Lange danach gesucht - auf Ibiza 2012 endlich gefunden
Musiker gesucht

 

 

„Bessen, Beer un Beaujolais“

 

 

 

(niederdeutsche Fassung)

Komödie in 3 Akten

 

von

 

Helmut Schmidt

 

 

Inhalt:

Als der recht vermögende Arzt Rüdiger Bünsen und seine Frau Ann-Kathrin für 14 Tage in den Süden verreisen, bitten Sie Ihre Köchin und Raumpflegerin Anna für diese Zeit in ihr Haus einzuziehen, die sich um den Hund kümmern und auf die wertvollen Antiquitäten acht geben soll. Zum ersten Mal in ihrem Leben erfährt Anna nun, wie es sich anfühlt, sich in einer wohlhabenden Umgebung aufzuhalten. Schnell lädt sie ihre obdachlose Freundin Frieda Kramer zu sich in die Villa ein; und statt Dosenbier wird jetzt ein guter Rotwein probiert. Als Heiner, der Sohn von Rüdiger und Ann-Kathrin, unerwartet von der Uni aus München nach Hause kommt, und Anna in nobler Kleidung vorfindet, denkt er, dass dieses eine Affäre von seinem Vater ist. Rüdiger hat aber heimlich wirklich eine Liebelei – jedoch mit der Nachbarin Gabriela Hansen. Anna hat dieses schon geahnt, spielt aber für den Sohn die Geliebte seines Vaters, für einen Staubsaugervertreter die Dame des Hauses. Als das Ehepaar früher als erwartet aus dem Urlaub zurückkehrt und den Sohn Heiner mit einem Mann im Bett und Anna betrunken in Ann-Kathrins bestem Kleid mit einem Vertreter vorfindet, ist das Chaos fast perfekt. Aber Anna ist es dann, die erreicht, dass bei dem Ehepaar endlich ausgesprochen wird, was längst fällig war…

 

 

 

Spieler: 5m/4w           -       1 Bühnenbild - Wohnzimmer

 

 

Rüdiger Bünsen         -           Arzt (ca. 50 Jahre)

 

Ann-Kathrin Bünsen  -           seine Frau (ca. 45 Jahre)

 

Heiner                         -           beider Sohn (ca. 25 J.)

 

Anna Holtz                 -           Angestellte bei Familie

                                               Bünsen (ca. 50 Jahre)

 

Hubert Hansen           -           Nachbar der Bünsens (ca.

                                               40 – 50 Jahre)

 

Gabriela Hansen         -           seine Frau (ca. 30 Jahre)

 

Frieda Kramer                        -           Freundin von Anna,

Obdachlose (ca. 50-60 J.)

 

Thomas Schnitzler      -           Freund von Heiner (ca. 25

-35 Jahre)

 

Kunibert Immelhausen           - Vertreter (ca. 40 – 60

                                               Jahre)

 

 

 

Spielzeit: Frühling/Sommer in der Gegenwart

Spielort: Größeres Dorf in Deutschland

Spieldauer: ohne Pausen ca. 100 Minuten

 

 

Bühnenbild:

 

Das  Bühnenbild  zeigt  das Wohn-und Esszimmer der Familie

Bünsen. Da diese recht wohlhabend ist, sieht die Einrichtung dementsprechend aus. Tisch, schicke, moderne Polstermöbel (Rundecke, Sofa mit 2 Sesseln oder Kombination 3,2,1), sowie eine kleine Ecke mit weiterem Tisch und Stühlen als Essbereich; eine Vitrine oder Schrank, Regale an den Wänden mit Büchern, hier und da stehen dekorative Gegenstände auf dem Boden und auf dem Schrank; falls ein Fenster im Bühnenbild integriert wird, hübsche Blumen auf der Fensterbank; moderne – außergewöhnliche Gardinen; auf einem weiteren kleinen Schrank das Telefon u. CD-Player. Der Raum sollte insgesamt den Eindruck vermitteln, dass es sich hier um „reiche“ Leute handelt.

Es werden drei Türen benötigt. Nach hinten führt eine zum Flur nach draußen, nach links eine zur Küche und nach rechts eine dritte zu allen anderen Zimmern. (Schlafzimmer, Bad, Gästezimmer)

 

Alle weiteren Ausstattungen (z.B. Uhr an der Wand, Bilder u.a.) sind der Gruppe überlassen.

 

 

 

Erster Akt

 

                  (Ein Wochentag in den Nachmitagsstunden. Wenn der Vorhang sich öffnent, steht Anna im Raum hinten links irgendwo an der Wand in der Nähe eines Schranks und lauscht den Gesprächen aus dem Zimmer von rechts. Die Tür nach rechts ist ganz geöffnet. Sie hat in der einen Hand eine Flasche mit Möbel-politur, in der anderen ein Lappen, trägt Einweg-Handschuhe, reinigt einen Schrank damit. Anna wischt belanglos auf dem Schrank herum, tut so, als würde sie putzen, hat dazu aber gar keine Zeit, weil sie nichts von dem Gesagten verpassen möchte. Ist aber auf der Hut, weil von dort jeden Moment jemand hereinkommen könnte. Sie ist typisch gekleidet wie eine Putzfrau, jedoch nicht zu schlicht. Irgendwo steht auch ein Putzeimer und ein Besen. Es stehen im Raum rechts hinten 3 – 4 große Koffer. Links hinten oder vorne am Bühnenrand steht zusammen-geklappt ein Gästebett an der Wand)

 

1.Szene

Ann-Kathrin:(streng von rechts:) Rüdiger ! Ik kann dat nich off, wenn allns in lesd Minüte geböhren mutt. Na 23 Ehejohren sullst Du dat eenlik weeten.

 

Rüdiger:    (auch von dort:) Ja doch. Ik bün ja futt sowiet.

 

Ann-Kathrin:Dat hest Du vör 10 Minüten ok al seggt. (kommt dann etwas genervt ins Zimmer. Sie hat ein Beauty-Case dabei, stellt es zu den anderen Koffern. Sie ist sehr schick gekleidet, trägt ein Kostüm oder einen modernen Sommermantel, evtl. auch eine eher außergewöhnliche Kopfbedeckung (turban-artige Mütze oder Hut) und eine dunkle Sonnenbrille, Schuhe mit hohen Absätzen, weiße Handschuhe. Sie verhält sich fast übertrieben vornehm. Man sieht ihr den Wohlstand am Outfit an, welcher sich auch in ihrem Charakter eher negativ widerspiegelt)

 

Anna:        (widmet sich sofort wieder intensiv ihrem Polieren, als Ann-Kathrin den Raum betritt.) 

 

Ann-Kathrin:(will schon wieder ab nach rechts, hält dann jedoch an der Tür inne, schaut Anna eine zeitlang zu, nimmt dann die Sonnenbrille ab und steckt sich diese ins Haar, bzw. auf die Mütze, dann:) Fro Holtz ?!

 

Anna:        (schaut dann auf, stellt sich gerade hin, tut so, als wäre sie überrascht) Ja, Fro Bünsen ?

 

Ann-Kathrin:Nich sovöl Druck bi ´t Poleeren van de Anrichte, ja ?!

 

Anna:        Selbstverständlich nich, Fro Bünsen. Disse Regel de ik doch noit vergeeten; Se hebbt mi dat ja al faken genug seggt.

 

Ann-Kathrin:Just wiel Se in dat Oller sünd, wor sück Alzheimer ranslieken kann, segg ik dat gern nochmol, Fro Holtz.

 

Anna:        (stellt sich dumm) Ja ?

 

Ann-Kethrin:Mien Mann is Psychiater un Psychologe, un dat ik Fachärztin för Frauenheilkunde un Allgemeinmedizinerin bün, dat hebbt Se ja seeker noch nich vergeeten, oder ?! Ik weet also, worvan ik prot. Demenz is to ´n Volks-krankheit worden. Güstern was noch allns up Steh – un schwups, spölt vandag dat Gehirn Achterbahn.

 

Anna:        Wenn Se dat seggen, Fro Bünsen.

 

Ann-Kathrin:Wiesen Se mi bitte mol de Lapp.

 

Anna:        (hält diesen hoch)

 

Ann-Kathrin:(macht ein eher angewidertes Gesicht) Holen Se sück bitte een Neijen. Mit dat schitterg Deel könnt Se de Schapp ja blots noch verneelen.

 

Anna:        (vorsichtig) Ja. Ik hebb blots docht, wiel Se lesd Week noch seggt hebben, dat ik sünig wesen sall mit de Putzmittel, dat ik dissen driest nochmol bru...

 

Ann-Kathrin:(fasst sich jeweils mit zwei Fingern rechts und links an die Stirn, schaut nach vorne, lässt sie gar nicht aussprechen) Holen Se sück nu bitte een Neijen !

 

Anna:        (eher laut) Ja. Selbstverständlich, Fro Bünsen. (abgehend nach hinten)

 

Ann-Kathrin:Un bölken Se doch nich so. Ik hebb al Koppseer un bün butendem nich schwerhörig.

 

Anna:        (an der Tür, dreht sich zu Ann-Kathrin um, dann flüsternd) Entschuldigung, Fro Bünsen. (ab)

 

Ann-Kathrin:Wat hebbt Se seggt ? Flüstern Se doch nich so !

