Lange danach gesucht - auf Ibiza 2012 endlich gefunden
Musiker gesucht

 

 

„Das Wald-Camp von Klein Wegenau“

 

 

 

Komödie in 3 Akten

 

von

 

Helmut Schmidt

 

 

(hochdeutsche Fassung)

 

 

Inhalt:

 

Seit vielen Jahren macht das Dorf „Klein-Wegenau“ positive Schlagzeilen. Mit Aktionen wie „Unser Dorf soll schöner werden“ oder „Wir sind das sauberste Dorf“ ist diese kleine Gemeinde schon oft als Sieger gekürt worden. Beeindruckt von dem Ehrgeiz dieser Menschen hat nun der Landrat an das Fernsehen geschrieben und das Dorf für die Sendung „Das Wald-Camp“ angemeldet. Bürger von Klein-Wegenau durften zunächst Kandidaten-Vorschläge machen, TV-Zuschauer haben dann aus einer Auswahl bestimmt, welche 6 Personen in dieses Camp einziehen sollen. Kaum jemand hätte sich jedoch freiwillig als Kandidat gemeldet, weil es im Camp darum geht, an recht ungewöhnlichen Spielen teilzunehmen und vor allem, eine Woche lang ein sehr karges Leben auf engstem Raum mit anderen zusammen zu führen. Der Sieger erhält jedoch 1 Million Euro – und darf frei darüber verfügen, was mit diesem Geld passieren soll. Voraussetzung ist jedoch, dass die Hälfte der Gewinnsumme für das Dorf eingesetzt werden muss. Und die Bürger haben gewählt: Der Dorf-Pfarrer, eine Grundschul-Lehrerin, ein Arzt, der Bürgermeister, die bekannteste Prostituierte im Dorf und eine Obdachlose treffen somit aufeinander und sollen nun 7 Tage im Wald miteinander ausharren. Die Konflikte beginnen schon beim Einzug der Kandidaten. Niemand will sich jedoch die Blöße geben vor den Fernsehzuschauern und freiwillig aussteigen; und jeder möchte natürlich gerne das Geld gewinnen. Die Lehrerin kapituliert jedoch nach drei Tagen als erste, und bittet die Zuschauer nicht für sie anzurufen, weil sie gehen möchte; welches aber leider nicht gelingt. Mit den Spielen im Wald-Camp, für die jeder Kandidat das  Essen für alle erspielen muss, haben viele große Probleme. Das Chaos im Wald-Camp wird von Tag zu Tag schlimmer. Wertsachen werden gestohlen, der Bürgermeister Alexander spielt ein falsches Spiel und sieht sich schon ganz klar als Sieger, von dem Arzt Stefan wird eine unfassbaren Geschichte aufgedeckt, die Lehrerin Annemarie kann nicht eine Minute von ihrem Beruf abschalten, die Prostituierte versucht im Wald noch ihrem Beruf nachzugehen und die Obdachlose Erna wird als Diebin verdächtigt. Am letzten Tag verlieren sogar die Moderatoren fast die Nerven. Aber wer wird letzten Endes als Sieger aus dem Wald-Camp gehen und wofür wird die Million verbraucht?

Spieler:  4m/4w  - 2 Statisten  - 1 Stimme - 1 Bühnenbild

 

 

Heidi Krause-Winkelmann    -           Moderatorin (ca.25-40 Jahre)

 

Norman Kühnapfel                -           Moderator (ca. 25-40 Jahre)

 

Alexander Heitfeld                -           Bürgermeister (40-50 Jahre)

 

Christoph Budde                    -           Pastor (40-50 Jahre)

 

Annemarie Krüger                  -           Lehrerin (30-50 Jahre)

 

Dr. Stefan Dreyer                   -           Arzt (ca. 30-50 Jahre)

 

Claudia Keller                                    -           Prostituierte (25-30 Jahre)

 

Erna Tellkamp                        -           Obdachlose (25-40 Jahre)

 

 

---

 

Spielort: Lichtung mitten in einem Wald des Dorfes Lütt Wegenau

 

Spielzeit: Hochsommer in der Gegenwart

 

Spieldauer: ohne Pausen ca. 100 Minuten

 

 

Bühnenbild:

 

Das Bühnenbild zeigt eine Lichtung mitten in einem Wald von Lütt Wegenau. Die Kulissenteile sind mit Bäumen bemalt oder grün/braun gestrichen. Direkt vor den Stellwänden stehen viele Bäume und Büsche, die eine Waldatmosphäre zeigen. Auch einige Büsche und kleine Bäume am vorderen Rand der Bühne. Auf der linken Seite steht ein Toiletten-Häuschen, rechts die Vorderansicht einer Hütte mit Tür, in der die Kandidaten übernachten. In der Mitte der Bühne stehen im Halbkreis mehrere rustikale Bänke oder andere Sitzgelegenheiten, wie abgesägte Baumstämme o.a. Auch der Boden ist mit grünem oder braunem Belag ausgelegt. Nach hinten ist ein Auf-bzw. Abgang möglich, der aus dem Wald führt.

 

Alle weiteren Ausstattungen sind der Spielgruppe überlassen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Erster Akt

 

                   (Bevor der Vorhang sich öffnet, wird den Zuschauern die folgende Sendung angekündigt:*) “Meine Damen und Herren, verehrte Zuschauer. Das Warten hat endlich ein Ende. Vergessen Sie bitte alles was Sie bisher an Unterhaltungs-sendungen gesehen haben. Kabel 3 präsentiert Ihnen heute – live - die spektakuläre neue Show, die es wirklich in sich hat. Freuen Sie sich mit mir auf Ihre Sendung: “Das Wald-Camp von Klein Wegenau". Begrüßen Sie bitte mit einem donnernden Applaus die beiden wunderbaren Moderatoren Heidi Krause-Winkelmann und Norman Kühnapfel. (sodann erfolgt eine instrumentale Titelmusik** Ihrer Wahl zu dieser Show und wenig später öffnet sich der Vorhang)

 

                   *Anmerkung: (Die Ansage kommt sicher über Lautsprecher mitgeteilt sehr gut herüber; sie kann aber auch live angesagt werden.)

                   ** GEMA-Gebühren beachten.

 

1.Szene

Heidi:         (steht vorne mittig am Bühnenrand, sieht nach vorne, schaut ca. 1 Meter über die Köpfe der Zuschauer in eine Kamera, die nicht da sein muss. Ist als Moderatorin natürlich stets freundlich, gutgelaunt und lächelt. Sie trägt ein buntes Kleid oder andere Kleidung in recht schrillen Farben, evtl. ein Accessiore, welches auf den Wald hindeutet, wie Hut o.a.)

 

Norman:     (steht direkt neben ihr, tut gleiches wie Heidi. Auch er trägt Kleidung in einer auffälligen Farbe, kann auch einen Hut mit Tannengrün o.a. dazu tragen. Beide haben jeweils ein kabelloses Mikrophon in der Hand)

 

                   (Die Moderation wird von beiden fast ein wenig übertrieben gut gemacht – immer fröhlich – immer lächelnd – ohne Kandidaten natürlich fortwährend gut gelaunt in die – nicht vorhandene – Kamera, nach vorne  schauend – über die Köpfe der Zuschauer)

 

Heidi:         (spricht – wie Norman – in das Mirophon) Ja Hallo, liebe Nation. Endlich ist es wieder soweit. Hier ist Kabel 3 – und wir sind zum zweiten Mal wieder in einem Wald-Camp. Und ich bin schon sehr aufgeregt, was wir hier diesesmal erleben werden. Geht es Dir auch so, lieber Norman?

 

Norman:     Richtig, meine liebe Heidi. Wir sind hier heute in dem Wald von dem wunderbaren Dorf Klein Wegenau. Der Fernseh-Sender Kabel 3 hat wieder mal keine Kosten und Mühen gescheut, den Kandidaten es hier so gemütlich wie möglich zu machen, hähähä…

 

Heidi:         …was man auch immer unter “gemütlich” verstehen mag, nicht wahr, mein guter Norman?!

 

Norman:     Aber ja, Heidi. – Klein Wegenau. Dieses Dorf hat schon so oft die Seiten des Heimat-Blatts gefüllt und ist immer wieder nur positiv aufgefallen.

 

Heidi:         Genau. Erst vor ein paar Wochen hat Klein Wegenau die Auszeichnung als sauberstes Dorf des Jahres im ganzen Landkreis erhalten. Und deshalb hat der Landrat gemeint: Diese Bürger sind taff – diese Leute sind cool; und sollen jetzt der gesamten Nation – live auf Kabel 3 präsentiert werden.

 

Norman:     Genauso ist es. Heute ziehen hier in diesem Wald-Camp 6 Menschen ein, die SIE, liebe Zuschauer, in den letzten 20 Tagen per Telefon bestimmt haben.

 

Heidi:         26 Bewerber gab es, die hier auf diesem idyllischen Fleckchen Ihre Sympathie gewinnen und Ihnen eine Woche lang zeigen möchten, dass sie vor nichts zurückschrecken. Egal, welche Aufgaben wir diese Kandidaten auch stellen.

 

Norman:     Und SIE haben entschieden! Keiner der Kandidaten weiß, mit wem er es hier eine Woche lang aushalten muss – das bringt doch viel mehr Stimmung in diese wunderbare Show, nicht wahr?! - Und nun wollen wir Sie nicht länger auf die Folter spannen und das Geheimnis lüften, welche 6 grandiosen Menschen hier nun aufeinander treffen. (Hier setzt eine Fanfare ein)

 

       (Die Moderatoren stellen sich nun links und rechts an den Rand, machen die Sicht frei nach hinten, wenn jemand auftritt schauen sie ebenfalls nach hinten in Richtung Auf-und Abgang der Lichtung; beim Moderieren jedoch nach wie vor in Richtung Zuschauer)

 

Heidi:         Von den Zuschauern zuhause gewählt: Der Mann für Recht und Ordnung. Begrüßen Sie mit uns den Bürgermeister von Klein-Wegenau: Alexander Heitfeld. (musikalische Auftrittsmusik)

 

2. Szene     

Alexander: (wird hinten sichtbar, mit verbundenen Augen, ein Statist nimmt ihm dann die Augenbinde ab. Er kommt dann winkend auf die Bühne, zunächst noch lächelnd. Er trägt einen Anzug, Krawatte, einfarbiges Hemd. Er hat einen modernen Reisekoffer auf Rollen dabei, kommt nach vorne, wirkt etwas “steif”.)

 

                   (Hinweis: Beim Auftreten der nächsten Kandidaten erklingt auch immer eine Auftrittsmelodie. Wenn die Kandidaten sich dann bei den Moderatoren befinden, verstummt diese wieder. Alle Kandidaten haben zunächst bei ihrem Auftritt die Augen verbunden, die ihnen dann von einem Statiststen abgenommen wird, bevor sie nach vorne kommen)

 

Heidi:         Der Bürgermeister. Ist das schön?! Herzlich Willkommen im Wald-Camp.

