Lange danach gesucht - auf Ibiza 2012 endlich gefunden
Musiker gesucht

 

 

 

Wenn Wagner plötzlich Mozart küsst

(hochdeutsche Fassung)

 

Komödie in 3 Akten

von

Bettina Zippel, Sonja Knutzen, Heiko Allerheiligen und Helmut Schmidt

Ein Facebook-Gemeinschafts-Projekt*

 


Inhalt:

Die verwitwete Geertje Folkers ist stolze Besitzerin eines schmucken Eigenheims. Sie hat darin 45 Jahre mit ihrem Mann gelebt, welcher vor einigen Jahren verstarb. Aufgrund ihres hohen Alters und auch, damit nach ihrem Tod alles geregelt ist, überschreibt sie das Haus an ihre Tochter Elfriede und Ihren Schwiegersohn Heinrich; behält aber Wohnrecht auf Lebenszeit. Als Elfriede und Heinrich für 3 Wochen Urlaub machen, bringen sie Geertje für diesen Zeitraum in ein Altenheim zur Kurzzeitpflege. Sie reden Geertje ein, dass sie alleine nicht mehr zurecht kommt und nur dann beruhigt wegfahren können, wenn sie gut untergebracht ist. Geertje willigt schließlich ein. Als die rüstige Dame jedoch aus der Seniorenresidenz nach Hause zurückkehrt, erlebt sie eine böse Überraschung. Sie trifft in ihrem Haus auf Günter Koopmann, der inzwischen Eigentümer des Hauses ist. Geertje stellt mit Erschrecken fest, dass ihre Tochter das Haus verkauft hat. Insgeheim hat Elfriede schon mit der Heimleitung einen "festen" Platz für ihre Mutter reserviert. Noch betrübt von dem Schock, was ihre Kinder ihr angetan haben, muss sie nun kämpfen. Zum einen, um sich gegen ihre Kinder zu wehren, zum anderen, um Günter Koopmann wieder los zu werden.  Für ein paar Tage lässt sie Günter dann bei sich wohnen. Doch das ist komplizierter als beide dachten. Mehr und mehr entwickelt sich zwischen den beiden eine Art Hass-Liebe. Aber Günter ist es letztenendes, der gemeinsam mit Geertjes Enkeln Matilda und Benni einen Plan entwickelt, wie sie ihren Kindern die Boshaftigkeit heimzahlen kann. Und dann ist da noch Klara - Geertjes beste Freundin - die ein Auge auf Günter geworfen hat. Aber das passt Geertje dann auch wieder nicht so ganz...

                          

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Spieler: 4 Frauen/ 4 Männer - 1 Bühnenbild - Wohnzimmer

Geertje Folkers - ca. 75 Jahre
Günter Koopmann - neuer Haus-Eigentümer - ca. 65 - 75 Jahre
Elfriede Maier - Geertjes Tochter - (ca. 50 Jahre)
Heinrich Maier (genannt Heini) - Geertjes Schwiegersohn - (ca. 50 Jahre)
Benjamin Maier (Benni) - beider Sohn (ca. 25 Jahre)
Matilda Maier - beider Tochter (ca. 20 Jahre)
Klara Oppermann - Freundin von Elfriede (ca. 60 Jahre)
Wilhelm Gröhlich - Freund von Günter (ca. 60 -75 Jahre)
 

 

 

 

Bühnenbild:

Das Zimmer ist zwar komplett eingerichtet mit Tisch, Sofa, Couch oder Sesseln, Schrank u.a., dennoch stehen im 1. Akt noch ca. 4-5 Umzugskartons im Raum, auch Bilder an den Wänden fehlen noch.
Das Zimmer hat 3 Türen. Eine nach hinten zum Flur, dahinter rechts oder links die Eingangstür, welche nach draußen führt, eine zweite im Bb. rechts führt zur Küche und zum Schlafzimmer, eine dritte links zum Gästezimmer und zum Bad. Hinten rechts oder links neben der Tür ein großes Fenster. Nur oberhalb Gardinen, so dass man vom Zuschauerraum sehen kann, wenn jemand "draußen" davor steht, bzw. vorbei geht. Das Fenster lässt sich öffnen. Irgendwo ein schnurloses Telefon.

Spielzeit: Gegenwart im Spätsommer

 

Spielort: Größeres Dorf oder Kleinstadt

 

Spieldauer: ohne Pausen ca. 120 Minuten

 

 

 

ERSTER AKT

(Wenn der Vorhang sich öffnet, ist Günter damit beschäftigt, Bücher aus einem Umzugskarton herauszunehmen und diese in ein Regal zu stellen. Es ist Vormittag an einem Wochentag)

1. Szene
(es klingelt an der Haustür)

Günter: (in Alltagskleidung - kariertes Hemd, Cordhose, Puschen - geht etwas genervt nach hinten, dann öffnet er dort im Flur die Eingangstür) Ja bitte? - Ach Sie sind es! Kommen Sie doch herein. (kommt zurück in den Raum)

Elfriede: (folgt ihm sodann, freundlich) Nicht erschrecken, Herr Koopmann - ich bin es nur. (sie hat einen Schlüssel in der Hand)

Günter: Sie müssen die Unordnung hier entschuldigen; ich bin keine 20 mehr, da dauert das Einziehen eben seine Zeit. Außerdem habe ich keinen Besuch erwartet.

Elfriede: Aber Herr Koopmann. Sie sind mir doch keine Erklärung schuldig. Ich will Sie auch gar nicht aufhalten. Es gibt nur noch 2 Dinge, die wir zum Abschluss klären müssen. (legt den Schlüssel auf den Tisch) Hier ist noch ein Schlüssel; den hatte meine Mutter irgendwann einmal zusätzlich anfertigen lassen.

Günter: Oh, vielen Dank. - Wie geht es ihr denn überhaupt - Ihrer Mutter? Hat sie sich schon ein bisschen eingelebt in dem Pflegeheim?

Elfriede: Natürlich. In dieser wunderbaren Seniorenresidenz ist sie bestens aufgehoben.

Günter: Nun ja, ich frage deshalb, weil... immerhin sagten Sie, dass Ihre Mutter hier in diesem Haus über 40 Jahre lang gelebt hat. Das muss für sie nicht einfach sein, wenn sie nun weiß, dass es verkauft wurde und ein ihr völlig fremder Mensch in den vier Wänden wohnt, welche sie damals zusammen mit ihrem Ehemann gebaut hat.

Elfriede: Ach, machen Sie sich mal bloß keine Gedanken. Bei meiner Mutter ist die Altersdemenz schon recht weit fortgeschritten. Sie weiß doch gar nicht, dass sie im Pflegeheim ist.

Günter: Ach, wie schrecklich...

Elfriede: Sie hatte ein langes, erfülltes Leben.

 

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Günter: Ja? Sagten Sie nicht, Ihre Mutter wäre erst 75?

Elfriede: Äh... ja... was ich eigentlich noch zum Abschluss mit Ihnen klären möchte:

Günter: Ja?