 

Anna:        (normale Lautstärke) Entschuldigung.

 

Ann-Kathrin:Ja ja. (ruft nach hinten) Un glieks stahnt Se mi bitte noch een poor Minüten to Verfügung. Wi mutten de Plan för de komend 2 Weeken leider nochmol tosamen dörgahn.

 

Anna:        (ruft laut zurück) Jaa...aa...

 

Ann-Kathrin:(schüttelt genervt den Kopf, dann wieder abgehend nach rechts, barsch:) Rüdiger ! Word dat nochmol wat ? (schließt die Tür, kurze Pause)

 

2. Szene

Anna:        (kommt mit einem neuen Lappen zurück) So, Fro Bünsen - ik nehm dann mol diss... (schaut sich um) Weg is se. (holt dann schnell ein Handy aus ihrer Tasche, drückt eine Nummer, hält sich das Gerät ans Ohr) Frieda ?! Ik bün dat, Anna. De Herrschaften fohren nu futt na d´ Flughafen. Ja – ik denk, so in 20 bit 30 Minüten sünd se verswunden. Kannst Di also al mol langsam up ´n Weg maken. Ja. Ik kann nu nich langer proten. Ik meld mi wedder. Ja, bit dann. (drückt erneut eine Taste, steckt das Handy wieder ein, will sich wieder an die Arbeit machen, als es draußen an der Tür klingelt. Anna wartet zunächst, ob jemand kommt, der die Tür öffnet, zuckt mit den Schultern, geht dann nach hinten, öffnet, man hört einen Hund ein paarmal bellen)

 

3. Szene

Gabriela:    (hat gar nicht gewartet, bis Anna sie herein-gebeten hat, stürmt etwas aufgebracht ins Zimmer. Sie ist eine junge, flotte Frau, schick sommerlich gekleidet, mit kleiner Handtasche unterm Arm, schaut sich um) Sünd se... se sünd doch nich al... (sieht dann die Koffer, erleichtert) Gott sei Dank. Se sünd noch nich weg.

 

Anna:        (noch im Flur:) Freiherr von Gravenreuth – büst Du still ?! - (ist dann wieder in den Raum zurückgekehrt, schließt die Tür) Gooden Dag erstmol, Fro Hansen.

 

Gabriela:    Ochja, natürlik. Gooden Dag, Fro... (überlegt kurz) Wo was nochmol Hör Naam ?

Anna:        Holtz. Anna Holtz. Aver nich so as dat Brett ut Holt – sondern mit „T-Z“; dorup legg ik wert. – Un wat Hör Frag angeiht: Nee, de Herrschaften sünd noch nich weg, as Se an de Kuffers sehn könnt. De Flug geiht um 20:14 Üür van Bremen. Treckt man 90 Minüten off, wiel man ja annerthalf Stünn erde dor wesen sall un dann noch bummelig 1 Stünd Auto-fohrt van hier (schaut auf die Uhr) sull dat Ehepoor sück aver in de nächste half Stünd up de Weg maken; anners word ´t knapp.

 

Gabriela:    Se weeten aver bannig good bescheed. Ik meen - as Putzfro.

 

Anna:        Mien Arbeid hier is ja woll wiet mehr as blots dat Schoonmaken, wenn ik dat mol seggen dürt, Fro Hansen. Ik bün ok de Köchin hier. – Also, wat is denn so wichtig, dat Se hier nu noch upduken ? Muchen Se wat utlehnen ? Eier, Melk, Zucker ? Off bruuken Se wedder mol ´n Rezept ? Hebbt Se dat mit Maag off sück verköhlt ? Off amenne Sörgen mit Hör Dagen ? Dor mutt ik Hör leider enttäuschen. De Herrschaften praktizeeren vandag nich mehr.

 

Gabriela:    Tss... lächerlich un pietätlos. Un ik glöv nich, dat ik Hör de Anlass van mien Besöök hier verkloren mutt. Aver wenn Hör Arbeiden hier mehr sünd as das Putzen un Kooken, as Se so moij seggt hebben, dann much ik nu dorum bitten, Herrn Bünsen to informeeren, dat ik hier bün un heel nödig mit hum proten much. (legt ihre kleine Handtasche irgendwo ab – in einen Sessel, auf dem Schrank o.a., verschrenkt die Arme in die Seite) Un wesen Se man blots nich so vörluut, anners mutt ik Herrn Bünsen dorover Meldung maken, wat Se sück hier erlauben.

 

Anna:        Selbstverständlich, Fro Hansen. Ik hebb verstahn. (ab nach rechts)

 

Gabriela:    (ungeduldig, wartet, geht mit ihren Händen durchs Haar, schaut in ein Bild an der Wand, indem sie sich spiegelt, korrigiert mit ihren Fingern das Make up im Gesicht) 

 

4. Szene

Anna:        (kommt zurück, läßt die Tür offen, stellt sich daneben) Fro Hansen – so as Se dat wünscht hebben, sünd hier de Herrschaften Ann-Kathrin un Rüdiger Bünsen. (verbeugt sich dann wie ein Buttler, macht das aber eher ironisch)

 

Ann-Kathrin:(kommt dann zügig herein, ihr folgt Rüdiger. Rüdiger trägt einen schicken Anzug mit Krawatte u.a.) Gabriela-Schätzchen.  (Ann-Kathrin geht auf Gabriela zu, fasst sie leicht an den Oberarmen, beide begrüßen sich links und rechts mit einem „Luftkuss“ in Wangenhöhe)

 

Gabriela:    Moin, Ann-Kathrin. (geht dann zu Rüdiger, macht bei ihm eine ähnliche Begrüßung) Rüdiger – Hallo.

 

Rüdiger:    Gooden Dag, Gabriela.

 

Anna:        (ist wieder zu ihrem Schrank gegangen, poliert weiter, hört aber gerne zu)

 

Ann-Kathrin:Nehm uns dat bitte nich ovel Gabriela, aver wi mutten uns leider kört faten. För een langen Plausch is leider kien Tied mehr. Eenlik haren wi al weg wesen sullt, wenn Rüdiger nich so herumtrödeln de.

 

Gabriela:    Ik weet, un ik much jo ok gor nich upholen. Hubert un ik hebbt jo ja güstern al een moijen Urlaub wünscht. Dat was een heel wunnerbor Avend. Dat Eeten was een Dröm.

 

Ann-Kathrin:Danke. Tja, ik hebb mi ja ok vööl Meite geven, wat Besünners antobeeden för jo. Un ik hebb disse Arbeid gern up mi nohmen, speziell för jo to koken.

 

Anna:        (räuspert sich laut)

 

Rüdiger:    (muss kurz lachen) Ann-Kathrin, wi sullen nu aver nich unfair wesen, denn uns good Anna hett dat Menü ja woll güstern för uns kokt.

 

An-Kathrin:Un wenn al. Wählt hebb IK dat. - Also, wat föhrt Di to uns, Gabriela ?

Gabriela:    Dat is mi een bietje schaneerelk, aver ik... (stockt dann, schaut zu Anna)

 

Ann-Kathrin:(hat sofort verstanden) Fro Holtz ?!

 

Anna:        Ja, Fro Bünsen ?

 

Ann-Kathrin:(räuspert sich dann ebenso, wie Anna es vorhin tat) Interception ! Five minutes please.

 

Anna:         (versteht) Ja, Fro Bünsen. (legt Lappen und Flasche weg, geht ab nach links)

 

5. Szene

 Rüdiger:    Ann-Kathrin, dat harrst Du Anna ok wat fründelke seggen kunnt.

 

Ann-Kathrin:Dat Woord „Interception“ versteiht se beeter as elk anner, Rüdiger - mien Haas. Angestellte mutten weeten, wo se reageeren mutten, anners danzen se een gau up de Kopp herum. Butendem arbeid Anna erst sied 4 Maant hier, un mien Vertrauens-Quote liggt umstünd man erst bi 70 Prozent. Ik bün immer noch nich seeker, off wi hör uns Huus anvertroen düren för de komende 14 Dag, wenn wi up Mauritius sünd.

 

Rüdiger:     Seeker. Ik find, se is een besünner Perle.

 

Ann-Kathrin:Ok de moijste Perle kann unecht wesen. Man nu is de verkehrt Tied, over disse Fro to debateeren, mien Muus-Steert.

Gabriela:     Ik misch mi ungern in, un wenn wi beid ok faken verscheeden Meenen sünd, mutt ik Di dor recht geven, Ann-Kathrin. Jo Fro Holtz mit „TZ“ hett sück mi tegenover ok nich besünners fründelk – um nich to seggen –unverschamt un vörluut – verholen.

 

Ann-Kathrin:Nich to faten. Hach, ik krieg kein Oog dicht up Mauritius – ik hebb dat al ahnt. – Wat hebb wi uns blots mit disse Fro andohn, mien Hasenpoot ?! (fasst sich wieder mit je zwei Fingern an die Stirn)

 

Rüdiger:     (eher genervt) Nu hör aver up. - Gabriela, wat könnt wi för Di dohn ?