 

Alexander: (ein wenig aufgeregt) Ja Hallo. Ich… äh… es ist eine ganz große Ehre für mich, dass man mich hier sehen möchte. Ich werde alles geben bei den Aufgaben, und ich werde die Bürger von Klein Wegenau nicht enttäuschen. Ich kann dann nur noch hoffen, dass die auch immer fleißig für mich anrufen, damit ich am Schluss auch als Gewinner raus gehe und die 1 Million Euro mitnehme; die ich dann selbstverständlich zu 100% für unser Dorf investieren werde.

 

Heidi:         Und da schneidet der gute Bürgermeister ein ganz wichtiges Thema an. Denn der Gewinner, liebe Zuschauer, bekommt wahrhaftig 1 Million Euro. Die Hälfte muss in irgendeiner Art und Weise für das Dorf verbraucht werden – aber 500.000 darf der Sieger selbst behalten.

 

Norman:     Und sinnlos verprassen?

 

Heidi:         So ist es. – Aber hier haben wir schon das erste große Herz in unserem Wald-Camp; denn der Bürgermeister Alexander Heitfeld möchte – wenn er dann gewinnen sollte – die gesamte Summe in das Dorf reinstecken. - Ob diese Schleimerei allerdings ankommt, ist Ihnen an den Fernseh-Aparaten überlassen… Hähähä…

 

Alexander: (erbost)

 

Norman:     Heidi – Heidi – Du und Dein Humor. – Bitte, lieber Bürgermeister. Nehmen Sie Platz.

 

Alexander: (setzt sich dann auf eines der Bänke)

 

Heidi:         Na ja – es sind nun mal die Zuschauer, die entscheiden, mein lieber Norman. Sie zuhause können 24 Stunden lang jeden Tag für Ihren Lieblingskandidaten anrufen – und das 7 Tage lang. Herausgewählt wird hier in dieser Zeit niemand. Schauen Sie also gut hin, wer von den 6 Wald-Bewohnern Ihnen nicht so grün ist, oder wer bei unseren wunderbaren Spielen versagt. Wer unser Sieger wird, das wissen wir heute in einer Woche.

 

Norman:     Und da wollen wir doch gleich den zweiten Kandidaten hier begrüßen. Eine KandidaTIN. Meine Damen und Herren – auch unter den 6 Bürgern, die Sie sehen wollen hier: Die Frau von Klein Wegenau, die jeder kennt, und die für das horizontale Gewerbe zuständig ist: Claudia Keller. (erneut kurze Auftakt-Musik)

 

3. Szene

Claudia:      (kommt nach vorne, nachdem man auch ihr die Augenbinde abgenommen hat. Sie ist gekleidet wie eine typische Prostituierte. Bunte schrille Kleidung, sehr kurzer Rock, stark geschminkt u.a. kaut Kaugummi, hat eine große Tasche um ihre Schultern gehängt) Ja hi…

 

Alexander: (regt sich auf) Ich glaube es nicht. Ich glaube es einfach nicht. Was macht DIE denn hier?

 

Heidi:         Claudia Keller. Kommen Sie zu uns.

 

Claudia:      Hi. - Geil, dass ich hier sein darf. Echt geil.

 

Norman:     Claudia. Wer hätte das gedacht? Waren Sie überrascht, als man Ihnen die frohe Botschaft zukommen lassen hat, das Sie hier mitmachen sollen?

 

Claudia:      Na ja – man kennt mich eben im Dorf. Hauptsächlich die Kerle. Und sag´ bitte nicht “Sie” zu mir, Sweety, ja?! Wenn die Leute mich hier im Wald sehen wollen, bitte. Aber dann will ich auch gewinnen. Denn wenn ich das hier eine Woche lang unter Bäumen mit anderen Spießern aushalten muss, kommt ja keine Kohle rein. Also, lasst mich nicht im Stich, ihr da an den Fernseh-Aparaten und ruft für mich an.

 

Heidi:         Tja – da hast Du wohl recht. Deine Arbeit wirst Du hier in den kommenden 7 Tagen wohl nicht verrichten können, dass heisst… (schaut zusammen mit Norman und Claudia nun schweigend deutlich mit vorgebeugtem Oberkörper zu Alexander)

 

Alexander: Warum schauen Sie mich an? Sehe ich vielleicht so aus, als würde ich sowas (deutet auf Claudia) brauchen und dafür auch noch zahlen? Lächerlich.

 

Claudia:      (kann darüber nur lachen) Warte erstmal ab, Baby. 7 Tage Abstinenz können verdammt lang werden. Mit 50 Piepen bist Du dabei.

 

Alexander: Gott der Gerechten ! - Eine Schande, dass sowas überhaupt hier ist.

 

Claudia:      Hey, jetzt bleib mal geschmeidig, Du Meister der Bürger. Sonst zeig´ ich Dir gleich mal ´nen neuen Handgriff, der ziemlich viele Schmerzen hinterlässt.

 

Heidi:         Wie Sie an den Bildschirmen zuhause deutlich sehen können, werden hier gerade die ersten Freundschaften geschlossen.

 

Norman:     Bitte, liebe Claudia – setz´ Dich doch auch. Denn wir wollen gar nicht länger auf Kandidat Nr. 3 warten.

 

Claudia:      (setzt sich, jedoch gegenüber von Alexander, beide giften sich leicht an)

 

Heidi:         Hier kommt er: Ich sag´ nur: Und führe mich nicht in Versuchung, sondern erlöse mich von dem Wald-Camp.

 

Norman:     Ein Mann für Geist und Glaube – der Dorf-Pfarrer von Klein Wegenau: Christoph Budde.

 

4. Szene

Christoph:  (steht nun auch hinten, in schwarzem Anzug. Auch ihm wird hier erst die Augenbinde abgenommen. Er geht zu den Moderatoren)

 

Heidi:         Pastor Budde. Herzlich Willkommen. Was sagen Sie zu Ihrer Wahl hier dabei sein zu dürfen?

 

Christoph:  Guten Tag. Na ja, ich bin dankbar, wenn die Zuschauer es für sinnvoll halten, dass ein Pastor dabei sein soll.         

 

Norman:     Ja. Wir freuen uns auch, Herr Pastor. Die Mischung hier könnte krasser nicht sein.

 

Christoph:  Stimmt. Und wer weiß? Vielleicht ist es ja sogar angebracht, dass wir hier in dem Waldcamp mal zusammen über Gottes Wort nachdenken. Ich lese auch gerne mal aus der Bibel vor.

 

Claudia:      Ja, aber dann bitte nur die Story von Maria Magdalena. Diese Tusse ist MIR sogar sympathisch.

 

Alexander: Ja sicher. Wie könnte es auch anders sein?! Die hat ihren Lebensstil ja auch nicht so ernst genommen – genauso wie Sie!

Claudia:      Ich mach´ Dich fertig hier, Du People-Master. Warte es nur ab.

 

Alexander: Oh, da freu ich mich schon drauf.

 

Christoph:  Nun verurteilt Euch nicht wegen Eurer Manieren un Eurer Arbeit. Seht mit Eurem Herzen und habt Euch lieb.

 

Claudia:      Ja, soweit kommt es noch, dass ich anfange diesen Kerl zu lieben. Pah… der war mir schon immer unsympathisch. Sehr gut, dass bald wieder Wahlen anstehen.

 

Heidi:         Köstlich. Einfach köstlich, was hier schon in den ersten Minuten passiert. – Herr Pastor, gesellen Sie sich doch bitte zu den beiden Engeln.

 

Christoph:  (tut dies) Ja gern.

 

Norman:     Denn wir wollen nun das Quartett voll machen und begrüßen hier herzlich den vierten Kandidaten: Die wahrscheinlich (etwas ironisch) “beliebteste” Grundschul-Lehrerin von Klein-Wegenau: Annemarie Krüger.

 

5. Szene

Annemarie: (tritt wie alle anderen auf, geht zunächst zu dem Bürgermeister. Sie ist altbacken angezogen. Mit kariertem Faltenrock, strenge Frisur, Hornbrille, hat eine gefüllte Schultasche dabei, wirkt streng und ernst. Gibt dem Bürgermeister die Hand) Herr Bürgermeister – guten Tag. (dann beim Pastor das Gleiche) Herr Pastor – schön, Sie hier zu sehen. (dann schaut sie verachtend zu Claudia, geht einen Schritt zurück, nur knapp) Tag auch. (reicht ihr aber nicht die Hand) Claudia-Kind, was ist nur aus Dir geworden?! Du warst ja in der Schule schon immer mein Sorgenkind. (schüttelt mit dem Kopf, dann geht sie zu den beiden Moderatoren, alle drei hören aber zunächst dem folgenden Dialog zu, schauen dorthin)

 

Claudia:      Ich brech´ zusammen. Die Krügersche. - Weisst Du: Ich hab´ sicher weniger Sorgen als Du. Sag´ mal – möchtest Du auch heute immer noch mit FRÄULEIN Krüger angesprochen werden? (zu dem Pastor) Weisst Du, Padre – die Krügersche hat damals darauf bestanden, dass jeder Schüler sie Fräulein Krüger nennen muss. Hat auch sicher seinen Grund gehabt. Ich möchte drum wetten, dass die irgendwann wieder von dieser Erde geht, ohne dass jemand sie von innen besucht hat.

 

Alexander: Boah, ist die vulgär.

 

Claudia:      Besser vulgär als unspektakulär, so wie Du, Bürgermeister.

 

Christoph:  Claudia, wenn Frau – äh Fräulein Krüger doch Deine ehemalige Lehrerin ist, und ihr auch heute noch immer kleine Differenzen mit Euch herumtragt, könnt ihr doch hier im Wald-Camp die Zeit nutzen, um alles von früher zu klären. Carpe diem, nutzet den Tag!

 

Claudia:      Ich denke, dass ich es besser nicht aussprechen sollte, was ich von dieser prüden Person halte, Padre. (holt einen Flachmann unter ihrem Rock hervor, den sie unter ein Strumpfband geklemmt hatte, öffnet, trinkt, bietet dann dem Pastor auch die Flasche an) Möchtest Du auch?

Christoph:  Vielen Dank. Ich trinke meistens nur am Abend eine Kleinigkeit.

 

Norman:     Meine lieben Kandidaten! Wir bitten Euch. Später ist doch noch soviel Zeit um Brüderschaft miteinnander zu trinken. Lasst uns doch erstmal Annemarie zusammen begrüßen.

 

Heidi:         Annemarie Krüger. Willkommen hier im Wald-Camp. 

 

Annemarie: (streng) Guten Tag.

 

Norman:     Frau Krüger…

 

Annemarie: Fräulein bitte !

 

Claudia:      Also immer noch Jungfrau ! Ich hab´s geahnt!

 

Annemarie:Tsss…

 

Norman:     Annemarie. Fein, dass wir auch Sie hier haben. Aber so wie wir sehen, haben Sie eine Tasche mit Proviant dabei.

 

Heidi:         Und das, meine liebe Annemarie, ist leider nicht erlaubt. Was es zu essen gibt, wird miteinander erspielt und bestimmt hier im Wald-Camp.

 

Annemarie: Proviant ? – Das sind Unterlagen aus der Schule. Aufsätze und Diktate meiner Schüler, die noch korregiert werden müssen.

