Lange danach gesucht - auf Ibiza 2012 endlich gefunden
Musiker gesucht

 

 

„80 Kühe – und kein Bauer“

 

oder "Vier Hände für ein Euter - 2. Teil"

 

 

 

 

Komödie in 3 Akten

 

von

 

Helmut Schmidt

 

 

(hochdeutsche Fassung)

 

 

 

 

 

 

 

 

Inhalt:

Nachdem   die   Kandidaten  mit  ihren  Bewerbern   die "Hofwoche" der beliebten TV-Serie "Vier Hände für ein Euter"  fast  beendet haben, zieht  die  Moderatorin Vera Westermann  mit  einer neuen Folge  Bilanz, was  bisher aus den Pärchen geworden ist. Als erstes sucht sie die resolute Bäuerin Regine Kowalski auf, die jedoch soeben ihren Freund Roland vom Hof gejagt hat. Regine ahnt nicht, dass aus Kostengründen des Fernsehsenders für einige Tage ein weiteres Paar in ihr Haus einziehen wird, und ist darüber zunächst - wie ihre Mutter Brunhilde - entsetzt. Regine und Roland werden dann sogar von dem Fernsehsender "gekauft",  um den TV-Zuschauern die treuen Bauern und das verliebte Paar vorzuspielen. Brunhildes letzte Hoffnung, ihre Tochter doch noch an den Mann zu bringen, scheint endgültig gescheitert zu sein. Als sie aber merken, dass die polnische Bäuerin Justyna und ihr Bewerber Olli aus Berlin sich auch nur vor der Fernsehkamera gut verstehen, wittern Mutter und Tochter ihre Chance. Bei dem Kameramann Matthias, seinem Freund Focko und dessen Mutter Marga gibt es den ersten Konflikt; und der neue Mitarbeiter des Kabel 3-Teams Günter verdreht gleich drei Frauen den Kopf. Vera Westermann hat wieder alle Hände voll zu tun, damit eine akzeptable Fernsehsendung gedreht werden kann. Das Chaos auf dem Kowalski-Hof erreicht den Höhepunkt mit Intrigen, Eifersucht und Mordanschlägen. Zum Schluss passiert jedoch das, was es noch in keiner Folge von "Vier Hände für ein Euter" gegeben hat - es wird geheiratet...     

 

 

 

Spieler: 5m/5w           -           1 Bühnenbild - Wohnküche

 

 

Vera Westermann       -           Moderatorin (ca. 30-50 J.)

 

Regine Kowalski        -           ledige Bäuerin (ca. 35 J.)

 

Brunhilde Kowalski   -           Regines Mutter (ca. 55 J.)

 

Justyna Iwanczyk       -           Kandidatin (25-30 Jahre)

 

Olli Krüger                 -           Kandidat (25-40 J.)

 

Matthias Henning       -           Kameramann (30-40 Jahre)

 

Roland Täuber            -           ehem. Freund von Regine (ca. 40 Jahre)

 

Focko Hinrichs           -           Landwirt, Partner von Matthias (ca. 35 Jahre)

 

Marga Hinrichs           -           Fockos Mutter (55-60 J.)

 

Günter Schöneberger -           neuer Mitarbeiter bei Kabel 3 (ca. 60 Jahre)

 

Spielzeit: Mai in der Gegenwart

 

Spielort:  Dorf in Deutschland (in dem Stück wird als Ort Klein Wegenau angegeben). Dieser darf gerne verändert werden. Sie dürfen auch einen realen Ortsnamen verwenden, in dem noch Landwirtschaft betrieben wird, oder Ihren eigenen Spielort.

 

Spieldauer: ohne Pausen ca. 100 Minuten

 

 

Bühnenbild:

Das Bühnenbild zeigt die Wohnküche der Familie Kowalski. Tisch mit Stühlen oder Sofa,

evtl. Eckbank; Schrank, Regale usw. Es ist hübsch und modern eingerichtet. An der hinteren

Wand ein Fenster. An einer Wand muss eine große Uhr hängen, sowie ein großes, gemaltes

Bild. Eine Tür nach hinten führt zum Flur nach draußen; eine zweite rechts zur Küche, und

eine dritte links zum Bad und zu den Schlafräumen und Gästezimmern. Irgendwo ein Telefon

und ein CD-Recorder.

 

Alle weiteren Ausstattungen bleiben den Spielern überlassen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Erster Akt

 

                 (Wenn der Vorhang sich öffnet, steht Brunhilde hilflos und erschrocken an der hinteren Wand und sieht dem Geschehen mit den Händen an den Wangen entsetzt zu. Sie trägt recht schicke Kleidung. Die Türen nach links und nach hinten sind weit geöffnet. Es ist ein Donnerstag in den Nachmittagsstunden)

 

1. Szene

Roland:      (kommt fluchtartig von links, "rennt" zur Tür nach hinten hinaus in Unterhose)

 

Regine:       (kommt sodann in Latzhose, kariertem Hemd und mit Gummi-Schuhen wütend von links hinterher mit einigen Kleidungsstücken - Hosen, Unterwäsche u.a. - rennt nach hinten, wirft diese zornig hinaus, bzw. Roland hinterher. Laut:) Und Deine dreckigen Unterhosen kannst Du in Zukunft auch wieder selber waschen, Du mieser Lügner. (wieder zügig zornig ab nach links - Regine ist in ihrer Art sehr burschikos und eher maskulin)

 

Roland:      (von hinten) Eh Mann... so lass Dir doch alles erklären.

 

Brunhilde:  (kommt vor, steht nun genau mittig zwischen der Tür nach links und der Außentür) Regine, nun beruhige Dich doch. Vielleicht ist das alles auch nur ein Missverständnis.

 

Regine:       (reagiert darauf gar nicht, kommt erneut wütend zügig von links, dieses Mal hat sie einen leeren Koffer dabei, rennt ihre Mutter dabei fast um, geht wieder nach hinten, wirft auch diesen hinaus)

 

Roland:      (der sich schon wieder herein trauen wollte, flüchtet wieder schnell, dann, nachdem Regine geworfen hat:) Aua!

 

Brunhilde:  (torkelt hin und her, fällt fast um) Aua! (reibt sich die Schulter)

 

Regine:       Geh dahin, wo der Curry wächst. (wieder zurück nach links) 

 

Brunhilde: (ruft ihr hinterher) Pfeffer, Kind. Es heißt Pfeffer.

 

Regine:       (kommt ein weiteres Mal zurück, hat ein Lebkuchenherz dabei, wirft auch dieses nach draußen) Und das Ding kannst Du selber essen. Erstick dran! (dann kommt sie wieder in den Raum, knallt die Tür nach hinten zu)

 

Brunhilde:  (geht zu ihr, versucht sie zu trösten) Ach Regine.

 

Regine:       (wütend, böser Blick, verschreckt die Arme) Ja was?

 

Brunhilde: Es tut mir so leid. (legt den Arm um sie)

 

Regine:       Ach, lass mich. (wehrt ihre Mutter ab)

 

Brunhilde: Du darfst gerne Deine Traurigkeit zeigen, Regine. Wenn Du weinen möchtest, dann tu es einfach.

 

Regine:       Ja, soweit kommt es noch, dass Du MICH heulen siehst. Wir vergessen einfach die letzten 3 Tage und vor allem - diesen Trottel. ROLAND Täuber - wer heißt denn auch schon Roland? Da konnte ja nix Gutes bei rauskommen. Ein richtiger Kerl war das eh nicht, dieser Schlappschwanz. - Und jetzt werd ich mich an die Arbeit machen. Immerhin haben wir 80 Milchkühe zu versorgen. Die haben schon lange genug gelitten durch dieses sinnlose Liebes-Gesülze. Kommt doch eh nix bei raus. Siehst Du doch jetzt. (will schon ab nach draußen)

 

Brunhilde: Kind, tu mir das bitte nicht an. Vera Westermann und das Kabel 3-Team sind doch wieder auf dem Weg hierher. Die haben vorhin angerufen. Sie haben gestern wohl im Osten gedreht und heute geht es hier weiter. Das weißt Du doch.

 

Regine:       Na super. Dann richte der netten Moderatorin Westermann bitte aus, dass ich ab sofort nicht mehr zu sprechen bin und dass sich das mit dem zukünftigen Super-Bauern Roland Täuber hier endgültig erledigt hat.

 

Brunhilde:  Das kann ich doch nicht machen. Wie stehen  wir denn da im Fernsehen? Die senden das doch.