 

Gabriela:    Ik Schussel hebb vörhin erst sehn, dat mien Tabletten nich langen, solang ji weg sünd. Du weest doch, Rüdiger, dit licht Anti-Depressiva-Middel, wat ich alltied noch nehmen sall, wat Du mi empfohlen hest. Kunnst Du mi noch gau een Rezept utstellen? Ik krieg dat in de Apthek anners doch nich. Un Dien Vertretung much ik nich extra dorum upsöken, solang ji in Urlaub sünd.

 

Rüdiger:    Kien Problem. (holt aus einer Schublade o.a. irgendwo im Raum einen Rezeptblock hervor, sowie einen Stift, setzt sich an den Tisch)

 

Ann-Kathrin:Och, Du Arme. Liddst Du denn immer noch an disse Stimmungs-Schwankungen ?

 

Gabriela:    Ja, aver dat word al beeter. (ungeduldig, schaut Rüdiger an, der nun reagieren sollte)

 

Rüdiger:    (schreibt auch noch nicht, schaut beide an, dann:) Ann-Kathrin. Mi fallt just in: Een witt Hemd hebb ik nich inpackt. Sull ik een mitnehmen off is dat nich nödig ?

 

Ann-Kathrin:Aver seeker doch. Du brengst mi noch in ´t Graff. Ohn een witt Hemd kannst Du doch unmögelk de Mahltieden in uns Resort innehmen. Denkst Du denn gor nich an uns Etikette ? - Hach, wenn man nich allns sülmst maakt. Ji entschüldigen mi ?! (ab nach rechts)

 

6. Szene

Rüdiger:    (und Gabriela warten, bis Ann-Kathrin die Tür geschlossen hat, Rüdiger steht dann auf, beide umarmen sich stürmisch, küssen sich „wild“ o.a. – je nach Mut der Spieler) Oh Gabriela !

 

Gabriela:    Rüdiger. Wo sall ik dat bitte utholen ? 14 lang Dagen un Nachten ohn Di !

 

Rüdiger:    Mi geiht dat doch just so, Schatz. Aver wi mutten nu stark wesen.

 

Gabriela:    Röppst Du mi an ? Jeeden Dag ? Dormit ik tomindest Dien Stimm hör ?

 

Rüdiger:    Dat kann ik Di nich beloven. Wi mutten vörsichtig wesen. Dat weest Du doch.

Gabriela:    Ik glöv nich, dat ik dat dörstah. Ik hebb mien Hubert al dat sülfge After-shave köfft, wat Du nimmst, dormit ik in disse Tied tomindest irgendetwat van Di ruken kann. Güstern hett he dat to ´n ersten Mol bruukt. Man an hum ruckt dat nich half so good, as bi Di. (schnuppert genussvoll an seinen Wangen herum)

 

Rüdiger:    (schaut ängstlich zur rechten Tür) Gabriela bitte. Ann-Kathrin kann doch jeeden Moment wedder rinkomen. Wi mutten uns tosamen rieten. (wehrt sie ab)

 

Gabriela:    Ochwat – bit Dien Fro een Hemd binanner leggt hett, dat dürt doch mindestens 10 Minüten.

 

Rüdiger:    Dorum ja. Mögelk, dat se dat alleen gor nich klor kriggt un Anna dorto noch ropen mutt.

 

Gabriela:    Dat is nich Dien ernst, oder ?

 

Rüdiger:    Ik kenn Ann-Kathrin siet 27 Johr. Se is in sückse Saken alltied een bietje – na ja – inschränkt.

 

7. Szene

Ann-Kathrin:(kommt sodann wieder zügig ins Zimmer, lächelt gezwungen, gehr flotten Schrittes nach links, öffnet die Tür, ruft dort hin) Fro Holtz?!

 

Anna:        (kommt von dort herein) Ja, Fro Bünsen ?

Ann-Kathrin:Ik hebb dor just een heel lüttje Problem. Is aver de Prot nich wert. Kommen Se doch bitte eem mit. Dann könnt wi ok futt nochmol de Details beproten.

 

Anna:        Ja, Fro Bünsen.

 

Beide:        (ab nach rechts, Anna grinst Rüdiger und Gabriela zu, weiß längst, was zwischen den beiden „läuft“)

 

8. Szene

Rüdiger:    Süchst Du. Wat hebb ik seggt ?!

 

Gabriela:    (legt ihre Arme um seinen Hals) Ik hol dat so nich mehr langer ut, Rüdiger. Siet Maanten disse Schojeree. Jeeden tweeden Dag sehnt wi uns blots immer in Dien Praxis. Könnt wi uns denn nich beid scheeden laten un dann open mitnanner leven un uns leev hebben ?

 

Rüdiger:    Scheeden laten ? - Wi föhlen wat förnanner un hebben Spaß. Man dat sull doch noit nich mehr worden as ´n Affäre.

 

Gabriela:    (löst sich von ihm, schmollt) Een Affäre bün ik also blots för Di ?!

 

Rüdiger:    Nee nee, so hebb ik dat nich meent. Aver overlegg doch sülmst, Gabby. (sprich Gäbbi) Wi veer sünd good Fründen un ok noch Navers. Ok Dien Mann Hubert is een van mien best Fründen. Kannst Du Di nich vörstellen, wat dat för ´n Katastroph geven deiht, wenn Du un ik uns trennen ? Bitte laat allns so, as dat bitlang was.

 

Gabriela:    Aver ik sehn mi alltied so na Di. Ik kann nich mehr ohn Di leven. (streckt ihren Kopf vor, schließt die Augen, Hände auf dem Rücken, Kussmund) Küss mi. Los – küss mi ! Küss mi so, dat dat för 14 Dag langen deiht.

 

Rüdiger:    (gibt ihr dann einen flüchtigen Kuss auf den Mund, hat sich vorher nochmal zur rechten Tür umgesehen)

 

Gabriela:    Nee – dat laat ik nich dörgahn. Küss mi richtig.

 

Rüdiger:    Gabby – nu wees vernünftig.

 

Gabriela:    Nee – ik will aver nich vernünftig wesen.

 

                  (es klingelt an der Tür, der Hund bellt daraufhin wieder)

 

Rüdiger:    Leev Himmel, well is dat denn nu noch ? (geht nach hinten) Freiherr von Gravenreuth, büst Du still ?! (öffnet dann die Tür)

 

9. Szene

Hubert:      (kommt herein, ihm folgt dann etwas verunsichert Rüdiger, Tür zu. Er ist „normal“ gekleidet, hat ein Handy in der Hand) Gooden Dag, Rüdiger. Sünd ji noch gor nich weg ?

Rüdiger:    (leicht erschrocken) Hubert – sowat. Äh – nee, sünd wi nich – as Du süchst.

 

Gabriela:    (ebenso) Hubert ! Wat maakst Du denn hier ?

 

Hubert:      (zeigt ihr das Handy zunächst, dann hält er eine Handfläche auf die Sprechvorrichtung) Ludmilla Heitmann. Irgendwat mit de Fohrdeenst för hör Dochter hett vandag nich klappt. Se will mit Di proten – up de Steh. Up mien Vörslag, dat Du torüchröpst, is se nich ingahn. (gibt ihr dann das Handy)

 

Gabriela:    (etwas verärgert) Oh Mann eh... de hett mi just noch fehlt. (hält das Handy ans Ohr, freundlich) Gabriela Hansen ? Ludmilla – gooden Dag ok. Wat kann ik för Di dohn ? – Ja ? Och, dat deiht mi aver leed. Wo kunn dat denn blots passeeren ?

 

Hubert:      (deutet an, dass sie besser den Raum verlassen soll während sie das Gespräch führt)

 

Gabriela:    (geht dann nach hinten in den Flur, der Hund bellt ein paarmal.)

 

Rüdiger:    (geht ihr hinterher, ruft nach hinten) Freiherr von Gravenreuth – büst Du still ?! (schließt die Tür, während Gabriela weiter irgendwas ins Handy spricht)

 

10. Szene

Hubert:      Dann geiht dat also glieks los in de Sünn, ja ?!

Rüdiger:    Äh – ja. 14 Stünden fleegen – ik mach gor nich dran denken. Mauritius liggt an ´t anner End van d´ Welt.

 

Hubert:      De lang Flug sall sück woll lohnen. (steht dicht bei Rüdiger)

 

Rüdiger:    Hop wi dat mol.

 

Hubert:      (schnuppert) Nanu, Dien Aftershave is mien aver verdammt ähnlich.

 

Rüdiger:    (eingeschüchtert) Ja ? Sowat aver ok. Is bestimmt Tofall. De ruken vandag ja meestens all gliek.

 

Hubert:      Rüdger – kann ik mol mit Di proten – ik meen – so as Fründ – van Mann to Mann ?

 

Rüdiger:    Seeker doch.

 

Hubert:      Ik will Di ok gor nich lang upholen, ik weet ja, dat ji los willen. Is nu sowieso een schlechten Tiedpunkt, aver...

 

Rüdiger:    Wat hest Du denn up ´t Hart ?

 

Hubert:      Mien Gabriela un ik... weest Du, wi sünd nu sied bold 7 Johr mitnanner verheirad.

 

Rüdiger:    (belustigt) Oh oh, dat verflixte söbente Johr ?

 

Hubert:      Na ja, bitlang was allns best up Steh. Man sied eenig Weeken... (druckst zunächst herum) Um dat kört to maken – ik hebb de Verdacht, dat Gabriela mi bedrügt.