 

Claudia:      Ich brech´ zusammen. So war die schon vor 20 Jahren.

 

Norman:     (kann es kaum glauben) Ahja. Und das stimmt auch, Annemarie ?

 

Annemarie: (öffnet barsch die Tasche) Liebe Zeit. Wenn Sie mir nicht glauben, schauen Sie doch hinein.

 

Norman:     (und auch Heidi schauen gemeinsam in die Tasche, dann wieder in die Kamera nach vorne) Ja, wirklich nur Schulunterlagen, liebe Zuschauer. Es geht hier also alles mit rechten Dingen zu.

 

Annemarie: (schließt die Tasche wieder, schaut verärgert) Was Sie nur von mir denken.

 

Heidi:         Wir denken in erster Linie, dass diese Mischung hier im Wald-Camp nicht besser sein könnte und wir hier bestimmt köstlich unterhalten werden. – Bitte, gesellen Sie sich doch zu den anderen.

 

Annemarie: (nimmt irgendwo auf den Bänken Platz, sitzt gerade, schaut stur zu den Moderatoren, verschränkt ihre Tasche auf ihren Schoß und nimmt keine Notiz von den anderen)

 

Norman:     Die Bürger von Klein-Wegenau haben gewählt, welche Kandidaten sie hier sehen möchten. Nun wissen wir allerdings nicht, ob es sich hier tatsächlich um Ihre Lieblinge handelt…

Heidi:         …oder, Du meinst – Norman – dass man hier den ein oder anderen aus reiner Boshaftigkeit reingewählt hat?!

 

Norman:     Heidi Heidi – niemals hätte ich es gewagt, es so deutlich auszudrücken. Aber wer weiß…?

 

Alexander: Also – MICH haben die Bürger ganz sicher aus Sympathie gewählt. So, wie sie mich vor Jahren auch zum Bürgermeister gewählt haben.

 

Claudia:      Ja klar – Spießy – ich übergeb´ mich gleich.

 

Annemarie: Kind – bitte ! – Und dann möchte ich noch anmerken, dass ja auch unser guter Bürgermeister einen Koffer dabei hat. Hat man den denn auch kontrolliert?

 

Heidi:         IST das harmonisch hier – wunderbar. - Kommen wir zu Kandidat Nummer 5. Ich – und ich denke, mein wunnerbarer Kollege Norman sieht das genau so – sind wirklich froh darüber, das er hier ist. Denn man kann ja nie wissen, was so passiert. In Klein-Wegenau hat er seit Jahren seine Praxis, und seine Patienten-Kartei ist prall gefüllt. Meine Damen und Herren – der Arzt für Allgemein-Medizin und Gynäkologie: Dr. Stefan Dreyer.

 

6. Szene

Stefan:        (tritt wie alle anderen auf, ist sehr überrascht, als er ohne Augenbinde die anderen sieht. Er ist normal gekleidet) Herr Bürgermeister, Herr Pastor, Fräulein Krüger, Claudia… (er begrüßt alle mit Händedruck, Claudia als Letzte. Es ist darauf zu achten, dass Stefan einen Siegelring trägt)

 

Alle:           (anderen begrüßen ihn auch eher freundlich)

                  

Claudia:      Hey Doc – alles klar?

 

Stefan:        Gut, dass ich Dich hier treffe, Claudia. Die Ergebnisse Deiner letzten Untersuchung liegen vor.

 

Annemarie: Na, wen sollte es wundern, wenn Du Dir mittlerweile eine Krankheit eingefangen hast?!

 

Claudia:      Halt Deine Klappe, Krügerlein ! – Doc, sag´ mir jetzt nicht, dass ich ´nen Tripper hab´. Also – manche Typen sind ja sowas von ätzend. Dieser eine alte, stinkende Bock hat letzte Woche doch tatsächlich von mir verlangt, dass ich…

 

Norman:     (schnell) Stefan ! Komm doch her, damit wir auch Dich begrüßen können. Für gesundheitliche Diagnosen ist doch später immer noch Zeit.

 

Stefan:        (geht dann zu Norman und Heidi) Wir unterhalten uns nacher, Claudia. – Hallo ! Sind wir auf Sendung, jetzt?

 

Heidi:         Aber ja. Kabel 3 sendet die Show “Das Wald-Camp” doch immer zu 70% live.

 

Stefan:        Und wo sind die Kameras ? Ich bin ganz aufgeregt.

 

Heidi:         Wo die Kameras sind, sollte niemanden unserer Kandidaten interessieren. Das würde uns allen doch nur den Spaß nehmen.

 

Stefan:        Aber es gibt doch keine Kameras in den Schlafräumen oder auf der Toilette, oder?

 

Norman:     Dr. Dreyer – was stellen Sie denn nur für Fragen? Kabel 3 hat das hier alles im Griff.

 

Heidi:         Genau so ist es. Aber Du siehst mich überrascht, Stefan. Hast Du gar nichts mitgebracht? Fräulein Krüger hat ihre Schultasche dabei, der Bürgermeister…

 

Alexander: Meine Bürger – ich habe all die lieben Bürger von Klein-Wegenau dabei – tief in meinem Herzen.

 

Claudia:      Oh bitte – verschon´ uns.

 

Norman:     Und Claudia hat… äh…

 

Claudia:      (greift in irgendeine Tasche, hält einige Kondome nach oben) Na Gummis – ein paar dutzend. Ist meine Lebensversicherung. Die hab´ ich auch hier dabei. Man kann ja nie wissen.

 

Stefan:        Sehr vernünftig, Claudia.

 

Annemarie: Igitt – ist das grauenhaft.

 

Claudia:      (zu Annemarie) Na, DU weisst doch gar nicht was man damit macht.

 

Christoph:  “Enthaltsamkeit ist keine Sünde”, mein Kind.

 

Claudia:      Magst ja recht haben, Padre. Aber lebenslange Prüderie ist auch nicht das gelbe vom Ei.

 

Heidi:         Stefan. Dr. Stefan Dreyer. Schön, dass die Bürger von Klein-Wegenau hier auch einen Arzt dabei haben wollen. Was uns allerdings wundert: Wir vermissen einen Arzt-Koffer.

 

Stefan:        Na ja. Ich bin ja nicht im Dienst hier, denke ich. Da hab´ ich den mal ganz bewusst zuhause gelassen.

 

Norman:     Das ist völlig in Ordnung. Denn wir haben ja hier einen internen Wald-Arzt von Kabel 3 – falls es hier dem einen oder anderen mal nicht so gut gehen sollte.

 

Claudia:      Falls ich irgendeiner Kandidatin die Augen auskratze oder einem Kandidaten etwas abschneiden sollte?! Hähä...

 

Alle:           (anderen Kandidaten holen gemeinsam Luft, wollen schon verärgert etwas darauf sagen, als…)

 

Heidi:         (schnell)… oder sich irgendwer hier einfach nur eine leichte Erkältung einfängt – was wir alle nicht hoffen wollen. Genau!

Norman:     Aber dennoch ist es doch schön zu wissen, dass auch ein Doktor im Camp ist. Stefan, nimm doch bitte auch Platz, denn wir möchten jetzt noch den sechsten und letzten Kandidaten begrüßen.

 

Stefan:        Danke. Ich bin total aufgeregt. Wo sind denn nur die Kameras ? (schaut nach überall, ob er Kameras entdecken kann, setzt sich dann zu Claudia, unterhält sich kurz mit ihr, nicht hörbar für das Publikum)

 

Heidi:         Tja, meine lieben Zuschauer an den Bildschirmen. Eine Person fehlt noch, dann ist das Team vom Wald-Camp in Klein Wegenau komplett. Und über diese Kandidatin freue ich mich ganz besonders. Geht es Dir auch so, Norman?

 

Norman:     Du sprichst das aus, was ich gerade denke, liebe Heidi. – Nicht alle Menschen haben eine Arbeits-Stelle – auch nicht hier in diesem schönen Dorf. Und einige trifft es sogar so hart, dass sie nicht mal ein Dach über dem Kopf haben.

 

Heidi:         Tja, traurig, aber leider wahr. Doch wenn sie auch zur Unterschicht gehört, ist sie dennoch beliebt. Denn sie ist gewählt worden um hier endlich mal ein anderes Leben führen zu dürfen. Wenn auch nur für eine kurze Zeit.

 

Norman:     Meine Damen und Herren – begrüßen Sie mit uns die beliebteste Obdachlose von Klein-Wegenau: Erna Tellkamp.

 

7. Szene

Erna:           (noch hinten mit der Augenbinde) Jetzt nehmt doch das blöde Ding von meinen Augen. Ich bin froh, dass ich noch sehen kann. (kommt dann nach vorne zu den Moderatoren. Sie trägt alte, dreckige und abgenutzte Kleidung. Evtl. mehrere lange Röcke übereinander, zwei Jacken, Strickmütze o.a. Sie hat 3 prallgefüllte Plastitüten von Aldi, Lidl oder Netto dabei, im Gesicht ist sie auch leicht dreckig) Ich verstehe das alles nicht. Was soll das hier? Wieso soll ich in einen Wald umziehen?

 

Heidi:         Halli-Hallo, Erna. Willkommen im Wald-Camp.

 

Norman:     Wunderbar, dass Du hier bist.

 

Erna:           Kann mich mal jemand aufklären?! Wer um alles in der Welt hat mich angemeldet bei diesem Kram? Seit vier Jahren lebe ich nun unter der Jan-Berghaus-Brücke* und bin da gut aufgehoben. Plötzlich kommt da jemand vorbei, der sagt, da sind Menschen, die möchten, dass ich eine Zeitlang umziehen soll und nimmt mich mit. (*nennen Sie gerne eine bekannte Brücke in der Nähe Ihres Spielortes)

 

Heidi:         Genau. Du bekommst die Chance, hier als Gewinnerin rauszugehen um danach vielleicht ein ganz anderes und vor allem besseres Leben zu leben. Und wer Dich hier angemeldet hat als Bewerberin, das wissen wir auch nicht. Du bist hier – und wir freuen uns; auch wenn Du - na ja - ein kleines bisschen anders bist als der Rest hier.

 

Erna:           Ich hab´ eben Pech gehabt. Und seit mein Fidi mich vor 2 Jahren verlassen hat, fühl´ ich mich auch manchmal ein wenig allein. Er war eben krank und es gab keine Hilfe für ihn. Aber die Winter hier in Deutschland sind ja recht mild geworden, und Hunger gelitten hab´ ich bisher auch nicht. Die Leute sind freundlich und geben mir immer zu was zu essen.

 

Norman:     Weil sie Dich mögen, Erna. Und deshalb haben sie auch bestimmt, dass Du hier sein sollst. Und wie auch immer das hier enden mag – in diesen zwei Wochen fühlst Du Dich sicher nicht schlechter als unter einer Brücke.

 

Erna:           Na, das sehen wir ja noch. Hier sind so viele Leute. Das gefällt mir gar nicht.

 

Annemarie: Eine Obdachlose – hier ist tatsächlich ein Penner unter uns.

 

Alexander: Sie reden mir aus der Seele, Fräulein Krüger.

 

Claudia:      Tja, Spießy – es waren AUCH Deine Bürger, die diese Frau hier reingewählt haben.

