Lange danach gesucht - auf Ibiza 2012 endlich gefunden
Musiker gesucht

             „Infroren Leevde“

 

Kriminalkomödie in 3 Akten

von

Helmut Schmidt

 

 

Inhalt:

 

Der 15jährige Markus - Sohn von Sascha und Tanja Burmeister - leidet an einem schweren Herzfehler. Eine Operation kann nur in den USA durchgeführt werden; und dieses kostet dem Ehepaar ca. 20.000 Euro. Die beiden haben jedoch erst vor kurzem ein großes Haus gebaut, sich finanziell übernommen, und die Banken bewilligen keine neuen Kredite. Beide versuchen nun das Geld so schnell wie möglich für die Behandlung von Markus zusammenzusparen. Sascha spielt dafür an den Wochenenden in einer Rockband, und Tanja verdient sich zuhause – in ihrem privaten Nagel-und Kosmetikstudio – einiges dazu. Das sollen von Tanja zumindest alle annehmen. In Wirklichkeit empfängt Tanja jedoch Herren in ihrem Haus, denen sie für sexuelle Dienste zur Verfügung steht. Das bringt mehr Geld und dem kranken Sohn kann somit schneller geholfen werden. Zum Eklat kommt es, als der Freier Fred Lüchtenburg sich in Tanja verliebt und von ihr verlangt dass sie sich scheiden lässt. In einer ausweglosen Situation greift Tanja zu einer Weinflasche, will ihn damit  erschlagen, doch der herzschwache Fred bricht schon vorher zusammen und liegt leblos am Boden. Im gleichen Moment taucht auch noch unverhofft Tanja´s Mutter auf. Wie soll Tanja ihr diese Situation erklären ? Soll sie sich der Polizei stellen, ihrer Mutter und ihrem Mann alles beichten, oder gibt es eine andere – vielleicht weniger humane – Lösung ?

 

 

 

 

 

 

Spieler: 3m/2w, 2 m Statisten – 1 Bühnenbild

 

 

Sascha Burmeister      -           Versicherungskaufmann

(ca. 40 Jahre)

 

Tanja                           -           (seine Frau) ca. 40 Jahre

 

Gertrud Schneider      -           Tanja´s Mutter (ca. 60 J.)

 

Fred Lüchtenburg      -           Kunde von Tanja (25-50)

 

Matthias Hasenfuß     -           Kunde von Tanja (25-50)

 

 

sowie 2 männl. Mitarbeiter* einer Elektrofirma –

(ca. 25 – 50 Jahre)

 

 

  • die beiden männlichen Mitarbeiter haben so wenig Text, dass man sie kaum als „Rollen“ bezeichnen kann.

 

 

 

 

Bühnenbild:

 

Das Bühnenbild zeigt die Wohnküche der Familie Burmeister. Sie ist schick eingerichtet. Im Raum befindet sich entweder eine Sitzgruppe, ein Tisch und einige Stühle oder Sessel, - Sofa wäre von Vorteil - ein Schrank, Regale, Pflanzen u. a. Es ist eine Mischung aus Ess – und Wohnzimmer. Irgendwo steht eine Stereoanlage, irgendwo das Telefon oder Handy. Es werden drei Türen benötigt. Nach hinten geht eine Tür zum Flur nach draußen; gleich dahinter ist links oder rechts die Außentür; links im Raum führt eine weitere Tür zu den Schlafräumen und rechts eine dritte zur Küche, zum großen Wohnzimmer und anderen Räumen. Alle weiteren Ausstattungen bleiben der Gruppe überlassen.

 

 

 

 

Spielzeit: Frühling/Sommer in der Gegenwart

 

 

Spielort: Dorf irgendwo in Deutschland

 

 

Spieldauer: ohne Pausen ca. 100 Minuten

 

 

Erster Akt

 

(Wenn der Vorhang sich öffnet, telefoniert Tanja stehend mit dem Chefarzt des Krankenhauses, in dem ihr Sohn Markus derzeit behandelt wird. Auf dem Tisch stehen zwei Kaffeebecher, sowie eine Kaffeekanne, Milch, Zucker und ein Tablett. Auf einem der Stühle liegt eine Arbeitstasche, über die Lehne hängt eine Jacke. Tanja trägt völlig „normale“ Alltagskleidung. Es ist ein Wochentag, ca. 8:30 Uhr)

 

1. Szene

 

Tanja:        Ja sicher – ich verstehe. Aber sein Zustand hat sich insgesamt nicht verschlechtert? – (seufzt erleichtert) Das ist doch eine gute Nachricht. Und – können Sie jetzt endlich ungefähr sagen, wie lange wir höchstens noch warten dürfen? (Pause) Maximal sechs Wochen – aber je eher je besser. Ja, vielen Dank, Doktor Patschek. Mein Mann und ich schauen heut´ Abend nochmal vorbei. – Ja natürlich. Ja, mach ich. Auf wiederhör´n. (legt auf; im gleichen Moment kommt...)

 

2. Szene

 

Sascha:      (...von rechts mit eingepackten Butterbroten und einigen Unterlagen herein, wirkt ein bisschen in Eile, trinkt seinen Kaffee, aus dem bereits gefüllten Becher, verstaut Brote und Papiere in seine Tasche, zieht während des Dialogs mit Tanja seine Jacke über) Un?

 

Tanja:        Verannert hett sück nix bi Markus – aver sien Tostand is ok nich schlechter worden.

 

Sascha:      Na, dat is doch tomindest wat!

 

Tanja:        Aver Dr. Patschek kunn uns nu seggen, wovöl Tied uns noch blifft. Dorum hett he ok glieks anropen. De neijsten Ergebnisse van ´t Labor liggen just vör.

 

Sascha:      (geht zu ihr) Un?

 

Tanja:        Langer as sess Weeken sull wi nich mehr wachten mit de Operation.

 

Sascha:      (aufgebracht) Sess Weeken? Aver bit dorhen krieg wi nie nich in ´t Leeven 20.000 Euro tosamen. Wi hebbt nu... (sucht schnell aus einer Schublade einen Heft, blättert darin, dann:) ...7375 Euro. Un doran hebb wi over dree Maant sport.

 

Tanja:        Ik dürt gor nich dorover nadenken, up wat wi allns verzicht hebbt in disse Tied.  Du hest nich mol ´n Gebursdags-Geschenk van mi kreegen.

 

Sascha:      Wiel ik dat nich wull. – (kurze Pause) Dat ward verdammt knapp. Um nich to seggen – unmögelk. --- Un wenn ik doch nochmol na d´ Bank gah ?

 

Tanja:        Sascha – wi kriegen keen Kredit mehr. Du hest doch al sämtliche Banken in ´t heel Rebeet offklappert. Wi mutten versöken, dat Geld sülmst tosamen to kriegen – mit uns Arbeid – anners sücht dat schlecht ut för Markus.

 

Sascha:      (kurze Pause) Wi hebbt uns mit dit Huus overnohmen, Tanja. Wenn wi nich baut haren, kreeg wi ok Geld van de Banken.

 

Tanja:        Sascha – dat hebb wi vör Johren doch aver beid so wullt. Un dit Huus is wunnerbor, un een Stück van uns worden! Well hett denn domols ok doran docht, dat uns Jung Markus so bannig krank ward un de Krankenkassen uns hangen laten? Man bi de Banken is uns Limit even utschöpft. Wi könnt uns jetzige Raten ja blots knapp torüchbetahlen.

 

Sascha:      (nach einer kleinen Pause) Hest Du al mol doran docht, dat wi dat Huus wedder verkopen kunnen?

 

Tanja:        Sascha – dat is doch nich Dien ernst? Un wenn wi irgendwor hüren kost dat doch ok elkeen Maant Geld. Wor was denn dor de Unnerscheed?

 

Sascha:      Ik weet, ik weet – dat was een dummen Gedanke.

 

Tanja:        Hhm.... (etwas verzwieftelt) Wi schaffen dat nich. Wi schaffen dat eenfach nich.

