Lange danach gesucht - auf Ibiza 2012 endlich gefunden
Musiker gesucht

 

 

„Rotlicht für ´nen alten Schinken“

 

(hochdeutsche Fassung)

 

 

Komödie in 3 Akten + Vorspiel

 

von

 

Helmut Schmidt

 

 

Inhalt:

Nach dem Tod der 84jährigen Luise Kramer, erbt ihr Neffe Jan-Ole Brummerloh ihre Katze Cleopatra, sowie die heruntergekommene Gaststube "Zum alten Schinken", mit Festsaal und angebauter Wohnung, welche seit Jahren unbenutzt ist. Jan-Ole war der Einzige, der sich zu Lebzeiten um Luise gekümmert hat, und somit hat sie ihm alles hinterlassen. Das Erbe ist jedoch mit einer Bedingung verbunden. Jan-Ole erbt die Immobilie nur dann, wenn er innerhalb der nächsten 6 Wochen die Gaststube wieder eröffnet, und in dieser Zeit einen Umsatz von mindestens 10.000 Euro erzielt. Versagt er bei dieser Bedingung, erbt Luises Katze Cleopatra das gesamte Vermögen, welches dann von der Tierschützerin Cordula Meisenbrot verwaltet wird. Kontrolliert wird das Ganze vom Nachlassverwalter Habermann. Jan-Ole, seine Eltern Paul und Elisabeth, sowie Großvater Friedrich sind zunächst ratlos, wie sie aus dem alten Gebäude wieder ein gastfreundliches Haus machen können. Doch dann kommt Opa Friedrich auf den Gedanken, dass man in der heutigen Zeit den Gästen mehr bieten muss, als nur eine langweile Kneipe mit Getränken und Imbiss. Etwas Erotisches muss her, meint er - das funktioniert immer. Und im "Alten Schinken" soll das nicht fehlen. Nachdem zunächst die linkische Nachbarin Vicky Eppelkött als leichtbekleidete Tänzerin den Umsatz anzukurbeln versucht; dies aber auch nicht mehr Gäste in das Lokal treibt, schlüpfen Friedrich, Paul und Jan-Ole Brummerloh selbst in Frauenkleider. Schnell spricht das ganze Dorf von diesem absurden Gasthaus und der Umsatz steigt zunächst. Aber trotz aller Bemühungen rennt die Zeit bis zum Ablauf der Frist und die Einnahmen reichen nicht aus. Hinzu kommt, dass plötzlich die Katze Cleopatra verschwunden ist - und die muss auf jeden Fall wieder her, denn sonst kommt die Erbschaft ebenfalls nicht zustande. Um richtig Geld zu scheffeln mit dem Gasthaus kurbeln die drei Männer mit einer letzten Idee dann wirklich den Umsatz an... nämlich mit Männerstriptease... Und das funktioniert!

 

Spieler: 4m/5w - 1 Bühnenbild mit Umbau

 

 

Jan Ole Brummerloh              -           (25-30 Jahre)

 

Paul Brummerloh                   -           Jan Oles Vater (58 Jahre)

 

Friedrich Brummerloh            -           Jan Oles Großvater (ca. 80 Jahre)

 

Elisabeth Brummerloh           -           genannt: Lisbeth - Pauls Frau (ca. 62 Jahre)

 

Sandra Körner                      -           Jan Oles ehem. Freundin (ca. 25 J.)

 

Cordula Meisenbrot               -           Tierschützerin (40-50 Jahre)

 

Christian Habermann             -           Nachlassverwalter (40-60 Jahre)

 

Hannelore Eppelkött              -           Nachbarin (ca. 50 Jahre)

 

Vicky Eppelkött                     -           Hannelores Tochter (ca. 30 Jahre)

 

sowie "Cleopatra"                  -           Katze

 

 

Bühnenbild:

 

Die Bühne zeigt eine Gaststube, die im Vorspiel seit mehreren Jahren nicht mehr betreten wurde. Ab dem 1. Akt werden eine Theke, 2-3 runde Tische und Stühle benötigt. Links ist die Eingangstür von draußen, hinten ein Durchbruch mit Vorhang zum größeren Clubraum und zum Saal, sowie zur Gäste-Toilette. Rechts geht eine dritte Tür zur Küche, dem Gästezimmer und zur angebauten Privatwohnung. Evtl. ein Fenster, eine Garderobe, sowie ein Zeitungs- und Zeitschriftenständer. Alle weiteren Details zur Ausstattung sind im Rollenbuch angemerkt, bzw. sind Ihrer Spielgruppe überlassen. 

 

Spielort: Poppenbüttel (oder nennen Sie ein anderes, größeres Dorf in Norddeutschland)

 

Spielzeit: Sommer in der Gegenwart

 

Spieldauer: ohne Pausen etwa 100 Minuten

 

 

Vorspiel

 

                  (Wenn der Vorhang sich öffnet, ist kein Spieler auf der Bühne. Die Theke, sowie die  Regale an der Wand sind mit Laken abgedeckt. In einer Ecke stehen 2-3 runde Tische und Stühle aufeinandergestapelt. Auch diese abgedeckt mit Laken. Das Bild sollte den Eindruck erwecken, als wäre hier seit über zwei Jahren niemand mehr gewesen)

 

                  (Die Tür links wird von außen aufgeschlossen. Sodann betritt...)

 

Christian:   (...den Raum. Er trägt Anzug, hat eine Aktenmappe dabei, wirkt leicht gestresst) Ja, nun kommen Sie bitte, Herr Brummerloh. (den Schlüssel hat er abgezogen, hält diesen zunächst in der Hand)

 

Jan-Ole:     (kommt auch herein. Sieht sich staunend um. Er ist leger gekleidet, hat einen Katzenkorb bzw. Box dabei. Darin die "Katze" Cleopatra*) Ich kann es immer noch nicht glauben. (*Hinweis: Sie sollten keine lebende Katze benutzen, aber darauf achten, dass man im Zuschauerraum die "Stoffkatze" in der Box nicht deutlich sieht. Nur so wirkt es realistisch)

 

Christian:   Ich hoffe, Sie sind nun zufrieden. So, wie Sie es gewünscht haben, bin ich trotz meines vollen Terminkalenders hier mit Ihnen hergefahren.

 

Jan-Ole:     Weil ich es eben nicht fassen kann, Herr Habermann. (stellt die Katzenbox ab, sieht sich um)

 

Christian:   (reicht ihm den Schlüssel) Hier ist der Schlüssel - die Gaststätte "Zum alten Schinken" und das angebaute Einfamilien-haus gehört jetzt Ihnen. (schnell) Äh, das heißt, wenn denn alles so eintrifft, wie es Frau Kramer in ihrem Testament gewünscht hat.

 

Jan-Ole:     (immer noch staunend) Ja...

 

Christian:   Sie kommen ja dann allein zurecht. Und nach Hause nehmen Sie dann bitte den Bus oder ein Taxi. Ich muss nun wirklich wieder in die Kanzlei. Wir sehen uns dann in drei Wochen zur ersten Kontrolle. (will schon ab)

 

Jan-Ole:     Nein nein - warten Sie bitte, Herr Habermann. Ich muss ganz sicher sein, dass ich nicht träume. Bitte nehmen Sie sich nochmal 2 Minuten und lesen Sie mir den letzten Willen meiner Tante ein zweites Mal vor.

 

Christian:   Herr Brummerloh, das kann ich nicht machen. Außerdem ist das völlig unüblich. Ich habe Ihnen alles vorgelesen in meinem Büro.

 

Jan-Ole:     BITTE, Herr Habermann. Ich kann es sonst nicht glauben.

 

Christian:   (seufzt, holt dann widerwillig aus seiner Aktenmappe das Testament heraus) Aber in der gekürzten Version - nur das Wichtigste.

 

Jan-Ole:     Ist schon gut. (stellt sich an eine Wand, hört zu)

 

Christian:   (liest es Jan-Ole dann vor) Testament von Luise Kramer, im Vollbesitz ihrer geistigen Kräfte verfasst am 23. April 2011*. (murmelt zunächst die Sätze, die er "überfliegt", dann...) Obwohl ich noch andere Verwandte habe, ist mein Neffe Jan-Ole Brummerloh der Einzige gewesen, der mich alle 14 Tage im Pflegeheim besucht hat. Deshalb soll er das liebste, dass ich besitze, von mir erben - nämlich meine Katze Cleopatra. *(aktualisieren Sie bitte die Jahreszahl - 2 Jahre vor Ihrem Aufführungsjahr)

 

Jan-Ole:     Ja.

 

Christian:   Außerdem bekommt er das Grundstück in Poppenbüttel - Flurkarte 58 - 12B, sowie die darauf errichtete Gaststätte "Zum alten Schinken" und das angebaute Haus. Dieses ist jedoch mit einer Bedingung verbunden: Da Jan-Ole mir bei seinen Besuchen immer wieder berichtete, dass er alles regeln kann, was er nur will, muss er die Gaststätte wieder eröffnen, und dann nach genau 6 Wochen einen Gewinn von 10.000 Euro damit erzielen. Kontrolliert wird dieses von meinem Nachlassverwalter Habermann. Sollte Jan-Ole scheitern, erbt nach der Frist meine Katze Cleopatra diese Immobilie, welche dann von der Tierschützerin Cordula Meisenbrot verwaltet wird. (murmelt wieder die nächsten Sätze) Luise Kramer. Unterschrieben am... und so weiter. - Kann ich jetzt gehen?

 

Jan-Ole:     (lächelt) Ja, Sie können gehen. Und vielen Dank nochmal für die Wiederholung.

 

Christian:   (an der Tür) Ich wünsche Ihnen viel Glück, Herr Brummerloh. In drei Wochen bin ich hier, und schau mir die Bücher an, so wie es Frau Kramer wünscht.

 

Jan-Ole:     Ist in Ordnung. Bis dann.