 

Alexander: Ich möchte drum wetten, dass das mit dieser Wahl nicht mit rechten Dingen zugegangen ist.

 

Claudia:      Bei der Bürgermeister-Wahl ist wohl auch etwas schiefgelaufen, denke ich.

 

Alexander: Freches Ding.

 

Christoph:  Kinder – seid lieb miteinander!

 

Stefan:        Gott, ich bin so aufgeregt – wo sind denn nur die Kameras?

 

Claudia:      Mann eh – Doc – nun bleib mal locker.

 

Christoph:  Erna, setzen Sie sich zu uns. Ok Sie sind ein Kind von Gott. Und so wie Sie sind, hat Gott Sie gern.

 

Annemarie: Aber etwas weniger dreckig und mit einem weniger penetranten Geruch hätte Gott sie ebenso gern, denke ich.

 

Claudia:      Besser schmutzig am Körper als Dreck im Charakter.

 

Annemarie: Das habe ich NICHT gehört!

 

Claudia:      Ich hab´ es aber gesagt, Krügerlein!

 

Erna:           Na ja, wenn ihr meint, setze ich mich mal zu Euch. Hat mal jemand ´ne Zigarette von Euch?

 

Claudia:      Ja klar. (gibt ihr eine)

 

Erna:           (setzt sich irgendwo hin, raucht) Danke. Bist ein gutes Mädchen.

 

Annemarie: Tsss…

 

Heidi:         Wir sind komplett, liebe Nation. Alle sechs Kandidaten sind angekommen und jetzt geht unser Spiel hier im Wald-Camp los. Jeder von den Bewohnern hat eine spezielle Zahl, die Sie an der eingeblendeten Telefonnummer anhängen. Ab sofort dürfen Sie anrufen. Und dann entscheidet sich, wer Ihnen von diesen Campern sympathisch ist und wer hier am Ende als Gewinner raus gehen soll.

 

Norman:     So ist es. Das wird ein Riesen-Spaß; das können wir Ihnen jetzt schon versprechen. Und bevor wir den Kandidaten die erste Aufgabe präsentieren, möchten wir von Euch noch gerne wissen, ob Euch noch Fragen auf den Lippen brennen?

 

Stefan:        Ja, sicher doch. Wo genau sind eigentlich die Kameras; und wieviele Kameras gibt es überhaupt?

 

Alexander: Nun ist es aber gut, Herr Doktor.

 

Annemarie: Ich hätte gerne etwas zu den Schlafräumen gewusst. Haben wir Einzelzimmer oder wie ist das hier geregelt?

 

Heidi:         Annemarie, Schätzchen. Wir sind im Wald – schon vergessen? Das Kabel 3-Team hat eine Hütte aus Holz aufgebaut – hier. (deutet darauf) Dieser Eingang ist für die Damen und die Tür hinten ist für die Männer.

 

Annemarie: Ich soll mit einer Person aus dem horizontalen Gewerbe und mit einer Mittellosen in einer Holzbaracke hausen?

 

Norman:     Aber ja; ist das nicht wunderbar?! Und die Sanitär-Anlage befindet sich dort. (deutet auf das Toilettenhäuschen)

 

Annemarie: (ist fast außer sich) Ich… ich…

 

Claudia:      (belustigt) Morgen gibt es nur noch 5 Kandidaten hier – weil nämlich eine tot ist. Entweder hat sie sich selbst umgebracht oder es hat jemand nachgeholfen. - Hähähä…

 

Annemarie: Möglich. Fragt sich nur, WER morgen tot ist, Du Früchtchen.

 

Christoph:  Kinder, bitte!

 

Heidi:         Ist es nicht köstlich hier, liebes Publikum?! Und wir sollten jetzt auch gleich mit der ersten Aufgabe für unsere Kandidaten anfangen, denke ich.

 

Statist:        (kommt von hinten mit einem Umschlag, gibt diesen Norman, geht wieder)

 

Norman:     Und da haben wir sie auch schon. Vielen Dank. (öffnet den Umschlag, holt einen Bogen Papier heraus)

 

Heidi:         Das erste Spiel für Euch. Und wir sind – genau wie Ihr – sehr gespannt, was man sich für Euch ausgedacht hat.

 

Norman:     Meine Lieben! (liest) Eure erste Aufgabe hier, bei der ihr richtig punkten könnt, heißt: “Modenschau im Waldcamp“.

 

Alle:           (etwas überrascht, wundern sich, manche machen auch Gesten der Empörung, lachen o.a.)

 

Heidi:         (liest ab) Hinten in einem kleinen speziellen Waldfundus stehen Euch verschiedene Kleidungsstücke zur Verfügung. Welche ihr wählt, ist Euch überlassen. 3 von Euch werden hier gleich modeln, und die anderen 3 werden den Auftritt kommentieren. Lasst bei Eurer Performance Euren Ideen freien Lauf, und macht es so interessant, dass die Zuschauer Euch dafür lieben werden.

 

Norman:     Und das bedeutet: Wir brauchen 3 Paare, die das Kabel 3 Team bestimmt hat.

 

Annemarie: Das kann ja wohl nicht wahr sein.

 

Alexander: Auch das noch.

 

Claudia:      Das kann doch ganz lustig werden.

 

Stefan:        Und sicher halten die Kameras alles fest. Wo sind die nur? (schaut sich wieder um)

 

Heidi:         DAs sind die Paare, meine Lieben: Das erste Model-Paar heißt: Pastor Budde mit Claudia.

 

Claudia:      Eh geil. Padre – gib mir 5. (hält die Hand hoch)

 

Christoph:  (weiß erst nicht genau was er machen soll, schlägt dann aber ein, nachdem Erna ihm gedeutet hat was er tun soll) Achso – jaaa… schauen wir mal, was wir daraus machen. Du wirst sicher eine gute Figur machen – egal in welcher Kleidung.

 

Claudia:      Moment mal, Padre. Wer sagt denn, dass ICH mich verkleide?

 

Christoph:  (nach einer kleinen Überlegungspause) Herr, steh´ mir bei.

 

Heidi:         Die zweite Paarung heißt: Bürgermeister Alexander zusammen mit Erna.

 

Alexander: (holt Luft, will schon was sagen)

 

Erna:           (mit Claudia laut im Duett) SAG NICHTS !

 

Alexander: Ist ja gut.

 

Norman:     Somit steht dann auch das dritte und letzte Duett fest, nämlich Dr. Stefan Dreyer mit unserer guten Lehrerin Annemarie.

 

Annemarie: Na ja – von mir aus. Immer noch besser als…

 

Erna:           (mit Claudia wieder laut im Duett) SAG NICHTS !

 

Annemarie: Jetzt wird mir hier schon der Mund verboten?! Interessant. – Ach, Frau Krause-Winkelmann – ich müsste eigentlich noch einen ganzen Haufen Diktate kontrollieren. Das ist hier doch sicher möglich, oder?!

 

Heidi:         Erstmal sollten wir alle nun endlich mit dem „SIE“ aufhören. Ich denke, es ist einfacher für jeden, wenn wir uns duzen.

 

Claudia:      Ich Sieze eh niemanden. Nur mal so als Info.

 

Heidi:         Seid ihr denn alle damit einverstanden?

 

Annemarie: Werden wir denn überhaupt noch nach irgendwas gefragt?! Man bekommt ja nicht mal ´ne Antwort auf eine wichtige Frage.

 

Norman:     Ihr habt 10 Minuten Zeit für diese Aufgabe. Einigt euch untereinander, wer die Kleidung präsentiert und wer die Moderation dazu macht. Wir sind sehr gespannt – und die Zuschauer sind es sicher noch mehr. Viel Spaß, viel Glück und bis gleich. (beide ab nach hinten)

 

Heidi:         Tschüßiiii…

 

8. Szene

Annemarie: 10 Minuten? Wie soll man das denn bitte schaffen? Und wo sind denn die Umkleidekabinen? – (ruft den beiden Moderatoren noch hinterher) Hallo, Sie – ich meine – ihr könnt doch nicht einfach gehen. Ich hab´ noch soviele Fragen.

 

Claudia:      Krügerlein – 10 Minuten müssen doch ein Kinderspiel für Dich sein. Irgendetwas altmodisches wird in den Kisten für Dich schon dabei sein. Ein schöner wollener Unterrock oder ein Schlüpfer mit Bein in Schweinrosa...

 

Annemarie: (steht empört auf) Herr Doktor – oder darf ich ernsthaft Stephan sagen – ich meine – wegen der Pietät?

 

Stefan:        (steht auch auf) Ja sicher.

 

Annemarie: Na gut – dann komm bitte mit nach hinten, damit wir diese Peinlichkeit hinter uns bringen und die Anwesenheit einiger Menschen hier nicht mehr ertragen müssen.

 

Stefan:        Ja gern. (abgehend) Sag mal, hast Du schon irgendwo Kameras gesehen?

 

Annemarie:(genervt) Oh bitte… (beide ab)

 

9. Szene

Claudia:      Ich bin gespannt wie ein Flitzebogen, mit was für ´nem Fummel uns dieses prüde Etwas überrascht.

 

Christoph:  Claudia Kind – kontrolliere Deine Zunge.

 

Claudia:      Ja doch.

 

Christoph:  Und 10 Minuten sind schnell vorbei. Vielleicht sollten wir uns auch mal auf den Weg machen.

 

Claudia:      (springt spontan auf) Padre – ich bin bereit.

 

Christoph:  Aber ICH bin gar nicht sicher, ob ich dieser Aufgabe gewachsen bin. Ich kenne mich da gar nicht aus. Trage doch meistens immer das Gleiche.

 

Claudia:      Aber ICH kenne mich aus – komm her. Das wird ´ne Mords-Gaudi. (beide ab)

 

10. Szene

                   (leicht gespannte Pause und Schweigen zwischen Alexander und Erna)

 

Erna:           Ja, nun schau mich nicht so an. Ich hab´ mir diesen Blödsinn nicht ausgedacht.

 

Alexander: (der recht erbost schaute bisher, schaut dann auch suchend nach oben) Ist ja gut. Sag mal, denkst Du, dass wir jetzt live zu sehen sind im Fernsehen?

 

Erna:           Was weiß ich? Soll mir auch egal sein.

 

Alexander: (steht auf) Das ist armseelig, diese Sache hier. Aber was soll´s ?! (kurze Pause) Na was ist? Wir müssen da jetzt wohl durch.

 

Erna:           Hhmmm… Viel Lust hab´ ich nicht. Ich mag Dich sowieso nicht. Du bist Bürgermeister, aber hast kein Herz für uns Obdachlose. Wieso gibt es kein Haus für uns in Klein Wegenau? Für die Flüchtlinge wird doch auch gesorgt.

