Lange danach gesucht - auf Ibiza 2012 endlich gefunden
Musiker gesucht

 

 

„Roodlücht för een ollen Schink“

 

(niederdeutsche Fassung)

 

 

Komödie in 3 Akten + Vorspiel

 

von

 

Helmut Schmidt

 

 

Inhalt:

Nach dem Tod der 84jährigen Luise Kramer, erbt ihr Neffe Jan-Ole Brummerloh ihre Katze Cleopatra, sowie die heruntergekommene Gaststube "Zum alten Schinken", mit Festsaal und angebauter Wohnung, welche seit Jahren unbenutzt ist. Jan-Ole war der Einzige, der sich zu Lebzeiten um Luise gekümmert hat, und somit hat sie ihm alles hinterlassen. Das Erbe ist jedoch mit einer Bedingung verbunden. Jan-Ole erbt die Immobilie nur dann, wenn er innerhalb der nächsten 6 Wochen die Gaststube wieder eröffnet, und in dieser Zeit einen Umsatz von mindestens 10.000 Euro erzielt. Versagt er bei dieser Bedingung, erbt Luises Katze Cleopatra das gesamte Vermögen, welches dann von der Tierschützerin Cordula Meisenbrot verwaltet wird. Kontrolliert wird das Ganze vom Nachlassverwalter Habermann. Jan-Ole, seine Eltern Paul und Elisabeth, sowie Großvater Friedrich sind zunächst ratlos, wie sie aus dem alten Gebäude wieder ein gastfreundliches Haus machen können. Doch dann kommt Opa Friedrich auf den Gedanken, dass man in der heutigen Zeit den Gästen mehr bieten muss, als nur eine langweile Kneipe mit Getränken und Imbiss. Etwas Erotisches muss her, meint er - das funktioniert immer. Und im "Alten Schinken" soll das nicht fehlen. Nachdem zunächst die linkische Nachbarin Vicky Eppelkött als leichtbekleidete Tänzerin den Umsatz anzukurbeln versucht; dies aber auch nicht mehr Gäste in das Lokal treibt, schlüpfen Friedrich, Paul und Jan-Ole Brummerloh selbst in Frauenkleider. Schnell spricht das ganze Dorf von diesem absurden Gasthaus und der Umsatz steigt zunächst. Aber trotz aller Bemühungen rennt die Zeit bis zum Ablauf der Frist und die Einnahmen reichen nicht aus. Hinzu kommt, dass plötzlich die Katze Cleopatra verschwunden ist - und die muss auf jeden Fall wieder her, denn sonst kommt die Erbschaft ebenfalls nicht zustande. Um richtig Geld zu scheffeln mit dem Gasthaus kurbeln die drei Männer mit einer letzten Idee dann wirklich den Umsatz an... nämlich mit Männerstriptease... Und das funktioniert!

 

Spieler: 4m/5w - 1 Bühnenbild mit Umbau

 

 

Jan Ole Brummerloh              -           (25-30 Jahre)

 

Paul Brummerloh                   -           Jan Oles Vater (58 Jahre)

 

Friedrich Brummerloh            -           Jan Oles Großvater (ca. 80 Jahre)

 

Elisabeth Brummerloh           -           genannt: Lisbeth - Pauls Frau (ca. 62 Jahre)

 

Sandra Körner                       -           Jan Oles ehem. Freundin (ca. 25 J.)

 

Cordula Meisenbrot               -           Tierschützerin (40-50 Jahre)

 

Christian Habermann             -           Nachlassverwalter (40-60 Jahre)

 

Hannelore Eppelkött              -           Nachbarin (ca. 50 Jahre)

 

Vicky Eppelkött                     -           Hannelores Tochter (ca. 30 Jahre)

 

sowie "Cleopatra"                  -           Katze

 

 

Bühnenbild:

 

Die Bühne zeigt eine Gaststube, die im Vorspiel seit mehreren Jahren nicht mehr betreten wurde. Ab dem 1. Akt werden eine Theke, 2-3 runde Tische und Stühle benötigt. Links ist die Eingangstür von draußen, hinten ein Durchbruch mit Vorhang zum größeren Clubraum und zum Saal, sowie zur Gäste-Toilette. Rechts geht eine dritte Tür zur Küche, dem Gästezimmer und zur angebauten Privatwohnung. Evtl. ein Fenster, eine Garderobe, sowie ein Zeitungs- und Zeitschriftenständer. Alle weiteren Details zur Ausstattung sind im Rollenbuch angemerkt, bzw. sind Ihrer Spielgruppe überlassen. 

 

Spielort: Poppenbüttel (oder nennen Sie ein anderes, größeres Dorf in Norddeutschland)

 

Spielzeit: Sommer in der Gegenwart

 

Spieldauer: ohne Pausen etwa 100 Minuten

 

 

 

Vorspiel

 

                  (Wenn der Vorhang sich öffnet, ist kein Spieler auf der Bühne. Die Theke, sowie die  Regale an der Wand sind mit Laken abgedeckt. In einer Ecke stehen 2-3 runde Tische und Stühle aufeinandergestapelt. Auch diese abgedeckt mit Laken. Das Bild sollte den Eindruck erwecken, als wäre hier seit über zwei Jahren niemand mehr gewesen)

 

                  (Die Tür links wird von außen aufgeschlossen. Sodann betritt...)

 

Christian:   (...den Raum. Er trägt Anzug, hat eine Aktenmappe dabei, wirkt leicht gestresst) Ja, nu komen Se bitte, Herr Brummerloh. (den Schlüssel hat er abgezogen, hält diesen zunächst in der Hand)

 

Jan-Ole:     (kommt auch herein. Sieht sich staunend um. Er ist leger gekleidet, hat einen Katzenkorb bzw. Box dabei. Darin die "Katze" Cleopatra*) Ik kann dat jümmers noch nich glöven. (*Hinweis: Sie sollten keine lebende Katze benutzen, aber darauf achten, dass man im Zuschauerraum die "Stoffkatze" in der Box nicht deutlich sieht. Nur so wirkt es realistisch)

 

Christian:   Ik hop, Se sünd nu tofree. So, as Se dat wünscht hebben, bün ik trotz mien vull Terminklenner hier mit Ehr herfohren.

 

Jan-Ole:     As ik al seggt hebbt - wiel ik dat jümmers noch nich faten kann, Herr Habermann. (stellt die Katzenbox ab, schaut sich um)

 

Christian:   (reicht ihm den Schlüssel) Hier is de Slödel - de Gaststuv "To ´n ollen Schink" un dat anbaut Eenfamilien-Huus hört nu Ehr. (schnell) Äh, dat heet, wenn denn allns so indrapen deiht, as Fro Kramer dat in ehr Testament wünscht hett.

 

Jan-Ole:     (immer noch staunend) Ja...

 

Christian:   Se komen ja dann alleen trecht. Un na Huus nehmen Se dann bitte de Bus of een Taxi. Ik mutt nu wedder in de Kanzlei. Wi sehnt uns dann in een Week to de erst Kontroll-Besöök. (will schon ab)

 

Jan-Ole:     Nee nee - töven Se bitte, Herr Habermann. Ik mutt heel seker sien, dat ik nich dröm. Bitte nehmen Se sik doch noch 2 Minüten un lesen Se mi de lesd Willen vun mien Tant nochmol vör.

 

Christian:   Herr Brummerloh, dat kann ik nich maken. Ik hebb Ehr doch allns vörlest in mien Büro.

 

Jan-Ole:     BITTE, Herr Habermann. Wo schall ik dat anners glöven?

 

Christian:   (seufzt, holt dann widerwillig aus seiner Aktenmappe das Testament heraus) Aver ditmaal in de kört Version - blots dat Wichtigste.

 

Jan-Ole:     Is al good. (stellt sich an eine Wand, hört zu)

 

Christian:   (liest es Jan-Ole dann vor) Testament von Luise Kramer, im Vollbesitz ihrer geistigen Kräfte verfasst am 23. April 2011*. (murmelt zunächst die Sätze, die er "überfliegt", dann...) Obwohl ich noch andere Verwandte habe, ist mein Neffe Jan-Ole Brummerloh der Einzige gewesen, der mich alle 14 Tage im Pflegeheim besucht hat. Deshalb soll er das liebste, dass ich besitze, von mir erben - nämlich meine Katze Cleopatra. *(aktualisieren Sie bitte die Jahreszahl - 2 Jahre vor Ihrem Aufführungsjahr)

 

Jan-Ole:     Ja.

 

Christian:   Außerdem bekommt er das Grundstück in Poppenbüttel - Flurkarte 58 - 12B, sowie die darauf errichtete Gaststätte "To ´n ollen Schink" und das angebaute Haus. Dieses ist jedoch mit folgender Bedingung verbunden: Da Jan-Ole mir bei seinen Besuchen immer wieder berichtete, dass er alles regeln kann, was er nur will, muss er die Gaststätte wieder eröffnen, und dann nach genau 6 Wochen einen Umsatz von 10.000 Euro damit erzielen. Kontrolliert wird dieses von meinem Nachlassverwalter Habermann. Sollte Jan-Ole scheitern, erbt nach der Frist meine Katze Cleopatra diese Immobilie, welche dann von der Tierschützerin Cordula Meisenbrot verwaltet wird. (murmelt wieder die nächsten Sätze) Luise Kramer. Unterschrieben am... un so wieder. - Kann ik nu gahn?

 

Jan-Ole:     (lächelt) Ja, Se könnt gahn. Un veelen Dank nochmol för de Wiederholung.

 

Christian:   (an der Tür) Ik wünsch Ehr veel Glück, Herr Brummerloh. In 7 Dag bün ik dann wedder hier, un kiek mi de Booken an, so as Fro Kramer dat wünscht.

 

Jan-Ole:     Is op Steh. Bit dann.

