Lange danach gesucht - auf Ibiza 2012 endlich gefunden
Musiker gesucht

 

 

„Skandal um´s erste Mal“

 

 

Komödie in 3 Akten

 

 von

 

Helmut Schmidt

 

Inhalt:

Der 28jährige Psychologie-Student Daniel Evers teilt sich aus Kostengründen die Miete in einer Wohngemeinschaft zusammen mit seiner jungen Kommilitonin Friederike Sonnenberg. Zunächst funktioniert alles sehr gut, bis Friederike mehr und mehr Zuneigung für Daniel empfindet. Genervt von ihren ständigen Annäherungs-Versuchen, beichtet Daniel zunächst seinem besten Freund Tobias, dass er bisher noch nie mit einer Frau Sex hatte, weil er sich dieses für seine zukünftige Frau und für die Hochzeitsnacht aufheben möchte. Als Friederike das von Tobias erfährt, sind sich beide schnell einig: Mit Daniel kann etwas nicht stimmen! Die Eltern von Daniel, die ihren Sohn an seinem Geburtstag besuchen, erfahren nun auch von dem Problem und greifen sich nun sogar gegenseitig an, wer bei Daniels Erziehung wohl versagt hat. Zu allem Übel mischt sich auch noch Friederikes Mutter Hanna in diese Katastrophe ein. Und diese hat dann die geniale Idee, dass sie Daniel bei der Fernseh-Sendung "Ich hab´ noch nie - Skandal um´s erste Mal" anmeldet. Einen Tag später steht das Fernseh-Team vor der Tür und die recht "durchgeknallte" Moderatorin Lisa Ratte-Winkelbusch bringt den Irrsinn zum Höhepunkt. Um die Einschaltquoten zu steigern, schreckt diese nicht mal davor zurück, die Prostituierte Tessa-Marie und den Callboy Lars-Simon mit in ihre Sendung einzubauen, damit Daniel endlich von seiner Jungfräulichkeit "geheilt" wird...

 

 

Bühnenbild:

 

Das Bühnenbild zeigt das Gemeinschaftszimmer einer WG. Es ist eine Mischung aus Wohnzimmer, Arbeitszimmer und Aufenthaltsraum. Nach hinten führt eine Tür zum Flur nach draußen, - von dort geht es rechts zur Eingangstür. Rechts im Bb. eine Tür zur Küche, zum Bad und zur Toilette - links eine dritte Tür zu den Schlafzimmern von Daniel und Friederike. Tisch und Stühle oder Eckbank an der einen Seite - auf der anderen Couch und Sessel. Regale an den Wänden, Bücher o.a. - es darf auch gerne ein wenig chaotisch aussehen.

Irgendwo stehen das Telefon und eine Musikanlage.

 

Die Spieler:  4m/5w - 1 Bühnenbild - Wohnzimmer

 

 

Daniel Evers                      -  (28 Jahre)

 

Tobias Prack                       -  Freund von Daniel (25 - 30 Jahre)

 

Friederike Sonnenberg       -  Mitbewohnerin von Daniel (25 - 30 Jahre)

 

Hanna Sonnenberg             -  Mutter von Friederike (50 - 60 Jahre)

 

Luise Evers                         -  Mutter von Daniel (ca. 50 - 60 Jahre)

 

Karl-Otto Evers                  -  Vater von Daniel (ca. 50 - 60 Jahre)

 

Lisa Ratte-Winkelbusch     -  Moderatorin (ca. 30 - 50 Jahre)

 

Tessa-Marie                        -  Prostituierte (25 - 35 Jahre)

 

Lars-Simon                         -  Callboy (ca. 40 Jahre)

 

 

 

 

Spielort: großes Dorf oder Kleinstadt

 

Spielzeit: Frühling in der Gegenwart

 

Spieldauer: ohne Pausen ca. 100 Minuten

 

 

Erster Akt

    

                  (Wenn der Vorhang sich öffnet, befindet sich kein Spieler auf der Bühne. Es ist ein Wochentag in den Nachmittagsstunden, ca. 16 Uhr)

 

1. Szene

Friederike: (kommt von rechts, hat einen kleinen Blumenstrauß in einer Vase, sowie ein hübsch verpacktes kleines Päckchen in der Hand, positioniert dieses fröhlich auf den Tisch, stellt eine Karte im Umschlag davor, darauf steht "Für Daniel" - betrachtet ihr "Werk", seufzt, dann hört man von hinten Daniel und Tobias sprechen. Friederike hört dieses, schnell wieder ab nach rechts, die Tür bleibt aber einen Spalt offen)

 

Daniel:       (von hinten) Ja, ich hätte Dir das Buch auch selbst wieder zurückgeben können, ich weiß.

 

Tobias:       Ja, das hättest Du.

 

Daniel:       (recht genervt) Was ist denn daran so tragisch, wenn Du mich erinnern musst? Ich hab´ auch nur ein Gehirn.

 

2. Szene

Daniel:       (kommt gefolgt von Tobias von hinten herein, beide haben Schultasche - bzw. Mappen dabei, Daniel "wirft" seine irgendwo in eine Ecke, geht dann mürrisch und zügig ab nach links. Daniel und Tobias unterscheiden sich optisch darin, dass Tobias eher der "Macho" ist; mit gestylter Frisur, offenem Hemd, evtl. Schmuck, Turnschuhen, Designer-Jeans-Hose oder auch Shorts - Daniels Outfit ist eher ein wenig "brav". Biederer Haarschnitt, Hemd, Pullover, lange Hose und schwarze Schuhe o.a.) Ich leih mir die Bücher in Zukunft in einer Bibliothek aus - die stellen sich nicht so an.

 

Tobias:        (bleibt im Raum, wartet, lächelt) Mach das.

 

Daniel:        (kommt sodann zurück, drückt Tobias weniger galant ein Buch in die Hand) Hier, Du Nörgler. Da ist es. (ironisch) Vielen vielen Dank, dass ich es sogar 14 Tage lang ausleihen durfte, um es in High-Speed-Geschwindigkeit lesen zu müssen. Zur Information: Ich habe es noch NICHT durch. Aber entschuldige bitte 1000-mal, dass ich es überhaupt von Dir ausgeliehen hab´.

 

Tobias:        Ist schon gut. (holt dann aus seiner Tasche ein verpacktes Geschenk) Tataaa... und das, mein Freund - ist mein Geburtstagsgeschenk für Dich. (überreicht es ihm)

 

Daniel:        (überrascht und geschmeichelt) Tobi, warum schenkst Du mir was?

 

Tobias:        Weil heute Dein Geburtstag ist und Du in den letzten Monaten sowas wie mein bester Freund geworden bist. (breitet die Arme aus) Komm her. (umarmt ihn dann) Herzlichen Glückwunsch nochmal zu Deinem 28sten.

 

Daniel:        Danke, Du Blödmann. (reißt das Papier von dem Geschenk herunter; darin ist genau das gleiche Buch, welches Tobias zurückforderte. Daniel versteht jetzt,

                  

 

                   beide halten jeweils das Buch hoch) Ich glaub´s nicht. Verarscht der mich hier. (lacht)

 

Tobias:        Und DAS darfst Du nun so lange behalten, wie Du magst. Ist Deins.

 

Daniel:        Danke Mann - ist echt lieb von Dir. Ich liebe dieses Buch.

 

Tobias:        Aber gerne doch. - Und? Steigt hier noch voll die Party heute? (schnell) Tut mir leid - ich muss da leider passen. Hab´ ein Date mit dieser Rothaarigen - Du weißt schon, die sich bei der letzten Vorlesung immer umgedreht und gelächelt hat. Susanne heißt sie wohl. (überlegt kurz) Oder war es Angelika?

 

Daniel:        Susanne? Angelika? - Warst Du nicht vorgestern noch mit irgendeiner Karin zusammen?

 

Tobias:        Zusammen? Hallo? Was soll das denn heißen? Ich bin jung und die Mädels sind es auch. Wir haben fun - das ist alles.

 

Daniel:        Du benutzt die Frauen also nur.

 

Tobias:        NEIN! Die benutzen MICH - so ist das!

 

Daniel:        Okay. Hauptsache, Du weißt, was Du tust. (ironisch) Und - ich verstehe natürlich, dass Du lieber mit einer Kommilitonin ausgehst, als hier einen biederen Geburtstag zu feiern. - Aber spät wird es eh nicht. Du weißt, dass wir morgen eine Klausur schreiben; ich will früh ins Bett heut´ Abend. (etwas genervt) Hab´ aber vorhin ´ne SMS bekommen. (weniger begeistert) Meine Eltern kommen noch her. Ich kann nur hoffen, dass die sich nicht so lange aufhalten.

 

Tobias:        (ironisch) Das wird bestimmt ein harmonischer Kindergeburtstag - mit den Eltern feiern.

 

Daniel:        Sehr witzig. Na, sie waren noch nie hier und wollen endlich sehen, wie ihr Sohn so haust in einer WG - dazu noch mit einer jungen Frau unter einem Dach.

 

Tobias:        (sieht dann auf dem Tisch das Geschenk) Deine Eltern sind aber nicht schon hier, oder? Weil... schau mal. (deutet auf das Geschenk)

 

Daniel:        (wundert sich auch, geht hin, nimmt die Karte, öffnet, liest) Alles Liebe und Gute zu Deinem Geburtstag mit einem dicken Knuddler wünscht Dir Deine Friederike.

 

Tobias:        Wow. DEINE Friederike inklusive dickem Knuddler. Hat mein lieber Freund mir da vielleicht etwas verschwiegen, was ich nicht wissen soll? Ist sie vielleicht DOCH mehr als nur eine Mitbewohnerin?

 

Daniel:        Nein, ist sie nicht. Wie kommst Du darauf? Das klappt super mit uns hier in dieser Wohnung - aber das ist auch alles. (nimmt das kleine Päckchen hoch) Und sie hat ein Geschenk für mich - was soll das nur? Ich will sowas nicht. Dann muss ich auch reagieren, wenn SIE Geburtstag hat; sonst fühl´ ich mich schlecht. Dabei weiß ich nicht mal, wann das ist. (packt aus)

 

 

 

Tobias:        Dann krieg´ das mal lieber raus. Frauen können sehr empfindlich reagieren in diesen Dingen.

 

Daniel:        Ja eben. Deswegen mag ich diese Schenkerei ja auch nicht. Das ist nur Pflicht. (hat das Päckchen ausgepackt, in einer Schatulle befindet sich dann ein Armband aus Leder o.a. Daniel betrachtet es)

 

Tobias:        Hey - die hat Geschmack. Schick. Sehr schick.

 

Daniel:        Schick? Tobi - das ist ein Armband.