 

Alexander: Das ist hier jetzt kein Thema. Wenn wir hier punkten und gewinnen wollen, bleibt uns nichts anderes übrig als bei diesem Kram mitzumachen. – Ich schau schon mal was die anderen machen. Bin gleich wieder da. (zügig ab nach hinten)

 

11. Szene

Erna:           (allein) Na super. Da steckt man mich in so ein dummes Wald-Camp. Kann mir mal einer sagen was das soll?! Und vor allem: Wann gibt es hier was zu essen? (steht auf) Na ja – zumindest ein Klo gibt es. Das ist doch schon mal was. (ab in das Toilettenhäuschen, kurze Pause)

 

12. Szene

Alexander: (kommt mit einem großen Haufen Kleidungsstücke zurück, wirft diese in die Mitte der Bühne) Schau mal Erna. Was könnte Dir denn gefallen von diesem… (schaut sich um) Erna? – Na toll. Jetzt ist die einfach abgehauen, oder was? (geht dann zu seinem Koffer, holt dort sein Handy heraus, tippt eine Nummer ein, wartet kurz, geht nach vorne links oder rechts an den Bühnenrand, schaut sich um ob niemand anwesend ist) Laurentz?! Ich bin es – Alexander. Du kannst den Bau vom neuen Rathaus in die Wege leiten. Am Besten sollte morgen schon der Grundstein gelegt werden. Ich hab´ die Millionen so gut wie sicher. Warum? Na hör mal – ich bin der Bürgermeister. Und Du solltest mal die anderen Vögel hier sehen – alles zweite Wahl. – Ja, mach das. Und bei dem Bau vom Rathaus alles nur vom Besten, hörst Du?! Auch mein Privat-Zimmer da. Ich möchte unterm Dack ja diese kleine Wohnung haben. Und die Wasserhähne im Bad bitte vergoldet; das mag ich besonders gern. Ich verlass´ mich da auf Dich. Muss jetzt Schluss machen. Tschüß. – (schaut sich um, tippt erneut eine Numm,er in das Handy ein) Helga? Ich bin´s – Alexander. Das ist die Hölle hier. Nur primitive Bürger und zwei völlig durchgeknallte Moderatoren. Das hier ist einfach unter meinem Niveau. (kurze Pause)

 

13. Szene

Erna:           (kommt aus dem Toilettenhäuschen, ihr hängt noch etwa 1 Meter Toilettenpapier hinten am Rock, welches sie erst jetzt bemerkt und dann zusammenknüllt. Sie hört dann Alexander zu)

 

Alexander: (sieht sie nicht, nach einer kleinen Pause) Kannst Du mich nicht für ein paar Tage hier rausholen? Es reicht doch, wenn ich zur Sieger-Verkündung wieder hierher komme, oder? Ja sicher weiß ich, dass die Bürger mich hier reingewählt haben. Aber wenn es z.B. einen wichtigen Grund gibt, dass ich das Camp für ein paar Tage verlassen muss, wird das jeder verstehen. Immerhin geht es mir ja um das Wohl unserer Bürger. Sicher stehe ich danach dann ganz besonders gut da. Na, nun streng mal Dein Gehirn an. Als Frau vom Bürgermeister sollte das doch wohl kein Problem sein. Überleg Dir was - irgendeine Katastrophe, damit jeder versteht, dass ich hier kurz raus muss. Ja, Du bekommst den Nerzmantel dafür, den Du Dir wünschst, versprochen. Hauptsache, Du befreist mich hier erstmal von asozialem Pack, leichten Mädchen und stinkenden Obdachlosen. – Ja, bis dann. Melde Dich wieder. (drückt erneut eine Taste auf dem Handy)

 

Erna:           (räuspert sich)

 

Alexander: Oh – Erna, da bist Du ja wieder.

 

Erna:           Ja, hier ist die stinkende Obdachlose wieder. Hab´ nur den Darm entleert.

 

Alexander: (fühlt sich etwas ertappt) Jahaha… und wie lange bist Du schon…? Ich meine, Du hast hier doch nicht…

 

Erna:           Doch. Hab´ alles gehört, was Du mit Deiner holden Gattin besprochen hast.

 

Alexander: Erna, weisst Du – das ist nicht so, wie Du denkst.

 

Erna:           Ach nee? Wie ist es denn?

 

Alexander: (zückt sein Portemonnaie) Was hältst Du von 100 Euro? Damit kommst Du später wieder lange über die Runden; und das, was Du hier gerade gehört hast, verlässt Deinen Mund einfach nicht. Ist das nicht ein guter Deal?!

 

Erna:           (greift sich schnell das Geld) Danke, Bürgermeister Heitfeld. Das ist aber trotzdem schäbig, was Du hier abziehst. Und jetzt lass uns dieses dumme Spiel durchziehen. Und was ich wem erzähle oder nicht, das musst Du mir schon selbst überlassen. Den Mund verbieten lass ich mir von Dir ganz sicher nicht. (nimmt den Haufen Kleidungsstücke, geht damit ab nach hinten, dreht sich dann nochmal um, laut und direkt:) Hast Du das verstanden, Bürgermeister?!

 

Alexander: (eingeschüchtert) Ja sicher. Hab´ ich, Erna – ich meine – Frau Tellkamp. Wir… wir finden da ganz sicher eine Lösung. (ihr schnell hinterher, beide ab)

14. Szene

Norman:     (und Heidi kommen wieder auf die Bühne) Mit einem recht harmlosen Spiel fangen wir hier an bei dieser Staffel vom „Wald-Camp von Klein-Wegenau. Aber was unsere Kandidaten sonst noch alles erwarten dürfen in den kommenden Tagen, das verraten wir besser noch nicht. Hähä...

 

Heidi:         Aber Norman - sie müssen doch keine Käfer oder Würmer essen, so wie in anderen Fernseh-Shows?

 

Norman:     Käfer und Würmer vielleicht nicht, Heidi. Aber es gibt ja noch so viele andere Schweinereien. Hähähä… Aber nun wollen wir erstmal schauen, ob denn das erste Paar schon fertig steht für unsere Modenschau hier im Wald. (schauen und rufen nach hinten)

 

Heidi:         Annemarie und Stefan – seid ihr soweit?

 

                   (Auftaktmusik erklingt, diese verstummt sofort, wenn Annemarie die Bühne betreten hat)

 

15. Szene

Annemarie: (kommt dann laut schreiend und völlig in Panik mit erhobenen Händen von hinten hereingestürmt. Sie trägt nur Unterwäsche, weil sie mit dem Umziehen wohl nicht fertig geworden ist. Altbackene Unterhose mit langem Bein und Rüschen, Oberteil ebenso altmodisch – evtl. Korselett o.a. Sie weiß in ihrer Panik gar nicht, wo sie hingehen soll, läuft einmal fortwährend kreischend über die Bühne) Eine Maus – eine ganz dicke Maus! Aaaaaaah… (flüchtet dann in das Toiletten-häuschen)

 

Norman:     Lieber Gott – was war das?

 

Heidi:         Das war definitiv unsere gute Lehrerin Annemarie, die wohl ein wenig in Panik geraten ist, Norman. War das denn auch schon die Mode, die sie uns präsentieren möchte?

 

Norman:     Sah eher wie Unterwäsche aus. (geht zum Toilettenhäuschen) Annemarie, so komm doch wieder raus. Wir wollen jetzt das Spiel spielen.

 

Annemarie: (aus dem Häuschen, immer noch panisch) Nein! Niemals. Hier laufen Vierbeiner herum. Mäuse, die so groß wie Bisam-Ratten sind. Niemal komme ich hier wieder heraus.

 

16. Szene

Stefan:        (kommt von hinten dazu, hält eine tote Maus am Schwanz) Ich hab´ sie, Annemarie. Ist alles in Ordnung. Sie wird Dir nichts mehr tun.

 

Annemarie: Das ist aber nur eine. Sicher gibt es eine ganze Großfamilie davon hier im Wald. Das ertrag´ ich nicht. – Oh Gott, davon erhol´ ich mich nie wieder.

 

Norman:     Tja, meine lieben Zuschauer. Eine Maus in diesem Wald – wer hätte das gedacht?!

 

Stefan:        Sieht man das jetzt auch im Fernsehen ? (hält stolz die Maus hoch in alle Richtungen)

 

Heidi:         Allerdings. Was uns aber viel mehr interessiert, Stefan – was wird denn nun aus Eurer - sagen wir mal: Performance?

 

Stefan:        Ja, was weiß ich? Annemarie ist ja noch gar nicht fertig. Und wenn Sie nicht mehr aus dem Toiletten-Häuschen herauskommen will…

 

Heidi:         Ooh… das wäre aber schade. Dann kann dat Publikum Euch ja gar nicht bewerten.

 

Stefan:        Na ja – aber immerhin hab´ ich eine Maus umgebracht. Vielleicht bringt mir das ja den einen oder anderen Punkt.

 

Norman:     Ja, gut möglich. Dann schauen wir doch mal, ob unsere gute Claudia und der Pastor schon fertig sind für eine kleine Show-Einlage. (ruft nach hinten) Claudia? Herr Pastor? Dürfen wir dann von Euch eine Modenschau erwarten?

 

17. Szene

Claudia:      (kommt auf die Bühne) Yepp – das dürft ihr. Das heißt, wenn der Padre nicht kneift.

 

Heidi:         Warum sollte er kneifen?

 

Claudia:      Na ja, er hat mehr als zehn Gebete nach oben geschickt beim Umziehen; und zum Herrgott gesagt, er möge ihm verzeihen, denn er wüsste grad nicht, was er tut. Ich finde das umso geiler.

 

Norman:     Was die Sache noch spannender macht.

 

Stefan:        (steht nun am Toilettenhäuschen, klopft ein paarmal) Annemarie – jetzt komm da wieder raus. Du verpasst doch alles. Und wenn Du Dich noch schnell umziehst, können wir vielleicht doch noch ein paar Punkte sammeln.

 

Annemarie: Nein – niemal – und geh´ weg mit der Maus. Auch wenn sie tot ist. Ich sterbe!

 

Claudia:      Lass´ sie darin verrecken, Doc. Die will das doch so.

 

Norman:     Bleiben wir doch nun bei unserem zweiten Paar. Hier hat man sich wohl dazu entschlossen, dass Claudia die Moderation übernimmt und der Pastor die Kleidung präsentiert.

 

Claudia:      Ich musste versprechen, dass ich mal wieder den Gottesdienst besuche.

 

Norman:     Bitte Musik für die erste Show und für Pastor Christoph Budde. (Musik ertönt bis zu Christophs Auftritt. Nehmen Sie hier bitte einen passenden Song wie „You can leave your hat on", "Relax" oder "Dancing Queen". Norman und Heidi gehen jeweils nach rechts und links um Platz zu machen)

 

 

18. Szene

Christoph:  (kommt zunächst von hinten mit leichtem Widerwillen auf die Bühne. Er trägt ein ähnliches Outfit wie Claudia. Zumindest sieht es aus wie die Kleidung einer „käuflichen Dame“. Evtl. Leder-bzw. Minirock, Strümpfe, Schuhe mit hohen Absätzen, Bluse (ausgestopft), Perücke und Federboa. Auch geschminkt ist er. Nachdem er sich zunächst etwas geziert hat, kommt er nun weiter nach vorne mit erotischem Blick und Gang. Die Musik wird nun sehr leise, verstummt dann schließlich ganz)

 

Claudia:      (beginnt dann mit ihrer Moderation) Das perfekte Outfit für den modebewußten Herrn von heute. Nicht nur das weibliche Geschlecht hat ein Recht auf Farbe. Heute ist Schluss damit. Denn hier sehen Sie einen Mann in einer perfekten Kombination aus Erotik und Glaube.