 

Rüdiger:    H u b e r t !!! Wo... wo äh kummst Du denn up sowat ?

 

Hubert:      Viellicht is dat ok blots so ´n Ahnung; aver irgendwat hett sück verannert tüschen uns. Dat Mitnanner-leev-wesen lett na, wenn ik gern mol richtig... na ja, Du weest al... se hett even bannig faken Koppseer un lidd woll an een Art chronische Unlust.

                   

Rüdiger:    Tja... hähähä... wat sall ik dorto seggen ? Viellicht hett dat ja ok wat mit hör lichte Depressionen to dohn.

 

Hubert:      Hhmm... dat glöv ik nich. Dat is aver so moij, dat ik so ´n Fründ as Di hebb un mit Di dorover proten kann. Du un Ann-Kathrin sullen nu erstmol in jo verdeent Urlaub fleegen. Man wenn ji wedder torügg sünd... dürt ik Di dann um wat bidden ?

 

Rüdiger:    Klor doch. Allns wat Du wullt.

 

Hubert:      Du hest doch de Kamers van Dien Praxis hier in ´t Huus. Un as dat Glück dat so will ok noch up d´ rechte Sied rut mit Blick na uns Buten-Döör. Viellicht fehlt Di dorför de Tied, aver wenn dat just so passt, kunnst Du doch mol ut ´t Fenster kieken, wenn Du doran denkst un mol ´n Oog dorup holen, off dor Mannlüüd bi uns rin gahnt un Gabriela besöken, während ik bi de Arbeid bün. – Du kunnst ok dorup achten, wo faken Gabriela ut ´t Huus geiht.

 

Rüdiger:    Hubert, ik sall Dien Fro beschatten ?

 

Hubert:      Kiek eenfach blots mol to ´t Fenster ut – was ja mögelk, dat Du tofällig mol wat süchst. Wenn Du nich mien best Fründ warst, de ik Di ok noit nich um sowat bidden. Man Di kann ik ja 100%tig tröen.

 

Rüdiger:    Jahaha... dat kannst Du woll.

 

Hubert:      (verärgert) Hach, wenn ik mi dat vörstell, dat dor irgend so ´n annern Buck Hand an mien Gabriela leggt, na de kunn mi aver kennen lernen. (schlägt seine Faust in seine Handfläche)

 

Rüdiger:    Ja, dat kann ik good verstahn, Hubert.

 

Hubert:      Ik hebb dor ja dissen Uwe Neugebauer in Verdacht. De Vörsitter van de Sozialgrupp. Elke tweede Dag is Gabriela minnestens een Stünd bi hum, wiel de woll mit sien Arbeid nicht torecht kummt un Gabriela hum mol wedder helpen mutt. Wenn Du DE also sehn sulltst, dat de nu ok tomol ´n Huusbesök bi mien Fro maakt, segg mi dat dann bitte up de Steh, dormit ik hum all Knaken breeken kann.

 

Rüdiger:    Maak ik, maak ik. Kannst Di up mi verlaten, mien Fründ.       

 

Hubert:      Aver maakt ji erstmol Urlaub, dorna sehnt wi wieder. Is aver fein to weeten, dat Du sückse Sörgen nich hest un bi Di un Ann-Kathrin ok na de sülvern Hochtied noch allns best up Steh is. Un – Danke al mol in vörut. (umarmt ihn)

 

Rüdiger:    Maak ik doch gern, Hubert. Wenn ik wat för Di dohn kann – immer doch.

 

11. Szene

Gabriela:    (kommt zurück, hat das Gespräch beendet) Hach, wenn ik nich allns regel, kriegen de mol wedder nix up de Rieg.

 

Hubert:      Aha. Hett Herr Neugebauer wedder Probleme, de he mit Di beproten mutt ?

 

Gabriela:    Nee. Disse Fehler geiht nich up sien Kapp, Hubert. Fro Beening is krank un hett sück nich offmeldt; dorför kann Herr Neugebauer ja nix. Worum fragst Du ?

 

Hubert:      (ironisch) Dorför kann he nix ? Dat grenzt ja bold an een Wunner. (wendet sich ab)

 

Gabriela:    (schaut Rüdiger schweigend fragend an)

Rüdiger:    (zuckt mit den Schultern)

 

12. Szene

Anna:        (kommt mit einem weiteren schweren Koffer von rechts ins Zimmer, ihr folgt Ann-Kathrin, zu Hubert:) Gooden Dag, Herr Hansen. (stellt den Koffer neben den anderen)

 

Hubert:      Dag, Fro Holtz – Hallo Ann-Kathrin.

 

Ann-Kathrin:(geht zu ihm, begrüßt ihn auch mit „Luftküssen“ rechts und links) Hubert ! (schaut dann zu Anna) Na, wat stahnt Se dor herum ?! Dat is allns an Gepäck, wat wi mitnehmen. Se düren dat nu in de Wagen brengen. In de Kufferruum. Hier is de Slödel. (gibt ihr diesen) Aver wehe, de Lack kriggt ok man blots een Schramm...

 

Anna:        Ik bün vörsichtig, Fro Bünsen. (nimmt 2 Koffer, bringt sie nach hinten, geht hinaus. Die Tür nach hinten bleibt geöffnet)

 

Hubert:      Wi holen jo blots up. – Hest Du Dien Rezept, Gabriela ?

 

Gabriela:    Äh...

 

Rüdiger:    Och, heel vergeeten - ik stell Di sofort ut. (geht schnell wieder zum Tisch, schreibt)

 

Ann-Kathrin:Dat hest Du immer noch nich maakt, Sweetheart ?

Rüdiger:    Bün ja nu dorbi, Ann-Kathrin.

 

Hubert:      Na dann verhollt jo good, ji beiden.

 

Ann-Kathrin:Kien Ahnung, off ik mi verhollen kann.

 

Gabriela:    Un kommt gesund torüch – un am besten so gau as mögelk. (schaut Rüdiger wehleidig dabei an)

 

Ann-Kathrin:So gau as mögelk  ? – Jaaa... dat is een gooden Witz, Gabriela. Een Arbeidsdag will un will männigmol nich enden. Un disse 14 Dag up Mauritius söllnt woll as in d´ Flug vergahn. Man kennt dat ja.

 

Gabriela:    Hopentlik.

 

Ann-Kathrin:Bitte ???

 

Gabriela:    (schnell) Hopentlik NICH, wull ik seggen.

 

Anna:        (kommt zurück holt die nächsten Gepäck-stücke nach, einen Koffer und das Beauty-Case)

 

Ann-Kathrin:Mit de Bauty-Case besünners vörsichtig, Fro Holtz. Dor is heel besünners hochwertig Kosmetik in.

 

Anna:        (nimmt das Teil und ein weiteres) Na, dann sall dat ok hochwertig blieven, nich wohr ?! (wieder ab)

Ann-Kathrin:Vörluut is se. Vörluut, driest un frech, disse Person. (schaut auf ihre Uhr)

 

Rüdiger:    Anna hett dat Hart an d´ recht Fleck.

 

Ann-Kathrin:Ochja ? Hest Du se unnersöcht ? Bi mi is se nich in Behandlung. (schaut wieder auf ihre Uhr)

 

Hubert:      Wi gahnt – ji mutten los.

 

Ann-Kathrin:So is dat.

 

Alle:          (vier verabschieden sich jetzt in ihrer bekannten Art mit Worten wie:) Maakt dat good, blievt gesund, vööl Spaß usw.

 

Hubert:      (und Gabriela gehen dann nach hinten, Hubert schon ab, Gabriela bleibt in der Tür nochmal stehen, schaut Rüdiger nochmal an, schluchzt dann laut auf, dann ab. Ihre Handtasche vergisst sie)

 

13. Szene

Ann-Kathrin:Leeve Tied, hett Gabriela hör Probleme denn immer noch nich in ´n Griff ?

 

Rüdiger:    Schient so.

 

Ann-Kathrin:Hest Du sehn, wo se Di ankeeken hett ? Regelrecht unheimlich. - Na dann. Laat uns nochmol allns dör gahn: De Reiseunnerlagen, Reisepass un Utwies ?

Rüdiger:    In mien Binnentaske.

 

Ann-Kathrin:Dien Kontaktlinsen ?

 

Rüdiger:    In d´ Kuffer bi de Medikamenten.

 

Ann-Kathrin:Sünnencreme ?

 

Rüdiger:    Twee Buddels – Lichtschutzfaktor 30.

 

Ann-Kathrin:Is Dien Anrufbeantworter beprot wegen uns Urlaub ?

 

Rüdiger:    (leicht erschrocken) Oh nee, dat hebb ik doch glatt vergeeten.

 

Ann-Kathrin:Ik glöv dat nich. Na dann maak. Zack zack zack. (greift aus einer Schublade einen Schlüssel, etwas süffisant)

 

Rüdiger:    Ja. (zügig abgehend nach hinten)

 

Ann-Kathrin:(ruft ihm hinterher) Hest Du de Slödel van de Praxis ? (hält diesen hoch)

 

Rüdiger:    (kommt zurück) Nee. (sieht das, greift ihr diesen eher grob aus der Hand, wieder ab, stößt dabei fast mit Anna zusammen, die soeben wieder herein kommt.) Hoppla.