 

Tobias:        Ja, ich sehe es. Das sieht cool aus. Das ist Markenware - kostet sicher um die 30 Euro. Leg es mal an. (will ihm schon helfen dabei)

 

Daniel:        Nein!  

 

Tobias:        Was hast Du denn?

 

Daniel:        (geht nach rechts, ruft dorthin) Friederike? Bist Du da?

 

3. Szene

Friederike:  (kommt sodann erfreut von rechts herein) Jahaa... Herzlichen Glückwunsch von mir jetzt auch persönlich, Daniel. (umarmt ihn, will ihn dann auf die Wange küssen)

 

Daniel:        (wehrt sie jedoch ab, als sie ihn küssen will) Danke.

 

Friederike:  (etwas enttäuscht, dann zu Tobias) Hallo Tobias.

 

Tobias:        Hi Friederike. Alles tutti?

 

Friederike:  Alles tutti. (dann wieder fröhlich zu Daniel) Und? Gefällt Dir mein Geschenk?

 

Daniel:        Friederike, deshalb hab´ ich Dich gerufen. Weißt Du...

 

Friederike:  (schnell) Du kannst es umtauschen, wenn Dir die Farbe nicht gefällt, oder vielleicht ein anderes möchtest. Ich hab´ den Kassenbon. Wir können auch gerne zusammen hingehen und etwas anderes...

 

Daniel:        F r i e d e r i k e!

 

Friederike:  Ja?

 

Daniel:        Ich kann das nicht annehmen. Dieses "sich-gegenseitig-beschenken" ist eh nicht ganz so mein Ding.

 

Friederike:  Ach komm. Du hast auch das Buch von Tobias angenommen. Ich hab´s gehört - ich hab´ hinter der Tür gestanden.

 

Tobias:        (lacht)

 

 

 

Daniel:        Friederike, bitte. Du hast hier Blumen für mich auf den Tisch gestellt. Sehr lieb von Dir. Und Du hast Dir Gedanken gemacht, womit Du mir eine Freude machen

                   kannst. Das ist großartig. Aber ich bin nur Dein Mitbewohner. Und das hier ist ein Armband. Das kann ich von Dir nicht annehmen. Das ist... einfach zu persönlich,

                   verstehst Du denn nicht? Ich muss es tragen - jeden Tag. Für solche Schmuckstücke stehen wir beide uns aber nicht nahe genug. So ein Armband - das ist... das ist ein Zeichen von tiefer Verbundenheit - von... ja, von Liebe oder sowas - zumindest von sehr enger Freundschaft. Das geht einfach nicht. Ich hab´ damit ein Problem. Deshalb sei lieb und hab´ Verständnis dafür, dass ich das nicht annehmen kann. (reicht es ihr) Ich hoffe, Du kannst es zurückgeben und Du kriegst auch Dein Geld wieder erstattet.

 

Friederike:  (enttäuscht) Zu persönlich?

 

Tobias:        Mach Dir nix draus, Friederike. Er ist ein Spießer. Ich hätte das tolle Teil gerne genommen. Sieht doch echt super aus. - Äh... MEIN Geburtstag ist übrigens am 29. Oktober. Nur mal so als Info.

 

Daniel:        DU hältst Dich da raus, Tobias und suchst Dein taktvolles Benehmen erstmal!

 

Tobias:        Jawohl Chef!

 

Friederike:  (kämpft mit den Tränen, wendet sich ab)

 

Daniel:        Ist alles in Ordnung, Friederike?

 

Tobias:        (sieht das) Ich hab´s wiedergefunden - mein Benehmen. Siehst Du nicht, was Du angerichtet hast, Du Grobian. Du trampelst auf ihren Gefühlen herum.

 

Friederike:  Ist schon gut. Es ist nur... Du hast ja recht, dass mein Geschenk recht persönlich ist. Aber... ich hatte gedacht, dass Du und ich... nach all den Wochen hier zusammen in einer Wohnung...

 

Daniel:        Friederike, wovon redest Du?

 

Friederike:  (traurig) Ich hab´ sogar meine Mutter eingeladen. Sie kommt gleich. Ich dachte, wir könnten zusammen ein bisschen feiern. Einen Kuchen hab´ ich auch gebacken. Mutter will Dich doch endlich kennenlernen.

 

Daniel:        Nur weil wir beide zusammen in einer WG hausen?

 

Tobias:        Oh oh - ich ahne da was.

 

Friederike:  Nein, nicht nur, weil wir zusammen wohnen. Weil... ich dachte Du - und ich... ach... ist ja nun doch alles egal. (wendet sich ab, dann zügig mit dem Päckchen ab nach rechts, Tür zu)

 

4. Szene

Tobias:        (nach einer kleinen Pause) Die ist verknallt in Dich! Jaaaaaaaaaaaa...  

 

Daniel:        Ach, hör doch auf. (dann nach einer kleinen Pause) Meinst Du wirklich?

 

 

Tobias:        Na, lern DU mir die Frauen kennen. Das war doch mehr als deutlich. Sie hat sogar ihre Mutter eingeladen, weil sie Dich als ihren Freund vorstellen will. Oder zumindest als Lover - oder derzeitigen Stecher.

 

Daniel:        Ach, halt doch die Klappe.

 

Tobias:        Eh komm. Friederike sieht doch toll aus. Wieso stehste denn nicht auf sie? Du hast doch keine, oder? Es muss ja nicht gleich die große Liebe sein. Aber zum Flachlegen reicht es doch allemal.

 

Daniel:        Ich hab´ gesagt, Du sollst die Klappe halten!

 

Tobias:        Ja ja - ich halt die Klappe. (kurze Pause) Wann äh... hast Du denn überhaupt das letzte Mal?

 

Daniel:        Hä?

 

Tobias:        Na Sex? Wann hattest Du das letzte Mal Sex?

 

Daniel:        (leicht erbost) Ich weiß nicht, ob wir beide schon so gute Freunde sind, dass wir darüber reden sollten.

 

Tobias:        Sollten wir! Also - wann?

 

Daniel:        Ja äh...

 

Tobias:        (schnell) Wenn Du schon darüber nachdenken musst, wann es das letzte Mal war, ist es eh schon zu lange her.

 

Daniel:        Pass mal auf, Du Vogel: Heute ist mein Geburtstag. Und meine Mitbewohnerin Friederike hat mir ein Geschenk gemacht, dass ich zu persönlich finde. Das hast Du mitbekommen und gut. Ich bin deshalb nicht bereit, mit Dir über mein Intim-Leben zu sprechen. Ich studiere - und... und ich hab´ auch keine Zeit für eine Beziehung.

 

Tobias:        Hallo? Ich rede nicht von einer Partnerschaft oder so. Ich spreche vom Poppen! (ab jetzt ist darauf zu achten, dass die beiden in Richtung Publikum schauen)

 

5. Szene

Luise:         (ist gefolgt von Karl-Otto leise von hinten hereingekommen. Beide sind eher ein wenig altmodisch und bieder gekleidet. Luise im Kostüm, Bluse, evtl. Hut oder Kopftuch. In der einen Hand trägt sie ein eingepacktes Geschenk. Über den gleichen Arm trägt sie ihre Handtasche; mit der anderen Hand zieht sie einen kleinen Koffer hinter sich her. Karl-Otto evtl. mit einem Anzug, welcher nicht mehr ganz modisch ist, Krawatte, evtl. Hut. Außerdem trägt Karl-Otto eine Brille. Auch er hat ein Geschenk in der Hand - Details dazu später im Dialog)

 

Daniel:        Ich will darüber nicht sprechen.

 

Tobias:        SAG´ ES JETZT! Wann hast Du das letzte Mal? (kurze Pause, steht jetzt hinter ihm, packt ihn an die Schultern, rüttelt ihn heftig) W A N N ???

 

 

Daniel:        (überlegt gar nicht was er sagt; spricht es aber eher verlegen und leise spontan aus) Mann eh - ich hab´ eben noch nie!

 

Tobias:        (und Daniel haben die beiden nicht gesehen) Was hast Du gesagt? Ich habe meinen tristen Freund nicht verstanden. Muss ich meine Frage nochmal wiederholen? (er buchstabiert dann laut und deutlich:) P O P P E N ! - Poppen. Schon mal was von gehört? Man nennt es auch Pimpern, Rammeln oder Nageln. Vornehme Leute sagen auch: Geschlechtsverkehr dazu.

 

Luise:         (erschüttert, hält zunächst eine Hand vor den Mund; platzt dann heraus:) Herr im Himmel - was ist aus unserem Jungen geworden?

 

Karl-Otto:  (muss eher schmunzeln über das, was er hört) Oh oh - unser Sohn.

 

Daniel:        (und Tobias drehen sich erschrocken um) Mutter - Vater.

 

Tobias:        (hat nun einen Moment überlegt, hat zwar gesehen, dass Besuch im Raum ist, dennoch völlig verwirrt zu Daniel) WAS hast Du da gerade gesagt? Du... Du... hast noch nie?

 

Daniel:        (leiser, aber direkt zu Tobias) Jetzt sei doch still! (dann erneut - jedoch wieder freundlicher zu seinen Eltern) Vater - Mutter!

 

Luise:         Ja - Vater und Mutter! Schämen solltest Du Dich. Von UNS hast Du solche schlimmen Worte nicht gelernt.

 

Daniel:        Wie seid ihr denn hier hereingekommen? Und was macht ihr denn schon hier? (geht zu seiner Mutter, umarmt sie. Luise erwidert auch) Ich dachte, ihr kommt erst gegen Abend.

 

Luise:         Die Außentür war nur angelehnt. Und Daniel: Du kennst doch Deinen Vater mit seinen schlimmen Augen. Der sieht doch schon wenn es dämmert so gut wie nichts mehr. Und ich bin ja nicht lebensmüde und setz mich dann noch in den Wagen neben ihn. - Aber erst mal: Alles Gute zum Geburtstag, mein Junge.

 

Daniel:        Danke Mama. (dann begrüßt er seinen Vater ebenso liebenswürdig) Papa, schön, dass ihr da seid.

 

Karl-Otto:  Daniel - herzlichen Glückwunsch. Und glaub´ nicht alles, was Deine Mutter sagt. Ich sehe noch sehr gut. Wie ein Luchs.

 

Luise:         Ja ja. Augen wie ein Luchs hast Du nur, wenn Du junge, vollbusige Frauen von weitem siehst. Oder willst Du behaupten, dass Deine Augen NICHT daran schuld waren, als Du letzte Woche mit dem Trecker in den Graben gefahren bist?

 

Daniel:        Ach, Du meine Güte. Und ist was passiert?

 

Luise:         Ist ja nochmal gut gegangen. Der schöne neue Trecker hat nur ´ne Beule - na ja - und an Karl-Otto kann man eh nicht mehr viel kaputt machen.

 

Daniel:        Mama!