 

Sascha:      (erbost) Aver wi könnt uns Kind doch nich starven laten, blots wiel wi dat Geld för disse OP in de USA nich hebbt. Dat mutt doch een Lösung geven.

 

Tanja:        Dr. Patschek hett seggt, Markus is stark. Immerhen hett he mit sien 15 Johren mehr Abwehrkräfte as een neijgeboren Kind. Viellicht düren wi mit de OP ja doch noch ´n poor Week wachten. Sien Tostand is doch siet Weeken stabil.

 

Sascha:      Dat kann sück aver ok bannig gau wedder annern. (plötzlich:) Wat is, wenn wi de Pastor um Hülp beden? Off mit uns Problem in ´t Fernsehn gahnt; off tomindest an de Öffentlichkeit? Viellicht spenden de Lüüd för Markus? (sieht Tanja´s skeptischen Gesichtsausdruck) Okay – dat is nich uns Stil; hest ja recht.

 

Tanja:        Allerdings ! Ik maak bestimmt nich een up  „Bedel-Klaas“. Butendem lachen de uns doch ut – wi sünd ja nich arm. - Dr. Patschek hett uns ja noch mindestens sess Week geven. In disse Tied könnt wi noch vööl Geld verdeenen.

 

Sascha:      (laut) Ja, wo söllnt wi dat denn verdeenen? Dat is nich genug. Dat langt nich. De Summe krieg wi nie nich tosamen ! – (dann ruhiger nach einer kleinen Pause) Wees mi nich bös, Tanja, dat ik luut ward – aver maak wi uns dor nich blots wat vör ? Nich mol 8000 Euro hebbt wi sport in 12 Weeken – dann is dat doch heelmol unmögelk tweemol sovöl in sess Weeken tosamen to kriegen! Wenn ik ok nebenbi jeeden Weekenend Freedags un Saterdags spöl in de Band – wi sünd mit de Drummer un de Sängerin 3 Personen. Un wenn na een langen Nacht 500 Euro betahlt ward – dat mutt elkemol dör dree dehlt worden. Un in ´t Büro löppt dat upstünd ok nich to ´n Besten. Wenn ik keen neije Verträge offslut, kummt ok nix rin bit up mien Grundgehalt.

 

Tanja:        Aver siet ik nich mehr blots putzen gah, un hier tohuus siet twee Maant Geld verdeen mit mien privat Nagel-un Kosmetikstudio, hebb wi ´n heel büld mehr verdeent. Ok vandag hebbt sück wedder twee Kunden anmeldt. Un de betahlen nich schlecht. De erste kummt glieks al.

 

Sascha:      (seufzt etwas verzweifelt auf, nimmt Tanja in den Arm) Mien Fro, de Optimistin. Worum mutt denn utgerekend  uns Jung so een schworen, komplizierten Hartfehler hebben, de man hier in Dütskland nich behandeln kann?

 

Tanja:        Blots Gott weet worum. – Aver Sascha... Ik hebb Di ok vertellt, dat ik mit Moder prot hebb. Viellicht kann se dat Geld för uns...

 

Sascha:      (schnell) Nich van Dien Moder ! Ik nehm keen Geld van mien Schweegermoder! För hör was ik doch al immer ´n Niete. Se hett mi dat al 1000 mol vörholen, dat Du wat beeters verdeent harrst as een lütten Versicherungs-koopmann.

 

Tanja:        Ik weet. Was ja ok blots so ´n Gedanke – Du Dickkopf. - Aver se hett seggt, dat se uns gerne helpen wull, wenn wi overhopt nich mehr wieder wüssen. Markus bedütt hör allns. 

 

Sascha:      Tanja – verspreek mi, dat wi beid allns versöken, dat Geld för Markus´ Operation sülmst tosamen to sporen. Ik weet, dat dat viellicht nich mögelk is – aver bevör ik Geld van Dien Moder annehm will ik leever mien lesd Hemd verkopen. – Laat uns disse sess Weeken noch nutzen, dat sülmst to schaffen, ja?!

 

Tanja:        As Du meenst - viellicht schaff wi dat ja doch. (gibt ihm einen Kuss auf die Wange)

 

Sascha:      Un nu mutt ok noch uns Gefriertruhe sien Geist upgeven. Wedder 400 Euro weg för dat neij Deel. Wenher ward de eenlik leevert?

 

Tanja:        Ik glöv vanamiddag. - Un ik mutt unbedingt noch Levensmiddel inkopen. Wi hebbt so good as nix mehr in ´t Huus.

 

Sascha:      Dann acht aver wedder up de Sonder-angebote, ja?! Fohr na Lidl, Plus off Aldi.

 

Tanja:        Maak ik doch al siet Maanten. (schaut auf ihre Uhr, tickt mit dem Finger darauf, so dass Sascha dieses sieht) Segg mol...

 

Sascha:      (schaut dann auf seine Uhr) Oh Mist – so laat is dat al? Ik mutt los. (trinkt schnell den Rest seines Kaffees, nimmt seine Arbeitstasche, gibt Tanja einen Kuss, geht schon zur Tür nach hinten) Bit hüüt Avend. Un... wees fründelk to Dien Kunden; un laat Di gern vööl Tied bi hör Fingers un Nagels – dann kannst Du ok mehr Kohle verlangen.

 

Tanja:        Sascha – ik maak dat al.

 

Sascha:      Ik weet - Tschüß, Schatz. (Tür zu)

 

Tanja:        Tschau, Sascha.

 

Sascha:      (öffnet die Tür noch mal) Tanja? Wi schaffen dat al irgendwie. Ik hebb Di leev.

 

Tanja:        Ik Di ok, Sascha.

 

Sascha:      (lächelnd endgültig ab)

 

3. Szene

 

Tanja:        (wird sofort leicht hektisch, sobald Sascha die Tür geschlossen hat. Zieht blitzschnell ihre Bluse oder ihren Pulli aus. Darunter trägt sie einen Body in einer auffälligen Farbe. Zieht ebenso ihre Hose oder den Rock aus; nimmt beides mit ab nach links, kommt sodann zurück mit einem seidenartigen Umhang o.a. und einem Schminkkoffer und hochhackigen Schuhen. Sie setzt sich an den Tisch, bindet ihre Haare zusammen oder löst diese, frisiert sich recht „wild“ oder setzt eine Perücke auf. Schminkt ihre Lippen, Lider, Wangen – alles in recht krassen Farben. Evtl. zieht sie sich auch noch Netzstrümpfe über, zieht dann die Schuhe an. Alles passiert sehr zügig, weil sie etwas unter Zeitdruck steht. Hin und wieder schaut sie auf ihre Uhr. Legt evtl. mehr Schmuck an; geht dann zur Stereoanlage, legt eine erotische Musik auf (z.B. „Je t´ aime“ o.a.), räumt schnell das Frühstücksgeschirr weg, bringt es nach rechts, holt dann aus einem Schrank eine Kerze incl. Ständer, zündet diese an, stellt sie auf den Tisch, dämmt – falls technisch möglich – das Licht ein bisschen im Zimmer, schaut dann nochmal in einen Spiegel, den sie danach – wie alle anderen Utensilien – in den Schminkkoffer verstaut, alles ins Nebenzimmer bringt, zurückkommt, zum Schrank geht, zwei Rotweingläser und eine Flasche Wein hervorholt, dieses auch auf den Tisch stellt, sich dann etwas geschafft hinsetzt. Dann klingelt es an der Tür)

 

Tanja:        Du leeve Tied – wat för ´n Timing. (seufzt, geht nach hinten in den Flur, öffnet dann die Außentür – aber erst, nachdem sie durch das Guckloch geschaut hat)

 

4. Szene

 

Fred:          (kommt herein, begrüßt Tanja im Flur mit einem liebevollen Kuss auf die Wange) Hallo.

 

Tanja:        Hallo Fred.

 

Fred:          (kommt dann herein. Ein recht selbstbewußter Macho, trägt ein Oberhemd* welches weit geöffnet ist, evtl. Schmuck, eine schwarze Hose, hat eine hübsch verpackte Schachtel – ca. 30 x 40 cm - dabei, die er zunächst auf den Tisch legt; lässt sich sogleich auf die Couch oder in einen Sessel „fallen“, streckt die Beine aus, zündet sich eine Zigarette an.

