dir ja auch noch Bescheid sagen, wegen eurer Ferkel.

 

Gerd:         Was ist mit unseren Ferkeln ?

 

Steffi:        Die sind ausgebrochen und laufen auf der Hauptstraße herum.

 

Gerd.         (jetzt geladen) Und das sagst Du mir jetzt erst?(schnell ab nach hinten, dabei recht laut zu ihr) Dumme Pute !

 

Steffi:        (allein; legt beide Hände auf´s Herz, schwärmerisch, weil sie es als Kompliment sieht:) Hach, „dumme Pute“ hat er zu mir gesagt. Oh Gerd, ich will Deine Frau werden. Und ich krieg Dich auch. Mama sagt das schon seit Jahren. (dann auch ab nach hinten, kurze Pause)

 

6. Szene

 

Lisa:          (Kommt mit zwei Konservendosen aus der Küche, hereinsprechend:) Also, wenn das alles ist, was ihr im Haus habt, dann... (wundert sich) Nanu ? (ruft) Franz ? Gerd ? (nichts; will schon wieder in die Küche, als sie auf dem Boden die Dose liegen sieht, geht hin, nimmt sie auf, liest) Ventipulmin ?

 

7. Szene

 

Ilse:           (kommt aufgebracht ohne anzuklopfen herein) Großer Gott. Kind – da bist Du ja.

 

Lisa:          (wundert sich) Mama, was machst Du denn hier ?

 

Ilse:           Darüber können wir uns zuhause in aller Ruhe unterhalten. Du packst sofort Deine Sachen und verschwindest hier wieder.

 

Lisa:          Na hör mal. Ich bin gerade vor zehn Minuten hier anfangen.

 

Ilse:           Und genauso schnell gehst Du auch wieder. Das muß ein Irrenhaus sein. Auf der Strasse laufen mindestens 50 Schweine. – Ich hätte fast eins davon erwischt mit dem neuen Passat, wenn ich nicht aufgepasst hätte. – Und wie es hier stinkt... Boah... Und dann hab´ ich vorhin beim Kaufmann Martha Beening getroffen. Sie kennt diese beiden Männer hier. Wohnt gleich nebenan, hat sie gesagt. Sie hat mir von dieser Schweinemesterei und von den unmenschlichen Zuständen hier erzählt. Ich will Dir lieber die Einzelheiten ersparen. Mir standen zumindest die Haare zuberge.

 

Lisa:          (bleibt gelassen) Aha.

 

Ilse:           Eben ! Und bei solchen Menschen soll meine Tochter weder ein Praktikum machen, und schon gar nicht als Haushälterin arbeiten. Hier holst Du Dir höchstens eine Krankheit !

 

Lisa:          Bist Du fertig ?

 

Ilse:           Bin ich – und nun komm !

 

Lisa:          Meine liebe Mutter; vielleicht ist Dir entgangen, dass ich langsam über mich selbst entscheiden kann. Ich bin über 20 und im vierten Semester meines Studiums. Ich bin doch nicht nur hier um mir ein bißchen Taschengeld zu verdienen. Ich will hier ein Praktikum machen – etwas von diesem Hof erfahren, die beiden Männer kennenlernen, die Arbeit, die Tiere... (sucht im Bücheregal nach einem bestimmten Buch)

 

Ilse:           Ja, aber Du hast es nicht nötig, hier bei solchen Leuten zu hausen. Such Dir einen anderen Hof. Und was die finanzielle Seite betrifft: Dein Vater und ich geben Dir doch alles was Du brauchst. Dieses hier ist nichts für Dich, glaub mir. Pass auf... (holt ihr Portemonaie hervor, kramt einige Scheine hervor) Lisa, Dein Vater ist in leitender Position bei der Sparkasse angestellt. Wie stehen wir denn da, wenn das erst die Runde macht, wo unsere Tochter zur Zeit untergebracht ist ?

 

Lisa:          Mama, wenn ich das schon wieder hör. Die beiden Jungs hier sind recht außergewöhnlich, ja. Aber es gefällt mir – auch wenn ich gerade erst hier bin. Gerd ist sehr nett. Und mit diesem Franz krieg ich auch noch die Kurve. Und nun leg Dein Geld wieder ins Portmonee und hör auf, mir was von Moral und Sitte vorzuklagen. Diese Masche ist out, Mutter. Lass mich doch endlich mal selbst was entscheiden.

 

Ilse:           (steckt das Geld enttäuscht wieder weg) Du bringst Deine Mutter eines guten Tages noch ins Grab, Lisa.

 

Lisa:          Ja, natürlich. – Anstatt mir immer die falschen Ratschläge zu geben, solltest Du Dich lieber mehr um Dich selber kümmern. Du hast nichts zutun, Mutter – das ist Dein Problem. Und darum verbringst Du die ganzen Tage Deine Zeit damit, mir das Leben vorzuschreiben. Sei doch froh, dass ich noch bei euch wohne. Die meisten von meinen Kommilitoninnen haben alle schon selber ´ne Wohnung. (hat nun endlich ein Fachbuch gefunden, das sie suchte, blättert darin herum, schaut vorher auf die Dose, die auf dem Boden lag)

 

Ilse:           Wie sprichst Du eigentlich mit Deiner Mutter?

