Lange danach gesucht - auf Ibiza 2012 endlich gefunden
Musiker gesucht

"Koffein un sexy Kleeder"

Komödie in 3 Akten

 

von

 

Helmut Schmidt

 

 

 

 

 

Inhalt:

 

Das junge Ehepaar Thorsten und Manuela Schröder feiert den ersten Hochzeitstag. Thorsten hat zu diesem Anlaß ein üppiges Abendessen vorbereiten. Er ist sehr glücklich, dass seine Frau ihn auch nach langer Arbeitslosigkeit nicht verlassen hat. Doch dann liest Thorsten in der Tageszeitung ein verlockendes Stellenangebot einer Kaffee-Firma. Er bewirbt sich telefonisch und bekommt prompt den Job. Doch anstatt der versprochenen Kaffee-Proben werden ein paar Tage später Erotik-Artikel ins Haus geschickt. Thorsten kann sich den Irrtum nicht erklären. Manuela ist außer sich vor Wut, glaubt Thorsten nicht. Sie denkt, er brauche nun Ersatz, da sie seit einigen Wochen schwanger ist. Zu allem Ärger zieht auch noch Thorstens Schwiegermutter bei den beiden ein, diese hat große Probleme mit ihrem Mann. Dann taucht endlich ein Vertreter auf; und Thorsten denkt, alles klärt sich nun auf. Dieser ist jedoch von der Firma „Ero“ und nicht, wie Thorsten dachte, von „Timann-Kaffee. Dieser will Thorsten natürlich auch nichts vom Marketing in punkto Koffein erzählen, sondern Aktfotos von Thorsten machen zusammen mit einer Prostituierten für den neuesten Erotik-Katalog, indem Thorsten etwas später auch prompt abgelichtet steht in einer recht eindeutigen Situation. Was ist hier los bei dem jungen Ehepaar? Wer steckt dahinter? Ist es eine dumme Verwechslung oder will irgendwer sich rächen an Thorsten und Manuela Schröder ?

 

 

Spieler:      4m / 5w    1 Bühnenbild-Wohnküche/Büro

                 

 

 

Thorsten Schröder      - (25-35 Jahre)

 

Manuela                      - seine Frau (25-30 Jahre)

 

Larissa Köster            - ehem. Freundin von Thorsten (25-30 Jahre)

 

Georg Hansen            - Vater von Manuela (ca. 50 Jahre)

 

Sigrid                          - seine Frau (ca. 50 Jahre)

 

Edda Papendick         - Nachbarin (30-50 Jahre)

 

Rolf Wuttke               - Freund von Thorsten (25 – 35 Jahre)

 

Chucky Kaiser            - Mitarbeiter einer Erotik-Firma (20 - 40 Jahre)

 

Tamara                        - Mitarbeiterin einer Erotik-Firma (20 – 40 Jahre)

 

 

 

 

Spielzeit:

Sommer in der Gegenwart

 

Spielort:

Dorf in Norddeutschland

 

Spieldauer:

Ohne Pausen ca. 100 Minuten

 

 

Bühnenbild:

 

Das Wohn- und Arbeitszimmer von Thorsten und Manuela Schröder. Es ist hübsch und modern eingerichtet mit Schrank, Tisch und Stühlen u.a. rechts und links steht ein Schreibtisch, darauf ein Computer, Ordner und anderes Büromaterial. Es werden zwei Türen benötigt. Eine führt nach draußen, die zweite zur Küche, Schlafzimmer und den anderen Räumen. Im Stück wird für die Tür, die nach draußen führt jeweils "hinten" angegeben, für die andere "rechts". Alle weiteren Austattungen wie Regale, Fenster, Blumen u.a. ist der Spiel-Gruppe überlassen.

 

 

Erster Akt

 

                  (Wenn der Vorhang sich öffnet liegt auf dem Tisch eine schicke Decke; die Tür nach rechts ist geöffnet. Es ist zunächst kein Spieler auf der Bühne. Ein Spätnachmittag an einem Wochentag)

 

1. Szene

 

Thorsten:   (trägt eine weiße Küchenschürze, kommt von rechts herein mit zwei Tellern und Besteck; deckt den Tisch. Er ist etwas in Eile; man sieht ihm an, daß er stolz ist auf sein "Werk", welches auf dem Tisch entsteht. Geht wieder ab, holt dann Servietten, Kerzenleuchter mit Kerzen u.a. nach, stellt dieses auch auf den Tisch) So. (zündet die Kerzen an, schaut auf die Uhr, sieht dann an sich herunter)  Hhmmm..., dat recht Outfit  hört daar ja ok woll to. (wieder ab nach rechts)

(kurze Pause, dann klingelt es an der Tür)

 

Thorsten:   (kommt aufgebracht wieder von rechts im Unterhemd, zieht sich soeben es frisches Oberhemd an, sieht beim Hereinkommen wieder auf die Uhr) Oh nee... se is to fröh. Wat maak ik denn nu ?

(es klingelt erneut)

 

Thorsten:   (geht zur Tür nach hinten) Oh Schatz, Du büst 20 Minüten to fröh. Anners büst
Du doch ok nich vör five daar. (öffnet)

 

2. Szene

 

Larissa:      (kommt herein. Eine hübsche junge Frau, recht nobel gekleidet) Hallo.

 

Thorsten:   Och, Du büst dat.

 

Larissa:      Sieht wenher nömst Du mi denn wedder "Schatz" ?

 

Thorsten:   Gor nich mehr. Ik weer doch in de Glov, Manuela stunn vör d' Döör.

 

Larissa:      Un ? Hett de denn keen Slödel ?

 

Thorsten:   Doch. Man de hangt hüüt an 't Brett.

 

Larissa:      (sieht den hübsch gedeckten Tisch) Oooh..., wat schall hier denn passeeren ?
Ward dat amenne 'n Candle-Light-Dinner ?

 

Thorsten:   Na ja, ik hebb mi docht – wiel Manuela un ik hüüt doch genau 'n Johr mitnanner
verhierat sünd.

 

Larissa:      Romantisch. Find ik toll, dat Di as Keerl sowat infallt.

 

Thorsten:   Na, hör mol. Een Johr mitnanner verhierat, dat is doch dat mindste, wat ik maken kann, wor Manuela doch jümmers to mi holen hett. Dat haren männig anner Fronslüüd nich dohn.

 

 

Larissa:      Wat meenst Du ?

 

Thorsten:   Na, een Mann hierat, de dörch 'n Unfall sein Beruf nich mehr maken kann, as Mürker. Un de nu al over twee Johr arbeitslos is.

 

Larissa:      Ik harr dat ok dohn. För Di tomindst.

 

Thorsten:   Bitte Larissa. Warm nich oll Geschichten op. Wi sünd good Fründen, Du un ik un
Manuela. Al vergeeten ?

 

Larissa:      Is ja good. Ik segg doch blots, dat ik dat ok dohn harr. – Treck Di man erstmol richtig an; anners kummt Manuela noch op verkehrte Gedanken, wenn se Di so sücht, un ik ok hier bün.

 

Thorsten:   Bestimmt nich ! (knöpft das Hemd zu, steckt es in die Hose. Während er die Hose dazu öffnet, dreht er sich um)

 

Larissa:      Och Gottchen; schamst Di doch woll nich vör Dien Ex, oder ? Ik kenn jeede Körperdeel van Di.

 

Thorsten:   Äh..., de hest Du kennt. Man verannert sik mit de Johren, Larissa.

 

Larissa:      (ironisch) Ja seeker. – Segg mol, Du hest doch 'n Umschulung maakt. Is daar denn gor keen Utsicht op Arbeit ?

 

Thorsten:   (glücklich) Na, dat is doch just mien Overraschung för Manuela. Mandag fang ik an.

 

Larissa:      Wat ? Wor ?

 

Thorsten:   (auf einem Schrank oder auf dem Schreibtisch liegt eine zusammengefaltete Tages-
zeitung. Thorsten holt sie her, zeigt Larissa diese) Hier.

 

Larissa:      (liest etwas ungläubig vor) "Verdienen Sie viel Geld in wenig Zeit. Seriöses
Unternehmen sucht Akt-Modelle, Verkäufer von Erotik-Artikeln..."

 

Thorsten:   (der bei Larissa's erstem Satz noch stolz und glücklich dreinschaute, macht jetzt
ein verärgertes Gesicht) Och, dat doch nich. (zeigt es ihr) Hier; dat wat anstreeken is.

 

Larissa:      Ochso... (liest wieder) "Wetten, dass Sie anrufen ? Dynamische Arbeitnehmer
gesucht. Verdienen Sie bis zu 2000,- Euro netto monatlich. Telefon" – so und so.
Un daar hest Du anroopen ?