 

                  *(wählen Sie bitte ein Oberhemd in einer Farbe mit einem Wiedererkennungswert und achten Sie auch darauf, dass das Hemd Brusttaschen hat mit Klappen, die man mit einem Knopf oder Reißverschluß verschließen kann)

 

Tanja:        (kommt dazu, nachdem sie erst die Außen – dann die Wohnzimmertür geschlossen hat, bleibt stehen, versucht freundlich zu sein. Man spürt aber auch, dass sie sich unwohl fühlt) Wo... wo geiht Di dat ?

 

Fred:          Och Du... Du kennst mi doch. Mi haut so liggt nix um. Männigmol bün ik bannig unnern, man ik hebb dat in ´n Griff – un na mien Therapien weet ik, dat dat ok moij Dinge in ´t Leeven gifft, aver dat ik ok irgendwenher van disse Eer gahn mutt.

 

Tanja:        Ja seeker.

 

Fred:          Du weest ok, dat ik nich up disse Dag wachten much, wenn mi dat mol tovöl ward. Un för dissen Fall hebb ik doch alltied mien lütte Fründin dorbi. (holt aus der Brusttasche des Oberhemdes eine kleine Flasche hervor mit einer klaren Flüssigkeit. Darauf evtl. ein Totenkopf)

 

Tanja:        Pack dat bitte weg, Fred. 

 

Fred:          Maak ik doch ok, mien lütte Haas. Keen Bang. (steckt es wieder in die Brusttasche) Vandag gifft dat för mi ja ok afluts keen Grund, mien Leeven to beenden. Bi disse Anblick hier much ik noch 100 Johr up disse Eer sien. Oh... Du süchst so geil ut.

 

Tanja:        (etwas verlegen) Danke.

 

Fred:          Is he in ´t Büro ?

 

Tanja:        Is he! – Aver dat spölt keen Rull, Fred. Du sallst nich immer na Sascha un mien Privatleeven fragen. Ik frag ok nich na Dien.

 

                  (achten Sie bitte darauf, dass die Musik nur leise im Hintergrund zu hören ist, damit es den Dialog nicht stört)

 

Fred:          Kannst Du aver gern maken. Wat wullt Du weeten van mi? Sall ik Di vertellen, wo mien Dag bitlang so was vandag?

 

Tanja:        Nich nödig. – Een Glas Wien, so as alltied? Du äääh... kunnst dann al mol de Buddel open maken. (holt aus einem der Schrankschub-laden einen Korkenzieher, legt diesen auf den Tisch, ebenso einen Aschenbecher)

 

Fred:          (nimmt die Flasche, betrachtet sie) Du hest wedder mien Lieblings-Wien besörgt? Tanja – ik seh, wi verstahnt uns. (beginnt dann, die Flasche zu öffnen) Ik hebb Di ok wat mitbrocht. (deutet auf die Schachtel) Na, nu maak al open.

 

Tanja:        Fred, Du sallst mi nix schenken. De Pries is 150 Euro – dat weest Du.

 

Fred :         Mann eh – seeker weet ik dat. Du kriggst Dien Geld ja glieks. Dat Geschenk hett doch nix mit de Pries to dohn. Ik bün vandag to ´n 25sten Mol bi Di. Dorum dat Geschenk.

 

Tanja:        (sträubt sich ein wenig, es anzunehmen)

 

Fred:          Tanja – bitte. Ik mutt doch weeten, off Di dat gefallt. (hat die Flasche nun geöffnet, schenkt in beiden Gläsern Wein ein)

 

Tanja:        (nimmt dann die Schachtel vom Tisch, öffnet diese, bzw. entfernt zunächst das Papier, holt dann ein hübsches Dessous heraus, hält es hoch)

 

Fred:          Wenn Du de Farv nich machst, kannst Du dat umtusken – de Grötte muss allerdings stimmen. De kenn ik nu ja langsom.

 

Tanja:        (legt die Wäsche zurück in den Karton) Fred.

                  Dat... dat kann ik nich annehmen. Un ik will ok keen Geschenke. Van keeneen. Un al gor  nich sowat!

 

Fred:          (steht auf, geht mit einem Glas zu ihr, stellt sich hinter Tanja. Die Zigarette hat er in den Ascher gelegt) Mäusi... ik will aver, dat Du dat annimmst. Un ik much gern, dat Du dat för mi antreckst vandag. Un dorför betahl ik Di ok 50 Piepen mehr. Na, is dat een Angebot?

 

Tanja:        (denkt natürlich nur an das Geld) 50 Euro extra?

 

Fred:          Aver ja... (reicht ihr das Glas, küsst ihren Hals) Prost Schatz.

 

Tanja:        (nimmt das Glas, geht dann aber – leicht angewidert – einen Schritt zur Seite) Okay, ik treck dat an för Di. (hält die Hand auf) 200 dann bitte, Fred.

 

Fred:          Ja ja... worum denn so stressig ? Twee Stünden hören mi – dat is doch immer so.

                  (trinkt)

 

Tanja:        Seeker. Aver vörher ward betahlt. Dat is ok immer so. (nippt an dem Wein, stellt das Glas dann ab)

 

Fred:          (stellt sein Glas auch – etwas gegen seinen Willen – ab, holt seine Geldbörse hervor, entnimmt 200 Euro, legt sie ironisch-galant auf den Tisch) Bitte sehr. 200 Euro för de Dame.

 

Tanja:        (greift schnell danach, kleinlaut:) Danke.

 

Fred:          Du wirkst verspannt vandag. Irgendwat nich up Steh? (raucht wieder)

 

Tanja:        Doch. Is allns bestens.

 

Fred:          Aha. Un? Hest Du mi anners noch wat to seggen?

 

Tanja:        (überlegt kurz) Wat meenst Du?

 

Fred:          Na, wat woll?

 

Tanja:        (versteht dann) Vöölen Dank för dat Geschenk. Aver könnt wi nu bitte anfangen?!

 

Fred:          Hoho... Fro Burmeister steiht een beeten unner Druck vandag?! Aver bitte. So as Du wullt. (beginnt dann seine Jacke und das Oberhemd auszuziehen. Man sieht, wie er das Ausziehen genießt. Während des nächsten Dialogs zieht er Schuhe, Hose u.a. aus, bis er nur noch in Unterhosen da sitzt; die Kleidung liegt verstreut auf dem Boden) Wullt Du nich endlich dat Dessous antrecken?

 

Tanja:        (widerwillig) Ja seeker. (will ab nach links mit der Schachtel)

 

Fred:          Un Markus ? Geiht hum dat mittlerwiel wat beeter?

 

Tanja:        (fasst es nicht, kommt sofort zurück; legt die Schachtel irgendwo im Raum ab, dann aufgebracht:) Wat weest Du van Markus?

 

Fred:          Baby, ik bün siet Weeken Dien best Freier. Un leider ward ik van Di ok blots so behandelt. Aver Du büst för mi doch al lang mehr as een Fro, de ehren Körper anbütt. – Ik mag Di, Tanja. Un dorum will ik ok allns van Di weeten. Ik informeer mi even. Un dat man Dien Jung Markus blots in d´ USA helpen kann – un de Operation 20.000 Eier kosten sall...  seeker weet ik dat. De Lüüd proten vööl. Wovöl fehlt jo denn noch?

 

Tanja:        Ik faat dat nich. Wat fallt Di in, so achter mi her to spioneeren? Dat geiht Di gor nix an. Gor nix ! Mien Privatleeven hett mit dat wat Du hier mit mi maakst nix to dohn. Hol Di dor gefälligst rut. Anners bruukst Du nie nich wedder hierher komen!

 

Fred:          Schatz, dat meenst Du doch nich ernst, oder?

 

Tanja:        (jetzt sehr laut) Un nöhm mi nich „Schatz“! Dat dürt blots Sascha.