 

Ann-Kathrin:Ik segg ja – de Altersdemenz fangt immer erde an. Nu ok al bi mien eegen Mann. Himmel, dor kann ja noch wat up mi dohl kommen in de nächste Johren.

 

14. Szene

Anna:        Och wat; Hör Gatte is doch Psycholge un Psychiater. De sall woll een Medikament finden, wat hum helpt.

 

Ann-Kathrin:Fro Holtz; mit Hör much ik nich dorover proten. Ik hebb man blots een Selbstgespräch föhrt just – un nich mit Hör. NU prot ik mit Hör. Komm wi to Hör Plichten un Upgaven för de kommende twee Weeken.

 

Anna:        As Se meenen, Fro Bünsen.

 

Ann-Kathrin:Un nu hören Se bitte GOOD to. Ik hass dat nämlich, wenn ik allns tweemol seggen mutt. För de Tied, in de mien Gatte un ik in Urlaub sünd, wohnen Se hier in uns Huus, Se geven up uns Anwesen acht un slapen hier ok. Un slapen dont Se DOR (deutet auf die Gäste-liege) up de Liege. In d´ Köken düren Se sück natürlik wat to eeten maken. In all anner Kamers holen Se sück bitte blots solang up, as dat to ´t Putzen nödig deiht. Mörgens, middags un avends gahnt Se immer een Stünd mit Freiherr von Gravenreuth gassi. De Hund kriggt jeeden Dag een Napp vull mit SIEN Futter un frisk Water. Kommen Se blots nich up de Gedank, hum irgend een Leckerli totostoppen, off amenne noch Resten van Hör Middageeten, hören Se ?!

Anna:        Maak ik nich, Fro Bünsen.

 

Ann-Kathrin:Se maken am besten kieneen de Döör open. Un wenn, dann blots de Postlooper, wenn Se mol wat annehmen mutten off dat nich in d´ Kasten passt. (holt nebenbei einen Zettel und zwei Umschläge aus einem Schrank) Se hüten besünners uns Antiquitäten in de grood Salon un maken hier elkeen Dag schoon, un dat SO,  as ik dat gern hebb. - Un hier is een Inkoops-zedel. An de Dag, wenn wi torüch kommen, kopen Se dat bitte in. In disse Umslag sünd 100 Euro. Dat Rest-Geld un de Kassenbon bitte wedder rinleggen. In disse tweed Umslag is Hör Lohn för de nächste 2 Weeken. Dat heet – dat is man blots de Hälfte. De Rest kriegen Se, wenn wi weer dor sünd un ik mit Hör Arbeid tofree bün un allns in best Tostand is.

 

Anna:        Is up Steh, Fro Bünsen.

 

Ann-Kathrin:Bevör Se avends Slapen gahnt, unbedingt de Alarmanlag inschalten. Ik mutt Hör de doch nich nochmol wiesen un vertellen, wo man de scharp stellt ?

 

Anna:        De Bedienunganleitung is in mien Gehirn offspeichert, as dat 1 x 1.

 

Ann-Kathrin:(eher abfällig) Dat Lüttje off dat Grood ?

 

Anna:        Bitte ?      

Ann-Kathrin:Vergeeten Se, wat ik seggt hebb. Ik will man blots hopen, dat Hör Kenntnisse in Mathematik utreichen. Un Se faten nix an, wat Se nich anfaten söllnt. Ok Schappen, Schuvladen un all anner persönliche Dinge sünd tabu för Hör. Un mit de Planten kennen Se sück ja ok ut. Se weeten noch, wat för  Blomen wenher wovöl Water kriegen mutten?

 

Anna:        Selbstverständlich.

 

Ann-Kathrin:Un wenn Se sück waschen, also ik meen, Körperpleeg bedrieven, nehmen Se bitte dat lüttje Bad hier unnern. De beid Badkamers boven betreden Se blots to ´t Schoonmaken, hören Se ?!

 

Anna:        Up jedenfall.

 

Ann-Kathrin:Dat gelt ok för all anner Zimmers. Holen Se sück am besten blots hier up. - Ik denk, dat was dann allns.

 

Anna:        Se könnt sück 100%tig up mi verlaten, Fro Bünsen.

 

Ann-Kathrin:Ik much dat to gern glöven, Fro Holtz.

 

Anna:        Ik sall Hör Huus woll as een Schatz hüten.

 

15. Szene

Rüdiger:    (kommt zurück, reicht seiner Frau die Schlüssel, diese legt sie zurück in eine Schublade) So, dat Band hebb ik beprot. (geht dann wieder zurück in den Flur, holt eine Jacke, legt sich diese über den Arm, kommt zurück, reicht Ann-Kathrin ihre Jacke, schaut auf seine Uhr, klopft darauf, deutet seiner Frau, dass es Zeit wird)

 

Ann-Kathrin:Good. Dann laat uns fohren. - Worum quäl ik mi blots alltied mit disse Gedanken, dat wi irgendwat vergeeten hebben, Rüdiger, mien Haas ?

 

Rüdiger:    Dat is bi Di doch jedesmol so.

 

Anna:        Maken Se sück eenfach nich sovöl Sörgen, Fro Bünsen. Wenn Se würkelk wat vermissen up Mauritius – man kann doch ok seeker dit un dat kopen dor.

 

Ann-Kathrin:Ja ja, proten Se man. Wat weeten Se al ? Na good, dann laat uns fohren. (zu Anna) SE weeten bescheed – un ik verwacht kien Katastrophen, wenn wi torüch sünd.

 

Rüdiger:    Anna sall dat hier woll maken, nich wohr ?! (lächelt ihr zu)

 

Anna:        So is dat, Herr Bünsen.

 

Ann-Kathrin:Hach, ik mutt mi ja noch bi Herrn von Gravenreuth veroffscheeden. Oh Gott, dat Deer lidd doch seeker Höllenqualen, wenn ik nich dor bün. (ab nach hinten. Während der nächsten Szene hört man dann, wie sie sich von dem Hund verabschiedet. „Jooo, mien Tüti, maak dat good, Frauchen is bold weer dor“ usw.)

 

16. Szene

Rüdiger:    Maken Se sück ok eenfach een poor moij Dagen, Fro Holtz. Wenn wi nich dor sünd, word doch so good as nix schmeerig. Se mutten hier also nich al man weg putzen. Wenn Se off un to mol Stoff wischen un de Footboden feideln, langt dat. Wichtig is uns ja eenlik blots, dat Se een Oog up allns hebben.

 

Anna:        Och, dat is aver fründelk van Hör. Ik wünsch Hör un Hör Fro een besünners moijen Urlaub. (reicht ihm die Hand)

 

Rüdiger:    Danke, Fro Holtz.

 

17. Szene

Ann-Kathrin:(kommt zurück) So, wir könnt. (sie und Rüdiger nehmen die letzten Gepäckstücke mit, falls noch welche im Raum stehen, abgehend:) Ik will mich NICH upregen, wenn wi weer dor sünd, Fro Holtz !

 

Rüdiger:    Ann-Kathrin, nu is dat aver good.

 

Anna:        (belustigt) Ja, ik wünsch Hör ok een feinen Urlaub, Fro Bünsen.

 

Rüdiger:    (abgehend) Wiedersehn, Fro Holtz.

Anna:        Wiederseeeehn ! (winkt den beiden neckisch mit einem Staublappen hinterher)

 

Beide:        (ab)

 

18. Szene

Anna:        (wartet einen Moment, läßt sich dann gemütlich in einen Sessel fallen, Beine auf den Tisch) Hahaha... weg sünd se. Is dat geil! (holt aus ihrer Innentasche einen „Flachmann“ hervor, öffnet, trinkt. Dann holt sie das Handy heraus, drückt wieder eine Taste) Frieda ? Du kannst nu jeede „Interception“ vergeeten. Madame un hör Gemahl hebbt dat Schloss just verlaten. Dat hört nu uns för de nächste 14 Dag. Du kannst Di also nu up de Weg hierher maken, wenn Du dat nich al dohn hest. (dann überrascht, steht auf) Du steihst al achter ´t Huus ? Du leeve Tied. Na dann rin mit Di. Ik maak Di open. (geht nach hinten zur Tür, wartet kurz)

 

19.Szene

Frieda:       (kommt herein, sodann gefolgt von Anna. Beide umarmen sich herzlich) Frieda, mien Engelchen – fein, dat Du dor büst. (Frieda ist eine Obdachlose, dementsprechend karg gekleidet und auch eher dreckig. Das Haar zottelig, Strickmütze, schäbiger alter Mantel u.a. Entweder hat sie 4-5 gefüllte Trage-taschen von diversen Supermärkten dabei, oder aber sie kommt mit einem Einkaufs-wagen herein, in dem sich diese Taschen befinden. Sie schaut sich dann um, ist schwer beeindruckt) Mensch, Anna. Hier arbeidst Du? (Frieda ist in ihrer Art etwas zurück-geblieben und nicht besonders gebildet)

 

Anna:        Jaaaaaaaa… is dat nich een Dröm ? Nich, dat ik hier arbeiden do bi disse Lüüd, dat meen ik nich – man dat mi dit Huus för de komend twee Weeken heel alleen hört. Dat is doch mol heel wat anners, as mien 2-Kamer-Wohnung mit 35 qm, nich wohr ?!