 

Christian:   (ab)

 

Jan-Ole:     (alleine) Tante Luise, Du Luder. Sowas kann auch nur von Dir kommen. (geht hinter die Theke, stellt die Katzenbox darauf) Tja Cleopatra. Wer soll denn nun als Erbe hier hervorgehen nach den 6 Wochen? Du oder ich? Hhmm... Du kleines Kuschelkätzchen... (steckt seinen Finger in die Box, zieht sie gleich darauf blitzschnell wieder raus) Au! Du verdammtes Mistvieh. Na, DIR werd ich´s schon zeigen - warte es nur ab. (Vorhang)

 

 

Erster Akt*

 

                  (Eine Woche später. Die Gaststube ist jetzt für die Neueröffnung wieder hergerichtet worden. Alle Laken zum Abdecken sind verschwunden, vor der Theke 2-3 Barhocker, die Tische sind mit hübschen Decken und evtl. Kerzen dekoriert, es hängen nun Bilder an der Wand, evtl. irgendwo ein Garderobenständer und ein CD-Abspielgerät. Die Regale sind mit Gläsern gefüllt. Alles wirkt freundlich und sauber. Evtl. zur Eröffnung auch irgendwo Girlanden oder Angebotsschilder u.a.) *Bitte achten Sie darauf, dass der Umbau vom Vorspiel zum 1. Akt zügig erledigt wird. Die Zuschauer sollten nicht länger als 3 Minuten pausieren müssen. Wenn der Vorhang sich öffnet, sitzt Friedrich auf einem Stuhl leicht nach vorne gebeugt an der Wand. Sein Hemd oder Pullover ist hochgeschoben, er sitzt evtl. teilweise mit leicht herunter-gelassener Hose und mit dem Rücken zu den Zuschauern. Irgendwo ein Handstock. Auf einem Hocker direkt neben ihm steht ein medizinisches Heizgerät  - "Rotlicht", welches auf seinen Rücken und den Hintern strahlt. Auf der Theke steht die Katzenbox. Es ist der Tag der Neueröffnung des Lokals, ca. 18 Uhr) 

 

1. Szene

Elisabeth:  (kommt mit Schürze zügig von rechts herein mit zwei kleinen - mit Blumen gefüllten - Vasen, geht zu den Tischen, stellt diese darauf. Sieht im Vorbeigehen Friedrich, ist leicht empört) Das ist doch hoffentlich nur eine Halluzination, was ich hier gerade sehe.

 

Friedrich:   Oh, Lisbeth. Gut, dass Du kommst. Stell das Ding mal auf 3. Ist mit zu heiß sonst.

 

Elisabeth:  (zieht zügig und wütend den Stecker von dem Gerät aus der Wand)

 

Friedrich:   Hey... (dreht sich um)

 

Elisabeth:  (streng) Schwiegervater! (schaut auf die Uhr) In 20 Minuten eröffnen wir hier den "Alten Schinken". Schämst Du Dich denn gar nicht, hier halbnackt herum zu sitzen? (wickelt das Kabel von dem Rotlicht zusammen)

 

Friedrich:   Ach, und dass mein alter Schinken schmerzt, interessiert mal wieder keinen, wie?! Außerdem kannst Du mich gerne "Opa" nennen, so wie sonst auch.

 

Elisabeth:  Dein Rheuma kennen wir seit Jahren. Und das tut uns leid. Aber hier bleibst Du auf gar keinen Fall sitzen. Das ist ja wohl unglaublich. Geh auf Dein Zimmer! (drückt ihm grob das Rotlicht in den Schoss)

 

Friedrich:   Diese dumme Katze darf doch auch hier sein. Und auf meinem Zimmer ist mir das zu langweilig. Keiner kümmert sich um mich. (zieht seine Hose hoch, das Hemd bzw. den Pullover herunter) Ihr seid nur noch mit Umbauen und Wiederherrichten beschäftigt. Seit einer ganzen Woche schon. (steht wiederwillig auf)

 

Elisabeth:  Ja, denkst Du denn, mir gefällt das? Und warum die Katze hier ist, weißt Du ganz genau.

 

 

 

2. Szene

Jan-Ole:     (kommt von rechts dazu, hat 3 Speisekarten in der Hand, geht damit zügig auf Elisabeth zu) So - frisch gedruckt. Sieht doch gut aus, oder? - Opa, Du sitzt ja immer noch hier. Hab´ ich Dir nicht vor ´ner halben Stunde schon gesagt, dass Du...

 

Friedrich:   Ja ja ja... Opa ist mal wieder allen im Weg. Natürlich. Macht nur weiter so. Irgendwann werdet ihr mich noch brauchen. Mich und vielleicht auch meinen Schinken. Wartet es nur ab. (nimmt seinen Handstock, mit dem Rotlicht abgehend nach rechts) Sogar dämliche Vierbeiner sind hier mittlerweile mehr wert als Euer eigen Fleisch und Blut. (ab)

 

3. Szene

Elisabeth:  (hat von Jan-Ole die Speisekarten entgegengenommen, schaut Friedrich hinterher, schüttelt mit dem Kopf)

 

Jan-Ole:     (stellt den Stuhl von Friedrich wieder an die richtige Stelle an den Tisch, nimmt den Hocker in die Hand, auf dem das Licht stand) Na, nun sag schon Mutter, sind die Speisekarten gut?

 

Elisabeth:  Was? Ach - (schaut schnell hinein) Ja, sieht sehr hübsch aus.

 

Jan-Ole:     (stolz, zeigt in der Karte) Hier alle Getränke, und auf dieser Seite dann alles für den kleinen Hunger. - Ich hab´ den Preis für die Bauernplatte dann doch um einen Euro höher angesetzt. 7 Euro sind doch in Ordnung, oder?

 

Elisabeth:  Ja ja. (klappt die Karte zu, legt sie auf einen Tisch, setzt sich dann leicht verzweifelt und auch wütend auf einen Stuhl) Dieses Luder. Dieses verlogene, schlechte Luder!

 

Jan-Ole:     Mutter! Wen meinst Du?

 

Elisabeth:  Dumme Frage. Wen wohl? Deine Tante Luise, die leider auch meine Schwester war.

 

Jan-Ole:     Na hör mal. Ich bin derjenige, dem sie das alles hier vermacht hat.

 

Elisabeth:  Ja, das hat sie. Aber zu welchem Preis?! Und ich? Ich war ihre einzige Schwester. Hat sie auch an mich gedacht, diese... diese... Hach, ich darf gar nicht drüber nachdenken, wie schlecht sie doch war. Nichts, absolut nichts hat sie mir hinterlassen. Nicht mal ein Kleid oder ´nen Schlüpfer.

 

Jan-Ole:     Nun ja...

 

Elisabeth:  Du kriegst diese Kneipe und das Haus, aber nur, wenn es so läuft, wie sie es will. Scheiterst Du, ist diese dumme Katze die Erbin. Und alles andere von ihrem Besitz hat sie der Diakonie zugedacht. Dieses Luder. Dieses verlogene, schlechte Luder! Die lacht sich in diesem Augenblick doch sicher schlapp in ihrem Sarg.

 

Jan-Ole:     Sag´ doch nicht sowas.

 

Elisabeth:  Ich war ihre kleine Schwester. Ein Nachkömmling. Meine Eltern waren schon sehr alt, als ich geboren wurde. Ich war 22 Jahre jünger als Luise. An kleine Schwestern denkt man, auch wenn man im Sterben liegt.

 

Jan-Ole:     Mutter, nun sei nicht ungerecht. Tante Luise Du und Vater - ihr hattet seit Jahren keinen Kontakt. Weshalb sollte sie Euch in ihrem Testament berücksichtigen?

 

Elisabeth:  (kleine Pause) Und wenn Sie´s getan hätte, hätt´ ich´s nicht angenommen. Nix will ich von ihr haben. Gar nix.

 

Jan-Ole:     Ist ja gut. Nun reg Dich nicht auf. (etwas ironisch) Aber warum sind Papa, Du und Opa gleich hier in die Wohnung nebenan eingezogen, als ich Euch von meinem Erbe erzählt hab´? Dieses hier war ja immerhin auch mal das Eigentum von Tante Luise.

 

Elisabeth:  Na ja, weil... Du kannst das doch nicht alles alleine machen hier. Seit es mit Sandra und Dir aus ist, bist Du doch alleine. Und so viele Freunde, die Dir hier beim Umbau geholfen hätten, gibt es auch nicht. Und außerdem ist dieses Haus doch für Dich alleine viel zu groß. Sei uns dankbar, dass wir hier sind. Und weshalb sollten wir uns jeden Tag den langen Weg von Wulfsdorf hier nach Poppenbüttel antun?! Das kostet doch nur ein Vermögen an Benzin.

 

Jan-Ole:     Ja, das ihr mir helft, ist wirklich freundlich. Aber trotz allem hättet ihr nicht gleich einziehen sollen hier. Vielleicht möchte ich ja auch irgendwann nochmal eine Familie gründen. Und ihr habt doch euer schönes Haus.

 

Elisabeth:  (druckst herum) Jan-Ole, das ist nicht so einfach zu erklären.

 

Jan-Ole:     (gibt ihr einen Kuss auf die Wange) Reden wir ein anderes Mal darüber. Danke Mama für die Hilfe. Ohne Euch hätte ich das alles nicht geschafft. Und deshalb hast Du Dir die Reha ab übermorgen auch wirklich verdient.

 

Elisabeth:  Ach Gott, ja - die Reha. Dazu hab´ ich nun eigentlich gar keine Geduld mehr. Soll ich nicht besser absagen? Du kommst doch ohne mich gar nicht zurecht hier. Und so schlimm ist das mit meiner Bandscheibe auch gar nicht mehr.

 

Jan-Ole:     Kommt nicht in Frage! Auf diese Reha hast Du Monatelang gewartet. Und die Gesundheit geht vor. Ich schaff das. Außerdem sind Papa und Opa ja auch noch da.

 

Elisabeth:  Ja, da hast Du wohl recht. 4 Wochen zur Kur. Und für jeden dieser 28 Tage verlangt die Krankenkasse 10 Euro Zuzahlung.

 

Jan-Ole:     Mama, SO schlecht wird es Euch finanziell doch nicht gehen, dass Du Dir darum einen Kopf machst, oder?

 

Elisabeth:  (kleinlaut) Na ja...

 

 

 

 

4. Szene

Paul:          (kommt von rechts mit Schürze herein, die er beim Hereinkommen ablegt) So! Die Kühlschränke sind gefüllt, in der Küche ist alles vorbereitet, den Parkplatz hab´ ich vorhin auch nochmal gefegt. Also, von mir aus kann es losgehen.

 

Jan-Ole:     Danke, Papa.

 

Elisabeth:  ER ist doch der Grund! (deutet auf Paul)

 

Paul:          Was ist?

 

Elisabeth:  (deutlich) Ja, Jan-Ole soll das jetzt gerne wissen.

 

Jan-Ole:     Was soll ich wissen, Mama?

 

Paul:          Lisbeth, nun halt doch den Mund.

 

Elisabeth:  Nein Paul - es ist an der Zeit, dass unser Sohn die Wahrheit erfährt.