 

Christoph:  Herr, steh´ mir bei. (geht hin und her, modelt)

 

Annemarie: (kommt nun doch endlich aus dem Toilettenhäuschen, ist empört) Großer Gott – Herr Pastor! - Igitt, ist das pervers.

 

Claudia:      (schaut sie an, zeigt auf sie) Richtig, igitt ist DAS pervers!

 

Annemarie: Tsss…

 

Claudia:      (widmet sich dann wieder ihrer Moderation) Schauen Sie sich doch nur die Verarbeitung von dem Rock an, meine Damen und Herren – und vor allem, diese Beine, die diese Strümpfe so gut tragen können. (streichelt einen seiner Schenkel)

 

Christoph:  Huch…

 

Norman:     (und Heidi kommen dazu) Herrlich! Aber ich denke, das sollte dann genug sein. Das war köstlich, und vor allem sollten wir nicht den Mut vergessen. Herr Pastor – Claudia - das wird Euch von den Zuschauern sicher viele Anrufer einbringen.

 

Heidi:         Das war eine großartige Idee, die Rollen zu tauschen und dann auch noch Klamotten zu präsentieren, die wirklich sehr gewagt ist.

 

Christoph:  Mir wäre es sehr recht, wenn man diesen Auftritt von mir vielleicht kürzen oder ganz streichen könnte, wenn es gesendet wird.

 

Norman:     Das ist ein ganz besonders schlechter Vorschlag, Herr Pastor – weil wir nämlich gerade live senden.

 

Christoph:  Herr im Himmel. (setzt sich schnell, schämt sich, betet)

 

Annemarie: (schaut an sich herunter) Live? Jetzt in diesem Augenblick? – Neeeeeeeeein !!! (schnell fluchtartig ab nach hinten, ruft noch Claudia und Christoph zu) Schämen solltet ihr euch!

 

Claudia:      (entreißt Stefan die tote Maus, wirft sie ihr hinterher) Du aber auch – Krügerlein!

 

Annemarie: (die noch nicht ganz verschwunden war in diesem Moment, schreit nochmal auf)

Heidi:         Ist das köstlich, meine Damen und Herren?! Und jetzt warten wir noch auf die dritte und letzte Show. Auf Erna Tellkamp und den Bürgermeister Alexander Heitfeld.

 

                   (erneute Auftaktmusik)

 

19. Szene

Erna:           (kommt mit einer Schiebkarre herein, darin liegt Alexander. Er ist mit mehreren Seilen komplett gefesselt, der Mund ist mit Klebeband zugeklebt. Die Musik verstummt)

 

Alle:           (überrascht und erschrocken)

 

Norman:     Ich fasse es nicht – was passiert hier?

 

Claudia:      Geil, Erna.

 

Stefan:        Sie hat ihn willenlos gemacht – unseren Bürgermeister.

 

Claudia:      Ist er zudringlich geowrden?

 

Heidi:         Was hat das zu bedeuten?

 

Erna:           (hat mittlerweile die Karre abgestellt. Sie steht vorne, das Gesicht von Alexander in Richtung Publikum) Zudringlich geworden ist er nicht. Aber - wisst ihr, unser Bürgermeister hat uns allen etwas mitzuteilen. Ist es nicht so, Herr Bürgermeister?!

 

Alexander: (nickt heftig bejahend)

 

Erna:           (reißt ihm das Klebeband vom Mund)

 

Norman:     Na, da sind wir aber gespannt.

 

Alexander: (schnappt zunächst nach Luft) Ich… ich…

 

Erna:           (drohend) Ja? Wir hören!

 

Alexander: (sieht keine Chance für sich) Ich hab´ meine Frau gerade angerufen.

 

Norman:     Handys sind aber verboten hier.

 

Alexander: Ich weiß.

 

Alle:           (im Chor) Buuuuuh…

 

Erna:           Das ist ein mieses Aas, nicht wahr?! – Und weiter!? Was hast Du uns noch zu sagen?

 

Alexander: Es tut mir leid. Und ihr habt hier alle etwas gut bei mir.

 

Claudia:      Hört hört. Ich weiß nicht, wie Du es gemacht hast, Erna. Aber das scheint hier ja mit dem People-Master doch noch ganz nett zu werden.

 

Norman:     (und Heidi ins Publikum schauend) Das denken wir aber auch. (ab nach hinten)

 

Alle:           (außer Erna und Alexander gehen dann ebenfalls ab nach hinten)

 

20. Szene

Erna:           Na bitte; es geht doch. Und von dem, WAS Du zu Deiner Frau gesagt hast, ist doch bisher niemand informiert. (löst ihm die Hände)

 

Alexander: Ja. Und das bleibt auch so?

 

Erna:           (süffisant lachend) Aber sicher doch! (hält die Hand offen, wartet)

 

Alexander: (zieht widerwillig sein Portemonaie, gibt ihr 300 Euro)

 

Erna:           (nimmt es, hält erneut die Hand offen)

 

Alexander: Noch mehr? Das sind 300 Euro. Du kannst Dich glücklich schätzen, dass ich überhaupt soviel Bargeld dabei hab´. Was willst Du denn noch? 300 waren abgemacht.

 

Erna:           Ich will das Handy!

 

Alexander: Oh nein! (gibt es ihr dann)

 

Erna:           Ich wollte schon immer mal so ´n Teil haben. - Danke. Das wird hier noch ´ne schöne Woche mit uns, Bürgermeister. Das spüre ich schon jetzt. (klebt ihm den Mund wieder zu, schiebt ihn wieder raus)

 

Alexander: (wehrt sich verzweifelt)

 

 

 

Vorhang

 

 

 

Ende des ersten Akts

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Zweiter Akt

 

(Drei Tage später in den Mittagsstunden)

 

Heidi:         (und Norman kommen auf die Bühne vor den geschlossenen Vorhang)

 

1.Szene

Norman:     „Das Wald-Camp von Klein Wegenau“ geht in die nächste Runde. Und wir freuen uns, dass Sie wieder live dabei sind.

 

Heidi:         Drei Tage lang sind unsere sechs wunderbaren Kandidaten hier nun schon zusammen im Wald, und es könnte hier nicht schöner sein. Sie, an den Bildschirmen zuhause, sollen bitte immer noch anrufen für Ihren Lieblings-Camper. Wie und mit wem soll es hier weiter gehen? Das entscheiden Sie! Jeder will hier gewinnen; wie könnte es anders sein?

 

Norman:     Aber wer geht hier wirklich als Sieger raus?

 

Heidi:         Ist es vielleicht der Bürgermeister, der hier im Wald von den meisten nur noch Hausmeister genannt wird, hähähä… dann wählen Sie am Ende der jetzt eingeblendeten Nummer bitte die 1.

 

Norman:     Für unsere Claudia, die freundliche, junge Dame aus dem horinzotalen Gewerbe wählen Sie ganz einfach am Ende die 2.

 

Heidi:         Und wenn Sie den Mann für Gottes Wort in Ihr Herz geschlossen haben, unseren Pastor Christoph Budde, dann wählen Sie die 3.

 

Norman:     Ist es Ihnen aber lieber, dass unsere Lehrerin Annemarie hier als Siegerin raus geht, dann wählen Sie doch bitte die 4.

 

Heidi:         Ist Ihr Lieblingskandidat jedoch unser Doktor, der noch immer die Kameras sucht und nicht findet, dann ist Dr. Stefan Dreyer für Sie die Nr. 5.

 

Norman:     Ihnen ist die gute Erna ans Herz gewachsen, die hier eigene Regeln aufgestellt hat, wie sie die Sorgen löst, dann hängen Sie die 6 an die eingeblendete Telefonnummer an.

 

Heidi:         Natürlich geben wir jedem unserer Waldbewohner auch die Chance, sich direkt an die Zuschauer zu wenden. Und somit sagen wir: Hier boxt der Papst, hier tanzt die Sau…

 

Beide:         ...im Wald-Camp von Klein-Wegenau!

 

                   (Der Vorhang öffnet sich, Auftaktmusik erklingt)

 

Heidi:         (und Norman verschwinden entweder vorne nach unten in den Zuschauerraum, oder – falls nicht möglich – schnell nach hinten über die Bühne. In der Mitte der Bühne steht nun ein abgesägter Baumstamm, welcher den Kandidaten als Sitzmöglichkeit dient. Darauf sitzt Claudia. Anmerkung: Die Spieler sind umgezogen. Falls es Ihnen möglich ist, tragen alle Kandidaten gleiche T-Shirts oder Jacken – evtl. mit Aufdruck „Waldcamp“ oder mit ihren Telefonnummern o.a., sowie auf der linken oder rechten Brusthälfte den Vornamen. Wenn Ihrer Bühne das nicht möglich und im Rollenbuch nichts anderes angegeben ist, tragen alle Kandidaten ähnliche Kleidung wie im 1. Akt. Die Musik wird langsam ausgeblendet)

 

2. Szene

Claudia:      Hallo, ihr Leute da draußen. Ich bin dann die Erste die hier etwas sagen soll. Hat man ausgelost. Aber ich bettel hier nicht darum, dass Ihr für mich anrufen sollt. Wählt einfach meine Nummer wenn ich hier gewinnen soll. Und das ist die 2. Und die 2 ist gut. Mit Nummern kenne ich mich ja aus. Ihr versteht?! Denn zwei Sachen sind es, weshalb ich mich an Euch wende. Erstmal muss ich gewinnen und die Kohle kassieren; hier in diesem Wald-Camp kommt bei mir nämlich absolut gar nichts in die Kasse. Alles Schlaffis hier. Sogar der Moderator hat mich abblitzen lassen. Ich denke, er ist schwul. Kann mir das sonst nicht erklären. - Na ja, und der zweite Grund ist der, dass ich noch ein bißchen Zeit brauche, um die Krügersche und den Bürgermeister fertig zu machen. Aber ich hab´ sie bald soweit. Die gehen sicher noch vor der Siegerehrung freiwillig. (steht auf) Also, lasst mich nicht im Stich und ruft an – mit der 2 an Ende. Ach ja, dann sollen wir noch sagen, was wir mit dem Geld machen werden, wenn wir hier als Gewinner rausgehen. Also 500.000 Euro – dafür würde ich die Schlörmann-Villa an der Bremer Straße kaufen und da einen Edel-Puff draus machen. Alles klar, Leute?! (geht nach hinten ab, von dort kommt sodann…)

 

3. Szene

(…Christoph)

 

Claudia:      (beim Abgehen) Hey Padre – gib five! Wir bleiben noch! Da kannst Du Deinen christlichen Hintern drauf verwetten. (abgehend)

 

Christoph:  (hält die Hand hoch, schlägt in Claudias ein, etwas unsicher, kommt dann nach vorne, setzt sich auch auf den Stamm, faltet die Hände, schaut kurz nach unten, sodann nach oben, wendet sich dann auch an die „unsichtbare“ Kamera. Er hat eine Bibel dabei) Liebe Gemeinde. Seit 3 Tagen bin ich hier jetzt in diesem Wald Camp. Wir lernen hier alle mit wenig Essen und kargem Wohlstand auszukommen und wir spielen hier Spiele. Wir lernen zu teilen und uns zu achten. Solche Situationen hat auch wohl Jesus Christus gut gekannt. (schlägt die Bibel auf) Schon in der Bergpredigt heißt es…

 

Claudia:      (kommt hinten am Abgang wieder vor, bleibt aber dort stehen, recht laut und barsch:) P a d r e !!! Keine Predigt und kein „Wort zum Sonntag“. Die Leute sollen anrufen für Dich – das ist alles was zählt.