 

Frieda:       Och Anna, Du büst würkelk to beneiden. Gott sei Dank is ja noch Sömmer. Ik mach gor nich an de nächste Winter denken. Word seeker wedder bitter för mi, wenn man unner de Jan-Barghuus-Brügg wohnen deiht.

 

Anna:        Just dorover hebb ik nadocht, Frieda. Du büst mien Fründin, un ik will Di helpen, dat Du wedder up de Been kummst.

 

Frieda:       Dat wullt Du för mi dohn ?

 

Anna:        Aver ja. Ik hebb dor ok al ´n Idee. Un för de nächste 14 Dag wohnst Du natürlik hier bi mi in disse wunnerbor Villa. Erstmol leggst Du Di mol ´n Stünn in d´ Badwann un dann kiek wi mol, wat Madame in hör Kleerschapp för Di un mi an moij Kledaasch to beeden hett.

 

Frieda:       Dat is ja nettakrat as in ´t Paradies. Un… un ik dürt hier wohnen een tiedlang – un ok slapen ? Mit een Dack over d´ Kopp ?

 

Anna:        Frieda, Du hest nich blots een Dack over d´ Kopp – Du slöppst in dat breed Dübbelbedd van de Herrschaften. Kumm her, ik wies Di dat heel Huus. Wi fangen boven an. Un dann much ik ok gern mol ´n Kleed för ´n poor 1000 Euro anprobeeren. Madame hett ja seeker nich allns mitnohmen. Dat word een Spass. (hakt sie ein, dann beide abgehend nach hinten)

 

Frieda:       Dat ik dat noch beleven dürt.

 

                  (kurze Pause)

 

20. Szene

                  (der Hund bellt kurz)

 

Heiner:      (schließt die Außentür auf, öffnet vorsichtig die Wohnzimmertür, schaut erst mit dem Kopf herein, ob jemand da ist, kommt dann herein, hat eine große gefüllte Reise-oder Sporttasche dabei, spricht dann in den Flur:) Is woll kieneen dor, Thomas. Komm rin.

 

Thomas:     (kommt auch herein. Auch er hat eine gefüllteTasche dabei) Dann sünd Dien Ollern also al weg in d´ Urlaub ?

 

Heiner:      Dorvan gah ik ut. Was ja ok ´n Malör, wenn wi de noch over d´ Patt lopen wassen. (schaut in die Räume rechts und links) Ja – allns ruhig. Moder hett mi ja an ´t Telefon de Tied nömt, wenher se off-flegen. Also störmfree Bude. (läßt sich in einen Sessel „fallen“)  Sett Di. – Hach, sünd Semesterferien nich dat Moijste, wat dat up de Welt gifft ?!

 

Thomas:     (setzt sich) Oh ja. Aver worum bün ik stikum hier ?

 

Heiner:      Mien Ollern sünd een bietje – na ja – provinziell, seggt man woll – een Doktor-Ehepoor even. As sück rutstellt hett, dat hör Urlaubstermin sück mit mien Ferien oversnieden de, hullen se dat för beeter, dat ik dit Johr in München bliev, off wat later hierher komm, wenn se wedder torüch sünd. 

 

Thomas:     Wiel de leeve Söhn Heiner alleen anners woll wat schmerig maken kunn in dat Huus van Mama un Papa ?!

                   

Heiner:      (muss kurz lachen) Ja, so ähnlich.

 

Thomas:     Un wenn Du dann to d´ Krönung noch een Kommilitone un Fründ mitbrengen deest, dat was dann doch tovöl ?

 

Heiner:      Mien Ollern sünd even so. Aver maak Di kien Gedanken. Se komen erst in 2 Weeken torüch, un wi blieven ja blots 2 Dag bit dat wieder geiht na Börkum. Un bit dorhen könnt wi hier Party maken ohne End. – Wat mi blots wunnert – wieso is Freiherr von Gravenreuth hier un nich in een Hund-Pension ? De mutt doch irgendwell fodern.

 

Thomas:     Viellicht hebbt se een Naverske de Slödel van ´t Huus geven, de sück dann um de Köter kümmert.

 

Heiner:      Nie nich in ´t Leven ! Dor kennst Du mien Moder aver schlecht.

 

Thomas:     Un wo erklärst Du Di dann, dat de Hund hier is ?

 

Heiner:      Ik weet dat nich. (holt sein Handy hervor, sucht darin, drückt eine Taste) Aver dat gefallt mi nich.

 

Thomas:     (deutet auf das Klapp-Bett) Kunn dat Klapp-Bedd dor amenne wat dormit to dohn hebben, dat DOCH irgendwell hier is ?  

 

Heiner:      Mien Ollern laten doch kieneen hier overnachten, wenn se nich dor sünd. Un wenn, dann mutten se al bannig vööl Vertrauen to disse Person hebben. Un so ´n Minsk hett dat noit geeven und gifft dat ok seeker in Tokunft nich.

 

Thomas:     Hhmm… (steht auf, sieht sich um) Man worum stellen de dann so ´n Bedd in d´ Wohnköken up ?

 

Heiner:      (bekommt Anschluss) Frank ? Ik bün dat – Heiner. Ja, ik bün dor. Just ankommen. Na ja, de lang Fohrt van München hett mi woll mood maakt, aver vanavends bün ik wedder fit un wi könnt Party maken. Ja seeker – hier in ´t Huus van mien Ollern. Seggst Du bitte Susi, Gabi, Jochen un de annern van de Clique ok bescheed ?! Danke. Un koop ji bitte in un brengen allns mit ?! Ik hebb dor nu kien Power to. - Na ja – genug Alk, Beer, Wienbrand, Cola un so – un wat to Eeten. Salaten, Brood un sowat. Un een poor geile CD´s. Mien Ollern hebbt doch blots Klassik un so ´n Schiet. Geld krieg ji torüch van mi. Mien Vader steckt mi ja - Gott sei Dank - genug to. Ja super – segg wi tegen 8 ?! Klasse – ik frei mi. Bit vanavends dann. (drückt eine Taste auf dem Handy) So, de Fete is in Arbeit.

 

Thomas:     Un Du büst seeker, dat dat ok up Steh is, wat wi hier vör hebben ?

 

Heiner:      Wenn wi allns wedder schoon maken, bevör wi wedder offhauen, kriegen mien Vader un Moder dorvan doch gor nix mit.

 

Thomas:     Ja good – man wat is mit disse Hund ? Un nu mol ehrlich ? Deest Du ´n Klappbedd in d´ Wohnköken stellen, bevör Du 2 Weeken in ´n Süden flüggst ?

 

Heiner:      Tja… dat gaff dor viellicht een Erklärung för, man dat was doch bannig verrückt.

 

Thomas:     Wat meenst Du ?

 

Heiner:      Nee, vergeet dat – was blots ´n dumm Gedank.

 

Thomas:     Nu segg al.

 

Heiner:      As ik dat lesd Mol hier was – in de Ferien to Wiehnachten – also vör ungefähr 6 Maant – do wull ik wat van mien Vader, bün in sien Behandlungszimmer rin gahn, aver he was nich dor.

 

Thomas:     Un ?

 

Heiner:      Unner sien Schrievdisk hebb ik dann wat funnen. - Een roden Büstenhalter.

 

Thomas:     Ja un ? De sall woll een van sien Patientinnen vergeeten hebben.

 

Heiner:      Thomas ! Mien Vader is Psychiater un Psychologe – bi hum mutt sück kieneen uttrecken. Tomindest nich SO vööl.

 

Thomas:     Ochso… un wenn – also – hest Du al mol doran docht, dat Dien Vader viellicht een Fetisch hett ?

 

Heiner:      Een wat ? - Fetisch ? Wieso ? Wat meenst Du dormit ?

 

Thomas:     Na, dat gifft doch Mannlüüd, de gern mol Frauenklamotten antrecken. Kennst Du hum heel genau ? Viellicht dragt Dien Dad ja gern BH´s.

 

Heiner:      Ik mutt doch bitten. Nee. - Just so minn kummt in Frag, dat Moder hör intimste Waske dor liggen lett.

 

Thomas:     Du glövst also, he hett ´n Geliebte un hett dat mit de domols in dat Behandlungszimmer dreeven ?

 

Heiner:      Wenn Du mi so fragst, ja – ik de mien Vader dat totroden.

 

Thomas:     Cool. Aver wat hett dat mit de Hund to dohn ?

 

Heiner:      Ja even ! Dor slutt sück de Kreis nich. Harr he disse Ollske – wenn wi mol doravan utgahnt, dat dat overhopt een gifft - de Slödel van ´t Huus geven, dann muss doch ok Moder inweiht worden.

 

Thomas:     Un DAT is woll erde unwohrschienelk. Hest Du mol wat to drinken dor ?

Heiner:      Kien Ahnung – bün just erst ankomen hier. Kiek doch mol dor links – dor is de Köken.