 

Regine:       Na, sollen sie doch. War doch eh Deine Idee, mir mit diesem TV-Blödsinn einen Kerl zu suchen. Und was ist dabei heraus gekommen? Der Typ erzählt mir plötzlich, dass er schon verlobt ist, und diesen Kram nur mitgemacht hat, weil er mal ins Fernsehen wollte und dafür 800 Euro bekommen hat.

 

Brunhilde:  Ja, wenn es so ist, dann ist das eine Schande. Aber wenn wir das dieser Frau Westermann erzählen, das... das ist doch eine Tragödie. Alle werden über uns reden. Hätte dieser blöde Kerl doch nur einen Tag länger gewartet mit seiner Botschaft.

 

Regine:       Na toll. Dann hätten wir vor der Kamera allen die schöne heile Welt vorgespielt und ich hätt´ ihn morgen rausgeworfen.

 

Brunhilde:  Hhmm... Was sollen wir denn jetzt machen?

 

Regine:       Dir wird schon was einfallen, Mutter. Ich muss mich jetzt um den Hof kümmern. Aber vorher schau ich nach, ob nicht doch noch irgendetwas von diesem... diesem...

 

Brunhilde:  Roland, Kind. Er hieß Roland.

 

Regine:       ...von diesem Scheiß-Roland hier im Haus ist. (wütend ab nach links)

 

2. Szene

Brunhilde:  (geht schnell nach hinten ab, Tür bleibt offen, ruft laut hinaus) Roland?! Bist Du noch hier? Willst Du MIR denn nicht zumindest alles erklären? ROLAND? (von hinten hört man ein Motorengeräusch herannahen, Brunhilde kommt aufgebracht zurück, schließt schnell die Tür) Ach, Du liebe Zeit. Da sind sie schon wieder. Und ich bin überhaupt nicht vorbereitet auf eine solche Katastrophe. Was mach ich nur? Was mach ich denn jetzt nur? (läuft einen Moment unsinnig im Raum herum, dann klopft es auch schon an der Tür. Brunhilde holt tief Luft, stellt sich vor die Tür) Ja bitte?!

3. Szene

Matthias:    (öffnet die Tür, er hat eine Kamera und ein Stativ dabei, sowie eine Tasche, ist freundlich) Hallo Frau Kowalski. Da sind wir wieder! (stellt die Sachen kurz an einer Wand ab, um Brunhilde kurz zu begrüßen)

 

Brunhilde:  (ebenso nett) Herr Henning. Guten Tag. (reicht ihm die Hand) Wir hatten Montag ja noch gar keine Gelegenheit, uns ein bisschen zu unterhalten. Alles drehte sich nur um Roland und Regine.

 

Matthias:    DAS sind ja auch dieses Mal die Hauptpersonen dieser TV-Serie.

 

Brunhilde:  (kleinlaut) Ja, so ist das wohl. - (dann) Äh, wie war es denn in der Lausitz?

 

Matthias:    Unglaublich. Bauer Richard und seine Beate wollen ernsthaft heiraten. Das hat richtig eingeschlagen bei den beiden. Und das nach nur EINER Woche.

 

Brunhilde:  Oh wie schön.

 

Matthias:    Und auch die Lausitz selbst war wunderbar. Dennoch bin ich aber lieber hier in Klein-Wegenau. Sie wissen ja - dieser Ort hat mir persönlich sehr viel Glück gebracht vor ein paar Monaten. Und ich fange an, hier endlich richtig anzukommen.

 

Brunhilde:  Ja ja, ich erinnere mich. Wer könnte denn vergessen, dass Sie hier vor einigen Monaten bei unserem Nachbarn gedreht haben, um Focko Hinrichs an eine Frau zu bringen...

 

Matthias:    ...und der liebe Focko sich am Schluss der Sendung dann für MICH entschieden hat?! Tja, so war das.

 

Brunhilde:  Und Millionen Menschen an den Fernsehgeräten wurden Zeuge dieser gleichgeschlechtlichen Bindung. Ja, das war wirklich mutig. - Wer hätte das denn auch gedacht, dass unser Nachbar Focko vom anderen Ufer... also ich meine - ach Gott, nun ja - Sie ja auch. (schnell) Da... äh... ist in dieser modernen Zeit aber ja auch gar nichts gegen zu sagen, nicht?!  

 

Matthias:    (etwas direkt) Ja, das sehe ich auch so.

 

Brunhilde:  Fockos Mutter erzählte, dass Sie nun bald hierher ziehen wollen?

 

Matthias:    (glücklich) Frau Kowalski - dieses ist meine letzte Sendung bei Kabel 3. Ich bin fairerweise solange geblieben, bis sich ein neuer Kameramann gefunden hat - deshalb ging es nicht schneller. Aber in zwei Wochen werde ich hierher auf den Hof zu meinem Focko ziehen. Und Sie und ich werden dann wohl Nachbarn. Ist das nicht herrlich?!

 

Brunhilde:  Ja, herrlich, Matthias. Freut mich sehr, dass zumindest Sie glücklich sind.

 

Matthias:    Na, bei Ihrer Tochter Regine hat das Glück doch auch zugeschlagen. Das, was wir am Montag gedreht haben mit Roland und ihr war doch sehr schön. Die beiden sind doch noch im 7. Himmel, oder?

Brunhilde:  Im 7. Himmel? (zaghaft) Äh... jaa.. also... kann man so sagen. (schnell) Und - Frau Westermann? Die ist doch auch wieder mitgekommen?

 

Matthias:    Was für eine Frage. Ohne Vera läuft doch nichts bei unserer Sendung "Vier Hände für ein Euter". Vor allem wenn die Hofwochen dem Ende zugehen. Sie und die anderen kommen sicher gleich.

 

Brunhilde:  (versteht nicht) Die Anderen? Welche Anderen?

 

Matthias:    (dann zaghaft) Ja, es sind da noch... ich denke, dass wird Vera Ihnen besser selbst erklären. (fängt an, Stativ aufzubauen, die Kamera zu montieren, Mikrophon aus der Tasche zu holen - links oder rechts am Bühnenrand)

 

Brunhilde:  Aha.

 

4. Szene

Vera:          (kommt zügig von hinten herein. Sie ist "aufgedreht" wie sie es immer ist, trägt bunte, recht schrille Kleidung, hat eine große Handtasche überm Arm, Sonnenbrille im Haar) Juhu... Frau Kowalski- wir sind zurück. Ach, ist das feini wieder hier zu sein. (geht auf sie zu, umarmt sie, gibt ihr links und rechts "Luftküsse") Bussi Bussi.

 

Brunhilde:  (überrumpelt) Ja, freut mich sehr, Frau Westermann.

 

Vera:          Sie wollen wissen, wie es im Osten war? In der Lausitz war es schön. Wirklich! - Aber diesen Ort hier liebe ich. Und wissen Sie auch warum: Hier brennen die Leute immer so einen wunderbaren Schnaps, nicht wahr?! Ich erinnere mich an diesen grandiosen Fusel von Ihrer Nachbarin.

 

Brunhilde:  Ja, Marga Hinrichs investiert immer viel Zeit in ihren Aufgesetzten. Aber damit kann ich leider nicht dienen. Das hatte ich Ihnen doch vor ein paar Tagen schon gesagt.   

 

Vera:          (etwas enttäuscht) Achja? - Na ja. Gekauftes aus dem Supermarkt tut´s ja zur Not auch, nicht?! Hähähä... (zu Matthias) Schwuli - Du bereitest wieder alles vor, damit es gleich weitergehen kann, ja?! Wir wollen keine Zeit verlieren. Ich möchte gleich mit dem Opening anfangen.

 

Matthias:    Selbstverständlich. Wir können gleich starten. (kurze Pause) Alki!  

 

Vera:          (empört) Ich fasse es ja wohl nicht! Alki?

 

Brunhilde:  "Schwuli" war aber auch nicht besonders nett.

 

Vera:          Ja ja, regt Euch ab.

 

Matthias:    Also?

 

Vera:          ES TUT MIR LEID! ENTSCHULDIGUNG!

 

Matthias:    Na gut. Angenommen.

Vera:          Nun sei doch nicht immer gleich angepisst. Du kennst mich doch. Ich bin eben so.

 

Matthias:    Sei froh, dass ich das alles so lange geduldet hab. Wer weiß, wie mein Nachfolger drauf ist?