 

 

Luise:         Auf jeden Fall fahre ich nur noch mit ihm, solange es draußen hell ist. Zu meiner eigenen Sicherheit.

 

Tobias:        Ich äh... will dann auch gar nicht länger stören. Und würde nur noch gerne schnell... (deutet nach rechts, wartet aber noch, hört zu)

 

Daniel:        Mutter, es ist noch März. Wenn Du nur im Hellen mit Vater fährst, dann müsst ihr ja spätestens in... (schaut auf die Uhr) 2 Stunden wieder zurückfahren.

 

Luise:         Ach, red´ doch keinen Unsinn. Wir haben Dich Weihnachten das letzte Mal gesehen. Und HIER in Deiner neuen Wohnung waren wir noch gar nicht.

 

Daniel:        Ja aber...

 

Karl-Otto:  Deine Mutter meinte, dass wir hier vielleicht eine Nacht schlafen können - und dann morgen nach dem Frühstück wieder zurückfahren.

 

Luise:         Nach dem Mittagessen, hab´ ich gesagt. Nach dem Mittagessen!

 

Daniel:        (ganz erschrocken) Ihr wollt hier pennen?

 

Luise:         Kind - wir haben Dir 25 Jahre lang einen Schlafplatz in unserem Haus angeboten. Da wird es doch wohl nicht zu viel verlangt sein, wenn Deine Eltern das EINMAL von Dir fordern, oder?

 

Daniel:        Nein nein. Natürlich nicht. Es ist nur... ich weiß jetzt gar nicht...

 

Tobias:        (muss lachen) Ich muss noch mal eben schnell nach rechts, möchte mich aber schon verabschieden. (geht zu Luise und Karl-Otto, gibt beiden die Hand) Frau Evers - Herr Evers. Mein Name ist Tobias. Tobias Prack. Ich bin ein Kommilitone von Daniel. Es war mir eine Freude, Sie kennen zu lernen.

 

Karl-Otto:  Ja, das geht uns ebenso.

 

Luise:         DIR vielleicht, Karl-Otto. Du sollst nicht immer von einem WIR sprechen. Ich bin ich - das war ich immer und das bleib ich immer. Das hat sich auch nach unserem Ja-Wort vor 32 Jahren nicht geändert. Und was für perverse Worte dieser Mann von sich gegeben hat, als wir hier hereinkamen, hast Du ja wohl gehört, Karl-Otto. Worte, die ich NICHT wiedergeben möchte.

 

Karl-Otto:  Poppen und pimpern und so.

 

Luise:         (schnappt nach Luft) Also... ich fass´ es ja wohl nicht.

 

Tobias:        Worte, Frau Evers, die vielleicht nicht die schönsten im Duden sind - aber die ihr Sohn wohl auch noch gar nicht kannte. Und mit 28 sollte er die langsam mal lernen, hab´ ich mir gedacht. Ich wünsche Ihnen noch einen schönen Tag. (kopf-schüttelnd und schelmisch lachend ab nach rechts)

 

Daniel:        (ahnt Böses) Tobias, was willst Du denn...?

 

Tobias:        (schon ab)

 

6. Szene

Luise:         Unglaublich. Sowas hat es in unserer Jugend nicht gegeben. Unsere Eltern hätten uns links und rechts welche an die Ohren geklebt. Und wo geht der denn jetzt hin?

 

Daniel:        (seufzt) Jetzt setzt Euch doch erst mal.

 

Luise:         (und Karl-Otto tun dies dann während des nächsten Dialogs) Tsss... schweinische Worte. Wenn es DAS ist, was Du in Deinem Studium beigebracht bekommst...

 

Karl-Otto:  Luise, nun hör´ doch auf. Das sind junge Leute - die Generationen verändern sich. Was vor 50 Jahren noch undenkbar war, ist heutzutage ganz normal.

 

Luise:         Natürlich! Wenn es um unanständige Ausdrücke geht, konnte es Dir ja noch nie vulgär genug sein.

 

Daniel:        Jetzt hört auf zu streiten. Tobias ist ein Kumpel und der ist ganz okay. Und ER hat diese Worte gesagt - nicht ich.

 

Karl-Otto:  Richtig so. Und ich sag´ es nochmal: Da ist nichts mehr dabei in dieser Zeit. (deutlich und bestimmend) Poppen und Pimpern! - So!

 

Luise:         (fasst sich an den Kopf, weil sie es nicht glauben kann)

 

Daniel:        Genau - denn GEMACHT habt ihr es ja auch - sonst gäbe es ja mich ja wohl nicht, hab´ ich recht?

 

Luise:         Wovon reden wir hier eigentlich? Schämen solltet ihr euch - alle beide. (zu Daniel) Ich hab´ Dich sowieso nie verstanden, Junge. Mich hat damals schon der Schlag getroffen, dass Du - als unser einziges Kind - unseren Hof nicht übernehmen wolltest - machst stattdessen lieber diese unsinnige Ausbildung als Erzieher. In diesem Kindergarten wollten sie Dich nach Deiner Lehre dann sogar übernehmen - da versetzt Du allen den nächsten Schlag und kriegst plötzlich diesen dummen Einfall, dass Du nochmal was anderes machen willst und fängst an Psychologie zu studieren.

 

Daniel:        Oh Mutter, darüber haben wir doch nun schon Stunden diskutiert. Die kleinen Kids haben mich genervt - und melken und den Hof bewirtschaften ist auch nicht mein Weg. Ich wäre nicht glücklich. Es ist eben nicht das, was ich mein ganzes Leben lang machen möchte.

 

Luise:         Glücklich - tsss... als wenn uns früher jemand danach gefragt hätte. Bin ICH denn glücklich? Schau Dir Deinen Vater doch mal an. Kann man mit SOWAS glücklich sein? - Hast Du Dir eigentlich jemals Gedanken darüber gemacht, was aus dem Bauernhof Deiner Eltern wird? Lange können Dein Vater und ich das auch nicht mehr machen. Dein Vater ist ja jetzt schon ein einziges Klappergerüst. Und dann? Aber Du musst ja studieren und es dazu kommen lassen, dass das ganze Dorf über uns spricht.

 

Karl-Otto:  Ach, jetzt hör aber auf, Luise. Das tun sie doch schon lange nicht mehr.

 

Luise:         Haben sie aber - haben sie aber. Vor 2 Jahren zumindest - und das mehr als ´ne ganze Woche. Ich erinnere mich genau.

 

Daniel:        Können wir bitte das Thema wechseln?! (deutet auf das Geschenk, dass Luise immer noch in der Hand hält) Ist das für mich?

 

Luise:         Achso - ja. (überreicht dann das Geschenk) Verdient hast Du es ja eigentlich nicht. Aber - natürlich ist das für Dich. Es wird ja von Jahr zu Jahr schwieriger, etwas zu finden, nicht?! Aber ich hoffe, es gefällt Dir. (knufft ihren Mann)

 

Karl-Otto:  (hat verstanden, gibt ihm dann auch sein Geschenk) Oh ja. Und das hier! Das ist von mir. Ist nur ´ne Kleinigkeit. Luise meinte, das wäre genau das richtige.

 

Daniel:        Danke. Das ist toll. Ich find´ Geschenke prima. (beginnt damit, das erste von Luise auszupacken)

 

Luise:         (schaut mit dem Kopf herum, seufzt) Tja, ein Student ist er nun - unser Daniel. Und hier wohnst Du nun also. Mitten in einer großen Stadt. Dabei ist es bei uns auf dem Land doch so wunderbar. Na ja...

 

Daniel:        Ich zeig´ Euch gerne gleich die ganze Wohnung. Jeder hat sein eigenes Zimmer. Diesen Raum teilen wir uns allerdings. Friederike und ich.

 

Karl-Otto:  (neugierig) Friederike?

 

Luise:         Ja - auch eine Studentin. Das hatte Daniel mir schon am Telefon erzählt. Das weißt Du doch, das hab´ ich Dir doch gesagt - leidest Du jetzt auch schon an Demenz? Großer Gott. Und diese Friederike ist viiiiel zu jung, als dass DU Dir um die noch Gedanken machen solltest. Du kennst Dein schwaches Herz.

 

Karl-Otto:  Ja ja. Ich mein ja bloß.

 

Luise:         Ja ja. Und ich mein auch bloß.

 

Daniel:        (hat sein 1. Geschenk ausgepackt, es ist ein Oberhemd in einer Verpackung. Das Hemd ist einfarbig und sehr schrill. Entweder rosa oder gras-grün oder türkis. Daniel ist recht enttäuscht, lässt sich aber nichts anmerken) Ein neues Hemd - ach, wie nett.

 

Luise:         Genau das habe ich auch gedacht. Hemden kannst Du nie genug haben.

 

Daniel:        Stimmt. Und die Farbe... so...

 

Luise:         Ja?

 

Daniel:        So - frisch irgendwie.

 

Luise:         Nicht wahr?!

 

Karl-Otto:  Jetzt musst Du aber noch das von mir auspacken.

 

Luise:         Ja ja. Er ist ja nicht doof, Karl-Otto.

 

Daniel:        (beginnt dann, das 2. Geschenk auszupacken, das macht er schneller, reißt das Papier herunter, zum Vorschein kommt ein Schlafanzug und ein paar Socken)

 

Karl-Otto:  Deine Mutter meinte, dass Du schon damals zuhause zu wenige Schlafanzüge hattest. Und Socken sowieso.

 

Daniel:        (gespielt) Stimmt, Vater. Jetzt, wo Du es sagst...

 

Luise:         Die Größe wird ja wohl noch stimmen, oder? Obwohl - wenn ich Dich so anschaue, Du hast doch abgenommen, nicht wahr?! Ich sag´ ja immer: Wenn Mütter sich nicht mehr um ihre Kinder kümmern können, dann...

 

Daniel:        (unterbricht sie) Dann sind sie so alt, dass sie alleine leben können; wohnen dann in eigenen Wohnungen und nehmen die Nahrung zu sich, die sie für die Beste halten.

 

Luise:         Mach Dich nur lustig - ich hab´ es immer nur gut mit Dir gemeint. Wenn Du auf unserem Hof geblieben wärst, müsstest Du jetzt nicht von Mikrowellen-Pampe leben. Du weißt, wie gut ich kochen kann. Und Milch gibt es bei uns jeden Tag frisch aus dem Euter auf den Tisch - und nicht aus Packungen vom Supermarkt.

 

Daniel:        (ist äußerst genervt, bleibt aber ruhig, dann ironisch) Weiß ich doch, Mama. Bei Euch wäre das Leben einfach nur wunderbar. Und ich hab´ NEIN dazu gesagt - und lass mir den elterlichen Bauernhof mit 80 Milchkühen entgehen. Ich versteh mich manchmal selber nicht. - (dann ehrlich) Vielen Dank für die schönen Geschenke. Doch jetzt mach ich Euch erstmal ´ne Tasse Kaffee.