 

Fred:          Sascha… tsss… Du kannst Di dat doch gor nich leisten, dat Du mi weg stürst. De poor Piepen, de sück hier hen un her bi Di sehn laten, komen meestens al na ´n half Stünd wedder bi Di rut.

 

Tanja:        (kann es kaum glauben) Du beobachtst uns Huus?

 

Fred:          Na ja... seeker brengen se dat gor nich mehr. Un mehr as 50 Euro laten de doch ok heel seeker nich hier. Nee nee, Tanja – mi vertellst Du keen Märchen. 150 Euro van mi tweemol in d´ Week is viellicht de Rettung för Dien Markus. Aver wenn Du heel ehrlich büst, weest Du ok genau, dat dat trotzdem nich langen deiht.

 

Tanja:        (zunächst noch barsch, dann weinerlich) Fred, bitte hör up! Dat is för mi doch allns al leep genug, dat ik hier...

 

Fred:          ...dat Du de Been breet maakst, blots um so gau as mögelk an Geld to komen, während Dien Göttergatte dorvan utgeiht, dat Du ´n poor feine Damen de Nagels manikürst ?!

 

Tanja:        Oooh... Du büst so ´n Ekelpaket, weest Du dat eenlik?

 

Fred:          (nimmt ihre Bemerkung ganz locker) Ik bün een Ekelpaket? Nee – mien Tüti, ik bün een Mann mit “Gottes gegebenen Trieben“, de sück heel seriös up ´n Annonce meldt hett un bi een bannig attraktive Fro een beeten Spaß hett. Wiel disse Lady Tanja sück freewillig anbütt. Un ik prot even nich um de heet Bree herum.

 

Tanja:        (versucht, sich zusammen zu reißen) Okay. Du hest recht. Laat uns nu nich mehr proten. Kummst Du mit in d´ Slapkamer?!

 

Fred:          Gern. Aver viellicht gifft dat vörher noch een Kleenigkeit, over de wi uns unnerholen kunnen.

 

Tanja:        (etwas verzweifelt) Worum kummst Du nich eenfach mit na tegenan un holst nu Dien Mund? So as alltied? Ik treck ok dit Deel för Di an.

 

Fred:          (sucht in der Innentasche seiner Jacke oder Hose, die irgendwo liegt) Weest Du, wat dat is? (hält ein Sparbuch in der Hand)

 

Tanja:        Dien Privatsaken gahnt mi nix an.

 

Fred:          (geht zu Tanja, stellt sich hinter sie, legt erst seine Arme auf ihre Schultern, öffnet dann das Sparbuch, so dass Tanja hineinschauen kann) Kiek doch mol, Muuske, dat is noch over bleeven van de Verkoop van mien Ollernhuus.

 

Tanja:        (sehr überrascht) 175.000 Euro ? Aver... ? (löst sich dann aber schnell von ihm)

 

Fred:          Ik hebb een gooden Job, aver ik bün in mien Hüürwohnung best tofree. As Eenzelkind hebb ik van mien Ollern allns arft, nadem se vör good ´n Johr stürven sünd. Ik muss eenlik gor nich arbeiden – ik bün riek.

 

Tanja:        (wieder gefasst) Moij för Di. Un wat sall dat?

 

Fred:          Geld bedütt mi nix, Tanja. Aver Du – Du bruukst dat för Markus. Ik kann Di dat geven – tomindest sovöl, as Du för sien Behandlung bruukst.

 

Tanja:        (etwas durcheinander) Fred, Du büst ja...

 

Fred:          Ja, wat denn, mien Haas ?

 

Tanja:        Nöm mi nich Haas!

 

Fred:          Ik schenk Di dat Geld. Ik kann mit mien Geld maken wat ik will. Ik kann mi noch een neije grood Auto kopen; noch mehr Schmuck un dür Uhren, off een Weltreis maken – aver worto? Vööl mehr de mi dat wat bedüden, wenn irgendwell glückelk wur mit dat Geld. Un dat warst Du doch, oder?!

 

Tanja:        Ik nehm heel seeker keen Geld van Di an! (kurze Überlegungs-Pause) Dat heet, tomindest nich as Geschenk. Dann al erde as Darlehen. Aver wo sall ik Di dat jemols torüchbetahlen?

 

Fred:          Na, ik denk, dor sall uns woll noch wat infallen. (grinst breit)

 

Tanja:        (versteht schon) Oh nee! Vergeet dat! Vergeet dat heel gau wedder. Sobold mien Mann un ik genug Geld tosamen hebben, is dit Dübbel-Leeven hier vörbi för mi. Un för Di bün ik dann ok stürven. Wi hebbt uns nie nich kennt – hörst Du?! Du denkst doch nich in ernst, dat ik Di för Dien Geld johrenlang horizontal danken do?! Perverser geiht dat ja woll nich.

 

Fred:          Tanja, dat was doch blots een Witz. Nu denk doch nich alltied blots so schlecht van mi.

 

Tanja:        Kumm, rut mit de Spraak! Ik kenn langsom Dien Charakter. Du deest mi dat Geld nie nich lehnen ohne dorbi Dien Vördeel to sehn.

 

Fred:          Na ja... ik harr dor al ´n Idee, wo Du Di dankbor wiesen kunnst.

 

Tanja:        Na also. Wenn ik dat nich ahnt hebb. Also – wat verlangst Du?

 

                  (es klingelt an der Tür)

 

Tanja:        (erschrocken, schaut auf die Uhr) Well kann dat sien?

 

Fred:          (eher locker) Al de nächste Gast för Di? Obwohl wi beid noch nich mol angefangen hebbt? Oh oh…

 

Tanja:        Och quatsch! – Wess still. Ik kiek dör ´t Gatt. (geht nach hinten in den Flur, lässt die Tür zum Wohnzimmer offen, schaut durch das Guckloch der Außentür, so dass die Zuschauer es sehen können, kommt recht aufgebracht zurück, schließt die Tür wieder) Mien Moder. Wat will de denn al so fröh hier?

 

Fred:          De sall woll al wedder gahn, wenn Du de Döör nich open maakst.

 

Tanja:        Even nich ! Ik kenn doch mien Moder.

 

Gertrud:    (ruft von draußen:) T a n j a ! Ik bün dat!

 

Tanja:        Oh Gott, Du... Du musst verschwinden hier. Sofort. (scheucht ihn schon hoch)

 

Fred:          Aver wor sall ik denn hen?

 

Tanja:        Ik weet ok nich. Erstmol... in d´... in d´ Slapkamer. Na, nu maak al! („schiebt“ ihn dorthin, nach links) Un dat Du keen Mucks van Di giffst ! Ik versöök, ehr so gau as mögelk, wedder los to worden.

 

Fred:          (wehrt sich ein bisschen) Na, dann gev mi tomindest de Wien mit – well weet, wolang dat dürt...

 

Tanja:        (geht schnell zum Tisch, holt Flasche und Glas, drückt es ihm in die Hand, schiebt ihn dann weiter ins Schlafzimmer)

 

Gertrud:    (von draußen erneut) T a n j a ???

 

Tanja:        (ruft zurück) Jaaaa... ik kom – Moment noch.

                  --- (zu Fred:) Nu gah doch al!

 

Fred:          Ja doch.

 

Tanja:        (geht mit hinein, kommt schnell mit einem Bademantel bzw. Morgenrock und einer großen Badekappe wieder heraus, (Perücke evtl. abnehmen, zieht die andere Kleidung zügig über, zieht dann schnell ihre Schuhe aus)

 

Gertrud:    (klingelt erneut und klopft, ruft dann wieder:) Hey... nu maak doch open.

 

Tanja:        Jaaaaa... sofort. (geht dann nach hinten, öffnet die Außentür) Moder, goden Mörgen.

 

5. Szene

 

Gertrud:    (kommt herein; sie ist normal gekleidet, trägt einen Hut und eine Handtasche) Leeve Tied – worum maakst Du denn nich open?

 

Tanja:        (recht unsicher) Ik... ik was in d´ Badkamer – deiht mi leed, dast Du wacht hest. Wat... wat drifft Di denn al so fröh hierher?