Elfriede: Nun, Sie haben ja die meisten Möbel von meiner Mutter übernommen. Und wir waren uns ja nicht so ganz über den Preis einig.

Günter: Frau Maier, es sind wirklich alte Möbel. Und Antiquitäten sind auch nicht darunter. Da finde ich 5000 Euro schon recht hoch angesetzt.

Elfriede: Ja, Sie sagten es bereits vorgestern. Mein Heinrich und ich haben nochmal darüber nachgedacht und möchten Ihnen da entgegenkommen. Wir sind ja schließlich keine Unmenschen. Sagen wir 4500?

Günter: 3500.

Elfriede: 4000.

Günter: Na gut. Einverstanden. Ich denke dabei an Ihre Mutter - immerhin waren es ja IHRE Möbel.

Elfriede: Ja ja. Äh - bar hätten Sie das nicht vielleicht grad da?

Günter: Ich werde Ihnen das Geld überweisen. Ihre Kontoverbindung hab´ ich ja. Die Summe für das Haus müsste doch schon verbucht sein bei Ihnen, oder?

Elfriede: Ja, die 180.000 haben wir erhalten. (reicht ihm die Hand) Dann hoffe ich, dass Sie sich hier wohl fühlen und noch ein langes Leben in Gesundheit führen dürfen.

Günter: Danke - sehr freundlich. Ihnen und Ihrem Mann auch alles Gute - und bitte - grüßen Sie Ihre Mutter von mir - unbekannterweise.

Elfriede: Ja, werde ich machen. Aber sie wird eh nur Bahnhof verstehen. Auf Wiedersehen, Herr Koopmann. (abgehend nach hinten)

Günter: Tschüss, Frau Maier. (kurze Pause, dann macht er sich dann wieder an die Arbeit)

2. Szene

Günter: (packt gerade ein Bild für die kahlen Wände aus, hält es an eine Wand, sucht dann in den Kartons nach Werkzeug, findet nichts, da klingelt es abermals an der Tür. Günter schlurft erneut wütend zur Haustür) Ich wollte ein ruhiges Haus. Ein schönes, großes RUHIGES

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Haus! (er öffnet, dort steht Wilhelm Gröhlich. Er hat eine Flasche Sekt dabei, kommt sodann herein)

Wilhelm: Moin altes Haus - äh - im doppelten Sinne. Hähähä... Hast du dich schon ein wenig eingelebt?

Günter: Wilhelm, DU bist es. Nun ja, alter Mann ist ja kein D-Zug. Du kommst aber gerade zum richtigen Zeitpunkt.

Wilhelm: (grinst) Wenn Du "richtiger Zeitpunkt" sagst, meinst Du wohl Pause. (Wilhelm schwenkt die Sektflasche)

Günter: Man bemerkt doch immer wieder den Handwerker in dir, lieber Wilhelm. Ich habe momentan ganz andere Sorgen. Kannst du dich vielleicht erinnern, in welchem Karton wir das Werkzeug gepackt haben? (schaut auf die vielen Umzugskartons)

Wilhelm: Leider nicht Günter, aber die Sektgläser, die müssten in diesem Karton sein. Der mit dem roten X - hab´ ich doch selbst drauf geschrieben. Das ist der Karton mit den wichtigen Dingen. (stellt die Sektflasche auf den Tisch und geht zu dem Karton, auf dem ein rotes Kreuz gemalt ist, sucht)

Günter: (ein wenig melancholisch und mehr zu sich selbst) Irgendwie tut mir die alte Dame leid.

Wilhelm: Was ist los? - Von wem redest du? (hat die Gläser gefunden, öffnet die Flasche)

Günter: Na, von der Vorbesitzerin dieses Hauses. (er probiert nach und nach die Sitzmöbel aus)

Wilhelm: Aber du kennst sie doch gar nicht.

Günter: Das ist ja das Schlimme. Nichts weiß man über die alte Dame. Den Verkauf dieses Hauses haben ihre Kinder geregelt.

Wilhelm: Günter, du brauchst jetzt erst einmal ein Schlückchen Sekt. Du wirst mir zu
sentimental.(hat mittlerweile die Flasche geöffnet und schenkt 2 Gläser voll)

Günter: Wo sie wohl hier im Wohnzimmer immer gesessen hat? Sie hatte doch sicher einen Lieblingsplatz.


Wilhelm: Mir wird bald angst und bange vor dir. Jetzt freu` dich doch über deinen neuen Besitz und mach dir keine Gedanken über Dinge, die nicht mehr zu ändern sind. Oder kriegst du jetzt kalte Füße?

 

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Günter: Du hast ja Recht. Was kann ich auch dafür, dass Frau Folkers in ein Pflegeheim musste? Ich denke nur, vielleicht werde ich auch mal Alzheimer bekommen und komme alleine nicht mehr zurecht. Ist doch schrecklich, nicht wahr?!
 

Wilhelm: Ja, das ist es wohl - ist zu einer Volkskrankheit geworden. Aber nun stoß erst mal mit mir an und hör auf zu grübeln. Prost, mein lieber alter Freund. Auf dein neues Leben als stolzer Hausbesitzer.

Günter: Prost. Aber wenn die Flasche leer ist, dann suchen wir das Werkzeug.

Wilhelm: Natürlich Günter.

3. Szene
Matilda: (hört man sodann schon vor der Tür erfreut reden, bzw. schon fast rufen) Oma, Oma, ich will Dir was Neues erzählen… (schließt die Tür auf und kommt freudig herein. Eine junge flotte Frau in lässiger Kleidung und mit großer Handtasche über der Schulter) Gestern Abend inne "Zappelbude" habe ich jemanden kennenge...


(Günter und Wilhelm schauen erstaunt, weichen zunächst auch einen Schritt zurück)


Matilda:(sehr erschrocken, bleibt zunächst "steif" an der Tür stehen) Oh mein Gott. Wer sind Sie und was... was haben sie mit meiner Oma gemacht ? (zunächst unsicher, aber dann direkt) Reden Sie, oder soll ich gleich die Polizei rufen? (kramt in ihrer Handtasche) Verdammt wo ist schon wieder das Handy?

 

Günter: Wilhelm, da... da ist eine junge Frau einfach so in meine Wohnung gekommen.

 

Wilhelm: Dann siehst Du das also auch? Und ich dachte schon, ich wär´ verrückt.

 

Matilda: Seien Sie still. Und... und tun Sie mir bitte nichts. Am besten ist es, Sie stellen sich und geben alles zu. (ärgerlich) Verdammt, wo ist denn das blöde Mobilteil? (kramt weiter in der Tasche, lässt aber auch die Männer nicht aus den Augen)


Günter: Nun mal immer langsam mit den jungen Pferden. Wenn hier jemand Fragen stellt, dann bin ich das ja wohl. Sie stürmen hier unaufgefordert in meine Wohnung und wollen mir die Polizei auf den Hals hetzen? Um was geht es hier eigentlich? Und wer sind Sie? Und wieso haben Sie einen Schlüssel und schließen einfach die Tür auf?