 

Jan-Ole:     Mann eh, wir wollen hier gleich diese Gaststube wieder-eröffnen. Was habt ihr denn jetzt noch für Botschaften für mich? Ich meine, wir sollten uns jetzt auf unsere Gäste konzentrieren, wenn denn überhaupt welche kommen.

 

Paul:          Das meine ich aber auch.

 

Elisabeth:  Und ICH meine, dass Jan-Ole wissen soll, wie es derzeit um uns steht, und weshalb wir es so eilig hatten, uns hier gleich einzunisten. - Kind, Dein Vater ist gekündigt worden. Ja, er ist arbeitslos. Schon seit 6 Wochen.

 

Jan-Ole:     Oh, das tut mir leid. Aber mit 58 Jahren könntest Du doch schon über Deine Rente nachdenken.

 

Paul:          Ja, das ist...

 

Elisabeth:  Das ist nicht so einfach. Und dafür gibt es auch keinen Grund. Er ist zu jung um schon Rentner zu sein und für die Arbeitsagentur ist er kein Thema mehr.

 

Jan-Ole:     Aber Euer Haus ist doch schuldenfrei und ihr habt doch auch immer fleißig gespart.

 

Paul:          Genau!

 

Elisabeth:  Ja, und das Gesparte wäre auch noch da, wenn Dein Vater nicht jeden Cent davon an der Börse eingesetzt hätte. Und wie Du weißt, Jan-Ole, kann man dort auch auf die falschen Pferde setzen.

 

Jan-Ole:     Das soll heißen, Du hast...?

 

Elisabeth:  Alles hat er verloren. Nicht ein müder Euro ist übrig geblieben. Tja, wenn man sich nicht auskennt... ICH hab´ ihn gleich gewarnt. - Dein Vater ist eben ein Trottel, mein Kind.

Jan-Ole:     Oh Scheiße.

 

Paul:          Lisbeth, musste das sein?

 

Elisabeth:  Ja, das musste sein.

 

Paul:          Die Prognosen standen damals so gut. Wer konnte denn ahnen, dass das schief geht?

 

Elisabeth:  Wir leben in einer Welt, die jederzeit die größten Pleiten bereit hält. Hättest Du vor 25 Jahren denn daran geglaubt, dass Quelle und Schlecker irgendwann Insolvenz anmelden müssen? - Nein! Heutzutage ist gar nichts mehr sicher. Finanzkrisen werden uns auch in Zukunft das Leben schwer machen. Nicht mal den Banken darf man noch vertrauen. Am besten bunkert man sein Erspartes unterm Kopfkissen. Nur DA ist es sicher.

 

Paul:          Wenn das Haus nicht abbrennt.

 

Elisabeth:  Ja, spuck DU noch große Töne. An der Börse war unser Geld NICHT sicher, Du Vollpfosten.

 

Jan-Ole:     Eh, jetzt kommt mal wieder runter. Wir werden schon eine Lösung finden für alles.

 

Elisabeth:  Das sagt sich so leicht. 

 

Jan-Ole:     Was ist mit Opas Rente? Er lebt doch seit Jahren bei Euch.

 

Paul:          Ja, und frisst uns die Haare vom Kopf. Und gibt uns jeden Monat 200 Euro für "unsere Bemühungen", wie er es so schön ausdrückt.

 

Jan-Ole:     Eh, das ist aber zu wenig.

 

Elisabeth:  Na, das erzähl ihm mal. Von Opa ist nix zu holen. Auch an sein Konto kommen wir nicht heran.

 

Jan-Ole:     Und Pflegegeld?

 

Paul:          Haben wir beantragt - schon zweimal.

 

Elisabeth:  Kriegen wir aber auch nicht - dazu ist er nicht pflegebedürftig genug.

 

Paul:          Ja leider.

 

Jan-Ole:     Papa - bitte.

 

Elisabeth:  Also Kind - wir helfen Dir hier bei dieser alten Kneipe. Damit das hier ordentlich funktioniert. - Und dafür lässt Du Deine Eltern und auch Opa hier wohnen. Unser Haus wollen wir dann so schnell wie möglich vermieten; damit zumindest etwas an Bargeld reinkommt.

 

Paul:          Ja, so hatten wir uns das gedacht, Junge.

 

Jan-Ole:     Aha. Schön, dass ihr Eure Pläne ohne mich macht.

 

Elisabeth:  Ach Kind, ohne uns kommst Du doch gar nicht klar hier.

 

Jan-Ole:     Mag sein, aber wenn wir Tante Luises Bedingung nicht erfüllen in 5 Wochen, dann stehen hier 4 Personen vor dem Nichts. Vielleicht solltet ihr also mit dem Vermieten des Hauses noch solange warten.

 

Elisabeth:  10.000 Euro Umsatz machen in 6 Wochen, wovon die erste schon für den Umbau draufgegangen ist. Sowas kann sich auch bloß dieses Luder ausdenken. Dieses verlogene, schlechte Luder! Nicht mal ´n Kleid oder ´nen Schlüpfer hat sie mir vermacht. Hach...

 

Jan-Ole:     Wir müssen uns bemühen; mehr können wir nicht tun. (schaut auf die Uhr) Und jetzt lasst uns nicht mehr über Eure Sorgen reden, sondern Geld verdienen. In 2 Minuten ist es offiziell soweit.

 

Elisabeth:  Du hast recht. Jammern nützt uns nun eh nix.

 

Paul:          Ob schon welche wartend vor der Tür stehen?

 

Jan-Ole:     Nach all den Flyern, die verteilt wurden und den großen Annoncen in der Zeitung, würde es mich wundern, wenn es anders wäre.

 

Elisabeth:  (ist aufgestanden, hat hier und da noch was gerichtet, natürlich auch ihre Kleidung und das Haar) Es wäre so schön, wenn wir die Bedingung von Tante Luise erfüllen können - die Bedingung von diesem Luder, diesem verlogenen...

 

Jan-Ole:     Ist gut, Mama.

 

Paul:          Es wird nicht leicht, soviel steht fest. Zwei Jahre stand der "Alte Schinken" leer hier herum, und davor hatte Luise einen Pächter, der auch nicht mehr als 100 Euro in der Woche umgesetzt hat.

 

Jan-Ole:     Das wissen wir alles, Papa. Aber nun lass uns ein wenig optimistisch sein.

 

Paul:          Ja ja. Bin ich ja.

 

Elisabeth:  Es muss einfach klappen. Das wäre ja wohl noch schöner, wenn die Katze alles erbt.

 

Jan-Ole:     Achja, Cleopatra - die sollten wir dann besser in die Küche bringen. Der Rummel hier gleich wird sie nur aufregen. (nimmt die Box von der Theke)

 

Elisabeth:  Den Hals sollte man diesem Viech umdrehen.

 

Paul:          Hör bloß auf, Lisbeth. Ohne Cleopatra sieht es mit Jan-Oles Erbe ebenfalls düster aus. Wir dürfen niemals vergessen, sie zu füttern und uns um sie zu kümmern. Wenn sie krank wird oder gar stirbt, dann ist es aus mit dem wunderbaren großen Haus hier.

 

Jan-Ole:     Eben! (ab nach rechts mit der Box)

 

Elisabeth:  Ich weiß - ich weiß. Und so ein verrücktes Testament kann auch nur EINE verfassen. Nämlich meine liebe Schwester Luise, dieses Luder - dieses verlogene, schlechte Luder! Nicht mal ´nen Schlüpfer...

 

Jan-Ole:     (kommt sodann zurück) M a m a!!! Schluss jetzt!

 

Elisabeth:  Ja doch.

 

Jan-Ole:     (geht dann zur Eingangstür) So, das ist dann wohl der Moment. Lass uns hoffen, dass alles gut wird und vor allem, dass wir drei den Ansturm im "Alten Schinken" auch bewältigen können. Seid ihr bereit?

 

Elisabeth:  Ich schon.

 

Paul:          Ich auch. (stellt sich in Richtung Eingangstür neben Elisabeth auf)

 

Jan-Ole:     Na dann... (dreht den Schlüssel um im Schloss, schließt auf, geht dann schnell zu seinen Eltern, stellt sich daneben, alle drei hoffnungsvoll und fröhlich lächelnd zur Tür schauend, alle warten 10-20 Sekunden, nichts passiert)

 

Elisabeth:  Jan-Ole, Du solltest dieses Plakat aufstellen. Na, dieses: "Geöffnet", damit die Gäste auch Bescheid wissen.

 

Jan-Ole:     Ja, da hast Du sicher recht. (schnell ab nach rechts)

 

Paul:          Stell Dir mal vor, es kommt wirklich keiner, Lisbeth. Dann ist die Aussicht, hier 10.000 Euro umzusetzen aber äußerst gering.

 

Elisabeth:  Und dann bist DU es, Paul, der sich etwas überlegt, wie es weitergehen soll mit uns. Du und sonst keiner!

 

Paul:          Ja Lisbeth!

 

Jan-Ole:     (kommt sodann mit einem großen Aufsteller zurück, auf dem "geöffnet" steht, bringt diesen schnell nach draußen, kommt sodann zurück, reiht sich wieder zwischen seinen Eltern ein, alle schauen wieder vergnügt zur Tür)

 

Elisabeth:  (dann, nach einer weiteren Phase des Wartens) Musik! Wir sollten etwas Musik bieten. Das mögen die Menschen.

 

Jan-Ole:     Ja richtig. (geht schnell zum Recorder) Etwas leichtes, instrumental oder Kuschelrock?

 

Paul:          Instrumental und leicht ist gut. Aber nicht zu schläfrig und auch keine Puff-Musik.

 

Elisabeth:  Puff-Musik? Was meinst Du denn damit?

Paul:          Na, was eben sehr aufdringlich und erotisch klingt. Musikalisch-penetrant, weißt Du?!

 

Elisabeth:  Erotisch und musikalisch-penetrant. Interessant. Bin ja sehr gespannt, was Du alles so treibst, wenn ich ab übermorgen für 4 Wochen zur Kur bin. Viel Vergnügen, lieber Paul, kann ich nur sagen.

 

Paul:          Was redest Du da für einen Unsinn. Der Ausdruck "Puff-Musik" gehört zur Allgemeinbildung.

 

Elisabeth:  (ironisch) Natürlich!

 

Jan-Ole:     (hat eine Musik angestellt, instrumental, aber nur leise) So! Das sollte passen. (stellt sich wieder zu seinen Eltern, wartet)

 

Elisabeth:  (dann zu Jan-Ole) Moment mal. Was soll dieses Theater? Du warst doch gerade vor der Tür und hast das Schild aufgestellt.

 

Jan-Ole:     Richtig.