 

Lisa:          So, wie ich das schon lange hätte tun sollen. – Mama, lass mich hierbleiben. Außerdem kann ich jetzt schon gar nicht mehr zurück. Hier ist nämlich einiges zu ändern, so wie ich das sehe.

 

Ilse:           (sieht sich um) Oh ja, das seh ich selbst.

 

Lisa:          Ich meine nicht die Unordnung hier. Dieses hier ist ´ne Schweinemesterei, Mutter. Was hier vorgeht das stinkt !

 

Ilse:           Allerdings. Ich rieche es !

 

Lisa:          (hat nun die Seite aufgeschlagen, setzt sich mit Buch und Dose hin) Du verstehst mich falsch. - Hier Mutter; ich wußte es.

 

Ilse:           Was ?

 

Lisa:          (liest) Ventipulmin – Sympatikum Memeticus; zur Verabreichung von Nutztieren bei Atembeschwerden. Bei hoher Dosis ist der Wirkstoff stark Wachstumsfördernd. – Siehst Du, wenn ich mir das nicht gedacht hätte. – Und dieser Schrank ist voll von diesem Mittel. Ventipulmin und Clen-Buterol.

 

Ilse:           Noch besser. Ein Grund mehr hier sofort wieder zu verschwinden, Lisa.

 

Lisa:          Eben nicht ! Ich hab´ gleich geahnt, das Franz nicht mit offenen Karten spielt. Ich darf nämlich auf gar keinen Fall diesen Schrank öffnen, hat er gesagt.

 

Ilse:           Aber Du willst die beiden doch nicht anzeigen? Lisa, tu nichts, was Du nicht genau beweisen kannst.

 

Lisa:          Anzeigen ? Aber nein. – Mutter, wenn Du mir endlich beweisen willst, wie gern Du mich hast, dann könnte ich nun Deine Hilfe gebrauchen.

 

Ilse:           Das ist Erpressung !

 

Lisa:          Das ist ein gutes Abkommen – weiter nichts. Du gehst nun mit mir in die Küche und hilfst mir, für die beiden Männer das Mittagessen zu kochen.

 

Ilse:           Bitte ? Hier sind Kriminelle im Haus und Du willst, das ich denen das Essen koche?

 

Lisa:          Mama, frag nicht – hilfst Du mir oder nicht ?

 

Ilse:           Das kann ich doch nicht einfach machen. Die wissen doch gar nicht, das ich hier bin.

 

Lisa:          Das sehen sie dann ja schon. (stellt das Buch zurück)

 

Ilse:           Und ich soll Dir nur beim Kochen helfen ? – Lisa, Du hast doch irgendwas vor, das ahne ich doch.

Lisa.          Hab´ ich auch. Wenn Franz Kaiser meint, dass dieses Pulver hier (zeigt auf die Dose) so gut für seine Schweine ist, dann wollen wir doch mal sehen, wie das Zeug bei ihm selbst wirkt. (zieht ihre Mutter mit in die Küche)

 

Ilse:           Oh Gott Lisa – Du weisst nicht, was Du tust...

 

Beide:        (ab, kurze Pause)

 

 

8. Szene

 

                  (von hinten hört man plötzlich quietschende Autoreifen, danach einen leichten Aufprall)

 

Lisa:          (und Ilse kommen sofort wieder aus der Küche, sehen beide etwas erschrocken aus) Du liebe Zeit, was ist da denn passiert ? (schaut evtl. aus dem Fenster, bzw. geht nach hinten)

 

Ilse:           Das musste ja kommen. Die ganze Hauptstraße war doch vorhin schon voll von diesen widerlichen Schweinen.

 

Lisa:          (kommt zurück) Komm her; vielleicht können wir helfen.

 

Ilse:           (will mit Lisa ab nach hinten, als...)

 

9. Szene

 

Steffi:        (...etwas in Panik hereingestürmt kommt) Telefon. Wo ist denn hier nur das Telefon ? (sucht es, irrt im Zimmer umher)

 

Lisa:          Das hab´ ich allerdings auch noch nicht gesehen. Ist etwas passiert ?

 

Steffi:        Franz hat gesagt, ich soll den Arzt anrufen. Notarzt hat er – glaub ich – gesagt.

 

Ilse:           Was ist denn los ? Ein Unfall ?

 

Steffi:        Irgendjemand hat wohl ein Schwein überfahren und ist mit dem Auto in einem Baum geknallt. (ab in die Küche)

 

Lisa:          Oh nee...

 

10. Szene

 

Franz:        (und Gerd kommen nun herein. Sie tragen Pastor Eilers. Gerd trägt ihn unter den Armen, Franz an den Beinen. Hans Eilers scheint bewußtlos, hat eine blutende Wunde an der Stirn) Aus dem Weg – aus dem Weg !

 

Lisa:          Ja doch.

 

Gerd:         Wo denn nun hin mit ihm ?

 

Franz:        Ich weiß auch nicht. Man will ja auch nichts falsch machen. Vielleicht hat er sich irgendwas gebrochen.

 

Gerd.         Ja.

 

Lisa:          Unfall ?

 

Franz:        (genervt) Das sehnen Sie doch, oder ? Und jetzt stehen Sie nicht im Weg herum. Sollten Sie uns nicht das Mittagessen kochen ? Oder sind sie Ärztin ?