 

Thomas:     (geht dahin)

 

Heiner:      Ik gev dann mol Freiherr von Gravenreuth wat to freeten, bevör wi dat Rätsel mit dat Herrchen nich mehr uplösen un dat arm Deer versmachten deiht. (macht die Tür nach hinten auf, dort steht…)

 

21. Szene

Anna:        (…direkt davor. Sie trägt jetzt ein von Ann-Kathrins bestes „außergewöhnliches“ Kleid, schicke Schuhe, hat auch ihre Haare etwas üppiger frisiert, ist evtl. geschminkt. Beide schauen sich aufrecht stehend einen Moment lang äußerst erschrocken an, schreien dann gleichzeitig los) Aaaaaaaaaaaah…

 

Heiner:      (knallt die Tür wieder zu)

 

22.Szene

Thomas:     (kommt zügig erschrocken mit einer Flasche Wasser o.a. wieder von links herein) Du leeve Tied – wat is los ?

 

Heiner:      Dor… dor… (deutet auf die Tür nach hinten) Dor is well. Dor steiht een… een… Person.

 

Thomas:     (noch locker) Ochja ? (geht „cool“ zur Tür, öffnet diese, Anna steht nach wie vor dort, gleiche „Aktion“ wie vorhin mit Heiner, beide:) Aaaaaaaaaaaaah… (knallt die Tür ebenso wieder zu)

 

Anna:        („panisch“ vom Flur) Inbreeker ! Hilfeeeee !

 

Heiner:      (und Thomas schauen sich noch ängstlich, aber dann verwirrt an, ihre Furcht verschwindet dann jedoch rasch, Heiner öffnet dann wieder die Tür) Well sünd Se ?

 

Anna:        (steht immer noch wie versteinert davor, hält sich eine zeitlang die Hände vor das Gesicht, dann:) Dont Se mi nix – dont Se mi bitte nix.

 

Thomas:     Bedohren Se sück. Wi dont Hör nix. („zieht“ sie – leicht am Arm in das Zimmer, die Tür zum Flur bleibt geöffnet)

 

Heiner:      (und Thomas betrachten sie) Well sünd Se bitteschön ? Un wat maken Se hier in dat Huus van mien Ollern ?

 

Anna:        In dat Huus van Hör… (denkt schnell nach) Se… Se sünd…

 

Heiner:      Heiner Bünsen. De Jung van Ann-Kathrin un Rüdiger Bünsen. Un nu bitt ik um Hör Antwort.

 

Anna:        (hat sich jetzt beruhigt) Un dat… (deutet auf Thomas)

 

Heiner:      Dat is mien Fründ. Un Se – Se seggen mi nu up de Steh, well… seggen Se mol, Se dragen ja dat Kleed van mien Moder.

 

Thomas:     Och Du Scheiße. Heiner, Du denkst doch nich in ernst, dat disse Person un Dien Vader… un dat se hier…

 

Heiner:      Ik weet nu gor nich mehr, wat ik noch denken sall.

 

Thomas:     Dat krieg wi gau rut. (dann zu Anna:) Seggen Se mol – dragen Se rood Büstenhalter ?

 

Anna:        Bitte ?

 

Thomas:     Kiek doch mol na, Heiner.

 

Heiner:      Thomas – geiht ´t noch ?! (dann zu Anna:) So, nu passen Se mol up, Fro – well ok immer Se wesen mögen.  Se hebbt nu genau 30 Minüten Tied hier dat Huus to verlaten. Vörher trecken Se aver bitte disse Fummel wedder ut. De Huusdöörslödel geven Se mi in de Hand. Un dann will ik Hör hier nich wedder sehn, hören Se ?!

 

Anna:        (nun ebenso barsch) Un nu passen SE mol up, junger Mann. Ik verswind hier heel seeker nich. Wiel ik nämlich de Updrag hebb, mi hier um dit Huus to kümmern. 24 Stünd an d´ Dag. Un van Gasten hett mi dat Ehepoor Bünsen kien Woord mitdeelt. Dat Se de Söhn sünd, kann ja jeede behaupten. Dat bedütt also, SE verswinden hier in de nächste 30 Minüten mit Hör… Hör… Begleitung, anners roop ik de Polizei.

 

Thomas:     Mann eh, wat is hier eenlik los ? Well sall denn nu gahn ?

 

Heiner:      (zeigt auf Anna) SE !

 

 Anna:       (gleichzeitig auf beide) SE !

 

                  (der Hund bellt laut von hinten)

 

Heiner:      (Thomas und Anna gleichzeitig sprechend und nach hinten schauend) Un DU hol dat Muul !!!

 

Schneller Vorhang

 

Ende des ersten Akts

 

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Zweiter Akt

 

                  (Am nächsten Tag, ca. 9:30 Uhr. Wenn der Vorhang sich öffnet, liegen Heiner und Thomas hintereinander auf dem Gästebett; der Hintere hat seinen Arm um den Vorderen gelegt. Beide tragen nur Hosen und Socken, die Oberkörper sind nackt. Mutige Spieler dürfen auch nur im Slip auf dem Bett liegen. Im Raum liegen überall leere Flaschen, Chipstüten, Teller, Gläser, Bierkisten, sowie die Kleidung der beiden u.a. herum. Die Männer schlafen fest. Das Gästebett steht auf der Bühne vorne links)

 

1.Szene

Anna:        (öffnet vorsichtig die Tür von hinten, kommt dann gefolgt von Frieda herein, indem sie ihr mit den Fingern deutet, dass sie leise sein soll. Anna trägt ein anderes, schickes Kleid von Ann-Kathrin, Frieda trägt einen Bademantel, aber immer noch ihre Strickmütze. Beide sind erschüttert über den Zustand des Raumes, gehen dann nach vorne rechts; erst jetzt sieht Anna die beiden auf dem Gästebett liegen, nachdem Heiner oder Thomas das erste mal laut geschnarcht hat, zeigt erschrocken dorthin) Frieda – nu kiek Di dat hier an !

 

Frieda:       Igitt. De sünd ja half nakend un dann ok noch so eng annanner up dit schmol Bedd. De sünd… de sünd doch woll nich…

 

Anna:        Ik will mi dat erst gor nich vörstellen, wat hier lesd Nacht allns passeert is un wat de sünd.

 

Frieda:       So as sück dat van boven anhört hett, hebbt de ja woll de heel Nacht fiert hier. Un dann disse luute Hotten-Totten-Musik… ik hebb bold kien Oog dichtkreegen. Man wo dat hier nu utsücht – nu is dat richtig gemütlich hier. Güstern was dat so uprühmt un dat de so kolt wirken. So as nu föhl ik mi richtig wohl.

 

Anna:        Och Frieda.

 

Frieda:       Un dat hest Du gor nich wüsst, dat disse beiden hier ok tomol wohnen willen ?

 

Anna:        Nee, worher denn ?! Dissen Heiner hett verlangt, dat ik hier verswinden sull, güstern Avend. Un ik hebb dat sülfge van de beiden verlangt. Un kieneen van uns is gahn. Also 1 to 1. Man de beiden sall ik mi hier woll heel seeker kien 2 Weeken andohn.

 

Frieda:       Meenst Du denn, dat de solang blieven willen? Hach, so ´n Elend hebb ik anners unner de Jan-Barghuus-Brügg nich. Dor is Ruh, dor hett elkeen sien Platz un dat gifft kien Striet. Ik will hier ok nich in d´ Weg wesen, Anna. De beiden weeten doch noch gor nix van mi. Wenn ik also leever wedder gahn sall…

 

Anna:        Frieda ! Dat kummt overhopt nich in Frag. Disse beiden hier wassen afslut nich inplant. Ik weet blots, dat dat een Söhn gifft, de irgendwor studeert. Un dat de Heiner heet. Dat dor is he dann ja woll. Un ik much drum wetten, dat de Herrschaften Bünsen gor nix dorvan weeten, dat de hier sükse… sükse Orgien fiert. Igitt, is dat widerlich. Man dat was dat erst un lesd Mol. (geht wieder zur Tür nach hinten, nimmt Frieda mit, holt dann eine Trillerpfeife hervor) 

 

Frieda:       (an der Tür nach hinten) Meenst Du würkelk, dat de beiden een Poor, also – ik meen – an ´t anner Ufer – also – schwül off so sünd ?

 

Anna:        Frieda – Du süchst doch ok wat ik seh, oder ?! Also frag nich so dumm. Un schwül heet dat ok nich.

 

Frieda:       Mutten wi nu tellerant wesen ? Dat heet ja immer, dat man disse Geschöpfe in uns modern Tied ok leven laten sall.

 

Anna:        Dat heet „tolerant“, Frieda. Tellerrand is wat anners – dor kikt man over weg. Un dat do ik hier heel seeker nich ! Un wat Du dorvan holst is mi egol. Mien Meenung kenn ik – un dat langt. Du geihst nu na boven, nimmst ´n Dusche, putzt Di de Tannen un treckst Di an – ik gah glieks gau mit de Hund na buten, nadem ik de Mannslüüd hier „Gooden Mörgen“ seggt hebb. Un nu gev ik de beiden 3 Minüten um uptostahn – un dann nochmol 10 um hier to verswinden. (pfeift laut in die Pfeife hinein, dann mit Frieda schnell ab nach hinten)

 

2. Szene

Heiner:      (und Thomas werden jetzt langsam wach, aber nicht spontan erschrocken von dem Pfeifen. Heiner kommt hoch, reibt sich die Augen, gähnt, bleibt aber auf dem Bett sitzen) Wat… wat is denn ? – (sieht sich um) Wor… wor bün ik ?