Matilda: Ihre Wohnung ? Diese Wohnung gehört Geertje Folkers, meiner Oma. Und das nun schon über 40 Jahre. Hach endlich - da ist es. Also, (hat das Handy gefunden, hält es in der Hand) Und jetzt zum letzten Mal: Wo ist sie?


Wilhelm: Mensch Günter, das ist hier ja wie im Fernsehen.

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Günter: Wilhelm bitte! Das ist nicht witzig. (dann zu Matilda) So, nun setzen Sie sich erstmal hin und dann reden wir. Ich werde versuchen, Ihnen alles in Ruhe zu erklären. - Haben wir noch ein Glas für die junge Dame?

 

Wilhelm: (will schon in den Kartons nach einem 3. Glas suchen)


Matilda: (bleibt zunächst noch stehen, hält ihre Tasche fest an ihre Brust gedrückt) Sie glauben doch nicht im Ernst, dass ich hier etwas trinke. Wer weiß, ob da nicht K-O-Tropfen, oder andere Drogen drin sind. "Mach mich willig - ich will Dich", oder sowas.


Wilhelm: (grinsend) Mensch Günter, das hätte ich Dir gar nicht zugetraut. Sowas hast Du im Haus?! Kannst Du mir davon auch mal was abgeben?


Günter: (verärgert) Nun hör aber mal auf. Du siehst doch, dass dieses Mädchen ganz verwirrt ist.

 

Wilhelm: Ja, so wie wir.

 

Günter: Es wird Zeit, dass wir sie aufklären - und sie hat uns auch sicher etwas zu sagen.
 

Matilda: Da bin ich ausnahmsweise ganz Ihrer Meinung. Ich höre.


Günter: Also, in Kurzform. Mein Name ist Günter Koopmann und ich bin der neue Eigentümer dieses Hauses. Frau Folkers lebt aufgrund ihrer Alzheimererkrankung seit Kurzem im einem Pflegeheim. - Seit - 3 Wochen, soweit ich weiß.


Matilda: (ungläubig) Aha.


Wilhelm: Und ich bin Wilhelm Gröhlich, Günters bester Kumpel, sowie Umzugs - und Einzugsberater. Und mit wem haben wir hier das Vergnügen? Oder sagen Sie nichts ohne Ihren Anwalt? (zwinkert)


Matilda: (zuerst noch unsicher, seufzt dann, beruhigt sich) Na gut. Ich bin Matilda Maier. Geertje Folkers ist meine Oma. Ich studiere in München und kann sie deshalb nur alle paar Wochen besuchen. Ich war jetzt 6 Wochen nicht hier. Aber was Sie da sagen, ist völliger Blödsinn. Meine Oma ist zwar manchmal etwas vergesslich, aber von Alzheimer kann keine Rede sein - und freiwillig würde sie ihr eigenes Haus doch niemals aufgeben.
 

Günter: (holt den Vertrag aus der Schublade) Tja, was soll ich dazu sagen?


Wilhelm: Oh, jetzt wird’s spannend.

 

 

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Günter: (zeigt den Vertrag) Das hier ist der Kaufvertrag von diesem Objekt. Hier steht es schwarz auf weiß.

 
Matilda: (lesend) …die oben aufgeführte Wohnung, sowie das darin befindliche Mobiliar, an Herrn Günter Koopmann... (murmelt die weiteren Sätze) Unterzeichnet: Elfriede Maier.


Günter: Na, was sagen Sie nun ?
 

Matilda: Mit meiner Mutter haben Sie einen Kaufvertrag geschlossen?! Und das hat alles seine Richtigkeit? - Ich brauch nun doch einen Sekt. (greift Wilhelm sein Glas aus der Hand, nimmt sich die Sektflasche, schenkt sich selbst etwas ein und trinkt, lässt sich danach in einen Sessel fallen)

 

Wilhelm: (betrachtet sie, lächelnd dann zu Günter) Mir gefällt unser Besuch, Günter. Dir auch?

 

Günter: DU bist auch nur Gast hier!

 

Matilda: (dann zu Günter barsch) SIE aber auch! (ruhiger) Entschuldigung. Das ist mir nur so rausgerutscht. Ich bin nur so durcheinander. Sie haben meine Großmutter selbst gar nicht kennengelernt?

 

Günter: Nein. Aber ich spiele mit dem Gedanken, sie bald mal zu besuchen im Heim. Die Verhandlungen und den Vertrag hab´ ich mit Elfriede und Heinrich Maier geschlossen. Ich gehe davon aus, dass das Ihre...

 

Matilda: Ja, das sind meine Eltern. Mein Name ist übrigens Matilda. (nachdenklich)

 

Wilhelm: Äh... tja, können wir denn noch irgendwas für Sie tun? Ich meine, es ist ja nun mal wie es ist, Fräulein Matilda.

 

Matilda: (steht wieder auf, stellt das Glas ab) Danke. Ich muss nun erst zu meinen Eltern. Denn ich habe eine Menge Fragen. (geht zur Tür) Und danach geh´ ich zu meiner Oma; wo auch immer die sich jetzt aufhalten mag. Danke für den Sekt.

 

Günter: Aber gerne. Leben Sie wohl und alles Gute für Sie.

 

Matilda: (an der Tür) Oh, das hört sich an wie ein Abschied für immer. Aber da muss ich Sie leider enttäuschen. Ich denke, wir sehen uns bald wieder. SEHR bald. Da bin ich ganz sicher. (öffnet die Tür nach draußen, dort steht...)

 

4. Szene

Benni: (...vor der Tür. Benni und Matilda beide erschrocken) Schwesterherz.

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Matilda: Benni - Gott, hast Du mich erschrocken. Aber sehr gut, dass Du hier bist. Pass auf - hier geht gerade Unglaubliches vor sich. (geht mit ab vor die Tür in den Flur, Tür zu)

 

5. Szene

Wilhelm: Mensch Günter, das nenn ich mal einen Auftritt. Ich will ja kein Prophet sein,

aber ich glaube meist, das Fräulein wird im Hause Maier gleich einen heftigen Familienstreit anzetteln. Und wer war DAS nun wieder? Was hat dieser Bengel zu ihr gesagt? Schwesterherz?

 

Günter: Hab´ ich auch so verstanden. Aber was machen die jetzt im Flur? Warum gehen die nicht? - Pass auf Wilhelm, ich hab´ keinen Durchblick mehr, was hier eigentlich los ist und was die alle von mir wollen. (greift in seine Tasche) Aber hier sind 50 Euro. Du fährst jetzt zu „Eisen-Karl“ und besorgst ein neues Zylinderschloss. Wer weiß, wer noch alles einen Schlüssel hat und dieses Haus sein Eigen nennt. Ich suche derweil das Werkzeug.

