Lange danach gesucht - auf Ibiza 2012 endlich gefunden
Musiker gesucht

 

„Tratscherei in Pollmanns

 

Garten“

 

 

 

(hochdeutsche Fassung)

 

 

Komödie in 3 Akten

 

von

 

Helmut Schmidt

 

 

Inhalt:

 

Der Witwe Anni Pollmann entgeht nichts in ihrer Nachbarschaft in dem kleinen Ort Langenhorn. Sie hält ihre Nachbarn ständig über alle Neuigkeiten auf dem Laufenden, übertreibt mit ihrem Wissen aber auch ganz gerne mal. Sie lästert über jeden ab, ist aber auch auf jedermanns Seite und bekommt so manches Geschehnis und einige Tatsachen durcheinander. Langsam aber sicher setzt sie sich mit ihren zusammengereimten Halbwahrheiten bei allen Nachbarn in die Nesseln, weil sie ihr loses Mundwerk nicht halten kann. Als jedoch der Student Michael nach Abbruch seines Studiums bei seinen Eltern nicht mehr unterkommen kann, weil diese sein Zimmer bereits vermietet haben, Annis Neffe Heinrich mit seiner Verlobten Susanne, und auch noch ein Obdachloser bei Anni um Unterkunft bittet, und sie diese alle bei sich unterbringt, wendet sich das Blatt in der Nachbarschaft. Und dann will Anni sogar nochmal heiraten...

 

 

Spieler: 5m/5w           -           1 Bühnenbild-Außenkulisse

1 weibl. Statist

 

 

Anni Pollmann           -           Witwe (ca. 60 Jahre)

 

Gesine Hansen           -           Nachbarin (50-60 Jahre)

 

Dieter                          -           Gesines Ehemann (50-60 J.)

 

Michael                      -           beider Sohn (25-30 Jahre)

 

Joachim Troll              -           Mieter bei Hansens (ca.

                                               40 – 50 Jahre)

 

Maria Schäfer             -           Nachbarin (ca. 40-50 Jahre)

 

Ilona                           -           Marias Tochter (20-25 J.)

 

Andreas Berger          -           Obdachloser (ca. 50-60 J.)

 

Heinrich Kästner        -           Annis Neffe (25-35 Jahre)

 

Susanne Lottmann     -           Freundin von Heinrich

                                               (25-35 Jahre)

 

 

Spielzeit: Sommer in der Gegenwart

Spielort: Größeres Dorf in Deutschland (Langenhorn)

Spieldauer: ohne Pausen ca. 100 Minuten

 

 

 

Bühnenbild:

 

Das Bühnenbild zeigt eine Außenkulisse. Links ist die Hausfront der Familie Hansen, rechts die von Anni Pollmann zu sehen; jeweils mit Tür und Fenster. An Hansens Hausseite befindet sich im hinteren Bereich eine weitere schmale Tür. Dieses ist die Eingangstür zu einem vermieteten Zimmer. Neben den beiden Haupt-Türen hängen Zeitungsboxen oder Briefkästen. In der Mitte der Bühne steht ein kleines Bäumchen mit Bank oder aber eine Laterne, Brunnen o.a. Auf jeden Fall muss dort eine Sitzmöglichkeit vorhanden sein. Hinten ist der Abgang nach links und rechts möglich. Dort Sträucher, Büsche, Zaun, Gartenlaube, bemalte Kulisse mit dörflichem Weitblick o. a. Direkt vor den Häusern kleine Gartentische mit je zwei oder vier Stühlen oder aber Hollywood-Schaukel o.a. (je nach Größe der Bühne)
Alle sonstigen Ausstattungen bleiben den Spielern überlassen.

 

 

Erster Akt

 

                  (Ein Wochentag in den Vormittagsstunden. Wenn der Vorhang sich öffnet, ist kein Spieler auf der Bühne)

 

1. Szene

Anni:         (schlicht gekleidet, evtl. mit Schürze - kommt aus dem Haus, schaut in die Zeitungsbox bzw. schließt den Briefkasten auf. Sie hat keine Post bekommen; zuckt mit den Schultern, wieder ab ins Haus, als...)

 

2. Szene

Dieter:       (...aus dem Haus kommt, ihm folgt sodann Gesine mit einem Einkaufskorb. Beide tragen zeitgemäße, sommerliche Kleidung; machen einen leicht genervten Eindruck)

 

Anni:         (verschwindet blitzschnell hinter ihrer Haustür, lässt diese aber einen Spalt geöffnet um zu lauschen)

 

Gesine:      Nun hör´ auf, herum zu nörgeln. Außerdem ist Bewegung ganz gut für Dich. (drückt ihm weniger galant den Einkaufskorb in die eine Hand, in die andere ein Smartphone)

 

Dieter:       Gesine. Heute ist mein erster Urlaubstag; und DU schickst mich gleich nach dem Frühstück zum Supermarkt. (ironisch) Ganz großartig.

 

Gesine:      Dann weißt Du auch endlich mal, wie das ist, wenn ICH das 11 Monate lang im Jahr machen muss, wenn Du KEINEN Urlaub hast.

 

Dieter:       Ich kenn mich da doch gar nicht aus. Warum gehst DU denn nicht selbst?

 

Gesine:      Weil ich jetzt ganz nötig mit Lisbeth Meyer telefonieren muss. Die hat sich ein Tablet bei Aldi gekauft; und ich muss wissen, ob das Gerät verspricht was es hält. Und wenn es so ist, dann sollten wir uns das auch zulegen.

 

Dieter:       Hhhm... und wo ist der Einkaufszettel?

 

Gesine:      Na da! (deutet auf das Smartphone)

 

Dieter:       Wie?

 

Gesine:      (genervt) Auf dem Smartphone - meine Güte - ich hab´ da alles notiert - na, auf dieser Einkaufs-App.

 

Dieter:       Einkaufs-App?! Aha. Ist das nicht ein bisschen...

 

Gesine:      Nein! Ist es nicht! Das macht man heutzutage so. Wer schreibt denn noch etwas auf einen Zettel?! Ich bitte Dich.

 

Dieter:       (schaut unsicher auf das Gerät) Ja dann...

Gesine:      Und nun beeil Dich. Wir wollen doch mit dem Renovieren beginnen. Das Wohnzimmer wird heute noch gestrichen. Das ist bis heut´ Abend fertig.

 

Dieter:       Sieh mal an. Gesine, warum wird mein Urlaub seit Jahren von Dir immer nur mit Arbeit gefüllt?

 

Gesine:      Weil Du sonst keine Zeit für sowas hast. Darum. Bis gleich. (ab ins Haus, Tür zu)

 

Dieter:       (seufzt, ab nach hinten links, von dort kommt...)

 

3. Szene

Maria:        (...auf die Bühne. Sie hat ein paar Zeitschriften in der Hand, sowie einen Zettel) Oh, guten Morgen, Dieter.