 

Vera:          Den bieg ich mir schon zurecht. Der kommt übrigens hierher. Du musst ihn noch ordentlich einarbeiten.

 

Matthias:    Nichts lieber als das. - Äh, Vera, vielleicht solltest Du Frau Kowalski aber erstmal darüber aufklären, dass hier noch...

 

Vera:          (schnell) Alles zu seiner Zeit, Liebchen. - Frau Kowalski, jetzt verraten Sie uns aber doch erstmal, wo sich gerade das junge Glück dieses Hofes aufhält. Ihre wunderbare Tochter Regine und ihr Herzblatt - äh - wie heißt er auch noch gleich? (holt aus ihrer Tasche Unterlagen heraus, blättert "wild" darin) Bei den ganzen Kandidaten und Bewerberinnen komme ich gar nicht mehr klar. Wie hieß er denn noch?

 

Brunhilde:  (und Matthias gleichzeitig leicht gelangweilt:) Roland Täuber!

 

Vera:          Hach, ihr seid mir zwei Aufmerksame. (legt die Unterlagen auf den Tisch) Richtig. Die rustikale Regine und der raubeinige Rinderzüchter Roland. (lacht) Hähähä...

 

Brunhilde:  (und Matthias schauen sie nur entsetzt an)

 

Vera:          Das war doch nur ein kleiner Scherz, Leutchen. Spaß muss doch sein, nicht?!

 

Brunhilde:  Natürlich, Frau Westermann. - Aber wissen Sie, ich muss Ihnen da etwas sagen.

 

Vera:          Nur zu. Tante Vera ist wie immer ganz Ohr. Sind die beiden noch im Schlafgemach, wollen jetzt nicht gestört werden, weil sie schon kleine Bäuerchen machen?

 

Brunhilde:  W a s ?

 

Vera:          (lacht sich über sich selbst fast "schlapp") Kleine Bäuerchen machen - ist das nicht irre komisch?!

 

Brunhilde:  (lacht nicht) Ja, sehr lustig.

 

Matthias:    Oh nein - ich ahne da schon was.

 

Brunhilde:  Es wäre mir auch lieber, wenn Regine und Roland jetzt zusammen wären.

 

Vera:          (hat sich beruhigt) Aber?

 

Brunhilde:  Frau Westermann, es ist leider aus zwischen den beiden. (schnell) Aber ich möchte auf gar keinen Fall, dass das im Fernsehen gezeigt wird.

 

Vera:          (enttäuscht, aber gelassen) Es ist AUS mit den beiden - na toll. Gott, bin ich froh, dass ich mit dem Rauchen aufgehört hab´. ´ne Zigarette könnt´ ich jetzt gaaaar nicht vertragen.

 

Brunhilde:  Es tut mir so leid, und ich hätte mir das auch alles ganz anders gedacht. Vor allem, weil doch vor 3 Tagen noch alles so rosarot schien. Was machen wir denn nun?

 

Vera:          (wieder fröhlich) Was wir nun machen? Wir drehen wieder eine wunderbare Sendung von "Vier Hände für ein Euter"; was denn sonst?!

 

Brunhilde:  Und was wollen Sie drehen? Roland ist weg. Regine hat ihn hinausgeworfen. Das ging hier richtig laut zur Sache. Ist auch erst 10 Minuten her.

 

Vera:          Ach, dass lassen Sie mal alles die Sorge von Tante Vera sein. (streng) Matthias - Handy! Verbindung zum Chef!

 

Matthias:    Ja. (holt schnell ein Handy hervor, tippt ein paar Tasten, gibt es ihr dann)

 

Brunhilde:  (schaut erstaunt)

 

Vera:          Ich verleg das Ding öfter als Matthias. Da haben wir uns auf diese Regelung geeinigt.

 

Brunhilde:  Ahja.

 

Vera:          (hält das Handy ans Ohr, wartet, dann zu Brunhilde:) Irgendetwas Flüssiges wäre jetzt perfekt für meine Nerven, Frau Kowalski. Und - ein paar Prozente darf das auch gerne haben. Hähähä...

 

Brunhilde:  Ja, das ist bekannt. Sicher. Bin sofort zurück. (ab nach rechts)

 

5. Szene

Matthias:    Vera; Du weißt doch, dass Alkohol...

 

Vera:          KEIN Wort! Ich will nichts hören! (bekommt dann Anschluss, überfreundlich) Herr Ritter? Vera hier. Ja, wir sind soeben zurück in Klein-Wegenau. Das Wetter? Wunderbar. Wir können sicher viele Szenen draußen aufzeichnen. Die Lausitz ist abgedreht soweit. Wir sollten über eine Sondersendung nachdenken mit der Hochzeit von Richard und Beate. Ja wirklich. Aber weshalb ich anrufe. Unser übliches Problem ist aufgetaucht hier. Nr. 99. Regine Kowalski die Kandidatin. Zuerst hieß es "ja", 3 Tage Liebe - jetzt ist er - Bewerber – Name: Roland - nicht mehr aktuell. - Ja, wie viel? Die übliche Summe und bei extremer Widerspenstigkeit nochmal das Gleiche obendrauf? Okay. Ich tu mein Bestes. Und bei Regine mit der Hälfte anfangen. Danke Herr Ritter. Ich melde mich wieder. (drückt eine Taste, gibt Matthias das Handy zurück, zu ihm) Das wird teuer diesmal.

 

Matthias:    Wenn sich denn alle auch kaufen lassen. Aber wir haben mit den Drehorten viel gespart. Das heißt, WENN Frau Kowalski und ihre Tochter einverstanden sind, dass sie hier plötzlich für ´ne ganze Woche noch 2 Gäste im Haus haben.

Vera:          Natürlich sind sie damit einverstanden. Das wird ein Kinderspiel. Lass mich nur machen.

 

Matthias:    Vera Westermann und ihr Optimismus.

 

Vera:          Ja, und DER ist perfekt gemischt mit meinem Selbstbewusstsein und meiner Führungsposition. Und dieses sagt mir gerade, dass DU, Matthias, jetzt die Requisiten aus dem Wagen holst, und vorher rufst Du den guten Roland Täuber an. Du erzählst ihm die üblichen Konditionen und sagst, er muss so schnell wie möglich wieder hierher kommen. Die Nummer von ihm ist gespeichert. Los - zack zack!

 

Matthias:    (leicht genervt) Ja - mach ich. (ab, sodann...)

 

6. Szene

Justyna:      (...kommt gefolgt von Olli von hinten herein. Beide ziehen Koffer auf Rollen hinter sich her. Justyna ist normal gekleidet; evtl. ein wenig typisch polnisch mit Pullover, Rock und Stiefel; Olli trägt Jeans, kariertes Hemd oder T-Shirt. Beide machen beim Hereinkommen eher unglückliche Gesichter. Olli spricht in dieser Komödie fortwährend mit einem Berliner Akzent, Justyna ist Polin und verdreht die Worte im Satz und spricht sie auch mit einem polnischen Akzent aus. "rollendes" R, "scharfes" CH usw.)

 

Vera:          Hach wunderbar. Da haben wir ja auch die beiden anderen. (schaut beide an) Was sehe ich denn da in Euren Gesichtern? Könnt ihr bitte mal ein wenig glücklicher schauen? Ihr seid doch glücklich, oder?

 

Olli:            Doch - det sind wir.

 

Justyna:      (eher nicht so überzeugend) Wir sehr glicklich.

 

Vera:          Moment mal. Justyna - Olli - was ist los?

 

Justyna:      Oh bitte, Frau Westermann, möchten nicht jetzt gerne sprechen über das.

 

Vera:          (fasst sich mit den Fingern an die Stirn) Oh Gott - meine Nerven. Ich ahne nichts Gutes. Bitte nicht noch ein Paar, das sich nicht mehr versteht. - Wo bleibt denn nur die Kowalski mit meinem Getränk, verdammt? (ruft) Frau Kowalski!

 

7. Szene

Brunhilde:  (kommt sodann von rechts zurück) Ja. Da bin ich schon wieder. Ich... weiß nicht, was Sie trinken möchten... (hat einen Korb dabei. Darin mehrere Flaschen alkoholfreie Getränke, einige Gläser und eine Flasche Likör, stellt diese auf dem Tisch ab, wundert sich dann über die beiden neuen Anwesenden) Guten Tag.