 

Lisa:          Nein, entschuldigung - ich meine ja nur.

 

Ilse:           (hat genauer auf den Verletzten geschaut) Du meine Güte - ist das vielleicht unser Pastor Eilers ?

 

Franz:        Jawoll. Und ? Was dagegen ?

 

Ilse:           Also... können Sie keinen freundlicheren Ton anschlagen ?

 

Lisa:          Komm her Mutter, wir sind hier unerwünscht; das hörst Du ja wohl. (zieht sie wieder mit ab in die Küche)

 

11. Szene

 

Gerd:         Mann eh, wo denn nun hin mit ihm ?

 

Franz:        Tja... (plötzlich) Mutter ? Hat das Früchtchen gerade „Mutter“ gesagt ?

 

Gerd:         Hat sie. Das ist doch aber jetzt völlig egal.

 

Franz:        Na toll. Ist erst gerade fünf  Minuten hier; schleppt das Fräulein uns auch gleich ihre Mutter hier ins Haus. Das ist allein Deine Schuld, kleiner Bruder.

 

Gerd:         Franz, als wenn das nun nicht warten kann. Ich kann diesen Brocken nicht länger halten.

 

Franz:        Komm; legen wir ihn erstmal vorsichtig auf den Boden. (beide tun dies)

 

Gerd:         Meinst Du, das das richtig ist ?

 

Franz:        Erstmal schauen, was er für Verletzungen hat. – Ein Kissen. Ein Kissen unterm Kopf ist sicher nicht falsch.

 

Gerd:         (holt schnell eins, legt es ihm unter den Kopf)

 

Franz:        Und nun ? Kennst Du Dich mit „erste Hilfe“ aus oder sollen wir lieber auf den Krankenwagen warten?

 

Gerd:         (zuckt mit den Schultern) Vielleicht war das gar nicht richtig. Ich meine, dass wir ihn aus dem Auto geholt haben. – Und erste Hilfe ? Ich weiß nicht recht...

 

Franz:        Wir meinen es doch nur gut.

 

12. Szene

 

Steffi:        (kommt nervös aus der Küche) Mann eh, wo habt ihr denn das verdammte Telefon nur ?

 

Franz:        Sag mal, zu was bist Du dämliche Frau eigentlich zu gebrauchen, hä ? (steht auf, geht nach hinten in den Flur, läßt die Tür offen stehen) Hier steht das Ding doch. Hab´ ich doch deutlich gesagt – im Vorder-Flur !

 

Steffi:        Ja ? Dann hab´ ich das wohl vergessen. Soll ich denn jetzt noch anrufen ?

 

Franz:        („sauer“) Danke. Nun sind wir auch selber wieder in der Lage dazu. (nimmt den Hörer ab, wählt)

 

Steffi:        (kniet sich neben Gerd nieder) Ist sicher nicht so schlimm, Gerd. Mach Dir mal keine Sorgen. (streicht Hans mehrmals etwas grob übers Haar, sieht dabei aber nur in Gerds Gesicht)

 

Hans:         (bewegt sich nun leicht)

 

Gerd:         (schnell) Franz, er kommt zu sich.

 

Franz:        (der gerade gewählt hatte, legt auf, kommt schnell zurück) Herr Pastor – können Sie mich hören ?

 

Hans:         (etwas undeutlich zunächst) Hhmm... Ja...

 

Franz:        (frech zu Steffi) Nun geh Du doch bitte aus dem Weg, verdammt ! (kniet wieder zu ihm runter)

 

Steffi:        (steht beleidigt auf, stellt sich hinter den dreien) Ja ja.

 

Gerd:         Können Sie uns sagen, ob Sie irgendwo Schmerzen haben, Herr Pastor ?

 

Hans:         (etwas undeutlich) Keinen Doktor.

 

Franz:        Doktor ? – Oh Mann, nun wissen die ja immer noch nicht bescheid. – Steffi – hoffentlich wird das bald. Ruf den Doktor !

 

Steffi:        Was denn – nun doch wieder ? (schnell ab nach hinten in den Flur; greift sich ein „dickes“ Telefonbuch, beginnt darin zu blättern)

 

Franz:        Ja, nun mach doch. Tempo Tempo.

 

Steffi:        Jaaaa... (macht die Tür dann zu)

 

Gerd:         Wo genau haben Sie Schmerzen, Herr Pastor?

 

Hans:         (nun etwas deutlicher) Keinen Doktor und auch keine Polisssei...

 

Gerd:         Achja – die Polizei muß ja auch noch informiert werden – immerhin war das doch ein Unfall.

 

Hans:         (kommt nun mit dem Oberkörper hoch, redet etwas aufgeregt und „betrunken“:) Neee..., bitte nicht ! Bloß keine Polisssei !

 

Gerd:         (schaut Franz unverständlich an)

 

Franz:        Sie hatten einen Unfall, Herr Pastor. Sie müssen untersucht werden. Und die Polizei muß die Unfall aufnehmen. Unsere Schweine waren immerhin Schuld an dem Unglück.

 

Hans:         (versucht aufzustehen, es fällt ihm aber trotz der Hilfe der beiden Männer recht schwer, torkelt) Mir... mir fehlt nichts.