 

Elisabeth:  Ja und? War denn niemand da?

 

Jan-Ole:     (zunächst noch gespielt lächelnd und sich ahnungslos stellend) Was?

 

Elisabeth:  (deutlich) Ob irgendein Mensch vor der Tür stand will ich wissen.

 

Jan-Ole:     (geht dann verzweifelt zur Theke, legt das Gesicht in die Hände) Nein - niemand. Ist eh weit und breit keiner zu sehen. Das wird nichts. Kein Mensch braucht diese Kneipe. Und wenn gar keiner kommt, wie soll dann bitte Umsatz in die Kasse kommen? Ganz zu schweigen von 10.000 Euro in 5 Wochen.

 

Paul:          (geht tröstend zu ihm) Nun mal nicht gleich verzweifeln, Jan-Ole. Das wird schon. Es ist ja auch erst 3 Minuten nach 6. Die meisten Leute gehen sicher erst gegen 8 in die Lokale.

 

Elisabeth:  Das können wir alle nur hoffen.

 

5. Szene

Friedrich:   (kommt von rechts mit heruntergelassener Hose, mit Handstock und mit einem Zettel in der Hand herein) Ich hab´ das mal ausgerechnet.

 

Jan-Ole:     (schaut auf, geschockt) O P A !!!

 

Elisabeth:  Also, nun schlägt´s ja wohl 13.

 

Paul:          (ruhiger, schüttelt nur mit dem Kopf, geht einfach zu ihm und zieht ihm die Hose hoch, schließt diese auch, dann zu Jan-Ole und Elisabeth:) Das kann mal passieren! Außerdem werden wir auch irgendwann alt. - Und Vater, was hast Du ausgerechnet?

 

Friedrich:   285 Euro und 71 Cent.

Elisabeth:  Diese Summe willst Du uns in Zukunft jeden Monat geben für unsere Mühe?

 

Friedrich:   Red´ doch nicht so einen Blödsinn, Lisbeth. 285,71 Euro müssen wir jeden Tag umsetzen hier - dann haben wir nach 5 Wochen die 10.000 geschafft.

 

Jan-Ole:     Oh mein Gott, fast 300 Euro jeden Tag. Wie soll DAS denn bitte gehen?

 

Friedrich:   Lasst uns froh sein, dass Luise nicht den Gewinn als Vorgabe verlangt; dann würde es noch schlechter aussehen.

 

Paul:          (ganz überrascht) Vater, Du verblüffst mich.

 

Friedrich:   (schon wieder abgehend) Tja, ist doch besser, man weiß, mit welchen Summen man kalkulieren muss. (an der Tür nach rechts) Noch nicht viel los hier, wa?! Viel Glück wünsch ich Euch. ICH bin nun auch nicht länger im Weg. (ab)

 

6. Szene

Jan-Ole:     Opa ist gerissener, als wir denken. (hat schnell einen Taschenrechner unter der Theke hervorgeholt, tippt darauf)

 

Elisabeth:  Unglaublich.

 

Paul:          Aber was er sagt, hört sich nicht sehr gut an.

 

Jan-Ole:     285 Euro - das sind 40 Schinkenplatten am Tag, die verkauft werden müssen. (tippt wieder)

 

Elisabeth:  Das heißt, es müssten auch mindestens 40 Gäste hierher kommen.

 

Jan-Ole:     114 Gläser Wasser oder Cola würden das auch bringen.

 

Paul:          Und Bier?

 

Jan-Ole:     95.

 

Paul:          Aussichtslos - absolut utopisch.

 

Elisabeth:  Und wem können wir diese Katastrophe verdanken? Mein liebe Schwester Luise, dieses Luder. Dieses verlogene, schlechte Luder!

 

Paul:          Was sollen wir machen?

 

Jan-Ole:     Wir müssten irgendwie den Leuten was Besonderes bieten. Was sollen wir zum Beispiel mit dem riesigen Saal hier nebenan?

 

Elisabeth:  Na, wir hoffen darauf, dass viele Menschen ihre Hochzeiten bei uns feiern. Auch Teetafeln haben wir angeboten. Das sind alles zusätzliche Einnahmen.

 

Jan-Ole:     Hochzeiten plant man, Mutter. Da wird in den nächsten 5 Wochen kein Termin anstehen; glaub´s mir.

 

Paul:          (seufzt) Schöne Aussichten.

 

7. Szene

Hannelore: (kommt fröhlich von draußen herein. Ihr folgt sodann ihre Tochter Vicky. Beide sind recht altbacken angezogen, Vicky ist linkisch und etwas dümmlich, Hannelore eher etwas "überdreht") Hallööchen! - Nein! Sagt jetzt nicht, dass wir die Ersten sind zur Neueröffnung hier?! Vicky - ist das nicht herrlich?

 

Vicky:       Ja Mama. Ganz herrlich.

 

Paul:          (zu Elisabeth:) Na, DIE haben mir zum Glück gerade noch gefehlt. Hannelore Eppelkött mit ihrer dämlichen Tochter Vicky.

 

Elisabeth:  (zieht Paul nach vorne auf die Bühne rechts oder links) Paul! Ich bin selbst nicht der größte Fan von Hannelore Eppelkött. Aber sie ist nun mal unsere Nachbarin. Und wenn ich etwas ausleihe bei ihr, hat sie noch nie NEIN gesagt. Wir müssen uns auch weiterhin also gut mit ihr verstehen. DU auch, Paul. Hörst Du?!

 

Paul:          Ja doch. (reißt sich los von Elisabeth, geht dann überfreundlich zu den beiden) Na sowas. Ihr zwei hier bei uns. Wie wunderbar!

 

Jan-Ole:     (freundlich zu den beiden Frauen) Herzlich willkommen im Alten Schinken. Schön, dass ihr den Weg hierher gefunden habt.

 

Elisabeth:  Ja genau. Das wollte ich auch gerade sagen.

 

Paul:          Stimmt. Ich auch.

 

Hannelore: Na, das lassen wir uns doch nicht entgehen. (schaut in alle Richtungen) Ach, schön habt ihr das alte Gasthaus hergerichtet. Ganz herrlich. - Ist es nicht so, Vicky?

 

Vicky:       Ja Mama. Ganz herrlich.

 

Hannelore: Aber jetzt mal Klartext. Lisbeth - Paul. IHR beide habt dieses Gasthaus gekauft? Das kann ich mir mit bestem Willen nicht vorstellen. Ich meine - das Verhältnis zwischen Dir (zu Elisabeth) und Luise war doch allgemein im Dorf bekannt, Lisbeth. (dann spielt sie spontan eine Eingebung vor) Aaaaach... jetzt ahne ich da was. Ihr habt es geerbt, richtig? Luise hat Euch dieses Gasthaus vermacht. Ach, die Gute. Ja, sie war eine gute Seele. Das war sie wirklich. Nicht wahr, Vicky?

 

Vicky:       Ja Mama. Eine gute Seele.

 

Hannelore: Na, was ist denn nun? Krieg ich hier auch noch mal ´ne Antwort auf meine Fragen?

 

Jan-Ole:     Äh, Hannelore, nehm doch erstmal Platz. Und Du natürlich auch, Vicky. Was darf es denn sein? Oder möchtet Ihr erst einen Blick auf unsere Karte werfen?

 

Hannelore: (setzt sich, wie auch Vicky) Nun ja, ich hatte fast erwartet, dass man hier zur Neueröffnung an der Tür mit einem Gläschen Sekt oder O-Saft begrüßt wird - so, wie es sich eigentlich gehört, nicht wahr, Vicky?

Vicky:       Ja Mama. Eigentlich gehört.

 

Paul:          Lisbeth, Jan-Ole - daran haben wir gar nicht gedacht.

 

Elisabeth:  (dann schnell gestellt freundlich) Aber natürlich haben wir daran gedacht. Aber bei uns soll der Gast alles absolut frisch bekommen. Deshalb möchten wir Euch doch keinen Sekt anbieten, der schon 10 Minuten im Glas geschlummert hat. (streng) Jan-Ole! Zwei Sekt für unsere Gäste! Extra frisch!

 

Jan-Ole:     Jawoll! (geht hinter die Theke, bereitet dieses vor)

 

Hannelore: Lisbeth Brummerloh, ich bin ja ganz überrascht. So kennt man Dich ja gar nicht. Wenn ich mir mal etwas ausleihen will bei Dir, reagierst Du aber nicht so zuvorkommend. Dabei sollte das als erste und beste Nachbarin doch eigentlich selbstverständlich sein.

 

Elisabeth:  Nun, das sind zwei verschiedene Dinge, Hannelore. Nachbarschaftshilfe ist privat und das hier ist geschäftlich. Du bist jetzt unser Gast. Und unser Gast ist König.

 

Hannelore: Hör Dir das an, Vicky. Ist das nicht herrlich, was Lisbeth da von sich gibt?

 

Vicky:       Ja Mama. Herrlich.

 

Jan-Ole:     (bringt während des nächsten Dialogs zwei Gläser Sekt zum Tisch. Er macht das recht übertrieben mit weißem Handtuch über´m Arm usw.)

 

Paul:          (zieht Elisabeth nach vorne, leiser zu ihr) Gib Dir nicht so viel Mühe, Lisbeth. An DER verdienen wir eh keinen müden Cent.

 

Elisabeth:  Ich weiß. Aber sie tratscht herum im ganzen Dorf. Und schlechte Reklame können wir nun wirklich nicht gebrauchen.

 

Jan-Ole:     Wohl bekommt´s, meine Damen. - Das geht natürlich auf´s Haus.

 

Hannelore: Vielen herzlichen Dank. Aber nun raus mit der Sprache. Habt ihr die Kneipe geerbt von Luise?

 

Jan-Ole:     (ist mittlerweile wieder zur Theke zurück gegangen, hebt ein drittes gefülltes Glas Sekt hoch) Ich habe sie geerbt, Hannelore. Ich alleine. - Prost die Damen.

 

Hannelore: (sehr erfreut) Oooohh... hörst Du das, Vicky. Jan-Ole ist jetzt Besitzer einer wunderbaren Gaststube mit großem Saal. Das ist ja herrlich. - Na, nun geh doch mal ein bisschen zu Jan-Ole und unterhalte Dich mit ihm.

 

Vicky:       Meinst Du wirklich, Mama? (steht langsam auf)

 

Jan-Ole:     (hat jetzt das Glas angesetzt, trinkt)

 

Hannelore: Aber ja. Sei doch nicht so schüchtern. Ihr seid doch beide im heiratsfähigen Alter. Nimm ihn Dir, Kind!