 

Thorsten:   Klor. Stunn vör good 'n Week al in 't Blatt. – Un ik hebb de Job. Is dat nich
irre ?! Un Manuela schall dat hüüt avend gewohr warrn. Een Johr verhierat, jümmers glücklik mitnanner, un ik hebb endlich wedder Arbeid.

 

Larissa:      Prima. Un wat is dat för 'n Bedriev ?

 

Thorsten:   'n heel Neijen. Hett ehr Sitz in München. De Firma heet Thiemann. Se hebbt 'n
heel neije Sort Koffje op ´n Markt bröcht. Du schallst man sehn. Een poor Maant, dann hebbt Jacobs, Onco, Melitta un wo se al heeten, stark Konkurenz in d' Nacken.

 

 

 

Larissa:      Aha. Un dat is ok würklich 'n lukrativen Saak ? Ik bün bi sücke Anzeigen jümmers vörsichtig.

 

Thorsten:   Bestimmt. (schaut auf die Uhr) Larissa, wees mi nich düll; ik mööt nu wieder.
Manuela kann jeeden Moment komen. Un dann schall doch allns klor ween. (will schon ab nach rechts) Ik hebb de Potten doch op ´n Herd.

 

Larissa:      Wat zauberst Du denn, wenn ik mol fragen dörv ?

 

Thorsten:   Nix besünners. Rahmschnitzel mit Rotkohl un Kroketten. Tomatensalat
un Cremespeise achteran. (ab, Tür bleibt geöffnet)

 

Larissa:      (allein:) Na, dat klingt doch lecker. Un wenn man bedenkt, dat Du kokt hest...
(schaut nochmal in die Zeitung, überlegt)

 

Thorsten:   (ruft von dort:) Ik mööt mi ok noch 'n anner Büx antrecken, Larissa.

 

Larissa:      (ruft zurück) Ja ja. Laat Di Tied. Ik gah al. (kurze Pause. Larissa liest nochmal
die Annonce in der Zeitung, geht dann nach rechts, schließt vorsichtig die Tür,
geht dann zum Telefon, wählt aus der Zeitung eine Nummer, wartet. Ab und
zu schaut sie etwas verängstigt nach rechts, ob Thorsten evtl. herauskommt,
dann bekommt sie Anschluß) Hallo ? Schröder hier. Ik harr gern de
Personalchef. Se sünd persönlich dran ?! – Na, dat is ja noch beeter. Passen Se
op. Dat geiht um Thorsten Schröder – mien Mann. He hett sik vör good 'n Week
bi Ehr meld op de Annonce. (wartet kurz) Ja genau. Ja seeker, blots – daar is wat
twüschenkomen. He hett tomol wedder Arbeit in sien oll Beruf kregen. Deiht mi leed; man Se möten leider op em verzichten. – He sülmst ? Nee, dat geiht leider nich.
He arbeid ja al wedder. Un dorum hett he mi extra utdrücklich dorum bitt', dat ik
Se hüüt anrooop. Ja. Dat is fründlik. Danke. (legt auf, lacht hinterlistig, zu
sich selbst:) Schad, Herr Thorsten Schröder; man ut de Koffje-Job kann leider nix
warrn. Aver wi finden noch wat anners för Di.

(es klingelt wieder an der Tür)

 

Larissa:      (etwas unsicher)

 

3. Szene

 

Thorsten:   ("stürmt" wieder ins Zimmer, geht zur Tür nach hinten, sieht dann erst Larissa) Hey, Du büst ja jümmers noch daar.

 

Larissa:      Ja, bün ik.

 

Thorsten:   Gift dat 'n besünnern Grund, dat Du hier büst ?

 

Larissa:      Allerdings. Dat geiht um twee Saken.

 

Thorsten:   (etwas genervt) Okay. Moment even, ja ?! (öffnet die Tür)

 

4. Szene

 

Sigrid:       (eine energische Person, steht im Mantel, mit Hut und Koffer vor der Tür) 'n avend, mien Jung. (ist schon eingetreten)

 

Thorsten:   (kann gar nicht so schnell reagieren, mehr geschockt als erfreut)  Swiegermudder. Sowat.

 

Sigrid:       Och, moin Larissa.

 

Larissa:      Moin, Fro Hansen.

 

Sigrid:       (setzt den Koffer ab, zieht den Mantel schon aus, nimmt den Hut ab)

 

Thorsten:   (hat die Tür wieder geschlossen) Dat is echt 'n Overraschung, dat Du uns besöcht,
aver...

 

Sigrid:       Van Besöken kann overhopt keen Red ween, mien Jung. Ik hebb al veel dörchmaakt; man wat to wiet geiht, geiht to wiet. – Ik bün würklich de Ruh sülmst. Un een Fro, de goodmoodige is as ik, de mööt erst erfunden warrn. Man jichenswenher platzt ok mi mol de Krag.

 

Thorsten:   Klingt interessant.

 

Larissa:      Se hebbt Arger mit ehrn Mann. Hebb ik recht ?

 

Sigrid:       Na, Du kennst de Geföhle van de Fronslüüd. – Arger is gor keen Utdruck. Erstmol hett mien dusselig Georg doch tatsächlik uns 28ste Hochtiedsdag vergeeten.

 

Thorsten:   Ochja, ji hebbt ja ok hüüt. Ik graleer ok.

 

Sigrid:       Man to d' Krönung van disse Saak, krieg wi hüüt van d' Post 'n Paket. Adresseert
an Georg Hansen, Tulpenstraat 19 in Neidörp. Hett also allns sien Richtigkeit. Un
nu rad mol, wor dat Paket her keem.

 

Thorsten:   (und Larissa zucken die Schultern)

 

Sigrid:       Van Beate Uhse. Dissen Swienjack. Wenn he mol een over d' Döst drinken deiht; of op 'n Ball mol mit ´n annner Fro danzt – nie nich hebb ik een Woord seggt; man dat... – igitt, kann ik blots seggen.

 

Thorsten:   Wat weer daar denn in – in dat Paket ?

 

Sigrid:       Jung; Du glövst doch nich ernsthaft, dat ik daar inkeeken hebb ? So 'n Dreck.

 

Larissa:      Och, Fro Hansen, nehmen Se dat nich so swor. Jichenswenher komen Mannslüüd in dat Oller, dann wüllt se nochmol genau weten, wo jung knackig Fronslüüd nakend utsehnt. Un solang dat bi Booken un Filme blifft;is daar doch nix tegen to seggen.

 

Sigrid:       Tss..., mien Georg is 'n ollen Buck - dat liggt ja woll op de Hand.

 

Thorsten:   Na, so de ik dat nu aver ok nich utdrücken. Swiegervadder is jümmers 'n anständig Keerl ween. Viellicht liggt daar ja 'n Verwesselung vör.

 

Sigrid:       Verwesslung ? Ha, dat ik nich lach.

 

Thorsten:   Tja..., un wat hest Du nu vör, ik meen... (deutet auf den Koffer, ahnt böses)

 

 

Sigrid:       Forts mörgen gah ik na 'n Anwalt un riek de Scheedung in. Un bit allns klort is,
vanwegen de finanziell Saken, treck ik erstmol bi jo in.

 

Thorsten:   B i t t e ?

 

Larissa:      (muß lachen)

 

Sigrid:       Wieso denn nich ? Ik hebb Manuela 23 Johr lang 'n Dack over d' Kopp boden. Dann
schöllnt ji nu doch ok woll 'n poor Week Verständnis för mien Situation hebben.
(nimmt ihren Koffer, in der anderen Hand Mantel überm Arm, sowie den Hut)
Ik treck in jo Gastenkamer. Wenn dat ok man lütt is, för dat mol mööt dat gahn.

 

Thorsten:   Aver Swiegermudder; Manuela is noch gor nich daar un ik weet ok nich, of...

 

Sigrid:       (sieht jetzt den gedeckten Tisch) Oh, gift dat hier amenne wat to fiern ?

 

Thorsten:   Ja. Even. Manuela un ik sünd hüüt doch een Johr traut. Un dorum wull wi ok

                  gern so 'n beten heel alleen mitannner fiern.

 

Sigrid:       Ik stör nich. Bit ik mi de Kamer na mien Mütz inricht hebb, is dat so un so
Beddgahnstied. Ji spüren mi gor nich. Ji kennen ja mien still Art. Is frisk

Bedd-Tüch in d' Schapp ? Na, ik schall dat woll finden. Kümmert jo gor nich um mi.