 

Gertrud:    Kind, ik hebb de heel Nacht wedder nich slapen. (lässt sich in einen Sessel fallen, stellt ihre Handtasche daneben auf den Boden) Wi mutten doch endlich mien Enkel helpen. Un ik hebb dor nu wat in d´ Kopp, wo wi viellicht doch noch gau an dat Geld komen könnt. Kiek mol, dat is... (sieht die Kleidung von Fred jetzt überall herumliegen, steht auf, nimmt ein Kleidungsstück hoch) Segg mol... sull ik irgendwat weeten? Is Sascha noch dor? – Un well rookt denn hier?

 

Tanja:        (ist die Situation sichtbar peinlich, hebt alle Kleidungsstücke schnell auf, macht ein Bündel davon, lacht gestellt) Hähä... Sascha nimmt dat woll nich so genau mit de Ördnung. Dat... dat mutt wuschen worden; hett he dorum woll hier henleggt. (geht damit zur Schlafzimmertür, öffnet diesen einen Spalt, wirft es dort hinein, schließt die Tür sodann wieder. Sie lässt ihre Mutter währenddessen aber nicht aus den Augen) Un… ja… Sascha hett wedder to roken anfangen. He kann dat even nich laten.

 

Gertrud:    Henleggt seggst Du!? – Bannig wild herumsmeeten de ik dat erde nöhmen. - Hebbt ji denn keen Waskekörv ? Is ja unmögelk, disse Art un Wies. (setzt sich wieder) Un för Zigaretten is Geld genug dor in dit Huus, ja?! Typisch – Dien Götter-Gatte. - Un wat is denn dat för ´n arig Musik, de ik dor hör? Gott, hört sück an as... ik trö mi gor nich, dat uttoproten.

 

Tanja:        Tja... (setzt ein gequältes Lächeln auf, geht zum CD-Player, stellt die Musik ab) Wat de vandag allns so senden in ´t Radio, nich wohr?!

 

Gertrud:    Hhmmm… - Na, nu sett Di mol hen.

 

Tanja:        (tut dies)

 

Gertrud:    Also pass up! Siet Dien Vader vör twee Johr van uns gahn is, ward mi uns Huus vööl to grood. De grood Garden, de ganze Kamers... ik meen, dat gaff dor ´n Mögelkeit. Ik kunn een poor Kamers verhüren... (sieht das Rotweinglas auf dem Tisch stehen, nimmt es) Du drinkst Wien – an d´ fröhen Mörgen?

 

Tanja:        (nimmt es ihr schnell ab) Nee nee, dat... dat Glas steiht noch van güstern Avend hier.

 

Gertrud:    (ungläubig) Och ja ? – (schaut ihrer Tochter erst jetzt das erste Mal direkt ins Gesicht) Kind, wo süchst Du eenlik ut?

 

Tanja:        Wieso ? Wat meenst Du?

 

Gertrud:    Wat hest Du Di denn allns in ´t Gesicht smeert? Dat is ja ´n halv Tuschkasten. Un disse Strümpen; is ja nich to faten. Wat hest Du vör?

 

Tanja:        Ooh... dat meenst Du. Jaaa... ik...wo sall ik Di dat so gau verkloren? – (dann fällt ihr eine Erklärung ein) Du kennst doch Paula, ja?! In ehr Firma löppt just so ´n Projekt, wovööl Make up för Frolüüd in mien Oller noch good utsücht, un wat definitiv to vööl is. Se maakt dann Biller un wert dat ut, ja. Un ik bün – ja, ik bün sowat as ehr erst Opfer för disse Studie.

 

Gertrud:    Paula ? Nie nich wat van hört. – Een Fründin?

 

Tanja:        Mien beste Fründin! Se kummt to ´n Fröhstück hierher un analyseert dat dann. Ja.

 

Gertrud:    Hhmmm..., laat Di aver blots nich so in de Öffentlichkeit sehn. De Lüüd mutten ja anners annehmen, dat Du ´n Bordsteen-Schwalbe büst. (steht auf, geht während ihres nächsten Dialoges im Raum umher)

 

Tanja:        (mit einem gequälten Lächeln) Hähä... Du hest Phantasien.

 

Gertrud:    Phantasien ? Männig geile Bucken stahnt up sowat. Lern Du mi doch nich de Mannslüüd kennen.

 

Tanja:        An sowat hebb ik ja noch gor nich docht. Aver keen Bang – ik gah so nich rut.

 

Gertrud:    Dat de ik Di ok nich raden. - Kiek mol: Dat Huus hett 110 Quadratmeter. Dat is woll nich mehr van ´t Best, aver worum sull ik nich een Zimmer verhüren an een Student off so? Un ik kunn ok ´n Hypothek upnehmen. De Bank lett dat seeker to, wenn se gewohr worden, worför ik dat Geld bruuk.

 

Tanja:        Och Moder. Dat is so leev van Di. Aver Dien Huus is old – over 60 Johr. Un dat lesde Mol wur dat vör 30 Johr renoveert.  De Wert sall woll nich langen för een Hypothek.

 

Gertrud:    Een heel lütte Hypothek mutt doch mögelk sien. Wi mutten nu eenzig un alleen an Markus´ Gesundheit denken – dat is nu dat allerwichtigste. Un dorum gah ik nu glieks na d´ Bank un vertell de dor uns Problem. Somit harr wi endlich dat Geld um mien Enkel... (befindet sich nun im Raum an der Stelle, an der die Schachtel liegt, öffnet diese, holt dann das Dessous heraus, ist empört)

T a n j a !!! Wi all dreihen elkeen Euro 5 mol um, wiel wi jeeden Cent för de OP van Markus bruken, un Du köffst Di so een Swienkram?!

 

Tanja:        (geht hin, nimmt ihr das Teil ab, legt es wieder in die Schachtel, öffnet wieder die Schlafzimmertür einen Spalt, wirft es hinein)

                  Moder... wat denkst Du eenlik van mi?

 

Fred:          (von links) Aua !

 

Gertrud:    Hä ? Wat was dat?

 

Tanja:        Äh... aua. Ik hebb mi de Finger an d´ Döör-Rahm anslahn. To dumm aver ok.

 

Gertrud:    Lütte Sünden bestraft de leeve Herrgott sofort.

 

Tanja:        Aver Moder – disse Fummel hört doch nich mi. Dat hett ok...

 

Gertrud:    ...Dien best Fründin Paula för Di mitbrocht?

 

Tanja:        Genau !

 

Gertrud:    För... ehr tweed Projekt, wat dann wohrschienlich heet:  „Was kann eine Frau über 40 noch alles anziehen?“

 

Tanja:        Ja richtig ! Ik krieg 30 Euro wenn ik dor mitmaak.

 

Gertrud:    Tsss...

 

Tanja:        Du musst mi glöven!

 

Gertrud:    Ja ja. Ik glöv Di allns.

 

Tanja:        Aver; wat Dien Vörslag angeiht: (fasst ihre Mutter an die Schultern) In Dien lütte Huus kannst Du nich noch een Student Unner-schlupf gewähren. Un dat mit de Hypothek... – bannig leev van Di, dat Du uns helpen wullt; aver Du kunnst van een Student ja doch nich de Hüür för 5 Johr in Vörrut verlangen. Un dann kummt dor noch een tweed Sörg to.

 

Gertrud:    Wat denn ?

 

Tanja:        Sascha is to stolz. He mag Di as Sweegermoder; seeker. Aver he de van Di nie nich Geld annehmen. Wiel he dann dat Geföhl nicht kwiet wur, as Verserger dor to stahn. Dat is hum eenfach to schaneerlik.

 

Gertrud:    Off he mi as Sweegermoder mach, much ik bannig in Frag stellen. He is een Dummkopp. Ik meen dat doch blots good. Obwohl – Du harrst wat Beeters verdeent as blots dissen lütten Versicherungskoopmann.

 

Tanja:        (leicht genervt) Ik weet. Dat seggst Du ja nich to ´n ersten Mol. - Aver ik hebb Sascha leev. Un wi mutten dat eenfach alleen schaffen.

 

Gertrud:    Och...

 

Tanja:        Na kumm, wees leev.