 

Jan-Ole:     ("spritzt" den Sekt in hohem Bogen nach vorne aus dem Mund, hustet dann)

 

Paul:          Oh - äh - Hannelore, wir möchten Dir nicht vor den Kopf stoßen - und Vicky natürlich auch nicht, aber...

 

Elisabeth:  ...aber unser Jan-Ole hat doch seit Monaten seine Sandra. Das wisst ihr doch.

 

Hannelore: Paul - Lisbeth, denkt ihr eigentlich, ich lebe hinterm Mond? Das mit Sandra und ihm ist aus. Aus und vorbei. Das weiß doch das ganze Dorf.

 

Jan-Ole:     ("sauer") Vielen Dank, Hannelore.

 

Paul:          Jaaa... die beiden haben da ein paar Meinungsverschiedenheiten. Aber das renkt sich sicher schnell wieder ein. Man kennt doch die jungen Leute, nicht?! Hähähä...

 

Hannelore: Achja... nun, wer´s glaubt, wird selig.

 

Vicky:       Was soll ich denn nun? Soll ich jetzt noch zu Jan-Ole gehen, oder nicht?

 

Hannelore: Aber sicher doch. Schau ihm zumindest gut bei der Arbeit zu. Wenn sich das mit Euch festigt und Du hier erst Gastwirtin bist, musst Du alles kennen von dieser Branche.

 

Jan-Ole:     Ja, also - ich muss nun erst in die Küche. Und Gäste haben leider keinen Zutritt. (schnell ab nach rechts)

 

Paul:          Warte, ich wollte Dir doch helfen. (ihm schnell hinterher)

 

8. Szene

Hannelore: (enttäuscht) Du kannst Dich erst wieder setzen, Kind. Wir greifen später nochmal an.

 

Elisabeth:  (sichtbar empört, dass sie mit den beiden allein gelassen wird, dann aber gespielt freundlich) Tja, was äh... darf ich Euch beiden denn jetzt anbieten? Wie wäre es mit einer Frikadelle - Hausgemacht - und dazu einen wunderbaren Kartoffelsalat? Oder aber unsere überaus schmackhafte Bauernplatte?

 

Hannelore: Nein danke, Lisbeth. Wir haben zuhause schon gegessen. Wozu unnötig Geld ausgeben für Essen, wenn es daheim viel günstiger ist, nicht?! Ist es nicht so, Vicky.

 

Vicky:       Ja Mama. Daheim viel günstiger.

 

Elisabeth:  (kurz vor dem "Durchdrehen") Ooohh... ich werde hier gleich noch... (ruhiger) ich äh... muss auch mal eben in die Küche. Bin gleich zurück. (zügig ab nach rechts)

 

9. Szene

Hannelore: Vicky - Kind. Du musst ein bisschen dreister sein. Lass Dir doch nicht immer von Deiner Mutter sagen, was Du zu tun hast. Die Brummerlohs und wir sind seit Ewigkeiten Nachbarn. Du hast mit Jan-Ole Jahrelang im Sandkasten gespielt. Da wäre es doch wohl ein Witz, wenn ihr nicht auch ein Paar werden könntet.

Friedrich:   (steht nun in der Tür von rechts, hört zu)

 

Vicky:       Ich würde den Jan-Ole ja gerne zum Mann haben, aber er muss es ja auch wollen.

 

Hannelore: Das will er doch auch. Er ist nur ein wenig schüchtern, genau wie Du. - Pass auf: Lisbeth muss doch zu dieser Reha. Und dann brauchen die bestimmt Unterstützung hier. Frag, ob Du hier arbeiten darfst. Für´s Gläserspülen oder zum Putzen braucht man doch Mitarbeiter. Und somit seid ihr den ganzen Tag zusammen, und dann ist es nur eine Frage der Zeit, bis Jan-Ole mit Dir zum Traualtar geht.

 

Vicky:       (beschämt) Oh Mann, das wäre ja geil. (überlegt, was sie da für ein Wort sagte) Ups.

 

Hannelore:(ein wenig empört) Schön wäre das. Sehr schön. Geil ist etwas anderes. Das sind nur die Blumen. 

 

Vicky:       Ja. Und so wie eine Blume fühle ich mich gerade, Mama.

 

Hannelore: Ja ja. (nach einer kleinen Pause) Also, sehr nett ist das ja nun auch gerade nicht, dass die uns hier so alleine sitzen lassen, nicht?!

 

Vicky:       Stimmt Mama. Nicht sehr nett.

 

Hannelore: (schaut sich um) Hach, ich muss erst den Sekt wegbringen. Bin gleich zurück. (steht auf, ab nach links)

 

Vicky:       Ist gut, Mama.

 

10. Szene

Friedrich:   (kommt dann weiter in den Raum) Guten Abend, Vicky. (er spricht "Vicky" zunächst immer mit "scharfem" "V" aus)

 

Vicky:       Opa Friedrich, Du bist auch hier?

 

Friedrich:   Aber ja. Sag mal, Vicky. Hat das geklappt mit der Stelle bei Bäckerei Struwe?

 

Vicky:       (enttäuscht) Nee, die haben eine andere genommen. Mein Zeugnis war denen wohl nicht gut genug.

 

Friedrich:   Zu ärgerlich aber auch. Weißt Du, HIER im "Alten Schinken" wird aber auch noch Personal gesucht. Hättest Du nicht Lust?

 

Vicky:       (sehr erfreut) Oh ja. Mama und ich haben gerade darüber gesprochen. Das wäre ja supi-geil. Was muss ich denn hier tun, Opa Friedrich? (steht auf)

 

Friedrich:   Supi-geil - ahja. - Nun, weißt Du - mit der eigentlichen Arbeit kommen wir hier schon ganz gut zurecht. Es ist nur so, dass diese Gaststube funktionieren muss, verstehst Du?! Ich meine, wir brauchen Mitarbeiter, die es schaffen, dass das hier voll wird.

 

Vicky:       (versteht nicht so recht) Ja, ihr wollt ja sicher verdienen. Aber was kann ich da tun?

 

Friedrich:   Wir müssen versuchen, die Gäste anzulocken. Es muss für jeden einzelnen Gast einen guten Grund geben, weshalb er hierher kommt.

 

Vicky:       Hierher kommt. Ja.

 

Friedrich:   Ich... ich zahle Dir 10 Euro in der Stunde. Und Du musst jeden Abend ca. 5 Stunden hier arbeiten. Sagen wir von 20 bis 1 Uhr. Wäre das was für Dich?

 

Vicky:       Oh ja. Das ist ja toll. Und endlich verdiene ich dann mein eigenes Geld. Was muss ich denn tun? Und vor allem, wie kann ich denn dazu beitragen, dass die Gäste hierher kommen?

 

Friedrich:   Tja - sag mal: Kannst Du tanzen, Vicky?

 

Vicky:       Tanzen? Ja, ein bisschen schon. Das heißt: Hoffmanns Klausi hat sich immer beschwert auf dem letzten Erntefest, dass ich ihm beim Foxtrott immer auf die Füße getreten bin. Das stimmt aber gar nicht. Was kann ich denn dafür, wenn der so große Füße hat und sie immer unter meine schiebt?

 

Friedrich:   Genau! Und dieses Problem hast Du hier erst gar nicht. Weil Du hier nämlich ganz alleine tanzen sollst.

 

Vicky:       Alleine?

 

Friedrich:   Richtig! Willst Du es mal versuchen? Beweg Dich doch mal - so richtig schön rhythmisch.

 

Vicky:       (bewegt sich, rollt auch mit den Hüften, es sieht aber sehr komisch und wenig professionell aus) So?

 

Friedrich:   Na ja - nicht so ganz. Da muss ein Schuss mehr Erotik rein. Aber das üben wir noch. Und - äh - Vicky - Verkleiden findest Du doch auch toll, oder?

 

Vicky:       Ja, geil. Ich liebe Karneval.

 

Friedrich:   Na, das ist doch schon mal ein Anfang. Komm mit nach nebenan. Dann erklär´ ich Dir alles. (abgehend nach rechts)

 

Vicky:       Ja supi. (zieht ihren Rock o.a. weniger galant hoch, ihm folgend ab nach rechts)

 

11. Szene

Hannelore: (kommt von der Toilette zurück, wundert sich, wo Vicky geblieben ist, dann kommt...)

 

Cordula:    (...von draußen herein. Sie ist spießig gekleidet mit einem Kostüm o.a.) Guten Tag.

 

Hannelore: Guten Tag. (setzt sich wieder auf ihren Platz)

Cordula:    (schaut sich kurz um, setzt sich dann an einen anderen Tisch, wartet, schweigt)

 

Hannelore: (taxiert sie eine Weile, dann:) Ist es noch trocken draußen? Es soll ja noch Gewitter geben.

 

Cordula:    (zunächst ein wenig empört über dieses dreiste Ansprechen) Bitte? - (dann) Ja, es ist noch trocken.

 

Hannelore: Wir müssen ja auch ganz nötig Regen haben, nicht?! Ist ja wieder alles viel zu trocken in diesem Sommer.

 

Cordula:    Möglich.

 

Hannelore: Ist schön geworden hier - diese Kneipe - nach der kleinen Renovierung, nicht?!

 

Cordula:    Mir ist nicht bekannt, wie diese Gaststube VOR dem Umbau aussah. Ich halte mich ungern in solchen - nun, sagen wir mal: Etablissements auf. Ist nicht mein Stil, wissen Sie?!

 

Hannelore: Oh, so ist das. Welche Attabletts - oder wie das heißt - bevorzugen Sie denn so?

 

Cordula:    Was meinen Sie?  

 

Hannelore: Ist schon gut. Geht mich ja auch nichts an.

 

12. Szene

Jan-Ole:     (kommt von rechts zügig wieder herein, sieht Cordula, bleibt abrupt stehen) Oh...

 

Cordula:    Guten Abend, Herr Brummerloh.

 

Jan-Ole:     Frau Meisenbrot. Sie hätte ich hier jetzt nicht erwartet zur Eröffnung.

 

Cordula:    (steht auf, reicht ihm die Hand) Tja, ich bin immer wieder für eine Überraschung gut, das sollten Sie sich merken. Wir beide sind doch sowas wie Partner für die nächsten Wochen. Wie könnte ich mich da also rarmachen?!

 

Jan-Ole:     Partner? Nun ja, wenn Sie das so sehen?

 

Hannelore: (hört sehr neugierig zu)

 

Cordula:    Ja, so sehe ich das. Diese Sache hier mit dem Lokal ist doch nichts weiter als eine sinnlose Phase. Ich bin über den Inhalt des Testaments Ihrer Tante genauestens informiert. Wenn Sie scheitern, gehört in 5 Wochen alles mir!