 

5. Szene

 

Thorsten:   (nachdem sie die Tür geschlossen hat, leicht verzweifelnd) Ik wor wahnsinnig.

 

Larissa:      Na, dat ward 'n heel besünners romantischen Avend; dorför kann ik garanteeren.

 

Thorsten:   (genervt) Nu nerv Du nich ok noch. De Katastroph is doch al grood genug.

 

Larissa:      Arm Jung. Wat maakst Du nu denn ?

 

Thorsten:   Larissa; ik hebb keen Lüst op so 'n ironischen Tour, de Du hier ansleihst. Do mi bitte een Gefallen un segg mi, worum Du hier büst.

 

Larissa:      (schnippisch) Okay. Erstmol wull ik Di an de 150 Euro erinnern, de ik
Di al vör Maanten lehnt hebb. Blots, dat dat nich heelmol vergeeten ward.

 

Thorsten:   Sobold ik mien erst Lohn kregen hebb, kriggst Du as erst dat Geld trüch.
Ehrenwoord.

 

Larissa:      Prima. – Un dann wull ik fragen, of Du mi ofhören kannst. Ik hebb doch
mörgen mien Prüfung.

 

Thorsten:   Theorie ?

 

Larissa:      (nickt)

 

Thorsten:   To 'n darden Mol ?

 

 

 

 

Larissa:      (nickt erst) Ja, aver eenmol mööt dat doch klappen. Mensch, wovöl Geld hebb ik mitlerwiel al in disse blöd Föhrerschien stoppt?!

 

Thorsten:   Dorum ja. Is dat denn so swor ?

 

Larissa:      Ik weet ok nich. Dat lesd mol harr ik blots 18 Fehler. De stellen sik aver ok an.

 

Thorsten:   8 sünd aver blots erlaubt.

 

Larissa:      Witzbold. Dat weet ik ok. Kannst Du nich noch 'n Stünn mit mi lernen ?

 

Thorsten:   Harr ik gern dohn – aver hüüt geiht dat mit best Willen nich. Dat versteihst Du doch.

 

Larissa:      (schmollt) Un wenn ik nochmol dörchfall ?

 

Thorsten:   Daar kann ik Di ok nich helpen. Daar mööt man al sülmst 'n beten för dohn.
 - So, un nu gah bitte un komm 'n annermol wedder, ja ?!

 

Larissa:      (etwas beleidigt) Ja, ik hebb al verstahn. (geht zur Tür nach draußen) Ik bün
woll langsam afschreeven.

 

Thorsten:   Quatsch. Du büst bi Manuela un mi jümmers willkomen. Aver hüüt geiht dat nu mol nich.

 

Larissa:      Okay. ´n schöönen avend noch.

 

Thorsten:   Danke.

 

Larissa:      (dreht sich an der Tür nochmal um, schaut ihn liebevoll an)

 

Thorsten:   (verliert jetzt langsam die Geduld) Na ?

 

Larissa:      Ja. Tschüß. (geht ab, läßt die Tür aber einen kleinen Spalt geöffnet)

 

Thorsten:   (allein, seufzt auf) Na, een is tomindest weg. – Oooh... mien Potten. (schnell ab nach rechts)

(kurze Pause)

 

6. Szene

 

Larissa:      (schleicht erneut herein; schaut, ob Thorsten wirklich nicht mehr im Raum ist, geht dann schnell zum Schreibtisch, nimmt sich die Zeitung, dann den Hörer des Telefons, wählt eine Nummer, wartet. Sie spricht recht leise) Hallo ? Ja, es geht um Ihre Annonce; die vor einer Woche im Kurier stand. Ja. Richtig. Das wäre genau das richtige für meinen Mann. Hhmm.. (wartet einen Moment, dann überrascht) Was  ? 250 Euro müssen erstmal anbezahlt werden ? Aber mein Mann will Geld verdienen bei Ihnen, ja. – Achso. Und ? Wohin muß das überwiesen werden ? (schreibt die Zahlen der Bankverbindung auf) 2790 – 823 und...? Ja, hab ich. Name ? Thorsten Schröder. Mozartgasse 11, Neudorf. Ja. – Ja, sicher ist mein Mann über 18 Jahre alt. Nachdem das Geld eingetroffen ist, werden Sie alles weitere in die Wege leiten ?! Ja, gut. Völlständige Adresse auf dem Überweisungsschein. Richt' ich aus. Wiederhör'n. (legt schelmisch grinsend den Hörer auf) So, Thorsten; nu hest Du doch wedder

 

 

                  Arbeit. Aver 250 Euro vörher betahlen ? Na ja, de schall ik woll noch jichenswor opdrieven. (dann schelmisch grinsend zur Tür nach hinten gehend nachdem sie sich nochmal vergewissert hat, daß sie niemand gesehen hat, hinter der Tür hört man dann Larissa mit Rolf sprechen)

 

Larissa:      Eh, Hallo Rolf.

 

Rolf:          Hallo Larissa.

 

Larissa:      Falls Du Thorsten besöken wullt, de is totol in Stress.

 

Rolf:          Ja, ik weet bescheed. Dorum bün ik ja hier.

 

Larissa:      Aha. Dann bün ik hier woll blots unerwünscht, wa ?!

 

Rolf:          Dat weet ik ok nich. Maak 't good, Larissa.

 

Larissa:      Tschüß Rolf.

 

7. Szene

 

Rolf:          (kommt herein, hat eine CD in der Hand, sieht sich um, ruft) Hallo ? Thorsten ?
(kurze Pause) Hey, wor sittst Du denn ?

 

Thorsten:   (kommt von rechts herein, hat sich jetzt auch eine andere Hose angezogen,
ist frisch gekämt, sowie "einparfümiert") Rolf; oh, Di harr ik heel vergeeten.

 

Rolf:          Na hör mol, wo kann man mi vergeeten ? - Boah, wat 'n Wulk. Wat hest Du denn
al an Di ransprützt ?

 

Thorsten:   Hebb ik tovöl nohmen ?

 

Rolf:          Na ja, well 't mach... Ik wull Di blots de CD brengen. (reicht sie ihm)

 

Thorsten:   Oh Rolf, Du büst de Beste. Wor hest Du de blots updreeven ?

 

Rolf:          Tja. Du weest ja – nich verzagen, Rolf Wuttke fragen.

 

Thorsten:   (schaut auf die Rückseite der CD) Genau bi dit Lied hebbt Manuela un ik uns kennenlert. In jeede Plattenladen stöbern Manuela un ik de Regalen dör – nargends find wi dat Leed. Un to ´n downladen hebb ik dat in ´t Internet ok nich funden. Un
Du kummst eenfach an un seggst: Hier !

 

Rolf:          Ik hebb daar mien Quellen. Dorför hest Du even mehr Ahnung van Beton un Mischmaschinen.

 

Thorsten:   (zückt schon das Portemonaie) Wat bün ik schüllig ?

 

Rolf:          Och, weest Du – wenn Du mi ok mol wedder 'n Gefallen dohn wullt... Laat man sitten.

 

 

 

Thorsten:   Maak ik gern. Musst blots bescheed seggen, Rolf. (steckt sein Portemonaie wieder ein)

 

8. Szene

 

Sigrid:       (kommt zügig von rechts aus dem Zimmer, hat ein Bettlaken in der Hand mit einem
großen Loch darin) Mien leeve Swiegersöhn, ik will ja nich quarken; man dat
hier hört d'r nu würklich nich hen. (steckt jetzt die Hand durch das Laken) (Hinweis: Bitte nicht einfach ein Loch in das Laken schneiden – es sollte den Anschein haben, als wäre das Laken „durchgescheuert“)

 

Rolf:          (muß lachen)

 

Thorsten:   (ist die Situation etwas peinlich) Tja... wat schall ik seggen ?

 

Sigrid:       Na, erstmol kannst Du uns vörstellen; so as sik dat hört.

 

Thorsten:   Ja, natürlich. – Rolf Wuttke, een Fründ van mi – mien Swiegermudder Sigrid Hansen.

 

Rolf:          (reicht ihr die Hand) Gooden Dag. Ik hebb Se van Thorsten's Hochtied noch good in Erinnerung.

 

Sigrid:       Ochja ? Dat is ja al 'n Johr her.

 

Rolf:          Stimmt. Aver Se hebbt domols doch 'n halven Striptease op ´n Disk präsenteert.
Un dat vergett man nich mehr. Keerl, dat weer viellicht 'n Show. Un dat in Ehr Oller...