 

Wilhelm: Ey, ey Sir. Bin schon weg! Und wenn diese beiden Teenies nochmal was von Dir wollen, werf´ sie einfach raus. Oder warte besser, bis ich zurück bin. (öffnet die Tür zum Flur; dort stehen Matilda und Benni in einer lautstarken Unterhaltung) Ja, kann ich bitte mal vorbei?! (Tür zu)

 

Günter: (geht zur Tür, horcht, Matilda und Benni sind gut zu hören, dann laut:) Ja, ist hier bald mal Ruhe vor der Tür und würden Sie nun bitte gehen?! (im Flur wird es still, Günter nimmt sich dann etwas genervt einen Karton und liest die Aufschrift) „Küchenkram“. Nee, da kann es nicht drin sein. (liest die Aufschrift des nächsten Karton) „Belangloses Zeug“. (grinst verschmitzt, öffnet den Karton, zieht unter ein paar alten Zeitungen Erotikmagazine hervor und blättert darin. Achten Sie darauf, dass die Titelseiten im Zuschauerraum zu erkennen sind) Hohoho...

 

( Es klingelt und klopft)

 

Günter:  (packt das Heft wieder eilig und stellt den Karton „Küchenkram“ wieder darauf)

 

(Es klingelt und klopft erneut)

 

Günter: (dann ruhiger) Ach, ich wollt´ die Tür ja eh nicht mehr öffnen. (holt dann süffisant lächelnd das Erotik-Magazin erneut hervor, setzt sich in einen Sessel, blättert genüsslich darin; es klingelt und klopft erneut, Günter geht dann sehr verärgert zur Tür, öffnet) Meine Güte, was wollen Sie von mir? Lassen Sie mich in Ruhe.

 

Matilda: (in der Außentür hinten zu Benni) Du weißt Bescheid, Benni. Ich fahre jetzt zu Oma und erklär´ ihr alles. (ab)

 

 

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6. Szene

Benni: (betritt aufgeregt ohne Aufforderung den Raum, schließt die Tür)

 

Günter: Hey, Moment mal. Sie können doch nicht einfach...

 

Benni: Sparen Sie sich ihre Sprüche . Mir ist gerade nicht nach Humor zumute.

 

Günter: Mir auch nicht. Allerdings habe ich gelernt, dass man wartet, bis man hereingebeten wird, und sich auch zumindest vorstellt, wenn man mit der Tür ins Haus fällt. Oder erwarte ich zu viel, weil Sie nur Singen und Klatschen in der Schule hatten ? Wer sind Sie und was wollen Sie?

 

Benni: Schon gut, ich habe Sie verstanden: Ich bin Benjamin Maier, Jurastudent ! Der Enkelsohn von Frau Folkers. Meine Schwester Matilda kennen Sie ja bereits.

 

Günter: (ironisch) Und Sie sind sicher nicht hier, um zum Einzug zu gratulieren?

 

Benni: Natürlich nicht. (versucht angestrengt Amtsdeutsch zu reden) Meine Schwester informierte mich gerade in dem Flur darüber, dass Sie wohl irrtümlicherweise in Besitz dieser Immobilie gelangt sind, welche nach wie vor unserer Großmutter Frau Geertje Folkers gehört und die diese wiederum nicht aufgrund einer angeblichen Erkrankung veräußern möchte. Sicherlich liegt es auch in Ihrem Interesse, durch besonnenes Handeln einen aufkommenden Konflikt zu vermeiden.

 

Günter: (versteht nicht so recht) Wie war das? Konflikt? Ich habe keinen Konflikt. Wo soll ich mir DAS denn wohl geholt haben? Erst letzte Woche war ich bei der Krebsvorsorge und es war alles in Ordnung.

 

Benni: Bitte?

 

Günter: Und wenn Sie von diesem Haus sprechen - ich habe einen ordnungsgemäßen Kaufvertrag und das Geld dafür ist bereits überwiesen. Selbst wenn ich wollte, ich kann nicht einfach zurückrudern. Meine alte Wohnung ist längst gekündigt, ganz zu schweigen von der Arbeit, die wir hier bereits reingesteckt haben. Und es gibt auch nicht den geringsten Grund für dieses Theater, dass Sie und ihre Schwester hier veranstalten.  

 

Benni: (weiter Amtsdeutsch) Die für Sie entstandenen Umstände bitten wir zu entschuldigen und werden Sie selbstverständlich für die bereits entstandenen Kosten entschädigen. Ferner bieten wir Ihnen eine großzügig angemessene Zeit von 14 Tagen an, um sich eine neue Unterkunft zu suchen.

 

Günter: Junge, nun ist aber mal Schluss mit dem Geschwafel. Ich bin hier und ich bleibe hier. So, und nun muss ich mich um andere Dinge kümmern. (zeigt zur Tür) Da ist die Tür .

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Und benutzen Sie dieses mal bitte die AUSSENTÜR! Schönen Tag noch junger Mann!

 

Benni: (öffnet die Tür) Leider war mein Besuch hier wohl nicht von Erfolg gekrönt. Ich hatte mir ein anderes Ergebnis erhofft. Auf Wiedersehen Herr Koopmann - und das nicht nur sprichwörtlich. (ab)

 

7. Szene

Günter:  Mann oh Mann, Jurastudent! (schüttelt den Kopf) Jetzt reicht es hier aber langsam. (geht wütend zum Telefon, hebt den Hörer ab, will wählen, aber dann fällt ihm ein, dass er die Nummer nicht kennt, legt wieder auf, fängt an, überall nach einem Telefonbuch zu suchen) Telefonbuch - Telefonbuch... hhmmm... hatte ich auch, weiß ich ganz genau. (sucht noch ein bisschen, findet aber nichts, geht dann erneut zum Telefon, tippt eine Nummer ein, wartet) Ja Hallo?! Ich hätte gerne eine Nummer in Poppenbüttel*. Der Name ist Maier. Entweder Heinrich oder Elfriede. Und Maier nicht wie das Hühnerprodukt, und auch nicht wie ay ay Kapitän, sondern mit "Anton" und "Isodor". Nein NICHT Anton und Isidor Maier, das war nur ein Beispiel für das Ei. - Ja Mann. (wartet kurz) Ja richtig. Sie verbinden?! Ja wunderbar. Danke. (geht zum Tisch, schenkt sich mit dem Telefon am Ohr Sekt in ein Glas, trinkt, dann:) Frau Maier? Elfriede Maier? Ja, hier spricht Günter Koopmann. Das ist prima, dass Sie schon wieder zuhause sind. Frau Maier, ich möchte nicht unhöflich sein, aber ich bekomme hier andauernd Besuch von irgendwelchen Menschen, die ich gar nicht kenne und die mich hier angreifen. Ja, weil wohl niemand informiert ist, dass Ihre Mutter nicht mehr hier wohnt. Vielleicht sind Sie so freundlich, und klären alle auf, damit hier Ruhe herrscht, ja?! (wartet kurz) Ich soll mich nicht so anstellen? Kann ja mal passieren? Es ist alles in Ordnung? Hhmm... Schönen Tag noch? Ja, das wünsch ich Ihnen... Hallo? - Hallo? - Aufgelegt. (drückt eine Taste zum Beenden, trinkt den Rest aus dem Glas, holt dann tief Luft, streckt sich) Na dann hoffen wir mal, dass jetzt auch wirklich alles in Ordnung ist, Frau Maier. Und weiter geht´s. (geht in einer Ecke des Zimmers zu einem Karton, holt ein paar Bücher heraus, dann hört man vor der Tür leicht polternde Geräusche, danach, dass jemand die Tür aufschließt. Günter hört das, hält inne, eher ängstlich als erschrocken, schaut zur Tür) *(Ort evtl. ändern)

 

8. Szene

Geertje: (kommt herein, zieht einen kleinen Koffer auf Rollen hinter sich her, über den anderen Arm hat sie eine Handtasche. Sie trägt Mantel, einen Hut, ein schickes Kostüm. Sieht den Zustand des Zimmers, dann Günter. Sie wirkt aber nicht ängstlich - eher überrascht, dann deutlich:) Was machen Sie hier in meiner Wohnung? Sie verschwinden hier auf der Stelle; sonst rufe ich die Polizei.