 

Justyna:      (reicht ihr die Hand) Hallo - guten Tag. Mein Name ist Justyna Iwanczyk. Sie sind Mutter von Regine, ja?! Ich habe gehört, auch Ihre Tochter macht mit hier bei Bauer-Sendung.

 

Olli:            (tut gleiches) Olli Krüger. Juten Tach. Is jeil hier bei Ihnen.

 

Vera:          (hat sich den Inhalt vom Korb angeschaut, entscheidet sich für den Likör) Hach, das hier ist geil, Frau Kowalski. Vielen Dank. (nimmt die Likörflasche, trinkt aus der Flasche einen kräftigen Schluck) Haaaa...

 

Brunhilde:  (sowohl vom Besuch als auch von Veras Verhalten etwas perplex) Geil - und jeil. Ja. Ich verstehe aber nicht, was diese beiden hier machen.

 

Vera:          Ach, entschuldigen Sie bitte. Ich muss Ihnen da etwas erklären, Frau Kowalski. Passen Sie auf: Also erstmal: Der Likör ist einsame Spitze.

 

Brunhilde:  Freut mich; aber das beantwortet meine Frage nicht.

 

Vera:          Sie haben ja so recht. Diese beiden jungen Leute sind auch Kandidaten dieser Staffel von "Vier Hände für ein Euter". (schon wieder in ihrer Moderation) Nach dem Scheunenfest hat die bodenständige Bäuerin Justyna sich für den großstädtischen Olli entschieden, und jetzt möchten die beiden die Hofwoche miteinander verbringen. Genauso wie es Ihre rustikale Regine mit dem Rinderwirt Roland getan hat. Hähähä...

 

Brunhilde:  Sehr witzig.

 

Vera:          Nicht wahr?! Ich bin ja bekannt für meinen Humor.

 

Brunhilde:  Und was machen die hier bei uns?

 

Olli:            Eh Mann, ik denk, die wees bescheid!

 

Justyna:      Ich dachte auch, Frau Westermann hat geklärt mit die Mutter von Regine, dass wir werden wohnen hier.

 

Brunhilde:  Bitte?

 

Vera:          Moment bitte. Bin gleich soweit. (trinkt wieder einen ordentlichen Schluck aus der Likörflasche, dann:) Frau Kowalski. Sie kennen doch auch sicher die Kabel 3-Sendung "Extra XL"; die immer gleich nach "Vier Hände für ein Euter" ausgestrahlt wird.

 

Brunhilde:  Ja sicher.

 

Vera:          Der Produzent und ich würden da gerne eine Sondersendung zeigen - und zwar ausschließlich mit den Müttern der Bäuerinnen. Und SIE, Frau Kowalski, SIE, bekämen dann etwa 20 Minuten Sendezeit. Die gesamte Nation wird Sie und Ihren Hof kennenlernen. Und das Ganze ist natürlich mit einer schönen Gage verbunden. Na, wäre das was?

 

Brunhilde:  (ganz aus dem Häuschen) Wirklich? Oh mein Gott, das wäre ja... das wäre ja...

 

Vera:          Genau, DAS wäre es! - Sie werden deshalb sicher einsehen, dass der Sender Kabel 3 unglaublich viele Kosten hat und auch wir sparen müssen, wo es nur geht. Und deshalb hat der Produzent vorgeschlagen, dass wir uns die Dreh-und Aufenthaltskosten in Polen auf Justynas Hof sparen könnten, und das hier bei Ihnen drehen. Das ist doch eine Kleinigkeit gegen Ihren "Extra-XL-Auftritt", oder? Wer weiß, vielleicht werden Sie noch entdeckt als Bauern-Modell, Frau Kowalski.

 

Brunhilde:  (kann die Freude kaum fassen) Sie meinen - ICH als eine reife Ausgabe von Kate Moss von Klein Wegenau?

 

Olli:            Heidi Klum für Arme, wa?! Wie jeil is ´n det?!

 

Justyna:      Olli, Du sollst nicht immer sein so - appetitlos.

 

Olli:            Pietätlos, Justyna. Det heißt pietätlos!

 

Justyna:      Ja, das ich meine, Olli.

 

Vera:          Ich sehe, das gefällt Ihnen, Frau Kowalski. Und dafür können Sie doch diesen sympathischen jungen Menschen ein paar Tage Unterkunft gewähren, oder?

 

8. Szene

Matthias:    (kommt zurück mit einem großen Bild, einer großen Wanduhr, sowie einer gefüllten Tasche, stellt dieses an einer Wand ab)

 

Brunhilde:  Natürlich! Unter diesen Umständen ist das kein Problem. (dann:) Das heißt: Was sagten Sie: Die junge Frau kommt aus Polen?

 

Vera:          Richtig. Justyna Iwanczyk aus Milanówek. Eine kleine Stadt in der Woiwodschaft Masowien. Klingt das nicht herrlich?!

 

Brunhilde:  Ahja. Da muss ich sicher ein bisschen aufpassen, dass uns nach ihrer Abreise nicht 2 Kühe fehlen, oder?

 

Justyna:      (empört) Das ich habe gehört. Ist nicht sehr schön, was Sie sagen. Ich möchte nicht bleiben hier, Olli. (will schon ab nach hinten)

 

Matthias:    (hält sie jedoch zurück) Hey hey... immer langsam. Das ist der gute deutsche Humor, Justyna. Das war nur Spaß. Ist es nicht so, Frau Kowalski?!

 

Brunhilde:  Äh... ja ja - war nur Spaß. Wirklich.

 

Justyna:      (glaubt es nicht so recht, bleibt aber) Hhmm... Justyna glauben das nicht so recht - aber gut. Aber Sie sollten passen auf, was sagen Sie, sonst Justyna kann werden sehr beese.

 

Olli:            Jo, det kann se. Daruf verwett ik meenen Hintern, wa?!

 

Vera:          Matthias! Zack zack - erste Szene Olli - Justyna.

 

Matthias:    Ja doch. (bringt Uhr und Bild zur Sitzecke)

 

Brunhilde:  Ich verstehe das dennoch nicht so richtig. Wie soll das gehen? Wie wollen Sie den Zuschauern erklären, weshalb Olli und Miss Polen hier auf unserem Hof sind?

Vera:          Machen wir doch gar nicht. Für die Zuschauer hat es den Eindruck, als würden wir direkt auf Justynas Hof in Milanówek drehen. Deshalb bauen wir hier in Ihrer Küche ein bisschen um. Sie haben doch nichts dagegen, oder? (holt aus ihrer Tasche einen Zettel, währenddessen tauscht...)

 

Matthias:    (...bei den nächsten Dialogen das Bild an der Wand aus, sowie die Uhr)

 

Brunhilde:  (ist recht überrascht und sprachlos) Aha.

 

Vera:          Und dieses hier brauchen wir in den nächsten 5 Minuten. (gibt ihr den Zettel) Das haben Sie doch hoffentlich alles im Haus? Dann können wir nämlich sofort die erste Szene drehen. Um Ihre Tochter Regine und Roland kümmern wir uns dann später.

 

Brunhilde:  (schaut auf den Zettel) Äh - ja, ich muss mal schauen.

 

Vera:          Na dann – feini feini - auf geht´s. (trinkt wieder aus der Flasche) Wir sollten keine Zeit verlieren. (komplimentiert sie gestisch nach rechts)

 

Brunhilde:  (barsch) Ja doch. (ab nach rechts)

 

9. Szene

Vera:          Alles super feini. (zu Olli und Justyna) Ihr beiden dürft Euch schon mal an den Tisch setzen, Euer Gepäck stellt erstmal irgendwo ab. (zu Matthias) Haben wir noch irgendwas typisch Polnisches dabei, Matthias?

 

Matthias:    (geht zu seiner Tasche, kniet herunter, öffnet diese) Ich hoffe, dass Ulla uns das dann eingepackt hat. (sucht)

 

Vera:          Ja, das hoffe ich auch. - Vielleicht ´ne fette Wurst aus Krakau? Oder verschiedene Autoschlüssel? Hähähä... - Na, nun mach schon.

 

Matthias:    Ja doch!

 

Olli:            (und Justyna haben ihre Koffer an einer Wand abgestellt, und sich dann an den Tisch gesetzt) Komm her - wir pflanzen uns mal nieder hier, Justyna.

 

Justyna:      Alles etwas merkwürdig hier. Habe ein wenig das Gefühl, dass wir nicht sind sehr besonders willkommen hier. Und diese Frau Moderatorin macht auch Späße über mir.