 

Dieter:       Hallo Maria. Auch schon auf den Beinen?

 

Maria:        Schon? Es ist gleich halb zehn. Schau Dir doch das Wetter an. Das wird ein ganz besonders schöner Tag. Da ist jede Minute im Bett verschwendete Zeit.

 

Dieter:       (süffisant) Kommt wohl darauf an, was man im Bett macht und mit wem, nicht wahr?!

 

Maria:        (knufft ihn beschämt) Dieter! Also wirklich. - Du gehst einkaufen?

 

Dieter:       Ja leider. Gesine hat viele Pläne für mich, damit ich mich im Urlaub auch bloß nicht eine Minute langweile.

 

Maria:        (muss lachen) Ja dann... ich wollt nur Anni den Lesezirkel und ein Kuchen-Rezept vorbei bringen. (hält den Zettel hoch, geht schon ein paar Schritte weiter nach vorne)

 

Dieter:       Was denn? Ein Kuchen-Rezept? Auf Papier geschrieben mit einem Stift?

 

Maria:        Ja wieso?

 

Dieter:       Gibt es denn dafür keine Kuchen-App?

 

Maria:        Wir wollen mal auf dem Teppich bleiben, ja?!

 

Dieter:       Meine Rede, Maria. Aber frag mal meine Frau. Einen schönen Tag Dir. (ab)

 

Maria:        (kopfschüttelnd, schon fast an Annis Tür) Danke. Dir auch. (will gerade klingeln oder klopfen bei Anni, als diese...)

 

4. Szene

                  (...schon öffnet und vor ihr steht)

 

Anni:         Maria - sowas... hähä...   

 

Maria:        (leicht erschrocken) Oh... guten Tag, Anni. (ahnt etwas) Du hast doch nicht etwa...

 

Anni:         Maria, was Du wieder von mir denkst. Ich wollte gerade nachschauen, ob die Post schon da war. Aber das kann ich mir auch sparen. Wir kennen ja Fritz Kramer, diesen Trödel-Peter.

 

Maria:        Erwartest Du denn wichtige Post?

 

Anni:         Was? - Äh - nein nein. Obwohl - man kann ja nie wissen, nicht?! Und sonst so? Alles gut?

 

Maria:        Ja, ich kann nicht klagen.

 

Anni:         Und Deine Ilona? Wann eröffnet sie ihre Praxis?

 

Maria:        Nächsten Monat. Ich bin so stolz auf sie. Eine Heilpraktikerin haben wir hier in Langenhorn ja auch noch nicht.

 

Anni:         Hhhmmm... sicher ganz schön teuer, eine eigene Praxis aufzubauen, nicht?!

 

Maria:        Oh ja. Aber mit meiner Hilfe kriegen Ilona und ich das schon hin. (drückt ihr dann die Hefte in die Hand) Hier Anni. Der Lesezirkel bis Samstag - und das Rezept, was Du haben wolltest. Ich hab´s für Dich abgeschrieben.

 

Anni:         Hach, das ist sehr freundlich, Maria. Ich danke Dir. Ich hab´ ja sonst immer die teuren Torten bei Bäcker Behrends bestellt zu meinem Geburtstag. Und alle hauten sich den Bauch voll damit. Aber wenn ICH dann eingeladen bin, gibt´s meistens überall nur diesen fertigen, staubigen Fabrikkuchen aus dem Supermarkt. Da dacht` ich mir: Wie dumm bist du eigentlich, Anni Pollmann?! Und deshalb ist jetzt Schluss. Ich back jetzt selbst. Das ist erst mal viel billiger und außerdem gerechter, nicht?!

 

Maria:        (muss schmunzeln) So ist es wohl. (überlegt kurz) Hab´ ICH Dir denn auch schon mal trockenen Fabrik-Kuchen angeboten?

 

Anni:         Nein. DU doch nicht. Aber hier... (zeigt nach nebenan) Gesine Hansen, um nicht zu sagen: "Lady Geizkragen", die hat IMMER nur dieses trockene Zeug. Man erstickt fast dran. Dass sie sich nicht schämt, sowas anzubieten. Dabei bringt ihr Dieter doch mehr als 4000 Euro netto nach Hause jeden Monat.

 

Maria:        Das weißt Du doch gar nicht.

 

Anni:         DOCH - das weiß ich!

 

Maria:        Das hat Dieter Dir freiwillig erzählt?

 

Anni:         Nein nein. Ach, Du kennst doch unseren Briefträger, Maria. Der kommt nicht nur immer sehr spät am Tag, der bringt auch gerne mal was durcheinander. Na ja - und dann schaute vor einigen Tagen ein Brief aus Hansens Kasten heraus... und bei DEN Sommerstürmen wär´ der doch 1-2-3 herausgeflogen. Da hab´ ich dann ein gutes Werk getan und den GANZ hineingesteckt.

 

Maria:        Sommerstürme... ahja... - Ja aber...

 

Anni:         (ein wenig kleinlaut) Jaaaaaaaa... ich geb´s ja zu. Vorher hab´ ich mal eben reingeschaut. Es war die Lohnabrechnung von Dieters Firma. (dann wieder bestimmend) Der Brief hätt´ ja auch für mich sein können, nicht?! Ist ja schon vorgekommen.

 

Maria:        Anni, also wirklich.

 

Anni:         Reden wir jetzt nicht mehr davon. Also: 4000 Euro sag´ ich nur. Tja - die haben´s eben. Sieht man ja auch deutlich an den teuren Möbeln und Gesines Klamotten.

 

Maria:        Hhmmm...

 

Anni:         Aber DAS ist bald vorbei.

 

Maria:        Wieso?

 

Anni:         Gesine Hansen geht es doch nur darum, das Geld von Dieter auf den Kopf zu hauen. Die ist nämlich vom Stamme "Nimm", weißt Du?! Aber die beiden haben sich gerade furchtbar gestritten.  

 

Maria:        (belustigt) Weil Dieter einkaufen muss - ja, das ist nicht so ganz sein Ding, denke ich.

 

Anni:         Achwas. Dieser Einkaufs-Streit ist doch nur eine neue Spitze auf dem Eisberg - weil den beiden langsam alles auf den Wecker geht in Sachen "Ehepaar Hansen". - Es geht um diesen neuen Mieter da. (deutet auf die Tür der Anliegerwohnung)

 

Maria:        Herr Troll? Was ist mit dem? Der ist doch ganz nett.

 

Anni:         Tsss... NETT... Maria, wach doch mal auf, Du Naivchen. Da stimmt doch was nicht.

 

Maria:        Ich weiß nicht, was Du meinst.

 

Anni:         Michael Hansen studiert seit Februar in Berlin. Und sofort danach hat Gesine hier draußen eine Tür einbauen lassen und das Zimmer von Michael vermietet. An diesen Herrn Troll. Und wenn Dieter 4000 Euro verdient, also... NÖTIG haben die das ja wohl nicht. Also... was kombinierst Du?