 

Günter: Oh nein, bitte nicht noch jemand. (holt zügig den Kaufvertrag) Ich bin ganz ruhig, ich bin ganz ruhig. - So, nicht dass Sie denken, ich würde eine Dame wie Sie einfach wieder hinauswerfen. Hier ist der Kaufvertrag dieser Immobilie. (zeigt es ihr) Und Sie erklären mir jetzt bitte mal, warum Sie schon die dritte Person sind, welche das nicht passt.

 

 

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Geertje: (schaut gar nicht genau auf den Vertrag, dann etwas ruhiger) Ich muss Ihnen gar nichts erklären. Fakt ist, dass sich das hier um einen Irrtum handeln muss. Sie haben sicher ein anderes Haus gekauft und sich mit der Hausnummer vertan. Sowas kann doch mal vorkommen in Ihrem Alter.

 

Günter: Dann hätten wohl kaum die Schlüssel gepasst, Gnädigste.

 

Geertje: Ich bin ganz sicher nicht Ihre Gnädigste. Und ich habe auch keine Lust, hier länger mit Ihnen herum zu diskutieren. Also - packen Sie jetzt Ihren Kram zusammen, und dann verschwinden Sie aus meinem Haus, sonst muss ich Sie leider wegen Hausfriedensbruch anzeigen.

 

Günter: Bevor ich das mache, möchte ich gerne einen Beweis für das, was Sie da behaupten.

 

Geertje: Ist ja wohl unfassbar, was Sie sich erlauben. Was soll ich Ihnen denn zeigen? Einen Kaufvertrag kann ich Ihnen nicht anbieten. Mein verstorbener Fritz und ich haben dieses Haus gebaut - vor über 45 Jahren.

 

Günter: (nun lauter) Ich will jetzt nichts mehr hören. Hier kommen unentwegt Leute herein, die behaupten, das... (dann überlegt er) Was haben Sie da gesagt? Sie und Ihr Mann... dann sind Sie...?

 

Geertje: Geertje Folkers ist mein Name. Ich war ein paar Wochen in einem Pflegeheim zur Kurzzeitpflege, weil meine Kinder im Urlaub waren. Völlig unnötig - aber sie haben gemeint, dass ich dann zumindest nicht für mich kochen muss. Jetzt sind meine Tochter und mein Schwiegersohn zurück und ich bin soeben mit einem Taxi hierher zu meinem Haus gefahren worden. Und nun machen Sie endlich eine Fliege, Herr...

 

Günter: Koopmann. Günter Koopmann. Bitte beruhigen Sie sich doch. Ihre Tochter hat mir alles erzählt. (erinnert sich an die angebliche Demenzerkrankung, geht dann nah an sie heran, spricht lauter und deutlicher) Geht es Ihnen denn gut, Frau Folkers? Soll ich Sie wieder zurück bringen in das Heim? Haben Sie sich verlaufen?

 

Geertje: Was reden Sie denn da für einen Unsinn? Und behandeln Sie mich nicht wie eine Frau, die nicht alle Tassen im Schrank hat. Mir geht es wunderbar; bis auf die Tatsache, dass hier jemand mein Haus besetzt. (geht zügig zum Telefon) Es reicht mir jetzt. Ich muss mich doch in meinem eigenen Haus nicht mit einem solch unverschämten Kerl wie Sie es sind, quälen. (tippt eine Nummer in das Telefon ein)

 

Günter: Wen auch immer Sie jetzt anrufen wollen, Frau Folkers - tun Sie es nicht und lassen Sie uns vernünftig miteinander reden.

 

Geertje: Vernünftig reden, ja?! Ha... worüber denn bitte? (hält den Hörer am Ohr, wartet)

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Günter: Na, wie es hier weitergehen soll. Ich habe einen rechtmäßigen Kaufvertrag für dieses Haus abgeschlossen mit Ihrer Tochter Elfriede. Sie hat mir gesagt - und jetzt entschuldigen Sie bitte - dass Sie dement sind und jetzt einen Platz im Pflegeheim haben. Ich habe sogar all Ihre Möbel gekauft. Aber wenn ich Sie so betrachte...

 

Geertje: (kann es kaum glauben, lässt den Arm sinken) Was sagen Sie da? Meine Tochter hat gesagt...? (hält dann zügig den Hörer wieder ans Ohr, weil sich am anderen Ende jemand meldet) Was? Ja - äh nein. Entschuldigung, das hat sich erledigt erstmal. (drückt eine Taste, legt den Hörer auf, muss sich an einen Schrank o.a. festhalten)

 

Günter: (besorgt, geht zu ihr) Setzen Sie sich, Frau Folkers. Das ist sicher alles ein bisschen viel für Sie.

 

Geertje: (setzt sich, wirkt traurig) Danke. Ist das wirklich wahr, was Sie da sagen?

 

Günter: Ich bitte Sie; weshalb sollte ich Sie anlügen?

 

Geertje: Ich... ich will Ihnen ja gerne glauben. Und langsam wird mir auch einiges klar.

 

Günter: Darf ich Ihnen ein Glas Sekt einschenken? Das bringt den Kreislauf wieder in Schwung.

 

Geertje: (plötzlich wieder barsch) Es wird KEIN Alkohol in meinem Haus getrunken!

 

Günter: (ebenso) In MEINEM Haus schon! (dann ruhiger) Es hat doch keinen Sinn, dass wir uns hier gegenseitig anschreien. Ich möchte nur gerne aufgeklärt werden, was hier eigentlich los ist.

 

Geertje: (auch ruhiger) Ja, ich auch. Wissen Sie, vorgestern war meine Tochter im Heim und hat die ganze Zeit davon gesprochen, wie schön doch diese Senioren-Residenz ist. Und sie sagte, sie hätte mit der Leitung gesprochen und darum gebeten, dass ich noch 14 Tage länger dort bleiben sollte. Sie würden dieses Haus für mich renovieren. Alle Räume neu tapezieren und solche Dinge. Und sie hat auch angesprochen, dass ich darüber nachdenken sollte, vielleicht für immer dort zu bleiben. Ich habe meinen Kindern natürlich nicht gesagt, dass das nicht in Frage käme, und bin vorhin sofort abgehauen dort. Und dann ist die Pflegerin dem Taxi laut rufend hinterher gelaufen. - Warum nur, dachte ich noch.