 

Olli:            Ach wat - det bildste Dir nur ein, glob mir. Und die Klischees von Euch Polen kennste doch ebenso jut wie wir. Da musste eenfach drüber lachen, wa?!

 

Matthias:    Hier ist ´ne polnische Fahne. (hebt sie hoch, zeigt diese)

 

Vera:          Na bitte. Häng die mal hinter den beiden irgendwo auf - das hat doch was.

 

Matthias:    (noch bei der Tasche) Und eine Flasche Wodka ist hier. (stellt sie auf dem Boden neben der Tasche ab, geht dann zur Ess-Ecke, stellt sich auf die Sitzflächen bei Olli und Justyna, bringt die Fahne an. Hinweis: Sie können hierfür schon Nägel o.a. in der Wand vorbereitet haben)

 

Vera:          (währenddessen:) Eine Flasche Wodka? Achwas. (geht zur Tasche, nimmt die Flasche, schaut darauf, zu Justyna:) Ist auch typisch polnisch, ja?!

 

Justyna:      Ja, das ist beliebteste Getränk von Alkohol in Polen, so wie auch in Russland.

 

Vera:          Da hat unsere gute Ulla von der Requisite aber doch nur die Flasche im Auge gehabt, und die doch mit Wasser aufgefüllt, oder?

 

Matthias:    Was weiß ich? Wen interessiert´s?

 

Vera:          Na mich! Das werden wir ja gleich erfahren. (dreht die Flasche auf, trinkt daraus, dann) Aaaah... Oh Ulla - ich liebe Dich. Ist das geiles Zeug.

 

Matthias:    Vera; jetzt reiß Dich mal ein bisschen zusammen. Gleich weißt Du nicht mehr, was Du sagst.

 

Vera:          Vera Westermann hat noch NIE versagt. Alle meine Sendungen waren große Erfolge. Ich bin sehr beliebt bei den Zuschauern.

 

Matthias:    Ja ja.

 

10. Szene

Focko:        (kommt zügig herein, trägt landwirtschaftliche Bekleidung, schaut sich um, sieht Matthias, geht ein Stück näher zu ihm an den Tisch, sehr erfreut, breitet die Arme aus) MATTHIAS ! Schatzi!

 

Matthias:    (steht noch auf der Eckbank o.a., ebenso erfreut, springt herunter) FOCKO ! Hase! (herzliche Umarmung, Kuss)

 

Vera:          Na denn nochmal Prost! (trinkt wieder) Kann mir mal jemand sagen, wo die gute Kowalski bleibt? Und wo war noch gleich das Klo? Ich müsste mal ganz nötig. (zügig ab nach rechts, Flasche nimmt sie mit)

 

11. Szene

Justyna:      Schau Dir an, Olli. Die beiden Männer haben gern sich. Ich habe gesehen damals in Telewizja.

 

Olli:            Jo, det is krass, aber in einer toleranten Welt is det doch ok, meenste nich och, Justy? Een juter Freund von mir aus Schöneberg is och vom andern Ufer - aber der ist echt ok, weeste?! Ik hab Dir doch erzählt von diesem Marco.

 

Justyna:      Zgadza, sie. Und auch wir beide könnten sein so glicklich wie diese beiden Mezczyzni.

 

Olli:            (seufzt) Jo, det könnten wir.

 

Focko:        (und Matthias haben sich während des letzten Dialogs nur glücklich angeschaut, stehen voreinander mitten auf der Bühne) Und? Wie lange noch?

Matthias:    5 Tage. Dann bin ich frei. Frei für Dich und Deinen Hof. Der neue Kameramann kommt sogar hierher. Den mach ich fit und ich bin raus bei Kabel 3.

 

Focko:        Und Du wirst Vera und "Vier Hände für ein Euter" auch wirklich nicht vermissen?

 

Matthias:    Das tausche ich gerne ein gegen Dich, Deine Liebe und unsere Zukunft. (Umarmung)

 

Justyna:      Oooooh, ist das sliczny.

 

Olli:            Wat is det?

 

Justyna:      Sliczny - soll heißen: wunderschön.

 

Olli:            Jo, hast recht. Und wenn Du endlich auf meenen Vorschlag einjehst, Justy - denn kann det bei uns ooch sehr sliczny werden.

 

Justyna:      Du darfst mir nicht - wie sagt ihr - bedrängen. Ich kann nicht entscheiden so schnell. Ich kann nicht einfach verlassen meine Hof und meine Pferde.

 

Olli:            Ik wees. Und ik wees ooch, dat dat denn wohl keene Zukunft hat mit uns zwee beide, wa!?

 

Justyna:      Du musst geben mir Zeit, Olli.

 

Matthias:    (zu Focko) Und? Hast Du über meinen Vorschlag nachgedacht, was Du - das heißt WIR aus Deinem Hof machen könnten?

 

Focko:        Hab´ ich. Und weißt Du was: Ich finde den großartig.

 

Matthias:    Wirklich? Und was sagt Schwiegermama, also ich meine - Deine Mutter dazu? Sie muss damit doch auch einverstanden sein. Hast Du es ihr schon gesagt?

 

Focko:        Gerade eben vor 5 Minuten.

 

Matthias:    Na, jetzt erzähl schon. Wie hat sie denn darauf reagiert?

 

Focko:        Nun ja, also - sie muss das erstmal verdauen, aber glücklich ist sie auch, glaub´ ich. Du wirst schon sehen.

 

12. Szene

Marga:        (kommt herein, hat ein Taschentuch in der Hand, trocknet die Tränen, weint, bleibt zunächst an der Tür stehen) Oh Focko, das kannst Du mir doch nicht antun, Kind.

  

Focko:        Äh... siehst Du, Matthias, Mutter ist schon fast drüber weg.

 

Justyna:      Das ist Mutter von Bauer von nebenan, Olli. Ich habe auch gesehen diese Frau in Telewizja. Ist gefallen in Ohnmacht, als ihr Focko hat gesagt, dass er lieben eine Mann.

Olli:            Und hat sik wohl immer noch nich wieder jefangen, die Jute, wa?!

 

Justyna:      Doch. Ich glaube wohl. Das hier ist wohl anderes Problem.

 

Matthias:    (geht zu ihr) Marga, bitte beruhige Dich doch. (versucht sie zu trösten)

 

Focko:        (kommt dazu) Mutter, Du musst auch mal offen sein für etwas Neues.

 

13. Szene

Brunhilde:  (kommt mit einem gefüllten Tablett von rechts wieder herein. Darauf alles, was man für ein Frühstück zu zweit braucht. - Tassen, Marmelade, Butter, Brötchen, Brotbretter usw.) So, ich denke, dass sollte reichen. (dann:) Marga! Focko! (stellt das Tablett auf den Tisch ab)

 

Olli:            Frühstück! Wie jeil is ´n det?!

 

Justyna:      Aber es ist mitten am Tag. Warum Frühstück?

 

Olli:            Ist doch ejal. Ik verteil die Sachen schon mal. Wird schon seinen Grund haben, wa?!

 

Justyna:      Ich werde helfen. (beide verteilen auf dem Tisch die Sachen)

 

Marga:        (geht weinerlich zu Brunhilde, begrüßt kurz die anderen beiden) Guten Tag. - Ach, Brunhilde. Macht Dein Fleisch und Blut Dir auch solchen Kummer?

 

Brunhilde:  Nun ja... (dann bestimmend) Regine und Roland sind seeeehr glücklich, falls Du DAS meinst. - Klappt es mit Focko und Matthias nicht mehr?

 

Focko:        Hallo?

 

Matthias:    Das wüssten wir aber.

 

Marga:        (beruhigt sich bzgl. des Weinens, aber weiterhin aufgebracht) Natürlich verstehen die beiden sich - viel zu gut eigentlich. Und damit hab´ ich mich auch längst abgefunden. Matthias ist ein sehr netter Mann. Und wenn die beiden zusammen durch´s Leben gehen wollen, hab´ ich nichts dagegen.

 

Brunhilde:  Ja, man sieht Dir diese Freude auch richtig an.

 

Focko:        Mutter, nun lass uns das doch erstmal unter uns besprechen. Wenn Du Brunhilde alles erzählst, weiß es morgen ganz Klein-Wegenau. Muss das sein?

 

Brunhilde:  Du fängst Dir gleich eine, Focko Hinrichs. (zu Marga) Nun mach schon! Was ist denn passiert?