 

Christian:   (ab)

 

Jan-Ole:     (allein) Tant Luise, Du Luder. Sowat kann ok blots vun Di komen. (geht hinter die Theke, stellt die Katzenbox darauf) Tja Cleopatra. Well schall denn nu as Erbe hier rutgahn na de 6 Weeken? Du of ik? Hhmm... Du lütte Kuschelkatt... (steckt seinen Finger in die Box, zieht sie gleich darauf blitzschnell wieder heraus) Au! Du verdammtet Mistvieh. Na, DI ward ik dat noch wiesen - töv dat man af. (Vorhang)

 

 

Erster Akt*

 

                  (Eine Woche später. Die Gaststube ist jetzt für die Neueröffnung wieder hergerichtet worden. Alle Laken zum Abdecken sind verschwunden, vor der Theke 2-3 Barhocker, die Tische sind mit hübschen Decken und evtl. Kerzen dekoriert, es hängen nun Bilder an der Wand, evtl. irgendwo ein Garderobenständer und ein CD-Abspielgerät. Die Regale sind mit Gläsern gefüllt. Alles wirkt freundlich und sauber. Evtl. zur Eröffnung auch irgendwo Girlanden oder Angebotsschilder u.a.) *Bitte achten Sie darauf, dass der Umbau vom Vorspiel zum 1. Akt zügig erledigt wird. Die Zuschauer sollten nicht länger als 3 Minuten pausieren müssen. Wenn der Vorhang sich öffnet, sitzt Friedrich auf einem Stuhl leicht nach vorne gebeugt an der Wand. Sein Hemd oder Pullover ist hochgeschoben, er sitzt evtl. teilweise mit leicht heruntergelassener Hose und mit dem Rücken zu den Zuschauern. Irgendwo ein Handstock. Auf einem Hocker direkt neben ihm steht ein medizinisches Heizgerät  - "Rotlicht", welches auf seinen Rücken und den Hintern strahlt. Auf der Theke steht die Katzenbox. Es ist der Tag der Neueröffnung des Lokals, ca. 18 Uhr) 

 

1. Szene

Elisabeth:  (kommt mit Schürze zügig von rechts herein mit zwei kleinen - mit Blumen gefüllten - Vasen, geht zu den Tischen, stellt diese darauf. Sieht im Vorbeigehen Friedrich, ist leicht empört) Dat is doch hopentlik blots een Halluzination, wat ik hier just seh.

 

Friedrich:   Oh, Lisbeth. Goot, dat Du kummst. Stell dat Dingerees maal op 3. Is mi to heet anners.

 

Elisabeth:  (zieht zügig und wütend den Stecker von dem Gerät aus der Wand)

 

Friedrich:   Hey... (dreht sich um)

 

Elisabeth:  (streng) Swiegervadder! (schaut auf die Uhr) In 20 Minüten maak wi hier de "Oll Schink" wedder open. Schamst Du Di denn gor nich, hier halfnakend herüm to sitten? (wickelt das Kabel von dem Rotlicht zusammen)

 

Friedrich:   Och, un dat mien oll Schink mi Pien maakt, interesseert maal wedder nüms, wa?! Butendem kannst Du mi gern "Opa" nömen, so as anners ok.

 

Elisabeth:  Dien Rheuma kenn wi siet Johren. Un dat deiht uns leed. Aver hier bliffst Du op gor keen Fall sitten. Dat is ja nich to faten. Gah op Dien Kamer! (drückt ihm grob das Rotlicht in den Schoss)

 

Friedrich:   Düsse dumme Katt dörv doch ok hier sien. Un op mien Kamer is mi dat to langwielig. Nüms kümmert sik üm mi. (zieht seine Hose hoch, dann das Hemd bzw. den Pullover herunter) Ji sünd blots noch mit Umbauen un Wedderherrichten togang. Siet ´n heel Week al. (steht wiederwillig auf)

 

Elisabeth:  Ja, denkst Du denn, mi gefallt dat? Un worüm de Katt hier is, weest Du heel genau.

 

 

2. Szene

Jan-Ole:     (kommt von rechts dazu, hat 3 Speisekarten in der Hand, geht damit zügig auf Elisabeth zu) So - frisk druckt. Sücht doch goot ut, oder? - Opa, Du sittst ja jümmers noch hier rüm. Hebb ik Di nich vör ´n half Stünd al seggt, dat Du...

 

Friedrich:   Ja ja ja... Opa is maal wedder in ´n Weg hier. Natürlik. Maakt man blots wieder so. Eens Dags ward ji mi noch brüken. Mi un viellicht ok mien Schink. Tövt dat man af. (nimmt seinen Handstock, mit dem Rotlicht abgehend nach rechts) Sogor dumm Veerbeeners sünd hier bilütten mehr wert as jo eegen Fleesch un Blood. Un vun ´t Geschäft hebb ji so un so keen Ahnung, dat weet ik heel genau. (ab)

 

3. Szene

Elisabeth:  (hat von Jan-Ole die Speisekarten entgegengenommen, schaut Friedrich hinterher, schüttelt mit dem Kopf) Ja ja, snack Du man.

 

Jan-Ole:     (stellt den Stuhl von Friedrich wieder an die richtige Stelle an den Tisch, nimmt den Hocker in der Hand, auf dem das Licht stand) Na, nu segg al Mudder, sünd de Korten goot?

 

Elisabeth:  Wat? Och - (schaut schnell hinein) Ja, de sehnt bannig schöön ut.

 

Jan-Ole:     (stolz, zeigt in der Karte) Hier steiht alls to drinken, un op düsse Siet dann allns för de lütten Hunger. - Ik hebb de Pries för de Buurnplatte dann doch üm een Euro hoger ansett. 7 Euro sünd doch op Steh, meenst Du nich ok?

 

Elisabeth:  Ja ja. (klappt die Karte zu, legt sie auf den Tisch, setzt sich dann leicht verzweifelt und auch wütend auf einen Stuhl) Dit Luder. Dit verlogen, slecht Luder!

 

Jan-Ole:     Mudder! Well meenst Du?

 

Elisabeth:  Dumm Frag. Well woll? Dien Tant Luise, de leider ok mien Süster weer.

 

Jan-Ole:     Na hör maal. Ik bün dat, de se dat allns hier vermaakt hett.

 

Elisabeth:  Ja, dat hett Se. Aver to wat för ´n Pries?! Un ik? Ik weer ehr eenzig Süster. Hett se ok an mi docht, düsse... düsse... Hach, ik dörv gor nich dorover nadenken, wo slecht se doch weer. Nix, afsluts nix hett se mi achterlaten. Nich maal ´n Kleed of ´n Schlüpfer.

 

Jan-Ole:     Na ja...

 

Elisabeth:  Du kriggst düsse Kneip un dat Huus, aver blots, wenn dat so löppt, as se dat will. Nimmst Du amenne nich genoog in hier, kriggt düsse dumm Katt de Arvdeel. Un allns anner, wat se noch beseeten hett, hett se de Diakonie todocht. Dit Luder. Dit verlogen, slecht Luder! De lacht sik in düssen Oogenblick doch seker slapp in ehr Graff.

 

Jan-Ole:     Segg doch nich sowat.

 

Elisabeth:  Ik weer ehr lütte Süster. Een Nakomer. Uns Ollern weern al bannig old, as ik geboren wur. Ik weer 22 Johr junger as Luise. An lütte Süsters denkt man doch, ok wenn man in ´t Starven liggt.

 

Jan-Ole:     Mudder, nu wees nich unrecht. Tant Luise, Du un Vadder - ji haren siet Johren keen Kontakt. Worüm schull se jo also in ehr Testament benöhmen?

 

Elisabeth:  (kleine Pause) Un wenn se dat dohn harr, harr ik dat ok nich annohmen. Nix will ik vun ehr hebben. Gor nix.

 

Jan-Ole:     Is ja goot. Nu reg Di nich op. (leicht ironisch) Aver worüm sünd Papa, Du un Opa glieks hier in düsse Wohnung tegenan intrucken, as ik jo vun mien Arvskupp vertellt hebb? Dit hier weer ja immerhen ok maal dat Eegendoom vun Tant Luise.

 

Elisabeth:  Na ja, wiel... Du kannst dat doch nich allns alleen maken hier. Siet dat mit Sandra un Di ut is, hest Du doch nüms mehr. Un so veel Fründen, de Di hier bi de Umbau hulpen haren, gifft dat ok nich. Un butendem is dit Huus doch för Di alleen veel to groot. Wees uns dankbor, dat wi hier sünd. Un worüm schullen wi uns jeedeen Dag de lang Weg vun Wulfsdörp hier na Poppenbüttel andohn?! Dat kost doch blots een Vermögen an Benzin. Just bi de Priesen vandag.

 

Jan-Ole:     Ja, dat ji mi helpen, is wiß fründlik. Aver ji haren hier nich glieks intrecken schullt. Viellicht much ik ja ok jichenswenher nochmal een Familie gründen. Un ji hebbt doch sülfst een goot Huus.

 

Elisabeth:  (druckst herum) Jan-Ole, dat is nich so eenfach to verkloren. Du weerst alltied in München an ´t studeeren un hest nich veel mitkreegen vun uns un wat so geböhrt is.

 

Jan-Ole:     (gibt ihr einen Kuss auf die Wange) Snack wi een anner maal dorover. Dorto is nu keen Tied. Un - Danke Mudder för de Hülp. Du hest ja recht - ohn jo harr ik dat allns nich schafft. Un dorüm hest Du Di de Reha af overmörgen ok wiß verdeent.

 

Elisabeth:  Och Gott, ja - de Reha. Dorto hebb ik nu eenlik gor keen Geduld mehr. Schall ik nich beter afseggen? Du kummst doch ohn mi gor nich trecht hier. Un so schlimm is dat mit mien Bandschiev ok gor nich mehr.

 

Jan-Ole:     Kummt nich in Frag! Op düsse Reha hest Du Maantenlang tövt. Un de Gesundheit geiht vör. Ik schaff dat. Butendem sünd Papa un Opa ja ok noch daar.

 

Elisabeth:  Ja, daar hest Du woll recht. Hach, 4 Weeken to Kur. Un för jeedeen vun düsse 28 Dagen mutt man för de Krankenkasse 10 Euro tobetahlen.

 

Jan-Ole:     Mudder, SO slecht ward jo dat finanziell doch nich gahn, dat Du Di darüm een Kopp maken musst, oder?

 

Elisabeth:  (kleinlaut) Na ja...

 

 

 

 

4. Szene

Paul:          (kommt von rechts mit Schürze herein, die er beim Hereinkommen ablegt) So! De Köhlschappen sünd vull, in de Köken is allns vörbereit, de Parkplatz hebb ik vörhin ok nochmol affegt. Also, vun mi ut kann dat losgahn.

 

Jan-Ole:     Danke, Papa.

 

Elisabeth:  HE is doch de Grund! (deutet auf Paul)

 

Paul:          Wat is?

 

Elisabeth:  (deutlich) Ja, Jan-Ole schall dat nu weeten.

 

Jan-Ole:     Wat schall ik weeten, Mudder?

 

Paul:          Lisbeth, nu hol doch de Mund.

 

Elisabeth:  Nee Paul - dat is an de Tied, dat uns Söhn de Wohrheit to weeten kriggt.

 

Jan-Ole:     Mann eh, wi wüllt hier glieks düsse Gaststuv wedder openmaken. Wat hebbt ji denn nu noch för sünnerbor Narichten för mi? Ik meen, wi schullen uns nu op uns Gasten konzentreeren, wenn denn overhopt al komen.