 

Jan-Ole:     MOMENT mal, Frau Meisenbrot. Wenn ich den gewünschten Umsatz nicht erziele, dann erbt Cleopatra das Vermögen. SO ist es von Tante Luise gewollt.

 

Cordula:    Vielen Dank für die detaillierte Beschreibung. Und wenn es auch so ist, ICH verwalte dann das Vermögen von Cleopatra. So hat Luise es gewollt.

 

Hannelore: (völlig platt) na, DAS ist ja mal... (schnell zu Jan-Ole) Äh, ich störe ja ungern das hochinteressante Gespräch, aber kannst Du mir vielleicht sagen, wo Vicky steckt? 

 

Jan-Ole:     Ist mit Opa in der Küche. Die besprechen da irgendwas.

 

Hannelore: Nun gut. - So, ihr könnt weiter reden.

 

Jan-Ole:     (zu Cordula) Frau Meisenbrot, ich will ganz ehrlich sein: Ich bin nicht weiter daran interessiert mit Ihnen die Details von Luises letztem Willen zu debattieren. Wir beide kennen die Fakten und damit sollte es gut sein. Eine Entscheidung fällt in 5 Wochen, und der Nachlassverwalter prüft alles. Wenn Sie hier also im "Alten Schinken" nichts trinken oder essen möchten, halte ich es für besser, Sie gehen jetzt.

 

Hannelore: Oooooh... ist das geil. - Ups!

 

Cordula:    Sie werfen mich hinaus?! Na DAS hab´ ich aber auch noch nicht erlebt.

 

Jan-Ole:     Man sollte alles einmal erleben.

 

Cordula:    Unverschämt! Aber gut. Ich werde gehen. Aber ich komme wieder. Und bevor ich dieses... (sieht sich um) fragwürdige Lokal verlasse, möchte ich Cleopatra sehen. Als mögliche Erbin ist es meine Pflicht nachzuschauen, ob es der Katze hier auch gut geh.

 

Jan-Ole:     Davon steht aber nichts im Testament.

 

Cordula:    (holt Luft, will schon wieder "loslegen")

 

Jan-Ole:     (schneller) Ist schon gut. Bevor Sie noch rot anlaufen oder hysterisch werden... ich hole sie. (ab nach rechts)

 

Cordula:    (schüttelt mit dem Kopf)

 

13. Szene

Hannelore: (steht auf, geht zu Cordula) Wissen Sie, das ist es, was ich so liebe an Lokalen.

 

Cordula:    (fühlt sich schon wieder gestört von Hannelore) Was meinen Sie?

 

Hannelore: Na, das man gar nichts machen muss, und dennoch die größten Sensationen erfährt hier.

 

Cordula:    Ach, was wissen Sie denn schon?

 

Hannelore: Na, eine ganze Menge seit 5 Minuten. Und ich werde es Lisbeth Brummerloh noch Wochen auf´s Brot schmieren, dass sie mir das alles nicht erzählt hat. Sie sind also vom Tierheim?

 

Cordula:    Tsss... Tierheim. Wenn Sie regelmäßig die lokale Presse verfolgen würden, dann wüssten Sie, dass Cordula Meisenbrot die erste Vorsitzende des Tierschutzvereins Zimbrosia e.V. ist. ICH alleine habe es geschafft, dass 2 Gesetze geändert wurden in den letzten 6 Jahren zugunsten der Tiere in Deutschland. Nichts ist mir wichtiger als das Wohl der Tiere.

 

Hannelore: Ahja. Und damit kann man richtig Geld verdienen?

 

Cordula:    Geld. Als wenn das wichtig wäre.

 

Hannelore: Ist es nicht? Dann frag ich mich allerdings, weshalb sie so scharf darauf sind, dieses Erbe anzutreten? Diese Immobilie ist doch etwas mehr wert, als dass, was diese Katze in ihrem Leben noch fressen kann, hab´ ich recht?

 

Cordula:    Tsss...

 

14. Szene

Jan-Ole:     (kommt mit der Katzenbox zurück, stellt diese auf die Theke; wieder mit der Rückseite zu den Zuschauern) Bittesehr.

 

Cordula:    (geht hinter die Theke, geht nah an die Box) Um Himmels Willen, in so einer Box muss das Tier verharren? Das ist ja schrecklich.

 

Jan-Ole:     Ich habe sie vor einer Minute dort hinein getan. Sie hat einen eigenen Raum hier und läuft dort frei herum den ganzen Tag. Sie besitzt einen Kratzbaum, Spielzeug, wird mehrmals am Tag gestreichelt und erhält das beste Futter, das im Handel erhältlich ist. Ja, entwurmt wird sie auch bald wieder. Und gebürstet wird sie auch. Sonst noch Fragen?

 

Cordula:    Och, Cleopatra. Du... Du... Du... (steht dann wieder aufrecht) Mein Gefühl sagt mir dennoch, dass sie hier nicht gut aufgehoben ist.

 

Jan-Ole:     (nimmt die Box wieder von der Theke herunter) Und mein Gefühl sagt mir, dass es besser ist, wenn Sie nun gehen, weil SIE sonst hier nicht mehr gut aufgehoben wären. (stellt die Box auf den Boden neben der Theke ab)

 

Cordula:    (pikiert erhobenen Hauptes zur Tür gehend) Wir sehen uns wieder. Schneller als Sie denken, Herr Brummerloh.

 

Jan-Ole:     Ja, ich freu mich schon drauf. Auf Wiedersehen!

 

Cordula:    ("rauscht" ab)

 

15. Szene

Hannelore: WAS für eine Furie!

 

Jan-Ole:     Da muss ich Dir ausnahmsweise recht geben, Hannelore.

 

Hannelore: Ausnahmsweise - Du Flegel! - Tut mir ja auch leid, dass ich alles mit anhören musste, aber nun weiß ich eben bescheid. Allerdings - EIN Detail fehlt mir da in dieser Geschichte.

 

Jan-Ole:     (gelangweilt) Und welches?

 

Hannelore: Wenn Du der Erbe bist vom Alten Schinken, wie kann dann Madame Tierschutz in 5 Wochen auch noch erben?

 

Jan-Ole:     Indem wir nicht den erhofften Umsatz machen, den Luise verlangt.

 

Hannelore: Jetzt verstehe ich. Oh - und Du denkst, das wird nicht einfach?

 

Jan-Ole:     Nicht einfach? Hannelore, dieses Gasthaus ist jetzt seit mehr als 25 Minuten geöffnet, und wir haben noch nicht einen einzigen Cent eingenommen bisher.

 

Hannelore: Stimmt. Ach Junge, ich würde Dir zu gerne helfen, wenn ich könnte. Also, wenn mir nur irgendetwas einfallen würde, wie man die Gäste hier heranlocken könnte - ich würde alles tun, wirklich. Und Vicky natürlich auch. Besonders Vicky; verstehst Du?! (grinst)

 

Friedrich:   (steht wieder rechts in der Tür jetzt)

 

Jan-Ole:     Danke Hannelore. Aber ich glaube nicht, dass Dir da eine sinnvolle Idee kommt.

 

16. Szene

Friedrich:   (kommt vor) Hannelore vielleicht nicht. Aber MIR!

 

Jan-Ole:     Opa. Was sagst Du da?

 

Friedrich:   Wir leben in einer modernen, verrückten, schnelllebigen Welt. Smartphones und Labtops bestimmen den Alltag. Besonders bei den jungen Menschen.

 

Hannelore: Opa Friedrich - ich bin platt!

 

Jan-Ole:     Ja. Frag MICH mal.

 

Friedrich:   Heutzutage verbringt jeder seine Freizeit lieber am Computer als überhaupt noch aus dem Haus zu gehen. Und WENN sie das tun, dann kann man niemanden mehr in eine langweilige Kneipe locken. Die Leute wollen unterhalten werden. Nur so kann eine Gaststube wie diese noch funktionieren. (zu Jan-Ole) Darauf hättest DU eigentlich als erstes kommen können, Du junger Bengel.

 

Jan-Ole:     Ja, aber... was...?

 

Friedrich:   Ab sofort haben wir eine neue Mitarbeiterin hier im "Alten Schinken", die für die nötige Animation sorgt.

 

Jan-Ole:     Was?

 

Friedrich:   Genau. Vicky arbeitet ab sofort hier und macht den Laden zu einer Goldgrube. Zumindest glaube ich an sie.

 

Hannelore: Oh wie wunderbar. Meine Vicky! Und wie genau sieht ihre Arbeit aus?

 

Friedrich:   Das wirst Du sofort erfahren. (Friedrich stellt sich in die Mitte, spricht die Zuschauer an) Meine Damen und Herren, der "Alte Schinken" von Poppenbüttel... nee, ich denke das muss internationaler. (beginnt erneut) Ladys and Gentlemen - The old ham from Poppenbüttel proudly presents - live and now - Vickyyyy... Eppelkött!

 

17. Szene

                  (die Bühne kann sich zu dieser Szene leicht verdunkeln, auch mit Spotlights und bunten Strahlern kann hier gearbeitet werden, muss aber nicht sein. Nicht von dem Recorder auf der Bühne, sondern von irgendwo ertönt jetzt relativ laut entweder der Erotik-Song "Je t´aime" oder "Sexbomb". Vicky kommt von rechts erotisch-tanzend auf die Bühne. Je nachdem, welche Musik Sie wählen, langsamer oder flotter. Sie trägt eine Perücke, ist grell geschminkt, trägt äußerst ungewöhnliche Kleidung. Und zwar ein Bustier oder Body, Leggins, Schuhe mit hohen Absätzen, evtl. Handschuhe und Federboa, und über ihre Leggins einen wollenen Schlüpfer in rosa mit "Bein". Sie versucht erotisch zu tänzeln, welches bei ihr jedoch schreiend komisch aussieht. Sie knickt auch 1-2 mal mit den hohen Absätzen um. Geht dann - nachdem sie einen Moment für das Publikum ihre weniger perfekten Bewegungen zeigte - mit erotischem Blick auf Jan-Ole zu, neckt ihn mit der Feder-Boa. Zugleich kommen dann Elisabeth und Paul von rechts, stehen in der Tür, staunen nur. Hannelore ist entsetzt und hält sich die Hände vor den Mund. Dann schneller Vorhang.