 

Maria:        Ach, das geht uns doch nichts an, Anni.

 

Anni:         (deutlich) Da läuft doch was zwischen Gesine und diesem Troll!

 

Maria:        ANNI! Was sagst Du denn da? Hast Du denn was gesehen?

Anni:         Gesehen... pah... Ich kann 1 + 1 zusammen zählen, Maria. Das reicht ja wohl. Dieter ist von Montags bis Freitags auswärts auf Montage, sie vermietet Michaels Zimmer an einen attraktiven und jüngeren Mann; jetzt hat Dieter ein paar Wochen Urlaub und sie schreit ihn nur noch an. Und warum: Weil sie jetzt keine freie Bahn mehr hat für ihren Liebhaber. Ja ja, da wird wohl bald eine Scheidung ins Haus stehen. Was ich Dir sag´.

 

Maria:        Meinst Du wirklich?

 

Anni:         Aber ja! Hach, Gesine Hansen - das sie sich nicht schämt – in ihrem Alter.

 

Maria:        Zum Fremdgehen gehören aber immer zwei, Anni.

 

Anni:         Eben, eben. Dieser Herr Troll ist ja auch nicht besser, wenn er Gesines Ehe kaputt macht. Ich hab´ sowieso gleich gespürt, als der eingezogen ist, dass das ein geiler Bock ist.

 

5. Szene

Joachim:    (ist sodann aus der Tür hinten links gekommen. Ein sympathischer Mann, trägt legere, sommerliche Kleidung, hat eine Aktenmappe unterm Arm, schließt die Tür ab)

 

Anni:         (stößt Maria an, deutet auf ihn)

 

Joachim:    (dann:) Ach, guten Tag, die Damen.

Maria:        (und Anni stehen nebeneinander, gestellt freundlich grinsend und nickend gemeinsam:) Guten Tag, Herr Troll.

 

Joachim:    Wow, was für eine verbale Choreographie. Nicht schlecht. (steckt den Schlüssel in die Aktentasche, kramt auch noch ein wenig darin herum, dann abgehend)

 

Anni:         (knufft Maria) Verbale Korea-Phobie. Was ist das denn wohl wieder für ´n Schweinkram?! (dann zu Joachim, der schon hinten beim Abgang ist) Äh... auch noch eben raus bei dem schönen Wetter?

 

Joachim:    (bleibt stehen, dreht sich um, schmunzelt) Ja, ich bin auf dem Weg zum Verlag. Mein neuer Roman ist fertig.

 

Maria:        Ach richtig. Sie sind ja Schriftsteller. Worum geht´s denn in dem neuen Buch, wenn wir mal fragen dürfen - und wie heißt es denn?

 

Joachim:    Der Titel ist "Schwarzes Geheimnis". Und es geht um Liebe, Betrug und Mord. Schönen Tag noch. (ab)

 

6. Szene

Anni:         Ha, Liebe, Betrug und Mord. Ja, damit kennt er sich ja aus, dieser Lustmolch. Hat sicher nur sein eigenes Leben zu Papier gebracht und schwups ist ein Roman fertig. Lächerlich. Wer soll denn so einen Schund lesen?

Maria:        Es geht auch um Mord, Anni. Und umgebracht hat Herr Troll ja sicher keinen, oder?

 

Anni:         Wer weiß das schon? Und was nicht ist, kann ja noch werden. Hast Du seine Augen gesehen und diese unehrliche Freundlichkeit? Dem steht das Böse doch direkt ins Gesicht geschrieben.

 

Maria:        Jetzt hör´ aber auf. Das ist ein sehr freundlicher Mann. Und gut aussehen tut er auch. Und ich werde mir demnächst auch sicher mal ein Buch von ihm kaufen. Ist doch interessant. Wer hat schon einen Autor in der Nachbarschaft?

 

Anni:         Interessant. Ja, das ist es wirklich.

 

Maria:        Nicht wahr?!

 

Anni:         Dein Verhalten ist vor allem interessant.

 

Maria:        Anni, nun sieh Du nicht immer schon Gespenster wo keine sind. Ich muss auch wieder los. Viel Spaß beim Backen. Hast Du einen Wunsch zu Deinem Geburtstag?

 

Anni:         Nein nein. Hauptsache Du kommst, damit ich nicht so alleine bin. Morgen gegen drei, ja?! Ja ja, als Witwe ist es manchmal ganz schön einsam. Vor allem in diesem großen Haus.

 

Maria:        Geschieden, so wie ich, ist es auch nicht anders, Anni. Bis bald. (abgehend nach hinten)

 

Anni:         Ach, und wenn Du noch zu Aldi gehen solltest, schau doch mal, was die für Servier-Tabletts im Angebot haben. Gesine sprach davon.

 

Maria:        Ja, mach ich, wenn ich hinkomme. (ab)

 

Anni:         (wartet vor ihrem Haus bis Maria weg ist, legt die Zeitschriften und das Rezept auf einen Stuhl, geht dann zu Hansens Tür herüber, klingelt dort, wartet)

 

7. Szene

Gesine:      (öffnet, hat ein Handy am Ohr) Anni, Hallo. Moment mal eben. (dann in das Handy sprechend) Lisbeth, das war schon mal sehr informativ, ja. Ich danke Dir. Ich melde mich dann wieder. Hier ist jetzt jemand an der Tür. Tschüß. (drückt eine Taste auf dem Gerät zum Beenden. Anni ggb. verhält sie sich eher meistens kurz - aber nicht ZU frech und unfreundlich) Na Anni, was gibt´s denn?

 

Anni:         "Jemand an der Tür", sagst Du - also bitte. Bin ich "jemand"?

 

Gesine:      Anni - nun sag schon.

 

Anni:         Och, eigentlich geht mich das ja alles nichts an...

 

Gesine:      Aber?

 

Anni:         Euer Mieter - oder sollte ich lieber sagen: DEIN Mieter, denn Dieter ist ja eh meistens nicht da, nicht?! Dieser Herr Troll...

 

Gesine:      Was ist mit dem?

 

Anni:         Na ja, ich kann es ja nicht beweisen, aber es ist gut möglich, dass Herr Troll die längste Zeit hier bei Dir gewohnt hat.

 

Gesine:      Wie bitte? Sagte er das? Und warum denn? Sucht er eine größere Wohnung? Und warum redet er denn nicht mit mir darüber?

 

Anni:         Tja, DAS kann ich Dir auch nicht sagen.

 

Gesine:      Ja, nun rede doch schon. Was weißt Du - und woher? Warum sollte Herr Troll hier ausziehen?