 

Marga:        Ich habe vorhin in den alten Unterlagen nachgesehen. 107 Jahre ist der Hinrichs-Hof nun in Familienbesitz. Jeder Sohn hat ihn seither von seinem Vater übernommen. So wie unser Focko von meinem Ewald - Gott hab´ ihn selig.

 

Brunhilde:  Ja schön. Und weiter?

Marga:        Jahrelang hab´ ich versucht, meinen Focko an die richtige Frau zu bringen. Und was macht er - sucht sich ´nen Kerl. (schnell) Aber damit bin ich endlich durch - obwohl es ein bisschen gedauert hat.

 

Brunhilde:  Du hast ´nen Schwiegersohn, statt ´ne Schwiegertochter bekommen - ist doch in Ordnung. - Aber?

 

Marga:        Sie wollen den Hof aufgeben. Ja!

 

Focko:        Das ist doch gar nicht wahr!

 

Matthias:    Nicht aufgeben, Marga. Umfunktionieren.

 

Marga:        Ach papperlapapp. Das ist doch dasselbe.

 

Justyna:      Ich doch habe gesagt: Große Probleme.

 

Olli:            Ja, det haste jesacht.

 

Brunhilde:  (zu Marga) Was soll das heißen?

 

Focko:        (kommt vor, leicht genervt) Mutter! Ja, ich habe den Hof vor Jahren von Vater übernommen. Und das war auch gut so. Aber man muss auch mal offen für etwas Neues sein. Und dann hatte Matthias diese Idee, dass wir ein Gasthaus aus dem Hof machen könnten. Wir bauen um, reduzieren das Nutzvieh und bieten den Leuten "Urlaub auf dem Bauernhof" an.

 

Brunhilde:  (ganz erstaunt) Ach was.  

 

Matthias:    Marga, kannst Du Dir denn nicht vorstellen, dass es einem irgendwann aus dem Hals raushängt, jeden Tag 2 x melken und immer nur auf dem Acker zu arbeiten? Focko muss raus da aus diesem Trott.

 

Marga:        Achja? Wir wurden früher auch nicht gefragt, ob uns das gefällt.

 

Justyna:      Sind nicht einig, diese Bauern. Ist nicht gut.

 

Olli:            Na, det sind wir beede doch ooch nich, suchen aber dennoch nach ´ner Lösung.

 

Justyna:      Ja. Suchen Lösung. Das ist gut.

 

Focko:        Mutter - auch für Dich wäre das ein viel schönerer Alltag. Es gibt immer Gäste, um die Du Dich kümmern könntest. Du backst so gerne; da darfst Du dann jedem Deine neuen Kunstwerke anbieten...

 

Matthias:    ...siehst auch endlich mal andere Menschen als die langweiligen Nachbarn und die Kühe...

 

Brunhilde:  Hey - ja!

 

Focko:        Und wer weiß: Vielleicht ist irgendwann sogar ein netter Mann für Dich dabei, mit dem Du nochmal neu anfängst, Mutter.

 

Marga:        (empört) Ja, SOWEIT kommt es noch!

 

Brunhilde:  (süffisant) Nun ja, was DAS betrifft: Ich bin auch lange genug Witwe. Wenn mir der richtige Kerl noch über den Weg läuft, ich würde zuschnappen.

 

Marga:        ICH NICHT !

 

14. Szene

Vera:          (kommt von rechts zurück, die Wodka-Flasche ist nun halb leer, sie ist aber nicht betrunken) So, das bin ich los. Das war mindestens ´n viertel Liter. Hähähä...

 

Marga:        Was?

 

Brunhilde:  (leiser zu Marga) Frau Westermann war auf der Toilette.

 

Vera:          Hey, hallo Frau Hinrichs. Schön, Sie wieder zu sehen, aber völlig unpassend, weil Vera hier jetzt feini feini drehen will. - Matze! Was ist eigentlich mit diesem Roland? Hast Du den angerufen? Kommt der zurück?

 

Matthias:    Er hat es zumindest versprochen.

 

Vera:          Das ist sehr feini. So - aufbauen vor dem Frühstückstisch - zack zack - wir wollen arbeiten jetzt! (holt aus ihrer Tasche einige Unterlagen, großen Block o.a. und Stift)

 

Matthias:    Ja Boss! (tut dies)

 

Marga:        Wie, was soll das heißen "kommt Roland zurück"? (zu Brunhilde) Ich denke, Regine ist glücklich mit ihrem Roland.

 

Brunhilde:  Äh, jaaa... das ist sie ja auch. Aber...

 

Vera:          Können die Herrschaften ihren privaten Kram BITTE woanders ausdiskutieren?! (Finger an die Schläfen) SO kann ich nicht arbeiten!

 

Marga:        Ja, das kennt man ja von Ihnen, Frau Westermann. (geht zur Tür nach hinten, "zieht" Focko mit) Wir gehen. Und DU kommst mit - wir müssen reden!

 

Focko:        (überrumpelt) Ja doch. (dreht sich an der Tür nochmal um) Tschüß Matthias - bis später. (beide ab)

 

Matthias:    Ja, wir sehen uns.

 

15. Szene

Vera:          (zu Matthias, deutet auf Olli und Justyna) Du kümmerst Dich jetzt hier um diese beiden. Dein Privatleben lebst Du nach Feierabend! (zu Brunhilde) Hach, Frau Kowalski, Sie haben ja schon alles für ein perfektes Frühstück bereit gestellt - herrlich.

Brunhilde:  Ja - der Kaffee fehlt aber noch. Der ist sicher jetzt durch. Moment. (ab nach rechts)

 

16. Szene

Vera:          (zu Justyna und Olli) Passt auf! Ihr zwei habt jetzt 3 Tage zusammen HIER auf Justynas Hof in Polen verbracht. Und heute hat Justyna zum ersten Mal das Frühstück für Euch beide vorbereitet. Justyna fragt, wie Du geschlafen hast - blablabla... Olli - Du kommst gerade aus dem Bett und bist natürlich sehr überrascht und erfreut über das, was Justyna hier für Dich gemacht hat und so weiter und so weiter. Verstanden?

 

Olli:            Na, wer kann denn det nich kapieren?

 

Vera:          Da gab es schon einige; glaub´ mir. - (blättert in ihren Unterlagen) Der Dialog lautet wie folgt: Justyna sitzt an dem gedeckten Frühstückstisch. Olli kommt leicht verschlafen und gähnend herein, ist überwältigt von Justynas Werk. Justyna sagt, dass sie ihn damit überraschen wollte, Olli bestätigt, dass ihr das gelungen ist und dass er sich überhaupt sehr wohl fühlt hier bei Justyna auf ihrem Hof. Alles klar?

 

Olli:            Na, det sollten wir hinkriegen, wa?! (steht auf)

 

Justyna:      Ist nicht so schwer, Frau Westermann. Wir werden sicher schaffen, ich denke.

 

17. Szene

Brunhilde:  (kommt zügig mit Kaffeekanne zurück) Kaffee! (stellt die Kanne auf den Tisch)

 

Vera:          Wunderbar, Frau Kowalski. Dann können wir ja loslegen.

 

Brunhilde:  (erfreut) Ja, nicht wahr?! (stellt sich neben den Tisch, verschränkt die Arme erfreut, wartet, winkt in die Kamera)

 

Matthias:    (etwas irritiert) Äh... soll Frau Kowalski...

 

Vera:          NEIN! Frau Kowalski soll natürlich NICHT! (zu sich selbst) Hach, meine Nerven. (dann:) Frau Kowalski; diese Szene drehen wir nur mit Olli und Justyna. Sie haben ja Ihren ganz großen Auftritt irgendwann in der Extra-XL-Sendung, wie Sie wissen.

 

Brunhilde:  Ach, dann brauchen Sie mich hier jetzt praktisch gar nicht?

 

Vera:          Praktisch überhaupt nicht! (komplimentiert sie am Arm nach links) Vielleicht schauen Sie mal nach Ihrer Tochter Regine. Sie ist dann als nächstes dran. Wir rufen Sie dann, wenn es soweit ist.

 

Brunhilde:  Ja. Ja sicher. Die hab´ ich ja ganz vergessen; wie konnte ich nur? (zügig abgehend nach links) Regine-Kind? Alles gut? (ab)

 

18. Szene

Vera:          So. Olli bitte ab nach rechts, Justyna sitzt am Tisch. Auf mein Stichwort "Olli" kommst Du dann bitte herein, ja?!