 

Luise:         Kaffee? Ach Kind, Du weißt doch, dass Dein Vater das nicht verträgt. Sein Herz.

 

Daniel:        Mit dem Herzen hast Du auch Probleme, Vater? Ich dachte, es sind nur die Augen.

 

Luise:         Achwas. Bei Deinem Vater ist alles verrostet und abgenutzt. Außerdem hast Du bei uns zuhause doch auch nie Kaffee getrunken. Hast Du denn keinen Tee da? (zu Karl-Otto) Jetzt trinkt unser Junge nur noch Kaffee. Hörst Du das, Karl-Otto? Was ist nur aus ihm geworden?

 

Karl-Otto:  Hhmm...

 

Daniel:        Tee? Ja - ich glaub´... also, da muss ich dann erstmal... (deutet nach rechts, will dahin schon ab, als...)

 

7. Szene

Friederike:  (...gefolgt von Tobias von rechts herein kommt. Sie trägt ein Tablett in der Hand, dieses ist gefüllt mit 3 Teetassen, Löffel, Kuchenteller und Gabeln. Kandisdose, Milchkännchen) Guten Tag.

 

Tobias:        (hat einen selbstgebackenen Kuchen auf einem Kuchenteller in der Hand und ein Messer)

 

Karl-Otto:  (steht sofort erfreut auf) Oh, guten Tag. Sie sind bestimmt Friederike - hab´ ich recht?

 

 

 

 

Friederike:  (stellt das Tablett auf den Tisch ab, Tobias tut gleiches mit dem Kuchen, während Daniel verblüfft und überrascht dreinschaut) Genau. Friederike Sonnenberg. (reicht ihm die Hand) Freut mich, Sie endlich kennen zu lernen.

 

Karl-Otto:  Oh... das geht uns aber ebenso. Ist es nicht so, Luise? (schnell) Das heißt: MIR geht es ebenso - meine Frau spricht lieber für sich alleine. Sie ist sie, wissen Sie?!

 

Luise:         (streng) Karl-Otto! Setz Dich!

 

Karl-Otto:  Ja Luise. (tut dies)

 

Luise:         (steht dann auf, reicht Friederike auch freundlich die Hand) Luise Evers. Ach, Sie sind mir ja ein Herzchen. Da haben Sie für uns jetzt schon den Tee vorbereitet?! Das ist aber freundlich.

 

Daniel:        Ja genau. Friederike, wir haben Tee im Haus? Und woher wusstest Du denn...

 

Friederike:  Ich weiß, dass Deine Eltern Bauern sind und vom flachen Land kommen. Und da wird ja nun mal lieber Tee getrunken. Und wenn ich eh zuhause bin, kann ich doch auch ein bisschen für Euch vorbereiten.

 

Tobias:        Und den Geburtstagskuchen hat sie auch gebacken - extra für Daniel.

 

Karl-Otto:  Das ist sowas von freundlich, Friederike. Das hätte nicht jede getan. Auf so eine wunderbare Tat dürfen Sie wirklich stolz sein. Stolz sein dürfen Sie.

 

Luise:         (genervt) Ist ja gut, Karl-Otto. Überschlag Dich mal nicht.

 

Daniel:        Friederike, das finde ich wirklich klasse. Danke.

 

Friederike:  (schon wieder abgehend zur Tür nach rechts) Bitte bitte. Gern geschehen.

 

Karl-Otto:  Äh... wollen Sie uns denn nicht ein wenig Gesellschaft leisten, wenn Sie sich schon so viel Mühe mit uns hier machen? (schaut dann seine Frau an, wartet kurz, dann "hart" und recht laut zu Luise) Das durfte ich doch jetzt wohl fragen, oder?

 

Luise:         Ja doch.

 

Friederike:  (an der Tür) Sehr freundlich. Ich warte aber auf meine Mutter - die kann jeden Augenblick hier sein.

 

Karl-Otto:  Ja, dann kann die sich doch auch zu uns gesellen. Ist doch viel schöner in einer netten Runde - immerhin ist es Daniels Geburtstag.

 

Daniel:        (seufzt) Ja, das ist es wohl.

 

Friederike:  Mal sehen. Vielleicht. (ab nach rechts)

 

Tobias:        (an der Tür nach hinten) Ich muss jetzt aber wirklich los. Bis dann. Und - allen noch einen schönen Nachmittag und Abend.

 

 

Daniel:        (Luise und Karl-Otto verabschieden ihn) Ja ja. Danke. Dir bzw. Ihnen auch o.a.

 

Tobias:        (zu Daniel) Wir sehen uns morgen in der Uni, Du Jungfrau. (lachend ab nach hinten)

 

8. Szene

Luise:         (schüttelt den Kopf) Diese jungen Leute heutzutage. Was sollte das denn nun wieder? - Na ja, dann wollen wir mal. (steht auf, verteilt Tassen und Teller, schenkt dann auch den Tee ein)

 

Karl-Otto:  (und Daniel helfen ihr) Was für ein Service. Da hast Du aber eine ganz besonders liebenswürdige Mitbewohnerin, Daniel.

 

Luise:         Ja, da muss ich Dir ausnahmsweise recht geben, Karl-Otto. Obwohl - ist gar keine Sahne da? So ´n Stück Kuchen schmeckt mit ´nem Klacks Sahne doch gleich viel besser, nicht?!

 

Daniel:        Unverschämt bist Du gar nicht, Mutter.

 

Karl-Otto:  Sahne ist für nix gut. Das ist nur Hüft-Gold, Luise.

 

Luise:         (empört) Hüft-Gold - ich helf Dir gleich. Als wenn ICH es mir nicht erlauben könnte, ein paar Kalorien mehr zu essen.

 

Karl-Otto:  Ich sag´ dazu mal lieber nichts. 

 

Luise:         Nee, das ist auch besser.

 

Daniel:        Wer kümmert sich denn um den Hof, solange ihr hier seid?

 

Karl-Otto:  Wir haben ja seit dem 1. Februar einen Auszubildenden. Und ich hab´ Wilhelm Bunger gebeten, ab und zu nach dem Rechten zu schauen. Das macht mich alles ein bisschen unruhig; aber wird schon klappen. Ich ruf aber am besten später nochmal an, ob alles in Ordnung ist. Letztenendes geht es ja nur ums Melken und Füttern.

 

Luise:         Tja, wenn unser Sohn uns nicht so enttäuscht und den Hof übernommen hätte, wäre das alles nicht nötig.

 

Daniel:        MUTTER, es reicht jetzt.

 

Karl-Otto:  (zu Luise) Ich hab´ Dir damals vor 20 Jahren schon gesagt, dass es besser ist, wenn wir beide NOCH ein Kind kriegen. Hätte Daniel einen Bruder, hätten wir heute sicher weniger Sorgen mit dem Hof. Aber Du wolltest ja kein zweites Kind, Luise.

 

Luise:         (empört) Das ist ja überhaupt nicht wahr! Ich wollte immer zwei oder drei. Das ist ja wohl nicht meine Schuld, wenn Du zu dämlich bist, ein weiteres zu zeugen.

 

                   (kurze Verlegenheitspause)

 

Luise:         (isst dann Kuchen) Hhhm... der Kuchen ist wirklich wunderbar.

 

Karl-Otto:  (isst auch) Ja wirklich. Perfekt. Ganz frisch und nicht so trocken, wie Dein staubiger Sonntagsnachmittags-Kuchen, Luise.

 

Luise:         (empört) Du fängst Dir gleich eine.

 

Karl-Otto:  Daniel, diese Friederike solltest Du Dir gerne mal etwas näher anschauen. Sie sieht gut aus, ist nett und backen kann sie auch. Zu so einer Schwiegertochter sage ich nicht NEIN.

 

Luise:         Interessant. Werde ich auch gefragt?

 

Karl-Otto:  Nee! Diesmal NICHT, Luise! (ironisch) Ich bin ja zu blöd gewesen, Dir ein zweites Kind zu machen. Da halt ich mich an Schwiegertöchter - die sind ja schon fertig.

 

Luise:         Du bist genau wie Dein Vater - der hatte auch so ´ne flappsig, dumme Art an sich.

                   - Aber Daniel - diese Friederike ist wirklich wohl eine nette Person.

 

Daniel:        Schön, dass ihr meine Zukunft schon geplant habt. Ich schick Euch ´ne Karte, wenn der Hochzeitstermin fest steht.

 

                   (es klingelt an der Tür)

 

Luise:         Es klingelt - macht denn hier keiner die Tür auf? - Zustände sind das hier.

 

9. Szene

Friederike:  (kommt sodann von rechts, abgehend nach hinten) Das wird meine Mutter sein. (ab)

 

Luise:         (zu Daniel) Kennst Du die? Diese Mutter? (trinkt Tee)

 

Daniel:        Ja. Sie ist schon öfter hier gewesen.

 

Luise:         Und?

 

Daniel:        Friederikes Mutter ist... nun... recht anders als Du, Mutter.

 

Karl-Otto:  Das kann ja nur Positives bedeuten.

 

Luise:         (gibt ihrem Mann eine Ohrfeige)

 

Karl-Otto:  (reibt sich die Wange) Aua!

 

Luise:         Schalt Dein Gehirn ein, bevor Du etwas sagst - dann schlag ich Dich auch nicht.

 

Karl-Otto:  Wie beruhigend.

 

10. Szene

Hanna:        (kommt gefolgt von Friederike herein. Sie ist eine recht "aufgedrehte" Frau. Ihre Kleidung ist schrill bunt und außergewöhnlich. Ebenso ihre Frisur, die Schuhe und ihre Handtasche) Ja Hallöööchen zusammen. Wir haben schon ein volles Haus, sagte meine liebe Friederike soeben?! Das ist ja wunderbar. (reicht Karl

 

                   -Otto die Hand) Hanna Sonnenberg. Ich bin die Mutter von dieser entzückenden, jungen Frau.

 

Friederike:  Mama, das ist peinlich. Lass das.

 

Karl-Otto:  (wie Luise recht "platt" über Hannas Auftritt) Evers. Karl-Otto Evers. Vater dieses entzückenden jungen Mannes.

 

Hanna:        Ja, das dachte ich mir schon. Endlich lerne ich Sie mal kennen. (reicht dann auch Luise die Hand)

 

Luise:         Luise Evers. Guten Tag.

 

Hanna:        Hallo. Sie waren bisher noch gar nicht hier, hab´ ich recht?

 

Luise:         Einmal ist immer das erste Mal, nicht?!

 

Hanna:        Hach, und Sie sitzen hier schon alle so herrlich am Kaffeetisch. Das ist ja großartig.

 

Luise:         Es ist eher ein Tee-Tisch, wenn man genau hinschaut.