 

Paul:          Dat meen ik aver ok.

 

Elisabeth:  Un IK meen, dat Jan-Ole weeten schall, wo dat siet een poor Week üm uns steiht, un worüm wi dat so ielig haren, uns hier glieks intonüsten. - Kind, Dien Vadder is kündigt warrn. Ja, he is arbeidslos. Al siet 3 Maant.

 

Jan-Ole:     Oh, dat deiht mi leed. Aver mit 58 Johren kunnst Du daar doch al over Dien Rent nadenken.

 

Paul:          Ja, dat is...

 

Elisabeth:  Dat is nich so eenfach. Un dorför gifft dat ok keen Grund. He is to jung üm al Rentner to sien un för de Arbeitsagentur is he keen Thema mehr.

 

Jan-Ole:     Aver jo Huus is doch schuldenfree un ji hebbt doch ok jümmers flietig sport.

 

Paul:          Just so is dat!

 

Elisabeth:  Ja, un dat, wat wi sport hebbt weer ok noch daar, wenn Dien Vadder nich jeedeen Cent daarvun an de Börse insett harr. Un so as Du weest, Jan-Ole, kann man dor ok op de verkehrt Peer setten.

 

Jan-Ole:     Dat schall heeten, Du hest...?

 

Elisabeth:  Allns hett he verloren. Nich een lusigen Euro is over bleeven. Tja, wenn man sik nich utkennt... IK hebb em glieks warschaut. - Dien Vadder is even een Trottel, mien Kind.

 

Jan-Ole:     Dat is wiß Schiet.

 

Paul:          Lisbeth, muss dat nu sien?

 

Elisabeth:  Ja, dat muss sien.

 

Paul:          De Prognosen stunnen domaals so goot. Well kunn denn ahnen, dat dat scheef geiht?

 

Elisabeth:  Wi leven in een Welt, de to elkeen Tied de grötste Pleiten parat holt. Harrst Du vör 25 Johren denn doran glövt, dat Quelle un Schlecker jichenswenher maal  Insolvenz anmelden möten? - Nee! Vandag is gor nix mehr seker. Finanzkrisen warrn uns ok in Tokunft dat Leven swor maken. Nich maal de Banken dörv man noch tröen. Am besten bunkert man sien Geld ünnern Koppkissen. Blots DAAR is dat seker.

 

Paul:          Wenn dat Huus nich afbrannt.

 

Elisabeth:  Ja, speei DU noch groot Töne hier. An de Börse weer uns Geld NICH seker, Du... Du... Vollpfosten.

 

Jan-Ole:     Eh, nu kommt maal wedder runner. Wi warrn al een Lösung finden för allns.

 

Elisabeth:  Dat seggt sik so liggt. 

 

Jan-Ole:     Wat is mit Opas Rent? He levt doch siet Johren bi jo.

 

Paul:          Ja, un frett uns de Hoor vun d´ Kopp. Un gifft uns jeedeen Maant 200 Euro för "uns Bemühungen", wo he dat so schöön utdrückt.

 

Jan-Ole:     Na, dat is aver to minn.

 

Elisabeth:  Na, dat vertell em maal. Vun Opa is nix to holen. Ok an sien Konto komen wi nich ran.

 

Jan-Ole:     Un Pleeggeld?

 

Paul:          Hebbt wi beandragt - al tweemaal.

 

Elisabeth:  Krieg wi aver ok nich - dorto is he nich klapperig genooch.

 

Paul:          Ja leider.

 

Jan-Ole:     Papa - bitte.

 

Elisabeth:  Also Kind - wi helpen Di hier bi düsse oll Kneip. Dormit dat hier ördentlik funktioneert. - Un dorfür lettst Du Dien Ollern un ok Opa hier wohnen. Uns Huus wüllt wi dann so flink as mööglich verhüüren; dormit tominst een beten wat an Borgeld rinkummt.

 

Paul:          Ja, so haren wi uns dat docht, Jung.

Jan-Ole:     Aha. Schöön, dat ji jo Pläne ohn mi maken.

 

Elisabeth:  Och Kind, ohn uns kummst Du doch gor nich klor hier.

 

Jan-Ole:     Mag sien, aver wenn wi Tant Luises Bedingung nich erfüllen in 5 Weeken, dann stahnt hier 4 Personen vör dat Nix. Viellicht schull ji also mit dat Verhüüren vun dat Huus noch solang töven.

 

Elisabeth:  10.000 Euro Umsatz maken in 6 Weeken, worvan de erst al för de Umbau drupgahn is. Sowat kann sik ok blots dit Luder utdenken. Dit verlogen, slecht Luder! Nich maal ´n Kleed of ´n Schlüpfer hett se mi vermaakt. Hach...

 

Jan-Ole:     Wi möten uns eenfach Meite geven; mehr könnt wi nich dohn. (schaut auf die Uhr) Un nu laat uns nich mehr over jo Sörgen snacken, sünnern Geld verdeenen. In 2 Minüten is dat offiziell sowiet.

 

Elisabeth:  Du hest recht. Jammern nützt uns nu ok nix.

 

Paul:          Of al ´n poor Lüüd wachtend vör de Döör stahnt?

 

Jan-Ole:     Na all de Flyer, de verdeelt warrn sünd, un de groot Annonce in ´t Blattje, de mi dat wunnern, wenn dat anners weer.

 

Elisabeth:  (ist aufgestanden, hat hier und da noch etwas gerichtet, natürlich auch ihre Kleidung und das Haar) Dat weer so schöön, wenn wi de Bedingung vun Tant Luise erfüllen kunnen - de Bedingung vun dit Luder, dit verlogen...

 

Jan-Ole:     Is goot nu, Mudder.

 

Paul:          Dat ward nich liggt, soveel steiht fast. Twee Johren lang stunn de "Oll Schink" leddig hier rüm, un dorvör harr Luise een Mieter, de ok nich mehr as 100 Euro in de Week umsett hett.

 

Jan-Ole:     Dat weeten wi allns, Papa. Aver nu laat uns een beten mit Mood in de Tokunft kieken.

 

Paul:          Ja ja. Do ik ja.

 

Elisabeth:  Dat mutt eenfach klappen. Dat weer ja woll noch beter, wenn de Katt amenne allns arven deiht.

 

Jan-Ole:     Ochja, Cleopatra - de schullen wi dann beter in d´ Köken brengen. De Rummel hier glieks ward se blots opreegen. (nimmt die Box von der Theke)

 

Elisabeth:  De Hals schull man dit Viech umdreihen.

 

Paul:          Hör blots op, Lisbeth. Erstmaal kann dat Deer doch gor nix dorför; un ohn Cleopatra sücht dat mit Jan-Oles Arvskupp ok düster ut. Wi düren nie nich vergeeten, se to fodern un uns üm se to kümmern. Wenn se krank ward of gor dood geiht, dann is dat ut mit dit wunnerbor groot Huus hier.

 

Jan-Ole:     Stimmt! (ab nach rechts mit der Box)

 

Elisabeth:  Ik weet - ik weet. Un so een verrückt Testament kann ok blots EEN opschrieven. Nämlich mien leev Süster Luise, dit Luder - dit verlogen, slecht Luder! Nich maal ´n Schlüpfer...

 

Jan-Ole:     (kommt sodann zurück) M a m a!!! Schluss nu!

 

Elisabeth:  Ja doch.

 

Jan-Ole:     (geht dann zur Eingangstür) So, dat is dann nu woll de Moment. Laat uns hopen, dat allns goot ward un vör allem, dat wi dree de Anstörm in ´n "Ollen Schink" ok bewältigen könnt. Sünd ji dann sowiet?

 

Elisabeth:  Ik woll.

 

Paul:          Ik ok. (stellt sich in Richtung Eingangstür neben Elisabeth auf)

 

Jan-Ole:     Na dann... (dreht den Schlüssel um im Schloss, schließt auf, geht dann schnell zu seinen Eltern, stellt sich daneben, alle drei hoffnungsvoll und fröhlich lächelnd zur Tür schauend, alle warten 10-20 Sekunden, nichts passiert)

 

Elisabeth:  Jan-Ole, Du schullst dat Plakat opstellen. Na, dit: "Geöffnet", dormit de Gasten ok Bescheed weeten.

 

Jan-Ole:     Ja, daar hest Du seker recht. (schnell ab nach rechts)

 

Paul:          Stell Di maal vör, daar kummt wiß nüms, Lisbeth. Dann is de Utsicht, hier 10.000 Euro umtosetten aver bannig mager.

 

Elisabeth:  Un dann büst DU dat, Paul, de sik wat overleggen mutt, wo dat wiedergahn schall mit uns. Du un anners nüms!

 

Paul:          Ja Lisbeth!

 

Jan-Ole:     (kommt sodann mit einem großen Aufsteller zurück, auf dem "geöffnet" steht, bringt diesen schnell nach draußen, kommt sodann zurück, reiht sich wieder zwischen seinen Eltern ein, alle schauen wieder vergnügt zur Tür)

 

Elisabeth:  (dann, nach einer weiteren Phase des Wartens) Musik! Wi schullen Musik anstellen. Dat mögen de Minsken.

 

Jan-Ole:     Ja richtig. (geht schnell zum Recorder) Wat liggts, instrumental of Kuschelrock?

 

Paul:          Instrumental un liggt is goot. Aver nich to slaapsk un ok keen Puff-Musik.

 

Elisabeth:  Puff-Musik? Wat meenst Du denn dormit?

 

Paul:          Na, wat even bannig opdringlich un erotisch klingt. Musikalisch-penetrant, weest Du?!

 

Elisabeth:  Erotisch un musikalisch-penetrant. Interessant. Wat DU mol wedder för Utdrücken kennst, mien leev Herr Gemahl. - Bün ja bannig gespannt, wat Du allns so driffst, wenn ik af overmörgen för 4 Weeken to Kur bün. Veel Vergnögen Paul, kann ik blots seggen.

 

Paul:          Wat snackst Du daar för een Blödsinn. De Utdruck "Puff-Musik" hört to de Allgemeinbildung.

 

Elisabeth:  (ironisch) Natürlik!

 

Jan-Ole:     (hat eine Musik angestellt, instrumental, aber nur leise) So! Dat schull passen. (stellt sich wieder zu seinen Eltern, wartet)

 

Elisabeth:  (dann zu Jan-Ole) Moment maal. Wat schall dit Theoter? Du warst doch just vör de Döör un hest dat Schild opstellt.

 

Jan-Ole:     Richtig.

 

Elisabeth:  Ja un? Weer denn nüms daar?