Olli:            Mach ik. (ab nach rechts)

 

Vera:          (zu Matthias) Mikro!

 

Matthias:    (reicht es ihr, schaut dann durch die Kamera) Kann losgehen.

 

Vera:          (positioniert sich vor der Kamera, schaut dort hinein, lächelt freundlich, geht nochmal mit den Händen durch´s Haar, dann recht übertrieben) Herzlich Willkommen, liebe Zuschauer, zu einer neuen Folge von "Vier Hände für ein Euter". In dieser Staffel heißt es gleich 2 Mal "Bäuerin sucht Mann". Und Kabel 3 hat dafür keine Kosten und Mühen gescheut ganz in die Woiwodschaft  zu fahren. Denn hier sehnt sich die pferdebegeisterte Polin Justyna nach einem liebevollen Mann an ihrer Seite. Zwei Tage haben sie und ihr Auserwählter Olli jetzt auf Justynas Hof zusammen verbracht, und jetzt, am 3. Morgen hat die mutige Milanówekerin ein üppiges Frühstück für ihren Liebsten vorbereitet.  (dreht sich um zur Tür, ruft) Olli!

 

19. Szene

Olli:            (kommt herein, gähnt ausgiebig, reibt sich die Augen)

 

Justyna:      Gute Morgen, Olli. Hast Du gut geschlafen auf meine Hof?

 

Olli:            Äh - ja danke. Det hab´ ik. Oh, wat sehen meine Äuglein? Du hast ja det Frühstück für uns vorbereitet. Wie jeil is ´n det?!

 

Justyna:      Ja. Ich habe gemacht für Dich. Soll sein Überraschung. Bitte - setzen hin und essen.

 

Olli:            Na, da lang ik doch ordentlik zu, wa?! (nimmt sich Kanne, schenkt ein, greift sich mit der anderen Hand ein Brötchen)

 

Vera:          Cut! - Äh... ja, das war soweit schon ganz gut, aber vielleicht sollte das noch ein klein wenig herzlicher aufgenommen werden von Dir, Olli. Und nicht so schnell über das Essen herfallen. Lass Dir Zeit und schau erst bei Dir nach, was es Dir bedeutet, was Justyna da für Dich gemacht hat.

 

Olli:            Sie hat Frühstück jemacht, na und? Det is doch nun wirklich nicht so der Knaller, oder?  Wat soll ik ´n da lange drüber nachdenken?

 

Vera:          Tu es einfach. So ist die Sendung "Vier Hände für ein Euter" nun mal angelegt. Und das war schon immer so. Also nochmal.

 

Olli:            (gelangweilt) Ja - jut. (wieder ab)

 

Matthias:    Frühstück, die Zweite. Und Aufnahme!

 

Vera:          Olli!

 

Olli:            (kommt wieder herein, gähnt wieder)

 

Justyna:      Gute Morgen, Olli. Hast Du gut geschlafen auf meine Hof?

Olli:            Juten Morgen. Äh - ja danke. Det hab´ ik. Oh, wat seh ik denn da? Du hast ja det Frühstück für uns jemacht. Wie jeil is ´n det?!

                  

Justyna:      Ja. Ich habe gemacht für Dich. Soll sein Überraschung. Bitte - setzen hin und essen.

 

Olli:            (bleibt stehen, faltet die Hände, schaut nach unten)

 

Justyna:      (nach einer Pause, verunsichert, schaut erst Vera an, Vera ebenso verwirrt, Matthias auch) Olli, alles gut mit Dir?

 

Olli:            (bedächtig) Ja Justyna - is allet jut mit mir. Aber bitte jib mir ein paar Minuten, bis ik mit Dir esse. Ik kann nich globen, wat Du für mir jetan hast. EEN FRÜHSTÜCK - für mir - det muss ik erst verarbeiten.

 

Vera:          (genervt) Cut! - Olli, SO NICHT! Du sollst Dich freuen und all das, was auf dem Tisch steht, erstmal auf Dich wirken lassen. Und dann teilst Du mit Justyna Deine Freude. In Form von Kommunikation. Lieber Himmel, das kann doch nicht so schwer sein.

 

Olli:            Na ja, ik dacht, ik soll det auf mir wirken lassen.

 

Vera:          Das sollst Du ja auch - aber nicht im Gebet, Herrgott!

 

Olli:            Okay. Tut mir leid, wa?!

 

Vera:          Und das Ganze auch ein wenig mit mehr Euphorie. Freude, Begeisterung... das müssen die Zuschauer sehen und hören, verstehst Du das denn nicht?

 

Olli:            Ik glob, nu wees ik, wie det jemeint is. Ik mach det gleich nochmal. (wieder ab)

 

Vera:          (zu Matthias) Das kostet uns wieder viel Filmmaterial.

 

Matthias:    Hhmm... Frühstück, die Dritte! Und Aufnahme.

 

Vera:          Olli!

 

Olli:            (kommt erneut herein, gähnt wieder, dieses mal länger)

 

Justyna:      Eine schöne gute Morgen, Olli. Hast Du gut geschlafen auf meine Hof?

 

Olli:            Juten Morgen. Oh - ja danke. Det hab´ ik. Ik hab´ wunderbar jeschlafen. Oh, wat seh ik denn da? Du hast ja det Frühstück für uns jemacht. Wie jeil is ´n det?! Det is ja janz jroßartig - ik... ik kann det jar nich in Worte fassen - sie fehlen mir eenfach, weeste. Frühstück für mir - von Dir jemacht - also, det is... det is ja wie Weihnachten und Ostern jemeinsam, wa?!

 

Justyna:      Ist gut jetzt. Mein Olli muss nicht treiben über, oder wie sagt man? Ich habe gemacht das für Dich, diese Frühstück. Soll sein Überraschung. Bitte - setzen hin und essen.

 

Olli:            Na, ik soll mir eenfach hinsetzen und losessen? Also - det kannste jetzt aber nich von mir verlangen, wa?! Weeste, ik muss det erstmal uff mir wirken lassen. Is ja och allet da, wat man braucht. Butter, Schrippen, Marmelade - nee, det is eenfach... eenfach... (beginnt zu weinen) Det hat noch nie eene für mir jemacht.

 

Vera:          Cut! Himmel - ich dreh hier gleich durch.

 

Olli:            Wie? War det och nich okay?

 

Vera:          Ob das okay war? Das war eine Szene aus dem fünften Teil der Dornenvögel. Olli - kannst Du denn nicht ganz einfach mit Justyna sprechen und Dich freuen?

 

20. Szene

Regine:       (kommt sehr zügig von links herein, gefolgt von Brunhilde) Wieso Gäste auf meinem Hof? Was soll das - wer sind die?

 

Brunhilde:  Kind, nun lass Dir das doch erklären.

 

Vera:          Regine Kowalski. Einen schönen Tag auch. Ich halt´s nicht aus - ich halt´s nicht aus. (holt die Wodka-Flasche wieder hervor, trinkt)

 

Regine:       Hier auf meinem Hof wird mit anderen Kandidaten gedreht - ohne mich darüber zu informieren?! Das können Sie sich ja wohl sowas von abschminken, Frau Westermann. Wenn ICH keinen passenden Kerl finde und nicht glücklich werde, sollen andere das hier AUF MEINEM HOF auch ganz sicher nicht erleben.

 

Vera:          Regine, nun mal schön langsam. Tante Vera hat alles in die Wege geleitet, dass auch Du und Dein Roland wieder glücklich werdet.

 

Regine:       Ha, ich lach gleich. Männer sind alle gleich. (deutet auf Olli) Der da ist doch auch nicht besser als alle anderen.

 

Olli:            Jetzt is aber jut, ja?

 

Justyna:      (steht auf) Lasse Du meine Olli die Ruhe, sonst Justyna werden sehr beese.

 

Olli:            (erfreut) Oh, danke Justyna.

 

Regine:       Ich glaub´s nicht. Zur Krönung haust hier sogar ´ne Polin. Das wird ja immer besser.

 

Brunhilde:  Regine - bitte! Du darfst Deinen Zorn jetzt nicht auf andere abschieben, nur weil Du bisher immer Pech mit den Männern hattest.

 

Regine:       Einen richtigen passenden Mann gibt es nicht - für MICH nicht! Basta!