 

Christoph:  Ach ja? Entschuldigung. Ich fang dann einfach nochmal an. - Liebe Bürger. Ich bin hier im Wald Camp. Im Wald Camp von Klein Wegenau. Gestern hab´ ich versucht hier für meine Mitstreiter einen kleinen Gottesdienst zu halten, aber der Zuspruch war nicht so sehr groß. Ich wollte den Kandidaten hier Gottes Wort verkünden, weil hier untereinander nicht immer nur Frieden herrscht. Und wie heißt es so schön in unserer Schrift: „Liebet Euren nächsten wie Euch selbst. Denn wer von Euch ohne Sünde ist…“

 

Claudia:      (wird es nun zu bunt, kommt zügig nach vorne, nimmt ihn an die Hand, zieht ihn mit nach hinten, schaut beim Abgang dann nach vorne) Pastor Christoph Budde. Nr. 3! Das ist seine Nummer. Ist ein prima Kerl. Ein bißchen steif – aber den krieg ich noch hin. Ruft gerne für ihn an. Aber erst nachdem ihr aufgelegt und vorher die 2 getippt habt.

 

Christoph:  Kind – ich hab´ den Leuten aber doch noch soviel zu sagen. Falls ich gewinnen sollte. Das Geld…

 

Claudia:      Ja – dann mach´ doch endlich!

 

Christoph:  Die Hälfte würde ich für die Jugendarbeit in unserer Kirchengemeinde verwenden. Und die andereren 500.000… na ja – ich würde mir damit gerne einen Wunsch erfüllen. Eine Weltreise würde ich gerne machen. Und alle Orte besuchen, wo auch Jesus schon gewesen ist.

 

Claudia:      Supi Idee, Padre. Das reicht. Und jetzt komm!

 

Beide:         (ab)

 

4. Szene

Erna:           (kommt dann nach vorne, hat eine gefüllte Aldi-Tragetasche dabei, setzt sich, nimmt ein – recht dreckiges – Taschentuch aus ihrem Mantel o.a. putzt sich – nicht zu überhören – die Nase erstmal, greift dann in die Tüte, macht eine Dose Bier auf, trinkt) Die haben gesagt, wir sollen hier einzeln den Zuschauern erklären, warum sie für uns anrufen sollen. Ja – wenn ich das wüsste, wäre ich auch schlauer. Ist aber eigentlich gar nicht so schlecht hier. Man muss nur einigen zeigen, wie das hier zu laufen hat, dann klappt es schon. Vorgestern wollte mir einer von diesen Fernseh-Fritzen mein Inventar hier (deutet auf die Tüte) wegnehmen. Ich hab´ aber nicht lange diskutiert mit ihm. Das Krankenhaus hat vorhin angerufen und gesagt, das Schienbein von ihm wird wieder. - Essen kriegen wir hier auch. Und Bürgermeister Heitfeld macht für mich alles was ich verlange. Gar nicht so schlecht, so ein Sklave. Also – um das abzukürzen: Es ist mir egal ob Sie wollen, dass ich hier gewinne oder nicht. Machen Sie das so, wie Sie es für richtig halten. (trinkt wieder, steht dann auf) Ach ja - ´ne Nummer soll ich auch noch sagen. Die 6 ist wohl die Nummer die zu mir gehört. Ich sollte mir auch Gedanken darüber machen, was ich mit ´ner halben Millionen machen würde. Hhmmm… ich weiß auch nicht. Aber ein Obdachlosenheim, was dann ganz alleine mir gehört, und wo ich all meine Freunde aufnehmen könnte – das wär´ doch was. Ich denke da an die Schlörmann-Villa in der Bremer Straße. Aber das ist ja sowieso nur ein Traum, denke ich. (trinkt nochmal) Hach, dieses ist schon die 8te Dose heute. Das treibt, sag ich Ihnen… (schlurft mit ihrer Aldi-Tüte ab zum Toilettenhäuschen, Tür zu)

 

5. Szene

Annemarie: (kommt dann zügig und teilweise wieder steif gekleidet von hinten, setzt sich auf den Stamm, nachdem sie diesen kurz begutachtet hat) Ich mache es kurz: Wer auch immer in Klein Wegenau gewollt hat, dass ich hier in dieses Camp einziehen soll – schämen Sie sich! Kommen Sie mal selbst hierher. Das hier ist das kalte Grauen. Ich hab´ in meinem Leben bisher nichts erlebt, was grauenvoller sein kann. Ich habe 3 Nächte schon nicht mehr geschlafen. Wie denn auch, wenn man immer Angst haben muss, dass irgendein widerlicher Vierbeiner mit in der Kammer ist?! Ganz davon abgesehen, dass zwei äußerst freundliche (ironisch betont) „Damen“ in dieser Kaschemme mit mir zusammen hausen. Um es zusammen zu fassen: Mein Leben ist hier gefährdet und ich werde hier gegen meinen Willen festgehalten. Ich hab´ gedacht, das wäre nur ein Spaß, und ich bin hier, weil SIE, die Bürger von Klein Wegenau, es so wollen – aber ich erlebe hier die Hölle. Ich würde zu gerne meinen Anwalt anrufen – aber nein – kein Telefon. Deshalb hier mein Apell an Sie zuhause: Bitte wählen Sie am Ende der eingeblendeten Telefonnummer auf JEDENFALL die 4! Damit ich zumindest finanziell ein bißchen entschädigt werde für diesen Horror-Trip. Also, lassen Sie mich nicht im Stich und rufen Sie für mich an – damit ich belohnt werde für meinen Ärger. Vielen Dank. (steht auf, wendet sich schon ab, dann:) Achja, und wegen meines Auftretens hier am ersten Tag – na ja – als Sie mich hier wahrscheinlich in meiner Leibwäsche gesehen haben – das tut mir leid. Das hab´ ich nicht mit Absicht getan – denn so pietätlos bin ich sicher nicht – das war eine Notsituation – ich hoffe, Sie verstehen das. (ab)

 

6. Szene

Stefan:        (kommt als nächster auf die Bühne. Wie immer recht nervös und zunächst wieder nach Kameras Ausschau haltend, setzt sich dann auch) Wo muss ich hinschauen?

 

Stimme:      (von hinten laut – evtl. über Lautsprecher:) Einfach nach vorn!

 

Stefan:        Gut. – Ja, was soll ich sagen? Ist aufregend hier. Und ich musste bisher noch keine Käfer und Würmer essen. Wir alle hier sind sehr verschieden und streiten uns auch oft. Aber das ist mal eine Abwechslung von meinem Leben als Arzt. – Ach ja; solange meine Praxis geschlossen ist, übernehmen natürlich alle anderen Ärzte in unserer Gemeinde meine Vertretung. Meine Endzahl für Ihren Anruf ist die 5. Vielleicht rufen Sie an für mich. (schaut sich um, immer noch sehr nervös, ruft) Ist das jetzt alles aufgezeichnet worden? War alles gut so?

 

Stimme:      Ja – super – danke. Aber bitte noch ein Wort zum möglichen Gewinn.

 

Stefan:        Ach ja. Ich… äh… ich hab´ da noch finanzielle Verpflichtungen. Weil… nun ja – ich hatte da vor ein paar Jahren große Ausgaben, worüber ich nicht weiter sprechen möchte. Diese Schulden würde ich dann mit dem Geld natürlich erstmal bezahlen. (steht auf, abgehend nach hinten schaut er sich wieder nach überall um, ihm kommt…)

 

7. Szene

Alexander: (…dann von hinten entgegen)

 

Stefan:        Ist gar nicht so schlimm, Herr Bürgermeister. Wenn ich nur wüsste wo die Kameras sind. (ab)

 

Alexander: (kommt langsam, recht betrübt dreinschauend nach vorne, setzt sich dann auf den Baumstamm. Er trägt nun kein Jackett mehr, sondern eine Latzhose oder alte, abgenutzte und auch dreckige Arbeitskleidung, und evtl. das T-Shirt welches alle tragen. Dann blickt er nach vorne, fängt dann nach und nach mehr an zu weinen, hält seine Handflächen kurz vor das Gesicht. Dann:) Entschuldigen Sie vielmals. Meine Tränen drücken nur die Freude aus, dass ich hier sein darf. Lassen Sie mich bitte nicht im Stich und rufen Sie für mich an. Denn von dem Geld, was ich hier gewinnen möchte, profitieren alle Bürger von Klein-Wegenau. Ich verspreche es. Nr. 1 – bitte rufen Sie an. (schnell wieder ab nach hinten)

 

Erna:           (lacht laut aus dem Toilettenhäuschen)

 

8. Szene

Heidi:         (und Norman kommen wieder auf die Bühne) WAS für eine Show.

 

Norman:     Unser Bürgermeister! Waren das wahrhaftig echte Tränen, Heidi?

 

Heidi:         Nun, es sah ganz danach aus.

 

Norman:     Rufen Sie also jetzt an für Ihren Lieblings-Camper.

 

9. Szene

Erna:           (kommt leise lachend wieder aus dem Toilettenhäuschen heraus, wird von Heidi und Norman zunächst noch nicht bemerkt)

 

Heidi:         Und wenn Sie hier irgendjemanden ganz besonders toll finden, dann dürfen Sie natürlich auch ganz besonders oft für ihn oder für sie anrufen. Die Nummern sind nun wieder auf Ihrem Bildschirm zuhause zu sehen.

 

Norman:     (zu Heidi) Bürgermeister Heitfeld sah aber wirklich verzweifelt aus; findest Du nicht auch?

 

Heidi:         Tja, sollten wir ihn zu unserem Wald-Camp-Psychologen schicken?

 

Erna:           (ist jetzt bei den beiden) Diese Memme soll sich nicht so anstellen.

 

Heidi:         (und Norman erschrocken) E r n a ! Wo kommst Du denn her?

 

Erna:           Ich hab´ gepullert. Dieses Häuschen ist wirklich toll dafür gemacht. Sowas hätte ich privat auch gerne.

 

Heidi:         Sie hat gepullert, meine Damen und Herren – sowas aber auch! Hähähä… - Weisst Du: Wenn Du hier als Gewinner rausgehst, Erna – steht einer schönen, großen Sanitäranlage für Dich sicher absolut nichts mehr im Wege.

 

Erna:           Sehr witzig. - Ich geh´ dann mal wieder zu den anderen.

 

Norman:     Nein Erna. Du kannst gleich hierbleiben. Denn wir wollen jetzt direkt mit einem neuen Spiel anfangen.