 

Gerd:         (holt schnell einen Stuhl herbei, dann läßt Hans sich „daraufplumsen“)

 

Hans:         Ich weiß eigentlich gar nicht... (fängt dann lauthals an zu lachen)

 

Gerd:         (geht nah an ihn heran, schnuppert) Der... der ist ja voll wie ein Eimer, Franz !

 

Franz:        WAS ? – Das ist unser Pastor, Gerd. Überleg mal, was Du da sagst.

 

Gerd:         Kannst mir aber glauben. Schnupper´ doch mal.

 

Franz:        (tut dies) Großer Gott, Du hast recht. Der hat die Kiste gehörig voll.

 

Hans:         (fängt an zu singen:) „Geh aus mein Herz und suche Freud, in dieser lie...ieben Sommerzeit... (singt evtl. noch etwas mehr von dem Lied EKG Nr. 503)

 

Gerd:         Was machen wir denn nun mit ihm, Franz ?

 

Franz:        (zuckt die Schultern) Tja... Auf jedenfall ist mir nun klar, wieso wir die Polizei nicht rufen sollen.

 

Gerd:         Ja ?

 

Franz:        Na, wenn er besoffen am Steuer gesessen hat, dann ist der Polizei das egal, ob unsere Ferkel auf der Straße gelaufen haben. Der ist seinen Lappen los. Das ist so sicher, wie das Amen in der Kirche.

 

Hans:         Den… den bin ich ja schon los ! (lacht)

 

Gerd :        Was meinen Sie ?

 

Hans:         Na, meinen Führerschein. Den haben die Bullen mir doch schon vor vier Wochen weggenommen. (singt wieder) „...an Deines Gottes Gaben. Schau an der schönen Gärtenzier...“

 

Franz:        Gibt es denn sowas ?

 

Gerd:         Wenn das erst die Leute im Dorp erfahren...

 

Franz:        Vor allem Martha Beening – das wäre sein Untergang.

 

Gerd:         Ach, kleine Sünder sind wir doch alle; ob nun Landwirt oder Pastor.

 

Franz:        Wir müssen erstmal überlegen, wie das hier mit ihm weitergehen soll.

 

Gerd:         Nach Hause können wir ihn in diesem Zustand nicht brengen. Wenn die Nachbarn das sehen...

 

Franz:        Wir bringen ihn am Besten erstmal in unser Gästezimmer. Er muß erst seinen Rausch auschlafen – dann sehen wir weiter.

 

Gerd:         Das ist ´ne gute Idee. Und so wie es aussieht, hat er nur einen Kratzer am Kopf abbekommen. Da kleb ich gleich ´n Plaster drauf. – Aber das Auto muß von der Straße verschwinden, Franz !

 

Franz:        Das machen wir nachher. Aber erstmal... (legt den Arm von Hans um seinen Hals, Gerd mit dem anderen Arm das gleiche bei sich. Beide abgehend nach links) Donnerschlag; das hätte ich mir auch nicht träumen lassen, dass ich nochmal ´nen besoffenen Pastor ins Bett bringen muß.

 

Hans:         (singt beim Herausgehen noch eine weitere Strophe des angefangenen Liedes an, dann alle ab; kurze Pause)

 

13. Szene

 

Steffi:        (kommt dann nach einer Pause etwas verzweifelt mit dem Telefonbuch in der Hand wieder herein) Ich finde den Doktor nirgends unter dem Buchstaben „D“. (wundert sich) Hey... Gerd ? – Gerd, wo bist Du denn, mein Zuckerbär ? (hält sich die Hand vor dem Mund) Ups, was sag ich denn da ? (seufzt, setzt sich dann an den Tisch, blättert weiter im Telefonbuch herum, sucht)

 

14. Szene

 

Lisa:          (kommt nach einer kleinen Pause gefolgt von ihrer Mutter herein. Sie trägt einen großen Topf, Ilse einen Untersetzer, sowie Teller, Löffel, eine Suppenkelle und einen Korb mit Brot. Falls möglich sollte die Suppe dampfen. Lisa ruft etwas schelmisch beim Hereinkommen:) Mittag ! (wundert sich wie ihre Mutter) Nanu ? Wo sind die denn geblieben ? (dann zu Steffi) Ist der Pastor doch nicht so schwer verletzt, wie wir annahmen ? Oder sind die beiden Männer mit ihm zum Krankenhaus gefahren ?

 

Steffi:        Das kann ich auch nicht genau sagen. Ich weiß auch nicht, wo die geblieben sind. – Äh, wer sind Sie eigentlich ?

 

Lisa:          (stellt den Topf auf den Tisch)

 

Ilse:           (verteilt Besteck u.a)

 

Lisa:          (gibt Steffi die Hand) Lisa Bott. Und das ist meine Mutter.

 

Ilse :          (gibt ihr auch die Hand)

 

Steffi:        Steffi Krumminga.

 

Lisa:          Ich bin hier heute zum ersten Mal auf diesem Hof. Ich möchte hier ein Praktikum machen und nebenbei den Männern ein wenig zur Hand gehen.

 

Steffi:        Oh ja ? – Tja, das täte ich auch gerne. Vor allem für Gerd würd´ ich das gerne machen. Aber unser Hof läßt mir für sowas ja leider keine Zeit.