 

Günter: Und Sie sind nicht... nun ja... verwirrt oder leiden sogar an Alzheimer?

 

Geertje: (barsch) Jetzt werden Sie mal nicht unverschämt. Sehe ich so aus, als könnte ich nicht mehr klar denken? (ruhiger) Natürlich bin ich kein junges Mädchen mehr und vergesse hin und wieder etwas. Sie nicht? - Und meine Knochen machen mir auch zu schaffen. Aber ich gehöre doch nicht in ein Altersheim. Ich komme noch sehr gut alleine zurecht.

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Günter: Sicher. Entschuldigen Sie bitte.

 

Geertje: Und nun erfahre ich, dass meine eigene Tochter ihren ganz speziellen Plan für mein Leben schon fertig hatte. - Sagen Sie, wie sind Sie denn auf dieses Haus aufmerksam geworden?

 

Günter: Es stand in der Zeitung - vor etwa 3 Wochen schon. Privatverkauf - ohne Makler.

 

Geertje: Nicht zu fassen. Da war ich gerade mal einen Tag raus hier.

 

Günter: Ich habe dann angerufen und musste noch am selben Tag dieses Haus besichtigen, weil das Ehepaar Maier verreisen wollte. Und wir sind uns dann schnell einig geworden. Ich habe sofort den Zuschlag erhalten und auch schon bezahlt. Frau Maier war vorhin noch hier und hat mir den letzten Schlüssel gebracht.

 

Geertje: Den sie MIR aus meiner Handtasche geklaut hat - jetzt wird alles klarer. Und ich hab´ mich schon halb dumm gesucht danach. (süffisant) Aber für Notfälle habe ich vor langer Zeit noch einen weiteren Schlüssel nachmachen lassen, von dem meine Kinder nichts wissen.

 

Günter: Und dieses Haus - gehört es denn wirklich Ihnen?

 

Geertje: Natürlich! Das heißt...

 

Günter: Na?

 

Geertje: Es gibt kein Testament von mir. Und ich habe nur meine Elfriede. Sie ist mein einziges Kind. Wenn ich mal sterbe, erbt sie doch eh das Haus.

 

Günter: Ja dann verstehe ich aber nicht... wie konnte sie denn...

 

Geertje: (seufzt) Vor ein paar Monaten hat sie mich angesprochen, dass niemand weiß, was uns die Zukunft bringt und sie gerne klare Verhältnisse hätte. Und sie meinte, es wäre besser, wenn ich ihr und meinem Schwiegersohn das Haus überschreibe.

 

Günter: Und das haben Sie auch gemacht?

 

Geertje: Ich hab´ mir nichts dabei gedacht. Sie erben es doch eh irgendwann.

 

Günter: Oh, Frau Folkers. Dann ist mein Kaufvertrag aber völlig rechtens, weil Sie gar nicht mehr die Eigentümerin sind.

 

Geertje: (deutlich) Gar nichts ist rechtens! In dem Vertag steht deutlich drin, dass ich Wohnrecht auf Lebenszeit hab´.

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Günter: Ach, so ist das! (kurze Pause)

 

Geertje: (melancholisch) Abgeschoben haben sie mich! Abgeschoben und benutzt! Verkaufen mein Haus und wollen mich nach einer Kurzzeitpflege im Heim einfach dort lassen. Und reden mir und anderen ein, dass ich nicht mehr zurechnungsfähig bin. Sogar meine Möbel haben sie verkauft?

 

Günter: Äh - ja.

 

Geertje: Mein ganzes Hab und Gut. (muss weinen)

 

Günter: (sieht das, holt ein Taschentuch hervor, reicht es ihr) Hier, bitte.

 

Geertje: (nimmt es) Danke. (trocknet die Tränen)

 

Günter: Das tut mir leid, wirklich. Was machen wir denn nun?

 

Geertje: (zuckt mit den Schultern, beruhigt sich langsam) Sagen Sie, weshalb haben Sie in Ihrem Alter denn noch ein Haus gekauft?

 

Günter: Ich hab´ zur Miete gewohnt viele Jahre. Und jetzt musste ich raus da. Eigenbedarf. Und in dem Wohnblock war es mir eh immer zu laut - ich brauche mehr Ruhe. Ich hatte viele Jahre gespart, und da dachte ich mir jetzt - warum nicht etwas kaufen?! Ein eigenes Haus für mich ganz alleine. Tja, so kam es dazu.

 

Geertje: Verstehe. - Zeigen Sie mir doch bitte nochmal den Kaufvertrag.

 

Günter: (tut dies)

 

Geertje: (liest) Unglaublich. 180.000 Euro? Das Haus ist viel mehr wert. - Nun ja, es ist ein Missverständnis, Herr Koopmann. Tut mir auch leid, dass Sie jetzt so schnell wieder raus müssen hier.

 

Günter: Moment mal.

 

Geertje: Kommen Sie. Das Ganze hier hätte gar nicht passieren dürfen. Jetzt benehmen Sie sich mal wie ein Gentleman und räumen hier das Feld.

 

Günter: Also, das sehe ich aber gar nicht ein. Das Haus hat ganz offensichtlich nicht mehr Ihnen gehört, ich habe es rechtmäßig erstanden und auch dafür bezahlt.

 

Geertje: Mit der Option, dass ICH hier Wohnrecht habe, solange ich lebe.

 

-16-

 

Günter: Davon steht nichts in meinem Vertrag.

 

Geertje: Aber es steht in dem Vertrag, den ich mit meiner Tochter gemacht habe.

 

Günter: Ja, das mag sein. Aber jetzt ist dieser Vertrag ungültig!

 

Geertje: Achja? Bin ich schon tot? Sehe ich so aus?

 

Günter: Diese Probleme müssen Sie mit Ihrer Tochter klären - nicht mit mir.

 

Geertje: Das tue ich - darauf können Sie Gift nehmen. Und dennoch ist dieses MEIN Haus.

 

Günter: Meins aber auch. Wo soll ich denn jetzt auch so schnell hin? In meine alte Wohnung zurück kann ich ja eh nicht.

 

Geertje: Und ein Hotel?

 

Günter: Ein Hotel? Wissen Sie, was das kostet? (laut) Und das sehe ich doch auch gar nicht ein. Dieses Haus ist mein Besitz!

 

Geertje: Ja gut - nun werden Sie mal nicht laut. Ich bin ja nicht schwerhörig.

 

Günter: Ich schlage vor, Sie gehen zurück in dieses Heim, bis sich die Situation geklärt hat.

 

Geertje: Dieser Vorschlag ist mehr als peinlich, Herr... wie war noch gleich...?

 

Günter: Koopmann immer noch. Vielleicht sollten Sie jetzt erst Ihre Tochter anrufen. Die ist es ja wohl gewesen, die diese Katastrophe hier angerichtet hat.

