Lange danach gesucht - auf Ibiza 2012 endlich gefunden
Musiker gesucht

 

„Robert wird 30“

 

 

 

Komödie in 3 Akten

 

von

 

Helmut Schmidt

 

 

 

 
   

Inhalt:

 

Robert Böttcher ist ein junger erfolgreicher Schriftsteller. Doch für die Liebe bleibt ihm da keine Zeit. Dazu kommt, dass er auch recht schüchtern ist. Eigentlich fühlt er sich aber auch ganz wohl. Er wohnt bei den Eltern, verdient mit seinen Romanen ganz gut und hat Thomas und Jens (zwei „echte Freunde“), mit denen er hin und wieder mal ein Bier trinken geht, und mit denen er nach Fertigstellen eines neuen Romas ein ganz spezielles Ritual durchzieht. Doch jetzt naht Robert´s dreißigster Geburtstag und das soll ganz groß gefeiert werden. Zumindest planen Robert´s Freunde dieses so; auch wenn Robert selbst überhaupt nicht einverstanden ist mit diesem Fest. Doch es kommt noch schlimmer: Bei einer feucht-fröhlichen Runde wetten Thomas und Jens, dass einer von beiden es schafft, Robert noch vor seinem Geburtstag zu verloben. Es geht hierbei um hohe Wetteinsätze; und das Abkommen wird sogar ungewollt schriftlich von einer Zeugin abgesegnet. – Doch nachdem die Köpfe der beiden Freunde wieder klar sind, erweist sich das Abgemachte als äußerst schwierig. Hier und da wird nun mit falschen Karten gespielt, damit nur keiner die Wette verliert. Thomas verbündet sich sogar mit Robert´s Vater und will diesem ein Stück Bauland schenken, wenn er ihm hilft, dass Robert sich mit der linkischen Nachbarin Petra Hoffmann verlobt. Und Jens will sich sogar von seiner Freundin trennen, um diese Robert „zu überlassen“. Und alles nur um nicht als Verlierer dazustehen. Die Zeit drängt, denn der Geburtstag von Robert naht...

 

Rollen: 4m;4w  +  1 weibl. Stimme                            Mindestgebühr: € 72,00

Spielzeit: ca. 120 Min.                                        1 Bühnenbild

 

 

Allgemeine Geschäfts- und Aufführungsbedingungen (gültig ab: 01.02.2006)

Es gelten die jeweils zum Zeitpunkt der Aufführungsanmeldung bzw. Bestellung gültigen Bedingungen und Preise.

 

Das Recht zur Aufführung und Vervielfältigung der Stücke erteilt ausschließlich:

Plausus Theaterverlag Heike Stuch, Kasernenstr. 56, 53111 Bonn

 

Diese Bedingungen gelten uneingeschränkt auch für Wohltätigkeitsveranstaltungen, schulinterne Aufführungen, private Veranstaltungen, Aufführungen in geschlossenen Kreisen und Aufführungen ohne Einnahmen.

 

Aufführungen von professionellen Bühnen, Bühnen mit Berufsschauspielern oder andere gewerbliche Aufführungen sind nur nach Abschluss eines gesonderten Vertrages mit dem Verlag zulässig.

 

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Stücke bis 60 Min. Spiellänge: € 1,50 pro Text

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Aufführungen

Wenn Sie ein Stück aufführen möchten, können Sie auswählen, ob Sie bei uns die Textbücher erwerben möchten oder ob Sie eine Kopiervorlage bei uns anfordern und die Stücke selbst vervielfältigen.

Hierfür gelten folgende Preise:
 

Kopiervorlage:                                                Gebundene Textbücher:

Stücke bis 60 Min. Spiellänge:  € 4,00               Stücke bis 60 Min. Spiellänge:  € 4,50 pro Buch

Stücke ab 60 Min. Spiellänge:   € 8,00               Stücke ab 60 Min. Spiellänge:   € 7,50 pro Buch

                                                                       Versandkostenpauschale          € 4,00 pro Sendung

 

Die Anmeldung der Aufführungstermine hat umgehend nach der Festlegung, spätestens jedoch 14 Tage vor der Aufführung zu erfolgen. Hierzu benutzen Sie bitte das Formular „Anmeldung von Aufführungen“ oder nehmen Sie eine Internet-Anmeldung unter www.plausus.de/anmeldung vor. Anschließend erhalten Sie von uns eine Aufführungsgenehmigung. Ein Anspruch auf Erteilung einer Aufführungsgenehmigung besteht nicht.

 

Aufführungen ohne Genehmigung des Verlages, unerlaubtes Abschreiben, Fotokopieren oder Vervielfältigen des Manuskriptes verstoßen gegen das Urheberrecht und sind gesetzlich verboten. Zuwiderhandlungen werden zivilrechtlich und ggf. strafrechtlich verfolgt.

Bei nicht genehmigten Aufführungen, auf die der Verlag aufmerksam wird, gilt die Zahlung des doppelten Gebührensatzes als vereinbart.

 

Im Preis für die Textbücher bzw. Kopiervorlage ist keine Aufführungsgebühr enthalten. Unabhängig vom Erwerb von Textbüchern oder einer Kopiervorlage zahlen Sie für jede Aufführung eine Gebühr in Höhe von 10% der Bruttoeinnahmen (aus Eintrittsgeldern, Spenden, Sammlungen, Programmverkäufen etc.) zzgl. der gesetzlichen Mehrwertsteuer, mindestens jedoch die für jedes Stück ausgewiesene Mindestgebühr.

 

Die aktuelle Mindestgebühr eines Werkes finden Sie in unserem aktuellen Katalog und auf unserer Internetseite. In der ausgewiesenen Mindestgebühr ist die gesetzliche Mehrwertsteuer bereits enthalten. Verändert sich die Mehrwertsteuer nach Anmeldung der Aufführungen, so wird die Mindestgebühr entsprechend angepasst.

 

Die aufführende Bühne/Theatergruppe erklärt sich gemäß dem Urheberrecht bereit, dem Verlag auf Anforderung auf nachprüfbare Weise Auskunft über Art, Anzahl und Ausmaß der Aufführungen, nicht stattgefundene Aufführungen, Zuschauerplätze und erzielte Einnahmen zu geben.

 

Die Abrechnung und Zahlung einer Aufführung erfolgt bis spätestens einen Monat nach Durchführung mit dem Formular „Abrechnung von Aufführungen“. Zuschauerzahlen und Gesamteinnahmen sind hierbei getrennt nach Aufführungen anzugeben. Nachdem Sie uns dieses Formular ausgefüllt zurück gesandt haben, erhalten Sie von uns eine Rechnung über die Aufführungsgebühren.

 

Der Versand aller Bestellungen erfolgt auf Risiko des Bestellers. Sämtliche Ware bleibt bis zur vollständigen Zahlung Eigentum des Verlages. Bei Zahlungsverzug sind Verzugszinsen zu zahlen. Der Zinssatz hierfür liegt sieben Prozentpunkte über dem Basiszinssatz. Die Geltendmachung weiteren Verzugsschadens wird hierdurch nicht ausgeschlossen. Bei verspätet abgerechneten Aufführungen gilt eine Zinszahlung ab einem Monat nach Aufführungsdatum als vereinbart.

Personen: 

 

 

Robert Böttcher         -           (29 Jahre)

 

Margot Böttcher         -           seine Mutter (ca. 50 Jahre)

 

Emil Böttcher             -           sein Vater (50-60 Jahre)

 

Thomas Fuchs            -           Freund von Robert (25-35  Jahre)

 

Jens Schwitters           -           Freund von Robert (25-35 Jahre)

 

Petra Hoffmann         -           Nachbarin der Böttchers (ca. 30 Jahre)

 

Rosemarie Schönfeld -           Nachbarin der Böttchers (ca. 50 Jahre)

 

Hanna Schönfeld       -           Tochter von Rosemarie (ca. 25-30 Jahre)

 

 

 

 

 

Bühnenbild:

 

Das Bühnenbild zeigt eine Außenkulisse mit zwei Haushälften. Rechts sieht man das Haus der Familie Böttcher mit Tür, Fenster, Klingel, Zeitungsbox u.a. Links ein ähnliches Haus, in das Rosemarie Schönfeld und ihre Tochter soeben eingezogen sind. Nach hinten sind Abgänge nötig nach links und rechts. Der Hintergrund besteht evtl. aus Zäunen, Bäumen, Büschen, Blumen oder aber bemalte Kulissen, die landschaftliche Motive und Weitblick zeigen. In der Mitte der Bühne ein Gartentisch mit mehreren Stühlen. Sie dürfen gerne weitere Utensilien zeigen, wie Regentonne, Blumenkästen u.a. Hinten kann auch ein Schuppen oder Garage zu sehen sein.

 

 

Spielort: Dorf, bzw. kleine Stadt irgendwo in Deutschland

 

 

Spielzeit: Sommer in der Gegenwart

 

 

Erster Akt

 

                  (Wenn der Vorhang sich öffnet, ist kein Spieler auf der Bühne. Es ist ein Wochentag in den Nachmittagsstunden. Nach einer kleinen Pause kommen...)

 

1. Szene

 

Rosemarie:(...und ihre Tochter Hanna aus dem Haus. Rosemarie ist sehr elegant gekleidet; für den Alltag fast etwas zu übertrieben. Ihre „Art“ ist leicht arrogant und hochnäsig; ganz im Gegensatz zu ihrer Tochter. Hanna trägt zwar schicke, aber „lockere“ Kleidung, hat einen Walk-oder Discman in der Hand, Kopfhörer auf die Ohren, tänzelt beim Herauskommen) Jetzt stell bitte dieses Gedudel ab, Hanna.

 

Hanna:       (laut) W a s ?

 

Rosemarie:(etwas genervt, nimmt ihr den Kopfhörer ab) Wir wollen uns bei unseren neuen Nachbarn vorstellen – da ist diese Rockmusik auf Deinen Ohren völlig unpassend, Schätzchen.

 

Hanna:       Mama – das ist Xavier Naidoo.

 

Rosemarie: Du hast mich verstanden, ja ?!