 

Ilse:           Sie haben einen Bauern-Hof ?

 

Steffi:        Na ja – ich nicht direkt. Mama und Papa. Da ich aber keinen Bruder hab´, muß ich eben die meiste Arbeit machen. Dazu kommt, das Papa sich schon seit Jahren mit Heumann quält. Und mit den Brandscheiben hat er auch Probleme.

 

Ilse:           (schaut Lisa verständnislos an)

 

Lisa:          (etwas leiser zu ihrer Mutter) Rheuma und Bandscheiben, Mutter.

 

Steffi:        Tja, so ist das eben. Ich könnte wohl ´ne starke Männerhand gebrauchen; aber Gerd hat ja hier seinen eigenen Hof.

 

Lisa:          Gerd ? Ich versteh´ nicht ganz.

 

Steffi:        Gerd und ich – wir sind... na ja, Gerd hat sich schon vor Jahren für mich entschieden. (grinst dabei)

 

Lisa:          Achja ? Das wußte ich ja noch gar nicht.

 

Steffi:        (stolz) Jaaa..., warum sollten wir das auch an die große Glocke hängen ? Sie kennen ja das Sprichwort: Ein Gentleman und eine Dame schweigen und genießen.

 

Ilse:           Dann viel Glück. - Ich hätte nun aber erstmal zu gerne gewußt, wo der Pastor geblieben ist.

 

Steffi:        Richtig, der Pastor. Ich sollte ja den Doktor anrufen.

 

Ilse:           Was ? Das hat immer noch niemand getan ? Kann ja wohl nicht wahr sein. (will zum Telefon, als...)

 

15. Szene

 

Gerd:         (...gefolgt von Franz wieder von links zurückkommen) So, den lassen wir am besten erstmal ´n paar Stunden schlafen.

 

Steffi:        Da seid ihr ja wieder. Soll ich den Doktor nun noch rufen oder nicht ?

 

Franz:        Wir denken, das ist erstmal nicht nötig. Und sowieso – bis Du soweit kommst, Steffi, sind die Menschen ja tot.

 

Steffi:        Wieso ?

 

Gerd:         Es sah schlimmer aus als es ist mit dem Pastor. Wir haben ihn erstmal ins Bett gelegt, damit er sich ausruhen kann. Das wird schon wieder.

 

Ilse:           Ja, aber das war doch ein Unfall, oder ? Dann muß doch ein Notarzt kommen.

 

Franz:        Nun mischen Sie sich bitte nicht in unsere Angelegenheiten. – Mit wem haben wir eigentlich die Ehre ?

 

Ilse:           Ilse Bott. Ich bin Lisa´s Mutter und ganz zufällig hier vorbeigekommen.

 

Franz:        Aha.

 

Lisa:          Ihr könnt euch ja nacher noch kennenlernen. Nun solltet ihr erstmal die Suppe nicht kalt werden lassen.

 

Gerd:         Na endlich – was zu essen. (erfreut, setzt sich, füllt seinen Teller)

 

Franz:        (setzt sich auch) Tsss... Suppe ! Das kriegen wir hier jeder Tag. Damit können Sie keinen Preis gewinnen. Hatten wir nicht gesagt, wir wollen Kartoffeln ?!

 

Lisa:          Ja sicher. Aber wenn keine Kartoffeln im Haus sind, kann ich auch keine kochen.

 

Gerd:         Nun quark nicht herum – iß !

 

Franz:        (tut sich dann auch Suppe auf den Teller, beide essen nun)

 

Gerd:         Willst Du nicht mitessen, Lisa ? Oder Sie, Frau Bott ?

 

Beide:        (schnell) Nein danke !

 

Steffi:        Iß nur tüchtig Gerd; dass Du schnell groß und stark wirst.

 

Gerd:         (etwas genervt) Ja ja...

 

Lisa:          (und Ilse schmunzeln) Na – schmeckt´s euch denn zumindest ?

 

Gerd:         Ja, lecker.

 

Franz:        Ja, geht so.

 

Gerd:         Geht so ? Das ist doch lecker, Franz.

 

Lisa:          Wie lecker, Gerd ? Kannst Du das näher beschreiben ?

 

Gerd:         Na, wie soll ich sagen ? – Tierisch lecker, Lisa.

 

Lisa:          Na, das wollte ich hören. (sieht ihre Mutter schelmisch grinsend an) Hast Du hört, Mutter?! – Tierisch lecker, schmeckt das !

 

Ilse:           (macht jedoch ein nicht sehr fröhliches Gesicht, schaut die beiden Männer nur skeptisch an, fühlt sich gar nicht mehr wohl in ihrer Haut)

 

 

Vorhang

 

Ende des ersten Akts

 

 

 

 

 

Zweiter Akt

 

                  (Etwa eine Woche später. Das Zimmer ist nun aufgeräumt . Auch die Gardinen sehen „sauber“ aus, bzw. sind gewechselt worden. Es ist ein Wochentag, kurz nach dem Mittagessen. Lisa wischt gerade den Tisch ab, wenn der Vorhang sich öffnet.)

 

1. Szene

 

Ilse:           (kommt aus der Küche, bindet sich die Schürze ab) So, ich hab´ die Küche soweit aufgeräumt, Lisa.