 

Friederike:  Herr und Frau Evers trinken lieber Tee, Mama. Soll ich DIR dann lieber Kaffee kochen?

 

Hanna:        Nein nein. Tee ist auch mal ganz gut für mich.

 

Friederike:  Möchtest Du in meinem Zimmer mit mir alleine Tee trinken, oder... ?

 

Hanna:        Kind, schau Dir doch nur mal diese nette Runde an. Da werde ich mich doch sofort einbringen, wenn alle damit einverstanden sind. Das ist doch in Ordnung oder?

 

Daniel:        Natürlich.

 

Friederike:  Dann setz ich mich auch dazu. Ich hole noch zwei Gedecke. (ab nach rechts)

 

11. Szene

Hanna:        (geht dann zu Daniel, der aufgestanden ist, geht ihm mit ihrer Handfläche über den Kopf, umarmt ihn dann sehr liebenswürdig) Alles alles Gute, Frieden im Herzen, Gesundheit, 100.000 Glückssterne und vor allem viel viel Liebe zu Deinem Geburtstag, mein lieber lieber Daniel. (Küsschen auf beide Wangen) Bussi Bussi.

 

Daniel:        Danke Hanna.

 

Hanna:        (holt aus ihrer Tasche ein kleines Geschenk; einen Umschlag) Bitte, mein Liebchen - für Dich.

 

Luise:         Ach, sie nennen meinen Sohn Liebchen und knutschen ihn ab?! Und Du nennst die Mutter Deiner Mitbewohnerin Hanna?

 

 

Karl-Otto:  Unser Sohn Luise. Unser!

 

Luise:         Ja doch.

 

Daniel:        Äh...

 

Hanna:        Ja, darauf habe ich bestanden, beste Frau Evers. Stellen Sie sich mal vor, er hat zuerst immer Frau Sonnenberg zu mir gesagt. Wie sich das anhört - als wäre ich schon eine ältere Frau. Nein nein - zu mir sagt jeder bitte Hanna - alle, die es nicht tun, sind nicht meine Freunde.

 

Karl-Otto:  (gefällt das) Hört sich ja auch viel persönlicher an, nicht wahr?! Ich bin Karl-Otto.

 

Luise:         (schweigt zunächst)

 

Hanna:        Na, und was ist mit Ihnen, Mutter Evers?

 

Luise:         Ich überlege gerade, ob ich überhaupt neue Freunde möchte.

 

Daniel:        MUTTER! Du bist unmöglich!

 

Luise:         Na gut, nennen Sie mich Luise. Das ist auf jeden Fall besser als "Mutter Evers".

 

Daniel:        (nachdem er auf die Karte im Umschlag geschaut hat) Oh, danke Hanna. Ganz besonders lieb von Dir. (umarmt sie)

 

Luise:         Was haben wir denn bekommen?

 

Karl-Otto:  Wieso denn wir?

 

Daniel:        (freut sich wirklich darüber) Es ist ein Gutschein für eine CD im Wert von 20 Euro.

 

Hanna:        Man weiß ja nicht, was die jungen Leute so hören heutzutage, ist es nicht so?! Da dachte ich, ich komme mit einem Gutschein besser an. (zu Daniel) Hört ihr überhaupt noch CDs? (zu Luise und Karl-Otto) Die laden sich doch alles runter aus dem Internet in dieser modernen Welt, nicht wahr? Ich setz´ mich dann mal zu Ihnen an den Tisch, ja?!

 

Karl-Otto:  Tun Sie das - tun Sie das. (trinkt Tee)

 

Luise:         (räuspert sich)

 

Daniel:        Der Gutschein ist großartig. Und natürlich höre ich noch CDs.

 

Luise:         Wir haben bei Daniels Geburtstagsgeschenken eher praktisch gedacht.

 

Hanna:        (interessiert das weniger) Achwas?! Wie schön. - Ich höre ja für mein Leben gerne diese Kuschel-Lala.

 

Luise:         Kuschel-Lala? - Ahja.

 

 

12. Szene

Friederike:  (ist zurückgekommen mit zwei weiteren Gedecken, verteilt diese auf dem Tisch, schenkt ein, verteilt Kuchen während der nächsten Dialoge)

 

Hanna:        Aber ja. Friederike wollte als kleines Baby immer gerne Musik hören. Tja, wen wundert´s, dass sie heute auch Musik studiert? Und als sie noch nicht richtig

                   sprechen konnte, hat sie immer nur gesagt, sie möchte Lala hören. Ist das nicht putzig?!

 

Luise:         (findet das weniger lustig) Hhhmm... (zu Friederike) Und was fängt man damit an, junge Frau? Also - ich meine, wenn man Musik studiert?

 

Friederike:  Nun, die Möglichkeiten sind da recht breit gefächert. Ich könnte unterrichten - das ist auch eigentlich der sicherste Bereich. Aber auch Rundfunk und Fernsehen, oder die Gema wären ein Thema. Ich könnte als Eventmanagerin oder als Künstleragentin arbeiten, oder bei Musikverlagen, oder...

 

Luise:         Ja ja, das reicht mir dann auch schon. So genau wollte ich das auch wieder nicht wissen. - Das heißt, in der Landwirtschaft könnten Sie das so gut wie GAR nicht gebrauchen?

 

Friederike:  In der Landwirtschaft?

 

Daniel:        Mutter!

 

Friederike:  Ich könnte ja Kühen und Schweinen etwas vorsingen.

 

Luise:         (pikiert) Auf den Arm nehmen kann ich mich selbst.

 

Friederike:  Doch doch. Es gibt mittlerweile sogar Studien, die belegen, dass Kühe durch klassische Musik mehr Milch geben; aber mit Kühen hab´ ich´s nicht so.

 

Luise:         Zu schade.

 

Hanna:        Meine Tochter könnte auch ein Star werden. Ja ja... sie hat eine goldene Stimme. Soll sie IHNEN mal ein bisschen was vorsingen?

 

Karl-Otto:  Oh ja, das wäre wirklich...

 

Luise:         (räuspert sich wieder)

 

Friederike:  (empört) Mama - BITTE! Das ist voll peinlich.

 

Hanna:        Aber warum denn? Das darf doch jeder hören, was Du für ein Talent bist. - Was sagst Du denn dazu, Daniel? Ist sie nicht ein Goldkehlchen? Hat sie nicht wirklich das Potential einer großen Gesangs-Künstlerin? DU musst es doch wissen.

 

Daniel:        Na ja - wenn ich ganz ehrlich bin... Ich habe Friederike noch nicht singen hören; tut mir leid.

 

Hanna:        (völlig überrascht) Ihr zwei wohnt seit Monaten in einer Wohnung, und Du (zu Friederike) hast ihm noch nie etwas vorgesungen?

 

Friederike:  Nun ja, es hat sich wohl bisher nicht ergeben.

 

Hanna:        Nicht ergeben?

 

Friederike:  Mama, nun lass doch.

 

Daniel:        Das macht sie sicher irgendwann noch.

 

Karl-Otto:  Also, ICH würde jetzt gerne eine kleine Kostprobe hören.

 

Luise:         DU hältst Dich erstmal zurück, Karl-Otto! Wenn hier gesungen wird, entscheidet das erstmal Friederike selbst.

 

Karl-Otto:  Ja, Luise.

 

Friederike:  Und Friederike möchte jetzt wirklich nicht singen.

 

Hanna:        Moment mal. Du, Daniel hast Friederike wirklich noch nie singen hören?

 

Daniel:        Äh nein.

 

Hanna:        Jetzt mal Tacheles: (zu Friederike) Du und Daniel - ihr zwei seid blutjunge, frische, knackige Äpfel und beide im besten Saft und Kraft eures Lebens. Ihr wohnt und schlaft unter einem Dach - seit Monaten. Da wollt ihr der guten Hanna Sonnenberg auf die Nase binden, dass ihr zwei noch nie...

 

Friederike:  (und Daniel spontan gemeinsam) Noch nie was?

 

Hanna:        Ihr verarscht mich doch, oder? - Denn nach so einem kleinen gemeinschaftlichen Adrenalin-Schub in der Horizontalen zusammen, da wird man doch...

 

Friederike:  Mama, wovon sprichst Du überhaupt?

 

Hanna:        Na, der eine raucht danach eine - die andere singt ein Liedchen.

 

Karl-Otto:  Und manche Frauen schlafen währenddessen sogar ein. Nicht wahr, Luise?!

 

Luise:         (knufft ihn grob) Und WENN, dann ist das 15 Jahre her.

 

Daniel:        Äähh... Mutter - Vater - habt ihr den Tee ausgetrunken? Ihr wollt doch sicher gerne jetzt die ganze Wohnung sehen, nicht wahr?!

 

Luise:         (zaghaft) Joah...

 

Hanna:        Was soll DAS denn nun? Wir sitzen doch gerade so gemütlich beisammen.

 

Karl-Otto:  Ja, ich weiß auch nicht... - Jetzt?

 

Daniel:        (bestimmend) Ja JETZT! - Hier nebenan fangen wir an. (geht zur rechten Tür)

 

Karl-Otto:  Ja, wenn Du meinst. (steht auf, geht zu ihm)

 

 

Luise:         Na gut. (hat Schwierigkeiten mit dem Aufstehen)

 

Hanna:        Darf ich Ihnen helfen?

 

Luise:         Vielen Dank - das schaff ich schon! (kommt dann mit Mühe doch hoch)

 

Karl-Otto:  Das ist die Sahne, Luise. Die wirkt wie ein Magnet durch Deinen Hintern am Stuhl.

 

Luise:         Pass Du mal lieber auf Deinen Hintern auf und halt Deinen Rand - sonst gibt´s gleich was. Außerdem gibt es hier ja gar keine Sahne.

 

Karl-Otto:  Hier nicht - ich rede ja auch von den Portionen, die sich in all den Jahren festgesetzt haben bei Dir.

 

Luise:         Und ich setz bei Dir jetzt was fest. (haut ihm eine, dann alle drei abgehend nach rechts, Tür zu)

 

Karl-Otto:  Aua. (reibt sich betrübt die Wange)

 

13. Szene

Hanna:        (schaut kopfschüttelnd hinterher) Was soll das? Wieso muss Daniel denen denn ausgerechnet jetzt die Wohnung zeigen?

 

Friederike:  Bei unangenehmen Gesprächsthemen gibt es bei manchen Menschen nur eine Möglichkeit: Die Flucht.

 

Hanna:        Die Flucht? Wir haben hier gerade über Sex gesprochen. Ich kenne kein angenehmeres Thema.

 

Friederike:  (muss schmunzeln) Vergessen wir es einfach. - Wie läuft es mit Roland, Mutter? Immer noch so schön wie am ersten Tag?

 

Hanna:        Roland? Wann war ich zuletzt hier?

