Lange danach gesucht - auf Ibiza 2012 endlich gefunden
Musiker gesucht

 

 

„Das Erfolgsrezept“

 

 

 

Komödie in 3 Akten

 

von

 

Helmut Schmidt

 

 

 

Inhalt: Nach seiner Entlassung hat Fritz Lehmann es sich zum Privileg gemacht, nie wieder arbeiten zu gehen. Seine Frau Gesine muß als Putzfrau den Lebensunterhalt verdienen. Und während Fritz abends faul auf dem Sofa liegt, darf Gesine noch den ganzen eigenen Haushalt machen, und kommandiert obendrein noch seine Tochter Ulla herum. Doch dann kommt die Wende: Gesine´s Frauenarzt teilt ihr mit, dass sie mit über 40 Jahren nochmal Mutterfreuden entgegensehen darf. Fritz´ größter Wunsch ist immer ein zweites Kind gewesen; deshalb ist die Freude nun – da keiner mehr damit gerechnet hat – umso größer. Fritz sucht sich neue Arbeit, hilft bei der Hausarbeit mit, kocht das Essen, ja, trägt seine Frau fast auf Händen. Nach kurzer Zeit stellt sich jedoch heraus, dass dem Arzt bei der Blutuntersuchung ein Fehler unterlaufen ist. Nicht Gesine, sondern die Tochter Ulla ist schwanger. Beide besuchten am selben Tag den Frauenarzt. Nun genießen aber alle den grandiosen Lebenswandel von Fritz sehr – und Gesine spielt ihm weiterhin die werdende Mutter vor. Doch die Wochen und Monate vergehen. Ulla wird langsam fülliger, doch bei Gesine tut sich nichts. Das will Fritz auf den Grund gehen und bei Gesine´s nächstem Arzttermin dabei sein...

 

 

Personen:       4m/4w 1 Bühnenbild – Wohnküche

 

 

Fritz Lehmann            -   (ca. 50 Jahre)

 

Gesine                        -   seine Frau (ca. 40 Jahre)

 

Ulla                             -   beider Tochter (ca. 20 Jahre)

 

Markus Becker           -   Ulla´s Freund (22 Jahre)

 

Elisabeth von Osten   -   Fritz` Schwester (40 – 50 Jahre)

 

Herbert von Osten      -   Elisabeth´s Mann (40 – 50

                                        Jahre)

 

Maximilian Becker     -   Markus´ Vater  (45 – 50 Jahre)

 

Gloria Becker             -   Markus´ Mutter (ca. 45 Jahre)

 

 

 

Bühnenbild:

 

Das Bühnenbild zeigt die Wohnküche der Familie Lehmann. Sie ist schlicht und einfach eingerichtet. Nichts deutet auf Wohlstand hin. Im Raum befinden sich ein Sofa, ein Tisch und einige Stühle, ein Schrank, evtl. Regal o. a. Irgendwo ein Radio und das Telefon. Es werden drei Türen benötigt. Nach hinten geht eine Tür zum Flur nach draußen; rechts eine weitere zu den Schlafräumen und links eine dritte zur Küche. Alle weiteren Ausstattungen bleiben der Gruppe überlassen.

 

 

Zeit:          Gegenwart

 

1. Akt        Herbst

2. Akt        im Frühjahr des darauf folgenden Jahres

3. Akt        im Sommer darauf

 

Spielort: Dorf irgendwo in Deutschland

 

Spieldauer: ohne Pausen ca. 90 Minuten

 

 

                                                             Erster Akt

 

                  (Wenn der Vorhang sich öffnet, liegt Fritz Lehmann auf dem Sofa und schläft. Seinen Kopf hat er mit einer Zeitung bedeckt. Im Zimmer sieht es sehr chaotisch aus. Der Tisch ist voll mit dreckigem Geschirr, leeren Flaschen u. a. Auch auf dem Fußboden liegen Kleidungsstücke, leere Dosen und Müll herum. Noch bevor der Vorhang sich öffnet, erklingt aus dem Radio recht laute Musik.)

 

1. Szene

 

Ulla:          (kommt nach einiger Zeit mit verärgertem Gesichtsausdruck von hinten herein. Geht schnurstracks zum Radio, stellt es wütend ab)

 

Fritz:          (wird sofort wach, kommt langsam hoch) Hey! Laß das Radio an; da folgen gleich die Sportnachrichten.

 

Ulla:          (zieht ihre Jacke aus) Das Gedudel kann man bis zur Strasse hören. Und dann schau Dir mal an, wie es hier schon wieder aussieht. (bringt ihre Jacke ins Schlafzimmer)

 

Fritz:          Ja, dann räum doch auf, wenn es Dir nicht passt! Wo kommst Du eigentlich jetzt erst her? (setzt sich jetzt hin)

 

Ulla:          (kommt zurück) Ich war beim Arzt.

 

Fritz:          Beim Arzt? Was willst Du denn da? Du bist doch nicht etwa krank? Das fehlt gerade noch. Und wer soll dann bitte die Arbeit hier machen? (steht auf, sucht nach einer vollen Flasche Bier)

 

Ulla:          (beginnt aufzuräumen) Vater, wie wäre es denn, wenn Du das zur Abwechslung mal tun würdest? Der meiste Dreck kommt doch auch von Dir.

 

Fritz:          (hat eine volle Flasche oder Dose Bier gefunden, öffnet diese, trinkt) Ich und Hausarbeit? Ist das etwa was für Männer? Du solltest Dich schämen, so mit Deinem Vater zu reden. Jeden Tag sprichst Du von Eigenständigkeit und vom Heiraten, aber hier spielst Du das faule Liesschen. Wenn Du erst verheiratet bist, dann ist auch keiner da, der Dir die Arbeit abnimmt. – So, und jetzt räum hier auf, damit Du das vernünftig lernst. (legt sich wieder auf das Sofa)

 

Ulla:          (räumt verärgert den Tisch ab)Nur damit Du bescheid weißt: Das tu ich nur für Mutter! Sie ist auch fix und fertig, wenn sie von Ihren  Putz-Jobs nach Haus kommt.

 

Fritz:          (sieht auf die Uhr) Wo bleibt die eigentlich so lange heute? Die hat doch längst Feierabend, oder nicht?!

 

Ulla:          Normalerweise schon! Aber Du kannst Dich ja, bis sie zurück ist, schon mal mit dem Wasserkran im Badezimmer beschäftigen. Da leckt irgendwas seit ein paar Tagen – oder ist das auch keine Arbeit für Männer?

 

 

Fritz:          Ich soll mit leerem Magen etwas tun? Erst kommt hier was auf den Tisch, ja?! Das hättest Du doch auch schon längst fertig haben können.

 

Ulla:          Ich denke, ich soll hier erst aufräumen!

 

Fritz:          Jaja, denk mal nicht so viel! Das kommt hier eines Tages in diesem Haus noch soweit und ich muß mir selber ein Butterbrot schmieren. 

 

Ulla:          Na und? Wäre das denn so schlimm?

 

Fritz:          Was hast Du eigentlich für´n Ton drauf seit einigen Tagen? Das hast Du ganz sicher von diesem... diesem...

 

Ulla:          Falls Du Markus meinst, den kannst Du gleich aus dem Spiel lassen. Auch wenn Du nichts von ihm wissen willst, das interessiert mich gar nicht! Die Zeiten sind nämlich vorbei, als die Eltern der Tochter noch den Mann ausgesucht haben. Markus und ich lieben uns – ob Dir das nun gefällt oder nicht!

 

Fritz:          (steht genervt auf, geht in Richtung Küche) Hach, ich halt das hier nicht mehr aus. – Sieht hier aus wie im Schweinestall, verhungern muß ich, und der Schwiegersohn wird mir zur Krönung auch noch vorgeschrieben. (zügig ab in die Küche)

 

Ulla:          (schüttelt den Kopf, räumt weiter auf)

 

2. Szene

 

Elisabeth: (kommt gefolgt von Herbert von hinten herein) Hallo Ulla! Wir kommen doch nicht unpassend?