 

Lisa:          (etwas belustigt) Meine eigene Mutter. Was ist nur aus ihr geworden in einer einzigen Woche ?

 

Ilse:           Ich wundere mich ja über mich selbst. Ich darf gar nicht darüber nachdenken, was ich hier mache. Und wenn Dein Vater das erfährt, dann gnade mir Gott.

 

Lisa:          Und was erzählst Du Vater, wo Du jeden Tag zwei Stunden hingehst ?

 

Ilse:           Naja, ins Sonnenstudio, Aerobic-Kurs und sowas.

 

Lisa:          (schüttelt den Kopf) Warum kannst Du nur nicht ehrlich sein ? Du und Papa – ihr seid doch Mann und Frau. Ich will auf jedenfall immer mit offenen Karten spielen, wenn ich erst verheiratet bin.

 

Ilse:           Sei Du mal erst verheiratet – dann wirst auch Du schnell anders darüber denken. Und das hier tu ich nur für Dir, Lisa.

 

Lisa:          Und ich danke Dir dafür. (gibt ihr einen Kuss auf die Wange)

 

Ilse:           Und was denkst Du, wielange soll das hier noch so weitergehen ?

 

Lisa:          Genau solange, bis unser Bauer Franz Kaiser kuriert ist.

 

Ilse:           Oh Lisa – da haben wir was angestellt. Das die beiden sich gar nicht wundern, warum wir das Essen immer schon auf dem Teller servieren.

 

Lisa:          Gerd hat gesagt, er fühlt sich wie im Restaurant. - Ich weiß nun auch hundertprozentig, das Gerd unschuldig ist. Darum soll er ja auch nichts mehr von dem Pulver verabreicht bekommen.

 

Ilse:           Kind, wenn das jemals herauskommt. Wir machen uns doch strafbar, oder ?

 

Lisa:          Na, wer macht denn wohl Sachen, die verboten sind ? Franz Kaiser ! - Außerdem hab´ ich mich informiert. Clen-Buterol ist nicht giftig für Menschen. Das Pulver verändert Franz eben nur ein bißchen.

 

Ilse:           Ist Dir denn schon irgendwas aufgefallen an ihm ?

 

Lisa:          Nee, das ist ja das verrückte. Darum hab´ ich die Dosis auch drastisch erhöht. In sein Mittagessen habe ich heute drei Esslöffel geschüttet.

 

Ilse:           (fällt aus allen Wolken) Was hast Du ?

 

Lisa:          Na ja, irgendwann muß doch mal was passieren. Und diese Aktion soll ja nicht ganz umsonst sein.

 

Ilse:           Oh Lisa. Von wem hast Du nur diese schlechte Ader ? Was passiert denn nun mit Franz ?

 

Lisa:          Das sehen wir ja bald.

 

Ilse:           (hat es plötzlich sehr eilig) Ich gehe jetzt. Hier wird es mir zu unheimlich. (schon an der Tür nach hinten)

 

Lisa:          Ich beziehe die Betten noch schnell, dann komm´ ich auch nach Haus. – Ach, und... Mutter...

 

Ilse.           Ja ?

 

Lisa:          Schmier´ Dir mal etwas Farbe ins Gesicht oder jogg doch mal nach Hause.

 

Ilse:           Wieso das denn ?

 

Lisa:          Sonst glaubt Vater Dir das langsam nicht mehr; von wegen Solarium und Aerobic-Studio.

 

Ilse:           Frechdachs. (will ab, als...)

 

 

 

2. Szene

 

Martha:      (...fast mit ihr zusammenstößt beim Herein-kommen)

 

Ilse:           Mensch, können Sie nicht anklopfen ?

 

Martha:      Das tu ich hier nie. (sieht Ilse genauer an) Achnee, dann stimmt es also doch, was die Leute sich erzählen.

 

Lisa.          Was erzählen die Leute sich denn, Frau Beening ?

 

Martha:      (zu Ilse) Hab´ ich Ihnen nicht vor ´ner Woche noch von den merkwürdigen Verhältnissen hier in diesem Haus berichtet ? Und nun ? Nun sind Sie als Krönung auch noch hier anfangen als Putze ? Das ist ja wohl ´ne Frechheit sondergleichen.

 

Lisa:          Wie kommen Sie denn darauf, dass meine Mutter hier arbeitet ?

 

Martha:      Ha, ich bin nicht blöd. Jeder hier im Dorf erzählt davon.

 

Ilse:           (etwas verzweifelt) Oh nee... nun macht das doch schon die Runde. Was hab´ ich Dir gesagt, Lisa... Ich muß nun auch los. (will wieder ab)

 

Martha:      M o m e n t  mal ! Wie war Ihr Name nochmal? - Bott ?

 

Ilse:           Richtig. Ilse Bott. Nun müssen Sie mich aber wirklich ent...

 

Martha:      Nun sagen Sie nur noch, das Ihr Mann bei der Sparkasse arbeitet ?!

 

Lisa:          Ja, das tut er. In leitender Position !

 

Ilse:           L I S A !