 

Thorsten:   (räuspert sich)

 

Sigrid:       (eingeschüchtert) Dat weer na - wat weet ik - wovöl Sluck un Beer. Dat... – äh, daar
laat uns nu man nich mehr van snacken. - Thorsten, wat is dat hier ? (zeigt das Laken
nochmal) Kannst Du mi bitte mol seggen, wo man Lakens so afnutzen kann, dat
daar sückse Gaaten inkomen ?

 

Rolf:          Keerl, wat maak ji denn blots in d' Bedd, Thorsten ? – Also sowat...

 

Thorsten:   (dreht fast durch, verliert aber doch die Beherrschung nicht) Ooh... – de wull
Manuela so un so al wegsmieten. Kiek na, daar sünd seeker noch anner Lakens.
("schiebt" Sigrid schon ab nach rechts)

 

Sigrid:       Ja ja, is ja good. (ab)

 

Thorsten:   Un mit Di kann ik nu ok leider nix mehr anfangen, Rolf. Wees mi bitte nich böös.

                  Aver veelen veelen Dank för de CD.

 

Rolf:          Hebb al kapeert. Veel Spaß jo beiden an jo Ehrendag. Dat ward seeker herrlich – so mit Swiegermudder…

 

Thorsten:   Rolf bitte !

 

Rolf:          Ik bün al weg. Wi sehnt uns. (ab nach hinten)

 

Thorsten:   (allein, seufzt auf) Oh Gott, wat för 'n Dag. (sieht auf die Uhr, wieder
abgehend nach hinten) Nu kannst Du aver langsam komen, Manuela.

(kurze Pause)

 

9. Szene

 

Sigrid:       (kommt mit dem eben gezeigten Laken sowie weiterer Bettwäsche von rechts,
wirft dieses dann zu einem Haufen auf den Boden) Is ja nich to faten, wat
man hier vörfind'. Dat sünd nu de jung Lüüd van hüüt. (geht nach hinten,
kommt sodann mit einem "Altkleider-Sack" zurück, stopft die Wäsche hinein)
Sowat hett dat in uns jung Johren nich geeven. (es klingelt an der Tür; Sigrid
leicht erschrocken, geht dann nach hinten, kommt zügig zurück, macht sich wieder an ihren Plastikbeutel zu schaffen, tut sehr "kalt", als...)

 

10. Szene

 

Georg:       (... hereinkommt; schließt die Tür) Hier büst Du. Mensch Sigrid, wat maakst Du denn för Saken ? (hat einen Zettel in der Hand)

 

Sigrid:       (beachtet ihn gar nicht, holt das Bettzeug wieder aus dem Sack, legt dieses jetzt ordentlich zusammen, bevor sie es erneut in den Sack steckt; wiederholt diese "Aktion" während der nächsten Sätze evtl. noch einmal)

 

Georg:       Wat hett dat (hält den Zettel hoch) denn blots to bedüden ? (liest vor)
"Ich verlasse Dich, Du Bokk".

 

Sigrid:       Na, wat hett dat woll to bedüden ? Genau dat, wat daar op steiht.

 

Georg:       Un Bock hest Du ok noch mit twee "k" schreeven. Dat inkumdeert mi am meesten.

 

Sigrid:       As wenn dat nich egol is.

 

Georg:       Nee, is dat nich ! 'n Buck mit nomol "ck" harr ik ja noch dörchgahn laten.
Aver futt mit twee "k"... – wat schall dat denn eenlik ?

 

Sigrid:       (dreht jetzt auf) Dat fragst Du ok noch ? Hest Du Dien Paket al openmaakt ?
Na, hebbt se allns leevert, wat Du bestellt hest ? Of hest Du 't amenne al utprobeert ? – Mi schall gor nix mehr wunnern.

 

Georg:       Dat Paket ? Ja, dat hebb ik woll sehn. Stunn in d' Flur. Dat weer för mi ?

 

Sigrid:       Allerdings. Un dreemol dürst Du raden, van wat för 'n Firma dat komen is – för
Di, mien leev Herr Gemahl.

 

Georg:       Ik weet gor nich worvan Du snackst, Sigrid.

 

Sigrid:       Na, dann gah man wedder na Huus un maak Dien Päckchen open. Veel Spaß
mit Dien neije Speeltüch.

 

Georg:       Aver Sigrid; nu snack doch endlich 'n beten dütlicher. Ik hebb würklich keen
Ahnung, worum Du Di so anstellst.

 

 

Sigrid:       'n Swienjack büst Du. Uns leeve Swiegersöhn hett tomindst grood Gaten in d' Lakens. Wat dat bedütt, mööt ik Di ja woll nich verkloren. Un wi ? – Ja, wi sünd keen twintig mehr, dat stimmt. Aver wenn uns Lakens ok na 28 Ehejohren wat langer holen, dann is dat jümmers noch keen Grund sik so 'n erotischen Swienkram to bestellen. (jetzt weinerlich)

 

Georg:       (weiß ernsthaft nicht, wovon Sigrid spricht, will sie trösten) Aver Sigrid, Schnulli...

 

Sigrid:       (wehrt ihn ab) Dat Sigrid-Schnulli kannst Du Di in Tokunft sporen. Mit Paketen fangt dat an; un 'n poor Weeken later söchst Du Di ok 'n jung Deern as Ersatz för mi. Ik bün ja good genug, Di dat Eeten to koken un Di de Puschen vör d' Fööten to stellen. – Un nu gah ! Ik bliev erstmol 'n Sett hier. Un wat de Scheedung angeiht; daar hörst Du van mien Anwalt.

 

Georg:       (ist völlig sprachlos) Anwalt ? Nu maak aver mol 'n Punkt, Sigrid.

 

11. Szene

 

Edda:        (kommt von hinten herein. Sie hat eine volle Einkaufstüte dabei) Gooden Dag, ji beid.

 

Sigrid:       (sowie Georg genervt) Oooh..., moin Edda.

 

Edda:        Ji möten al entschülligen; man de Butendöör stunn 'n Spalt open.

 

Sigrid:       Aha. Un ? Wat gift 't ?

 

Edda:        Dat wull ik eenlik van jo weeten. As ik even na d' Koopmann lopen bün, do hebb
ik Di Sigrid, hier ringahn sehn – mit 'n Kuffer. Un as ik just wedder na Huus
henfohren bün, sach ik ok DI Georg, hier ringahn. – Alma Rabenberg hett mi 'n beten in d' Post upholen, anners weer ik al erde hier ween.

 

Georg:       Aha.

 

Edda:        Also, nix för ungood, aver – is jichenswat nich op Steh bi jo ?

 

Georg:       Bi uns is allns blendend, Edda. Sigrid will blots 'n poor Week Urlaub maken
bi ehr Dochter un Swiegersöhn.

 

Edda:        Na, dat kannst Du Dien Groodmudder viellicht vertellen; aver nich Edda Papendick. – Also ? Sigrid, wat is passeert ?

 

Sigrid:       Tja, wenn Du dat denn unbedingt weeten wullt... mußt aver nich wiedervertellen.

 

Edda:        Ik doch nich.

 

Georg:       Sigrid, bitte. Mööt dat nu denn elk un een gewohr warrn ? Un wenn Du ehr dat vertellst, dann kannst Du am besten forts 'n Annonce in 't Blatt setten.

 

Sigrid:       (hört das gar nich) Erstmol ´n Frag, Edda: Wo versteihst Du Di mit Dien Theo, Edda?

 

Edda:        Mit mien Theo ? Wat schall dat denn nu ?

 

Sigrid:       Segg doch eenfach.

 

Edda:        Theo un ik sünd over 40 Johr (evtl. ändern, je nach Alter der Spielerin Edda) mitnanner verhierat; wi verstahnt uns good. Bit op 'n poor Kabbeleen, de dat jümmers mol gift twüschen Mann un Frau.

 

Sigrid:       Un anners ? Hett Dien Theo keen Laster ?

 

Edda:        Laster ? – Kortenspölen deiht he - eenmol in d' Week. Un dann ward daar ok gern een bi drunken. Man Theo weet, Gott sei Dank, wor de Grenzen sünd. Och, un ik hebb ja ok mien Tantenabend un drink gern mol 'n Likör un sowat.

 

Sigrid:       Un anner Fronslüüd ? Hest Du nie nich doran docht, dat Theo mol Geschmack an 'n annern Fronslüüd finden kunn ?

 

Edda:        In sien Oller ? Also ik weet nich, de Zug is doch langsam affohren.

 

Sigrid:       Un wenn de Zug nu noch in d' Bahnhof stunn ?

 

Edda:        Na, dat schull he sik mol unnerstahn. Dann weer aver wat los. Op de Steh leet ik mi scheeden.