 

Heidi:         Und deshalb bitten wir nun auch alle anderen Kandidaten wieder hierher. Meine Damen und Herren: Was passiert, weiß keiner genau - im Wald-Camp von Klein Wegenau. (erneute Auftaktmusik)

 

10. Szene

Alle:           (anderen Kandidaten kommen dann nach und nach wieder auf die Bühne, jeder wieder in seiner/ihrer Stimmung, so, wie sie vorhin aufgetreten sind. Alexander hat sich jedoch beruhigt. Einige setzen sich wieder auf die Bänke, manche bleiben stehen. Nachdem die Auftaktmusik verklungen ist…)

 

Heidi:         Ihr Lieben! Fein, Euch alle wieder hier zu haben. Wie geht es Euch?

 

Annemarie: Schlecht! Sehr sehr schlecht!

 

Alexander: Richtig schlecht.

 

Claudia:      Gut! Ganz besonders gut!

 

Norman:     Da hätte ich ja jetzt die Antworten exakt andersrum erwartet. Immerhin hat Claudia gestern die zweite Gruppen-Aufgabe für Euch alle gelöst. Und die hatte es in sich: 30 Minuten lang wurde sie in eine verschlossene Kiste mit 500 Kakerlaken eingesperrt und hat das bestens überstanden.

 

Stefan:        (Christoph, Erna und auch Heidi und Norman klatschen) Und sie hat dafür gesorgt, dass wir ein wunderbares Abendbrot bekommen haben.

 

Christoph:  Mit Pudding als Nachtisch! Und das für jeden von uns.

 

Claudia:      Kein Ding, Leute. Ich hab´ in meinem Leben schon soviele zweibeinige Kakerlaken auf meinem Körper gefühlt – was könnten mir dann 500 von diesen kleinen Viechern antun?!

 

Annemarie: Boah, die Primitivität erreicht hier gerade den Höhepunkt.

 

Claudia:      Stimmt Krügerlein. Wir alle hätten auch DICH lieber in diesem Kakerlaken-Kasten gesehen. Wenn sie Dich nicht gefressen hätten, wärst Du zumindest vor Schreck aus dem Weg geräumt worden.

 

Christoph:  Claudia – zügel bitte Deine Zunge!

 

Claudia:      Ist doch wahr.

 

Annemarie: Herr Kühnapfel – Frau Krause-Winkelmann! Ich lasse mir das hier nicht noch länger gefallen von dieser impertinenten Person!

 

Claudia:      Was hast Du gesagt? Impotente Person? Ich lang´ Dir gleich eine, Krügerlein! Außerdem gibt es Impotenz nur bei Männern; aber woher solltest Du das auch wissen?!

 

Annemarie: Herr Kühnapfel – tun Sie was!

 

Norman:     Norman! Ich bin Norman, Annemarie. Und das ist Heidi. Warum denn plötzlich wieder so förmlich?

 

Annemarie:Warum? Weil ich hier in 4 Tagen raus bin und wir uns dann ganz sicher nicht so schnell wiedersehen, denke und hoffe ich.

 

Heidi:         Zum Glück hat aber noch niemand kapituliert und möchte freiwillig das Camp verlassen.

 

Annemarie: DOCH !!! Ich würde sehr gerne das Camp verlassen! Und ich weiß auch nicht, wielange ich das hier noch aushalte. Es geht mir nur um die Sympathie der Zuschauer, die sie mir entgegenbringen – na ja – und auch ein bißchen um das Geld.

 

Alexander: Ich! Ich will auch raus hier!

 

Erna:           Du baust erstmal meine Hängematte zuende. Vorher läuft gar nichts, verstanden?!

 

Alexander: (kleinlaut) Ja Erna.

 

Claudia:      Boah eh. Klasse, Erna. Den hast Du Dir aber gut erzogen.

 

Norman:     Was ist denn los? Auf einmal halten es 2 Kandidaten hier doch nicht mehr aus?

 

Heidi:         Und dazu sagen wir einfach mal gar nichts! Denn so schnell lassen wir Euch hier nicht gehen. (macht – wie Norman – Platz in der Mitte der Bühne)

 

Alle:           (anderen machen ebenfalls die Sicht nach hinten frei, falls sie dort standen)

 

11. Szene

                   (erneute Auftaktmusik, dann rollen 2 Statisten eine Art „Wagen“ herein. Dieser ist mit einem Tuch abgedeckt, hat die Höhe und Form von einem Grillwagen, ist aber breiter. Unter dem Tuch sind 3 nebeneinander montierte Kästen oder Kartons (je nach Möglichkeiten Ihrer Bühnenbauer), die nur nach vorne – zu den Zuschauern gerichtet – mit Plexiglas, Draht oder starker Folie ausgestattet sind, damit man von dort sehen kann, was sich in den Kästen befindet. An der anderen Seite – die zu den Kandidaten gerichtet ist – sind die Kästen/Kartons mit Stoff oder dünnem Plastik abgedeckt und haben eine Öffnung, aber nur so groß, dass man seine Hand durchstecken, jedoch nicht hineinsehen kann. Die beiden Statisten schieben den Wagen nach vorne, fast an den Bühnenrand. Oben auf dem Wagen steht eine weitere kleine Box – darin 6 Zettel mit den Namen der Kandidaten. Sobald die Statisten die Bühne wieder verlassen haben, verstummt auch die Musik, bzw. wird immer leiser, bevor sie ganz verstummt)

 

12. Szene

Norman:     (und Heidi kommen wieder zur Mitte, stellen sich neben den Wagen) Herzlichen Dank an die Mitarbeiter vom Wald-Camp an dieser Stelle. Unser Spiel heißt: „Trau Dich und fühle es“.

 

Annemarie: Lieber Gott – ich ahne da was!

 

Claudia:      Geil. Die macht sich jetzt schon in die Hose.

 

Stefan:        Trau Dich und fühle es? Was soll das heißen?

 

Heidi:         Unter diesem Tuch befinden sich 3 Kästen. In jedem Kasten ist etwas drin. Für das Spiel brauchen wir diesesmal nicht einen – nein, wir benötigen 3 Kandidaten. Wer das sein wird, entscheidet das Los. (nimmt die Box herunter, zeigt diese)

 

Norman:     Aber das Los ist diesesmal tückisch. Denn der, der gezogen wird, MUSS nicht selbst spielen; er kann entscheiden, wer spielen soll.

 

Alexander: Lieber Gott!

 

Christoph:  Er wird uns hören, Herr Bürgermeister. Da bin ich ganz sicher.

 

Claudia:      Nun bleibt mal locker, Leute. Ist doch alles easy.

 

Annemarie: Ich hab´ noch nie in meinem ganzen Leben irgendwo hineingefasst, wenn ich nicht sehen kann, was da drin ist.

 

Claudia:      Glauben wir Dir, Krügerlein. Ist bei mir ganz anders. Ich hab´ schon sehr oft - vor allem in Männer-Unterhosen – gegriffen, obwohl ich vorher nichts davon gesehen habe. Und ich kann Euch sagen, da waren manchmal Aparate dabei…

 

Norman:     (schnell) Äh… das gehört nun nicht hierher, liebe Claudia. 

 

Alexander: Also – ich kann das nicht – da hineinfassen. Wer weiß denn was da drin ist, in diesen Kästen?!

 

Erna:           Mann eh – Du stellst Dich an wie ein kleines Mädchen. Ich hab´schon 1000de von Mülleimern durchwühlt. Da weiß man auch nie genau was da ganz unten so zu finden ist.

 

Annemarie: Iiiih… ist das ekelig!

 

Heidi:         In dieser Box sind Zettel mit Euren Namen. Und wir wollen nun den ersten Namen ziehen. Und diese Person darf dann entscheiden, ob sie selbst das Spiel spielen möchte, oder ob sie einen anderen dafür bestimmen will. (hält die Box hoch) Norman, darf ich Dich bitten?!

 

Norman:     Nichts lieber als das, Heidi. (greift in die Box, holt einen Zettel heraus, faltet diesen auseinander)

 

Annemarie: Hach, das ist ja nicht auszuhalten.

 

Claudia:      Wahnsinnig spannend – ich bin schon ganz vernarrt in dieses Spiel.

 

Alexander: Mir ist total schlecht. Herr Doktor Dreyer – haben Sie – ich meine – hast Du mal ein gutes Medikament für mich?!

 

Stefan:        Na, aber JETZT doch nicht!

 

Norman:     Liebe Leute – auf dem Zettel steht: (kleine Pause) Claudia!

 

Claudia:      (freut sich sehr) Yes yes yes!

Heidi:         Wir geben Dir jetzt einen Moment Zeit, um darüber nachzudenken, ob Du selber spielen, oder die erste Aufgabe an einen anderen Kandidaten weitergeben möchtest.

 

Claudia:      (macht einen überlegenden und schelmischen Gesichtsausdruck, schaut sich die Kandidaten an)

 

Annemarie: Wage es bloß nicht!

 

Christoph:  Du bist viel besser als wir alle zusammen, Claudia-Kind.

 

Alexander: Wenn ich das für Dich machen soll… Ich bin sowieso schon so gut wie tot.

 

Erna:           Ist okay, wenn ich für Dich ran muss, Claudia. Mich schockt hier nichts mehr.

 

Stefan:        Ich kann das nicht – ich kann das nicht. Bitte quäl´ mich nicht, Claudia. Vor allem machen die vielen Kameras mich ganz wahnsinnig.

 

Norman:     Hähähä… Und wir nutzen diese Zeit um Ihnen zuhause diese wunderbaren Kästen zu zeigen. Und vor allem – was da drin ist. – Heidi – bitte!

 

Heidi:         (entfernt mit einem Ruck das Tuch von den Wagen. Drei nummerierte Kästen werden sichtbar. 1,2 und 3. In Kasten 1 befindet sich ein Haufen Kuhmist. Wenn Sie keinen wirklichen Kuhmist verwenden möchten, welcher eh recht schnell fest wird, zeigen Sie einen ähnlich aussehenden braunen Haufen, den Sie oben bitte mit einer dicken Schicht braunem, weichen Material bestreichen, wie z.B. Mouse á chocolat oder Schokoladen-Pudding. In dem zweiten Kasten befindet sich ein lebendes Tier. Ein Kaninchen oder Meerschweinchen. Und in Kasten 3 eine geschälte Banane. Unter den Kästen hängen Schilder mit der Aufschrift der Inhalte, so, dass es von den Zuschauern gut lesbar ist: „Kuhmist“, „Kaninchen“ und „geschälte Banane“. Des weiteren liegen in jedem Kasten 2 Sterne von ca. 5 – 10 cm Durchmesser aus Pappe oder Plastik. Heidi und Norman schauen sich dann die Kästen von vorne an)

 

Norman:     Oh wie schön. Schau doch nur, Heidi.

 

Annemarie: Ja, was SIE unter „schön“ so verstehen. Da sind bestimmt widerliche Käfer und Schlangen drin – oder irgendwas Glibberiges. Ich möchte drum wetten. Himmel, ich will nach Hause.

 

Heidi:         Schlangen und Käfer sehe ich hier eigentlich nicht, meine Lieben.

 

 

 

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