 

Anni:         Weil unsere herzensgute Nachbarin Maria Schäfer zwei Augen auf ihn geworfen hat! Ja, sie wirft sich ihm direkt an den Hals. Widerlich ist das. Und das in ihrem Alter. Aber so ist Maria ja schon immer gewesen. Sie gibt ja ihrem Mann die Schuld für die Scheidung, aber MIR macht sie nichts vor. Die ist mannstoll, jawohl. Allen jammert sie vor, wie sehr sie noch darunter leidet, dass ihr Mann sie immer wieder betrogen hat. Aber SIE ist das Luder, glaub´ mir.

 

Gesine:      Anni - ich bin ja völlig platt. Ich hatte ja keine Ahnung. Und ich hab´ die beiden auch noch nie zusammen gesehen.

 

Anni:         Maria Schäfer ist doch eh ein einziges Rätsel. Woher hat die wohl das viele Geld, um ihrer Tochter Ilona diese Heilpraktiker-Praxis einzurichten? Das Mädchen hat bislang nur auf der Schulbank gesessen und nix verdient. Und Maria hat ´nen 400-Euro-Job als Putze bei Dr. Derballa. Da stimmt doch was nicht. Vielleicht ist DAS ja auch der Grund, weshalb sie sich jetzt unseren Autor Troll geangelt hat. Was verdient eigentlich so ´n Schriftsteller, Gesine?

 

Gesine:      Ich weiß es nicht. - Und Du meinst wirklich, dass Maria und Herr Troll zusammen ziehen wollen?

 

Anni:         Na, warum sollte Maria denn in ihrem großen Haus alleine wohnen? Ihre Tochter Ilona hat doch 3 Zimmer in ihrer neuen Praxis, die sie bald eröffnen will. Die ist doch schon raus aus dem Haus. Bietet sich doch sehr an, wenn sie mit Herrn Troll ihre Klamotten zusammen-schmeißt, nicht?! Und dabei geht es wieder mal nur ums Geld - was ich Dir sage!  (süffisant) Und? Eifersüchtig?

Gesine:      Hä? Was? Eifersüchtig? - Wieso? - Sag mal, seit wann geht das denn schon? 

 

Anni:         Das weiß ich auch nicht so genau.

 

Gesine:      (ahnt langsam, dass Anni mal wieder übertreiben könnte mit ihren Geschichten) Anni, WAS weißt Du denn genau?

 

Anni:         Du kannst mir glauben. Was ich gesehen und gehört hab´, hab´ ich gesehen und gehört!

 

Gesine:      (deutlicher, mit strengem Blick) ANNI - WAS?

 

Anni:         (kleinlaut) Nun ja, dass Maria Herrn Troll sympathisch und gutaussehend findet. (schnell) Und sie ist freundlich zu ihm. Ja. (schneller) Und - und ein Buch will sie sich kaufen von ihm. Ja, das will sie. Sie will einen Roman lesen, den er geschrieben hat. Wobei, ich weiß gar nicht, ob die überhaupt soviele Worte hintereinander lesen kann. Sie soll ja in der Schule auch schlecht mitgekommen sein.

 

Gesine:      (kann es kaum glauben) Anni?

 

Anni:         Ja?

 

Gesine:      Bevor ich mich hier jetzt wieder mal aufrege über Deine verdrehten und überzogenen Geschichten - wie ich es schon so oft getan hab´- wünsche ich Dir lieber noch einen schönen Tag, bevor ich richtig böse werde. (erbost mit dem Kopf schüttelnd ab ins Haus, "knallt" die Tür zu)

 

Anni:         (allein) Also... (dann zu sich selbst abgehend zu ihrer Haustür) DAS ist nun der Dank. (pikiert) Tsss... Wenn ICH hier die Augen nicht offen halten würde, gäb´s hier Zustände wie in Sodom und Gomorrah. (ab ins Haus, kurze Pause)          

 

8. Szene

Michael:    (kommt von rechts oder links hinten mit einem großen, gefüllten Rucksack auf dem Rücken auf die Bühne, geht zur Tür von Hansens Haus, dann aber erstmal seufzend zur Bühnenmitte zurück, legt den Rucksack ab, setzt sich, holt Handy oder Smartphone hervor, tippt eine Nummer, Gerät dann ans Ohr, wartet) Marcel? Ja, ich bin´s. So wie besprochen, nur damit Du zufrieden bist. Ich bin gerade angekommen. - Wie sie´s aufgenommen haben? Kann ich Dir nicht sagen. Ich bin noch draußen vor der Tür. Ja okay. Ich melde mich wieder. Bye. (drückt erneut eine Taste auf dem Gerät, verstaut es, steht auf, geht ohne Rucksack wieder zur Tür, als...)

 

9. Szene

Ilona:         (...von hinten kommt. Eine sympathische, flotte junge Frau in hübscher Sommerkleidung. Sie hat einen in Folie eingeschweißten dünnen Katalog in der Hand, in Richtung Annis Haus gehend, sieht dann Michael, überrascht) Michael!

 

Michael:    (der gerade an die Tür seiner Eltern klopfen oder klingeln wollte) Ilona - Hallo.

 

Ilona:         (geht zu ihm, breitet die Arme aus) Komm her. Schön, dass Du wieder mal hier bei uns im Dorf bist. (umarmt ihn herzlich) Semester-Ferien?

 

Michael:    Auch.

 

Ilona:         Auch?

 

Michael:    Ja. Und Du? Was machst Du so?

 

Ilona:         Ich mach grad ´ne Pause. Bin seit Wochen nur noch am Vorbereiten. Die Praxis wird bald eröffnet. Ich hab´s Dir doch gemailt.

 

Michael:    Toll. Ilona Schäfer, die Heilpraktikerin. Ich bin schwer beeindruckt, dass Du das echt durchgezogen hast. 

 

Ilona:         Durchziehen willst, muss es heißen. Der große Tag der Eröffnung steht mir ja noch bevor. Ich kann nur hoffen, dass die Leute mich akzeptieren und diese Idee auch funktioniert.

 

Michael:    Wird sie. Ich kenne doch Deinen Ehrgeiz.

Ilona:         Jetzt erzähl´ aber von Dir? Wie läuft Dein Medizin-Studium?

 

Michael:    Ich... ich hab´ abgebrochen.

 

Ilona:         W a s ?

 

Michael:    Ja. Ich hab´ das Studium geschmissen. Das ist auch der Grund, weshalb ich hierher zurück bin. Es sind für mich sozusagen.. na ja... recht lange Semesterferien.

 

Ilona:         Michael - aber - warum?

 

Michael:    (leicht erbost) Ach, es war doch immer nur meine Mutter, die mir diese Idee vom Halbgott in weiß eingeredet hat. - Sicher war es zuerst auch für mich ein Thema, aber... ich... ich kann das nicht. Dieses Studium ist mir viel zu umfangreich - ich kann oft nicht folgen in den Vorlesungen - es macht mir keinen Spaß - und dazu kommt, dass ich auch kein Blut sehen kann.

 

Ilona:         Ach Mensch, das tut mir leid. - Und? Schon neue Pläne?