 

Jan-Ole:     (zunächst noch gespielt lächelnd und sich ahnungslos stellend) Wat?

 

Elisabeth:  (deutlich) Of jichenseen Minsk vör de Döör stunn, will ik weeten.

 

Jan-Ole:     (geht dann verzweifelt zur Theke, legt das Gesicht in die Hände) Nee - nüms. Keen Swien. Is wiet un siet nüms to sehn. Dat ward nix. Keen Minsk brükt düsse Kneip. De hett doch in de lesd 2 Johr ok nüms vermisst. Un wenn nichmaal een kummt, wo schall dann bitte Umsatz in de Kass komen? Heel to swiegen vun 10.000 Euro in 5 Weeken.

 

Paul:          (geht tröstend zu ihm) Nu maal nich glieks vertwiefeln, Jan-Ole. Dat ward al. Dat is ja ok erst 3 Minüten na 6. De meesten Lüüd gahnt seker erst tegen 8 in de Lokalen.

 

Elisabeth:  Dat könnt wi blots hopen.

 

5. Szene

Friedrich:   (kommt von rechts mit heruntergelassener Hose, mit Handstock und mit einem Zettel in der Hand herein) Ik hebb dat maal utreekend.

 

Jan-Ole:     (schaut hoch, geschockt) O P A !!!

 

Elisabeth:  Also, nu sleiht dat ja woll 13.

 

Paul:          (ruhiger, schüttelt nur mit dem Kopf, geht einfach zu ihm und zieht ihm die Hose hoch, schließt diese auch, dann zu Jan-Ole und Elisabeth:) Dat kann ja maal passeeren! Butendem warrn wi ok jichenswenher old. --- Un Vadder, wat hest Du utreekend?

 

Friedrich:   285 Euro un 71 Cent.

 

Elisabeth:  (schon erfreut) Düsse Bedrag wullt Du uns in Tokunft jeedeen Maant geven för uns Meite, de wi mit Di hebben?

 

Friedrich:   Quark doch nich so ´n Blödsinn, Lisbeth. 285,71 Euro möten wi jeedeen Dag umsetten hier - dann hebb wi na 5 Weeken de 10.000 schafft.

 

Jan-Ole:     Oh mien Gott, dat sünd ja bold 300 Euro jeedeen Dag. Wo schall DAT denn bitte gahn?

 

Friedrich:   Laat uns blied ween, dat Luise nich de Gewinn as Vörgaav verlangt; dann de dat noch slechter utsehn.

 

Paul:          (ganz überrascht) Vadder, Du verblüffst mi.

 

Friedrich:   (schon wieder abgehend) Tja, is doch beter, man weet, mit wat för Summen man kalkuleeren mutt. (an der Tür nach rechts) Noch nich veel los hier, wa?! Veel Glück wünsch ik jo. IK bün nu ok nich langer in ´n Weg. Hähähä... (ab)

 

6. Szene

Jan-Ole:     Opa is so ´n Schlitzohr. De deiht blots alltied so, as wenn he nich heel recht in d´ Kopp is. Dorbi is de heelmaal klor in de Birne. (hat schnell einen Taschenrechner unter der Theke hervorgeholt, tippt darauf)

 

Elisabeth:  Wat för ´n utkookt Aas. He is mennichmaal just so as Tant Luise, dit verlogen...

 

Paul:          (schnell) Aver wat he seggt hett, hört sik nich heel goot an.

 

Jan-Ole:     285 Euro - dat sünd 40 Schinkenplaten an ´n Dag, de verköfft warrn möten. (tippt wieder)

 

Elisabeth:  Dat heet, dann mussen ok minnestens 40 Gasten hierher komen.

 

Jan-Ole:     114 Glasen Water of Cola brengen dat ok in.

 

Paul:          Un woveel Beer?

 

Jan-Ole:     (nach erneutem Getippe) 95.

 

Paul:          Utsichtslos - afsluts utopisch.

 

Elisabeth:  Un ik segg dat nu nochmol: Well könnt wi düsse Katastrophe verdanken? Mien leev Süster Luise, dit Luder. Dit verlogen, slecht Luder! - Keerl, wat för ´n Aas!

 

Paul:          Wat schöllnt wi maken?

 

Jan-Ole:     Wi schullen de Lüüd jichenswie wat Besünners beeden. Wat schöllnt wi to ´n Biespiel mit de groot Saal hier tegenan maken?

 

Elisabeth:  Na, wi hopen dorup, dat veel Minsken ehr Hochtieden bi uns fiern. Ok Teetafeln hebbt wi anboden. Dat sünd allns Innahmen de ja dann bovendem rinkomen.

 

Jan-Ole:     Wi könnt nich dorup hopen, dat in de komend 5 Week well starven deiht un hier een Teetafel stattfind. Un Hochtieden plant man, Mudder. Daar ward in de komend Weeken keen Termin anstahn; glöv mi.

 

Paul:          (seufzt) Schööne Utsichten.

 

7. Szene

Hannelore: (kommt fröhlich von draußen herein. Ihr folgt sodann ihre Tochter Vicky. Beide sind recht altbacken angezogen, Vicky ist linkisch und etwas dümmlich, Hannelore eher etwas "überdreht") Hallööchen! - Nee! Seggt nu nich, dat wi de Ersten sünd to de Neeijeröffnung hier?! Vicky - is dat nich herrlich?

 

Vicky:       Ja Mudder. Herrlich.

 

Paul:          (zu Elisabeth:) Na, DE hett uns to ´n Glück just noch fehlt. Hannelore Eppelkött mit ehr dusselig Dochter Vicky.

 

Elisabeth:  (zieht Paul nach vorne an den Bühnenrand rechts oder links) Paul! Ik bün sülfst nich de grötste Fan vun Hannelore Eppelkött. Aver se is nu maal uns Naverske. Un wenn ik wat utlehn bi ehr, hett se noch nie NEE seggt. Wi möten uns ok wiederhen also goot mit ehr verstahn. DU ok, Paul. Hörst Du?!

 

Paul:          Ja doch. (reißt sich los von Elisabeth, geht dann überfreundlich zu den beiden) Na sowat. Ji beid hier bi uns. Dat is ja wunnerbor!

 

Jan-Ole:     (freundlich zu den beiden Frauen) Hartlik willkommen in dat Gasthuus "To ´n ollen Schink". Schöön, dat ji de Weg hierher funnen hebbt.

 

Elisabeth:  Ja. Dat wull ik ok just seggen.

 

Paul:          Stimmt. Ik eenlik ok.

 

Hannelore: Na, dat laat wi uns doch nich entgahn. (schaut in alle Richtungen) Och, schöön hebbt ji dat oll Weertshuus wedder herricht. Heel herrlich. - Is dat nich so, Vicky?

 

Vicky:       Ja Mudder. Heel herrlich.

 

Hannelore: Aver nu maal Klortext. Lisbeth - Paul. JI beid hebbt dit Gasthuus köfft? Dat kann ik mi mit bestem Willen nich vörstellen. Ik meen - dat Verhältnis twüschen Di (zu Elisabeth) un Luise weer doch allgemein in ´t Dörp bekannt, Lisbeth. (dann spielt sie spontan eine Eingebung vor) Oooooch... nu ahn ik daar wat. Ji hebbt dat arvt, richtig? Luise hett jo dit Gasthuus vermaakt. Och, de goot Seele. Ja, se weer een goot Minsk. Dat weer se wiß. Nich wohr, Vicky?

 

Vicky:       Ja Mudder. Een goot Seele und een goot Minsk weer se.

 

Hannelore: Na, wat is denn nu? Krieg ik hier ok noch maal ´n Antwoord op mien Fragen?

 

Jan-Ole:     Äh, Hannelore, nehm doch erstmol Platz. Un Du natürlik ok, Vicky. Wat dörv dat denn sien? Of much ji erst een Blick op uns Kort smieten?

 

Hannelore: (setzt sich, so wie Vicky) Na ja, ik harr ja eenlik verwacht, dat man hier an de Döör mit een Glaske Sekt of O-Saft begrööt ward - so, as sik dat eenlik hört, nich wohr, Vicky?

 

Vicky:       Ja Mudder. Eenlik hört.

 

Paul:          (leiser, weil es ihm peinlich ist) Lisbeth, Jan-Ole - doran hebb wi gor nich docht.

 

Elisabeth:  (dann schnell gestellt freundlich) Aver natürlik hebb wi doran docht. Man bi uns schall de Gast allns afsluts frisk kriegen. Dorum muchen wi jo doch keen Sekt anbeeden, de al 10 Minüten in ´t Glas swummen hett. (streng) Jan-Ole! Twee Sekt för uns Gasten! Extra frisk!

 

Jan-Ole:     Jawoll! (geht hinter die Theke, bereitet dieses vor)

 

Hannelore: Lisbeth Brummerloh, ik bün ja heelmol overrascht un platt. So kennt man Di ja gor nich. Wenn ik mi maal wat utlehnen will bi Di, reageerst Du aver nich so fründelk. Na ja, kummt ja ok erde vör, dat DU wat bi mi lehnen wullt, nich.

 

Elisabeth:  Och, dat deiht mi leed, wenn Di dat mennichmaal so vörkummt, as weer ik nich goot geluunt, Hannelore. Aver dat is nich so. Na ja, un dat sünd hier ja nu ok twee verscheeden Saken, Hannelore. Nachbarschaftshülp is privat un dat hier is geschäftlich. Du büst nu uns Gast. Un uns Gast is König.

 

Hannelore: Hör Di dat an, Vicky. Is dat nich herrlich, wat Lisbeth daar vun sik gifft?

 

Vicky:       Ja Mudder. Herrlich.

 

Jan-Ole:     (bringt während des nächsten Dialogs zwei Gläser Sekt zum Tisch. Er macht das recht übertrieben mit weißem Handtuch über´m Arm usw.)

 

Paul:          (zieht Elisabeth nach vorne, leiser zu ihr) Gev Di nich so veel Meite mit ehr, Lisbeth. An DE verdeen wi in Tokunft sowieso keen Cent.

 

Elisabeth:  Ik weet. Aver se sludert herüm in ´t heel Dörp. Un slecht Reklam könnt wi nu wiß nich brüken.

 

Jan-Ole:     "Wohl bekommt´s", mien Damen. - Dat geiht natürlik op ´t Huus.

 

Hannelore: Veelen hartliken Dank. Aver nu rut mit de Spraak. Hebbt ji de Kneip arvt vun Luise?

 

Jan-Ole:     (ist wieder zur Theke zurück gegangen, hebt ein drittes gefülltes Glas Sekt hoch) Ik hebb de "Olle Schink" arvt, Hannelore. Ik alleen. - Prost de Damen.