 

Gertrud:    Ja, Du hest ja recht. Ik hang ja ok an mien Huus. Wenn dat ok old un rappelig is. Un mit een Unnermieter de ik viellicht so un so nich klor komen. Un off ik Geld van d´ Bank krieg... hhmm... Aver van mien lütte Rent kann ik jo ok nix offgeven. Un een Leevensverseekern harr Dien Vader ja nie nich offsloten. Hach... Ik much aver doch so gern helpen.

 

Tanja:        (umarmt sie) Dat is so leev van Di, Moder. Aver Sascha un ik mutten versöken dat sülmst to schaffen. Ik hebb vandag wedder twee Kunden, de ik de Nagels un Hoor maken sall. Dat leppert sück. Glöv mi. Un Sascha´s Job as Musiker brengt doch ok ´n heel büld in.

 

Gertrud:    Ja, aver wenn ji nich bold de Summ tosamen hebbt, dann is dat amenne to laat för Markus. – Tanja, bitte verspreek mi: Wenn ji dat nich packen, dann segg mi dat. Mi fallt bestimmt wat in. Ik de för ´n Ei un ´n Appel sogor mien Huus verkopen, wenn dat sien mutt. Ok wenn ik blots 10.000 Euro dorför kriegen sull.

 

Tanja:        Danke Mama... (umarmt sie nochmal) Nu musst Du mi leider entschülligen; de erst Kund is glieks hier.

 

Gertrud:    Ja Kind – aver so (deutet auf ihre Kleidung) wullt Du doch woll nich de feine Damen tomood lopen !

 

Tanja:        Even; wiel ik mi ja noch umtrecken mutt, hebb ik leider keen Tied mehr för Di.

 

Gertrud:    Ja, aver ik denk, dat Du Di wegen dit Projekt van disse Paula so upbrezelt hest un dat de to ´n Fröhstück kummt.

 

Tanja:        Ääh… Ja richtig. Un glieks dorna kummt dann de erst Kundin.

 

Gertrud:    Aha.

 

Tanja:        Nu musst Du mi aver würkelk...

 

                  (es klingelt erneut an der Tür)

 

Gertrud:    Oh, is se dat al ? – Dien Fründin Paula?

 

6. Szene

 

Tanja:        (schaut auf die Uhr, recht verunsichert) Äh...ik weet ok nich. (geht nach hinten, schaut durch´s Guckloch, öffnet dann) Gooden Mörgen.

 

Mitarbeiter 1: Elektro Hamel. Wi brengen de neije Gefriertruhe. (gibt ihr einen Lieferschein)

 

Tanja:        Och ja; dat geiht ja fix. Ik harr noch gor nich mit Hör rekend. De oll Truhe steiht achter ´t Huus – de nehmen Se bitte mit, ja?!

 

Stimme:     Ja seeker. Maak wi dat erstmol.

 

Tanja:        Un de neije Truhe stellen Se erstmol hier in de Flur. Ik laat de Butendöör open. (kommt zurück, schließt die Tür zum Flur)

 

7. Szene

 

Tanja:        Hest Du allns mitkreegen ? De leevern al. Dat was so fröh doch gor nich offmaakt.

 

Gertrud:    Un ok disse Aparat kost jo wedder een poor hunnert Euro. Ji haren bi mi jo Saken doch infreesen kunnt. Ik hebb dor seeker noch een beeten Platz för Fischstäbchen un Spinat. Un ik kunn jo dann elkeen Dag brengen wat ji bruken.

 

Tanja:        (sieht sie leicht strafend an) Moder.

 

Gertrud:    Ik bün al still un so good as weg. Vööl Spaß mit Dien Kunden. Ik fohr nu erstmol in ´t Krankenhuus. Telefoneeren wi hüüt Avend? (gibt ihr einen Kuss)

 

Tanja:        Maak wi. Tschüß Mama.            

 

Gertrud:    Bit bold, mien Kind – un treck Di wat an. Wat söllnt de Manslüüd dor buten denn denken? (Kopfschüttelnd ab; ihre Handtasche vergisst sie)

 

Tanja:        Stimmt. Du hest just as alltied recht, Moder. (schließt beide Türen wieder) Puuuuh.... (geht zur Schlafzimmertür, öffnet diese) Okay, se is weg.

 

8. Szene

 

Fred:          (kommt heraus, hat die Weinflasche und das Glas in der Hand; die Flasche ist leer. Er ist aber nicht betrunken, nur angeheitert) Noch ´n halv Stünn dor binnen alleen, un ik harr noch ´n Buddel bruukt. (deutet auf die Weinflasche; stellt beides auf den Tisch ab)

 

Tanja:        Dat was gräsig. So ´n Situation will ik nie nich wedder beleven.

 

Fred:          Ik kann nix dorför, Schatz. Ik harr een Termin – Dien Moder nich. – (deutet auf den Morgenmantel) Un treck dit unerotische Deel doch bitte wedder ut.

 

Tanja:        (tut dies nicht) Nee. Firma Hamel leevert just een neije Gefriertruhe. Erst wenn de weg sünd, könnt wi (etwas angewidert) uns Geschäft för vandag offsluten.

 

Fred:          Aver Muuske – wi hebbt doch uns Deal noch gor nich utdiskuteert.

 

Tanja:        Ik maak mit Di keen Deals – vergeet dat.

 

Fred:          Dat süchst Du heelmol verkehrt. Du hest keen anner Wahl. Mi kunn man vör fiev Johr hier in Dütskland wegen mien swack Hart helpen; de Kasse hett de OP betahlt. Bi Markus geiht dat blots in Amerika – för ´n Hopen Geld. Un dat hebb ik! Un Du bruukst dat.

 

Tanja:        Hör nu dormit up!

 

Fred:          Du bruukst dat Geld – un dat so gau as mögelk. Gev dat doch to !

 

Tanja:        (jetzt laut) Jaaa !!! Verdammt ! Ja, ik bruuk dat Schiet-Geld. Gev mi dat doch, Du Mist-Kerl !

 

Fred:          Süchst Du ?! Endlich worst Du vernünftig. (holt das Sparbuch wieder hervor, welches er hinten in den Slip gesteckt hatte) Hier is dat. (wedelt damit herum)

 

Tanja:        Okay. – Okay – ik bün heel ruhig. Du lehnst mi also würkelk dat Geld?

 

Fred:          Selbstverständlich. Du kannst dat sülmst van d´ Bank offholen. Ik unnerschriev Di ´n Vullmacht. Nehm Di, sovöl Du wullt.

 

Tanja:        Fred – ik bün nich doof. Wat is de Pries dorför?

 

Fred:          De Pries ? Ochja – de Pries. Mien heel persönlich Pries – dorover haren wi ja noch gor nich snackt. Aver vörher musst Du dat Deel wedder offleggen, mien Tüti-Muus. (deutet auf den Morgenmantel)

 

Tanja:        Oah... Du widerst mi an. Segg dat nu endlich off verswind hier! (zieht wütend den Morgenmantel aus)

 

Fred:          Al vööl beeter, Schatz. – All dat Geld up dat Sporbook hört Di. Aver Du lettst Di van dien Mann Sascha, disse Niete, scheeden un heiratst dann mi.

 

Tanja:        (sieht ihn ungläubig schweigend und wütend an)

 

Fred:          Dat Ganze passeert ok al in de nächste Weeken – Du musst hum also vanabends al seggen, dat Du hum verletst. Ik will Di ab sofort heel för mi alleen. Un sullst Du irgendwat tegen disse Vörschlag hebben, tja – mien Haas – dann blifft mi nix anners over, as Dien leeve Ehemann glieks mörgen to berichten, wat sien Fro hier in dit Haus allns so drifft, während he dorvan utgeiht, dat Du irgendweche oll Damen de Hoor farvst off de Nagels lakeerst. C´est la vie – Du hest de Wahl.

 

Tanja :       (zunächst noch geschockt über das, was sie da eben von Fred gehört hat, baut sich schnell ein großer Zorn auf) Ooooohh.... Du mieset, mieset Arschloch !!! (nimmt die Weinflasche, hält sie drohend hoch, geht auf ihn los, laut:) Ik breng Di um, Du Swien.