 

Hanna:       Ja ja, ist ja gut. Mann eh, wieso muss das alles so förmlich ablaufen ? Irgendwann werden unsere Nachbarn uns schon mal über den Weg laufen.

 

Rosemarie: Ich mag solche Aktionen ja selbst nicht. Aber das gehört sich nun mal so.

 

Hanna:       (ironisch) Hätten wir nicht ein Geschenk mitnehmen sollen ?

 

Rosemarie: Na, soweit kommt es noch. Wir sind hier heute eingezogen – da müssen die Nachbarn uns doch wohl eher beschenken, oder ?! – So, und nun sei ein liebes Mädchen und mach Deiner Mutter keinen Verdruss.

 

Hanna:       (ironisch) Jawoll Mama – ich bin ganz brav.

 

Beide:        (abgehend nach rechts, Rosemarie klingelt dann bei Böttchers, zupft noch an ihrem Kleid herum, richtet mit den Handflächen ihre Frisur)

 

2. Szene

 

Margot:     (öffnet die Tür, kommt heraus. Sie ist eine ganz normale Durchschnittsbürgerin, trägt einfache Kleidung; evtl. Kittelschürze o.a. Margot ist im Grunde eine sympathisch wirkende Person, wenn sie jedoch so richtig „in Fahrt“ ist, überschlägt sie sich fast) Ja ?

 

Rosemarie:(recht vornehm, versucht aber, freundlich zu wirken) Rosemarie Schönfeld. Und das ist meine Tochter Hanna. – Ja, eigentlich heißt sie Johanna; aber wir haben sie immer nur Hanna gerufen. Fragen Sie mich jetzt bloß nicht warum.

 

Hanna:       Hallo.

Margot:     (wundert sich; noch nicht sehr freundlich) Aha. Ja, Hallo. (betrachtet beide recht skeptisch)

 

Rosemarie: Wir hoffen doch, dass wir Sie nicht bei irgendetwas stören; und unter normalen Umständen ist es auch gar nicht meine Art, unangemeldet bei - mir noch fremden Leuten - an der Haustür zu klingeln; aber...

 

Margot:     (unterbricht sie barsch) Sie sind von den Zeugen Jehovas, nicht wahr !? (will schon wieder ab ins Haus) Also, das können Sie gleich vergessen. Wir haben unseren Glauben und sind damit bestens zufrieden. Immer diese Klinkenputzer – gehen Sie lieber arbeiten ! (will die Tür schon wieder schließen)

 

Rosemarie:Um Gottes Willen – nein. Wie kommen Sie denn nur darauf ? Wir sind Ihre neuen Nachbarn. Wir sind heute eingezogen und wir möchten nichts weiter, als uns vorstellen. Und wir sind – Protestanten.

 

Margot:     (schaut unverständlich drein) Protest...?

 

Rosemarie:Evangelisch, wenn Ihnen das mehr sagt.

 

Margot:     (kommt wieder heraus) Ach Du liebe Zeit. Das ist mir jetzt aber unangenehm. (reicht ihr die Hand, dann freundlicher:) Böttcher. Margot Böttcher. Entschuldigen Sie bitte vielmals. (reicht auch Hanna die Hand) Aber bei dem Volk, was heutzutage so herumläuft, muss man ja äußerst gut aufpassen, nicht wahr ?!

 

Hanna:       (eher belustigt) Wir sind evangelisch-lutherisch; und auch bislang noch nicht aus der Kirche ausgetreten, wie so manch anderer – ist das in Ordnung ?

 

Margot:     (muss lachen) Ja sicher. – So, dann sind Sie also die neuen Nachbarn. Na ja, wir haben schon mitbekommen, dass das Haus hier nebenan verkauft worden ist. Und das hier sicher bald wieder ´ne Familie einzieht, konnten wir uns denken, als der Möbelwagen hier gestern und vorgestern stand. Aber woher sollte ich nun wissen, dass Sie... ? Also – neugierig bin ich nun wirklich nicht. Manche Menschen können auch ja so aufdringlich sein, nicht wahr ?! Also – scheußlich so was – meinen Sie nicht auch ? – Wo kommen Sie denn her, wenn ich mal fragen darf ?

 

Rosemarie:Meine Tochter und ich sind aus Lübeck hierher gezogen.

 

Margot:     Aus Lübeck – aha. (ruft laut zum Haus) E m i l ! Komm doch bitte mal raus ! – Mein Mann, wissen Sie ?!

 

Rosemarie:Ahja.

 

Margot:     Was hat Sie denn aus Lübeck hierher getrieben ?

 

Rosemarie:(etwas „erschüttert“ über diese dreiste Frage) Also, wissen Sie...

 

Margot:     Ach, das können Sie mir ja auch später noch erzählen. - Und äh... Sie wollen dann sicher so ´n kleines Fest geben, nicht wahr !? Ich mein, das gehört sich ja so als neue Nachbarn. Und vor allem lernt man sich ja auch viel besser kennen – so Tür an Tür. Hab´ ich recht ?

Rosemarie:(hatte das eigentlich nicht geplant) Ja, also... ein Fest... das ist...

 

Hanna:       Hey, das ist doch ´ne geile Idee, Mama.

 

Rosemarie:H A N N A ! Geile Idee - mir fehlen die Worte !

 

Margot:     Ja ja – so sind die junge Leute.

 

 

 

3. Szene

 

Emil:          (kommt heraus. Auch er ist ein völlig normaler Mann mit einfacher Alltagskleidung) Ja ?

 

Margot:     Frau Schönfeld, Emil. Unsere neue Nachbarin; mit ihrer Tochter Hanna, die eigentlich Johanna heißt – aber sie haben immer Hanna zu ihr gesagt. Witzig, nicht ?! – Frau Schönfeld – Hanna – mein Mann Emil. Und er heißt schon immer Emil. (lacht)

 

Emil:          (reicht auch beiden die Hand) Neue Nachbarn. Na so was. Warum haben wir davon denn gar nichts mitbekommen ? Du bist doch sonst so neugierig, Margot. --- Freut mich. Emil Böttcher. Herzlich Willkommen hier bei uns in der Straße.

 

Rosemarie:Vielen Dank.

 

Margot:     (knufft ihren Mann) Frau Schönfeld ist mit Hanna aus Lübeck hierher gezogen, Emil.

 

Emil:          So ? Das ist ja interessant.

 

Margot:     Ja, und sie will uns einladen zu einem kleinen Fest.

 

Emil:          Ach ja ? Das ist aber doch nicht nötig.

 

Margot:     (knufft ihn) Warum denn nicht, Emil ? Lass´ sie doch. Wenn sie unbedingt will. Und das macht man doch auch so. (überschlägt sich jetzt fast) Mein Mann ist schon Rentner, wissen Sie ?!  - Er hatte es schon immer ein Leiden an der  Bandscheibe. Hat Jahre gedauert, bis er die Rente endlich durchgeboxt hat; aber seit einem halben Jahr hab´ ich ihn nun jede Tag im Haus. Ja, das war auch ´ne Umstellung für mich; das können Sie mir gerne glauben. Aber wenn man fast 35 Jahre miteinander verheiratet ist, dann gehört man zusammen, nicht wahr ?! Na ja, und so langsam hab´ ich mich nun auch daran gewöhnt, das Emil mir nun von morgens bis abends auf die Nerven geht. Obwohl das nicht immer einfach ist für mich – das können Sie mir glauben.

 

Rosemarie:(kann kaum glauben mit was für Menschen sie es hier zutun hat) Aha.

 

Emil:          (knufft Margot) Margot; lass´ das doch. Was soll Frau Schönfeld denn denken ?

 

Margot:     Ach, das was doch nur Spaß, Frau Schönfeld. Oder dürfen wir Rosemarie und “Du” sagen ? Ich meine, so als Nachbarn, nicht ?! Ist doch viel persönlicher. Ich bin „Margot“ für alle hier im Dorf.

Rosemarie:Wenn Sie meinen…ich meine, wenn Du...

 

Hanna:       Sie sind ja mal ´n witziges Ehepaar, wenn ich das mal so sagen darf.

 

Rosemarie:Hanna – bitte ! Sei doch nicht so taktlos.

 

Emil:          Na, Deine Tochter hat doch recht, Rosemarie. Wir sagen immer: Spaß muss sein. Das was manchmal auf der Welt passiert ist traurig genug.

 

Margot:     So ist es. Exakt so, wie mein Emil es sagt. – Tja, also… wann sollen wir denn nun kommen ? Ich meine, zu diesem Fest ? Oder hast Du da vielleicht noch gar keinen festen Termin im Auge ?

 

Rosemarie:(weiß gar nicht, was sie antworten soll) Na ja, ich weiß auch nicht…

 

Hanna:       Wie wäre es am kommenden Samstag ? Das kann dann ja sogar hier im Garten passieren. Das Wetter soll ja noch bis Sonntag sehr schön bleiben; hab´ ich zumindest im Radio gehört.

 

Margot:     Das ist ´ne prima Idee. Und wozu haben wir denn auch diesen schönen Garten, nicht wahr ?! Die dürft ihr gerne mitbenutzen – wann immer ihr wollt. Haben wir nichts dagegen. Euer Garten ist ja leider nicht so groß.

 

Rosemarie:Wie Sie... ich meine – wie ihr meint. Das wird dann aber sicher mehr ein Fest nur unter uns werden, denke ich.  Das nächste Haus ist ja mehr als 500 Meter von hier entfernt. Ich bin mir nicht sicher, ob man die dann noch als Nachbarn bezeichnen sollte.

 

Margot:     Nein.., da hast Du völlig recht. Aber gegenüber wohnt Petra Hoffmann – die darfst Du nicht vergessen.

 

Rosemarie:Und bei der müssen wir uns dann auch noch vorstellen, meinst Du ?

 

Emil:          Das ist nicht nötig. Petra kommt ein paar Mal am Tag hierher um das Neuste zu berichten. Sie erzählt auch gerne Geschichten. Ist heute noch gar nicht hier gewesen – wundert mich eigentlich. Die wird sich schon bei Dir melden – keine Bange.