 

Hannelore: (sehr erfreut) Oooohh... hörst Du dat, Vicky. Jan-Ole is nu de Besitter vun een wunnerboren Gaststuv mit groot Saal. Dat is ja herrlich. - Na, nu gah doch maal een beten na Jan-Ole hen un unnerhol Di mit em.

 

Vicky:       Meenst Du wiß, Mudder? (steht langsam auf)

 

Jan-Ole:     (hat jetzt das Glas angesetzt, trinkt)

 

Hannelore: Aver ja. Wees doch nich so schüchtern. Ji sünd doch beid in ´t heiratsfähig Oller. Snapp Di em, Kind!

 

Jan-Ole:     ("spritzt" den Sekt in hohem Bogen nach vorne aus dem Mund, hustet dann)

 

Paul:          Och - äh - Hannelore, wi muchen Di nich vör de Kopp stöten - un Vicky natürlik ok nich, aver...

 

Elisabeth:  ...aver uns Jan-Ole hett doch siet Maanten sien Sandra. Dat weet ji doch.

 

Hannelore: Paul - Lisbeth, denk ji eenlik, ik leev achter d´ Maand? Dat mit Sandra un em is ut. Ut un vörbi. Dat weet doch dat heel Dörp.

 

Jan-Ole:     ("sauer") Veelen Dank, Hannelore.

 

Paul:          Jaaa... de beiden weern daar in mennich Saken nich jümmers een Meenung. Aver dat renkt sik seker fix wedder in. Man kennt doch de jung Lüüd vandag, nich?! Hähähä...

 

Hannelore: Ochja? Tja, well ´t glövt, ward selig.

 

Vicky:       Wat schall ik denn nu? Schall ik nu noch to Jan-Ole gahn un mi em snappen, of nich?

 

Hannelore: Aver seker doch. Kiek em tominst goot bi de Arbeid to. Wenn dat mit jo beiden wat ward un Du hier erst Gastwirtin büst, mötst Du allns kennen vun düsse Branche, Kind.

 

Jan-Ole:     Ja, also - ik mutt nu erst in de Köken. Un Gasten düren daar leider nich rin. (schnell ab nach rechts)

 

Paul:          Töv, ik wull Di doch helpen. (ihm schnell hinterher)

 

8. Szene

Hannelore: (enttäuscht) Du kannst Di erst wedder hensetten, Kind. Wi griepen later nochmol an.

 

Elisabeth:  (sichtbar empört, dass sie mit den beiden allein gelassen wird, dann aber gespielt freundlich) Tja, wat äh... dörv ik jo beiden denn nu anbeeden? Wo weer dat mit een Frikadell - sülfst maakt - un dorto een wunnerbor groot Portion Kartuffelsalat? Of dürt ik jo uns lecker Buurnplatte brengen?

 

Hannelore: Nee danke, Lisbeth. Wi hebbt tohuus al eeten. Worto unnütt Geld utgeven för Eeten, wenn dat in d´ eegen veer Müüren veel günstiger is, nich wohr?! Is dat nich so, Vicky.

 

Vicky:       Ja Mudder. In veer Müüren veel günstiger.

 

Elisabeth:  (kurz vor dem "Durchdrehen") Ooohh... ik warr hier glieks noch... (ruhiger) ik äh... mutt ok maal just in de Köken. Bün glieks trüch. (zügig ab nach rechts)

 

9. Szene

Hannelore: Vicky - Kind. Du mötst een beten driester ween. Laat Di doch nich jümmers vun Dien Mudder seggen, wat Du to dohn hest. De Brummerlohs un wi sünd siet Ewigkeiten Navers. Du hest mit Jan-Ole johrenlang in d´ Sandkasten speelt. Daar weer dat doch woll ´n Witz, wenn ut jo nich ok een Poor warrn kunn.

 

Friedrich:   (steht nun in der Tür von rechts, hört zu)

 

Vicky:       Ik will Jan-Ole ja gern to ´n Mann hebben, aver he mutt dat ja ok willen, Mama.

 

Hannelore: Dat will he doch ok. He is blots een beten bang, just so as Du. - Pass op: Lisbeth mutt doch düsse Kur maken. Un dann brüken de bestimmt Unnerstützung hier. Frag, of Du hier arbeiden dörfst. För ´t Glasenspölen of to ´n Putzen brükt man doch jümmers Lüüd. Dann sünd ji de heel Dagen tohoop, un dann is dat blots een Frag vun de Tied, bit Jan-Ole mit Di na ´t Traualtar geiht.

 

Vicky:       (beschämt) Oh Mann, dat weer ja geil. (überlegt, was sie da für ein Wort sagte) Ups.

 

Hannelore:(ein wenig empört) Schöön weer dat. Bannig schöön. Geil is wat anners. Dat sünd blots de Blomen. 

 

Vicky:       Ja. Un so as een Blom föhl ik mi just, Mudder.

 

Hannelore: Ja ja. (nach einer kleinen Pause) Also, besünners fründelk is dat ja nu ok just nich, dat de uns hier so alleen sitten laten, nich?!

 

Vicky:       Stimmt Mudder. Nich besünners fründelk.

 

Hannelore: (schaut sich um) Hach, ik mutt erst de Sekt wegbrengen. Bün glieks trüch. (steht auf, ab nach links)

 

Vicky:       Is goot, Mudder. Ik töv hier solang.

 

10. Szene

Friedrich:   (kommt dann wieder in den Raum) Gooden Avend, Vicky. (er spricht "Vicky"immer  mit "scharfem" "V" aus)

 

Vicky:       Opa Friedrich, Du büst ok hier?

 

Friedrich:   Aver ja. Segg maal, Vicky. Hett dat klappt mit de Steh bi Backeree Struwe?

 

Vicky:       (enttäuscht) Nee, de hebbt een anner Deern nohmen. Mien Tüchnis weer de woll nich goot genooch.

 

Friedrich:   To argerlich aver ok. Weest Du, HIER in ´n "Ollen Schink" ward aver ok noch Personal söcht. Harrst Du nich Lüst?

 

Vicky:       (sehr erfreut) Oh ja. Mudder un ik hebbt just dorover snackt. Dat weer ja supi-geil. Wat mutt ik denn hier dohn, Opa Friedrich? (steht auf)

 

Friedrich:   Supi-geil - ahja. - Na, weest Du - mit de eenlik Arbeid komen wi hier al heel goot trecht. Dat is blots so, dat düsse Gaststuv funktioneeren mutt, versteihst Du?! Ik meen, wi brüken Mitarbeiter, de dat schaffen, dat dat hier vull ward.

 

Vicky:       (versteht nicht so recht) Ja, ji wüllt ja seker verdeenen. Aver wat kann IK daar dohn?

 

Friedrich:   Wi möten versöken, de Gasten antolocken. Dat mutt för jeedeen eenzeln Gast een gooden Grund geven, worüm he hierher kummt.

 

Vicky:       Hierher kummt. Ja.

 

Friedrich:   Ik... ik betahl Di 10 Euro in d´ Stünd. Un Du mötst jeedeen Avend so bummelig 5 Stünden hier arbeiden. Segg wi vun 20 bit 1 Ühr. Weer dat wat för Di?

 

Vicky:       Oh ja. Dat is ja toll. Un endlich verdeen ik dann mien eegen Geld. Wat mutt ik denn dohn? Un vör allem, wo kann ik denn dorto bidragen, dat de Gasten hierher komen?

 

Friedrich:   Tja - segg maal: Kannst Du danzen, Vicky?

 

Vicky:       Danzen? Ja, een beten woll. Dat heet: Hoffmanns Klausi hett sik beswert op dat lesd Erntedankfest, dat ik em bi d´ Foxtrott jümmers op de Footen pett bün. Dat stimmt aver gor nich. Wat kann ik denn dorför, wenn de so groot Footen hett un he de jümmers unner mien schuven deiht?

 

Friedrich:   Genau! Un düsse Sörg hest Du hier erst gor nich. Wiel Du hier nämlich heel alleen danzen schallst.

 

Vicky:       Alleen?

 

Friedrich:   Richtig! Wullt Du dat maal versöken? Beweg Di doch maal - so mit Schisselaweng un moij rhythmisch.

 

Vicky:       (stellt sich in den Vordergrund, bewegt sich, rollt auch mit den Hüften, es sieht aber eher komisch und weniger professionell aus) So?

 

Friedrich:   Na ja - dat is dat noch nich so heel, so as ik mi dat docht hebb. Daar mutt een Schööt mehr Erotik rin. Aver dat üven wi noch. Un - äh - Vicky - Verkleeden findst Du doch ok toll, of nich?

 

Vicky:       Ja, geil. Ik mach Karneval för mien Leeven gern.

 

Friedrich:   Na, dat is doch al maal een Anfang. Komm mit na tegenan. Dann verklor ik Di allns. (abgehend nach rechts)

 

Vicky:       Ja supi. (zieht ihren Rock o.a. weniger galant hoch, ihm folgend ab nach rechts)

 

11. Szene

Hannelore: (kommt von der Toilette zurück, wundert sich, wo Vicky geblieben ist, dann kommt...)

 

Cordula:    (...von draußen herein. Sie ist spießig gekleidet mit einem Kostüm o.a.) Gooden Avend.

 

Hannelore: Gooden Avend. (setzt sich wieder auf ihren Platz)

 

Cordula:    (schaut sich kurz um, setzt sich dann an einen anderen Tisch, wartet, schweigt)

 

Hannelore: (taxiert sie eine Weile, dann:) Is dat noch dröög buten? Dat schall ja noch Gewitter geven.

 

Cordula:    (zunächst ein wenig empört über dieses dreiste Ansprechen) Bitte? - (dann) Ja, dat is noch dröög.  

 

Hannelore: Wi möten ja ok heel nötig Regen hebben, nich wohr?! Is ja wedder allns veel to dröög in düsse Sömmer.

 

Cordula:    Mööglich.

 

Hannelore: Is schöön warrn hier - düsse Kneip - na de lütte Renovierung, nich?!

 

Cordula:    Mi is nich bekannt, wo düsse Gaststuv VÖR de Umbau utsach. Ik hol mi ungern in sückse - nu, segg wi maal: Etablissements op. Is nich mien Stil, weeten Se?!

 

Hannelore: Oh, so is dat. In wat för Attabletts - of wo dat heet - gahnt Se anners denn so?

 

Cordula:    Wat meenen Se?  

 

Hannelore: Is al goot. Geiht mi ja ok nix an.

 

12. Szene

Jan-Ole:     (kommt von rechts zügig wieder herein, sieht Cordula, bleibt abrupt stehen) Oh...

 

Cordula:    Gooden Avend, Herr Brummerloh.