 

Ulla:          Ach, Hallo.

 

Elisabeth: Du siehst blaß aus, Ulla. Solltest viel mehr an die frische Luft gehen. Meinst Du nicht auch, Herbert?

 

Herbert:     Ja! Siehst blaß aus, Ulla. Solltest viel mehr an die fri...

 

Elisabeth: Das sagte ich bereits, Herbert! – Sind Deine Eltern gar nicht da, Ulla? Ich hätte jetzt so ´n richtigen Jieper auf ´ne Tasse Tee.

 

Ulla:          Ich weiß auch nicht, warum Mutter noch nicht zurück ist.

 

Elisabeth: Geht sie denn immer noch jeden Tag putzen? Das ist doch auch sicher nicht leicht für sie. Und dann noch der eigene Haushalt. - Die Jüngste ist sie nun ja auch nicht mehr...

 

Ulla:          Das sag ich ihr auch andauernd, Tante Lisbeth. Aber irgendwer muß ja das Geld verdienen. Und bei uns ist das eben meine Mutter. (hat inzwischen Ordnung

 

 

 

geschaffen, den Müll in einen Eimer oder Sack geräumt, der Tisch ist jetzt leer) Na, jetzt setzt Euch doch. Ich koch schon mal das Teewasser und schau nach, wo Vater steckt. (will schon ab nach links)

 

Elisabeth: Das ist nett von Dir, Ulla. – Ach, da fällt mir gerade ein: Ist ja auch eigentlich Abendbrot-Zeit. Dann könntest Du uns auch gleich ein paar Brote schmieren. Was meinst Du, Herbert?

 

Herbert:     So wie Du meinst, Lisbeth.

 

Ulla:          (abgehend mit Müll bzw. Tablett, bleibt an der Tür stehen) Hhmm... ein paar Brote. Ja, mit welcher Auflage denn?

 

Elisabeth: Was ihr gerade so im Haus habt. Aber... Kochschinken – das wäre jetzt das Größte.

 

Ulla:          Kochschinken? Aha! (ab in die Küche)

 

3. Szene

 

Elisabeth: (steht auf, macht auf dem Schrank o. a. den „Staubtest“, sieht in den Schrank, öffnet dann die Tür zum Schlafzimmer) Oh... oh...

 

Herbert:     Aber Lisbeth, was machst Du da denn?

 

Elisabeth: Schau Dir doch mal an, wie es hier aussieht, Herbert! Hier hat seit Wochen niemand mehr Staub gewischt. Und die Betten sind auch noch nicht gemacht. Und sowieso,... wie riecht es hier eigentlich?! Irgendwie stickig–muffig, nicht wahr?!

 

Herbert:     Ich weiß nicht!

 

Elisabeth: (strafend) Herbert!

 

Herbert:     (schnell) Irgendwie stickig-muffig, Lisbeth !

 

Elisabeth: Kümmert Gesine sich denn um gar nichts mehr im Haus?

 

Herbert:     Na, wenn sie doch die ganzen Tage arbeitet, dann bleibt eben im eigenen Haus viel liegen.

 

Elisabeth: Die soll mal was tun, meine liebe Schwägerin. Das muß ich ja schließlich auch!

 

Herbert:     Du bist ja aber auch jeden Tag von morgens bis abends im Haus und hast Zeit genug die Räume in Ordnung zu halten.

 

Elisabeth: Ach, sei doch still! – Ich bin ja mal gespannt, was Ulla uns serviert. Mehr als Leberwurst und Sirup haben die hier doch eh nicht.

 

 

 

 

Herbert:     Gesine verdient eben nicht so viel. Da kann man sich nicht jeden Tag solche teuren Sachen leisten.

 

Elisabeth: (sieht ihn schon wieder strafend an)

 

Herbert:     Na ja, ab und zu vielleicht doch!

 

4. Szene

 

Gesine:      (kommt von hinten, mit Mantel und Kopftuch, sowie einem Korb oder Tasche herein) Oh... Hallo! ...Ihr seid hier?

 

Elisabeth: (setzt sich wieder) Ja, wir sind hier. Hallo, Gesine! Wir dachten uns, wir schauen mal wieder rein. – Wir sind ja auch lange nicht hier gewesen, nicht wahr?!

 

Herbert:     Gestern doch erst.

 

Gesine:      (zieht Mantel und Kopftuch aus) Ich bin spät heute. Ich hatte um vier einen Termin bei Doktor Reuter; und im Wartezimmer hab´ ich dann fast ´ne ganze Stunde gesessen.

 

Elisabeth: Bist Du krank? Was fehlt Dir denn?

 

Gesine:      (bringt Mantel nach rechts, kommt gleich darauf zurück, setzt sich zu den beiden an den Tisch) Ach, ich hab´ schon seit Wochen einen stechenden Schmerz im Unterleib. Zuerst dachte ich, das geht schon wieder vorbei; aber so langsam hab´ ich mir doch Sorgen gemacht.

 

Elisabeth: Und? Was ist es?

 

Gesine:      Ich soll morgen anrufen. Das Blut muß erst untersucht werden. Aber er sagte – etwas Ernstes wäre es wohl nicht.

 

Elisabeth: Tja, wen wundert´s ? - Ich hab´ eben noch zu Herbert gesagt:  Du machst Dich nochmal tot. Die ganzen Tage arbeiten; das hälst Du doch nicht aus. Ist ja kein Wunder, wenn der Körper das irgendwann nicht mehr mitmacht.

 

Gesine:      So schlimm  ist es nun auch wieder nicht! Aber die eigenen vier Wände, die müssen ab und zu darunter leiden. Ulla kann das auch nicht immer machen.

 

Elisabeth: Nein nein, Gesine! Ich hab´ vor zehn Minuten noch zu Herbert gesagt, wie sauber und ordentlich es hier ist. Ehrlich!

 

Gesine:      Na ja, man tut was man kann. - Aber, meine Gastfreundschaft... was kann ich Euch denn anbieten?

 

Herbert:     Ulla macht uns schon Brote mit Sirup.

 

 

 

 

Elisabeth: (knufft Herbert grob) Kümmer Dich nicht um uns, Gesine. Wir wollen gar nicht so lang bleiben.

 

Gesine:      Aber eine Tasse Tee werdet ihr doch trinken. (steht auf) Ich schau mal, ob ich Ulla helfen kann. (ab in die Küche)

 

5. Szene

 

Elisabeth: Hast Du das gehört, Herbert? Die glaubt doch tatsächlich, das hier alles in Ordnung ist!

 

Herbert:     Ja, aber das hast Du doch selbst zu Gesine gesagt.

 

Elisabeth: Das ist ja wohl ganz was anderes!

 

6. Szene

 

Gesine:      (kommt mit Ulla zurück, trägt ein Tablett mit belegten Broten; Ulla ein zweites mit Teekanne und Tassen, Kandis usw. Stellen es auf den Tisch) So, dann langt mal tüchtig zu. (setzt sich wieder, nimmt sich auch eine Scheibe Brot)

 

Ulla:          (schenkt Tee ein, nachdem sie die Tassen verteilt hat) Ich weiß gar nicht, ob Euch die Brote recht sind. Wir haben noch gar nicht eingekauft diese Woche.

 

Elisabeth: Das macht doch nichts! (schaut auf den Teller) Schau doch nur, Herbert! Gesine hat wieder diese leckere Pfälzer Landleberwurst und den feinen Zuckerrübensirup. Sowas kriegt man auch ja viel zu selten, nicht wahr?!

 

Herbert:     (nimmt sich eine Schnitte und gleich eine zweite hinterher, ißt gierig)

 

Gesine:      Na ja! Ist zwar nichts besonderes; aber gesund ist es allemal.

 

Elisabeth: Du hast ja so recht, Gesine. Ist ja nur zu schade, das ich gerade eine Diät mache.