 

Rosemarie:Du willst damit sagen, dass diese Person hier ohne Grund jeden Tag herkommt, nur um belanglosen Kram zu erzählen?

 

Margot:     Jaaa...., Petra ist eben so. Sie ist eigentlich ´ne arme junge Frau. Hat die Eltern vor 6 Jahren ganz plötzlich verloren und nun lebt sie ganz allein in dem großen Haus. Sie kommt zwar ganz gut zurecht alleine, aber... Sie ist ein wenig – tja, wie soll ich Dir das erklären ?

 

Emil:          So ´n bisschen linkisch und nicht ganz clever,  versteht ihr ?!

 

 

 

 

4. Szene

 

Petra:         (kommt von hinten auf die Bühne. Sie trägt ein altmodisches Kleid, Söckchen, das Haar sehr ungewöhnlich frisiert, mit Spangen o.a., ist recht „linkisch“ und auch nicht besonders intelligent. Was das Outfit betrifft, sind der Spielgruppe alle Freiheiten gegeben) Tag zusammen. (grinst dumm)

 

Emil:          Na, wie heißt das Sprichwort: Wenn man vom Teufel spricht.

 

Margot:     Hallo Petra. Das ist ja schön, das Du uns mal wieder besuchst.

 

Petra:         Ich war heute ja noch gar nicht bei euch.

 

Margot:     So ist es. Wir haben gerade von Dir gesprochen.

 

Petra:         Ich hab´ euch nämlich was ganz tolles zu erzählen. Meine Susi hat heute Junge bekommen. Fünf Stück. Zwei weiße und drei braun-weiß-gefleckte. Nun hab´ ich insgesamt 18 Katzen. Ist das nicht toll ?

 

Margot:     Wunderbar Petra. Die schauen wir uns nachher an. Aber sieh mal; wir haben neue Nachbarn.

 

Rosemarie:(ist über diese Nachbarin noch mehr erschüttert als über Emil und Margot)

 

Petra:         Neue Nachbarn ? So was aber auch. (reicht Rosemarie die Hand, schüttelt sie nicht sehr elegant) Ich bin Petra.

 

Rosemarie:Ja, Schönfeld – Rosemarie.

 

Hanna:       Ich bin die Hanna. Hallo Petra.

 

Petra:         Guten Tag, Hanna. (grinst wieder dümmlich und ist auch ein bisschen verlegen) Magst Du Katzen, Hanna ?

 

Hanna:       (nickt) Sicher.

 

Rosemarie:Moment mal. Sie wohnen hier bei uns gegenüber - und das mit 18 Katzen ?

 

Petra:         Genau. 18 Stück sind das jetzt. Morle und Puschi und Timo und Minka und...

 

Rosemarie:Ja ja, das langt nun aber wirklich. Ich muss mir hier nun doch nicht ernsthaft die Namen von allen 18 Viechern anhören, oder ? Großer Gott...

 

Emil:          Petra ist eben ein Katzenfan. Ist sie schon immer gewesen. Nicht wahr, Petra ?!

 

Petra:         Hhmmm... das stimmt.

 

Hanna:       Ich finde Katzen auch süß, Petra. Ich komm nachher auch vorbei und schau sie mir an, ja?!

 

Rosemarie:(empört) Also...

Margot:     Ach, wisst ihr - wir gehen am besten alle zusammen in unsere Wohnküche und trinken eine schöne Tasse Kaffee zusammen. Was haltet ihr davon ?

 

Petra:         Oh ja, das ist geil. (hält sich die Hand vor den Mund) Ups, was sag ich denn da ?

 

Hanna:       Macht doch nichts. Dieses Wort darf man sagen heutzutage, Petra. Mach ich auch.

 

Rosemarie:H a n n a !

 

Margot:     Ja also, was ist nun ?

 

Rosemarie:Das ist ein sehr verlockendes Angebot, Margot; aber da passen wir lieber. Wir müssen noch mindestens 10 Kartons auspacken. Bis man richtig eingerichtet ist, vergehen ja immer ein paar Tage. Und Hanna muss mir unbedingt helfen dabei. Die teuren Gläser, wisst ihr...

 

Hanna:       Mutter, das können wir doch immer noch machen. Wenn Margot und Emil uns auf ´ne Tasse Kaffee einladen...

 

Rosemarie:Kind, Du hast gehört, was ich gesagt hab´ ! (will Hanna schon mit wegziehen, als...)

 

 

5. Szene

 

Robert:      (...mit einem dicken Manuskript; evtl. geheftet o.a. freudestrahlend und zügig aus dem Haus „stürmen“ kommt) Leute, es ist fertig ! (zeigt stolz sein Werk. seufzt erleichtert) Hier ist es !

 

Emil:          (freut sich mit Robert) Oh, ich wusste es. Irgendwie hatte ich das im Urin, das es heute soweit ist.

 

Margot:     (abwertend zu Emil:) Du mit Deiner Blindkonferenz hast so was ja immer im Gefühl.

 

Emil:          Wenn Du schon davon sprechen musst, dann sag es zumindest richtig. Es heißt Inkontinenz !

 

Margot:     Blasenschwäche heißt das ! So ! (ebenso erfreut zu Robert) Oh Junge, wie ich mich freue. Diesmal hast Du aber auch sehr lange gebraucht, nicht wahr ?!

 

Robert:      5 Monate und 17 Tage – wenn Du es ganz genau wissen willst. (sieht jetzt erst die anderen) Oh, guten Tag.

 

Rosemarie:(und Hanna – die nun stehen geblieben sind und sich noch mal umdrehen) Tag.

 

Hanna:       Hallo.

 

Petra:         (linkisch und verlegen) Hallo Robert. Na...

 

Margot:     Dann will ich euch mal unseren Sohn vorstellen. Robert – das sind unsere neuen Nachbarn Rosemarie Schönfeld und ihre Tochter Hanna. – Rosie – Hanna – das ist unser Robert.

 

Robert:      Freut mich.

 

Hanna:       (erfreut) Ja, mich auch.

 

Rosemarie:(eher kurz) Ebenso.

 

Hanna:       Wovon redet ihr ? Was ist fertig – und was hat über 5 Monate gedauert ?

 

Robert:      Ja, also...

 

Emil:          Wisst ihr, das ist so:

 

Margot:     (ist aber schneller als Emil) Ja, habt ihr denn wahrhaftig noch nie etwas von Robert Böttcher gehört ?

 

Rosemarie:(und Hanna schauen sich eher ratlos an, zucken mit den Schultern)

 

Margot:     Robert Böttcher kennt ihr nicht ? Das kann ja wohl nicht wahr sein. Hörst Du das, Emil ?

 

Hanna:       Moment mal. Doch nicht vielleicht der Robert Böttcher ? – „Freiheit hat keine Regeln“;  „Entscheidung am Hasenbach“; „Ingrids letzte Chance“ ?

 

Emil:          Genau der Robert Böttcher steht vor euch.

 

Margot:     Hach, zumindest Hanna kennt ihn.

 

Petra:         Ja, das stimmt. Unser Robert ist berühmt. Und ich wohne Tür an Tür mit ihm. Geil, nicht wahr?!

 

Rosemarie:(zu Hanna:) Moment mal. Was redest Du da, Hanna ? Kannst Du bitte mal deutlicher werden ?

 

Hanna:       Mutter, das ist Robert Böttcher, der Schriftsteller. Ich hab´ 3 Bücher von ihm gelesen; und ich muss sagen – die haben mir sehr gut gefallen.

 

Robert:      Danke.

 

Rosemarie:Und warum weiß ich von alledem nichts ?

 

Hanna:       Weil Du lieber Rosamunde Pilcher und Charlotte Link liest, Mutter. Und weil Du immer sagst, das deutsche Schriftsteller sowieso keine guten Bücher schreiben können. Und Männer schon gar nicht. – Mensch, ich kann es kaum fassen. Ich hatte ja keine Ahnung, das Sie hier wohnen – hier auf dem Land.

 

Margot:     Jaa... unser Robert ist bekannt. Und nicht nur hier im Dorf. Von seinem letzten Roman sind mehr als 13.000 Stück verkauft worden. Irgendwann ist er genauso bekannt wie Konsolik und Stefan Kong.

 

Emil:          Konsalik und King, Margot. Stephen King !

 

Margot:     (ärgerlich) Ja doch.         

 

Petra:         In seinem letzten Buch „Ingrid´s letzte Chance“ hat der Vater von dieser Ingrid 11 Katzen.

 

Margot:     Ja genau. Da hast Du unseren Robert sicher inspektiert mit Deinen Katzen, Petra.

 

Emil:          Inspiriert heißt das, Margot.

 

Margot:     (verärgert) Nun hör doch auf mir in einer Tour zu widersprechen, Emil. Meinst Du, ich bin doof, oder was ?

 

Hanna:       (ist weiterhin schwer beeindruckt) Wahnsinn. Das ist echt irre. Und jetzt gibt es bald einen neuen Roman ?

 

Robert:      So ist es. Hier halte ich es in meinen Händen. Das siebente. Na ja, bis der Lektor es bearbeitet hat und es gedruckt wird, vergehen sicher noch ein paar Wochen; aber ich bin zufrieden mit diesem Roman – und das ist nicht immer so.

 

Hanna:       Und wie heißt es – ich meine, wenn man das schon mal wissen darf ?

 

Petra:         (ganz aufgeregt) Das ist dieses Mal ein neuer Band von Harry Potter, stimmt´s ? Sag, dass das endlich eine neue Geschichte von Harry Potter ist. „Harry Potter und die Wunderkatze“, nicht wahr ?!

 

Robert:      Petra; dafür hab´ ich doch gar nicht die Rechte. Das darf ich gar nicht. Das ist die Aufgabe von Frau Rowling aus England. Hinzu kommt, das meine Romane sich mehr in der Realität abspielen und weniger etwas mit Zauberei und Phantasie zutun haben.

 

Petra:         Schade. Ich mag Harry Potter doch so gern. – Du hättest ja auch von einer Zauberin schreiben können – zum Beispiel Petra Potter oder so.