 

Friderike:    Vor 3 Wochen etwa.

 

Hanna:        Ach Schätzchen. Dann bist Du ja gar nicht auf dem Laufenden in Mutter Sonnenbergs Liebesleben. Roland hab´ ich längst abgeschossen. Der wurde mir zu anhänglich. Ich geb´s ja zu - im Bett war er wirklich eine Granate - aber plötzlich hatte er solche merkwürdigen Ideen.

 

Friederike:  Was meinst Du?

 

Hanna:        Na, er sprach von gemeinsamen Abenden vor dem Kamin, und mehr reden miteinander - und viel besser kennenlernen. Nein, das wurde mir zu intim. Da hab´ ich die Reißleine gezogen.

 

Friederike:  Ach, das tut mir leid. Dann bist Du jetzt wieder alleine?

 

Hanna:        Aber nein. Seit ein paar Tagen spielt nur ein Mann eine Rolle in meinen Leben. Antonio.

 

Friederike:  Antonio? Hört sich eher...

 

Hanna:        ...italienisch an. Richtig. Oh Mann - was für ein Mann. Wenn Du erst einmal in diesen schwarzen, dichtgewachsenen Brusthaaren gewühlt hast, dann weißt Du - das Paradies kann nicht schöner sein.

 

Friederike:  Brusthaare sind total out, Mama.

 

Hanna:        Ansichtssache. Wichtig ist für Antonio nur eins: amore - und sesso.

 

Friederike:  Dann passt er ja gut zu Dir. Vor allem wegen sesso.

 

Hanna:        Ja, wir denken derzeit sogar über einen gemeinsamen Urlaub nach. Nun ja, wenn er nicht zu sehr klammert, kann das doch sehr schön werden in Neapel oder Rom oder was weiß ich.

 

Friederike:  (muss lachen) Sicher.

 

Hanna:        Aber Kind, wir weichen hier völlig vom Thema ab. Daniel - das ist ein süßer Kerl. Das hab´ ich Dir schon vor Monaten gesagt, als ich ihn das erste Mal sah.

 

Friederike:  (seufzt) Ja, das ist er.

 

Hanna:        Die Eltern sind völlig schräg drauf und leider 50 Jahre zu spät geboren auf dieser Erde. Aber was soll´s?! Und wenn ich mit Daniels Vater dieses Gespräch geführt hätte über diese WG und Euch... da würde sogar ICH eine Prise Verständnis zeigen. Aber Du und Daniel... Hallo? Wir leben im Jahr 2013*. (bitte aktualisieren)

 

Friederike:  Ich weiß.

 

Hanna:        Es ist heutzutage doch absolut nicht mehr dabei wenn man zusammen ein wenig Spaß hat. Was ist das denn nur mit Euch? Magst Du ihn denn nicht?

 

Friederike:  (schon leicht verzweifelt) Oh doch - und wie!

 

Hanna:        Ja aber, wo ist denn das Problem? - Er hat eine Freundin, ja?! Sowas richtig Ernstes, nicht wahr? - Aber warum hast Du nie etwas davon erzählt?

 

Friderike:    Nein Mutter - er ist Single.

 

Hanna:        Und dann verschmäht er DICH? Was hat denn der für einen Geschmack?

 

Friederike:  Vielleicht sollten wir das Thema wechseln.

 

Hanna:        Nein - ich will aber das Thema nicht wechseln. Mit dem stimmt doch was nicht. Und dafür kann es nur wenige Gründe geben.

 

Friederike:  Und was kombiniert meine Mutter so?

 

Hanna:        Er könnte schwul sein.

 

 

Friederike:  Ist er nicht.

 

Hanna:        Dann hat er als kleiner Junge auf dem elterlichen Bauernhof einen Unfall gehabt. Vielleicht mit ´ner Kuh oder ´nem Bullen.

 

Friederike:  Hä?

 

Hanna:        Genau. Und dieses Tier hat ihn getreten und so schwer verletzt, dass etwas mit seinem Piephahn nicht mehr stimmt seitdem. (kurze Pause) Genau. Sein Piephahn ist kaputt und deshalb gab es bisher auch keine gemeinsame Nacht mit Dir. Weil er nicht kann. Och Gott, der Arme.

 

Friederike:  Mutter, hör´ jetzt auf - das sind doch eigentlich Schauermärchen.

 

Hanna:        Ja dann... was kann es denn sonst sein? Lass mich nochmal überlegen.

 

Friederike:  (lauter) Mutter, jetzt hör´ auf - (platzt es heraus) Er hat eben noch nie!

 

Hanna:        Was sagst Du da?

 

Friederike:  (schämt sich ein bisschen dafür) Tut mir leid. Das ist etwas, das geht uns doch gar nichts an. Daniel war in all den Wochen immer nur zurückhaltend - und auch ich hab´ mir schon Gedanken gemacht, was bei ihm nicht stimmen könnte. Und vorhin hat sein bester Freund Tobias mir dann erzählt, dass...

 

Hanna:        ...dass er noch Jungfrau ist? Ich lach mich tot.

 

Friederike:  Jaaaaaaaa...

 

Hanna:        Mit 28 Jahren?

 

Friederike:  Jaaaaaaaa... Wahrscheinlich gibt es dafür einen guten Grund. Jetzt, da ich es weiß, scheint dieses Schauermärchen von dem Bullen, der ihn als Kind verletzt haben könnte, doch gar nicht so abwegig.

 

Hanna:        Ach, so ein Quatsch. Schau Dir die Eltern an. Da ist was schiefgelaufen in seiner Erziehung. Das liegt doch auf der Hand.

 

Friederike:  Ich bin dafür, dass uns das nicht weiter kümmern sollte. Daniel wird schon den Grund wissen.

 

Hanna:        Und ich bin dafür, dass wir uns darum jetzt erst recht kümmern sollten. (denkt nach, läuft hin und her im Raum) Und das sofort auf der Stelle. Ja - ich hab´s - ich hab´s. (holt aus ihrer Handtasche ein Handy bzw. Smartphone heraus) Keine Bange, Mäuschen, Mama macht das schon. (tippt auf dem Gerät herum, hält es ans Ohr)

 

Friderike:    Mutter, was hast Du vor?

 

Hanna:        Ich plane jetzt mein zweites Geburtstagsgeschenk für unseren lieben Daniel.

 

 

 

Friderike:    (recht erbost) Aber ohne mich. Damit will ich nichts zu tun haben. (zügig ab nach rechts)

 

14. Szene

Hanna:        (allein) Hallo? Ja, ich hätte gerne die Nummer von dem Fernsehsender Kabel 3. Äh... die Produktionsfirma bitte. Ja genau. (wartet, dann) Notieren? Äh ja... ich hab´ gerade gar nichts zu schreiben dabei. Wenn Sie mich gleich verbinden könnten, wäre das wunderbar. Danke.

 

                   (von rechts hört man Daniel, Luise und Karl-Otto reden über die Wohnung)

 

Hanna:        (hört das, geht mit dem Handy ans Ohr und ihrer Handtasche ab nach hinten, Tür zu)

 

15. Szene

Luise:         (kommt gefolgt von den beiden anderen wieder von rechts herein) Tja, wenn Du meinst, dass Du Dich hier wohler fühlst als in Deinem Elternhaus...

 

Karl-Otto:  Komm schon, Luise, das ist doch nun wirklich eine schöne WG. Ein großes Bad, die Küche ist geräumig, er und Friederike haben dort (zeigt nach links) jeweils ein Zimmer mit Bett und Schrank und Schreibtisch. Das reicht doch völlig aus.

 

Daniel:        Danke Papa. Ich zeig Euch die beiden Zimmer hier links auch noch gerne.

 

Luise:         Später. Haltet ihr beide nur zusammen. Was hast Du Dir denn gedacht, wo Dein Vater und ich schlafen sollen?

 

Daniel:        Ich weiß es nicht. Ihr habt mich mit dieser Sache ja auch überfallen. Es ist hier bei uns wirklich nicht so einfach.

 

Luise:         Wir müssen doch jetzt wohl nicht noch Geld ausgeben für ein Hotel hier in der Stadt, oder? Mein Gott, wenn ich das alles gewusst hätte.

 

Daniel:        Im Keller stehen ein paar Matratzen. Die sind noch sehr gut erhalten. Wir könnten die auf den Balkon stellen zum Lüften und mit frischen Laken beziehen. Für eine Nacht wird das vielleicht gehen, oder?

 

Karl-Otto:  Und wo willst Du die dann hinlegen?

 

Daniel:        Nun ja, dieses hier ist der größte Raum im Haus. Wenn es euch nichts ausmacht, dann vielleicht hier... (deutet auf den Fussboden)

 

Karl-Otto:  Auf dem Boden. Ja, das kann man für eine Nacht wohl aushalten. Dann müssen wir uns jetzt zumindest nicht mehr auf die Suche nach einem Fremdenzimmer machen.

 

Luise:         Auf dem Fussboden - na Hallelujah. Dass ich das noch erleben muss.

 

Karl-Otto:  Du hast ja nur Angst, dass Du nicht wieder hoch kommst. Wenn DU erstmal liegst, dazu noch auf dem Boden... (duckt sich, weil er schon wieder eine Backpfeife erwartet, aber nichts passiert)

 

 

Luise:         Ist schon gut - für eine Nacht wird das schon mal gehen.

 

Daniel:        Schön.  Ich könnte euch natürlich auch MEIN Bett anbieten - aber es ist nur 1,20 Meter breit - ich bin nicht sicher, ob das breit genug ist für euch beide.

 

Karl-Otto:  Ganz sicher nicht!

 

Luise:         (gibt Karl-Otto JETZT wieder eine Backpfeife)

 

Karl-Otto:  Aua.

 

Luise:         Weil ICH breiter bin als Du - das willst Du doch damit sagen, nicht wahr?!

 

Karl-Otto:  Ja, sowas ähnliches.

 

16. Szene

Hanna:        (kommt zügig erfreut wieder von hinten herein) ÜBERRASCHUNG !!!

 

Alle:           (Anwesenden wundern sich)

 

Hanna:        Meine Lieben - ist das nicht ein wunderbarer Tag heute?

 

Luise:         Wenn man vor einer Minute erfahren hat, dass man auf dem Fussboden schlafen muss - hatte ich schon Tage, die besser waren.

 

Hanna:        Ach, das ist doch jetzt völlig unwichtig, Luise. Ihr Sohn hat heute das große Glückslos gezogen. Und wissen Sie auch, wem er das zu verdanken hat? Na? MIR - der guten Hanna Sonnenberg.

 

Karl-Otto:  (amüsiert) Das klingt sehr interessant.

 

Luise:         (zu Daniel) Hattest Du ihr was in den Tee getan?

 

Daniel:        Nein, hatte ich nicht.