 

Geertje: Ja, das mache ich auch. Aber alles zu seiner Zeit. Das muss gut durchdacht sein. Wenn ich sie jetzt anrufe und sie erfährt, dass ich wieder hier bin, wird sie herkommen, mich ins Auto zerren und zurück in die Residenz "Abendrot" bringen. Und das lasse ich auf gar keinen Fall zu.

 

Günter: Ja, aber was machen wir denn jetzt?

 

Geertje: Heute machen wir am besten gar nichts mehr. Ich muss gut nachdenken. Ich will nicht zurück ins Heim und Sie in kein Hotel. Und obwohl ich es ungern sage, bleibt uns wohl nichts anderes übrig, als für einen Tag dieses Haus zu teilen.

 

Günter: Dann... also, Sie denken, wir beide sollen hier erstmal gemeinsam...?

 

 

-17-

 

Geertje: Ich bin ja kein Unmensch. Ich schlage vor, Sie ziehen für die kommende Nacht auf den Dachboden. Es ist trocken dort. Und jetzt im September ist es ja noch nicht so kalt.

 

Günter: Auf dem Dachboden? (bestimmend) Mir wäre es lieber, wenn SIE heute Nacht den Dachboden nehmen. Mein Knie hat Treppensteigen gar nicht gerne.

 

Geertje: (muss lachen) Ich soll in meinem eigenen Haus auf dem Dachboden übernachten? Sehr komisch. Außerdem hat meine Bandscheibe etwas gegen die schmalen Treppenstufen.

 

Günter: Na, DAS nenne ich Dankbarkeit. Sie dürfen nicht vergessen, dass Sie sich in MEINEM Haus aufhalten.

 

Geertje: Falsch. SIE sind Gast bei MIR! Außerdem muss ich hier unten bleiben, weil hier unten auch die Küche ist. Und da setzen SIE am besten erst gar keinen Fuß rein. Männer und Küche - das kennt man ja. Und ich werde ganz bestimmt nicht Ihren Dreck wegräumen.

 

Günter: Ich soll in meinem eigenen Haus also gar nicht erst meine Küche betreten? Ich möchte aber noch Abendbrot und auch morgen früh will ich ein üppiges Frühstück. Und mein bester Freund kommt gleich zurück - dann wollen wir ein bisschen Einzug feiern hier und alleine sein.

 

Geertje: Na, das hätten Sie sich so gedacht. Kommt überhaupt nicht in Frage. (sieht in einer Ecke einen CD-Recorder stehen) Und was ist das da?

 

Günter: Wenn Sie nichts mit den Augen haben, sollten Sie erkennen, dass es eine Musikanlage ist.

 

Geertje: Unverschämtheit. Musikalisch sind Sie also - sieh an. Was hören Sie denn so?

 

Günter: Wagner. Ausschließlich Wagner.

 

Geertje: Ich HASSE Wagner. Und wenn Sie ein wenig Ahnung von klassischer Musik hätten, dann wüssten Sie auch, dass nur Mozart ins Herz geht. Aber was habe ich erwartet? Sie sind eben ein Mann - was soll man dazu noch sagen?

 

Günter: (erbost) Ich will Ihnen mal was sagen:

 

Geertje: Nein! ICH will IHNEN mal was sagen:

 

(es klopft an der Tür, sodann betritt...)

 

 

 

-18-

 

9. Szene

Klara: (...die Bühne und läuft auf Geertje zu, umarmt sie herzlich. Sie hat eine Schachtel Pralinen dabei) Hallo Geertje. Schön, dass du endlich wieder daheim bist. (sieht dann Günter) Oh, du hast dir Gesellschaft mitgebracht? (schelmisch) Geertje - Geertje - also ich muss schon sagen... (Klara schaut Günter angenehm überrascht an)

 

Geertje: Klara, gut, dass Du hier bist. Ob ich wieder daheim bin, das weiß ich noch nicht genau. Und nein, Klara, diese Person habe ich ganz sicher nicht mitgebracht zur Gesellschaft. Er wohnt hier in meinem Haus.

 

Günter: Guten Tag, darf ich mich vorstellen. Koopmann, Günter Koopmann. (reicht Klara die Hand)

 

Klara: Angenehm, Klara Oppermann. Ich bin die beste Freundin von Frau Folkers. Und ich bin Witwe. Nur mal so zu Ihrer Information. (Klara ist sichtlich angetan vom stattlichen Günter)

 

Günter: Wenn ich das mal eben klarstellen darf. Nur, damit keine Missverständnisse aufkommen. Also...

 

Klara: Geertje, DER WOHNT SCHON BEI DIR? Du kleines Luder!

 

Geertje: Klara bitte! - Dieser Mann behauptet, Eigentümer von meinem Haus zu sein.

 

Klara: Du hast dein Haus verkauft?

 

Geertje: ICH ganz sicher nicht! - Davon kann gar keine Rede sein.

 

Klara: Dann hast Du also einen Mieter oder gar einen Mitbewohner? Du bist mir aber auch eine. Das hätte ich Dir gar nicht zugetraut.  Ist er so ’ne Art Kurzzeit-Pflege-Kurschatten? Ich glaube, ich sollte mich auch unbedingt mal für ein paar Wochen in diesem Pflegeheim aufhalten. Das ist ja ein richtiger Rochen !

 

Geertje: Klara !

 

Günter: Wie bitte? Wonach hab ich gerochen ? Glauben Sie mal bloß nicht, dass ich schwerhörig bin.

 

Geertje: Schwerhörig vielleicht nicht, aber etwas begriffsstutzig.

 

Klara: Äh, nein, Herr Koopmann... ich habe nur gesagt...

 

Geertje: (direkt) Ist GUT jetzt, Klara!

-19-

 

Klara: Ja doch. - Hier. (überreicht ihr die Pralinen) Für Dich; die isst Du doch so gerne. (dann wieder zu Günter) Herr Koopmann; ich habe nicht gerochen gesagt, sondern...

 

Geertje: Es reicht jetzt, Klara. Das ist alles nicht so wie du denkst. Ist alles ein reines Missverständnis.

 

Klara: Dieser nette Mann soll ein Missverständnis sein? Vor Deiner besten Freundin musst Du Dich doch deshalb nicht genieren, Geertje. Wir sind doch alle nur Menschen. Und wenn wir auch keine Teenager mehr sind, so haben auch wir noch Wünsche und Gefühle. - Ist es nicht so, Herr Koopmann? Oder darf ich Günter sagen?

 

Günter: Moment! (zu Geertje) SIE klären diese Dame jetzt erstmal auf, dass Sie und ich absolut gar nichts miteinander haben. (zu Klara) Und Sie sagen mir jetzt endlich, wonach ich gerochen habe!

 

Geertje: Oooooh... ich werde hier gleich wahnsinnig. Herr Koopmann - lassen Sie uns doch bitte ein paar Minuten alleine hier. Gehen Sie ins... ins Schlafzimmer meinetwegen.