 

Michael:    Na ja, erstmal wieder hier wohnen - bei meinen Alten. ´ne eigene Bude wär´ mir auch lieber - aber wovon soll ich das zahlen?

 

Ilona:         Hhmm... und beruflich?

 

Michael:    Keinen Plan - also, das heißt - nicht so wirklich.

 

Ilona:         Meine Oma hat immer gesagt: In jedem Menschen schlummert etwas ganz tief. Ein Talent - eine Gabe - etwas, wofür man brennt. Manche erkennen das leider nie - andere wissen es und machen nichts daraus. Aber jeder hat es in sich und man sollte genau DAS tun, was einem wirklich gegeben ist. Also denk mal nach: WAS ist es, dass Dich fasziniert und was macht Dir Spaß? Schau nach bei Dir.

 

Michael:    (schaut an sich herunter) Ich find´s grad nicht.

 

Ilona:         (muss lachen) Du musst nur richtig suchen.

 

Michael:    Na ja, Gesundheit interessiert mich schon.

 

Ilona:         Was heißt das genau? Denk nach!

 

Michael:    Ilona, sei nicht böse, aber dazu fehlt mir jetzt auch der Kopf. Ich muss hier erstmal rein... (deutet zur Haustür) und meiner Mam und meinem Dad reinen Wein einschenken.

 

Ilona:         Kann ich gut verstehen. Denk drüber nach, wenn Du wieder Zeit dafür hast. (geht schon zu Annis Haus) Ich bring nur schnell Frau Pollmann einen Katalog. Der Postbote hat wieder mal was verwechselt. (klopft oder klingelt dort)

Michael:    (zur Tür seiner Eltern gehend) Wir sehen uns. Viel Erfolg mit Deiner Praxis.

 

Ilona:         Ich will doch stark hoffen, dass Du zur Eröffnung kommst.

 

10. Szene

Anni:         (öffnet die Tür, kommt heraus) Ilona. Guten Tag. Was gibt´s denn? Ist wieder mal die falsche Post in Euren Briefkasten gel... (schaut über Ilonas Schulter) Ooooh... Michael. Du bist zurück? (drängelt sich an Ilona vorbei, entreißt ihr den Katalog, geht zu Michael) Gesine hat ja gar nichts erzählt davon, dass Du deine Ferien hier verbringen willst.

 

Michael:    (eher weniger begeistert über dieses Aufeinandertreffen, dreht sich dennoch zu ihr um) Hallo Anni.

 

Anni:         Oooh... abgenommen hast Du. Ja ja... wenn der Kochtopf der Mutter fehlt, ich sag´s ja immer.

 

Michael:    Studieren macht eben schlank, Anni.

 

Anni:         So kann man das natürlich auch ausdrücken. Ganz schön was passiert in den letzten Monaten, nicht?!

 

Michael:    (verwirrt, ahnt böses) Wieso? Was meinst Du? Du weißt doch noch nicht, dass ich...

Anni:         Natürlich weiß ich es. Aber DU ja wohl noch nicht, oder täusch´ ich mich da?

 

Michael:    Hä? Wovon sprichst Du, Anni.

 

Anni:         Michael - Deine Mutter wird Dir doch sicher am Telefon oder so mitgeteilt haben, dass sie umgehend nach dem Beginn Deines Studiums das Haus umgebaut und Dein Zimmer vermietet hat, nicht?!

 

Michael:    Bitte? (schaut dahin) Jetzt seh´ ich das ja erst. Seit wann ist denn da ´ne Tür?

 

Anni:         Genauso lange, wie Du in Berlin bist. Ja, da wohnt jetzt ein Schriftsteller.

 

Ilona:         Ach, das ist Dir neu, Michael?

 

Michael:    Aber ja. Mutter hat kein Wort erzählt davon. Dabei simsen und mailen wir jede Woche.

 

Anni:         Hach, das sieht Deiner Mutter mal wieder ähnlich. Na ja, es wird sich schon eine Lösung finden, solange Du hier Deine Ferien verbringst, denke ich. - Deine Eltern wissen doch, dass Du kommst, oder? Weil - merkwürdig ist das ja schon. Ich hab´ gerade noch mit Gesine gesprochen und sie hat kein Wort davon gesagt.

 

Michael:    Ja also...

 

Ilona:         Äh Anni, Michael hat ´ne lange Fahrt hinter sich und muss nun erstmal ankommen. Da sollten wir ihn am Besten jetzt mal alleine lassen, meinst Du nicht auch? Ich muss jetzt auch geh´n.

 

Michael:    Danke Ilona.

 

Anni:         Ja ja. Das versteh ich doch. (geht zurück zu ihrer Tür, stellt sich davor, verschränkt die Arme, wartet)

 

Ilona:         (und Michael schauen sie verblüfft an) Tja, wir sehen uns. Bis bald dann. (abgehend)

 

Michael:    Bis dann, Ilona.

 

Anni:         Tschüßiii... Und danke für den Katalog, Du Gute, Du!

 

11. Szene

Michael:    (an der Tür seiner Eltern, will klingeln oder klopfen, dreht sich dann nochmal zu Anni um) Du äh... willst also tatsächlich zuschauen?

 

Anni:         Ach, was DU nun wieder denkst. Ich genieße nur gerade die frische Luft vor meiner Tür. (atmet 3 x tief ein und aus, macht 2 Kniebeugen dabei) Ein herrlicher Tag, nicht wahr?! Obwohl ja noch Gewitter angekündigt ist.

 

Michael:    (seufzt) Hhmm... Na dann... (klopft oder klingelt)

 

12. Szene

Gesine:      (öffnet sodann, sehr überrascht) Ja? - Michael!

 

Michael:    Hallo Mam.

 

Anni:         (süffisant) Ach, da schau an. DOCH so überrascht über den Besuch Deines Sohnes, Gesine?

 

Gesine:      (schaut wie Michael leicht genervt zu Anni herüber)

 

Michael:    Ja, ich bin´s. Können wir reden, Mam?

 

Gesine:      Natürlich. Komm rein. (kommt heraus, legt ihre Hand auf seine Schulter, schiebt ihn schon ins Haus)

 

Michael:    (ab ins Haus)

 

Anni:         Na, wenn DAS mal alles gut geht. Mir scheint, da ist einiges im Argen bei Euch.

 

Gesine:      (erbost) Ach, kümmer´ Du Dich doch um den Dreck vor Deiner eigenen Tür, Anni Pollmann. (zügig ab ins Haus, Tür zu)

 

Anni:         (allein, zunächst sehr empört) Also, das ist dann doch... das ist dann doch... (dann) Ja ja. Spuck Du nur große Töne, Gesine. Denn wer am lautesten schreit, wird am Ende die kleinsten Kartoffeln essen müssen. (zügig ab ins Haus, kurze Pause)

 

13. Szene

Heinrich:   (...und Susanne kommen von hinten rechts auf die Bühne.       Beide sind recht linkisch. Dementsprechend sieht auch ihre Kleidung aus. Heinrich mit Cord-Hose, welche zu kurz ist, Hut oder Mütze, kariertes Hemd o.a. - Susanne mit Kleid, Söckchen, evtl. Zöpfen, Brille o.a. - Beide tragen Wanderschuhe und je einen Rucksack auf dem Rücken, wirken etwas "geschafft". Nachdem sich beide beim Auftreten auf die Bühne kurz umgesehen haben:) Ja. Jaja, Susi. Hier ist es. Ich erkenne es wieder.