 

Hanna:        Daniel, mein Süßer - dieser CD-Gutschein - seh ihn einfach als klitzekleines Nebenbei-Geschenk zu Deinem Geburtstag.

 

Daniel:        Bitte?

 

Hanna:        Ja genau. Denn mein eigentliches - wirklich unglaublich tolles und abgefahrenes Geschenk für Dich habe ich soeben erst organisiert. Und weißt Du auch, wann es geliefert wird?

 

Daniel:        (verwirrt) Äh nein.

 

Hanna:        MORGEN SCHON! Jaaaaaaaaaa... ich kann es gar nicht glauben.    

 

17. Szene

Friederike:  (öffnet die Tür von rechts, sie kommt heraus, bleibt aber in der geöffneten Tür stehen, hört zu)

 

 

Daniel:        Hanna, das ist sicher lieb von Dir, aber Du musst mir nicht noch mehr schenken.

 

Hanna:        Oh doch - das muss ich. Gerade jetzt muss ich das. Ich hätte mit allem gerechnet am Telefon, ja, sogar mit einem Casting oder einer Liste oder einer Wartezeit von bis zu einem Jahr, aber nein - es passiert sofort - gleich morgen früh schon.

 

Friederike:  Mutter, geht es Dir gut?

 

Hanna:        Es ging mir nie besser.

 

Luise:         Ja aber, was wollen Sie meinem Sohn denn noch schenken?

 

Hanna:        Morgen früh wird hier in dieser WG das komplette Fernseh-Team von Kabel 3 auftauchen. (überdreht und völlig aus dem Häuschen) Die werden hier drehen - hier bei Euch.

 

Daniel:        Wie bitte? Aber was denn? Und für welche Sendung?

 

Hanna:        Friederike - hol die Flasche! Wir müssen jetzt feiern - und zwar richtig. - DU, Daniel bist ab morgen Kandidat bei der Fernsehserie "Ich hab´ noch nie - Skandal ums erste Mal".

 

Daniel:        (Luise und Karl-Otto) W a s ???

 

Friederike:  Oh Scheiße.

 

 

 

Vorhang

 

 

Ende des ersten Akts

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Zweiter Akt

 

                   (Am nächsten Tag, ca. 9 Uhr. Wenn der Vorhang sich öffnet, ist das Teegeschirr vom Tisch entfernt worden, dafür stehen aber viele leere Bier - und Likörflaschen sowie Gläser darauf. Des weiteren leere Chipstüten und Keksschachteln. Eine Bierkiste steht auf dem Fussboden. Vor dem Tisch am Bühnenrand vorne liegen zwei* Matratzen nebeneinander - darauf liegen Luise und Karl-Otto schlafend, zunächst mit Decken verhüllt und von den Zuschauern noch nicht zu sehen. Neben den Matratzen 2 Paar Hausschuhe. Irgendwo - vom Publikum nicht zu sehen - leere Plastiktüten oder Müllsack oder Karton für das spätere Aufräumen)

                   *oder aber nur EINE breite.

 

1. Szene

                   (es klingelt an der Tür)

                  

Friederike:  (kommt von links in den Raum, sie schaut auf die Uhr, trägt eine Jacke, sowie eine Tasche für die Uni über die Schulter, sieht das Chaos im Raum, sowie die beiden Schlafenden, schüttelt lächelnd mit dem Kopf, geht dann nach hinten, um die Außentür zu öffnen)

 

Luise:         (bewegt sich jetzt, kommt dann langsam mit dem Oberkörper hoch, womit sie schon einige Schwierigkeiten hat, das Haar ist wirr, sie sieht verschlafen aus. Sie trägt ein Nachthemd) Oh neeee... von dieser Nacht erholen sich meine Knochen nie. (sieht dann ihren Mann noch schlafen, rüttelt ihn grob am Oberarm) Karl-Otto, hey Du... wach auf!

 

Karl-Otto:  Hä? (bewegt sich nur langsam unter der Decke)

 

Luise:         (genervt) Oaaooh... (sie versucht aufzustehen, aber das gelingt ihr nicht. Dreht sich dann, kommt auf allen "Vieren" hoch, hält sich an der Tischkante fest, daran hangelt sie sich mühselig hoch, sieht das Chaos im Raum) Meine Güte! Karl-Otto, waren WIR das? War denn niemand mehr in der Lage hier aufzuräumen? (sieht dann auf die Uhr an der Wand, erschrocken) NACH neun ist das schon?! Ach, Du meine Güte. (zieht schnell ihre Hausschuhe an, gibt Karl-Otto - welcher sich schon nicht mehr rührt - einen Tritt im den Hintern) Hey - nu steh endlich auf! Es ist schon fast Mittag. (fasst sich dann an den Kopf, hat offensichtlich am Abend zuvor doch wohl etwas zu viel getrunken)

 

Karl-Otto:  Hhmmm... (bewegt sich aber weiterhin nur unter der Decke)

 

2. Szene

Hanna:        (kommt von hinten hereingeplatzt, überheblich und freundlich) Jaaaaa... kommen Sie rein - kommen Sie rein. Hier ist der Ort der Enthaltsamkeit. Ich kann ja immer noch nicht glauben, dass Sie wirklich hier sind. Die Moderatorin Lisa Ratte-Winkelbusch ist höchstpersönlich meinem Anruf gefolgt. Ich bin richtig ein bisschen aufgeregt. (ihr folgt sodann Lisa. Hanna ist umgezogen, trägt ein buntes Kleid, Lisa ist Hanna in ihrer Art recht ähnlich. Sie trägt Jeans, eine auffällige bunte Bluse, eine Sonnenbrille im Haar, sowie eine große gefüllte Tasche über ihrer Schulter. Den beiden folgt dann Friederike) Oh - es ist nicht aufgeräumt.

 

Luise:         (erschrocken)

 

 

Lisa:           Ja, ich sehe es. Und ich sehe eine Frau im Nachthemd.

 

Hanna:        Frau Evers! Sie sind noch gar nicht wach?

 

Luise:         Äh... doch doch. Natürlich. Blöde Frage. Das sehen Sie ja wohl. - (genierlich, greift sich schnell einen Morgenrock, der über einem Stuhl hängt, zieht diesen blitzschnell über) Man platzt ja auch nicht einfach so ins Schlafzimmer rein, nicht wahr?!

 

Lisa:           Schlafzimmer? (schaut sich kurz um)

 

Friderike:    Nein nein. Das ist der Gemeinschaftsraum unserer kleinen WG. Dieses Zimmer wurde nur kurzfristig zweckentfremdet.

 

Lisa:           Ahja. Herrlich - zu dumm, dass jetzt keine Kamera drauf hält - DAS wäre doch mal was für die Zuschauer an den Bildschirmen.

 

Luise:         Das ist mir aber jetzt wirklich unangenehm. - Wer hier noch nicht wach ist, ist dieser (tritt Karl-Otto dann wieder mehrmals grob in den Hintern) Faulpelz hier.

 

Karl-Otto:  Auaaaa... bist Du verrückt? (kommt dann zunächst mit dem Oberkörper hoch, er trägt ein sehr enges Nachthemd - oder eine Art Baby Doll, welches Friederike ihm geliehen hat. Er steht dann langsam auf, bleibt aber noch gebückt nach unten schauend am Tisch stehen, hat Mühe mit dem Erwachen)

 

Friederike:  (und Hanna müssen lachen über Karl-Ottos Outfit)

 

Lisa:           Gütiger Gott, was ist hier los? - Frau Sonnenberg; ich hab´ das doch richtig verstanden am Telefon, oder? Ich bin hierher eingeladen, weil Sie einen perfekten Kandidaten haben für "Skandal um´s erste Mal", oder?

 

Hanna:        Richtig!

 

Lisa:           Sieht hier aber eher so aus, als soll hier eine neue Folge von "Messies ersticken im Chaos" aufgezeichnet werden."

 

Luise:         (erstaunt über Lisa) Sie... Sie sind doch... diese Moderatorin aus dem Fernsehen, nicht wahr?!

 

Lisa:           Ganz recht. (reicht ihr die Hand) Lisa Ratte-Winkelbusch. Freut mich sehr. Und Sie sind...

 

Hanna:        (schnell) Das ist die Mutter von unserer Jungfrau. Luise Evers. Und was dort gerade versucht, noch einen Tag länger zu leben auf dieser Erde, ist der Vater von Daniel. Und Daniel hatte gestern Geburtstag. Deshalb haben seine Eltern hier ein klein wenig gefeiert und dann hier übernachtet.

 

Friederike:  (belustigt) Ein klein wenig ist gut.

 

Luise:         (zu Hanna) Sie haben das wirklich wahr gemacht, Hanna? Das war kein Witz, als Sie gestern sagten, dass die hier heute vom Fernsehen auftauchen?

 

 

Hanna:        Na, da kennen Sie mich aber schlecht, Luise.

 

Karl-Otto:  (schaut dann hoch, sieht dann erst alle Anwesenden) Oh, guten Morgen.

 

Friederike:  Guten Morgen, Herr Evers. Na, haben Sie gut geschlafen in meiner Nachtwäsche?

 

Karl-Otto:  Ja also... (schaut an sich herunter)

 

Luise:         (sieht erst jetzt, was Karl-Otto trägt) Gütiger Herr im Himmel. Jetzt seh ich das ja erst. Was trägst Du denn da?

 

Hanna:        Friederike hat doch gerne ausgeholfen.

 

Luise:         Frau Latte-Rosenbusch, sowas werden Sie aber doch nicht im Fernsehen erzählen oder gar zeigen?

 

Hanna:        Ach, das wäre doch wirklich herrlich!

 

Luise:         (streng) SIE sind nicht gefragt, Hanna!

 

Lisa:           Ratte-Winkelbusch ist mein Name, Frau Evers. Ratte-Winkelbusch. Nun mal keine Panik. Ich bin ja gerade erst angekommen und habe noch so gut wie überhaupt kein Input. Außerdem bin ich heute Morgen erstmal alleine hierher gefahren. Es kommt im Laufe des Tages nur noch eine weitere Mitarbeiterin. Die Kameras und die Männer vom Team sind ja noch gar nicht da, was äußerst bedauerlich ist. Hähä... Wie könnten wir dieses wunderbare Outfit von Ihrem Mann also den Zuschauern zeigen?

 

Hanna:        Hach, zu schade aber auch.

 

Luise:         Gott sei Dank - das wäre auch mein Ende gewesen. (dann erbost) Das ist ja mal wieder typisch für meinen Mann. Dabei hab´ ich ihn zuhause sicher 10-mal gefragt, ob er auch einen Schlafanzug eingepackt hat. Aber nein... schämen

                   solltest Du Dich - in Grund und Boden. (dann überrascht zu Friederike) Und wieso trägt er denn IHR Nachthemd, Friederike? Warum hat er denn nicht einen Schlafanzug von Daniel ausgeliehen? Wir hatten ihm doch sogar einen neuen zum Geburtstag geschenkt. Und wieso weiß ich das alles nicht mehr?