 

Fred:          (weicht ängstlich zurück) Tanja – Du... Du... (greift sich dann ans Herz, schreit kurz mit schmerzverzerrtem Gesicht auf, fällt dann vor dem Tisch zu Boden, liegt leblos da)

 

Tanja:        (völlig durcheinander) Fred ? – Fred ? (geht dann zu ihm herunter) Fred, so segg doch wat.

 

9. Szene

 

 Gertrud:   (kommt ohne anzuklopfen herein) Nu hebb ik doch tatsächelk mien Handtaske liggen la.... (sieht dann die Szene) Tanja ? – Wat maakst Du denn dor?

 

Tanja:        Moder...

 

 

Vorhang

 

 

Ende des ersten Akts

 

 

 

Zweiter Akt

 

                  (ca. 10 Minuten später. Wenn der Vorhang sich öffnet, liegt Fred mit einem Bettlaken bedeckt vor dem Tisch – dort, wo er zusammengebrochen ist. – Tipp: Wenn Fred sich seitlich hinlegt, sieht man das Atmen im Zuschauerraum nicht so sehr - Tanja sitzt recht verzweifelt und weinend in einem Sessel)

 

1. Szene

 

Gertrud:    (kommt aus dem Schlafzimmer, stellt sich hinter einen 2. Sessel, holt nach einiger Zeit des Schweigens den Bademantel bzw. Morgenrock und wirft Tanja diesen nicht sehr galant und wortlos zu. Ihr Gesichtsausdruck sieht empört aus)

 

Tanja:        (versteht, zieht sich diesen wieder über) Danke.

 

Gertrud:    Ja – brullen nützt nu ok nix. – Ik faat dat nich. Ik faat dat eenfach nich. Ik kann ja sogor noch verstahn, dat ji van mi keen Geld annehmen un mi dat bewiesen willen. Aver dit Niveau, up dat Du Di hier begiffst, dat is in Worden nich mehr uttodrücken. Dat is eenfach... eenfach ekelig un unwürdig! - Mien eegen Dochter ! – Aver ik segg Di wat: Dat hest Du van Dien Vader, dissen Buck. --- De hett ok nix anbrannen laten.

 

Tanja:        (immer noch weinerlich)

 

Gertrud:    Aver de hett keen Geld dorför kreegen; de hett dat freewillig maakt.

 

Tanja:        Ja even ! - Wat sull ik denn noch maken, Moder? Ik hebb dat allns blots för Markus dohn.

 

Gertrud:    Leeve Gott! Dat gifft doch Grenzen. Wo föhlst Du Di denn overhaupt dorbi? Un kannst Du denn noch Dien Mann in de Oogen kieken? – Mien eegen Dochter – een Prostituierte!

 

Tanja:        Moder, bitte! – Du hest ja keen Vörstellung dorvan, wo ik dat hasst hebb. Aver dat was würkelk de eenzige Mögelkkeit, bannig gau an vööl Geld to komen.

 

Gertrud:    Ik will nu nich mehr dorover proten. Un bitte verschon mi ok mit Eenzelheiten. Ik denk, wi mutten nu ´n kloren Kopp beholen.

 

Tanja:        Ja richtig ! (steht auf, beruhigt sich jetzt langsam) Ik roop dann am besten de Polizei an.

 

Gertrud:    De Polizei ? – Kind, Moment mol. Wi sullen nu good overleggen wat wi dohn. Ik meen, denk doch mol na. Wi ropen de Schandarms an – de komen hierher un sehnt een dooden Mann hier bi Di up de Footböön liggen. Wo wullt Du dat verkloren? Du bütst as verheirat Fro hier wildfrömde Mannslüüd Dien Körper an, wiel Du Geld bruckst för de OP van Dien kranke Jung. Un de Dodesursaak ? Dat glövt Di doch keen Minsk up de Welt, dat he eenfach levlos tosamenbroken is, kört bevör Du hum doodhauen wullst, nadem he updringlich worden is. Un Sascha ward doch dann ok allns gewohr. De Bullen fragen ok hum ut; un dann is jo Ehe ok vörbi. Een widerliche Scheedungskrieg kummt dor achteran. Mit all Eenzelheiten vör Gericht. Dat ward gräsig, glöv mi.

 

Tanja:        Aver Moder, wat söllnt wi denn maken?

                  Hier liggt een dooden Kerl in uns Wohnkamer!

 

Gertrud:    Ja – ik weet. Laat mi mol nadenken. – Dat weet bit up mi also keeneen, wat Du hier dreeven hest?

 

Tanja:        Nee.

 

Gertrud:    Disse beste Fründin Paula is also ok free erfunnen, un wat is mit disse... disse... Buck hier ? Wat weest Du van hum?

 

Tanja:        He is siet Ewigkeiten Junggesell, wohnt in een lüttje Hüürkamer, hett nich völ Fründen; arbeid as Fohrer för een Paket-Deenst, leevt aver siet Maanten eenlik van sien Vermögen wat he arft hett...

 

Gertrud:    ...wat to ´n grooden Deel noch up dat Sporbook to finden is, wat hier up ´n Disk liggt ! Ja, dat hest Du ja al seggt. – Dat heet also in d´ Klortext, he is een bannig unwichtig Minsk.

 

Tanja:        He is... he was woll immer erde een Eenzelgänger. He hett ´n swack Hart un is ok anners een beeten sünnerbor. He hett al Therapien achter sück un will sück dat Leeven nehmen, wenn he dat irgendwenher nich mehr utholt, seggt he alltied. (schaut nun zu der Leiche) – Oh Gott, Moder – segg doch wat wi maken söllnt. Ik hol dat nicht langer ut. Ik hebb dat allns nich wullt – nich so!

 

Gertrud:    De Mann mutt hier verswinden – dat is ja woll klor! Na un wenn he sowieso irgendwenher starven wull...

 

Tanja:        Dann roop wi also erstmol een Doktor off glieks de Bestatter; oder glieks beid tosamen?

 

Gertrud:    Och – papperlapapp ! Leeve Tied – wo naiv büst Du eenlik ? Dann is de Polizei doch ok glieks hier. - Du hest doch seeker keen Lüst up Ermittlungen de weekenlang anholen un Du muchst Di doch ok seeker irgendwenher nochmol wedder in de Öffentlichkeit sehn laten könen, oder? Wo wullt Du denn dann noch Dien Söhn helpen, wenn Du in d´ Knast sittst?

 

Tanja:        Ja, aver – wat söllnt wi denn maken?

 

Gertrud:    Wenn Dien lütte Böcklein hier een recht unwichtig Minsk is, dann sall hum woll so gau ok nüms vermissen. (öffnet die Tür nach hinten)

 

Tanja:        Mag sien, aver… - Moder, wat hest Du vör?

 

Gertrud:    (stellt sich vor Fred) Komm her, faat an. – Fakt is, he mutt hier verswinden.

 

Tanja:        Nee, dat kann ik nich. Ik kann hum nich anfaaten.

 

Gertrud:    Och – as he noch lebendig was, kunnst Du dat doch ok. Butendem is he noch warm. – Nu pack al mit an.

 

Tanja:        (geht mit Widerwillen an das Fußende von Fred) Ja, un wor söllnt wi hum henbrengen?

 

Gertrud:    Laat mi man maken – ik hebb dor al ´n bannig good Idee.

 

Beide:        (tragen Fred dann zunächst ab nach hinten in den Flur und dann hinaus)

 

Tanja:        Oh Gott... oh Gott – oh Gott ! (kurze Pause, obwohl die Türen geöffnet bleiben, sind die beiden jetzt für die Zuschauer nicht zu sehen; dann Tanja, laut von hinten:) N e e, Moder – dat kann nich Dien ernst sien!