 

Susanne:    Ja? Aber hast Du nicht gesagt, dass es fast 20 Jahre her ist, als Du das letzte Mal hier warst?

 

Heinrich:   Jaaaa... da kannst Du mal sehen, was ich noch im Kopf hab´.

 

Susanne:    Ich bin stolz auf Dich, Heini. (grinst ihn dumm an) Hach, ich muss mich setzen. Ich bin total k.o. (setzt sich auf einen Gartenstuhl, reibt sich die Unterschenkel) So eine Pilcher-reise ist doch anstrengend, nicht wahr?!

 

Heinrich:   Ja, das ist das wohl. Aber das haben wir ja vorher gewusst, Susi. Wir wollten das doch beide, nicht wahr?!

 

Susanne:    Ja, wir wollten das beide. Und schön ist es ja auch, immer so zusammen - Du mit mir und ich mit Dir - so nebeneinander.

 

Heinrich:   (deutet auf Annis Haus) Das hier muss es sein. (geht hin, schaut auf die Klingel oder den Briefkasten) Pollmann. Na, was hab´ ich gesagt? (wirft sich in die Brust)

 

Susanne:    Heini - mein Held! - Ob sie auch da ist?

 

Heinrich:   Das werden wir gleich erfahren. (klingelt oder klopft)

 

14. Szene

Anni:         (öffnet, kommt heraus, etwas überrascht) Ja bitte?

 

Heinrich:   (legt den Rucksack ab, stellt diesen an die Hauswand ab, breitet die Arme aus) Tante Anni!!! (drückt sie dann heftig)

 

Anni:         (völlig überrumpelt, löst sich dann) Um Gottes Willen, wer sind Sie und... was soll das? Lassen Sie mich sofort los!

 

Heinrich:   Erkennst Du mich denn nicht mehr? Ich bin es: Heini Kästner.

 

Anni:         (dann) Heini?

 

Susanne:    (schaut dem folgenden Dialog belustigt zu)

 

Heinrich:   Mama ist deine Schwester.

 

Anni:         Heini - Du liebe Zeit - nach all den Jahren. Du warst noch ein Junge, als ich Dich das letzte Mal gesehen hab´.

 

Heinrich:   Ja, das war ich wohl.

 

Anni:         Aber Du meinst: Deine Mama WAR meine Schwester! Sie ist ja schon fast... Gott, wie lange ist sie jetzt schon tot?

 

Heinrich:   (weinerlich) Vor drei Wochen waren es genau 16 Jahre. (holt ein Taschetuch hervor)

 

Anni:         (tröstet ihn) Ja, ist ja gut. Ist schon lange her, Heini. Das Leben geht weiter. - Aber was machst Du hier und WAS ist das da? (deutet auf Susanne, die dann aufsteht und dazu kommt, reicht Anni die Hand)

 

Susanne:    Moin Frau Pollmann.

 

Anni:         Moin. (dann deutlich zu Heinrich, der immer noch weint) HEINI! Ist gut jetzt! Willst Du uns nicht vorstellen?

 

Heinrich:   (beruhigt sich sodann) Achso. Ja. Tante Anni - das ist Susanne. Susanne Lottmann. Aber alle sagen Susi zu ihr. Susi ist meine Verlobte.

 

Anni:         Deine Verlobte?

 

Susanne:    Ja. Schon seit 6 Jahren sind wir verlobt. Ja, das sind wir wohl.

 

Anni:         (zu Heinrich) Und sowas erfährt Deine Tante heute erst. Schäm Dich. (zu Susanne) Schön, Dich kennen zu lernen, Susi.

 

Heinrich:   Ich schick doch immer ´ne Weihnachtskarte. Hab´ ich das denn nie mal erwähnt?

 

Anni:         Nein, hast Du nicht. - Wenn ich Euch so nebeneinander betrachte - Ihr passt ganz gut zusammen, finde ich. (verdreht die Augen)

 

Susanne:    Hhmmm... finden wir auch. Nicht wahr, Heini?!

 

Heinrich:   Joah... hähä. (dann) Aber... aber... was Deine Frage angeht, Tante Anni - also diese Frage, was wir hier machen: Susi und ich machen eine Pilcherreise.

 

Anni:         Was macht ihr?

 

Susanne:    Eine Pilcherreise.

 

Heinrich:   Genau. Wir sind jetzt seit 13 Tagen unterwegs und haben bis jetzt... (holt sein Smartphone hervor, drückt und schaut darauf) 218 km geschafft.

 

Susanne:    Ja, wir sind schon ganz schön gepilchert.

 

Anni:         (belustigt) Ihr pilchert also, aha. Na ja. Warum nicht?! Aber - heißt es nicht pilgern?

 

Susanne:    Haha... Sie meinen wohl, wir sind ein bißchen blöd, was?! Wer hat denn wohl all die schönen Romane geschrieben? September, Karussell des Lebens, Wechselspiel der Liebe und so? Na?

 

Anni:         Äh, Rosamunde Pilcher?

 

Susanne:    Genau. Und diese Bücher wurden Millionenfach verkauft. Das heißt: Sie sind - was den Erfolg angeht - unglaublich lange und gut gelaufen. Wie heißt es also, was wir hier machen?

 

Anni:         (gibt auf) Äh... pilchern - Du hast völlig recht, Susanne.

 

Heinrich:   Mach Dir nix draus, Tante Anni. Du kannst ja nicht alles wissen.

 

Anni:         Genau. (dann) Aber - wenn ich mich in Erdkunde auch nicht so gut auskenne. Wenn ihr auf dem Weg nach Santiago de Compostela seid, dann lauft ihr in die falsche Richtung.

 

Heinrich:   Nee nee. Zum Kompost wollen wir ja gar nicht. Papa hat die Landwirtschaft schon vor Jahren aufgegeben.

 

Anni:         Hä?

 

Heinrich:   Wir laufen von Königslutter nach Eckernförde.

 

Susanne:    So ist es. Denn DA wohnt meine Schwester Kunnigunde. Und die wird 50 in 2 Wochen. Und dahin pilchern wir.

 

Heinrich:   Richtig. Und weil wir jede Nacht ja irgendwo unterkommen müssen, dachten wir, wir schlafen heute Nacht bei Dir.

 

Anni:         Ach, darum geht es.