 

Lisa:           (steht ungeduldig wartend und leicht genervt da, hört gelangweilt zu)

 

Hanna:        Weil Karl-Otto darauf bestanden hat, ein Nachthemd von Friederike anzuziehen!

 

Luise:         Ja, weil er mal wieder viel zu tief ins Glas geschaut hat. (zu ihm) MUSST Du Dich denn auch immer so sinnlos besaufen, dass Du gar nicht mehr weißt, was Du tust?

 

Hanna:        Nun ja, SIE, Luise, wissen es ja angeblich auch nicht mehr, oder?

 

Karl-Otto:  Genau! Du warst doch auch Hacke-voll! (fasst sich an den Kopf, hat offensichtlich einen heftigen Kater)

 

Luise:         Das ist ja gar nicht wahr. Die paar Likörchen.

 

Hanna:        Paar?

 

Friederike:  Wenn auf dem Land EIN PAAR im zweistelligen Bereich zu finden ist, hat sie doch sogar recht, Mutter.

 

Luise:         Nach dem Schock, den Sie hier allen verpasst haben, dass MEIN Daniel noch nie... also bisher angeblich noch nicht...

 

Karl-Otto:  ...gepoppt hat - jawohl! Gepoppt hat!

 

Luise:         (haut ihm eine)

 

Karl-Otto:  (reibt sich wieder die Wange) Aua!

 

Luise:         Du sollst Dich zusammen reißen mit Deinen schweinischen Ausdrücken.

 

Karl-Otto:  DU hast doch versagt als Mutter. Hast Du unseren Sohn denn aufgeklärt?

 

Luise:         Sowas lernen die in der Schule - im Heimatkunde-Unterricht.

 

Friederike:  Wenn schon, dann eher in Biologie.

 

Luise:         Ja, oder das. Und Daniel hat sich als junger Mann ab und zu die "Bravo" gekauft. Da steht doch auch alles drin. Von diesem Doktor Winter.

 

Hanna:        SOMMER, Luise - es ist Doktor Sommer.

 

Luise:         Ja, ist ja gut. Außerdem sind solche Themen in unserer Familie immer tabu gewesen. Darüber spricht man nicht. (zu Karl-Otto) DU bist sein Vater. Ihr seid Männer - und Daniel war vor seiner Ausbildung jeden Tag mit Dir im Stall. Da hättet ihr doch mal über sowas reden können. Also, halt MIR hier jetzt keine Standpauke.

 

Karl-Otto:  Ist doch jetzt egal.

 

Luise:         Nein, egal ist das nicht. Du hast unser Kind nicht richtig erzogen, und deshalb muss einen Tag nach seinem 28sten Geburtstag das Fernsehen kommen, um ihn aufzuklären. Das ist beschämend, jawohl. Beschämend ist das!

 

Lisa:           Wo wir auch endlich beim Thema sind. Nämlich Daniel. Nicht, dass ich dieses merkwürdige Treiben und Ihren Konflikt hier nicht gerne weiter miterleben würde - aber es wäre doch zu freundlich, wenn ich mich hier jetzt meiner Aufgabe widmen könnte.

 

Hanna:        Ach Gott, Frau Ratte-Winkelbusch - was denken Sie nur von uns. Natürlich! Sie  haben ja so recht. Wo ist er denn eigentlich? Doch nicht schon weg zur Uni?

 

Friederike:  Ich hab´ keine Ahnung.

 

Hanna:        Der wird doch nicht flüchten? Und DU, Kind - willst doch nicht etwa wirklich zur Uni jetzt, oder?

 

 

Friederike:  Hatte ich vor, ja. So wie ich das jeden Tag mache.

 

Hanna:        Aber hier in Eurer Wohnung ist das Fernsehen - und die bekannte und beliebte Moderatorin Lisa Ratte-Winkelbusch - das ist eine Sensation. Wie kannst Du Dir das denn entgehen lassen? - Kommt ja gar nicht in Frage. Sicher hat Frau Ratte-Winkelbusch auch ganz viele Fragen an Dich. Und bestimmt kriegst Du dann auch eine Großaufnahme. Hach, meine Tochter im Fernsehen. Ist das schön oder ist das schön?!

 

Karl-Otto:  Ach, Du liebe Zeit - jetzt sehe ich das ja erst. Sie sind... diese Frau von dieser Sendung. Diese... diese... ich komm grad nicht auf Ihren Namen. - Nein, das ich DAS noch erleben darf.

 

Luise:         (verdreht die Augen) Seine Augen werden jeden Tag schlimmer - und dement ist er auch. (zu ihm) Sag mal - BIST Du eigentlich schon wach, oder nicht?

 

Karl-Otto:  Was? - Ja sicher doch. (will dann zu Lisa gehen) Warten Sie, ich möchte Sie gerne so richtig begrüßen. JA! Jetzt fällt er mir wieder ein - Ihr Name. Frau...

 

Luise:         (packt ihn am Nachthemd) WIR, mein lieber Karl-Otto, werden uns jetzt nicht länger zum Narren machen, gehen ins Bad, machen uns frisch und ziehen uns dann vernünftig an. Vorher passiert hier gar nichts. Schanierlicher kann es ja wohl nicht sein, so wie wir hier rumlaufen. (zieht ihn mit nach rechts)

 

Karl-Otto:  Ja, wenn Du meinst. Ich habe aber doch die Frau Watte Pinkelbus noch gar nicht richtig begrüßt.

 

Luise:         Latte-Rosenbusch heißt sie!

 

Lisa:           Ratte Winkelbusch! Vielleicht nennen Sie mich Lisa - das können Sie sich vielleicht besser merken.

 

Luise:         Ihr Wort in Gottes Ohr. Nehmen Sie meinen Mann besser gar nicht wahr. Komm jetzt. (zieht ihn grob am Arm, beide ab der Tür nach rechts, Luise schubst Karl-Otto dorthin, dann dreht sie sich nochmal um) Wir beeilen uns. Und damit Sie das wissen, Frau... äh Lisa - das mit dieser Fernsehsache, das ist alleine auf dem Mist von Hanna Sonnenberg gewachsen. ICH habe damit nichts zu tun. Und was hier passiert mit meinem Jungen...

 

Karl-Otto:  (steckt den Kopf nochmal durch die Tür) ...mit UNSEREM Jungen!

 

Luise:         (drückt ihn grob zurück) Ach sei doch still - was weißt denn DU! --- ...Also, was hier passiert, das entscheiden Sie NICHT alleine. Wir wollen uns ja schließlich nicht lächerlich machen. Haben Sie mich verstanden?

 

Lisa:           (lächelnd) Ja, das habe ich verstanden, Frau Evers.

 

Luise:         Na, dann ist es ja gut. (endgültig ab)

 

Alle:           (anderen schauen den beiden ebenfalls lächelnd hinterher)

 

 

 

3. Szene

Hanna:        So - die sind erstmal beschäftigt. Entschuldigen Sie bitte diesen kleinen Zwischenfall. Frau Ratte-Winkelbusch - Lisa - was dürfen wir Ihnen anbieten?

 

Lisa:           Ein Glas Wasser wäre nach der langen Fahrt wunderbar. Ich bin ja schon um 6 Uhr vom Studio losgefahren.

 

Hanna:        Aber natürlich.

 

Friederike:  Okay - ich geh dann, ja?!

 

Hanna:        DU, Friederike - wirst nirgendwo hingehen. Ich hole jetzt ein Glas Wasser für unseren Ehrengast und Du wirst hier so schnell es geht, für Ordnung sorgen. Was soll unser Gast denn bloß denken?! Die Uni fällt heute aus! Und ich möchte keine Widerworte hören. (ab nach rechts)

 

Friederike:  (glaubt es nicht) Also...

 

4. Szene

Lisa:           Tja, Mütter - da kann man wohl nichts machen.

 

Friederike:  Das ist meine Wohnung! Das heißt, die Wohnung von Daniel und mir. Und ich bin über 18. Die hat mir gar nichts mehr zu sagen. Außerdem hab´ ICH dieses Chaos hier nicht zu verantworten. (deutet auf den Tisch)

 

Lisa:           Hach, Schätzelchen - meine Mutter ist genauso. Wenn ich die besuche - und das mache ich aufgrund meines Berufes nur sehr selten - da bin ich für sie immer noch ein kleines Mädchen. "Geh zum Frisör - Du musst mehr essen - knöpf die Bluse weiter zu"... die können wohl eben nicht anders.

 

Friederike:  Ein Trost ist das für mich aber nicht wirklich.

 

Lisa:           Wissen Sie was, Herzelein - ich helfe Ihnen schnell beim Aufräumen. Zusammen ist das das doch ruck-zuck getan.

 

Friederike:  Sie? Aber Sie können doch nicht...

 

Lisa:           Friederike - ich bin zwar Moderatorin - und man kennt mich vom Fernsehen. Das ist aber auch schon alles. Ich bin eine Frau wie jede andere auch. Und zuhause muss ich das doch auch machen. Nun kommen Sie schon und lassen Sie sich helfen.

 

Friederike:  Tja, wenn Sie meinen. (legt ihre Tasche ab, zieht die Jacke aus, beginnt mit dem Aufräumen. Leere Bierflaschen in die Kiste, leere Likörflaschen in eine Tüte, Sack oder Karton, welcher bereits irgendwo stand u.a.)

 

Lisa:           (legt auch ihre Tasche zur Seite, macht das Gleiche, währenddessen folgender Dialog) Und Sie wohnen hier mit Daniel zusammen?

 

Friederike:  Richtig. Wir studieren beide an derselben Uni. Ich hatte diese Wohnung zuerst gemietet - alleine war sie mir aber zu teuer. Da dachte ich natürlich an eine

 

 

                   MitbewohnerIN, aber als Daniel sich dann gemeldet hat, und er so sympathisch rüber kam, ist er eben eingezogen. Das klappt hier ganz gut mit uns.

 

Lisa:           Und haben Sie davon gewusst, dass Daniel noch nie mit einer Frau intim war?

 

Friederike:  Erst gestern habe ich das erfahren. So wie meine Mutter und die Eltern von Daniel auch. (seufzt) Und wenn ich ehrlich sein soll - ich hätte es lieber gar nicht wissen wollen.

 

Lisa:           Oh oh... was sehe und spüre ich da, mein Liebchen? - Da sind Gefühle im Spiel, nicht wahr? Daniel ist für Sie nicht nur ein Mitbewohner, hab´ ich recht?

 

Friederike:  Ach, ist doch egal.

 

 

 

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