 

Jan-Ole:     Fro Meisenbrot. Se harr ik hier nu nich verwacht hüüt Avend to de Eröffnung.

 

Cordula:    (steht auf, reicht ihm die Hand) Tja, ik bün jümmers wedder för een Overraschung goot, dat schullen Se sik marken. Wi beid sünd doch sowat as Partner för de komende Weeken. Wo kunn ik mi daar also rar maken?!

 

Jan-Ole:     Partner? Na ja, wenn Se dat so sehnt?

 

Hannelore: (hört sehr neugierig zu)

 

Cordula:    Ja, so seh ik dat. Düsse Saak hier mit dat Lokal is doch nix wieder as een sinnlos Phase. Ik bün over de Inhalt vun dat Testament vun Ehr Tant genauestens informeert. Wenn Se scheitern, hört in 5 Weeken allns mi!

Jan-Ole:     MOMENT maal, Fro Meisenbrot. Wenn ik de gewünschte Umsatz nich in de Kass hebb, dann arvt Cleopatra dat Vermögen. SO is dat vun Tant Luise wullt.

 

Cordula:    Veelen Dank för de detaillierte Beschrievung. Un wenn dat ok so is, IK verwalt dann dat Vermögen vun Cleopatra. So hett Luise dat wullt.

 

Hannelore: (völlig platt) Na, DAT is ja maal... (schnell zu Jan-Ole) Äh, ik stör ja ungern düsse hochinteressante Snackeree, aver kannst Du mi viellicht seggen, wor Vicky is? 

 

Jan-Ole:     Is mit Opa in d´ Köken. De besnacken daar jichenswat.

 

Hannelore: Na goot. - So, ji könnt wieder snacken.

 

Jan-Ole:     (zu Cordula) Fro Meisenbrot, ik will heel ehrlich sien: Ik bün nich wieder doran interesseert mit Ehr de Details vun Luises lesd Willen to debatteeren. Wi beid kennen de Fakten un dormit schull dat goot sien. Een Entscheedung fallt in 5 Weeken, un de Nalassverwalter prüft dat allns. Wenn Se hier also in ´n "Ollen Schink" nix drinken of eeten muchen, hol ik dat för beter, Se gahnt nu. Denn PARTNER sünd wi beid heel seker nich!

 

Hannelore: Oooooh... is dat geil. - Ups!

 

Cordula:    Se smieten mi hier rut?! Na DAT hebb ik aver ok noch nich belevt.

 

Jan-Ole:     Man schull allns eenmaal beleven.

 

Cordula:    Unverschamt! Aver goot. Ik gah. Aver ik komm wedder. Un bevör ik dit... (sieht sich um) fragwürdig Lokal verlaat, much ik Cleopatra sehn. Is goot mööglich dat dat Deer allns arvt. Un dorüm is dat mien Plicht natokieken, of de Katt dat hier ok goot geiht.

 

Jan-Ole:     Daarvun steiht aver nix in dat Testament.

 

Cordula:    (holt Luft, will schon wieder "loslegen")

 

Jan-Ole:     (schneller) Is al goot. Bevör Se noch rood anlopen of hysterisch warrn... ik hol de Katt. (ab nach rechts)

 

Cordula:    (schüttelt mit dem Kopf)

 

13. Szene

Hannelore: (steht auf, geht zu Cordula) Weeten Se, dat is dat, wat ik so geern hebb an Lokalen.

 

Cordula:    (fühlt sich schon wieder gestört von Hannelore) Wat meenen Se?

 

Hannelore: Na, dat man gor nix maken mutt, un liekers de grötste Sensationen gewohr ward hier.

 

Cordula:    Och, wat weeten Se denn al?

 

Hannelore: Na, een heel büld siet 5 Minüten. Un ik warr dat Lisbeth Brummerloh noch Weeken op ´t Brood smeeren, dat se mi dat allns nich vertellt hett. Se sünd also vun ´t Deerenheim?

 

Cordula:    Tsss... Deerenheim. Wenn Se regelmäßig de lokale Presse verfolgen denen, dann wüssen Se, dat Cordula Meisenbrot de erst Vörsitterske vun de Tierschutzverein Zimbrosia e.V. is. IK alleen hebb dat schafft, dat 2 Gesetzen annert worden sünd in de lesd 6 Johren togunsten vun de Deeren in Dütskland. Nix is mi wichtiger as dat Wohl vun Deeren.

 

Hannelore: Ahja. Un dormit kann man richtig Geld verdeenen?

 

Cordula:    Geld. As wenn dat wichtig weer.

 

Hannelore: Is dat nich? Dann frag ik mi aver, worüm Se so scharp dorup sünd, düsse Arvskupp antotreden? Düsse Immobilie is doch seker mehr wert, as dat, wat düsse Katt in ehr Leven noch freeten kann, hebb ik recht?

 

Cordula:    Tsss...

 

14. Szene

Jan-Ole:     (kommt mit de Katzenbox zurück, stellt diese auf die Theke; wieder mit der Rückseite zu den Zuschauern) Bittesehr.

 

Cordula:    (geht hinter die Theke, dann nah an die Box) Üm Himmels Willen, in so een Box mutt dat arm Deer dat utholen? Dat is ja gräsig.

 

Jan-Ole:     Ik hebb se vör een Minüte daar rin dahn. Se hett een eegen Ruum hier un löppt daar free rum de heel Dag. Se besitt een Kratzboom, Speeltüch, ward een poormaal an d´ Dag striekelt un kriggt bovendem dat best Foder, wat dat in ´n Handel gifft. Ja, entwurmt ward se ok bold wedder. Un bösseln un kämmen deiht ok jichenswell se alltied. Anners noch Fragen?

 

Cordula:    Och, Cleopatra. Du... Du... Du... (steht dann wieder aufrecht) Mien Geföhl seggt mi just, dat se hier nich goot ophoven is.

 

Jan-Ole:     (nimmt die Box wieder von der Theke herunter) Un mien Geföhl seggt mi, dat dat beter is, wenn Se nu gahnt, wiel SE anners hier nich mehr goot ophoven werrn. (stellt die Box auf den Boden neben der Theke ab)

 

Cordula:    (pikiert erhobenen Hauptes zur Tür gehend) Wi sehn uns wedder. Gauer as Se denken, Herr Brummerloh.

 

Jan-Ole:     Ja, ik frei mi al dorup. Op Weddersehn!

 

Cordula:    ("rauscht" ab)

 

15. Szene

Hannelore: WAT för ´n Furie, wa?!

 

Jan-Ole:     Daar mutt ik Di utnahmswies maal recht geven, Hannelore.

Hannelore: Utnahmswies - Du Flegel! - Deiht mi ja ok leed, dat ik allns mit anhören muss, aver nu weet ik even bescheed. Allerdings - EEN Detail fehlt mi daar in düsse Geschicht noch.

 

Jan-Ole:     (gelangweilt) Un wat för een?

 

Hannelore: Wenn Du de Olle Schink arvt hest, wo kann dann Madame Deerenschutz in 5 Weeken ok noch arven?

 

Jan-Ole:     Indem wi nich dat umsetten hier, wat Luise verlangt.

 

Hannelore: Nu verstah ik. Oh - un Du denkst, dat ward nich eenfach?

 

Jan-Ole:     Nich eenfach? Hannelore, dit Gasthuus is nu siet mehr as 25 Minüten open, un wi hebbt noch nich een eenzigen Cent innohmen bitlang.

 

Hannelore: Stimmt. Och Jung, ik de Di to gern helpen, wenn ik kunn. Also, wenn mi blots jichenswat infallen de, wo man de Gasten hier herlocken kunn - ik de allns, wiß. Un Vicky natürlik ok. Besünners Vicky; versteihst Du?! (grinst)

 

Friedrich:   (steht wieder rechts in der Tür jetzt)

 

Jan-Ole:     Danke Hannelore. Aver ik glöv nich, dat Di daar een Idee kummt, de ok würklich Sinn maakt.

 

16. Szene

Friedrich:   (kommt vor) Hannelore viellicht nich. Aver MI!

 

Jan-Ole:     Opa. Wat seggst Du daar?

 

Friedrich:   Wi leven in een modern, verrückte, schnelllevig Welt. Smartphones un Labtops bestimmen de Olldag. Besünners bi de jung Minsken.

 

Hannelore: Opa Friedrich - ik bün platt!

 

Jan-Ole:     Ja. Frag MI maal.

 

Friedrich:   De Lüüd verbrengen in ehr Freetied de Tied leever an ´n Computer as overhopt noch ut dat Huus to gahn. Un WENN se dat dohnt, dann kann man hüüt nüms mehr in een langwielig Kneip locken. De Minsken wüllt unnerholen warrn. Blots so kann een Gaststuv as düsse noch funktioneeren. (zu Jan-Ole) Dorup harst DU eenlik as erst komen kunnt, Du jung Bengel.

 

Jan-Ole:     Ja, aver... wat...?

 

Friedrich:   Af sofort hebbt wi een neej Mitarbeiterin hier in ´n "Ollen Schink", de för de nödig Animation sörgen deiht.

 

Jan-Ole:     Wat?

 

Friedrich:   Richtig. Vicky arbeid nu hier un maakt de Laden to een Goldgruv. Tominst glöv ik an ehr.

 

Hannelore: Oh, dat is ja wunnerbor. Mien Vicky! Un wo sücht ehr Arbeid ut?

 

Friedrich:   Dat warst Du glieks gewohr. (Friedrich stellt sich in de Mitte, spricht die Zuschauer an) Mien Damen un Herren, de "Olle Schink" vun Poppenbüttel... nee, ik denk dat mutt internationaler. (beginnt erneut) Ladys and Gentlemen - The old ham from Poppenbüttel proudly presents - live and now - Vickyyyy... Eppelkött!

 

17. Szene

                  (die Bühne kann sich zu dieser Szene leicht verdunkeln, auch mit Spotlights und bunten Strahlern kann hier gearbeitet werden, muss aber nicht sein. Nicht von dem Recorder auf der Bühne, sondern von irgendwo ertönt jetzt relativ laut entweder der Erotik-Song "Je t´aime" oder "Sexbomb". Vicky kommt von rechts erotisch-tanzend auf die Bühne. Je nachdem, welche Musik Sie wählen, langsamer oder flotter. Sie trägt eine Perücke, ist grell geschminkt, trägt sehr ungewöhnliche Kleidung. Und zwar ein Bustier oder Body, Leggins, Schuhe mit hohen Absätzen, evtl. Handschuhe und eine Federboa, und über ihre Leggins einen wollenen Schlüpfer in rosa mit "Bein". Sie versucht erotisch zu tänzeln, welches bei ihr jedoch schreiend komisch aussieht. Sie knickt auch 1-2 mal mit den hohen Absätzen um. Geht dann - nachdem sie einen Moment für das Publikum ihre weniger perfekten Bewegungen zeigte - mit erotischem Blick auf Jan-Ole zu, neckt ihn mit der Feder-Boa. Zugleich kommen dann Elisabeth und Paul von rechts, stehen in der Tür, staunen nur. Hannelore ist entsetzt und hält sich die Hände vor den Mund. Dann schneller Vorhang.