 

Robert:      Dann hätte ich auch Ärger bekommen, Petra.

 

Rosemarie:(glaubt es kaum, was Petra da von sich gibt) Nicht zu glauben. Soweit kann ich ja sogar denken. Tss...

 

Robert:      Das Buch heißt „Die Wirksamkeit der Liebesbestimmungen”.

 

Hanna:       Wow, das klingt interessant.

 

Rosemarie:Klingt wohl eher nach einer Klausel in einem Mietvertrag, wenn das Wort „Liebe“ nicht vorkommen würde.

 

Petra:         (grinsend und sich auch dabei etwas schämend) Oder nach der Hausordnung von einem Puff.

 

Emil:          Petra, also das geht nun doch wirklich zu weit !

 

Petra:         Entschuldigung. (hält sich die Hand wieder genant vor den Mund)

 

Hanna:       Sollte ich... ich meine – na ja, wenn es nicht geht, versteh´ ich es auch; aber – sollte ich vielleicht mal ein bisschen davon lesen dürfen, noch bevor es gedruckt wird, Robert.

 

Robert:      Na ja, das ist so:

 

Margot:     Also, da hat unser Robert ganz bestimmte Rituale und Regeln ! Das hat schon Tradition.

 

Hanna:       Ach ja ?

 

Robert:      Bitte nicht böse sein; aber da hat meine Mutter recht. Das ist wirklich so eine Art Ritual. Ich hab´ das nun nach 6 Büchern immer beibehalten. Ist so eine Art Glücksbringer. Und den möchte ich nicht gern auf ´s Spiel setzen. Und lesen darf es auch niemand, bevor es in den Handel kommt.

 

Hanna:       Nein nein, das versteh´ ich doch. Ist ja schon eine große Freude für mich, dass wir nun Nachbarn von so einem bekannten Schriftsteller sind.

 

Petra:         Hhmmm... ich find das auch geil. – Ups...

 

Rosemarie:(zu Hanna:) Kind, nun lass´ uns aber bitte wieder rübergehen. Wir haben noch soviel zu tun.

 

Hanna:       (hat Robert derweil mit viel Begeisterung angesehen, tut dieses immer noch) Ja Mutter.

 

Margot:     Und ihr wollt wirklich nicht mit reinkommen ?

 

Rosemarie:Nein danke – ich hab´ doch schon gesagt - das passt nun leider gar nicht.

 

Emil:          Aber ein anderes mal, ja ?!

 

Margot:     Na ja, erst mal kommt ja nun die Grillparty von Rosi und Hanna. Fein, das wir nun Nachbarn sind. Ja, und sagt mal, gibt es eigentlich gar keinen Herrn Schönfeld ? Oder bin ich zu imbiskrott mit dieser Frage ?

 

Emil:          Indiskret, Margot. Indiskret !

 

Margot:     (genervt von dem ständigen Korrigieren ihres Mannes) Ja doch.

 

Rosemarie:Darüber möchte ich im Moment nicht sprechen.

 

Margot:     Nein nein, das ist in Ordnung.  Muss ja nun auch nicht sofort sein. Das kann ja morgen auch noch erzählt werden, nicht wahr ?!  Na denn – Du sagst uns dann bescheid, von wegen genauem Termin für die Party, ja ?!

 

Petra:         Eh, ´ne Party ? Supi ! Da bin ich doch auch eingeladen, oder ?! Sie müssen mir unbedingt bescheid sagen, wann und wo ich hinkommen soll.

 

Rosemarie:(genervt und recht geladen) Ja ja, mach ich sicher. Bis dann. (abgehend ins Haus, dreht sich an der Tür um, dann streng:) Hanna ! Kommst Du nun bitte ?!

 

Hanna:       (die Robert fortwährend anschaute; obwohl Robert sich eher mehr seinem Manuskript widmete) Ja doch.

 

Beide:        (dann ab ins Haus)

 

 

 

6. Szene

 

Emil:          Eigentlich ganz nett die beiden, oder ?!

 

Margot:     Nett ? - Eine hochnäsige, eingebildete Tussi ist das – da wollen wir doch nicht drüber streiten, oder ?! Was sagst Du, Robert ?

 

Robert:      Hhhmmm... ?

 

Emil:          Aber die Tochter...

 

Margot :    Ja, die Tochter. Ich rede ja auch von unserer „lieben“ Rosemarie. Allein schon wie die angezogen und aufgetakelt ist, an einem normalen Werktag – das sagt mir alles. Dabei zieht sie doch angeblich noch ein. Tsss...

 

Robert:      Vielleicht hat sie einen Mann der gut verdient.

 

Margot:     Das ist das ja gerade. Einen Kerl hab´ ich hier noch gar nicht gesehen. Wahrscheinlich ist sie geschieden. Aber das krieg ich auch noch raus. – Obwohl – ich muss ganz ehrlich sagen – so ein bisschen Take up – das könnte mir vielleicht auch gefallen. Ich meine, das schickt sich doch, oder ?! So als Mutter von einem berühmten Autor…

 

Petra:         Stimmt. Das wollte ich auch schon immer mal ausprobieren. Ob mir so was wohl steht ?

 

Emil:          Soweit kommt es noch, Margot - das Du Dir jeden Tag 20 Euro von Ellen Betrix ins Gesicht schmierst. Von meiner kleinen Rente kann ich mir das nicht leisten. Außerdem heißt das Make up !

 

Margot:     Ja ja – ist ja schon gut, Du alter Griesgram.

 

Robert:      Na hör mal, Vater. Wenn Mutter sich plötzlich schminken möchte, dann werde ich ihr das wohl noch kaufen können. Meine Bücher verkaufen sich doch gut, oder ?

 

Margot:     (geht zu Robert, klopft ihm auf die Schulter oder legt ihren Arm darauf) Ach Junge, ich bin ja so stolz auf Dich. – Soll ich im Wohnzimmer alles vorbereiten für heute Abend  ?

 

Robert:      Nicht nötig, Mutter. Ich hab´ Thomas und Jens gerade angerufen – sie kommen gleich schon hierher. Und bei diesem Prachtwetter können wir auch hier draußen meinen neuen Roman feiern. Brauchst Dich um nichts zu kümmern – ich mach das schon.

 

Margot:     Das ist noch besser. Ich hab´ da auch noch einen großen Korb mit Bügelwäsche, der auf mich wartet. Und Du Emil, könntest eigentlich das Unkraut jäten.

 

Emil:          Oh neeee..., Margot. Muss das sein ? Ich könnte doch viel besser auch endlich mal mit Robert und seinen Freunden dieses Roman-Ritual mitmachen.

                 

Robert:      Vater bitte. Diese paar Stunden gehören nur Thomas, Jens und mir. Das bringt sicher Unglück, wenn wir da plötzlich einen vierten dabei haben.

 

Margot:     (streng:) Das wollte ich auch gerade sagen. Dir den Kopf zuknallen, das könnte Dir wohl gut in den Kram passen, wa ?! Und wenn Du das erst einmal mitgemacht hast, dann gefällt Dir das so gut, das Du in Zukunft jeden Tag ´ne Pulle Schnaps brauchst – genauso wie Lammert Kramer. Und der ist abhängig mittlerweile. Und bei Deiner kleinen Rente können wir uns das auch nicht leisten, wenn ich schon kein Take up bekomme. - So !

 

Emil:          (ironisch:) Du hast ja sooo recht, Targot.

 

Margot:     Ja, hab´ ich auch. Und nun machen wir uns an die Arbeit – wir wollen Robert nicht länger stören. Los – zack zack ! ----- Targot – ich helf Dir gleich.

 

Emil:          Ja ja. (flüchtend ab ins Haus)

 

Margot:     (ihm hinterher gehend, dann aber noch zu  Petra:) Komm her, Petra. Wir beide trinken erst mal ´ne leckere Tass Kaffee, bevor ich mich an die Bügelwäsche mach.

 

Petra:         Klasse; und dann erzähl´  ich Dir alles von meiner Pussy...

 

Robert:      (muss schmunzeln)

 

Margot:     Bitte ? (dann versteht sie) Ach so..., ja ja, sicher. (beide nun ab ins Haus)

                  (im nächsten Augenblick erscheinen...)

 

 

 

7. Szene

 

Jens:          (...und Thomas von hinten auf der Bühne. Jens hat einen Korb dabei; beide wirken schon leicht betrunken, aber nur „leicht“) Hey... Robert, Du alte Ratte, alles klar ?

 

Thomas:     Ich hab´ gerade zu Jens gesagt – Du musst in Zukunft schneller schreiben. Wir drei haben immer nur dann ´ne Riesenfete, wenn Du wieder einen Roman fertig hast. So geht es nicht weiter.

 

Robert:      Dazu muss ich ja nun wohl nichts sagen, oder ?! Setzt euch.

 

Beide:        (tun dies)

 

Robert:      (der noch steht) Habt ihr diesmal alles besorgt ?

 

Jens:          Haben wir. (holt einen Kassenbon hervor) Hier ist der Kassenbon.

 

Robert:      Ich geb´ Dir das Geld nachher. Und – besten Dank, das ich mich nicht um den Einkauf kümmern musste.

 

Thomas:     Haben wir gern getan. (holt 3 Schnapsgläser aus seiner Hosentasche, stellt diese auf den Tisch)

 

Jens:          (nimmt eine Flasche aus dem Korb, schenkt ein, deutet auf das Manuskript) Ist es das ?

 

Robert:      Das ist es ! (legt das Manuskript vorsichtig in die Mitte vom Tisch)

 

Thomas:     Das siebente ?

 

Robert:      Das siebente !

 

Jens:          Ist dicker als die anderen – hab´ ich recht ?

 

Robert:      Wenn es bearbeitet und gedruckt ist, werden etwa 350 Seiten übrigbleiben, denke ich.

 

Jens:          Ist ja auch scheißegal. Fangen wir an ?

 

Robert:      Von mir aus kann es los gehen.

 

Thomas:     Ich bin auch soweit.