 

Günter: (geht erbost zur Tür nach links, bleibt dort stehen, als...)

 

Klara: (fast geschockt) G e e r t j e !!! - Gleich ins Schlafzimmer?! (zeigt auf die Schlafzimmertür) Ins Allerheiligste? Du bist aber auch ein kleines Flittchen!

 

Geertje: KLARA! Dort ist das Gästezimmer und das Bad, wie Du weißt - nur zu Deiner Information.

 

Günter: (noch vor der Tür) Mir reicht es jetzt langsam hier. Frau Folkers, würden Sie Ihre Freundin jetzt bitte aufklären!

 

Klara: Frau Folkers ? Und SIE ? Nun hört doch auf mit der Spielerei. Und aufgeklärt bin ich auch längs. Ich will dann auch gar nicht länger stören. Wenn ihr beide jetzt Horido machen wollt, dann komme ich ein anderes Mal wieder.

 

Günter: (und Geertje zusammen erbost) Wir wollen ganz sicher nicht zusammen "HORIDO" machen! (Günter wütend ab nach links, knallt die Tür)

 

10. Szene

Klara: (etwas erschrocken) Ist ja gut - ist ja gut - keine Aufregung.

 

Geertje: (beruhigt sich) Klara, das ist alles ganz anders als Du denkst. Und nun vergess bitte Deine schmutzigen Gedanken und vor allem das "Horido". Ich habe kein Horido mit Herrn Koopmann. - Als ich vor 20 Minuten hier in mein Haus zurückgekehrt bin, war dieser Herr

 

-20-

 

Koopmann schon da. (traurig und wütend zugleich) Meine liebe Tochter Elfriede hat einfach mein Haus verkauft, während ich im Heim war.

 

Klara: W A S ??? - (eher amüsiert) Dann hat dieses Haus jetzt zwei Eigentümer, oder was?

 

Geertje: Klara, es gibt keinen Grund, darüber auch noch zu scherzen.

 

Klara: Entschuldige Geertje, aber was Du da erzählst, ist doch lächerlich. Deine Tochter kann doch nicht über deinen Kopf hinweg, dein Hab und Gut veräußern. Du hast mir doch erzählt, dass Dir Wohnrecht auf Lebenszeit eingeräumt wurde. DAS IST GELTEND! Auch wenn Du das Haus Deinen Kindern überschrieben hast.

 

Geertje: Genau! Hier geht´s ja auch nur um die Sache selbst. Herr Koopmann muss so schnell wie möglich wieder verschwinden hier. Aber kannst Du Dir vorstellen, wie man sich fühlt, wenn man erfahren muss, was die eigenen Kinder mit einem treiben?

 

Klara: Oh ja, das tut weh. Warum hat Deine Tochter das gemacht?

 

Geertje: Was weiß ich? Aber das krieg ich schon noch raus. - Herr Koopmann hat vorhin mit mir gesprochen, als hätte ich nicht alle Tassen im Schrank. Elfriede hat ihm wohl erzählt, ich wäre etwas - nun verwirrt im Kopf.

 

Klara: Unfassbar! Was willst Du denn jetzt machen?

 

11. Szene

Elfriede: (und Heinrich "platzen", ohne anzuklopfen von draußen herein) Mutter, hier bist du!

 

Heinrich: Mutter!

 

Geertje: (erschrocken, wie auch Klara, dann erbost) IHR wagt es noch, mein Haus zu betreten?! Und wieso ist die Tür offen?

 

Elfriede: Mutter, das Pflegeheim hat uns angerufen.

 

Geertje: Achja? Hatten die mich verloren dort? - Ich hab´ dort gekündigt.

 

Elfriede: Das geht nicht Mutter, du kannst hier nicht mehr wohnen.

 

Geertje: Und ob ich das kann!

 

Heinrich: (zu Klara) Ach, Frau Oppermann. Das hier ist eine sehr private, persönliche Besprechung. Wenn Sie doch bitte so freundlich wären und...

-21-

 

Geertje: (schnell bestimmend) KLARA bleibt! Das hier ist mein Haus und Klara ist mein Gast. Was ihr mir zu sagen habt, darf sie gerne hören.

 

Klara: (verschränkt die Arme, selbstsicher) Na dann...

 

Heinrich: Schwiegermutter, wir haben es doch nur gut gemeint. In dem Pflegeheim bist Du viel besser untergebracht. Da kümmert man sich um Dich.

 

Elfriede: Genau. Wir wollen nur Dein Bestes! Wenn Du das jetzt auch nicht einsehen magst, aber Du kommst ohne Hilfe doch gar nicht mehr klar.

 

Geertje: IHR HABT MEIN HAUS VERKAUFT! Wisst Ihr überhaupt, was Ihr mir da antut?

 

Elfriede: Da müssen wir Dir leider widersprechen, Mutter. Wir haben UNSER Haus verkauft. Es gehört UNS! Schon vergessen, dass Du es uns überschrieben hast - das war vor etwa 4 Monaten.

 

Geertje: (gespielt) Achja, stimmt. Ich habe das wohl vergessen. Aber wenn ich vor 4 Monaten auch schon angeblich Alzheimer hatte, konnte ich denn überhaupt Verträge unterschreiben? Vielleicht ist dieser Vertrag gar nicht gültig. Ihr wisst doch, wie verwirrt ich bin.

 

Heinrich: Schwiegermutter - bitte. Lass doch jetzt diese Ironie!

 

Klara: Und sollte der Vertrag auch seine Gültigkeit haben, so hat Geertje wohnrecht. Bis zu ihrem Tod. Das hätten Sie zumindest dem Käufer mitteilen müssen. So steht es im Gesetz!

 

Elfriede: Gesetz - Gesetz. - Mutter, Heinrich und ich können Dir das alles erklären.

 

Geertje: Alzheimer-Kranke verstehen auch keine Erklärungen - und wer sind Sie überhaupt?

Klara, weißt Du, wer diese Menschen sind ?

 

Klara: (spielt mit) Wollen wahrscheinlich Versicherungen verkaufen - oder vielleicht sind es die Zeugen Jehovas. Schrecklich!

 

Elfriede: Mutter, sei jetzt vernünftig. Wir haben mit der Leitung des Pflegeheims gesprochen und für Dich dort jetzt einen festen Platz auf Dauer. Das ist nur zu Deinem Wohl. Und nun sei lieb und komm schön mit uns. Wir fahren Dich wieder dorthin. Die anderen Bewohner vermissen Dich schon. Diese schöne, große Seniorenresidenz, Dein schönes neues Bett dort...

 

Geertje: Ich gehe nicht mit fremden Leuten mit. Und ich brauche auch keine Residenz und auch kein neues Bett - ich HABE ein Bett. Was ich jetzt brauche, ist ein Glas Sekt.

 

-22-

 

Klara: Ja genau. (geht zum Tisch, schenkt ein Glas voll, reicht es Geertje schnell)

 

Heinrich: Schwiegermutter, du darfst keinen Alkohol!

 

 

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