 

Ulla:          Ja?

 

Elisabeth: Ja, schon seit zwei Wochen! Und da darf ich natürlich auf gar keinen Fall solche (ironisch) leckeren Sachen.

 

Ulla:          Das ist ja schade! Was können wir Dir denn jetzt anbieten?

 

Elisabeth: Was habt ihr denn anderes noch anzubieten?

 

Ulla:          Tja, also...

 

Gesine:      Tja, was haben wir denn noch?

 

Elisabeth: Ist schon gut. Ich ess gleich zuhause noch ein paar Gurkenscheiben und das muß dann reichen für heute.

 

 

Herbert:     (nimmt sich schon wieder eine Scheibe Brot, spricht mit vollem Mund) Schmeckt gut, Lisbeth.

 

Elisabeth: Also, Herbert! Ich muß mich doch wirklich wundern. Jetzt ess doch nicht den ganzen Teller leer. Das hat ja fast den Anschein, als hättest Du den ganzen Tag noch nichts bekommen bei mir.

 

Herbert:     Hab´ ich auch ja nicht!

 

Ulla:          (nimmt sich auch ein Stück Brot, als sie abbeißen will, legt sie es aber schnell wieder auf den Teller, hält sich eine Hand vor den Mund, rennt schnell in die Küche)

 

Gesine:      (kann gar nicht so schnell reagieren, geht ihr schnell nach bis zur Küchentür, bleibt aber im Raum) Kind, was hast Du denn?

 

Ulla:          (aus der Küche) Ist schon gut, Mutter.

 

Gesine:      Sie hat doch keine Magenverstimmung.

 

Elisabeth: Oh, das ist gut möglich! Ich hab´ gehört, dass das derzeit die Runde macht im Dorf.

 

Gesine:      (setzt sich langsam wieder) Sie ist in letzter Zeit auch so blass um die Nase. Das gefällt mir gar nicht.

 

Elisabeth: (steht auf, ein bisschen in Eile, „zieht“ Herbert fast mit hoch) Ich glaube, wir gehen besser wieder; bevor wir uns hier noch anstecken.

 

Herbert:     (hatte sich soeben eine weitere Schnitte Brot genommen, „schiebt“ es in den Mund) Ja, aber...

 

Gesine:      Das kommt ja gar nicht in Frag! So schlimm ist es mit Ulla nicht. Und ihr habt Euren Tee ja noch gar nicht getrunken. Und wo ist Fritz denn eigentlich?

 

Elisabeth: (setzt sich zaghaft wieder hin)

 

Herbert:     (ißt in Ruhe weiter sein Brot)

 

(es klopft an der Tür nach hinten)

 

Gesine:      Ja, bitte?

 

7. Szene

 

Markus:     (kommt herein. Ein junger Mann; schick, aber doch locker gekleidet) Guten Tag, zusammen!

 

 

 

 

Gesine:      Hallo Markus! Setz´ Dich doch bitte zu uns.  Ulla kommt gleich zurück. Sie ist gerade mal raus – fühlte sich nicht wohl.

 

Markus:     (besorgt) Was? Ist sie krank?

 

Gesine:      Wird wohl nur ´ne Magenverstimmung sein.

 

Markus:     Aha. (setzt sich)

 

Gesine:      Das sind übrigens meine Schwägerin Elisabeth und mein Schwager Herbert von Osten.

 

Markus:     (steht wieder auf, gibt beiden die Hand) Becker. – Becker.

 

Herbert:     Bäcker? Angenehm . . . Maurer.

 

Elisabeth: Die heißt so, Du Trottel! Das ist sein Name !

 

Herbert:     Ach so!

 

Gesine:      Magst Du auch eine Scheibe Brot, Markus?

 

Markus:     (sieht auf den Teller) Oh, da sag ich nicht „Nein“. (nimmt sich)

 

Herbert:     Nee, ich auch nicht! (langt auch wieder zu)

 

Elisabeth: H e r b e r t !!!

 

8. Szene

 

Fritz:          (kommt aus der Küche, bleibt wie schockiert stehen) Das glaub´ ich einfach nicht.

 

Gesine:      Was denn, Fritz?

 

Fritz:          Da maloche ich stundenlang an dem defekten Wasserhahn – bin halb verhungert – und meine kleine Schwester und mein Schwager hauen sich hier die Wampe mit meiner Leberwurst voll.

 

Gesine:      Fritz!

 

Fritz:          Und zur Krönung auch noch mein zukünftiger Schwiegersohn. Sie üben wohl schon mal, wie es ist, sich bei anderen Leuten durchzufressen, wie?!

 

Markus:     (verschluckt sich fast) Ja, aber Frau Lehmann hat gesagt...

 

Fritz:          Was Frau Lehmann gesagt hat, interessiert mich nicht! Frau Lehmann hat dafür zu sorgen, das ihr Mann was zu essen bekommt. – Seit wann bist Du eigentlich wieder da?

 

 

 

Gesine:      Noch nicht lange! – Ist doch noch genug da, Fritz. Und wenn der Teller leer ist, dann schmier ich eben noch was nach. Nun ess doch!

 

Fritz:          Das kann ich nicht! Du weißt ganz genau – wenn ich esse – dann lieg ich dabei auf dem Sofa. Und das ist nun ja wohl besetzt, oder?! Das siehst Du ja wohl.

 

Elisabeth: Wir wollten sowieso gerade gehen. (steht wieder auf)

 

Gesine:      Ihr bleibt sitzen! Fritz kann sich ja wohl mal auf einen Stuhl setzen.

 

Fritz:          Das tu ich nicht! Und der Appetit ist mir sowieso vergangen. Ulla ist auf dem Klo und... (deutet mit den Händen ein „Erbrechen“ an)

 

Markus:     (wieder besorgt) Du liebe Zeit! Geht es ihr nicht gut?

 

Fritz:          Nee! Sie hat sicher gerochen, das Sie hier sind, Herr Becker.

 

Gesine:      Fritz, was soll das jetzt? – Hör auf!

 

9. Szene

 

Ulla:          (kommt zurück) Hallo Markus! (Kuss)

 

Markus:     Ulla, was ist denn los?

 

Ulla:          Geht mir schon wieder ganz gut. Mach Dir keine Gedanken.

 

Gesine:      Wenn das aber nicht besser wird, gehst Du morgen nicht zur Schule, hörst Du?!

 

Ulla:          Ja.

 

Markus:     Deine Gesichtsfarbe gefällt mir auch gar nicht. Laß uns doch kurz an die frische Luft gehen. (beide ab nach hinten)

 

10. Szene

 

Fritz:          (äfft Markus nach) „Deine Gesichtsfarbe gefällt mir auch gar nicht“.

 

Gesine:      Fritz, jetzt halt doch mal den Mund. Was hast Du bloß gegen Markus? Er und Ulla sind nun schon fast zwei Jahre zusammen. Kannst Du Dich denn nicht endlich damit abfinden, das die beiden zusammen gehören?

 

Fritz:          Niemals! Kennst Du auch die Eltern, Gesine? Vollkommen hochnäsig Volk ist das! Die Mutter läuft den ganzen Tag nur in einem Pelzmantel herum. Und der Vater erst: Wenn wir dem unsere Leberwurst-Brote anbieten würden – anzeigen würde er uns wegen Lebensmittelvergiftung. Ich will nicht hoffen, das ich jemals ein Wort mit denen wechseln muß.

 

 

 

 

Herbert:     (und Elisabeth haben ihren Tee jetzt getrunken)

 

Gesine:      Warum musst Du nur immer so übertreiben?

 

Elisabeth: Das versteh´ ich auch nicht! Mein Bruder; immer zieht er über andere her. Von wem hat er das nur? (steht jetzt auf) Wir wollen nun aber wirklich los. Ich bin noch bei Dinchen Meier zu einer Tupper-Party eingeladen.