 

Sigrid:       Aha. – Un wenn Dien Theo sik sein Vergnögen annerswor söken de. Na ja, ik meen – Du hest doch seeker al mol van disse Katalogen hört, wor man sik al so 'n Kram bestellen kann.

 

Edda:        Iiiihh..., daar hebb ik vör ´n poor Dagen 'n Bericht van in d' Fernsehen sehn – bi RTL. Also ehrlich - ik kunn dat nich faten. Ik hebb gor nich wüsst, wat dat allns gift op disse Welt. – Un Du meenst, dat mien Theo an sowat... also Sigrid, wat denkst

                  Du eenlik van mien Mann ? Un wat schall dat eenlik ? Du fragst mi hier Saken, dorbi wull ik doch eenlik van DI weeten, wat hier vör sik... (plötzlich) Oooohhh..., nu verstah ik dat erst. Hest Du Georg, bi so 'n Versand wat bestellt ?

 

Georg:       Also, ik hebb... och... (winkt ab, wendet sich verägert ab)

 

Edda:        (sehr erfreut über die Neuigkeit) Oh nee, dat glövt mi ja nüms. Wat hest Du Di denn bestellt, Georg ? So 'n grooten Pupp wor man mit...?

 

Georg:       (wütend) E d d a !!! – (zu Sigrid) Daar hest Du dat. So kummt Gesnack togang. Blots, wiel Du Dien Mund nich holen kannst. Un Se geiht d'r nu mit bi d' Patt.

 

Sigrid:       Ik hebb keen Paket kreegen.

 

Edda:        (hält es vor Neugierde nicht mehr aus) Ja, nu vertell doch eem, Sigrid. Wat hett Georg sik denn nu bestellt. Ik mööt dat heel genau weeten.

 

12.Szene

 

Manuela:   (kommt von hinten herein, hat eine "Arbeitstasche" dabei, wundert sich über das Geschehen) Hallo tosamen.

 

Sigrid:       Manuela-Kind; daar büst Du ja. (begrüßt sie herzlich)

 

 

Manuela:   Mama, Papa – wat maak ji denn hier ?

 

Edda:        Daar kann ik woll een Woord to seggen. Also, weest Du Deern; dat is so: Dien Vadder hett sik...

 

Georg:       Ik glöv nich, dat uns Dochter de Geschichten hören will Edda, vun de so un so blots 10% wohr sünd. (begrüßt Manuela ebenfalls) Moin, mien Deern.

 

Manuela:   (sieht jetzt den gedeckten Tisch) Un wat is dat hier ?

 

Sigrid:       Daar hebb wi nix mit to dohn. Dat musst Du Dien Mann fragen.

 

Manuela:   Ja ver, wat is denn hier... (betrachtet den gefüllten Altkleidersack) Wat is dat hier ?

 

Sigrid:       Dat verklor ik Di naher.

 

Manuela:   Also, weest mi nich böös, aver jichenswie harr ik mi de Fieravend hüüt anners
vörstellt. (ruft nach rechts) THORSTEN ?

 

13. Szene

 

Thorsten:   (kommt sodann herein, erfreut) Manuela... (seine Miene verdunkelt sich jedoch spontan, als er die anderen Anwesenden sieht) Swiegervadder - Fro Papendick; wat maak ji denn hier ?

 

Manuela:   Dat hebb ik ok al fragt.

 

Georg:       (zu Manuela) Dien Mudder, mien Deern, beschuldigt mi, dat ik Saken dohn hebb, de
overhaupt nich wohr sünd, Un nu...

 

Thorsten:   (kleinlaut) ... nu will se hier bi uns wohnen – 'n tiedlang.

 

Manuela:   Mama – is dat wohr ?

 

Sigrid:       Nich ganz. Ik will hier nich 'n tiedlang wohnen – ik wohn hier al. Siet 20 Minüten ungefähr.

 

Manuela:   Mama, wat is denn vörfallen ?

 

Edda:        (schnell und deutlich) Sexpaketen hett he sik bestellt – dissen ollen Buck.

 

Sigrid:       Genau ! Mit twee "k" !

 

Georg:       Dat hebb ik nich ! Ik weet nich, wat daar för 'n Paket komen is. Ik hebb op jeedenfall nix bestellt. Un al gor nich bi so 'n Versand. Un bevör dat nich genau opklort is, holst
Du (zu Edda) Dien Mund; un Du (zu Sigrid) hest overhopt keen Grund insnappt to ween.

 

Manuela:   Mensch, dat sünd ja Saken... Tja, dat mööt klort warrn; aver – könnt wi dat nich 'n annermol dohn, wiel...

 

Sigrid:       Ja ja, ik weet – ji hebbt hüüt jo Hochtiedsdag. Tomindst twee, de sik in dit Dörp noch verstahnt.

 

Georg:       Dann laat uns de beiden ok nich langer stören. Un Du kummst wedder mit na Huus, Sigrid.

 

Sigrid:       Dat do ik heel seker nich !

 

Manuela:   Dat is wunnerbor Sömmerwedder. Will ji dat nich even buten regeln. Tomindst för teihn Minüten.

 

Sigrid:       Ik weet nich, wat dat daar noch to kloren gift. De Saak liggt op de Hand.

 

Manuela:   Mama, bitte. 10 Minüten. Dat is nu bannig wichtig för Thorsten un mi.

 

Sigrid:       Ja ja, ik hebb Di al verstahn. Brukst nich oversetten. (etwas beleidigt ab
nach draußen)

 

Manuela:   (zu ihrem Vater) Na ?

 

Georg:       Wenn Du meenst, dat dat noch Zweck hett. Du süchst ja sülmst, wo Dien Mudder
sik anstellt.

 

Georg:       (trotzig ebenfalls ab nach hinten)

 

Manuela:   Na bitte.

 

Edda:        (steht noch unschlüssig da)

 

Manuela:   Na, un wat is mit Di, Edda ?

 

Edda:        Ja ja, ik bün ja al buten. (kopfschüttelnd ab nach hinten)

 

14. Szene

 

Manuela:   (und Thorsten seufzen gemeinsam auf)

 

Thorsten:   (umarmt sie dann, evtl. Kuss) Oh Schatz, Du glövst gor nich, wo leed mi dat deiht,

                  un dorbi harr ik mi allns so schöön utmalt, wenn Du vör d' Döör stunnst.

 

Manuela:   Du kannst ja nix dorför. Am besten, wi vergeeten disse lesd five Minüten
erstmol.

 

Thorsten:   Richtig. Ik hebb nämlich twee Overraschungen för Di.

 

Manuela:   Un ik hebb twee för Di. – Aver fang Du an.

 

Thorsten:   (steht jetzt vor Manuela, nimmt ihre Hände) Manuela; siet genau een Johr sünd wi beid nu Mann un Fro. Un ok wenn wi beid in disse Tied blots van Dien Gehalt
leeven mussen, hest Du liekers jeeden Dag to mi stahn. Un dat is dat schöönste,
wat een Minsk för mi dohn kann. Ik hebb Di leev, Manuela. (Kuss)

 

Manuela:   Ik Di ok, Thorsten. (beide umarmen sich zärtlich, schaut dann wieder den gedeckten Tisch an) Un kookt hest Du för uns ?

 

 

 

Thorsten:   Ja. Ik hop, dat smeckt ok. Is allns klor. Wi könnt forts eeten. – Dat is aver erst mien erst Overraschung. De tweede is noch veel beeter. Man nu büst Du erst dran.

 

Manuela:   Na good. (holt aus ihrer Handtasche o.a. ein kleines Päckchen hervor, reicht es ihm) Bitte Schatz – dat is för Di.

 

Thorsten:   (nimmt es, überrascht) Een Geschenk ? Oh nee, dat schullst Du aver nich. (packt
es schnell aus) Dat harr wi extra afmaakt; wiel ik Di doch nix kopen kann.

 

Manuela:   Ik weet. Ik do dat aver.

 

Thorsten:   (hat das Geschenk ausgepackt. Es handelt sich um ein persönliches Geschenk wie ein Herrenring, eine Kette, Armband, Uhr o.a.) Oh Manuela, Du büst ja verrückt.

 

Manuela:   Hey... ik weet doch, wo gern Du dat hebben wullst.

 

Thorsten:   (legt es an, umarmt sie wieder) Oh Danke. Sücht doch klasse ut, nich wohr?! - Un ik? Ik hebb nix för Di.

 

Manuela:   Thorsten; dat maakt doch nix. Dat hier (deutet auf den Tisch) is doch schööner
as jeede Geschenk.

 

Thorsten:   Aver nu kummt 't ! Schatz, of Du dat glövst of nich – ik hebb wedder Arbeid !