 

21. Szene

Günter:       (steht mit einem kleinen Koffer in der Hand plötzlich in der Tür. Obwohl er schon älter ist, trägt er sehr sportliche Kleidung, ist schick frisiert, wirkt sehr sympathisch) Hallo? Bin ich hier richtig auf dem Kowalski-Hof? Mein Name ist Günter Schöneberger. Ich bin der neue Kameramann und soll hier eingearbeitet werden.

 

Alle:           (schauen zu Günter, kurze Pause)

 

Regine:       (dann:) Ach, DER ist ja süß.

 

Brunhilde:  Ja, das wollt´ ich auch gerade sagen.

 

Vera:          Ihr habt recht; das ist wirklich ein toller Mann.

 

Matthias:    Stimmt. Der könnte sogar mir gefallen.

 

Alle:           (drei Frauen) BITTE ???

 

Vorhang

 

Ende des ersten Akts

 

***************************************************************************

 

 

Zweiter Akt

 

                   (Ein Tag danach, später Nachmittag. Die polnische Dekoration ist entfernt worden. Wenn der Vorhang sich öffnet, steht Günter etwas unsicher und wartend im Raum. Stativ, Kamera und Tasche stehen irgendwo in einer Ecke bereit. Auf dem Tisch stehen Kaffeegeschirr und eine Schale mit Keksen; die Tür nach rechts ist offen. An der Seite rechts oder links steht ein/e Massage-Liege bzw. Bett, ca. 80 cm hoch)

 

1. Szene

Brunhilde:  (kommt sodann mit Kaffeekanne von rechts herein, schließt die Tür, sehr freundlich) Herr Schöneberger - nun stehen Sie da doch nicht herum. Es gibt Sitzmöglichkeiten hier bei uns. Bitte. (deutet auf einen Stuhl bzw. auf die Eckbank am Tisch)

 

Günter:       Danke, Frau Kowalski. Sie sind wirklich sehr freundlich. (setzt sich) Sie sollen sich doch aber nicht soviel Mühe machen.

 

Brunhilde:  Ach, Mühe. Ist doch nur Kaffee und ein paar Kekse dazu. Für´s Abendbrot ist es ja noch ein bisschen zu früh, nicht?! Bitte - greifen Sie zu. (setzt sich auch)

 

Günter:       Vielen Dank. (schenkt sich Kaffee ein, deutet Brunhilde, dass er auch ihre Tasse vollschenken möchte, tut dies dann)

 

Brunhilde:  Sie sind ein richtiger Gentlemen, Herr Schöneberger. Sagen Sie - sind Sie eigentlich mit dieser Barbara verwandt? Weil - die heißt ja auch Schöneberger.

 

Günter:       Diese Frage höre ich oft - aber nein, weder verwandt noch verschwägert, wie man so Schönebergersch sagt.

Brunhilde:  (lacht) Und Humor haben Sie auch - ach herrlich.

 

2. Szene

Marga:        (kommt vergnügt zügig von hinten mit einem selbstgebackenen Kuchen herein, trägt jetzt besonders schicke Kleidung) Juhu... ich bin es nur. Die liebe Nachbarin - Marga.

 

Brunhilde:  (verdreht die Augen, mehr zu sich selbst:) Nicht mal 5 Minuten kann man alleine sein.

 

Günter:       (eher erfreut) Frau Hinrichs. (steht auf)

 

Marga:        Ja, ich, Herr Schöneberger. Ich hatte Ihnen doch meinen Lieblingskuchen versprochen. Jetzt ist er fertig - und ganz frisch sollen Sie ihn auch probieren. (schaut auf den Tisch, abwertend) Hier gibt´s ja nur Kekse, so wie ich sehe.

 

Günter:       Sie haben den Kuchen doch aber nicht extra für mich gebacken, oder?

 

Marga:        Doch - das habe ich.

 

Günter:       Frau Hinrichs, bitte. Ich nehme Ihre Gastfreundschaft schon viel zu sehr in Anspruch. Außerdem hätten Sie mir den Kuchen doch auch später bei sich zuhause anbieten können.

 

Brunhilde:  Eben! Das meine ich auch.

 

Marga:        Ich dachte mir doch, dass Sie hier keinen frischen Kuchen bekommen. Außerdem müssen Sie hier doch sicher heute noch arbeiten. Und das geht mit leerem Magen ja nun wirklich nicht. (stellt den Kuchen auf den Tisch)

 

Günter:       Ich bitte Sie. Das Mittagessen, was Sie heute für mich gezaubert hatten, reicht ja für 2 Tage.

 

Marga:        Ach, Herr Schöneberger. Ich freue mich so sehr, dass Sie für ein paar Tage bei mir wohnen. Nun ja, wenn hier auf dem Kowalski-Hof alle Zimmer belegt sind, stehe ich doch gerne zur Verfügung.

 

Brunhilde:  Ja leider. (steht nun auch auf)

 

Marga:        Sagen Sie - sind Sie eigentlich mit dieser Barbara verwandt? Weil - die heißt ja auch Schöneberger.

 

Brunhilde:  NEIN. Ist er nicht!

 

Marga:        Aha. - Na, nun probieren Sie schon. Ich muss doch wissen, ob ich Ihren Geschmack getroffen habe.

 

Brunhilde:  Boah, schleimt die hier herum. Ist ja widerlich.

 

                   (die drei stehen nun nebeneinander in einer Reihe vor dem Tisch. Günter in der Mitte)

Günter:       (probiert. Der Kuchen ist bereits geschnitten) Ja lecker. Wirklich sehr lecker. (schaut während der nächsten Dialoge immer schweigend und essend erstaunt nach links und rechts zu den beiden Damen, je nach dem wer gerade Text hat)

 

Marga:        Ich backe immer mit Öl, statt mit Margarine, dass ist wesentlich bekömmlicher, wissen Sie?!

 

Brunhilde:  Dafür verzichte ich auf Stärkemehl - was die gute Frau Hinrichs NICHT tut. Man hat nämlich herausgefunden, dass man davon Blähungen bekommen soll.

 

Marga:        Ja, aber Frau Kowalski tut immer zu viel Safran in ihren Kuchen - WENN sie denn mal backt. Und davon soll man Pusteln kriegen.

 

Brunhilde:  Safran nehm ich schon seit Jahren nicht mehr. - Hören Sie nicht auf Sie, Herr Schöneberger. Und probieren Sie bloß nicht das Brot von Frau Hinrichs. Sie nimmt immer viel zu viel Hefe. Wenn Sie das essen, können Sie drei Tage nicht auf´s Klo.

 

Marga:        Unerhört, Brunhilde Kowalski! - Wenn SIE wüssten, Herr Schöneberger, was die in all den Jahren schon ausgeliehen hat bei mir... davon könnte man ganz Klein-Wegenau satt kriegen.

 

Brunhilde:  Alles Halbwahrheiten, Herr Schöneberger. Oder darf ich Günter sagen? Sie sollten auch bei dem Mittagessen acht geben auf dem Hinrichs-Hof. Das gebratene Fleisch dieser Person gleicht einer Schuhsohle. Nicht, dass Ihnen noch die Zähne abbrechen. Von zart und saftig hat sie leider keine Ahnung.

 

Marga:        Das sagt gerade die Richtige. DEIN Braten schmeckt ja genauso wie DU bist: Hart und fad. Wen wundert´s dann, dass auch die Tochter so ist? Deine Regine soll erstmal einen Mann finden! Aber so wie ich heute gehört habe, hat es ja auch dieser Roland nicht länger als 3 Tage mit ihr ausgehalten. Tja - mich hat´s nicht geschockt. Bei DER Mutter!

 

Brunhilde:  Was denkst Du Dir eigentlich, Marga Hinrichs?

 

Marga:        Tsss... dass der Apfel nicht weit vom Stamm fällt - DAS denke ich. Deine Regine wird nie den passenden Mann finden. Nicht mal mit der Hilfe vom Fernsehen.

 

Brunhilde:  Ach nein? Na, das werden wir ja noch sehen, Du Kanallje.

 

Marga:        Mein Focko war auch Kandidat bei "Vier Hände für ein Euter". Und er ist sehr glücklich.

 

Brunhilde:  (lacht kurz) Ja, mit ´nem Kerl. Ganz großes Kino. 

 

Marga:        Was hast Du da gerade gesagt? Kanallje? Kann ja wohl nicht wahr sein. Nimmst Du das zurück?

 

 

 

Druckversion Druckversion | Sitemap Diese Seite weiterempfehlen Diese Seite weiterempfehlen
© Die ganze Welt ist eine Bühne