 

Herbert:     (sitzt noch, nimmt sich noch ein Brot)

 

Gesine:      Schaut gerne ein anderes Mal wieder rein. Am besten nächste Woche, dann hab´ ich zwei Tage frei.

 

Elisabeth: (schon an der Tür) Ja, das machen wir! Und das mit Deinen Schmerzen nehm´ nicht auf die leichte Schulter, Gesine.

 

Gesine:      Jaja.

 

Elisabeth: (sieht ihren Mann immer noch sitzen und essen) H e r b e r t !!!

 

Herbert:     Ja, ich komm´ schon, Lisbeth. (springt schnell auf, mit seiner Frau ab nach draußen)

 

11. Szene

 

Fritz:          Na endlich! Ich dachte schon, die wollten gar nicht mehr gehen. (legt sich wieder auf das Sofa, macht es sich bequem) So, und jetzt machst Du mir was Gutes zu essen, Gesine. Aber etwas Warmes – hast Du gehört?!

 

Gesine:      Was soll ich Dir denn jetzt noch kochen?

 

Fritz:          Das ist mir doch egal! – Mach was!

 

Gesine:      (will ab in die Küche)

 

Fritz:          Sag mal, wieso bist Du heute eigentlich so spät gekommen? Und was hat Lisbeth da von wegen Unterleibsbeschwerden erzählt?

 

Gesine:      Deshalb war ich doch noch beim Arzt.

 

Fritz:          (kommt wieder hoch) Bei welchem Arzt?

 

Gesine:      Doktor Reuter. Den kennst Du nicht! Das ist ein Gynäkologe. – Frauenarzt, wenn Du das besser verstehst.

 

Fritz:          Was willst Du denn bei so einem? Warum bist Du denn nicht zu unserem Hausarzt gegangen? Der wohnt hier doch gleich um die Ecke. – Was ist das eigentlich für einer, dieser Günni Cologne? Was hat er mit Dir gemacht?

 

 

 

Gesine:      Fritz – untersucht hat er mich, so wie Ärzte das nun mal machen.

 

Fritz:          Und? Was fehlt Dir?

 

Gesine:      Das konnte er noch nicht genau sagen. Ich muß die Tests erst abwarten.

 

Fritz:          Na, das ist ja vielleicht ein Doktor! Wo hat der denn sein Examen gemacht? Auf ´n Hamburger Dom bei ´ner Losbude gewonnen?

 

Gesine:      Er hat zumindest gesagt, das ich mir keine Sorgen machen soll.

 

Fritz:          Hhmmm... (legt sich wieder hin) Ich hoffe, dass es Dir schnell wieder besser geht, Gesine. – So, und nun mach mir was zu essen!

 

Gesine:      Ja Fritz, mach ich. (ab in die Küche)

 

Fritz:          Was haben manche Menschen doch eigenartige Namen: G ü n n i Cologne. Sicher ein Türke, dieser Arzt. Wir haben ja auch noch nicht genug Ausländer hier in Deutschland. - Na ja! (streckt sich ausgiebig) Kerl, was hab´ ich geschuftet an dem Wasserhahn.

 

Gesine:      (kommt zurück) Du Fritz, viel haben wir nicht im Haus, was ich Dir kochen könnte. Wir müssen morgen erst mal wieder einkaufen. Wenn Du mit Milch und Zwieback einverstanden bist...

 

Fritz:          (knurrig) Mir doch egal! Hauptsache Du machst mir was.

 

Gesine:      (wieder ab)

 

Fritz:          (kommt hoch, geht zum Radio, stellt es wieder sehr laut; legt sich wieder hin, schlägt den Takt der Musik mit, singt evtl. dazu)

 

Gesine:      (nach einer kurzen Pause aus der Küche; laut) Auaaaa...au. Fritz – hilf mir.

 

Fritz:          (springt sofort hoch, schnell ab in die Küche, besorgt:) Gesine, hast Du was? (ab)

 

11. Szene

 

Ulla:          (kommt mit Markus von draußen, geht verärgert zum Radio) Das kann ja wohl nicht wahr sein. Nun läuft der alte Kasten schon wieder auf vollen Touren. (stellt es aus)

 

Markus:     Dein Vater ist wohl sehr musikalisch.

 

Ulla:          Langweile ist der Grund dafür.

 

Markus:     Das läuft hier immer noch anders als in den meisten Familien, nicht wahr? Ich meine, wo gibt es denn so was, das nur die Frau arbeiten geht, und der Mann den ganzen Tag gar nichts tut?

 

 

Ulla:          Seit vier Jahren ist das hier schon so, Markus. Seit Vater bei der Werft entlassen worden ist. Über 20 Jahre hat er dort gearbeitet. Und seit er aus wirtschaftlichen Gründen entlassen worden ist, hat er sich noch nicht um etwas anderes gekümmert.

 

Markus:     Ich verstehe nicht, das ihr sowas mitmacht. Der sitzt hier herum und kommandiert Dich und Deine Mutter von morgens bis abends. Okay, gute Arbeit ist nicht leicht zu finden – aber wenn Dein Vater nicht so wählerisch wäre, da hätte er in vier langen Jahren doch irgend etwas kriegen können.

 

Ulla:          Tja, eine Schande ist das. Arbeitslosenunterstützung kriegt er ja auch schon nicht mehr. Aber sprech´ ihn bloß nicht drauf an. Dann kannst Du meinen Vater noch etwas anders kennenlernen.

 

Markus:     Ich hab´ schon gemerkt, das er mich nicht mag. Das ist mir eigentlich auch egal! Aber  das Du Deinen Vater immer nur aushalten musst, dass möchte ich gerne abstellen.

 

Ulla:          Ich weiß ja selbst, das Vater ein unausstehliches Ekelpaket sein kann, seit er zuhause ist. Aber was sollen Mutter und ich denn machen?

 

Markus:     So sollte es hier auf gar keinen Fall weiter gehen. Und deshalb ist es das beste, wenn wir so schnell wie möglich heiraten und von hier weg ziehen.

 

Ulla:          Nein Markus! Das kann ich Mutter nicht antun. Dann kann ihr hier im Haushalt ja niemand mehr helfen.

 

Markus:     Denk doch erst mal an Dich. Und Deiner Mutter – der kann man nur helfen, indem Dein Vater sich ändert.

 

Ulla:          Ich hoffe immer noch auf ein Wunder! Und ich hab´ Dich auch sehr lieb. Aber heiraten und hier ausziehen, das kann ich jetzt noch nicht, Markus.

 

Markus:     Dann laß uns zumindest Verlobung feiern. Einmal muß auch Dein Vater sich damit abfinden, das wir zusammen gehören.

 

Ulla:          Können wir nicht auch damit noch etwas warten?

 

Markus:     Jetzt schlag mir doch nicht auch noch diesen Wunsch ab! Am besten ist es, wenn wir das ganz spontan verkünden; dann kann auch niemand mehr etwas dagegen haben. – Wie wäre es mit... Samstag?

 

Ulla:          Übermorgen schon? – Du bist ja…

 

Markus:     (küsst sie schnell, dann:) Was bin ich?

 

Ulla:          Ein ganz verrückter Bengel bist Du.

 

Markus:     Verrückt aber ganz lieb, nicht wahr?!

 

 

Ulla:          Angeber!

 

Markus:     Einmal möchte ich auch etwas bestimmen. Und ich sag, das wir uns Samstag verloben!

 

Ulla:          Und Diene Eltern? Glaubst Du denn, das ich für sie die Richtige bin?

 

Markus:     Das ist mir doch egal! Ich will Dich; und das mein ganzes Leben. (will sie erneut küssen, als...)

 

Ulla:          (...sich an den Bauch fasst, das Gesicht verzieht)

 

Markus:     Was ist denn schon wieder? Geht es Dir immer noch nicht besser?

 

Ulla:          Ich weiß auch nicht was das ist! Ich hab´ in der Schule eine Bratwurst mit Kartoffelsalat gegessen. Das muß wohl irgendwie nicht gut gewesen sein.