 

Manuela:   Nee.

 

Thorsten:   Doch ! Bi de Firma ! TI-KA". Glieks anner Week geiht dat los. Dat is so 'n Art
Vertreter-Job. Klingt seeker 'n beten arig; man ik maak dat al. Un worto hebb
ik denn de Umschulung maakt ? Un wenn allns good geiht, maak wi anner
Sömmer ok endlich uns Hochtiedsreis, de noch opensteiht.

 

Manuela:   (freut sich mit ihm) Dat is echt irre. Un wo schöön dat allns tosamenpasst. (dann) Aver dat mit de Hochtiedsreis anner Sömmer mööt wi nochmol in Ruh' besnacken. Weest Du, wat nämlich mien tweed Overraschung is ?

 

Thorsten:   Na ?

 

Manuela:   (nach einer kurzen Pause, dann spontan; Thorsten dabei umarmend) Ik bün schwanger !

 

Thorsten:   (zunächst etwas überrumpelt von dieser Nachricht, freut sich noch nich so recht)
Manuela; wo kunn dat passeeren ?

 

Manuela:   Witzbold. Wo passeert sowat woll ?

 

Thorsten:   Ja, aver wi wullen doch eenlik noch töven; wiel ik ohn Abeid bün.

 

Manuela:   Dat büst Du nu doch nich mehr. Freist Du Di denn gor nich ?

 

Thorsten:   Ja seeker. Un wo. Dat kummt blots so tomol. – Minsk, ik un Vadder. Dat is ja
Wahnsinn. Wenher is dat denn sowiet ?

 

Manuela:   Anfang April. Ik bün erst in d' teihnte Week.

 

Thorsten:   Oh Schatz... ( umarmt sie wieder herzlich)

 

Manuela:   Un nu maak wi uns 'n schöönen gemütlichen Avend. (draußen hört man dann Sigrid
und Georg laut miteinander streiten, schimpfen und herumschreien. Auch Edda ist
nicht zu überhören).

 

Thorsten:   (genervt) Oh neeee... wi hebbt uns Besöök vergeeten.

 

15. Szene

 

Sigrid:       (kommt schnell aufgebracht wieder von hinten herein, ihr folgt sogleich Edda)
Olle blöde Keerl. Nu bliev ik erst recht hier.

 

Manuela:   Mama, wat is denn al wedder ?

 

Edda:        Gift Dien Vadder doch tatsächlik to, dat he al mol so 'n swiensken Katalog sehn hett.

 

Thorsten:   Sehn. Mensch, dat seggt doch nix.

 

Edda:        Daar bün ik aver anner Ansicht.

 

Sigrid:       Even ! Ik ok. Un sehn langt mi al. Well sik sowat in d' Katalog ankickt, de hett ok Interesse sik wat to bestellen. – Dat geiht mi bi Tschibo un Bon Prix jümmers so.

 

Thorsten:   Aver Swiegermudder. Dat gift ok Lüüd, de interesseeren sik för Football; ok wenn se sülmst nich speelen.

 

Sigrid:       Ha, wat is dat denn för 'n Vergliek ? Football is Football. Dat is Sport.  – Hier handelt sik dat um – Pornographie.

 

Manuela:   Wat maak ji hier eenlik för 'n Skandal ? Sowat – is doch noch nie nich vörkomen.
Kiekt doch leever erstmol na, wat overhaupt in dat Paket in is.

 

Edda:        Oh ja. Ik gah mit!

 

Sigrid:       Ik laat mi scheeden; daar gift dat nix mehr to overleggen.

 

16. Szene

 

Georg:       (kommt langsam ins Zimmer, er geht leicht gekrümmt, das Haar wirr auf
dem Kopf, eine blutende Platzwunde unter einem Auge, muß sich an einem
Schrank o.a. abstützen)

 

Manuela:   (geht sofort zu ihm) Oh Gott, Vadder. Wat is passeert ?

 

Georg:       Sowiet harr dat nich komen musst, Sigrid. Hauen hest Du mi bitlang noch nich in uns Ehe.

 

Sigrid:       Dat hett he verdeent.

 

Thorsten:   (ebenso erschrocken, die beiden Frauen sind eher gelassen) Dat gift 't ja nich.

 

Manuela:   So maakt doch wat. Hollt Verbandstüch.

 

Edda:        Dat kann ik woll eem. (rauscht ab nach rechts. Während sie die Tür öffnet, kann von dort starker Rauch hereinströmen – je nach Möglichkeit - ansonsten kommt Edda sofort zurück, sehr in Aufregung) Oh Gott, kommt gau; ik glöv, daar is wat in Brand.

 

Thorsten:   Oh neeee... mien Eeten. (schnell ab nach dort)

 

Sigrid:       (läßt sich in einen Sessel oder auf einen Stuhl fallen) Na bitte. Hier is allns in best Ordnung. So hebb ik dat am leevsten. (nach diesem Satz fällt schnell der Vorhang)

 

 

Ende des ersten Akts

 

 

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Zweiter Akt

 

                  (ca. 1 Woche später. Ein Wochentag in den Morgenstunden. Das Zimmer ist wieder aufgeräumt. Auf dem Tisch steht evtl. nur eine kleine Vase mit Blumen. Es befindet sich kein Spieler auf der Bühne, wenn sich der Vorhang sich öffnet.)

 

1. Szene

 

                  (es klingelt an der Haustür)

 

Thorsten:   (kommt in sommerlicher Schlafbekleidung – "kurzem" Schlafanzug oder Boxershorts mit nacktem Oberkörper von rechts; er gähnt ausgiebig, sieht auf die Uhr, geht dann nach hinten. Von dort hört man dann:)

 

Stimme:     Gooden mörgen. Een Eilpaket un 'n Eilbreef för Thorsten Schröder hebb ik hier. Sünd Se dat ?

 

Thorsten:   Ganz recht.

 

Stimme:     Wenn Se hier unnerschrieven muchen ?! (kurze Pause) Okay, Danke. Wiedersehen.

 

Thorsten:   (kommt mit einem Paket wieder zurück, ist jetzt ein bisschen aufgeregt) Na endlich.
(reißt erstmal den Brief schnell auf, liest) Sehr geehrter Herr Schröder. Wir freuen
uns, Sie als neuen Mitarbeiter in unserer Firma begrüßen zu dürfen. (murmelt die nächsten Sätze vor sich her) Es wird Sie in den nächsten Tagen ein Mitarbeiter aufsuchen, um mit Ihnen Verkaufstechniken durchzusprechen und um Ihnen unsere Produkte zu erklären. (murmelt einige Sätze) Wir verbleiben... (murmel) Na ja, dat klingt ja al mol interessant. – Aver Produkte erklären ? Ik denk, dat geiht blots um een Sort Koffje. (will sich dann daran machen, das Paket zu öffnen, als es an der Tür klingelt. Thorsten etwas genervt) Mensch, well is dat nu denn al an d' fröhen mörgen? (geht nach hinten, kommt dann gefolgt von Rolf wieder zurück)

 

2. Szene

 

Thorsten:   Rolf. Kom rin.

 

 

 

Rolf:          (trägt einen Jogging-Anzug, kommt schon in "Bewegung" herein) Na, eenlik wull ik Di afholen. Wi sünd doch to 't Joggen verafred.

 

Thorsten:   Hüüt ?

 

Rolf:          Ja. So stunn dat in mien SMS an Di. Half negen haar ik schreeven. Aver so as Du utsüchst, büst Du just erst to 't Bedd utfallen.

 

Thorsten:   Nich böös ween; ik hebb Di vergeeten. Wenn Manuela tegen söven Ühr weggeiht mörgens, dann legg ik mi jümmers noch eem wedder hen.

 

Rolf:          Na, Du büst viellicht 'n langwieligen Kollege.

 

Thorsten:   Ik hebb ja noch nichmol fröhstückt.

 

Rolf:          Meenst Du, ik ? Fröhstückt ward erst achterna. Erstmol 6 Kilometer Bewegung.

 

Thorsten:   Kannst Du nich alleen ditmol, Rolf ? Ik hebb daar nu ok keen Geduld to. Ik mööt mi 'n beten vörbereiten. Mien Job geiht nu langsam los. Dat Paket daar is just komen.

 

Rolf:          Anner Week hebb ik Fröhschicht - dann fallt dat Joggen ok wedder ut. Un alleen is dat langwielig.