 

Susanne:    Ist das wohl möglich, Frau Pollmann? Wir sind nämlich ganz schön müde. Und Heini sagte, dass er sich erinnert, dass Sie ein großes Haus mit vielen Zimmern haben.

 

Anni:         Natürlich ist das möglich. Kommt rein. (zu Susanne) Und Du nennst mich auch bitte Anni und sagst DU zu mir.

 

Susanne:    (knufft sie grob am Oberarm) Mach ich glatt, Tante Anni.

Anni:         Na dann rein mit Euch. Und dann will ich alles wissen über dieses pilchern. Weil - so richtig verstehen tue ich das nicht. (ab ins Haus)

 

Heinrich:   Was hab´ ich gesagt, Susi - meine Tante Anni wird uns nicht wegschicken, so wie es Maria und Josef vor ein paar Jahren ergangen ist.

 

Susanne:    Ja schön. Und genau wie Maria und Josef fühle ich mich manchmal mit Dir, Heini. Der Unterschied ist bloß, dass wir eine Herberge haben und wir nicht mit einem Esel unterwegs sind.

 

Heinrich:   Und das Du nicht schwanger bist.

 

Susanne:    Wer weiß - wer weiß? Hähä...

 

Heinrich:   (erschrocken) Susi - Du bist doch nicht...? Du meine Güte, was hab´ ich getan? Wir hatten doch erst 4 mal Sssex* in den 7 Jahren. (spricht das Wort mit "weichem" "S" aus)

 

Susanne:    Ja, weil Du das immer so anstrengend findest.

 

Heinrich:   Ist es ja auch.

 

Susanne:    Hab´ nur Spaß gemacht. Ich krieg´ kein Kind.

 

Heinrich:   Hach, dann ist ja gut. Das wär´ ja auch noch schöner, wenn Du auf unserer Pilcher-Reise noch entbinden musst.

Susanne:    Sicher nicht. So ´n Kind dauert ja 9 Monate, bis es fertig ist - und so lange pilchern wir ja sowieso nicht mehr, oder?

 

Heinrich:   Hast recht. Also ist alles gut. Na dann rein in Tante Annis gute Stube. (beide ins Haus abgehend, Heinrich nimmt seinen Rucksack nicht mit, kurze Pause)

 

Anni:         (deutlich von innen rufend) Füße abtreten nicht vergessen!

 

Beide:        (tun das, dann ab)

 

15. Szene

Michael:    (kommt zügig wütend aus dem Haus, ihm folgt sogleich Gesine) Ja, ich bin sauer. Und wie. Sicher haben Vater und Du das Recht, in Eurem Haus Zimmer zu vermieten. Aber es gibt 2 Dinge, die mich da sehr stören: Zunächst mal bin ich erst ein paar Monate weg; und dann hast Du mir bisher nicht ein Wort davon erzählt.

 

Gesine:      (ebenso erbost) Na, frag MICH mal, ob ich vielleicht auch sauer bin. Da wollen Dein Vater und ich nur das Allerbeste für Dich, helfen Dir finanziell und setzen alles daran, dass aus Dir etwas Vernünftiges wird - und was machst DU: Kommst nach einem halben Jahr hierher und hast nichts anderes zu berichten, als dass Du Dein Medizin-Studium abgebrochen hast.

Michael:    Kannst Du mir mal sagen, wo ich jetzt wohnen und pennen soll?

 

Gesine:      Kannst DU mir mal sagen, was Du jetzt beruflich vor hast?

 

Michael:    Ich kann also nicht wieder zurück in mein eigenes Zimmer?

 

Gesine:      Nein. Wie stellst Du Dir das denn vor? Ich kann doch Herrn Troll nicht sofort rauswerfen.

 

Michael:    Alles klar.

 

Gesine:      Und Du wirst das Studium nicht wieder aufnehmen?

 

Michael:    Nein. Es ist entschieden und basta.

 

Gesine:      Du hast keine Ahnung, wie Du mich enttäuscht.

 

Michael:    Das gebe ich gerne zurück. Und jetzt lass mich einen Moment allein.

 

Gesine:      Wie Du meinst. Ich muss diese schreckliche Botschaft eh erst verarbeiten. Und ich bin sehr gespannt, was Dein Vater dazu sagt. (zügig ab ins Haus)

 

 

 

16. Szene

Michael:    (allein, setzt sich wütend auf den Boden an die Hauswand, dann:) Scheiße Mann! (kurze Pause, dann kommt...)

 

17. Szene

Andreas:    (...langsam von hinten auf die Bühne. Er sieht aus, wie ein "typischer" Obdachloser. Er trägt recht abgenutzte Kleidung, einen offenen Mantel, darunter Pullover, dreckige Hose, kaputte Schuhe oder Stiefel, eine Strick-Mütze. Das lange Haar zottelig usw. Auch im Gesicht ist er leicht dreckig. Er hat einen alten Rucksack auf dem Rücken, sowie 3-4 prallgefüllte Plastiktüten in den Händen. Er geht dann zu Annis Haus, will gerade klopfen oder klingeln. Michael sieht er nicht)

 

Michael:    (sieht ihn zwar, beobachtet ihn, schweigt aber und bleibt sitzen)

 

Anni:         (öffnet spontan die Tür, noch bevor Andreas sich bemerkbar machen konnte, hat den Blick leicht gesenkt, weil sie Heinrichs Rucksack hereinholen wollte, hat Andreas zunächst nicht gesehen, erst als sie mit dem Rucksack hoch kommt, sieht sie ihn direkt vor sich stehen, furchtbar erschrocken) Aaaaah... (lässt vor Schreck den Rucksack fallen, Hände vor die Brust)

 

Andreas:    Oh mein Gott, entschuldigen Sie bitte. Ich wollte Sie auf gar keinen Fall erschrecken.

Anni:         (barsch) Haben Sie aber! Und wie!

 

Andreas:    Das hab´ ich wirklich nicht gewollt. Wenn Sie aber ein gesundes Herz haben, regt das den Kreislauf eher nur an - und das ist nicht unbedingt gesundheitsschädlich.

 

Anni:         Was ist das denn für ´n Spruch? Und wenn ich ein schwaches Herz hab´ wär´s jetzt vorbei mit mir, oder was?

 

Andreas:    (leicht erschrocken) Sie haben doch kein schwaches Herz, gnädige Frau, oder?

 

Anni:         Bis vor einer Minute noch nicht. Und das „gnädige“ macht Ihr Verhalten auch nicht wieder gut. (mustert ihn, geht einen Schritt zurück) Wer sind Sie überhaupt und was wollen Sie?

 

Andreas:    Berger ist mein Name. Andreas Berger.

 

Anni:         Berger. Ja und weiter? Sie sind kein Verwandter von mir - irgendein Sohn von einer Schwester oder Schwägerin, oder? Oder ein Bruder von Andrea Berg?

 

Andreas:    Wie? - Äh nein. Nicht das ich wüsste.