 

Alle:          (stehen auf, erheben jeweils ihr gefülltes Glas)

 

Jens:          (holt tief Luft, will gerade loslegen, dann...) Moment noch. Erst mal noch etwas anderes. Es geht um den 14. September.

 

Robert:      Wieso ? Was ist dann ?

 

Thomas:     Als wenn Du das nicht ganz genau wüsstest. Am 14. September wirst Du 30 ! Wir müssen die Party langsam planen.

 

Robert:      Es gibt nichts zu planen. Ich will nicht feiern.

 

Thomas:     Nein, Du nicht – aber wir !

 

Jens:          So ist es ! - Du musst Dich um nichts kümmern. Wir organisieren alles. Einverstanden ?

 

Robert:      Oh Mann – muss das sein ?

 

Jens:          Man wird nur einmal 30 in seinem Leben.

 

Robert:      Aber kommt mir bitte nicht mit so ´ner Fege-Aktionen und so ´n Kram. Dann ist es aus mit unserer Freundschaft.

 

Thomas:     (grinst) Lass´ uns nur machen.

 

Robert:      Erst mal ziehen wir hier nun unser Ritual durch. Nun fang endlich an, Jens.

 

Jens:          Ja doch. - Das siebente Mal sind wir hier bei unserem besten Freund Robert Böttcher zusammengekommen um seinen neuesten Roman zu feiern. So wie jedes Mal, wollen wir auch diesmal wieder einen besonderen Satz aus diesem Roman heraussuchen. Und das, was diese Worte uns sagen, wollen wir umsetzen in den nächsten drei Wochen. So, wie wir das nun schon sechs mal getan haben. Und jedes Mal hat es Glück gebracht und Robert´s Roman hat viele Käufer und  Leser gefunden.

 

Thomas:     (schaut auf den Titel)... „Die Wirksamkeit der Liebesbestimmungen“ ? Das ist aber ein merkwürdiger Titel.

 

Robert:      Mach Dir darüber keine Gedanken.

 

Thomas:     Ja ja, ich sag ja schon gar nichts mehr. – Also – wir trinken auf den neuen Roman und natürlich – so wie jedes Mal – auch noch auf all die anderen sechs Romane, damit sie weiterhin gut verkauft werden. Na denn - Auf das erste.

 

Robert:      „Freiheit hat keine Regeln“. Prost Jungs !

 

Alle:          Prost. (trinken)

 

Thomas:     (schenkt in Windeseile wieder ein)

 

Jens:          Auf das zweite !

 

Robert:      “Entscheidung am Hasenbach”.

 

Alle:          (trinken wieder)

 

Thomas:     (hat schon wieder flink eingeschenkt) Und dann gleich auch auf das dritte !

 

Robert:      „Der Engel im Abstellraum“. Okay – ich geb´ zu, das hat sich nicht so gut verkauft.

 

Jens:          Na und – darauf trinken wir trotzdem. Prost.

 

Thomas:     (schenkt zum vierten Mal die Gläser voll) Genau. Meine Mutter hat das Buch gekauft, weiß ich ganz genau. - Und da wären wir schon beim Vierten.

 

Robert:      „Von gestern bis zur Ewigkeit“.

Jens:          (nachdem wieder alle getrunken haben) Das hab´ ich sogar gelesen. Okay, nicht ganz bis zum Ende, aber ich hab´ den Willen zumindest gezeigt.

 

Thomas:     Nummer fünf, Robert. (hat wieder eingeschenkt)

 

Robert:      Oh Mann, wenn ich erst mal mein 20stes Buch geschrieben hab´, dann müssen wir uns aber mal was anderes überlegen. So geht das nicht weiter, Jungs. - Hicks.

 

Jens:          Hey, wir können nicht plötzlich mit unserem Ritual aufhören. Das bringt Unglück.

 

Robert:      Ja ja, hast ja recht. Das fünfte war: „Die Liebes-Achterbahn“. Und das war ein richtiger Renner. Prost.

 

Thomas:     Auf die Achterbahn.

 

Jens:          Und auf alle anderen Karussells ! Hähä...

 

Robert:      (sieht ihn strafend an) Wieso musst Du Dich eigentlich immer lustig machen über gute Literatur, wenn Du selbst überhaupt keine Ahnung davon hast ?

 

Jens:          War doch nur Spaß.

 

Alle:          (trinken wieder)

 

Thomas:     Boah, Du hast recht, Robert. Wenn es erst 20 Bücher sind – mein lieber Schalli...

 

Jens:          Weiter ! (nimmt Thomas die Flasche weg, schenkt allen wieder ein) Nummer sechs ?

 

Robert:      „Ingrid´s letzte Chance“.

 

Jens:          Genau ! Auf Ingrid, die alte Schachtel ! Prost.

 

Alle:          Cheerio Miss Ingrid !

 

Jens:          (schenkt zum siebenten Mal die Gläser voll) Und dann ist da noch das neueste.

 

Robert:      Ja, und ich bin froh, dass ich erst 7 geschrieben hab´. Mann eh, wir sind ja ruck zuck voll.

 

Thomas:     (und Jens lallen schon ein wenig, aber nicht zu sehr übertreiben) Na ja, also wenn wir ganz ehrlich sind – Jens und ich haben bei mir zuhause schon mal so ´n kleinen genommen.

 

Robert:      (ironisch) Ja sicher. Wie kann es auch anders sein ? Na denn – auf...

 

Thomas:     “Die Wirksamkeit der Liebesbestimmungen”. Was auch immer das bedeuten mag. Und Prost.

 

Alle:          (trinken zum siebenten Mal, setzen alle gemeinsam ihr Glas ab, setzen sich gleichzeitig – „etwas geschafft“ hin)

 

Thomas:     Nun kann nichts mehr schief gehen.

 

Jens:          Mo...Moment mal. Nun kommt doch erst das Wichtigste.

 

Thomas:     Ja ja, beruhige Dich. Ich hab´ es nicht vergessen.

 

Robert:      Wer ist dran diesmal ?

 

Thomas:     Jens muss sagen, welche Seite und welche Reihe.

 

Jens:          Genau. Ich bin dran.

 

Thomas:     (nimmt das Manuskript)

 

Robert:      Sei bitte vorsichtig.

 

Thomas:     Mann eh, stell Dich nicht so an. Du hast das doch im Computer, oder ?

 

Robert:      Wenn schon. Drucker-Farbe ist auch nicht billig.

 

Thomas:     Nun hör Dir das an. Verdient sich ´ne goldene Nase mit seinen Romanen und macht hier ´n Film von wegen teurer Drucker-Farbe. – Also Jens – welche Seite soll ich aufschlagen ?

 

Jens:          Äääh... Zweihundertdreiundzwanzig. Und dann die 11. Reihe. Und wenn dort kein Satz anfängt nimmst Du 12 oder 13.

 

Thomas:     Einverstanden. Ihr habt es alle gehört. Jens seine Wahl zählt. Seite 223 – Reihe 11. (blättert)

 

Jens:          Und die Regeln gelten wie immer, ja ?!

 

Thomas:     Sicher doch.

 

Jens:          Robert; Du bist auch einverstanden, ja ?! Den Satz aus Deinem Buch pflücken wir auseinander und – egal, was es auch sein mag, wir machen das für Dich ! Scheißegal wie wir das anstellen und was das kosten mag. Und Du bist das Opfer und musst darauf eingehen.

 

Robert:      Ja ja, ich bin ja einverstanden. Nun mach schon.

 

Jens:          Du musst doch eigentlich wissen, was dort steht. Hast das Buch doch selbst geschrieben. Hähä...

 

Robert:      Witzbold. Diesen Satz sagst Du jedes Mal. – Boah, mir ist schon richtig schwindelig.

 

Jens:          Frag mich mal.

 

Thomas:     (hat das Manuskript aufgeschlagen auf Seite 223, sucht Reihe 11, findet) So Leute, hier ist es.

Jens:          Oh Mann, ich bin schon ganz aufgeregt.

 

Thomas:     Also, das ist doch...

 

Jens:          Was denn ? Ist das ´ne leere Seite ? Steht dort etwas von ´ner nackten Frau ? Oh geil...

 

Thomas:     Nein, das nicht, aber...

 

Jens:          Mann eh, nun lees doch endlich vor !

 

Thomas:     Na gut. “Es ist nicht gut, dass der Mensch allein sei. Ich will ihm eine Gehilfin machen, die um ihn sei“.

 

Jens:          Moment. Das waren schon zwei Sätze. Es zählt nur der erste.

 

Thomas:     Ja sicher. Ich kann ´s einfach nicht glauben. Ist das nicht ein Satz...

 

Robert:      (etwas gereizt) Ja, Du hast ja recht. Das ist aus dem 1. Buch Mose. – Ja, aus der Bibel, na und ? - Wisst ihr, es geht in meinem Roman im letzten Teil sozusagen um Beziehungswahn; meistens bei Schizophrenie auftretende Wahnvorstellungen mit dem Kernsymptom krankhafter Ichbezogenheit, wahnhafte Verknüpf...

 

Thomas:     Das langt, das langt ! Bitte Robert, Du musst uns das nicht in allen Einzelheiten erklären. Das ist ´ne Nummer zu hoch für uns. Wir haben immerhin nur einen Hauptschulabschluss. - Uns geht es nur um den einen Satz auf Seite 223.

 

Jens:          Wie war das noch mal ?

 

Thomas:     (liest erneut) „Es ist nicht gut, dass der Mensch allein ist“.

 

Jens:          Und dieser Satz ist nun maßgebend für das, was wir diesmal machen müssen für Robert !

 

Thomas:     So ist es. Exakt so, wie wir das schon sechs mal getan haben.

 

Jens:          Ich weiß nicht; letztes mal war es irgendwie besser. Könnt ihr euch noch

                  erinnern ? In „Ingrid´s letzte Chance“ hatte Thomas Seite 48 ausgesucht.

 

Thomas:     49 !

 

Jens:          48 ! Das weiß ich ganz genau. Und dort stand: „Und Ingrid meinte, sie hätte noch niemals etwas besseres gegessen“.