 

                  (das Telefon klingelt)

 

Thorsten:   Ik weet. – Moment even. (nimmt den Hörer ab) Schröder. – Richtig. (wartet) Ja, stimmt. So 'n Tofall. Is just mit de Post ankomen. Tied ? Ja, seeker. Wenher denn ? Mitarbeiter is in dat norddütske Gebiet ? Kann in 'n knappen Stünd hierween ?! Ja, van mi ut. – Dat kummt 'n beten tomol, aver bitte. Je erde ik Geld verdeenen kann, umso beeter för mi. - Ja, okay. Danke. Wiederhör'n. (legt auf, ist dann sehr in Eile) Dat weer mien neije Firma. Een van ehr Lüüd kummt forts hierher un lert mi an.

 

Rolf:          Anlernen ?

 

Thorsten:   Na, wo ik de Produkte richtig an Mann breng un sowat, denk ik. Een persönlich Vörstellen bi de Bedriev harr ik bitlang ja ok nich. Dat is wichtig, Rolf. – Also, nu ward ut uns gemeensam Jogging-Programm heel seeker nix mehr. Ik bün ja noch nichmol antrucken. Un duschen mööt ik ok noch. Oh Rolf, do mi een Gefallen un bliev hier.

 

Rolf:          Bitte ?

 

Thorsten:   Na, solang, bit ik salonfähig bün. De Mann kann doch jeede Minüte vör d' Döör stahn. Un wenn ik em nich hör, wenn ik just unner d' Dusche stah... (will schon ab nach rechts) Bitte!

 

Rolf:          No good. Wiel Du dat büst.

 

Thorsten:   (abgehend nach rechts) Ik beiel mi ok. Dürt höchstens 15 Minüten. Kannst ja
al mol dat Paket openmaken. Viellicht kann ik Di ja as erst Kund werben;
wenn Di dat Tüch smeckt. (ab, die Tür bleibt geöffnet)

 

 

 

Rolf:          (allein) Ja, wenn Du meenst... (nimmt das Paket, stellt es auf den Tisch, falls es da nicht schon stand, holt ein Taschenmesser hervor o.a., öffnet das Paket langsam)

 

Thorsten:   (von rechts:) Ik hebb dat Wark sülmst ok noch nich utprobeert. Is heel neij op
´n Markt.--- Aver Du büst doch eenlik Profi in disse Saak. Ik denk, wenn Du
overtügt büst, bün ik dat ok.

 

Rolf:          Mol sehn. (holt langsam aus dem Karton eine DVD oder Bluray heraus,
kann nicht glauben, was er auf dem Cover sieht. Es handelt sich um einen Erotik-Film)

 

Thorsten:   Un ? Wo sücht de Verpackung ut ?

 

Rolf:          (wie schockiert) Äh... bunt. (zu sich selbst und zum Publikum:) "Rudi Rudi noch einmal..." (nimmt eine weitere DVD heraus) "Tom Sawyer und Hilde P(p)oppen in Amerika Teil 1". Gift 't denn sowat ? (holt auch noch eine dritte Hülle aus dem Paket, betrachtet diese ungläubig) "Auch Krankenschwestern sind nicht von gestern". (schaut in das Paket, legt dann alle drei Filme wieder hinein, schließt den Karton wieder, stellt diesen auf den Fußboden in eine Ecke o.a., dann zu sich selbst:) So 'n Job is dat also. Mensch, Thorsten, wat büst Du deep sunken, dat Du Di för sowat hergiffst.

 

Thorsten:   (von rechts) Wat is denn nu ? Wat hest Du för 'n Indruck ? Kannst Du Di dat jeede mörgen to d' Frühstück vörstellen ?

 

Rolf:          (ruft zurück) Naja, ik hebb ja blots de Hüllen sehn.

 

Thorsten:   (evtl. hört man die Dusche) Versprekt denn de Verpackung nich dat, wat woll drin sitt? Ik meen – kriggst Du bi de Anblick al Geschmack ?

 

Rolf:          Naja..., een beten vielleicht. Aver mörgens to d' Frühstück... ik weet nich.

 

Thorsten:   Dat gift seeker verscheeden Sorten. Light, normol un för de harten Broder – de Hammermischung. Sotoseggen - Hardcore.

 

Rolf:          Hardcore, ja genau. – Dat Du daar so open mit umgeihst, Thorsten.

 

Thorsten:   Wieso denn nich? – Ik dusch nu. Du holst de Stellung, ja ?!

 

Rolf:          Maak ik. (schließt die Tür nach rechts, kann nur mit dem Kopf schütteln;
kurze Pause)

 

3. Szene

 

Sigrid:       (kommt mit Mantel, Hut, Handtasche von rechts) Oh, gooden mörgen.

 

Rolf:          Gooden mörgen, Fro Hansen. – Och, Se wohnen ok noch hier ? Dann kunnen
Se ok ja eenlik...

 

Sigrid:       Ik hebb keen Tied. Um negen Ühr tövt mien Anwalt op mi.

 

Rolf:          Anwalt ?

 

 

Sigrid:       Ja, glöven Se, ik hebb Spaß maakt, as ik seggt hebb, dat ik mi van Georg scheeden laten will ?

 

Rolf:          Na ja; ik harr nich docht, dat Se würklich...

 

Sigrid:       Wenn ik sowat segg, dann maak ik dat ok wohr. Wenn Se mi bitte entschüldigen ?! ("rauscht" an ihm vorbei, ab nach hinten)

 

Rolf:          Tsss... (allein) Tja, un nu ? (sieht auf die Uhr, setzt sich dann an den Computer,
tippt mit den Fingern auf den Schreibtisch) Na, nu maak al 'n beten fix, Thorsten Schröder. (es klingelt wieder an der Haustür. Rolf, zunächst unsicher, geht dann schließlich nach hinten, öffnet dort die Tür, unsicher:) Bitte, komen Se man rin.

 

4.Szene

 

Rolf:          (kommt mit verwirrtem Gesichtsausdruck zurück, ihm folgt dann...)

 

Tamara:     (... eine "leichte Dame". Sie trägt die "typische" Kleidung einer Prostituierten.
z. B.: ein sehr enges, kurzes Minikleid, oder Leggings in einer krassen Farbe; dazu ein enges Oberteil; hochhackige Schuhe, wilde Frisur, evtl. Perrücke; ist sehr grell geschminkt, vielleicht ein kurzes Lederjäckchen o.a. Ihr Benehmen ist das, was ältere Frauen heutzutage als "unmöglich" bezeichnen würden. Sie kaut ausgiebig Kaugummi, schaut sich im Raum um) Eh, dat is ja 'n geile Hütte.

 

Rolf:          Dat wi uns daar forts recht verstahn. Ik bün nich de, de Se söken.

 

Tamara:     Dat seggen Se al. Mannslüüd sünd jümmers unschüllig Lämmer. Dat bün ik
langsam wend.

 

Rolf:          Hören Se; ik bün Rolf Wutke. Un de schullen Se doch seeker nich opsöken, oder ?

 

Tamara:     (holt einen Zettel hervor, schaut darauf) Stimmt. Mien Kund heet Thorsten Schröder.

 

Rolf:          Sehnt Se ?! Un dat is mien Fründ. Kann sik blots um 'n poor Minüten hanneln,
dann is he för Se daar.

 

Tamara:     Okay. (setzt sich auf einen Stuhl, legt die Beine auf den Tisch, holt eine Packung
Zigaretten hervor, holt eine heraus, steckt sich diese zwischen die Lippen) Büst
Du mol so fründlik, sugar ?!

 

Rolf:          Deiht mi leed, ik smöök nich mehr.

 

Tamara:     Mann, wor bün ik hier denn landt ? ("packt die Zigarette wieder weg) Na, dann even nich !

 

Rolf:          (betrachtet sie ungläubig) Se... Se sünd also...

 

Tamara:     Tamara is mien Naam. Good Kunden dörven mi "Lady Masolina" nömen. Man daar
tellst Du ja woll noch nich to.

 

Rolf:          Nee.

 

Tamara:     Ik arbeid för de Firma ERO.

 

Rolf:          Ja, dat hebb ik mi al docht. Dat steiht ok heel lütt op de Karton. (deutet dahin) – Wat heet dat eenlik ? – ERO ?

 

Tamara:     Exklusive Romantik Oase.

 

Rolf:          Hhmm… Un Se sünd nu hierherkomen um Thorsten Schröder – äh... antolernen ? Ik meen - Thorsten Schröder will ernsthaft mit SE tosamen arbeiden?

 

Tamara:     Ach, weest Du Honey – dat hier maak ik blots as Nebenjob. ERO betahlt immerhen
100 Piepen dorför, wenn ik 'n neijen Mitarbeiter so 'n beten scharp maak. Umso mehr kümmern se sik dann um 't Geschäft – weest Du ?! Wenn ik em to 'n Fotoserie overreden kann, lett ERO sogor 500 Mücken för mi springen. Aver dat is för mi blots Taskengeld, Baby. Hauptberuflich laat ik natürlich mien Musch...