 

 

 

End des ersten Akts

 

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Zweiter Akt

 

                  (ca. 1 Woche später. Das Bühnenbild ist unverändert. Ein Abend, ca. 21 Uhr. Wenn der Vorhang sich öffnet, sitzt Jan-Ole recht verzweifelt an einem Tisch. Sein Gesicht hat er in seine Handflächen vergraben. Von hinten aus dem Saal hört man die Musik "Sexbomb" oder "Je t´aime". Auf dem Tisch vor Jan-Ole liegt ein großer Block mit Stift. In dem Schloss von der Eingangstür steckt der Schlüssel von innen)

 

1. Szene

Jan-Ole:     (steht dann nach einer Weile auf, ist genervt von der Musik im Hintergrund, zu sich selbst:) Dat is ja nich to ´n Uthalen! - Un dat kann doch woll allns nich wohr sien.

 

2. Szene

Sandra:      (kommt zügig und wütend von draußen herein, hat eine Tageszeitung zusammengefaltet in der Hand, geht wütend zur Theke, "knallt" die Zeitung darauf) Dat kann doch woll allns nich wohr sien! (verschränkt die Arme, schaut weg von Jan-Ole)

 

Jan-Ole:     (sehr überrascht) Sandra! Wat maakst DU denn hier?

 

Sandra:      (schnippisch) Is dat hier een opentlik Lokal? Ja of nee?

 

Jan-Ole:      Natürlik is dat dat.

 

Sandra:       Jaaaaa... un WAT för een!

 

Jan-Ole:      Wat meenst Du?

 

Sandra:       Wat ik meen? Oh, Jan-Ole. Ik harr Di wiß mennich Slechtigkeiten totröd, aver dat...?! (etwas ruhiger) In ´t Dörp vertellen sik de Lüüd, dat Du de "Olle Schink" arvt hest. Un wenn wi uns ok vananner trennt hebbt vör Weeken, frei ik mi för Di.

 

Jan-Ole:      Danke.

 

Sandra:       (wieder wütend) Aver dat Du een Bordell ut düsse urigen Kneip maakst, dat harr ik nie nich vun Di docht, Du Buck!

 

Jan-Ole:      Een Bor... wat? Wo üm allns in de Welt kummst Du denn blots op so een Blödsinn?

 

Sandra:       Dat fragst Du noch?! (schlägt die Zeitung auf, drückt sie ihm grob in die Hände) Hier! (zeigt auf eine Annonce, liest gleichzeitig vor:) "Zum alten Schinken, das etwas andere Gasthaus in Poppenbüttel. Jeden Abend ab 20 Uhr erotische Stunden mit Vicky. Sie erfüllt Dir jeden Wunsch." - Na, DAT langt ja woll. Un? Lett se Di ok maal ran, of hebbt ji amenne al Heiratspläne - Du un jo erotische Vicky?

 

Jan-Ole:      (in einer Mischung aus "perplex und belustigt") Äh... ik...

 

Sandra:       Komm to ´t „Prädikat“!

Jan-Ole:      Daar gahnt mi just so veel Fragen un Saken dörch de Kopp.

 

Sandra:       (streng) Ja, mi ok.

 

Jan-Ole:      Aver ik ahn daar wat. Töv maal. (geht nach rechts, ruft nach dort streng und laut:) OPA!? - Friedrich Brummerloh, kummst Du bitte op de Steh in de Gaststuv?!

 

Friedrich:    (ruft von rechts) Dat is heel ungünstig nu. Ik sitt just vör ´t Roodlücht.

 

Jan-Ole:      Dann unnerbreek dat! Ik MUTT mit Di snacken! Sofort!

 

Friedrich:    Ja ja. Is ja al goot. Ik mutt aver erst de Büx hochtrecken. Dat dürt.

 

Jan-Ole:      Na, tomindst denkt he ditmaal dran. (nach einer kleinen Pause zu Sandra:) Un? Wo geiht Di dat anners so?

 

Sandra:       (immer noch "frech") Wat schall dat heeten? "Anners so"?

 

Jan-Ole:      Mit "anners so" meen ik, dat ik glöv, uns Trennung maakt Di viellicht doch een beten Arger. Wat för ´n Fro de dat interesseeren, mit wat för Methoden ehr Ex een Lokal to ´n Umsatz verhelpt? Ik meen, wenn ik Di heelmaal egaal weer...

 

Sandra:       (zunächst unsicher) Ik... äh...

 

Jan-Ole:      (lächelnd) Kummst ok DU nu bitte to ´t Prädikat?!

 

Sandra:       (dann schnell wieder schnippisch, aber eher gespielt) Bild Di blots nix in. Dat geiht mi blots dorum, dat IK nich slecht in ´t Gesnack komm. Immerhen sünd wi 3 Johr tosamen ween, un dat weet dat heel Dörp.

 

Jan-Ole:      (leicht seufzend) Ja, dat is woll so.

 

Sandra:       Wenn Du hier nu so ´n smeerigen Kram optreckst, fallt dat automatisch ok op mi trüch. Blots dorum geiht mi dat!

 

Jan-Ole:      Och, blots dorum geiht Di dat.

                                  

Sandra:       Genau!

 

Jan-Ole:      Wi hebbt uns trennt, wiel wi keen Tokunft sehn hebbt för uns - na, wiel ik na München gahn bün vör een poor Maant an d´ Uni.

 

Sandra:       Ja even! Und wat ward nu ut Dien Studium?

 

Jan-Ole:      Ik weet dat noch nich. Wenn dat hier mit düsse Kneip würklich funktioneeren deiht - worto dann noch studeeren?

 

3. Szene

Friedrich:    (kommt herein; er hat eine zusammengefaltete Zeitung in der Hand) Du Bengel weest heel genau, wo slimm mien Rheuma in de lesd Dagen is. Sitt ik hier mit dat Roodlücht, ward ik weggejagd, sitt ik in de Köken, laat ji mi ok nich in Ruh. - Och, Hallo Sandra. (achten Sie darauf, dass Friedrich auch in diesem Akt später wieder den Namen "Vicky" mit scharfem "V" ausspricht)

 

Sandra:       Hallo Opa Friedrich.

 

Friedrich:    Dat is ja een Overraschung, dat ik Di hier wedder seh. Is daar DOCH noch wat twüschen Jan-Ole un Di?

 

Sandra:       (und Jan-Ole im Chor) NEE; daar is nix mehr! (beide schauen sich dann kurz an, dann verlegen weg)

 

Friedrich:    (ironisch) Dann bün ik ja beruhigt. - Un? Wat is nu so wichtig, dat ji mi nich mit mien Roodlücht in Ruh laten könnt?

 

Jan-Ole:      Du drapst dat al heel goot, Opa. Üm dat Roodlücht geiht dat. (zeigt ihm die Annonce in der Zeitung auf der Theke) Du hest seker keen Ahnung, wat dat hier för een sünnerboren Anzeig is? Een Anzeig för UNS Lokal!

 

Friedrich:    (schaut darauf, murmelt eher) "Jeden Abend ab 20 Uhr erotische Stunden mit Vicky..." - Dat is aver nich de Utgav vun vandag.

 

Jan-Ole:      (schaut Sandra fragend an)

 

Sandra:       Äh nee, de is al een poor Dag old. Ik hebb dat aver hüüt erst lest.

 

Friedrich:    Sehnt ji?! Allns al wedder overholt. Hier! (legt seine Zeitung auf die Theke) Dat hier is de Zeitung vun vandag. (geht nach hinten zum Saaldurchgang)

 

Sandra:       (und Jan-Ole schauen sich fragend an)

 

Friedrich:    (ruft nach hinten) Vicky Eppelkött, Du hest Fieravend!

 

Jan-Ole:      Opa. Kannst Du uns maal opkloren? Dat hier is ok mien Lokal. Wat maakst Du eenlik allns ohn mien Weeten?

 

Friedrich:    (kommt zurück zur Theke) Nu reeg Di man nich op, mien Jung. Ik denk blots an ´t Geschäft, wieder nix. Mit Di un Dien Ollern ward dat hier doch in 20 Johr nix.

 

                   (die Musik, die aus dem Saal zu hören war, verstummt jetzt)

 

4. Szene

Vicky:        (noch hinten) Ik bün glieks wedder daar, Klausi. Bliev eenfach daar sitten. Dat geiht in een poor Minüten wieder. (kurze Pause, dann kommt Vicky herein. Sie trägt ähnliche Kleidung wie am Ende des 1. Akts, Ihre Garderobe kann aber auch leicht verändert worden sein) Ja, wor brannt dat denn?

 

Sandra:       (sieht sie, muss laut lachen)

 

Vicky:        Hey Du... worüm lachst Du, Sandra Körner?

 

Sandra:       Entschüllig bitte. Deiht mi leed.

Vicky:        Ja, dat will ik ok hopen. - Wat wullt Du denn vun mi, Opa Friedrich? Ik mutt wieder danzen. Butendem maak ik mien Paus jümmers erst so tegen 23 Ühr. "The Show* must go on", weest Du?! (sprich "Schoff") Ja ja - düsse Sprök hebb ik ut dat Internet - jawoll! Ik kenn mi woll ut. Un ik will mi ja ok nich nachseggen laten, dat ik in  de "Olle Schink" nich goot arbeiden do för mien Geld. - Aver wat hest Du daar just vun "Fieravend" snackt, Opa Friedrich?

 

Friedrich:    Dat is dat, Vicky, worover wi snacken möten.

 

Sandra:       Moment maal. Verstah ik dat recht? DU arbeidst hier, Vicky?

 

Vicky:        Ja, dat do ik woll. Ik heel alleen. Ik bün Tänzerin. Hoffmanns Klausi nömt mi al de "Dancing Queen" vun Poppenbüttel. - Mudder dörv dat aver nich weeten, wiel se dat een beten schamlos un ok veel to elektronisch find.

 

Jan-Ole:      Erotisch, Vicky. Dat heet erotisch.

 

Vicky:        Ja, dat ok! Dorum maak ik dat nu heimlich hier. Al siet een Week. Un Mudder vertell ik dann jümmers, dat ik na mien Fründin Britta fohr, üm mit ehr "Mensch-ärger-Di" to speelen.