 

Thomas:     (korrigiert) „Ingrid sagte: Das war das beste Menü seit langem, Olaf.“

 

Robert:      Beides falsch: Es heißt: „Ingrid musste eingestehen, dass sie schon lange nicht mehr so gut gegessen hatte.“

 

Jens:          Mann eh, als wenn das nun nicht egal ist. Es handelte zumindest von gutem Essen.

 

Thomas:     Richtig. Und wir haben Robert dann in das beste Restaurant eingeladen, welches es im Umkreis von 100 km gibt. Hat uns ´ne ganz Stange Geld gekostet.

 

Robert:      Ich weiß – aber diese Regeln mit dem speziellen Satz aus meinem neuesten Buch habt ihr ins Leben gerufen. Und da müsst ihr nun mal durch. Und es hat ja auch immer etwas gebracht. Das Buch hat sich danach gut verkauft.

 

Jens:          Genau. Und da müssen wir auch diesmal durch. Also: Der Satz lautet: „Es ist nicht gut, dass der Mensch allein ist.“ Tja, was können wir damit anfangen ?

 

Robert:      Tja...

 

Thomas:     Mann, das ist doch klar. Robert soll endlich ´ne Frau haben.

 

Robert:      Oh nein, so was mach ich nicht mit.

 

Jens:          Hey, Du hast recht, Thomas. Was soll uns dieser Satz denn auch sonst sagen wollen ? Immerhin bist Du 29 Jahre alt. Es wird höchste Zeit.

 

Thomas:     Es wird allerhöchste Zeit ! Es sind nur noch ein paar Wochen bis zu seinem 30sten Geburtstag.

 

Jens:          Na, das ist doch prima.

 

Robert:      Eh, was habt ihr vor ?

 

Jens:          (zu Thomas) Bis zu Robert´s 30stem Geburtstag suchen wir ihm eine Frau.

 

Thomas:     Hey, das ist genial. Die Idee hätte von mir kommen können.

 

Robert:      (schenkt sich wütend ein, trinkt) Ihr habt ja wohl ´nen Sockenschuss, wa ?!

 

Thomas:     Trinkst Du immer alleine ?

 

Robert:      (schenkt schmollend alle drei Gläser noch mal voll)

 

Jens:          Robert, pass auf. Du hast immer genau gewusst, was dieses Ritual mit sich bringen kann. Und was wir uns auch überlegt haben bislang – Du warst immer einverstanden und hast uns mal geschworen, das Du nichts ablehnst – egal, was wir uns auch für einen Blödsinn ausdenken. – Und es ist uns immer gelungen – bis auf „Die Liebesachterbahn“. Da stand: „Und kaufte ihm ein Schloss in England“.

 

Thomas:     Richtig. Und das konnten wir nun wirklich nicht lösen.

 

Jens:          Und gerade deswegen hat sich das Buch auch nicht gut verkauft.

 

Robert:      (trinkt wieder) Das weiß ich – und ich stehe auch zu unserem Ritual. Aber ihr könnt mir doch keine Frau suchen. Was soll das denn bringen ? Wenn wir uns nicht verstehen – das ist doch Unsinn !

 

Alle:          (sind nun langsam etwas mehr betrunken. Man merkt, dass das Folgende mit „nüchternem“ Kopf so nicht abgesprochen werden würde)

 

Thomas:     (trinkt auch) Da hat er recht, Jens. So geht das natürlich nicht. Das ganze muss Hand und Fuß haben. Und eigentlich ist dieser Satz auch eindeutig.

 

Jens:          Hhmmm, da ist was dran.

 

Robert:      Was soll das nun wieder heißen ?

 

Thomas:     Ich glaub´, ich weiß, was Jens meint.

 

Jens:          (trinkt, überlegt kurz) „Es ist nicht gut, dass der Mensch allein ist“. Für mich ist klar, was diese Worte uns sagen wollen.

 

Thomas:     Wenn ich recht darüber nachdenke – für mich nun auch.

 

Robert:      (trinkt auch wieder) Und dürfte ich das vielleicht auch erfahren ?

 

Jens:          Das muss ´ne Bombenfeste Sache sein ! Wir suchen Dir ´ne Alte mit der Du bis zu Deinem 30sten Geburtstag zumindest verlobt sein musst.

 

Thomas:     Richtig !

 

Robert:      Ha, ich lach mich tot. Da hab´ ich ja auch wohl noch ein Wörtchen mitzureden, oder ?! (schenkt wieder ein)

 

Thomas:     Du musst nur zustimmen. Wir werden Dir schon die Richtige suchen.

 

Jens:          Genau. Hähähähä...

 

Robert:      Das schafft ihr nie ! Darum möchte ich wetten.

 

Jens:          Hey, geile Idee. Lasst uns wetten.

 

Thomas:     Genau. Dann ist der Reiz auch viel größer.

 

Robert:      Ihr seid ja verrückt. Aber wenn ihr gerne verliert. Mir soll´s recht sein. (trinkt)

 

Jens:          Okay, um was wetten wir ?

 

 

 

8. Szene

 

Hanna:       (kommt aus dem Haus, als sie die Anwesenden jedoch sieht, geht sie zurück, lässt die Tür einen Spalt offen, lauscht dem folgenden Dialog)

 

Thomas:     Das ist mir so was von egal. Denn das ist ein Kinderspiel für uns.

 

Jens:          Na, dann schlag´ etwas vor.

 

Thomas:     Na gut. Ich fass´ noch mal zusammen: Jens Schwitters und Thomas Fuchs schaffen es, dass Robert Böttcher bis zu seinem 30sten Geburtstag verlobt ist. Darauf wette ich, Thomas Fuchs... äh -  unseren nagelneuen Trecker und unser 40 Hektar großes Weideland an der Birkenstraße. Und ihr wisst ja, das die Gemeinde daran denkt, genau dort an der Birkenstraße ´ne neue Siedlung zu bauen. Dann könnt ihr euch schon an fünf Fingern abzählen, was das für einen Wert hat...

 

Jens:          Wow, Mensch Thomas. Und der neue Trecker ? Hat der nicht 85 PS ?

 

Thomas:     Das hat er. Ist fünf Wochen alt und hat 46.000 Euro gekostet.

 

Robert:      Mann ey, Du musst Dir ja sehr sicher sein, das Du die Wette gewinnst.

 

Thomas:     Bin ich auch.

 

Jens:          (schnell) Und ich... ich – na ja, Landwirtschaft haben wir leider nicht. Ich weiß eigentlich gar nicht, was ich anbieten soll.

 

Thomas:     Du kannst alles setzen, Jens. Spielt keine Rolle. Wir gewinnen sowieso !

 

Jens:          Ja ? Ja dann – ich setz´ mein neues Auto.

 

Robert:      Das ist ja schon über ein Jahr alt.

 

Jens:          Immerhin besser als Deine Karre.

 

Thomas:     Da hat er recht. Ein Golf ist besser als ein Seat, Robert. Und Dein Cordoba hat ja auch wohl schon ein paar Jahre mehr auf ´n Buckel, oder ?!

 

Robert:      Ja ja, mir soll´s recht sein,. womit ich in Zukunft durch die Gegend fahr´.

 

Thomas:     Ha, hör ihn Dir an, Jens. – Wir verloben Dich ! Das ist so sicher wie das Amen in der Kirche !

 

Robert:      Ja klar. Träumt ihr nur weiter.

 

Jens:          Hey, Du bist dran. Was setzt Du denn dagegen, Robert ?

 

Robert:      Wogegen ?

 

Hanna:       (hat mittlerweile einen Bogen Papier geholt und schreibt eifrig mit. Außerdem hat sie ein Diktiergerät eingeschaltet. Die drei Männer sehen sie jedoch nicht)

 

Jens:          Mann ey, wenn wir es doch schaffen !

 

Robert:      Achso... na ja, ich will ja kein Spielverderber sein. (überlegt)

 

Thomas:     Na nun mach schon. Aber was vernünftiges. Ich meine, das Land, der Trecker und der VW-Golf... da musst Du schon was Gutes dagegen setzen, sonst läuft das nicht.

 

Robert:      Ja ja, ich bin ja nicht blöd. Passt auf ! Solltet ihr es wirklich schaffen und mich verkuppeln; sollte ich wahrhaftig verliebt sein und es ehrlich meinen mit dieser Frau, und sollte das Unmögliche eintreten und ich bin so gut wie verlobt noch bevor ich 30 werde, dann...

 

Jens:          Ja ?

 

Robert:      ...dann kriegt ihr beiden jeden einzelnen Euro von meinem neuen Roman.                              

 

Jens:          Wow !

 

Thomas:     Moment. Und wenn das ´n Flop wird ?

 

Robert:      Wird es ganz sicher nicht. Es gibt bislang schon 8000 Vorbestellungen. Außerdem weißt Du, wie oft „Ingrid´s letzte Chance“ sich verkauft hat. (schenkt wieder ein)

 

Thomas:     Das letzte Buch ? - Waren das nicht...

 

Robert:      13.600 Stück bisher, glaub´ ich.

 

Jens:          Na, das ist ja schon was.

 

Thomas:     Und äh – wenn ich mal so direkt fragen darf – wie viel gibt es denn für den Autor, wenn ein Exemplar verkauft wird ?

 

Jens:          Wenn es nur ein Euro ist, lohnt das doch schon.

 

Robert:      Oh, das ist weit mehr als ein Euro.

 

Thomas:     Na denn – das ist ein faires Angebot.

 

Jens:          Hhmmm, das find ich auch.

 

Robert:      Und Prost. (setzt das Glas an)

 

Thomas:     (hält ihn zurück) Moment. Erst mal müssen wir das hier absegnen.

 

Alle:          (stehen auf, nehmen ihre Gläser in die Hand)

 

Thomas:     Wir haben nun zum siebenten Mal das Böttchersche Ritual angefangen und wollen es auch diesmal zuende bringen in den nächsten Wochen. Die Aufgabe ist allen bekannt und was jeder dagegen wettet ist dem anderen auch klar. Auf das Ritual – und auf Robert seine zukünftige Frau !