 

Markus:     (streichelt ihr besorgt über die Wange)

 

12. Szene

 

Fritz:          (kommt mit Gesine aus der Küche, stützt sie. Gesines Hand ist mit einem Handtuch „verbunden“) Nee, oh nee, diese Frauen! Das ist nicht zu fassen.

 

Ulla:          (geht schnell besorgt zu ihrer Mutter) Mutter, meine Güte – was ist passiert?

 

Gesine:      (macht ein verzweifeltes, schmerzverzerrtes Gesicht) Ach...

 

Fritz:          Deine Mutter fasst mit ihrer Hand auf die kochende Herdplatte. Ich kapier´ gar nicht, wie man so dusselig sein kann.

 

Markus:     Oh nee! Ist die Hand verbrannt, Frau Lehmann?

 

Fritz:          Nee, Herr Becker! Die Hand friert ihr gleich ab.

 

Gesine:      Fritz!

 

Fritz:          Was ist mit Fritz? Ich bin es doch, der nun wieder die ganze Last damit hat! Wie willst Du denn arbeiten mit ´ner verbrannten Hand?

 

Ulla:          Als wenn das nun so wichtig wäre! Mutter muß erstmal zum Arzt oder ins Krankenhaus.

 

Markus:     Genau! Ich bin mit dem Auto hier. Kommen Sie, Frau Lehmann. (holt schon die Schlüssel hervor)

 

Fritz:          Oh, der Herr Schwiegersohn versucht es jetzt mit der Samariter-Masche.

 

 

 

 

Ulla:          Vater, wenn Du nicht auf der Stelle Deinen Mund hälst; dann verlaß ich dieses Haus. Dann kannst Du sehen wer hier die Arbeit macht; nun, da Mutter auch nicht mehr kann.

 

Gesine:      Hört mit dem Streiten auf – alle beide. – Bist Du so freundlich und bringst mich zum Arzt, Markus? Ich will Dir das auch gerne bezahlen.

 

Markus:     Ich muß doch bitten! Kommen Sie schnell, Frau Lehmann. Wenn etwas verbrannt ist soll man nicht warten. (Gesine, Ulla und Markus ab nach hinten)

 

Fritz:          (allein) Bin ich hier eigentlich im Tollhaus? Bietet meine eigene Frau diesem Schnösel auch noch Geld an – für diese drei Kilometer. Und dabei hat er erst vor zehn Minuten meine ganze Leberwurst aufgefressen. (wütend ab in die Küche)

 

(Pause)

 

13. Szene

 

Maximilian:(kommt gefolgt von Gloria von hinten herein. Er trägt einen schicken Anzug, Hut und Krawatte. Macht einen sehr noblen Eindruck; schaut sich um) Möchtest Du ablegen, mein Täubchen?

 

Gloria:       (trägt Pelzmantel, außergewöhnlichen Hut, ist stark geschminkt, trägt eine Perrücke, sieht sich ebenfalls im Raum um) Ich weiß nicht, Mause-Bär. Denkst Du ernsthaft, dass wir uns hier lange aufhalten werden?

 

Maximilian: Tja...

 

Gloria:       Nun, was meinst Du Schatz? Sollte unser Sohn ein Mädchen aus einem solchen Hause ehelichen?

 

Maximilian: Du kennst meine Meinung, Darling. Ich denke, dass zunächst die Gefühle zweier Menschen für eine gute Beziehung maßgebend sind – und nicht unbedingt der Wohlstand.

 

Gloria:       Da magst Du ja recht haben. Aber der Vater dieser Ulla soll doch erwerbslos sein.

 

Maximilian:    Ich weiß, Herzchen, das ist eine Schande. Trotzdem denke ich, dass er wohl ein ganz anständiger Mensch ist.

 

Gloria:       Woher willst Du das wissen? Wir haben noch nie ein Wort mit ihm gesprochen.

 

Maximilian:    So wie ich von Markus erfahren habe, lässt er zumindest seine Gemahlin arbeiten gehen.

 

Gloria:       Ein Mensch mit solchen Prioritäten kann kein anständiger Mensch sein.

 

Maximilian:    Hhmm..., wollen wir uns setzen?

 

 

 

Gloria:       Ich weiß nicht! Vielleicht haben diese Leute Haustiere, - und irgendwann wird hier doch sicherlich jemand erscheinen. Die Haustür war doch offen.

 

Maximilian:    Vielleicht sollten wir mal rufen.

 

Gloria:       Ich weiß nicht, Darling. Das schickt sich doch nicht für unsere Verhältnisse.

 

Maximilian:    Da magst Du recht haben. Aber wir können doch nicht ewig warten. Außerdem habe ich um 20 Uhr noch eine Besprechung. Weißt Du, wir sind doch extra hier her gefahren, um die Eltern von Markus´ neuer Beziehung kennen zu lernen.

 

Gloria:       Neu ist gut! Unser Sohn hat mir mitgeteilt, dass diese Liaison nun schon fast zwei Jahre andauert.

 

Maximilian:    Unglaublich! Ich denke, Du solltest Dich doch mehr um ihn kümmern. (schaut auf die Uhr) Hach, wenn die Fahrt hier her denn nun völlig umsonst war, Cherie – bei den Benzinpreisen.

 

Fritz:          (hat bereits die Küchentür geöffnet, wollte herein; sieht aber die Anwesenden, geht schnell zurück, lässt die Tür aber einen Spalt offen, belauscht die beiden)

 

Gloria:       Aber...aber...die drei Kilometer!

 

Maximilian:    Sag mal, wäre es nicht von Vorteil gewesen, wenn wir uns bei diesen Leuten vorher angemeldet hätten?

 

Gloria:       Aber nein! Dies hier ist doch die große Überraschung. Wenn die Eltern dieser Ulla gewusst hätten, dass wir hier erscheinen, wäre doch schließlich das ganze Haus vorher renoviert worden. Du siehst doch selbst wie es hier aussieht. Mein Gott – ich kann es kaum glauben, dass einige Menschen noch so leben. Was mach ich hier überhaupt ?

Maximilian:    (schaut sich noch mal um) Na ja, es ist sehr schlicht und sehr einfach. – Aber nett!

 

Gloria:       Nett? – Du nennst diese Art Wohnkultur nett?

 

Maximilian:    Nun, es ist irgendwie gemütlich, meinst Du nicht auch?

 

Gloria:       Ich kann nicht glauben, dass diese Worte aus dem Munde meines eigenen Herrn Gemahls kommen.

 

Fritz:          (kommt jetzt langsam ins Zimmer, verschränkt die Arme. Die beiden bemerken ihn zunächst jedoch nicht)

 

Maximilian:    Du darfst auch nicht gleich jeden Mitbürger mit uns vergleichen. Es hat eben nicht jeder ein Monatsgehalt von knapp 8000 Euro netto.

 

 

 

 

 

 

14. Szene

 

Fritz:          (kommt einen Schritt vor) Eben! So ist es! Und deshalb gehen Sie wohl besser wieder dahin, wo Sie hergekommen sind.

 

Gloria:       (sowie Maximilian erschrocken und verärgert) Oh mein Gott, hab´ ich mich erschrocken!

 

Maximilian:    Na, das ist ja wohl eine Unverfrorenheit, unsere Unterhaltung zu belauschen.

 

Fritz:          Sie waren laut genug! Und damit Sie es wissen: Menschen mit guten Manieren, die klingeln an der Haustür und warten bis jemand die Tür öffnet.

 

Gloria:       Tss...

 

Maximilian:    Die Klingel funktioniert nicht, guter Mann. Und auf unser Klopfzeichen hat niemand reagiert.

 

Fritz:          Das ist mir scheißegal! Was wollen Sie hier eigentlich?