 

 

 

Ende des ersten Akts

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Zweiter Akt

 

                  (ca. 1 Woche später. Das Bühnenbild ist unverändert. Ein Abend, ca. 21 Uhr. Wenn der Vorhang sich öffnet, sitzt Jan-Ole recht verzweifelt an einem Tisch. Sein Gesicht hat er in seine Handflächen vergraben. Von hinten aus dem Saal hört man die Musik "Sexbomb" oder "Je t´aime". Auf dem Tisch vor Jan-Ole liegt ein großer Block mit Stift. Im Schloss der Eingangstür steckt der Schlüssel von innen)

 

1. Szene

Jan-Ole:     (steht dann nach einer Weile auf, ist genervt von der Musik im Hintergrund, zu sich selbst:) Das ist ja nicht zum Aushalten! - Und das kann doch wohl alles nicht wahr sein.

 

2. Szene

Sandra:      (kommt zügig und wütend von draußen herein, hat eine Tageszeitung zusammengefaltet in der Hand, geht wütend zur Theke, "knallt" die Zeitung darauf) Das kann doch wohl alles nicht wahr sein! (verschränkt die Arme, schaut weg von Jan-Ole)

 

Jan-Ole:     (sehr überrascht) Sandra! Was machst DU denn hier?

 

Sandra:      (schnippisch) Ist das hier ein öffentliches Lokal? Ja oder nein?

 

Jan-Ole:      Natürlich ist es das.

 

Sandra:       Jaaaaa... und WAS für eins!

 

Jan-Ole:      Was meinst Du?

 

Sandra:       Was ich meine? Oh, Jan-Ole. Ich hätte Dir wirklich einiges zugetraut, aber das...?! (etwas ruhiger) Im Dorf erzählen sich alle, dass Du den "Alten Schinken" geerbt hast. Und obwohl wir uns getrennt haben vor Wochen, habe ich mich gefreut für Dich - wirklich.

 

Jan-Ole:      Danke.

 

Sandra:       (wieder wütend) Aber das Du ein Bordell aus dieser urigen Kneipe machst, das hätte ich nie von Dir gedacht, Du Bock!

 

Jan-Ole:      Ein Bor... was? Wie um alles in der Welt kommst Du denn nur auf einen solchen Blödsinn?

 

Sandra:       Das fragst Du noch?! (schlägt die Zeitung auf, drückt sie ihm grob in die Hände) Hier! (zeigt auf eine Annonce, liest gleichzeitig vor:) "Zum alten Schinken, das etwas andere Gasthaus in Poppenbüttel. Jeden Abend ab 20 Uhr erotische Stunden mit Vicky. Sie erfüllt Dir jeden Wunsch." Na, DAS reicht ja wohl. Und? Lässt sie Dich auch mal ran, oder habt ihr gar schon Heiratspläne - Du und Eure erotische Vicky?

 

Jan-Ole:      (in einer Mischung aus "perplex und belustigt") Äh... ich...

 

Sandra:       Komm zum „Prädikat“!

 

Jan-Ole:      Es gehen mir so viele Fragen und Dinge durch den Kopf gerade.

 

Sandra:       (streng) Ja, mir auch.

 

Jan-Ole:      Aber ich ahne da was. Warte mal. (geht nach rechts, ruft nach dort streng und laut:) OPA!? Friedrich Brummerloh, kommst Du bitte sofort in die Gaststube?!

 

Friedrich:    (ruft von rechts) Das ist ganz ungünstig jetzt. Ich sitze vorm Rotlicht.

 

Jan-Ole:      Dann unterbrich das! Ich MUSS mit Dir reden! Sofort!

 

Friedrich:    Ja ja. Ist ja schon gut. Ich muss aber erst die Hose hochziehen. Das dauert.

 

Jan-Ole:      (nach einer kleinen Pause zu Sandra:) Und? Wie geht´s Dir sonst so?

 

Sandra:       (immer noch "frech") Was soll das heißen? "Sonst so"?

 

Jan-Ole:      Mit "sonst so" meine ich, dass ich vermute, unsere Trennung bereitet Dir vielleicht Probleme. Welche Frau würde es interessieren, mit welchen Methoden ihr Ex einem Lokal zum Umsatz verhilft? Ich meine, wenn ich Dir völlig egal wäre...

 

Sandra:       (zunächst unsicher) Ich... äh...

 

Jan-Ole:      (lächelnd) Kommst auch DU jetzt bitte zum Prädikat?!

 

Sandra:       (dann schnell wieder schnippisch, aber eher gespielt) Bilde Dir bloß nichts ein. Es geht mir nur darum, dass ICH nicht schlecht ins Gerede komme. Immerhin waren wir 3 Jahre zusammen, und das weiß das ganze Dorf.

 

Jan-Ole:      (leicht seufzend) Ja, das ist wohl so.

 

Sandra:       Wenn Du hier nun einen solchen Dreck aufziehst, fällt das automatisch auch auf mich zurück. Nur darum geht es mir!

 

Jan-Ole:      Ach, nur darum geht es Dir.      

                                  

Sandra:       Genau!

 

3. Szene

Friedrich:    (kommt herein; er hat eine zusammengefaltete Zeitung in der Hand) Du Bengel weißt ganz genau, wie schlimm mein Rheuma in den letzten Tagen ist. Sitze ich hier mit dem Rotlicht, werde ich weggejagt, sitze ich in der Küche, lasst ihr mich auch nicht in Ruhe. - Ach, Hallo Sandra. (Achten Sie darauf, dass Friedrich in den nächsten Szenen wieder den Namen "Vicky" mit scharfem "V" ausspricht)

 

Sandra:       Hallo Opa Friedrich.

 

Friedrich:    Das ist ja eine Überraschung, dass ich Dich hier wiedersehe. Ist da DOCH noch was zwischen Jan-Ole und Dir?

 

Sandra:       (und Jan-Ole im Chor) NEIN; da ist nichts mehr! (beide schauen sich dann kurz an, dann verlegen weg)

 

Friedrich:    (ironisch) Dann bin ich ja beruhigt. Und? Was ist nun so wichtig, dass ihr mich nicht mit dem Rotlicht in Ruhe lassen könnt?

 

Jan-Ole:      Du triffst es schon ganz gut, Opa. Um das Rotlicht geht es. (zeigt ihm die Annonce in der Zeitung auf der Theke) Du hast sicher keine Ahnung, was das hier für eine merkwürdige Anzeige ist? Eine Anzeige für UNSER Lokal!

 

Friedrich:    (schaut darauf, murmelt eher) "Jeden Abend ab 20 Uhr erotische Stunden mit Vicky..." Das ist aber nicht die heutige Ausgabe.

 

Jan-Ole:      (schaut Sandra fragend an)

 

Sandra:       Äh nee, die ist schon ein paar Tage alt. Ich habe das aber heute erst gelesen.

 

Friedrich:    Na siehste. Alles schon wieder überholt. Hier! (legt seine Zeitung auf die Theke) Das hier ist die Zeitung von heute. (geht nach hinten zum Saaldurchgang)

 

Sandra:       (und Jan-Ole schauen sich fragend an)

 

Friedrich:    (ruft nach hinten) Vicky Eppelkött, Du hast Feierabend!

 

Jan-Ole:      Opa. Kannst Du uns mal aufklären? Das hier ist auch mein Lokal. Was machst Du eigentlich alles ohne unser Wissen?

 

Friedrich:    (kommt zurück zur Theke) Nur mit der Ruhe, mein Junge. Ich denke nur ans Geschäft, weiter nichts.

 

                   (die Musik, die aus dem Saal zu hören war, verstummt jetzt)

 

4. Szene

Vicky:        (noch hinten) Ich bin gleich wieder da, Klausi. Bleib einfach da sitzen. Es geht sofort weiter. (kurze Pause, dann kommt Vicky herein. Sie trägt ähnliche Kleidung wie am Ende des 1. Akts, ihre Garderobe kann aber auch leicht verändert worden sein) Ja, wo brennt´s denn?

 

Sandra:       (sieht sie, muss laut lachen)

 

Vicky:        Hey Du... warum lachst Du, Sandra Körner?

 

Sandra:       Entschuldige bitte. Tut mir leid.

 

Vicky:        Ja, das will ich auch hoffen. - Was willst Du denn von mir, Opa Friedrich? Ich muss weiter tanzen. Außerdem mache ich meine Pause immer erst so gegen 23 Uhr. "The Show* must go on", weißt Du?! (sprich "Schoff") Ja ja - diesen Spruch hab ich aus dem Internet - jawoll! Ich kenn mich wohl aus. Und ich will mir ja auch nicht nachsagen lassen, dass ich im "Alten Schinken" nicht gut arbeite für mein Geld. - Aber was hast Du da gerade von "Feierabend" gesprochen, Opa Friedrich?

 

Friedrich:    Das ist es, Vicky, worüber wir reden müssen.

 

Sandra:       Moment mal. Verstehe ich das richtig? DU arbeitest hier, Vicky?

 

Vicky:        Ja, das tu ich wohl. Ich bin Tänzerin. Hoffmanns Klausi nennt mich schon die "Dancing Queen" von Poppenbüttel. - Mama darf das aber nicht wissen, weil sie das ein bisschen schamlos und auch viel zu elektronisch findet.

 

Jan-Ole:      Erotisch, Vicky. Es heißt erotisch.

 

Vicky:        Genau, das auch! Darum mach ich das jetzt heimlich hier. Schon seit einer Woche. Und Mama erzähl ich dann immer, dass ich zu meiner Freundin Britta fahre, um mit ihr "Mensch-ärger-Dich" zu spielen.

 

Sandra:       "Nicht", Vicky. Mensch-ärgere-Dich-NICHT".

 

Vicky:        Ja, das auch. (zu Sandra) Soll ich Dir mal zeigen, wie schön ich mich bewegen kann? Hoffmanns Klausi sagt, ich bin richtig rhythmisch in der Hüfte. (bewegt sich tänzelnd)

 

Sandra:       (leicht belustigt) Wunderbar. Ich bin schwer beeindruckt, Vicky.

 

Vicky:        Ja, das kannst Du auch sein. Wahrscheinlich bist DU für sowas nicht geeignet, Sandra. Warum hat man MICH sonst gefragt, nicht wahr, Opa Friedrich? - Aber was ist denn nun? Hoffmanns Klausi wartet auf mich da im Saal.

 

Friedrich:    Vicky, nun hör mal zu. Mit Deiner Tanzshow hier haben wir versucht, Leute in das Lokal zu locken. Es geht hier darum, Geld in die Kasse zu kriegen.

 

Vicky:        Ja, das verstehe ich wohl.

 

Friedrich:    Und dann hab´ ich mit der Annonce in der Zeitung auch wohl ein bisschen übertrieben.