 

Rolf:          (schnell) Ja ja, ik kann mi dat al denken. (wird ganz "heiß" bei Tamaras
Anwesentheit)

 

Tamara:     Segg mol, gift dat hier ok 'n Sanni-Room. (steht auf)

 

Rolf:          (versteht nicht) Bitte ?

 

Tamara:     Mensch, Sanitär-Anlage. Toilette, een Klooo...?

 

Rolf:          Ochso. Ja seeker. (öffnet die Tür nach rechts) Hier andohl. De lesd Döör rechts.

 

Tamara:     (tänzelt an Rolf vorbei) Ooh..., veelen Dank ok, jung Mann. (ab)

 

Rolf:          (allein, muß sich den Schweiß abwischen) Keerl, wat geiht hier vör ? De will Thorsten anlernen ? Wat will se em denn blots bibrengen? Dat sücht doch 'n blinden, dat dat 'n Bordsteen-Schwalbe is.

 

5.Szene

 

Georg:       (kommt plötzlich von hinten herein) Dat is aver lichtsinnig, de Butendöör
open stahn to laten. – Oh, gooden mörgen.

 

Rolf:          Moin, Herr Hansen.  

 

Georg:       Hier kann ja elk un een in.

 

Rolf:          Dat... äh hebb ik seeker heel vergeeten just. – Ik wull sowieso gahn. Eenlik wullen Thorsten un ik tosamen joggen; aver he hett keen Tied.

 

Georg:       Jung, wegen mi musst Du nich gahn. Ik wull blots 'n poor vernünftig Worden
mit mien Fro snacken.

 

Rolf:          Aha. Nee, ik mööt aver würklich los. Äh, Thorsten steiht noch unner d' Dusche. Un... dormit Se bescheed weten: Besöök is daar – ik meen, nich dat Se sik wunnern. Un Ehr Frau, de is just...

 

Georg:       Besöök ? Hier is Besöök? So fröh an ´n Mörgen?

 

Rolf:          Ja. Dat is... wo schall ik seggen ? Se is, tja also...

 

Georg:       Se ? Is dat 'n Fröminsk ?

 

Rolf:          Heel recht. (überlegt schnell) Se is 'n... äh... Bekannte van Thorsten. Wunnern Se sik
bitte nich over ehr sünnerbor Kledaasch.

 

Georg:       Sünnerbor Kledaasch ?

 

Rolf:          Ja; dat – äh, hett wieder nix to seggen, denn se is – ja, wat is se denn? - Se is Schauspeelerin, ja.

 

Georg:       (ganz begeistert) Schauspeelerin ? Un dat hier bi mien Dochter in 't Huus ? Is ja 'n Ding !

 

Rolf:          Ja, nich wohr ?! Nu mööt ik aver los. Seggen Se Thorsten bitte, dat ik gahn bün ?

 

Georg:       Ja, maak ik.

 

Rolf:          Bit annermol denn. – Puh... (ab nach hinten)

 

Georg:       Tschüß. (allein, geht mit den Handflächen übers Haar, lächelt erwartungsvoll) So, 'n
Schauspeelerin is hier also. Dat is ja interessant.

 

6.Szene

 

Tamara:     (kommt wieder zurück, wundert sich ein bißchen) Nanu, well hebb wi denn daar ?

 

Georg:       (verbeugt sich vornehm) Dörv ik mi vörstellen ?! Georg Hansen is mien Naam.

 

Tamara:     So ? Ik bün Tamara.

 

Georg:       Tamara. (schaut sie genauer an) Ik bün just gewohr warrn, dat Se wat heel besünners sünd - also, wat Ehr Beruf angeiht. - Sünd Se van 'd Film of van d' Theater?

 

Tamara:     (muß lachen) So as Se wüllt.

 

Georg:       (ist vorsichtig, weil er denkt, er hat es mit einer berühmten Persönlichkeit zu tun)
Ik... ik dörv Tamara to Se seggen ?

 

Tamara:     (macht es sich wieder gemütlich) Na klor. Dat maakt doch jeede. Ik hebb mi ut de
Huusapothek 'n Aspirin nohmen. Dat geiht doch klor, oder ?

 

Georg:       Ja seeker. Nehmen Se sik allns, wat Se bruken.

 

Tamara:     (reibt sich an die Stirn) Hach, disse Kopp-Pien. Dat kummt blots van disse Scheiß-Arbeid.

 

Georg:       Och, dat deiht mi leed. Ik hebb docht, dat is 'n Beruf, daar mööt man mit Liev un Seel bi ween.

 

Tamara:     Ja seeker. Wi dohnt ja ok blots so, dormit de Typen ehrn Spaß hebbt.

 

Georg:       Aha. (sehr interessiert) Äh, improvieseeren Se denn ok ?

 

 

Tamara:     Dat kummt heel dorup an, wat verlangt ward. Aver allns maak ik nich.

 

Georg:       Laaten Se sik denn jümmers so recht in Ehr Rull fallen, of speelen Se eenfach drup los ?

 

Tamara:     Dat hangt dorvan af, wat betahlt ward. Meestens is dat blots speelt.

 

Georg:       (schwer beeindruckt) Dat mööt ja jümmers wedder 'n Erlebnis ween.

 

Tamara:     Wat ?

 

Georg:       Na, Ehr Beruf ! (setzt sich)

 

Tamara:     Na ja...

 

Georg:       Kriegen Se ok woll mol Angebote; dat Se 'n heel utgefallen Rull speelen schöllnt ?

 

Tamara:     Dat kummt hen un her ok vör, ja.

 

Georg:       Wenn IK an Ehr Steh weer - weeten Se, wat mi am meesten Spass maakt harr – dat Verkleeden.

 

Tamara:     Dat wüllt de Keerls ok männigmol.

 

Georg:       Ja? - Wat speelen Se denn so ?

 

Tamara:     Na, lütte Schooldeerns of Nonnen; aver meestens ward dat Häschen verlangt.

 

Georg:       Och, na 'n Stil van Walt Disney, wa ?!

 

Tamara:     Ik würd erde seggen: In Freestil.

 

Georg:       (beeindruckt) Wat för 'n Beruf ! – Dat is 'n Jammer, dat mien Ollern domols dortegen weern. Na ja, weer ok woll 'n anner Tied as hüüt.

 

Tamara:     Danken Se Ehr Ollern. Dat is, weet Gott, keen Zuckerlicken männichmol.

 

Georg:       Aver ik harr dat Tüch dorto hat. Ik harr Talent, glöven Se mi. - As ik lütt weer, bün ik stündenlang in Mudders oll Kleeden herumlopen.

 

Tamara:     Och Gott. Ja, so fangt dat meestens an.

 

Georg:       Hach, harr ik dat doch blots eenmol utprobeert. Wenn man de Liebhaber so sücht,
de hüüt op de Leinwand to sehn sünd... also, dat man sik nie nich dörchsett hett sik sien Leevensdröm to erfüllen. Mi argert dat hüüt noch. Man wenn de Ollern nich mitspeelen... aver ik harr dat kunnt, denn ik.

 

Tamara:     Na dann... Dat is eenlik nie nich to laat dormit antofangen.

 

Georg:       Na, hüüt bün ik woll to old dorför.

 

Tamara:     Ha, dat gift ollerden as ik, de hebbt mehr Kohle verdeent as ik jemols to

                  drömen wagt hebb. Fragen Se mi nich, wo de dat maakt hebbt.

 

Georg:       Na ja, hüüt kann ik dat woll nich mehr riskieren, denk ik. Ik bün ja bold in 't
Rentenoller. Well nimmt mi denn noch?

 

Tamara:     Se sünd nich de erst, de dat so laat erwischt. Dat is overhaupt keen Problem
de passend Fummel för Se to finden.

 

Georg:       Wie bitte ?

 

Tamara:     Na, staht Se mol op, Darling. – Na los !

 

Georg:       (tut es)

 

Tamara:     Na also. Stella hett just ehr Grööt. De hett so fetzig Klamotten – dat glöven Se gor nich.

 

Georg:       Ja, aver hüüt will ik doch keen Fro mehr speelen.

 

Tamara:     Um lütte Jungs to speelen, dorto sünd Se würklich 'n beten to old.

 

Georg:       Na ja, dat ward nix mehr, dat weet ik sülmst. Aver weeten Se wat – mi maakt
dat genau just soveel Spass totokieken. Mi blifft ja ok anners nix over.

 

 

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