 

Gloria:       Schatz, merkst Du denn nicht, dass dieser Mensch nicht ganz normal ist? Du erlaubst doch wohl nicht, dass unser Sohn so etwas zum Schwiegervater bekommt?!

 

Maximilian:    Lassen wir das erst mal, Sweetheart. (zu Fritz) Wir möchten uns zunächst vorstellen. Mein Name ist Becker. Maximilian Becker. – Meine Gemahlin – Gloria. Wir sind die Eltern von Markus. Der momentane Lebensabschnittsgefährte Ihrer Tochter. (reicht ihm die Hand) Freut mich, Sie kennen zu lernen, Herr...

 

Fritz:          (reagiert aber nicht darauf, schaut nur grimmig drein) Sie dürfen „Arnold Schwarzenegger“ zu mir sagen.

 

Gloria:       Ich glaub´s einfach nicht!

 

Maximilian:    Nun gut, Herr – Schwarzenegger! Ist es von Ihrer Seite denn nicht möglich, dass wir uns wie zivilisierte Menschen über unsere Kinder unterhalten?

 

Gloria:       Merkst Du denn nicht, dass es keinen Sinn hat mit dieser Person? Lass uns bitte gehen, Honey. Es ist kalt hier. Außerdem ertrage ich

es nicht länger mit einem solchen Tyrannen in einem Zimmer zu sein.

 

Fritz:          Sie können froh sein, das ich heute meinen sozialen Tag hab´, sonst würde der Wind hier jetzt ganz anders wehen.

 

Maximilian:    (zu Gloria) Ich denke, Du hast recht, Gloria. (geht zur Tür, Gloria folgt ihm schnell; dann an der Tür nach draußen:) Hier ist meine Karte. (reicht ihm eine Visitenkarte) Falls Sie irgendwann doch zu Verstand kommen, dann melden Sie sich bitte bei mir.

 

 

 

Fritz:          („kocht“, zeigt mit ausgestrecktem Arm zum Ausgang) RAUS hier; und das ein bißchen dalli!

 

Maximilian:(und Gloria flüchten; schnell ab nach draußen)

 

Fritz:          (allein) Hat man sowas denn schon erlebt? Und solche Ochsen soll unsere Ulla als Schwiegereltern kriegen? – Nur über meine Leiche. (schaut auf die Karte, liest) Oberregierungsdirektor Maximilian Becker. – Jaja! Kapitän auf der Jauchegrube – das bin ich auch!

 

15. Szene

 

Ulla:          (hört man von hinten sprechen) Aber so wartet doch. Was ist denn passiert? (kommt dann etwas aufgebracht von hinten herein) Vater, was ist hier los?

 

Fritz:          Ich weiß nicht, was Du meinst, Ulla.

 

Ulla:          Nun stell Dich auch noch dumm! Markus´ Eltern sind soeben mit hochroten Köpfen ins Auto gestiegen, ohne mir ein freundliches Wort zu gönnen. Was ist hier vorgefallen?

 

Fritz:          Das geht Dich gar nix an! Und wenn Du Fürstin Gloria von Thurn und Taxis mit ihrem zweibeinigen Schafsbock meinst – die kommen hier nicht wieder rein, hast Du gehört?!

 

Ulla:          (wütend) Oh Vater. Da hast Du endlich mal die Chance, Markus´ Eltern kennen zu lernen, und dann mußt Du alles gleich wieder kaputt machen.

 

Fritz:          Sei still! Wieso bist Du eigentlich hier? Hast Du Deine Mutter mit Markus alleine zum Arzt  fahren lassen?

 

Ulla:          Ja, wieso denn nicht? – Aber das spielt jetzt keine Rolle. Sag mir, was hier passiert ist!

 

Fritz:          Ulla, Du hättest mal hören sollen, wie dieses Ehepaar „Wichtig“ sich hier aufgeführt hat. Dieses eingebildete Pastür von Frau. Und dann dieser Göttergatte – meine Güte. – Schlag Dir sofort diesen Jungen aus dem Kopf. Mit solchen Leuten wollen wir nichts zutun  haben. Begreif das doch endlich!

 

Ulla:          (etwas verzweifelt) Vater, ich...

 

(das Telefon klingelt)

 

Ulla:          (hebt wütend ab) Lehmann. (wird dann freundlicher) Ja, richtig! Aha! – Und deshalb rufen Sie extra an? – Ja, das ist nett von Ihnen. Ja, mach ich! Zweimal täglich eine; so wie Sie gesagt haben. Ja, danke! Wiederhören! (legt auf)

 

Fritz:          Wer war das?

 

 

 

Ulla:          (ironisch) Das war der Pastor! Er hat mich gefragt, wann Du endlich mal zu Beichten kommst.

 

Fritz:          Freches Luder! Ich will wissen, wer da angerufen hat.

 

Ulla:          (genervt) Das war Doktor Reuter. Da bin ich gegen Mittag gewesen.

 

Fritz:          Und? Weshalb ruft er hier dann an?

 

Ulla:          Mein Stuhlgang ist untersucht worden, weil Verdacht auf Salmonellen bestand.

 

Fritz:          Ach, Du liebe Zeit! Das hast Du Dir ganz sicher bei dieser Familie Becker geholt. Steck mich bloß nicht an !

 

Ulla:          Beruhige Dich! Ich bin fast gesund! Nur ´ne leichte Magengrippe und Stau-Blähungen. Bist Du jetzt zufrieden?

 

Fritz :         Na, das ist ja schön! Dann darfst Du hier alles machen, solange Deine Mutter ausfällt. Fang am Besten gleich damit an. Ich hatte immer noch nichts zu essen.

 

Ulla:          (winkt ab, wütend ab nach rechts) Oohhh...

 

Fritz:          Hey, die Küche ist dort! (zeigt nach links)

 

16. Szene

 

Gesine:      (kommt mit Markus von hinten. Ihre Hand ist jetzt verbunden) Wir sind wieder da, Fritz. Der Doktor hat gesagt, das wäre nur eine  leichte Verbrennung. In ein bis zwei Wochen ist die Hand wieder voll einsatzbereit.

 

Fritz:          Ein bis zwei Wochen?

 

Markus:     So schnell geht das manchmal nicht, Herr Lehmann. Seien Sie froh, das es nicht schlimmer gekommen ist.

 

Gesine:      So ist es!

 

Markus:     Äh – wo ist Ulla denn, Herr Lehmann?

 

Fritz:          (überfreundlich) Ulla? Die ist gerade ins Schlafzimmer gegangen, Herr Becker.

 

Markus:     (ab nach rechts)

 

17. Szene

 

Gesine:      Fritz, warum musst Du nur immer so ein Kiesepeter sein? (setzt sich)

 

Fritz:          Ich und Kiesepeter? Du hättest vor zehn Minuten hier sein sollen. Dann hätte ich Dir einen vorgestellt.

 

 

 

Gesine:      Wieso? Ist jemand hier gewesen, als ich beim Arzt war?

 

Fritz:          Allerdings! Und jetzt rate mal, wer.

 

Gesine:      (überlegt)

 

Fritz:          Ja richtig! Die Eltern von Markus.

 

Gesine:      Oh nee! Und ausgerechnet dann bin ich nicht im Haus. Warum haben die sich denn auch nicht angemeldet ? - Die hätt´ ich ja endlich zu gerne kennengelernt. Hast Du den beiden zumindest etwas angeboten?

 

Fritz:          Die . . . die wollten nix!

 

Gesine:      Deine Gastfreundschaft kenne ich ja langsam. Kommen Sie denn mal wieder, wenn ich auch zuhause bin?

 

Fritz:          Das weiß ich nicht. Nee, ich denke, eher nicht, weil...

 

Gesine:      Ja?

 

Fritz:          (jetzt bestimmend) Ich hab´ das Volk rausgeschmissen. So, nun weißt Du es!

 

Gesine:      Was sagst Du da?

 

Fritz:          Du hättest mal hören sollen, was die hier für ´ne Show abgezogen haben. Und die Klamotten – richtig schlecht geworden ist mir.