 

Sandra:       "Nich", Vicky. Mensch-ärger-Di-NICH", heet dat.

 

Vicky:        Ja, dat ok. (zu Sandra) Schall ik Di maal wiesen, wo moij ik mi bewegen kann? Hoffmanns Klausi seggt, ik bün richtig rhythmisch in de Hüften. (bewegt sich tänzelnd)

 

Sandra:       (leicht belustigt) Wunnerbor. Ik bün swor beindruckt, Vicky.

 

Vicky:        Ja, dat kannst Du ok sien. Wohrschienelk eegenst DU Di för sowat overhopt nich, Sandra. Worüm hett man MI anners fragt, nich wohr, Opa Friedrich? - Aver wat is denn nu? Hoffmanns Klausi tövt op mi daar in d´ Saal.

 

Friedrich:    Vicky, nu hör maal to. Mit Dien Danzshow hier hebbt wi versöcht, Lüüd in dat Lokal to locken. Dat geiht hier dorum, Geld in de Kass to kriegen.

 

Vicky:        Ja, dat verstah ik woll. Dat hest Du mi doch ok al seggt. Dorum danz ik doch.

 

Friedrich:    Ik hebb dat ok in ´t Blattje sett, dat hier nu een Vicky optreden deiht. Aver ik hebb mit de Annonce in d´ Zeitung woll ´n beten oberdreeven.

 

Jan-Ole:      Allerdings, Opa! (leiser) Ik wüss dat!

 

Vicky:        Wat denn för ´n Annonce?

 

Friedrich:    Och, maak Di dorover keen Kopp. Hier weern aver Mandagavend blots 5 Mannslüüd, un de sünd na 20 Minuten ok al wedder gahn. (zu sich selbst) To ´n Glück, eenlik!

 

Vicky:        Dat stimmt woll. Aver Hoffmanns Klausi is siet Mandag jeedeen Avend hier. He kummt üm 8 un blifft jümmers bit to mien lesd Danz.

Friedrich:    (ein wenig verzweifelt) Ja  aver, just DAT is dat ja. Siet Dagen danzt Du stündenlang blots för een eenzigen Keerl hier. (zusammen mit Jan-Ole im Chor) Klausi Hoffmann!

 

Vicky:        Ja, ik weet, wat ji denkt. Ik weer vergrellt op Klausi, wiel he mi vörholen hett, dat ik em bi ´t Danzen jümmers op de Footen petten do. Dorbi is HE dat, de sückse groot Quanten hett. Aver wenn ik alleen danz, besteiht daar ja keen Gefohr, dat wi uns seer dohnt. Butendem hett he mi vörhin seggt, dat nich blots sien Footen so groot sünd. Un he will mi de anner Deelen hüüt Nacht ok noch wiesen.

 

Sandra:       (muss lachen) Groot Gott!

 

Jan-Ole:      (zu Friedrich) Oh Schiet. Daar hebb wi dat al. Hoffmanns Klausi glövt ok, dat he MEHR vun Vicky verwachten draff. Un dat blots wegen Dien blöd Annonce, Opa.

 

Friedrich:    Vicky. Pass op. Klausi drinkt hier jeedeen Avend 3 Bier un betahlt 10 Euro Intree. Dat is aver nich genooch för uns Geschäft. Un dorum... (holt aus seiner Hosentasche einige Scheine heraus, gibt ihr diese) Dat is de Lohn, de Du noch kriggst; un danzen mötst Du nu nich mehr. Deiht mi leed.

 

Vicky:        (nimmt das Geld) Och, schad eenlik.

 

Friedrich:    Dat geiht leider nich anners.

 

Sandra:       Viellicht kannst Du ja för Klausi privat danzen. Tohuus bi Di of bi em?

 

Vicky:        Dat weer natürlik een Alterosine.

 

Jan-Ole:      Alternative, Vicky. Alternative.

 

Vicky:        Ja, dat ok! Un dann kann he mi ja ok glieks de anner groot Deelen wiesen vun sien Liev. (freut sich) Oh ja. Ik gah am besten glieks to em un slah em dat vör. Weet ji, Hoffmanns Klausi is eenlik de afsluts recht Mann för mi. Wiel -  op DI, Jan-Ole Brummerloh, ward ik nich langer töven. Dat dürt mi al veel to lang. So, dat muss maal seggt warrn. (will ab nach hinten, als...)

 

5. Szene

Hannelore:  (...von links zügig und aufgebracht hereinkommt. Sie ist erschüttert, als sie ihre Tochter sieht) Ik wüss dat! Ik wüss dat, dat Du nich ehrlich büst! (fasst sich mit beiden Händen an die Stirn)

 

Vicky:        (erschrocken und überrascht) Mudder! Wat maakst DU denn hier?

 

Hannelore:  (streng) Ik hol Di hier rut - ut düsse Lasterhöll. Is ja nich to faten. Un nu segg mi blots noch, dat Du dat al siet 7 Dagen maakst. (geht zu ihr, greift sie grob am Arm) "Mensch-arger-Di-nich" - speelen bi Dien Fründin Britta, ja?! Oh Kind, wormit hebb ik dat verdeent? Also, vun MI hest Du dat nich - dat musst Du vun Dien Vadder arvt hebben. Schamen schullst Du Di. - Wor is Dien Kleedaasch?

 

Jan-Ole:      (geht schnell hinter die Theke, holt von dort eine Tasche oder Korb hervor) Hier!

Hannelore: Du geihst nu op de Steh op d` Klo un treckst Di wedder Dien normal Saken an. Un dann nix as weg vun hier.

 

Vicky:        Ja aver...

 

Hannelore:  (lauter) Du deihst, wat Dien Mudder seggt!

 

Vicky:        (betrübt mit der Tasche ab nach hinten) Ja Mudder.

 

6. Szene

Hannelore:  (zu Jan-Ole und Friedrich) So. Un nu to jo!

 

Jan-Ole:      (schnell) IK hebb dormit nix to dohn, Hannelore.

 

Friedrich:    Is al goot, Jan-Ole. Ik maak dat al. Du mötst nu sowieso verswinnen hier. Gah na Dien Vadder. De verklort Di allns, wat nu to dohn is.

 

Jan-Ole:      Bitte? Worvun snackst Du?

 

Friedrich:    Na, worvun woll? Vun een neej Idee, hier endlich Geld mit dat Lokal to maken. Nu gah al. Wi düren keen Tied verleesen.

 

Jan-Ole:      (versteht nichts, kopfschüttelnd ab nach rechts)

 

7. Szene

Sandra:       Ik much mi hier ok gor nich langer opholen, Opa Friedrich. (will schon gehen)

 

Friedrich:    Kummt nich in Frag. DU bliffst. Well weet; viellicht brük ik Di noch.

 

Sandra:       (verwirrt, bleibt hinter der Theke) Aha.

 

Hannelore:  (barsch) Also, wenn ik nu maal...

 

Friedrich:    (schnell) Nu weest maal een Moment still. Daar schull nu eenlik de Reaktion vun Jan-Ole to hören sien, wo he op mien neej Idee reageert.

 

Alle:           (drei sind jetzt still, nach einer kleinen Pause kommt von Jan-Ole von rechts ein lauter Schrei, und...)

 

Jan-Ole:      Oh mien Gott, VADDER! - Dat kann ja woll nich wohr sien.

 

Friedrich:    (lacht) Ja, just so harr ik mi dat docht.

 

Sandra:       Wat is daar los?

 

Friedrich:    Allns to sien Tied, Sandra. Aver wenn Du mi een Gefallen dohn magst, dann gah doch bitte in de Saal un segg Hoffmanns Klausi, dat he nich mehr langer op Vicky töven mutt. He schall hierher komen of gahn, ja?!

 

Sandra:       Ja, wenn Du meenst. Maak ik. (ab nach hinten)

 

8. Szene

Friedrich:    (zu Hannelore) Ja, nu kiek Du nich so verdattert. Hier weer jümmers blots Hoffmanns Klausi, de Dien Vicky sehn hett, wenn se ehr Hüften kreisen laten hett.

 

Hannelore:  (holt Luft, will etwas sagen)

 

Friedrich:    Dat is doch keen Drama. Ik hebb se dorför betahlt un Vicky hett dat freewillig maakt. Nu reg Di also wedder af.

 

Hannelore:  (holt Luft, will etwas sagen)

 

Friedrich:    Vicky hett danzt hier, wieder nix. Un se hett dat gern dohn. Se harr richtig Spaß dorbi. - Goot, se hett arig Klamotten dorbi dragen, aver dat weer ja ok Sinn vun de Saak. Mannslüüd wüllt ja ok wat för ´t Oog.

 

Hannelore:  Mannslüüd? - Ik nöhm sückse Objekte geile, schaulustige Bucken!

 

Friedrich:    Hannelore, Du mötst langsam maal anfungen, een beten modern to denken. Wi schrieven dat Johr 2013* *(aktualisieren). De 60e Johren sünd vörbi.

 

Hannelore:  Ik will Di maal wat seggen: Ik deel mi mit Gretchen Plümer dat Zeitungsabonnement. Un wiel se krank weer, hebb ik hüüt erst jo perverse Annonce lest. Dat langt ja woll. "Erotische Stunden mit Vicky". Dat is abartig. Ik segg Di wat, Friedrich Brummerloh: Wenn jichenseen mien Dochter unsittlich anfaat hett, of se viellicht sogar een Kind kriggt, maak ik Di, Dien Söhn un Dien Enkel dorför verantwortlich.

 

Friedrich:    Also, WENN jichenseen Vicky anfaat hett, dann kann dat blots Hoffmanns Klausi ween sien. De mit sien groot Footen.

 

Hannelore:  Gott bewohr uns vör DE! Un nöhm mien Kind nich jümmers Vicky. (mit "scharfem" V) Dat klingt obszön un pietätlos. Ehr Naam schrifft sik twaar mit "V", aver liekers heet se Vicky*.*(sprich Wicky)

 

Friedrich:    Wieso? Man seggt doch ok Verkehr, Verlangen un Verleumdung. Of glövst Du, falls Du wiß Oma warrn schullst, dat Hoffmanns Klausi Dien Dochter w ö g e l t  hett?! (lacht)

 

Hannelore:  Ooooooh... Du swienske, oll Buck, Du! Wenn Lisbeth nich to Kur weer, de sowat hier allns nich passeeren.

 

Friedrich:    Mööglich. Entschüllig mi nu bitte. Ik mutt mi um ´t Geschäft kümmern. Dat gifft hier wichtigere Saken, as mit Di to snacken. (ab nach rechts)

 

 

 

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