 

Jan-Ole:      Allerdings, Opa! (leiser) Ich wusste es!

 

Vicky:        Was denn für eine Annonce?

 

Friedrich:    Ach, mach Dir darüber keinen Kopf. Es waren aber am Montagabend nur 5 Männer hier, die nach 20 Minuten wieder gegangen sind.

 

Vicky:        Das stimmt wohl. Aber Hoffmanns Klausi ist seit Montag jeden Abend da. Er kommt um 8 und bleibt immer bis zu meinem letzten Tanz.

 

Friedrich:    (ein wenig verzweifelt) Ja genau, DAS ist es ja. Seit Tagen tanzt Du stundenlang nur für einen einzigen Kerl hier. (zusammen mit Jan-Ole im Chor) Klausi Hoffmann!

Vicky:        Ja, ich weiß, was ihr denkt. Ich war sauer auf Klausi, weil er mir sonst beim Tanzen immer mit seinen großen Quanten auf die Füße getreten ist. Aber wenn ich alleine tanze, besteht da ja keine Gefahr. Außerdem hat er mir vorhin gesagt, dass nicht nur seine Füße so groß wären. Und er will mir die anderen Teile heute Nacht auch noch zeigen.

 

Sandra:       (muss lachen) Großer Gott!

 

Jan-Ole:      Oh scheiße. Da haben wir es schon. Und das nur wegen Deiner blöden Annonce, Opa.

 

Friedrich:    Vicky. Pass auf. Klausi trinkt hier jeden Abend 3 Bier und zahlt 10 Euro Eintritt. Das reicht aber nicht für unser Geschäft. Und deshalb... (holt aus seiner Hosentasche einige Scheine heraus, gibt ihr diese) Das ist der Lohn, den Du noch bekommst; und tanzen musst Du jetzt nicht mehr. Tut mir leid.

 

Vicky:        (nimmt das Geld) Och, schade eigentlich.

 

Friedrich:    Es geht leider nicht anders.

 

Sandra:       Vielleicht kannst Du ja für Klausi privat tanzen. Zuhause bei Dir oder bei ihm?

 

Vicky:        Das wäre natürlich eine Alterosine.

 

Jan-Ole:      Alternative, Vicky. Alternative.

 

Vicky:        Ja, das auch! Und dann kann er mir ja auch gleich die anderen großen Teile zeigen von seinem Leib. (freut sich) Oh ja. Ich geh am besten gleich zu ihm und schlag ihm das vor. Wisst ihr, Hoffmanns Klausi ist eigentlich ein ganz toller Mann. Und auf DICH, Jan-Ole Brummerloh, werde ich nicht länger warten. Das dauert mir schon viel zu lange. So, das musste mal gesagt werden. (will ab nach hinten, als...)

 

5. Szene

Hannelore:  (...von links zügig und aufgebracht hereinkommt. Sie ist erschüttert, als sie ihre Tochter sieht) Ich wusste es! Ich wusste es, dass Du nicht ehrlich bist! (fasst sich mit beiden Händen an die Stirn)

 

Vicky:        (erschrocken und überrascht) Mama! Was machst DU denn hier?

 

Hannelore:  (streng) Ich hole Dich hier raus - aus dieser Lasterhöhle. Ist ja nicht zu fassen. Und jetzt sag mir bloß noch, dass Du das schon seit 7 Tagen machst. (geht zu ihr, greift sie grob am Arm) "Mensch-ärgere-Dich-nicht" - spielen bei Deiner Freundin Britta, ja?! Oh Kind, womit hab´ ich das verdient? Also, von MIR hast Du das nicht - das muss Du von Deinem Vater geerbt haben. Schämen solltest Du Dich. - Wo ist Deine Kleidung?

 

Jan-Ole:      (geht schnell hinter die Theke, holt von dort eine Tasche oder Korb hervor) Hier!

 

Hannelore: Du gehst jetzt auf der Stelle auf die Toilette und ziehst Dir wieder Deine normalen Sachen an. Und dann nichts wie weg von hier.

 

Vicky:        Ja aber...

 

Hannelore:  (lauter) Du tust, was Deine Mutter sagt!

 

Vicky:        (betrübt mit der Tasche ab nach hinten) Ja Mama.

 

6. Szene

Hannelore:  (zu Jan-Ole und Friedrich) So. Und jetzt zu Euch!

 

Jan-Ole:      (schnell) ICH hab´ damit nichts zu tun, Hannelore.

 

Friedrich:    Ist schon gut, Jan-Ole. Ich mach das schon. Du musst jetzt sowieso verschwinden hier. Geh zu Deinem Vater. Der erklärt Dir alles weitere, was jetzt zu tun ist.

 

Jan-Ole:      Bitte? Wovon sprichst Du?

 

Friedrich:    Na, wovon schon? Von einer neuen Idee, hier endlich Geld mit dem Lokal zu machen. Nun geh schon. Wir dürfen keine Zeit verlieren.

 

Jan-Ole:      (versteht nichts, kopfschüttelnd ab nach rechts)

 

7. Szene

Sandra:       Ich möchte mich hier auch gar nicht länger aufhalten, Opa Friedrich. (will schon gehen)

 

Friedrich:    Kommt nicht in Frage. DU bleibst. Wer weiß; vielleicht brauch ich Dich noch.

 

Sandra:       (verwirrt, bleibt hinter der Theke) Aha.

 

Hannelore:  (barsch) Also, wenn ich jetzt mal...

 

Friedrich:    (schnell) Jetzt seid mal einen Moment still. Es sollte nun die Reaktion von Jan-Ole zu hören sein, wie er auf meine neue Idee reagiert.

 

Alle:           (drei sind nun ruhig, sodann kommt von Jan-Ole von rechts ein lauter Schrei, und...)

 

Jan-Ole:      Oh mein Gott, VATER! - Das kann ja wohl nicht wahr sein.

 

Friedrich:    (lacht) Ja, genau so hatte ich mir das gedacht.

 

Sandra:       Was ist da los?

 

Friedrich:    Alles zu seiner Zeit, Sandra. Aber wenn Du mir einen Gefallen tun magst, dann geh doch bitte in den Saal und sag Hoffmanns Klausi, dass er nicht mehr länger auf Vicky warten muss. Er soll hierher kommen oder gehen, ja?!

 

Sandra:       Ja, wenn Du meinst. Mach ich. (ab nach hinten)

 

 

 

8. Szene

Friedrich:    (zu Hannelore) Ja, nun schau nicht so verblüfft. Es war immer nur Hoffmanns Klausi hier, der Deine Vicky gesehen hat.

 

Hannelore:  (holt Luft, will was sagen)

 

Friedrich:    Das ist doch kein Drama. Ich hab´ sie dafür bezahlt und Vicky hat das freiwillig gemacht. Nun reg Dich also wieder ab.

 

Hannelore:  (holt Luft, will was sagen)

 

Friedrich:    Vicky hat getanzt hier, weiter nichts. Und sie hat das gerne gemacht. Sie hatte richtig Spaß dabei. - Gut, sie hat außergewöhnliche Klamotten dabei getragen, aber das war ja auch Sinn der Sache. Männer wollen ja auch was für´s Auge.

 

Hannelore:  Männer? - Ich nenne solche Objekte geile, schaulustige Böcke!

 

Friedrich:    Hannelore, Du musst langsam mal anfangen, ein bisschen modern zu denken.

 

Hannelore:  Ich teile mir mit Gretchen Plümer das Zeitungsabonnement. Und weil sie krank war, habe ich heute erst Eure perverse Annonce gelesen. Das reicht ja wohl. "Erotische Stunden mit Vicky". Das ist abartig. Ich sag Dir was, Friedrich Brummerloh: Wenn irgendjemand meine Tochter unsittlich angefasst hat, oder sie vielleicht sogar ein Kind bekommt, mache ich Dich, Deinen Sohn und Deinen Enkel dafür verantwortlich.

 

Friedrich:    Also, WENN irgendjemand Vicky angefasst hat, dann kann es nur Hoffmanns Klausi gewesen sein. Der mit seinen großen Füßen.

 

Hannelore:  Gott bewahre uns vor DEM! Und nenn mein Kind nicht immer Vicky. (mit "scharfem" V) Das klingt obszön und pietätlos. Ihr Name schreibt sich zwar mit "V", aber dennoch heißt sie Vicky*.*(sprich Wicky)

 

Friedrich:    Wieso? Man sagt doch auch Verkehr, Verlangen und Verleumdung. Oder glaubst Du, falls Du wirklich Oma werden solltest, dass Hoffmanns Klausi Deine Tochter g e w ö g e l t  hat?! (lacht)

 

Hannelore:  Ooooooh... Du perverser alter Bock, Du! Wenn Lisbeth nicht zur Kur wäre, würde das alles hier nicht passieren.

 

Friedrich:    Möglich. Entschuldige mich jetzt bitte. Ich muss mich ums Geschäft kümmern. Es gibt hier wichtigere Dinge als Dich. (ab nach rechts)

 

9. Szene

Hannelore:  (schnappt nach Luft) Lässt der mich hier einfach stehen und tut so, als wäre damit alles erledigt. Also, ich... ich... (geht schon zügig nach rechts, als...)

 

10. Szene

Vicky:        (...wieder von hinten hereinkommt. Sie trägt nun wieder ihre altbackene "normale" Kleidung, wirkt immer noch betrübt) Fertig, Mama.

 

Hannelore:  (dreht sich um, geht dann sofort zu ihr) Was bist Du nur für ein ungehorsames Kind und was hast Du Dir nur dabei gedacht, Dich hier so zu präsentieren?

 

Vicky:        Ich fand das sehr lustig, Mama.

 

Hannelore:  Lustig ist das aber nicht mehr, wenn die Kerle ihren Verstand in der Hose haben. Wozu kaufe ich Dir jeden Donnerstag die "Bravo"? Du musst auch immer lesen, was Dr. Sommer schreibt.

 

Vicky:        Ja, das mach ich doch auch.

 

Hannelore:  Freizügigkeit ist sehr gefährlich. Hat Dich irgendwer angefasst, Vicky? Und bitte sei ehrlich.

 

Vicky:        Angefasst? Nein. Das heißt - (leicht beschämt) Hoffmanns Klausi hat gestern Abend seine große Hand auf meinen Popo gelegt. Stell Dir vor Mama, mein ganzer Popo war in seiner Hand verschwunden.

 

Hannelore:  Ja ja, umso erschreckender ist der Gedanke, was bei dem noch alles sehr groß ist.

 

 

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