 

Gesine:      Das kann ich kaum glauben, wo Markus doch so ein netter junger Mann ist.

 

Fritz:          (äfft Glorias Satz nach) „Mein Gott, Sweetheart, ich kann gar nicht glauben, dass manche Menschen noch so leben“.

 

Gesine:      Na ja, das sind eben Menschen mit einer anderen Mentalität. Markus´ Vater kommt ja wohl gebürtig aus Essen. Sollen sie doch ein wenig anders sein als wir. Da müssen wir uns einfach dran gewöhnen, Fritz.

 

Fritz:          Du hast die beiden doch gar nicht gesehen! Das kannst Du doch gar nicht beurteilen.

 

18. Szene

 

Ulla:          (kommt mit Markus Hand in Hand und sehr verliebt aus dem Schlafzimmer; ein bisschen aufgeregt) So, Markus und ich – wir haben Euch etwas mitzuteilen.

 

Gesine:      Oh ja? Das klingt ja interessant.

 

Ulla:          Mutter,... Vater,… Markus und ich…

 

 

Markus:     … wir wollen uns am Wochenende verloben.

 

Gesine:      Oh, was für eine schöne Nachricht! Viel Glück Euch beiden!

 

Fritz:          Ich wandere aus! Ich wandere wahrhaftig aus!

 

Gesine:      Nun sei doch still, Fritz! – Ihr seid alt genug und ihr kennt Euch lange genug.

 

Markus:     Das meinen wir auch! Die Verlobung soll auch gar nicht groß gefeiert werden. Bloß im kleinen Familienkreis und vielleicht ein paar Freunde dazu.

 

Fritz:          Und wo soll das Ereignis stattfinden, wenn ich mal fragen darf?

 

Ulla:          Na hier – bei der Braut. So wie es sich gehört.

 

Fritz:          Heute abend noch. Ich zieh´ heute abend noch aus!

 

Gesine:      Das tust Du nicht. Du reißt Dich endlich zusammen; damit es für Ulla und Markus ein schönes Fest wird. (zu Markus) So, und nun geb´ Deiner zukünftigen Schwiegermutter einen Kuss. Und dann sagst Du auch endlich „Du“ zu uns, ja?!

 

Markus:     (küsst sie auf die Wange) Mach ich!

 

Fritz:          (sieht die Gefahr, wendet sich schon ab)

 

Gesine:      Fritz, willst Du Markus nicht auch endlich in unserer Familie herzlich willkommen heißen?

 

Fritz:          Nein! Niemals.

 

Gesine:      F R I T Z !!! Bitte !

 

Fritz:          (geht langsam zu Markus, gibt ihm zögernd die Hand, schaut aber weg dabei) Hallo Markus!

 

Gesine:      Du sollst ihm sagen, dass wir uns freuen, das er nun zu unserer Familie gehört.

 

Fritz:          Das kann ich nicht!

 

Markus:     Laß mal, Schwiegermutter! Mit der Zeit werden wir uns schon aneinander gewöhnen, denke ich. 

 

Gesine:      Ich will es hoffen. – Tja, dann wollen wir mal die Einkaufsliste schreiben; was wir für die Verlobungsfeier alles einkaufen müssen, nicht wahr?!

 

Fritz:          Und wer soll das bezahlen?

 

Markus:     Keine Sorge, Schwiegervater. Das werde ich schon regeln.

 

 

 

Fritz:          (glaubt sich verhört zu haben) Schwiegervater?

 

Gesine:      (nimmt die beiden jungen Leute in den Arm, will ab in die Küche, als das Telefon erneut klingelt) Wer ist das denn schon wieder ?

 

Ulla:          Das ist bestimmt der Pastor. Der will wissen, wo Vater denn bleibt.

 

Fritz:          Pass bloß auf, Du...

 

Gesine:      (hebt ab) Lehmann. – Oh, Herr Doktor. Sie rufen mich an? – Die Testergebnisse liegen vor. Ja, da bin ich aber gespannt. – Was haben Sie gesagt? Sie wollten nicht länger warten? – Ist doch nichts ernsthaftes? --- (Pause) Was? – Können Sie das nochmal sagen? (wird nervös) Aber das ist doch nicht möglich. – Und Sie sind sich auch ganz sicher? –  Ja, natürlich. Sicher freu ich mich. (lässt den Hörer fallen, stützt sich am Schrank ab)

 

Ulla:          (geht sofort zu ihr) Mutter, alles in Ordnung?

 

Markus:     (schiebt schnell einen Stuhl hin)

 

Gesine:      (lässt sich „hineinfallen“, fasst sich an die Stirn, ist fassungslos)

 

Fritz:          Gesine, nun sag doch was.

 

Gesine:      Ich... ich... ich bin schwanger !!!

 

Fritz:          (fällt ohnmächtig zu Boden, darin fällt eben so schnell der Vorhang)

 

 

 

Ende des ersten Akts

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Zweiter Akt

 

                  (Drei Monate später. Die Wohnung ist jetzt etwas hübscher eingerichtet. Neue Gardienen, Tischdecke u. a. Auf jeden Fall ist das Zimmer aufgeräumt. Wenn der Vorhang sich öffnet, sitzt Gesine im Sessel; Elisabeth steht hinter ihr. Herbert sitzt auf einem anderen Stuhl, blättert gelangweilt in einem Buch. Auf dem Tisch steht eine Schale gefüllt mit Keksen)

 

1. Szene

 

Elisabeth: So, Gesine – eins, zwei, drei – ausatmen. (hebt ihr die Arme in die Höhe, lässt sie wieder „fallen“) Und nochmal – eins, zwei, drei. Ja, so ist das richtig!

 

Gesine:      Meinst Du nicht auch, das es noch ein wenig zu früh ist für Schwangerschaftsgymnastik?

 

Elisabeth: Mit sowas kann man gar nicht früh genug anfangen. Und ich als Hebamme muß es ja schließlich wohl wissen.

 

Herbert:     Das bist Du doch schon über zehn Jahre nicht mehr.

 

Elisabeth: Aber gewesen, mein lieber Herbert. Ich bin das jahrelang gewesen ! – Schau Du lieber nach, was in dem Buch steht. Los – „Anfang vierter Monat“.

 

Herbert:     (blättert gelangweilt in dem Buch herum) Ich finde das nicht, Lisbeth. Kannst Du nicht selbst nachschauen? Und ich hab´ auch gar keine Zeit mehr. Mein Kursus fängt doch gleich an.

 

Gesine:      Kursus? (belustigt) Was denn für ´n Kursus? Für „werdende Väter“?

 

Herbert:     Wie kommst Du denn auf so einen Quatsch?

 

Elisabeth: Nee! Du hast es in Deiner ganzen Ehe mit mir ja nicht zustande gebracht ein Kind in die Welt zu setzen. Fritz wohl! (weinerlich) Und das mit fast fünfzig Jahren.

 

Gesine:      Bei Euch beiden sollte das eben nicht sein, Lisbeth.

 

Elisabeth: Sollte nicht sein? Mein Kerl ist zu blöd dazu, das ist der Grund!

 

Herbert:     Jetzt hör aber auf! Du wolltest nie Kinder, weil Du selbst als Hebamme schon hunderte zur Welt gebracht hast. Das hast Du immer gesagt!

 

Elisabeth: Das ist gar nicht wahr!

 

Gesine:      Jetzt hört auf zu streiten. Geh´ Du nun zu Deinem Kursus, Herbert.

 

Herbert:     (steht auf, ist „sauer“) Ja, das mach´ ich auch! (ab)

 

 

 

 

2. Szene

 

Gesine:      Sei doch nicht immer so streng mit ihm.

 

Elisabeth: Der läßt sich ja auch alles gefallen. Bei der Arbeit treten sie ihn auch mit den Füßen. Wenn er sich doch einmal durchsetzen würde, so wie andere Männer das auch machen. Schau Dir doch nur Fritz an...