 

Martha:      Ha, das Würstchen von der Kreditabteilung ? Das ist Ihr Mann ? Na, dem hab´ ich vor ´n paar Wochen noch meine Meinung gesagt. Als mein Friedrich und ich für unseren Anbau am Haus ein Darlehen bekommen haben, da war er die Freundlichkeit in Person. Aber als Friedrich plötzlich entlassen wurde; da konnte dieser Spinner auch anders. Dann ist es auf einmal vorbei mit der Freundlichkeit. Wenn man seinen Verpflichtungen nicht auf der Stelle nachkommt, dann wird man abgeschoben bei Ihrem veehrten Gatten. Wo man das Geld hernehmen soll, ist diesem Finanzexperten dann völlig egal. Aber so ist das eben. Die Banken haben ja schon immer von der Not unsere Bürger gelebt.

 

Ilse:           Mein Mann macht nur seine Arbeit, Frau Beening.

 

Martha:      (ironisch) Ja sicher; das hätte ich an Ihrer Stelle nun auch gesagt. – Ach, und bei so einem Posten, wie Ihr Kerl ihn hat – müssen Sie sich noch ´n paar Mark dazu verdienen in einer Schweinemesterei ? Das ist ja interessant.

 

Ilse:           Das... das geht Sie ja wohl nichts an, oder ? Außerdem tu ich das nur für Lisa. So !

 

Martha:      Das müssen Sie mir schon etwas genauer erklären.

 

Ilse:           Den Teufel tu ich ! – Lisa, ich gehe. Und ob ich wiederkomme und Dir nochmal helfe, das weiß ich noch nicht. Du hörst ja selber, wie sich die Leute das Maul fusselig reden über mich.

 

Lisa:          Na ja, bis nun ist es ja nur Martha Beening.

 

Martha:      Nicht so vorlaut, junge Frau.

 

3. Szene

 

Gerd:         (hört man nun von hinten reden) Ja sicher, Sie können sich hundertprozentig auf uns verlassen, Herr Pastor. Niemand wird von diesem Vorfall etwas erfahren. (kommt dann gefolgt von Pastor Eilers herein, sieht die Anwesenden) Oh...

 

Ilse:           (nun aber zügig abgehend) Entschuldigung, ich muß. (ab)

 

4. Szene

 

Hans:         (wundert sich; wie Gerd) Tag zusammen.

 

Lisa:          Tag, Herr Pastor.

 

Martha:      Ach nee, wen haben wir denn da ? Unser kleiner großer Sünder Pastor Hansemann Eilers.

 

Gerd:         Martha !

 

Hans:         Ist schon gut, Gerd. Frau Beening hat ja irgendwie recht.

 

Lisa:          Das ist trotzdem kein Grund, so mit unserem Pastor zu sprechen.

 

Martha:      Ach Gott, nee ? Was unterscheidet ihn denn wohl von anderen, hä ? Der eine ist Maurer, der andere Kaufmann; und Hans Eilers hat sich nun mal den Beruf „Pastor“ ausgesucht. Muß ich ihn deshalb gleich mit goldenen Handschuhen anfassen ?

 

Lisa:          Nein, aber mit Respekt behandeln – wenn Sie überhaupt wissen, was das ist.

 

Martha:      Gerd; muß ich mir das von so einem Fräuleinchen sagen lassen ? Das ist ja wohl ´ne Frechheit sondergleichen.

 

Gerd:         Martha, nun werd´ nicht schon wieder laut. Sag mir doch einfach, was Du willst.

 

Martha:      Was ich will ? - Ich wollte ´ne Tasse Mehl ausleihen, wenn es nicht zuviel verlangt ist.

 

Lisa:          Doch ! Ist es aber !

 

Martha:      (empört) Gerd, hörst Du das ?

 

Lisa:          Gerd; die ganze Woche – solange ich nun hier bin, kommt Martha Beening fast täglich hierher um etwas auszuleihen. Mal ist es Brot, dann Eier, heute morgen war es Kaffee – nun ist es Mehl. Ist ja kein Wunner, wenn bei euch immer die Schränke leer sind. Und von zurückbringen hat sie auch noch nie etwas gehört.

 

Gerd:         Tja... da hat Lisa eigentlich recht, Martha.

 

Martha:      (bleibt fast die Luft weg) Wo ist Franz ? Der wird euch schon etwas anderes erzählen.

 

Gerd:         Franz ? Der hat sich hingelegt – gleich nach dem Mittagessen. Er fühlt sich nicht gut. Sicher ´ne Magenverstimmung oder sowas.

 

Lisa:          (schaut verschämt weg) Oh…

 

Martha:      Ja, muß ich mir die Mehldose denn tatsächlich noch selber aus dem Schrank holen oder was? Ich weiß ganz genau, wo die steht.

 

Lisa:          Jetzt schlägt´s ja wohl 13.

 

Martha:      Gerd ?

 

Gerd:         Das geht nun aber wirklich zu weit, Martha. Hol Dir Mehl vom Kaufmann, dann merkst Du auch mal, wie teuer das ist !

 

Martha:      (an der Tür nach hinten) Oooh... das hat noch ein Nachspiel, Gerd Kaiser; warte es nur ab. Denn wenn ich auspacke, dann hat es ein Ende mit eurer Schweine-Mesterei. (wütend ab)

 

5. Szene

 

Lisa:          Was hat Martha denn damit gemeint ?