 

Thomas:     (kommt nun auch langsam hoch, hält sich den Kopf, fällt dann von dem Klappbett herunter auf den Boden) Aua. Ooooooh… verdammte Mist - hebb ik ´n Brummschädel.

 

Heiner:      Frag mi mol. (geht es ebenso schlecht)

 

Thomas:     Hä ? (schaut Heiner fragend an) Heiner, wi hebbt hier pennt ? Mitnanner in dit schmol Klappbedd ?

 

Heiner:      Dat frag ik mi ok just. Schient woll so. Ik denk, wi wassen nich mehr in de Laag de Trappen na boven in ´t Slapkamer to gahn.

 

Thomas:     Oh Scheiße. Un – is Koffje klor ?

 

Heiner:      Witzbold. Wenn Du de nich kookt hest, seeker nich.

 

Thomas:     (überlegt) Wi sünd hier in dat Huus van Dien Ollern, richtig ? Un wi haren güstern Party hier, ja ?!

 

Heiner:      Ja, haren wi. Mit de Clique. Wor is mien Hemd ? (steht langsam auf) Boah… (hält sich wieder den Kopf, sucht dann, findet)

 

Thomas:     Wor sünd de denn all bleeven ? Jochen, Gabi… Un wo dat hier utsücht… wassen wi dat ?

 

Heiner:      (zieht sich das Hemd über) Ik weet blots noch, dat Susi irgendwenher een Taxi ropen hett, dorna hebb ik ´n Reet in de Film. (findet Socken und Schuhe, evtl. Hose, zieht das an)

 

Thomas:     (steht auch auf) Harr ik nich ok een T-Shirt off sowat an güstern ?

 

Heiner:      (findet es irgendwo, wirft es ihm zu) Hier, nehm de hier.

 

Thomas:     Danke. (sieht eine Flasche Bier auf dem Tisch stehen, die noch nicht ganz leer ist) Mann, hebb ik ´n Döst. Na, wenn dat al kien Koffje gifft hier… (trinkt das Bier)

 

Heiner:      Du büst echt pervers. Hest Du güstern nich genug hatt ? Un dat an d´ fröhen Mörgen.

                  Scham Di.

 

Thomas:     Fröh Mörgens ? Wieso, wo laat is dat denn ? (zieht sich dann das T-Shirt an)

 

3. Szene

Anna:        (platzt herein) Bold half teihn, mien Herren. (verschrenkt die Arme, bleibt an der Tür stehen)

 

Heiner:      Aaaaaaah…

Thomas:     (steckt mit seinem Kopf noch im T-Shirt, als er es dann herunterzieht und Anna sieht, ebenso) Aaaaaaah… de Fro mit de rood Büstenhalter. Se sünd ok noch hier ?

 

Anna:        Jawoll – ik bün ok noch hier. Just so as Se. Obwohl dat ja nich so plant was, dat Se noch dor sünd un hier dat heel Huus verwüsten.

 

Heiner:      Moment mol. IK harr HÖR seggt, dat Se hier verswinden sullen. Dat is immer noch dat Huus van mien Ollern. - Hebbt Se viellicht sogor slapen hier ?

 

Anna:        Allerdings. Un dat do ik ok vanachts, un mörgen un overmörgen... (zu Heiner:) Hör Vader, junger Mann, hett mi dor utdrücklich um bitt.

 

Heiner:      Dann is dat also doch so, as ik mi dat docht hebb ? Mien Vader un Se…

 

Anna:        Hör Vader Rüdiger Bünsen un ik – wi verstahnt uns wunnerbor !

 

Thomas:     (zieht Heiner ein Stück zur Seite, etwas leiser:) Dat schient echt de neij Schnecke van Dien Dad to wesen.

 

Heiner:      Ik glöv dat ok so langsom. Hett mien Vader tomol ´n Geschmacksverirrung ? Boah eh, wat hett denn bitte disse Fregatte, wat mien Moder nich hett ?

Thomas:     Rood Büstenhalter !

 

Heiner:      Entschüldigen Se mol – weet mien Moder dorvan, dat Se un mien Vader…

 

Anna:        (spielt das Spiel vergnügt mit) Natürlik. Ok Hör Moder is dormit inverstahn, dat ik hier bün.

 

Heiner:      Dat is doch echt krank. In wat för ´n perverse Welt leev wi eenlik ?

 

Anna:        Hör Ollern denken dorover woll bannig modern. Un ik kann för Hör Moder un Vader blots hopen, dat Se ok akzepteeren, wat SE hier so mit Hör (kurze Pause) Partner maken.

 

Heiner:      Wieso Partner ? Wat hebb ik denn… Dat is Thomas – un blots een Fründ… Och, wat mutt ik Hör eenlik verkloren ?! (sucht schnell sein Handy) Weeten Se wat – ik roop nu mien Vader an un frag hum, off dat allns wohr is, wat Se hier van sück geven.

 

Anna:        (holt auch ihr Handy hervor) Dont Se dat. He sall sück woll dorover freien, dat Se anroopen; sück aver ok wunnern, dat Se hier in sien Huus sünd – un nich in München. Un wenn de Leitung wedder free is, roop IK hum an un bericht dann mol, wo sien Wohnkamer nu utsücht.

 

Thomas:     Ja, dorto wassen Se in de Laag – so schätz ik Hör in.

 

Anna:        Se hebbt een good Menschenkenntnis. Vör allem sull Rüdiger weeten, dat Se hier wilde Partys fiern un bold nakend mit een Mann Arm in Arm overnacht hebbt. Van all de anner Spölereen will ik leever gor nich erst proten.

 

Heiner:      Nee nee. Bitte dont Se dat nich. Moder de utrasten un up de Steh een Rückflug buchen.

 

Thomas:     Echt ? Segg mol, wo krass sünd Dien Ollern eenlik drup ?

 

Heiner:      De sünd nu mol so. Moder vör allem.

 

Anna:        Wi kunnen disse Angelegenheit aver ok unner uns regeln. Wi sünd doch al grood, nich wohr?! Wat holen Se van een Deal ?

 

Heiner:      Un de sücht wo ut ?

 

Anna:        (geht zu einem Schrank, holt einen großen Müllbeutel heraus) Se rühmen hier dat Groffste up, ik overnehm dann de restliche Swienkram, de Se anricht hebben un maak allns wedder up Steh. Dorför hol ik mien Mund. Se beid wassen gor nich hier, aver verlaten so gau as mögelk dat Huus. (drückt Heiner den Müllsack in die Hand)

 

Thomas:     Aver wi könnt doch erst mörgen in dat Apartment up Börkum intrecken, Heiner.

 

Heiner:      (ängstlich zu Anna) Dat maak wi so. – Los, Thomas - laat uns uprühmen hier.

 

Thomas:     Oh Mann eh, ik bün noch mööd. Ik bruuk ´n Dusche un ´n ördentlik Fröhstück.

 

Anna:        Dat deiht mi leed – dor kann nix ut worden. Ik gah nu mit Freiherr van Gravenreuth gassi un bün in 15 Minüten torüch. Ik hoop, Se sünd bit dorhen sowiet. (abgehend) Moij, dat wi uns so good verstahnt.

 

4. Szene

Thomas:     (läßt sich in einen Sessel fallen) Harr ik mi doch blots nich up disse Ferien mit Di inlaten.

 

Heiner:      Dat kunn ik ja nu ok nich ahnen, dat sück dat hier so entwickelt. (beginnt damit, ein paar Teile in den Müllsack zu stecken, aber es muss am Schluss noch einiges liegen bleiben)

                  Help mi leever hier uptorühmen. De Tusse is futt wedder dor.

 

Thomas:     (hilft ihm aber nicht) Ja doch. - Un wo nömt Dien Vader dat, wat hier in dit Huus offgeiht? De Entwicklung van een glücklichen Dreier-Beziehung in de modern Psychologie ?!

 

Heiner:      Verstahn kann ik dat ok nich. Also, wenn mien Dad frömdgeiht, dann harr ik doch tomindest een jung, flotte Fro verwacht, un nich disse Person hier. De maakt up mi erde so `n Indruck, as was se hier de Putzfro off sowat.

 

Thomas:     Hebbt Dien Ollern denn kien Putzfro ?

 

Heiner:      Kört vör Wiehnachten hett Moder woll een rutsmeeten.

 

Thomas:     Toll. Un vandag smitt de Geliebte van Dien Vader uns hier rut. Wo sück doch allns neij entwickeln kann. (trinkt)

 

Heiner:      Un wenn all dree mit disser Liebelei inverstahn sünd… also, dat söllnt mien Ollern mi mol verkloren, wenn wi in 12 Dag up de Rückweg wedder hier sünd. 

 

                  (es klingelt an der Tür)

 

Thomas:     Well kann dat denn wesen ?

 

Heiner:      Is disse Fregatte al rut mit de Hund ? (schaut nach hinten raus) Is se woll. – Un nu ?

 

Thomas:     Wi maken nich open. Eenlik sünd wi ja al gor nich mehr hier. (trinkt)

                 

                  (es klingelt erneut oft)

 

Heiner:      Viellicht de Post ? Off de Tusse hett de Slödel vergeeten ? (geht dann hin, öffnet die Tür)

 

Thomas:     Is mi egol. BLOTS kien neij Katastrophen !

 

 

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