 

Gertrud:    Doch – dat is mien ernst – un nu hoch mit hum – na los doch! (kurz darauf hört man ein poltern)

 

Tanja:        (kommt zurück, setzt sich schnell wieder in einen Sessel, hält die Handflächen vor das Gesicht, weint wieder)

 

2. Szene

 

Gertrud:    (kommt auch zurück, schließt die Tür, sieht ihre Tochter) Tanja Burmeister! Nu riet Di mol tosamen. Wenn Du Di noch lang so verholst, hett Dien Mann vanavends al 100 Fragen an Di.

 

Tanja:        Wo kannst Du blots so kolt sien?

 

Gertrud:    Wenn wi all in Freeden leven willen, mutt wi kolt sein nu. Männig Situationen verlangen dat even.

 

Tanja:        Un wo sall dat nu wieder gahn? Himmel – overlegg doch mol. Elektro Hamel hett uns vör ´n  knappen Stünn een neije Gefriertruhe leefert. Mörgen söllnt Sascha un ik bestimmt een poor Saken inkopen un de Aparat inschalten. Un wenn wi uns Hack-Steaks, Pommes un dat Gemüse dann infreesen willen un Sascha maakt de Klapp van de Truhe open, dann liggt dor een dooden Mann in. – Tolle Idee, Moder!

 

Gertrud:    Du musst Dien Moder ja würkelk för bannig dumm holen. (steht auf, geht zum Telefon, wählt eine Nummer, wartet)

 

Tanja:        Well röppst Du an?

 

Gertrud:    Dat worst Du glieks gewohr. (bekommt Anschluss) Ja, Schneider. Ich bin die Mutter von Tanja Burmeister. Ihre Mitarbeiter haben vorhin eine neue Gefriertruhe geliefert. Zu Burmeister in der… (wartet kurz) Birkenstrasse 7, ganz genau. – Tut mir leid, dass ich Ihre Mitarbeiter nochmal bemühen muss; aber das Gerät muss wieder abgeholt werden. Es funktioniert nicht – sagt keinen Mucks. Nun, und weil meine Tochter und mein Schwiegersohn ja wohl Anspruch auf eine ordnungsgemäß, funktionstüchtige neue Gefriertruhe haben, bitten wir umgehend um Lieferung eines anderen Gerätes. Ja, am besten bringen Sie die andere Truhe gleich mit und tauschen sie einfach gegen diese aus. Und bitte sofort. – Können wir uns darauf verlassen? Prima. Vielen Dank. Wiederhör´n. (legt auf)

 

Tanja:        (hat dem Gespräch ungläubig zugehört) Moder, ik weet nu ´n Lösung. Ik breng mi um. Dann kriggt Sascha mien Levensverseekern utbetahlt un allns ward good. Denn wat Du hier just deihst is de blanke Wahnsinn, un dat overleev ik sowieso nich.

 

Gertrud:    Snack doch nich so ´n Blödsinn. Markus bruukt sien Moder! Butendem gifft dat keen Cent ut de Leevensverseekern wenn man sück sülmst umbrengt!

 

Tanja:        Ja aver…Du musst heelmol verrückt sien. Du letst de Truhe wedder offholen. Een Truhe mit… mit Inhalt.

 

Gertrud:    Genau. Ik riet van de Motor van de Truhe nu een poor Kabels los un dann is de Aparat ok würkelk kött. De Mitarbeiter komen – holen dat Dingerees wedder off – un zack - sünd wi disse leevlose Person quiet.

 

Tanja:        Moder – Du büst komplett dördreiht. Dann könnt wi doch glieks de Schandarms sülmst anropen. De kieken dor doch rin.

 

Gertrud:    Wenn de Motor nich vernünftig löppt gifft dat keen Grund in de Truhe rintokieken. Dat de ik as Monteur ok nich. Un wenn wi Glück hebbt, ward de Truhe glieks na d´ Hauptsteh na Hambörg henstürt. Dann is he wiet weg – de goode Fred.

 

Tanja:        Un dann ward sofort naprüft, worher de Truhe kummt. Moder – wi sünd riep !

 

Gertrud:    Ja, weest Du denn een beeter Lösung?

 

Tanja:        Nee. – Dat heet – nu batz up de Steh nich. Aver mi sall woll noch wat infallen. Dat wat Du dör vör hest geiht up gor keen Fall!

 

                  (Das Telefon klingelt)

 

Tanja:        (und Gertrud beide erschrocken) Hach… ik ward noch gaga hier. (geht aber nicht zum Telefon)

 

Gertrud:    Wi mutten de Nerven beholen – anners hebb wi verloren. – Na nu gah doch ran.

 

Tanja:        Ja doch. (geht dann zum Telefon, hebt ab) Burmeister. – Oh… Ja… achso… ja aber – nein! Ja ich meine – oh Gott… ja ja. (setzt sich wieder verzweifelt in einen Sessel, läßt den Hörer sinken)

 

Gertrud:    (entreißt ihr den Hörer) Ja bitte? Worum geht es? (kurze Pause, dann erfreut) Oh, ja prima. Wunderbar. Ja – vielen Dank. Wiederhören. (legt auf) Beeter kann dat doch gor nich komen. De Fohrers van Elektro Hamel hebbt just hier in d´ Rebeet een Waschmaschin leefert un de Boss hett de beid Warkers per Handy kontakteert, so dat wi de Truhe samt Inhalt al forts wedder quiet worden. De sünd jeeden Moment hier.

 

Tanja:        (leicht hysterisch) Ik pack dat nich – ik pack dat nich. Dat geiht scheef – dat geiht scheef.

 

Gertrud:    (geht nun zu ihr, fasst sie an den Armen und schüttelt sie, dann laut:) Du hörst nu up! (geht dann zum Schlafzimmer, holt Tanja´s „normale“ Bekleidung daraus, legt sie – recht barsch – auf den Tisch) Hier! Du treckst Di nu an as een ziviliseert Frominske, rümst hier up, un ik manipuleer in disse Tied de Truhe. (abgehend nach hinten, an der Tür) Hest Du verstahn?

 

Tanja:        (kleinlaut) Ja Moder.

 

Gertrud:    (ab nach hinten, Tür bleibt offen)

 

Tanja:        (zieht sich dann langsam um, währenddessen:)

 

Gertrud:    (von hinten:) Du musst eenfach cool blieven. Wenn dann doch irgendwenher Fragen komen sullen – wi hebbt dissen Mann noch nie nich sehn. – Hest Du verstahn?

 

Tanja:        Ja Moder.

 

Gertrud:    Un in de Truhe rinkeeken hebb wi ok nich. De Kerl is dann even al vörher dor in west. Dat Tegendeel mutten de uns erstmol bewiesen. Hest Du dat ok verstahn?

 

Tanja:        Ja Moder.

 

Gertrud:    (man hört, dass sie irgendwo gegen klopft) Hör eenfach mol up Dien Moder. Wi hebbt nix to befürchten. Hörst Du !?

 

Tanja:        (nun auch lauter:) Ja doch!

 

Gertrud:     (kommt zurück) So – dat was dat. Ik hebb twee Kabel löst un eenmal düchtig tegen de Motor hauen. Ik schwör Dir – dat Dings funktioneert nich.

 

Tanja:         Hhmm…

 

Gertrud:     Leeve Tied - Tanja, Du büst ja immer noch nich umtrucken. (drückt ihr die restliche Bekleidung in die Hände) Los, gah in d´ Slapkamer, dat ik dat nicht mehr sehn mutt.  Ik rühm hier up.

 

Tanja:         Ja. (tut dies, ab nach links)

 

Gertrud:     (räumt im Raum auf, steckt dann Fred´s Sparbuch in ihren Ausschnitt) Ik segg Di dat nochmol: Du musst Di tosamenrieten. Wees eenfach so as alltied.

 

Tanja:         (von links) Dat seggst Du so eenfach.

 

                   (es klingelt an der Tür)

 

Gertrud:     (schaut auf)

 

Tanja:         (kommt sofort furchtbar erschrocken aus dem Schlafzimmer) Oh nee oh nee – well mach dat sien? De Polizei?

 

Gertrud:     (ironisch) Bestimmt. De hebbt dat roken, wat hier passeert is. (geht nach hinten)

 

Tanja:         Du… Du kannst doch nich open maken.

 

 

 

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