 

Gerd:         Keine Ahnung. – Herr Pastor; entschuldigen Sie. Nehmen Sie doch Platz.

 

Hans:         Danke. (setzt sich)

 

Lisa:          Soll ich Tee machen ?

 

Hans:         Nee nee, wegen mir nicht. Teezeit ist ja auch noch längst nicht. Ich will mich auch gar nicht lange aufhalten, es ist nur...

 

Lisa:          Ich hab´ schon verstanden. Ich wollte sowieso gerade die Betten frisch beziehen. (schon ab nach links)

 

Gerd:         Das ist fein, Lisa. (hat sich auch gesetzt)

 

6. Szene

 

Hans:         Das ist eure neue Haushälterin ?

 

Gerd:         Wenn Sie so wollen… Sie macht hier ein Praktikum und geht uns ein wenig zur Hand. Etwas besseres als Lisa hätte Franz und mir gar nicht passieren können. Und weil sie meistens erst gegen zwei hier sein kann, hilft ihre Mutter dann beim Mittagessen. Und das völlig umsonst. Wir mussten Lisa´s Mutter nicht mal fragen deswegen. Sie hat sich quasi selbst angeboten. Und schauen Sie doch selber, wie blitzeblank es hier aussieht, seit die beiden hier sind.

 

Hans:         (sieht sich um) Ja, das stimmt. Man sieht, dass hier fleißige Hände am Werk sind.

 

Gerd:         Und von der Geschichte mit Ihnen und dem Unfall wissen Lisa und ihre Mutter so gut wie nichts. Bis auf das kaputte Auto – aber was sagt das schon ?

 

Hans:         Na prima. – Und ihr ? Ich meine, ich kann mich doch darauf verlassen, dass Franz und Du nichts erzählen von… (macht Gesten, dass er etwas trinkt)

 

Gerd:         Nein nein, wir schweigen. Ehrenwort.

 

Hans:         Das freut mich. Hätte mich anders aber auch gewundert. Immerhin ist das Malör ja schon eine ganz Woche her. Und wenn ihr das ernsthaft unter´s Volk gebracht hättet, dann wäre Martha Beening doch sicher sofort davon angefangen, oder ?

 

Gerd:         Eben !

 

Hans:         Danke Gerd. Ich stehe schwer in eurer Schuld.

 

Gerd:         Wie wäre es mit ´nem Bier oder ´nem Kurzen?

 

Hans:         Oh ja, gern. (dann) Das heißt...

 

Gerd:         Ja ?

 

Hans:         Na ja, eigentlich soll ich ja langsam mal lernen, dass das Zeug nichts für mich ist.

 

Gerd:         Achwas. Ihren Führerschein sind Sie doch sowieso schon los. Das Auto steht bei uns in der Garage; die Schlüssel hab´ ich... was soll da denn passieren ?

 

Hans:         Na ja, ich bin zwar mit dem Fahrrad hier; aber auch mit einem Drahtesel kann man Malör machen.

 

Gerd:         Ich hab´ doch auch nur gefragt, oder ich Ihnen einen einschenken soll. Von besaufen ist doch keine Rede.

 

Hans:         Das stimmt auch wieder.

 

Gerd:         (geht zum Schrank, holt zwei Gläser und eine Schnapsflasche, schenkt ein) Prost, Herr Pastor.

 

Hans:         Gottes Segen, Gerd.

 

Beide:        (trinken)

 

Gerd:         (schenkt dann wieder ein)

 

Hans:         Also, warum ich eigentlich gekommen bin, Gerd – mein Auto braucht ja ´nen neuen Kotflügel und auch ein neues Licht. Wenn Franz und Sie auch so nett sind und den Wagen reparieren – die Ersatzteile dafür müssen doch sicher gekauft werden, nicht wahr ?!

 

Gerd:         Ja, das werden wir wohl müssen.

 

Hans:         Eben. Und deshalb bin ich hier. Es ist nun mal Fakt, dass die Ferkel aus Ihrer Weide ausgebrochenen sind...

7. Szene

 

Steffi:        (kommt ohne anzuklopfen herein) Oh, guten Tag.

 

Hans:         Tag Steffi.

 

Gerd :        (nicht besonders erfreut) Steffi, Du schon wieder ?

 

Steffi:        Ja, ich will eigentlich nicht stören, es ist nur...

 

Gerd:         Ja ?

 

Steffi:        Meine Mama hat gesehen, dass Sie, Herr Pastor, hier gerade hergegangen sind, und...

 

Hans:         Ach, möchtest Du etwas von mir ?

 

Steffi:        (nickt) Hhmmm ! Das kommt von Mama, ich meine, die Idee. Und weil Sie mich doch auch konfirmiert haben, und auch ja so gelehrt sind, meint meine Mama, dass Sie, Herr Pastor, genau der richtige sind.

 

Hans:         Der richtige wofür, Steffi ?

 

Steffi:        Ooooh, das ist gar nicht so einfach zu erklären. (schaut Gerd verlegen an) Und äh – wenn Gerd dabei ist, dann geht das sowieso nicht.

 

Gerd:         Na hör mal, Steffi. Das hier ist immer noch unser Haus. Wenn Du was von Pastor Eilers willst, dann mach gefälligst ´nen Termin mit ihm aus.

 

 

 

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