 

Gesine:      (leicht betrübt) Ja.

 

Elisabeth: Aber lassen wir das. Wir müssen nun weiter. (nimmt das Buch, blättert , findet) So, hier steht das. „Anfang 14. Woche. - Nahrung“. Hast Du das schon gelesen?

 

Gesine :     Ja, hab´ ich! Das ist unwichtig!

 

Elisabeth: Na, ich weiß nicht! (liest) Die Kost für Schwangere sollte ausgewogen und reich an Eiweiß, Mineralien und Vitaminen sein. Quark, Eier, Fleisch, Salat sowie Obst und Gemüse sind für die gesunde Ernähung der Schwangeren unentbehrlich.

 

Gesine:      Ja, das weiß ich doch!

 

Elisabeth: Bei Kuchen und Süßigkeiten ist Vorsicht geboten. Diese Produkte fördern das Übergewicht und sind nach der Entbindung nur schwer wieder abzubauen.

 

Gesine:      Jaja! (nimmt sich einen Keks, will gerade davon abbeißen, als...)

 

Elisabeth: (... ihr diesen wegnimmt) Hast Du nicht gehört? „... nur schwer wieder abzubauen“.

 

Gesine:      Oh Mann, so ´n Keks wird mich schon nicht umbringen.

 

Elisabeth: (liest weiter) Hier! Hier steht das nun mit der Gymnastik. „Schon in der 10. bis 15. Woche sollten Sie folgende Übung einmal die Woche machen“. – So, Gesine, jetzt geht es los. Etwas Neues. Auf die Knie!

 

Gesine:      Aber Lisbeth…

 

Elisabeth: Auf die Knie, hab´ ich gesagt.

 

Gesine:      (kniet nieder auf den Boden)

 

Elisabeth: (liest) „Ziehen Sie den Bauch ein nach oben, so dass das Kinn zur Brust geht“. – Mach schon, Gesine. Die Hündchen-Stellung.

 

Gesine:      (macht es)

 

Elisabeth: „Dann straffen Sie dabei die Gesäßmuskeln vier- bis achtmal“.

 

 

 

 

Gesine:      (macht es so)

 

Elisabeth: Ja, recht so! Und nochmal, und nochmal. Und…

 

Gesine:      Nu ist es aber gut gewesen, Lisbeth.

 

Elisabeth: Weiter! Vier und fünf, und sechs… Und die Pobacken ordentlich zusammenkneifen.

 

3. Szene

 

Ulla:          (kommt aus der Küche, bei ihr ist ein leichter Bauchansatz zu sehen; aber nicht zu sehr übertreiben; trägt einen Mantel oder Jacke; ist belustigt über das Geschehen) Was macht ihr denn da?

 

Elisabeth: „Übungen zur Entspannung für die schwangere Frau über 40“. Wenn Deine Mutter schon nicht zur Gymnastik-Gruppe geht, kann ich doch zumindest was für sie tun.

 

Ulla:          (geht zur Tür nach hinten) Dann wünsch´ ich Euch noch viel Spaß!

 

Gesine:      (steht jetzt auf) Gehst Du noch weg, Ulla?

 

Ulla:          Ja, Du weißt doch – mein Termin.

 

Gesine:      Ach ja...!

 

Ulla:          (will schon ab)

 

Elisabeth: Was ich Dir noch sagen wollte, Ulla. Du hast in letzter Zeit ganz schön zugelegt. Wenn Du willst, kannst Du unsere Gymnastik gerne mal mitmachen. Das ist nämlich nicht nur gut für „werdende Mütter“, das tut auch überflüssigen Fettpolstern sehr gut.

 

Ulla:          (etwas nervös) Ich denk´ darüber nach, Tante Lisbeth. (ab nach hinten)

 

4. Szene

 

Elisabeth: Du mußt das Mädchen nicht immer so verwöhnen, Gesine. Halb soviel Fett ist doppelt so gesund. Wie sieht das denn auch aus, als junge Frau? Hast Du das denn noch nicht gesehen? Sie hat schon direkt nen kleinen Bauch. Also wirklich...

 

Gesine:      Ja? – Ist mir noch gar nicht aufgefallen. (schnell) Äh, was ist das eigentlich für ´n Kursus wo Herbert hingeht?

 

Elisabeth: Weißt Du, was er gesagt hat? Ich hätte ja auch andauernd meinen Tantenabend, Strick - und Häkelclub und sowas. Dann dürfte er sich auch ein kleines Hobby zulegen.

 

 

 

 

Gesine:      Da hat er ja auch recht!

 

Elisabeth: Dieser Kursus kostet 30 Euro. Dafür hätte ich schon wieder ein neues Kleid gehabt.

 

Gesine:      Ja, oder Herbert eine neue Hose.

 

Elisabeth: Und den Sinn von diesem Kram verstehe ich sowieso nicht: „Wie helfe ich mir selbst bei Autopannen?“

 

Gesine:      Das ist doch ganz praktisch! Stell Dir mal vor, Euer altes Auto hat plötzlich eine Panne unterwegs. Dann weiß Herbert bald, was zu tun ist.

 

Elisabeth: Da bin ich bei dieser Schlafmütze ja mal gespannt. – Egal, wir müssen nun wieder was tun.

 

Gesine:      Nein nein, jetzt ist Schluß! Morgen geht es weiter. Nun kommt meine Relax-Phase.

 

Elisabeth: Na gut, wie Du willst! Aber nicht länger als zwanzig Minuten, sonst wird man zu müde. (nimmt ihre Handtasche) Morgen dann wieder um halb vier, ja?! Und denk daran: Keine schweren Arbeiten verrichten, vor dem Einschlafen immer schon mal die Atemübungen; nichts Süßes und viel frische Luft; hast Du gehört?! (ab nach hinten)

 

Gesine:      Ja, Lisbeth! – (allein) Jaja, die liebe Schwägerin, wenn ich die doch nicht hätte. (nimmt sich jetzt doch einen Keks, isst ihn genussvoll)

 

Fritz:          (noch draußen) Ach, gehst Du schon wieder, Lisbeth?

 

Elisabeth: (ebenfalls von draußen) Ja, für heute sollte das reichen. Wir sehen uns morgen, ja?!

 

Fritz:          Tschüss Lisbeth!

 

Gesine:      (hat sich die Keksschale genommen, will damit ab in die Küche, als...)

 

5. Szene

 

Fritz:          (...mit Arbeitstasche hereinkommt, macht einen hektischen aber glücklichen Eindruck; sieht Gesine) Liebling, Du sollst doch nicht so schwer tragen. (nimmt ihr die Schale ab, stellt sie auf den Tisch, gibt ihr dann einen Kuss auf die Wange)

 

Gesine:      Oh Fritz! Jetzt fang Du nicht auch noch so an wie Deine Schwester. – Wie war es bei der Arbeit?

 

Fritz:          Gut! Aber immer viel zu lange. Ich laß Dich doch so ungern alleine in Deinem Zustand. (zieht seine Jacke aus, nimmt evtl. Hut ab, geht damit nach hinten ab)

 

 

 

Gesine:      Ich hab´ Dir schon ein paar Brote geschmiert, Fritz. Du hast doch heute Deinen Skatabend.

 

Fritz:          (kommt zurück, bindet sich eine Schürze um) Da hab´ ich abgesagt, schon zum dritten Mal. Heute ist doch Donnerstag, Gesine. Putztag! (geht wieder ab nach hinten)

 

Gesine:      (macht es sich im Sessel bequem, schmunzelt) Putztag, ja! Aber Du kannst gerne mal zum Kartenspielen gehen.

 

Fritz:          Kommt gar nicht in Frage, Gesine! (kommt mit Eimer, Feudel und Besen oder Schrubber zurück) Heute wird das Haus sauber gemacht und dabei bleibt es.

 

Gesine:      Ja, wenn das so ist!

 

 

 

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