 

Jens:          (und Robert gleichzeitig) Auf das Ritual und auf Robert´s Frau.

 

Alle:          (drei strecken die linke Hand dann nach oben, treffen sich in der Mitte, trinken dann)

 

Jens:          Boah, wenn wir jetzt nicht mit dem Saufen aufhören, dann... dann...

 

Robert:      (fängt plötzlich an zu lachen, lacht immer lauter und lauter)

 

Jens:          Hey, was ist denn mit Dir los ? Geht es Dir nicht gut ?

 

Robert:      Oh Jungs... diese Wette ist dieses Mal total blödsinnig. Wer soll das hier denn glauben ? Morgen haben wir wieder ´nen klaren Kopf und können gar nicht fassen, was wir uns hier für ´n Quatsch ausgedacht haben.

 

Thomas:     Was soll das denn jetzt ? Ich denk wir sind Freunde und stehen zu unserem Wort ?

                  (schenkt wieder allen dreien ein)

 

Robert:      Das war bisher so, aber diese Sache hier... ich und verlobt – ha... was wollt ihr denn machen, wenn ich das einfach nicht mitmache ? Wir haben gar nichts aufgeschrieben und wir haben keinen einzigen Zeugen für das, was wir hier besprochen haben. Also ? Vergesst das besser schnell wieder. (lacht)

 

Alle:          (stehen noch, haben wieder ihre gefüllten Gläser in der Hand)

 

 

 

9. Szene

 

Hanna:       (platzt in die Mitte) Oh nein, Robert Böttcher. Ich bin Zeuge. Ich hab´ alles gehört – und hier hab´ ich alles notiert! (zeigt den Block, dann ein Diktiergerät) Und hiermit hab´ ich alles aufgenommen. (nimmt Jens das Glas weg) Die Wette gilt. Basta ! - Und Prost. (trinkt)

 

Robert:      (Thomas und Jens schauen verblüfft drein; Thomas und Robert wollten gerade die Gläser ansetzen, die sie nun gemeinsam vor Schreck fallen lassen)

 

Vorhang

 

 

Ende des ersten Akts

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Zweiter Akt

 

                  (ca. 14 Tage später. Ein Samstag in den Abendstunden. Auf der Bühne stehen nun ein paar Gartenstühle mehr oder eine Gartenbank. Irgendwo – etwas abseits - ein Grill, Kohle u.a. Der Garten ist des weiteren mit einigen Lampions und Girlanden dekoriert. Wenn der Vorhang sich öffnet, ist kein Spieler auf der Bühne)

 

1. Szene

 

Margot:     (kommt aus dem Haus, ihr folgt Petra. Margot trägt ein dünnes Kopftuch, darunter Lockenwickler. Petra hat eine kleine Plastiktüte in der Hand mit Wurstresten) Schau mal, Petra. Das ist schon nach sieben Uhr. Gegen halb acht soll die Grillparty hier doch beginnen.

 

Petra:         (ein bisschen traurig) Ich glaub´, Du willst das gar nicht hören, wie Morle und Puschi gestern miteinander gekämpft haben.

 

Margot:     Oh doch. Zu gern. Die Geschichten von Deinen Katzen interessieren mich doch immer wieder; das weißt Du doch. Aber Du musst Dich doch auch sicher noch umziehen für das Fest, oder ?!

 

 Petra:        Ja sicher. Ich will doch heute Abend einen ganz besonders guten Eindruck machen. Vor allem auf Robert.

 

Margot:     Siehst Du ?! Und dazu haben wir jetzt nur noch knapp eine halbe Stunde Zeit. (dann plötzlich) Was sagst Du ? Auf unseren Robert willst Du einen guten Eindruck machen ? Warum das denn?

 

Petra:         Ja. (geniert sich ein wenig) Weil er mich doch schon seit Jahren so lieb hat und mir das nicht sagen mochte bisher.

 

Margot:     So ? Wer sagt das denn ? Er selbst ?

 

Petra:         Nein, Robert traut sich wohl nicht, mir das endlich zu sagen. Thomas Fuchs hat mir das erzählt.

 

Margot:     Thomas – soso.

 

Petra:         (schwärmt) Ach, Tante Margot – Du als meine Schwiegermutter und ich als Frau von einem berühmten Romanschreiber. Und dann lebe ich hier immer bei euch. Ich mit meinem Robert und meinen 18 Katzen.

 

Margot:     (etwas verwirrt) Ja, also – ich denke, Du solltest da erst mal nichts überstürzen, Petra. Vielleicht hast Du Dich auch verhört, und Thomas hat eine ganz andere gemeint – ist doch auch möglich, oder ?

 

Petra:         Nein nein, ich bin ja nicht blöd, ja ! Thomas hat ganz deutlich gesagt: Robert Böttcher – das Auto!

 

Margot:     Der Autor, meinst Du ! Das heißt soviel wie „Schriftsteller“.

 

Petra :        Ja genau !

 

Margot:     Ja wenn das so ist... heute Abend sind wir ja alle beieinander. Dann werden wir das ja auch sicher erfahren, denke ich.

 

Petra:         (nickt zustimmend, seufzt glücklich, dann schon abgehend) Hhmmm... – ich zieh mich dann auch mal um. Bis nachher denn – und – besten Dank für die Wurst. Meine Katzen werden sich freuen. Alle. (zählt dann wieder auf:) Puschi und Minka und Grissly und Adelheid und... (abgehend)

 

Margot:     Bitte bitte. (schiebt sie nach hinten, schüttelt den Kopf unverständlich, als Petra ab ist – immer noch die Namen der Katzen aufzählend - will sie schon wieder ins Haus, als...)

 

 

2. Szene

 

Emil:          (...aus dem Haus kommt, eine Krawatte um den Hals trägt, in dem er verzweifelt einen Knoten binden will) Margot, kannst Du einen Knoten binden ? Diese verdammten Krawatten. Wer hat sich das nur ausgedacht ? Diese Fertigbinder mit Klipp, die waren viel besser.

 

Margot:     Emil – Du brauchst keine Krawatte. Das ist nur ´ne Grillparty mit unseren neuen Nachbarn – keine Hochzeit.

 

Emil:          Du hast aber doch gesagt, ich soll mich so anziehen, wie sich das gehört.

 

Margot:     Ja. Aber ein Schlips ist wirklich nicht nötig. – Ist ja sowieso ein Wunder, dass dieses Grillen überhaupt noch stattfindet. Vor knapp 14 Tagen sollte das schon sein. (äfft Rosemarie nach) „Ich muss so was planen; das geht leider nicht so schnell – das versteht ihr doch sicher, oder?!“ – Wenn ihre Salate so schmecken wie ihr Charakter, dann holen wir uns hier heute Abend ´ne Magenverstimmung.

 

Emil:          Und bitte kein Fleisch aus dem neuen Supermarkt. Also, das kann ich nicht essen. Das hätte ich ihr auch noch sagen wollen.

 

Margot:     Das sehen wir ja, Emil. – Du, sag mal, hast Du gewusst, dass unser Robert ernste Absichten mit Petra hat ?

 

Emil:          (nimmt die Krawatte ab) Was für ´ne Petra ? Petra Hoffmann ? Katzen-Petra ?

 

Margot:     Ja. Katzen-Petra.

 

Emil:          Nun hör aber auf – wer sagt denn so was ?

 

Margot:     Na, Katzen-Petra selbst.

 

Emil:          Ja dann... (ironisch) Dann wird´s wohl stimmen. - Wenn ich ganz ehrlich bin, Margot – diese Petra läuft hier so und so zuviel bei uns herum. Ja, ich weiß – sie ist ´ne arme Seele und hat sonst niemanden. Aber Du siehst ja selber, was dabei herauskommt – nun setzt sie sich schon in den Kopf, das sie unseren Robert haben kann.

Margot:     Vielleicht hast Du ja recht. Aber Robert wird 30 – so langsam muss er sich doch mal um ´ne Frau kümmern; meinst Du nicht auch ?

 

Emil:          Von mir aus. Aber Katzen-Petra müssen wir doch nicht unbedingt als Schwiegertochter kriegen, oder ?!

 

Margot:     (barsch) Ach Gott Emil – soweit ist es ja nun wirklich noch nicht. – Ich muss nun erst mal mein Haar in Fisson kriegen, sonst macht das ´nen schlechten Eindruck auf unsere neue Nachbarin.

 

Emil:          Fasson, Margot ! Fasson heißt das !

 

Margot:     Ja ja, Du Schlaumeier. (schaut ihm auf die Beine) Und Du ziehst am besten die andere Hose an. Weißt doch – die blaue* (*nennen Sie die Farbe der Hose,  welche Emil später wirklich trägt) Die steht Dir viel besser. (ab ins Haus)

 

Emil:          Wie Du meinst, Margot. (seufzend ihr hinterher ab ins Haus)

 

                  (kurze Pause)

 

 

 

3. Szene

 

Thomas:     (und Jens kommen gemeinsam von hinten, wirken etwas verzweifelt) Wer hätte denn auch gedacht, dass das so kompliziert ist?

 

Jens:          Zum Teufel aber auch. Wir haben nur noch knapp zwei Wochen. Und was haben wir erreicht in dieser Zeit ? Nichts !

 

Thomas:     Wir müssen mit dieser Hanna sprechen; das nützt nichts. Die muss einsehen, dass wir betrunken waren und somit ist das Abkommen gar nicht gültig.

 

Jens:          Darauf lässt die sich nicht ein – auf gar keinen Fall. Hast Du nicht gesehen, wie ihre Augen geglänzt haben ? Der macht das doch Spaß, wenn sie uns untergehen sieht.

 

Thomas:     Wieso ist das denn so problematisch, einen jungen Mann, der Bücher schreibt, im besten Alter ist und dazu auch noch gut aussieht, an eine Frau zu bringen ?

 

Jens:          Lass´ uns noch mal zusammenfassen: Was haben wir unternommen bisher ?

 

Thomas:     Na, erst mal hab´ ich Katzen-Petra auf Robert angesetzt. Die ist ja schon völlig hin und weg, seit sie weiß, das Robert sie mag.

 

Jens:          Ja. Aber was nützt das, wenn die Liebe nur von einer Seite kommt, und Robert noch gar nichts von seinem Glück weiß ?

 

Thomas:     Hast ja recht. – Aber wir haben auch zwei Kontaktanzeigen aufgegeben. Ist nur zu dumm, dass sich da bislang nur eine einzige Frau drauf gemeldet hat. (kramt aus seiner Hosentasche einen Bogen Papier heraus)

 

Jens:          Da können aber doch noch Reaktionen kommen, oder ?

Thomas:     Wann denn noch ? Wir haben keine Zeit mehr. Mensch, glaubst Du denn, ich will unseren neuen Trecker und 40 Hektar Land verlieren ?

 

Jens:          Glaubst Du, ich hab´ Lust in Zukunft mit dem Fahrrad zu fahren, nur weil ich meinen Golf gesetzt hab´ ? --- Was schreibt die Tussi noch mal ? - Lies vor !

 

Thomas:     (liest:) „Deine Anzeige hat mich sehr angesprochen. Ja, wenn ich ehrlich bin, könnte diese sogar von mir sein“.

 

Jens:          (ironisch) Na super. So was hätte ich auch geschrieben, wenn ich als alte Taube keinen Kerl abbekommen hätte.

 

Thomas:     Moment. Sie schreibt: „Ich bin 26 Jahre alt, humorvoll, einfühlsam und kreativ, und würde sehr gerne näher mit Dir in Kontakt treten“. – So ´ne alte Taube kann es also nicht sein.

 

Jens:          Dann sieht sie sicher aus als wie ein eingedrückter Margarine-Becher. - Was ist mit Kinder ? Und wieso hat die mit 26 noch keinen Mann ? Da stinkt doch was.

 

Thomas:     (zuckt mit den Schultern) Hier steht nur noch: „Anbei meine Handynummer; vielleicht meldest Du Dich ja mal bei mir – würde mich freuen“.

 

Jens:          Das ist alles ? Kein Name ? Keine Adresse ? Nichts?

 

Thomas:     Kein Name, keine Adresse – nichts !

 

Jens:          Und was machen wir nun damit ?

 

Thomas:     Ich hab´ doch schon reagiert. Hatte ich Dir das noch nicht erzählt ?

 

Jens:          Nein.

 

Thomas:     Ich hab´ ihr mit meinem Handy ein paar SMS gesandt.

 

Jens:          Wieso erfahr´ ich das jetzt erst ?

 

Thomas:     Ist eben so – sei froh, das zumindest einer von uns etwas unternimmt; und nun sei still.

 

Jens:          Und ? Hat sie geantwortet ?

 

Thomas:     Das ist es ja – nicht ein mal !

 

Jens:          Merkwürdig. – Was hast Du denn geschrieben ?

 

Thomas:     Na ja, was man eben so schreibt, wenn man SMS verschickt und sich kennen lernen will.

 

Jens:          Was genau, Thomas ?

 

Thomas:     (druckst herum) Na ja... ach, was soll ich Dir da großartig erzählen ?

Jens:          Hast Du die Dinger gespeichert, die Du ihr geschrieben hast ?

 

Thomas:     Ja wieso ?

 

Jens:          (bestimmend:) Her mit dem Handy !

 

Thomas:     Mann eh... (holt es schließlich hervor, gibt es ihm dann ein wenig mit Widerwillen)

 

Jens:          (hat es ihm schon entrissen, drückt einige Tasten, liest dann die gespeicherten SMS vor:) „Ich liebe Dich, Du geile Schnecke. Lass uns die Hühner satteln und nach Las Vegas reiten“. (schaut ihm ungläubig an) Sag mal, tickst Du noch ganz richtig ? (drückt wieder einige Tasten des Handys) „Antworte doch bitte, Du heißer Feger – mein Bleistift ist vor Sehnsucht und Trauer schon ganz kurz“. (gibt ihm das Handy zurück, ist sprachlos)

 

Thomas:     Na, er ist doch Autor, dann kann man doch was von einem Bleistift schreiben.

 

Jens:          (glaubt es kaum) Sicher. Man kann es aber auch falsch verstehen, wenn Du von einem Bleistift schreibst, welcher schon ganz kurz ist vor lauter Sehnsucht, Du Dussel.

 

Thomas:     (dann nach einer kleinen Pause) Zumindest hab´ ich es versucht.

 

Jens:          Na, Du bist vielleicht ´n Romantiker. Und dann wunderst Du Dich auch noch, wenn die nicht antwortet ?

 

Thomas:     Du hättest es natürlich anders und viel besser gemacht, nicht wahr ?!

 

Jens:          Ja, das hätte ich auch. (dann ganz poetisch:) „Ich denke den ganzen Tag an Dich und würde Dir gerne Deinen Lieblingsstern vom Himmel holen, wenn das nur möglich wäre“. - So was hätte Sinn und Verstand gehabt.

 

Thomas:     (ironisch) Ja super. Auf so ´n Scheiß wäre sie sicher angesprungen.

 

Jens:          (überzeugt) Das denke ich auch. – Mann, wie kann ein einziger Mensch nur mit soviel Blödheit bestraft sein ? Diese Chance ist komplett dahin!

 

Thomas:     Moment – noch nicht ganz. Ich hab´ ihr gestern geschrieben, das ich ein neues Handy hab´ und auch ´ne neue Nummer. Und die hab´ ich ihr dann auch geschickt.

 

Jens:          Und was für ´ne Nummer ist das bitte ?

 

Thomas:     Na, die Nummer von Robert´s Handy natürlich.

 

Jens:          Und Du denkst, das sie darauf dann plötzlich antwortet ? – Du bist doch echt der Trottel Nr. 1 hier im Dorf. Kein Wunder, das Du selbst noch keine Frau hast.

 

Thomas:     Danke, Du Monster. (Pause) Okay okay – es tut mir leid. Ich hab´ es vermasselt, na und ? Kann doch passieren. – Und was machen wir jetzt ?

 

 

4. Szene

 

Hanna:       (ist während der letzten Sätze aus dem Haus gekommen, hat eine große Schüssel Salat in der Hand, die mit Folie abgedeckt ist, sowie Pappteller und Besteck. Belustigt:) Hallo zusammen. – Was denn ? Nicht gut drauf heute ? - Nicht aufgeben. Ein paar Tage habt ihr ja noch. (stellt die Schüssel auf dem Tisch ab, verteilt Teller und Besteck während der nächsten Sätze)

 

Jens:          Na super. Hanna Schönfeld. Du hast uns hier gerade noch gefehlt.

 

Hanna:       Entschuldigt – aber ich wohne hier.

 

Thomas:     Dir allein können wir es verdanken, wenn wir unser Hab und Gut verlieren.

 

Jens:          Genau !

 

Hanna:       Moment mal. Wer hat denn Auto, Trecker und das ganze Bauland gesetzt ? Das ward ihr ja wohl selber. Und wie sicher ihr euch ward, das ihr ´ne Frau für Robert findet – Mann, was habt ihr auf ´n Putz gehauen. – Und jetzt ? Jetzt ist es doch komplizierter als ihr gedacht habt, wie ?!

 

Jens:          Wenn Du nicht hinter der Tür gestanden hättest um zu lauschen, dann hätten wir im nüchternen Zustand diese Wette wieder für ungültig erklärt.

 

Hanna:       So betrunken ward ihr nun auch wieder nicht. (sehr ironisch) Wo ist denn euer Problem, Jungs ? Ich denke, das ist ein Kinderspiel, Robert Böttcher zu verkuppeln. Oder mag er die Frauen alle nicht, die ihr ihm schon angeboten habt ?

 

Thomas:     Das geht Dich gar nichts an – und nun verschwinde hier.

 

Hanna:       (erbost) Ich muss doch bitten. Das hier ist der Garten von Familie Böttcher, den wir als Nachbarn auch benutzen dürfen. Und wir grillen hier gleich. Wenn hier also jemand verschwindet, dann sind ihr das ja wohl – weil ihr nämlich nicht eingeladen seid !

 

Jens:          (dann ruhiger zu Thomas:) Das ist es was ich meine.

 

Thomas:     Was ?

 

Jens:          Die meisten Frauen sind alte Tiffen. Die quarken nur herum und lassen sich auch nichts mehr sagen heutzutage. Ist das denn ein Wunder, das es so viele Singles gibt? Wer will denn als Mann den ganzen Tag so ´ne Quarktasche im Haus haben?

 

Hanna:       Oh danke.

 

Jens:          Bitte bitte !

 

Hanna:       (abgehend ins Haus) Du solltest schon mal Deinen Golf abmelden, Jens. Und Du Thomas, kannst ja schon mal Dein Land vermessen lassen – wie viele Bauplätze das letzten Endes werden. (belustigt ab)

 

 

5. Szene

 

Jens:          Was für ´ne Schabracke !

 

Thomas:     Wenn das die einzige Frau wäre auf der Welt, dann würde ich lieber schwul werden.

 

Jens:          Ja, ich auch. Aber mit meiner Rita hab´ ich es ja eigentlich ganz gut getroffen.

 

Thomas:     Keinen Streit ?

 

Jens:          Ab und zu – aber das hält sich in Grenzen.

 

Thomas:     Nicht zu fassen, dass des so was überhaupt gibt.

 

 

 

6. Szene

 

Robert:      (kommt aus dem Haus) Hey Jungs – alles paletti ?

 

Beide:        (stehen auf, falls sie saßen, spielen ihre gute Laune vor)

 

Thomas:     Hallo Robert. Sicher ist alles paletti – wenn wir uns noch besser fühlen würden, könnten wir es sicher gar nicht aushalten.

 

Jens:          Genau.

 

Robert:      Na, das freut mich aber. (holt dann sein Handy aus der Hosentasche, drückt einige Tasten; zu den beiden:) Entschuldigt – ich hab´ ´ne SMS bekommen. (liest)

 

Thomas:     (sowie Jens recht verwundert) Aha. Was... äh... was interessantes ?

 

 

 

 

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