 

Anni:         Das beruhigt mich. Und? Was gibt´s?

 

Andreas:    Ihr Herz!

 

Anni:         Hä?

 

Andreas:    Es ist stark – Ihr Herz – aber auch ganz sicher besonders gutmütig. Das sehe ich Ihnen doch an. Und Sie sehen, dass es manchen Menschen weniger gut geht auf dieser Erde. Und deshalb möchte ich Sie um eine milde Gabe für einen hungrigen Mann ohne Obdach bitten. (hält die Hand offen)

 

Anni:         Das ist ja wohl nicht zu glauben. Jetzt laufen die Penner schon von Haus zu Haus. Sonst musste ich immer nur die Zeugen Jehovas und Zeitschriften-Verkäufer abwimmeln. Und jetzt DAS hier. Die Menschen werden ja wohl immer dreister. (sieht dann Michael auf dem Boden sitzen) Michael? Alles in Ordnung?

 

Michael:    (barsch) Nee. Nix ist in Ordnung. Hab´ kein Dach über´m Kopf.

 

Andreas:    (dreht sich zu ihm um) Ach, guten Tag. Ein Dach über´m Kopf hab´ ich auch nicht. Jetzt im Sommer ist das nicht so schlimm, draußen zu schlafen. Aber wenn erst die Wintermonate wieder kommen... Aber was erzähl´ ich Dir, Kollege, das weißt Du ja sicher ebenso gut wie ich.

 

Michael:    Äh... für mich ist das eigentlich neu. Aber die Situation ist dennoch großer Mist.

 

Andreas:    (recht klagend) Es gibt nur eins, was wir brauchen, mein Freund. Menschen mit Herz. Menschen, die noch teilen können. Menschen, die ihr Brot brechen und uns nicht unserem Schicksal überlassen.

 

Anni:         Ja ja. Nun bleiben Sie mal auf dem Teppich.

 

18. Szene

Dieter:       (kommt von hinten rechts mit 1 gefüllten Plastiktüte, sowie dem Korb, den er mitnahm, sehr überrascht) Michael? Was machst DU denn hier?

 

Michael:    (steht jetzt auf) Hallo Dad. Was ich hier mache? Gute Frage. Ich suche gerade nach irgendeiner Lösung.

 

Anni:         Ja, das tut er wohl. Sein eigen Fleisch und Blut so zu verstoßen, dass ich wirklich nicht die feine Art, Dieter.

 

Dieter:       Was? Hä? Wovon redest Du, Anni?

 

19. Szene

Gesine:      (kommt zügig aus dem Haus, zu Dieter) Ach, da bist Du ja wieder.

 

Dieter:       Gesine, was ist hier los? Und was redet Anni da, von wegen: Das eigene Fleisch und Blut verstoßen?

 

Gesine:      DEIN Herr Sohn hat mal eben sein Studium abgebrochen. Und jetzt hat er noch die Frechheit, hier laut zu werden, weil sein Zimmer für ihn nicht mehr zur Verfügung steht.

 

Dieter:       Ach...

 

Gesine:      Das konnte ja nun wirklich keiner ahnen. Immerhin waren wir auf 12 Semester eingestellt.

 

20. Szene

Joachim:    (kommt wieder von hinten auf die Bühne, schließt die Tür zu seiner Wohnung auf, währenddessen kurz zu den Anwesenden) Guten Tag.

 

Michael:    (erbost) Ach, DER wohnt jetzt also in meiner Bude, ja?!

 

Anni:         Ja, das tut er wohl.

 

Joachim:    Wie bitte?

 

Michael:    (geht zu ihm, fast drohend) Das hier war immer MEIN Zimmer, nur damit Sie es mal wissen. Und nur weil ich mein Studium nicht fortführe, heißt das noch lange nicht, dass SIE das Recht haben, sich hier breit zu machen.

 

Gesine:      Michael! Jetzt ist es aber gut. Du kannst doch den Herrn Troll nicht so anfahren.

21. Szene

Heinrich:   (kommt gefolgt von Susanne aus dem Haus) Ist hier irgendwas nicht in Ordnung? Können wir helfen, Tante Anni?

 

Andreas:    (deutet auf Gesine und Dieter) Diese Menschen da haben kein Herz; das spüre ich.

 

Susanne:    Aber Tante Anni hat ein Herz. Sie ist die Beste.

 

Alle:          (im Chor, außer Anni) Ach ja?

 

Anni:         Wenn ihr das sagt.

 

Gesine:      (zu Dieter) Dieter! Wir müssen jetzt auch mal hart sein. Wir haben alles für Michael getan. Und er enttäuscht uns nur. Da können wir ihm zur Belohnung nicht einfach sein Zimmer zurück geben und Herrn Troll fort schicken. (deutet auf Andreas, Susanne und Heinrich) Und wer sind eigentlich die da?

 

Dieter:       Keine Ahnung.

 

Joachim:    Sie wollen mich rauswerfen?

 

Gesine:      (und Dieter gemeinsam) Aber nein!

 

Gesine:      (süffisant) Es sei denn, Sie ziehen doch eher als geplant zu Maria Schäfer.

 

Joachim:    (und Dieter gemeinsam) Bitte?

Gesine:      Ja, ich hörte, dass Sie und Maria zusammen ziehen wollen. (schaut Anni dabei an, die sich leicht verschämt abwendet)

 

Joachim:    Davon kann gar keine Rede sein.

 

Heinrich:   Tante Anni - Du hast doch ein so großes Herz. Mama sagte das auch immer. Nun mach doch was, damit das hier aufhört.

 

Anni:         Ja also...

 

Gesine:      Ja genau, Anni Pollmann. (verschränkt die Arme) Du weißt doch immer alles und hast immer eine Lösung und Erklärung parat. Jetzt zeig´ uns mal, was Du kannst. Na?

 

Anni:         (holt tief Luft, dann) Na gut. Ihr habt es so gewollt. (Pause, dann deutlich und stolz) Michael - selbstverständlich kannst Du bei mir wohnen, wenn Du willst, bis sich eine Lösung gefunden hat!

 

Michael:    Oh geil. (geht schon mit seinem Rucksack auf die Seite von Annis Haus)

 

Gesine:      Hä? Das kannst Du doch nicht machen. SO hab´ ich das doch gar nicht gemeint.

 

Dieter:       Das kommt überhaupt nicht in Frage!

 

Susanne:    Warum denn nicht?

 

Michael:    Ja, warum denn nicht?! DIE hat zumindest noch ein Gewissen.

 

Anni:         (stolz) Richtig! Also, hinein in meine gute Stube. Ist Platz genug für alle. Aber bitte die Füße abtreten.

 

Gesine:      Anni Pollmann. Du kannst doch unseren Sohn nicht bei Dir wohnen lassen. Hier geht es ums Prinzip.

 

Anni:         Ein Prinzip hab´ ich nicht. Ich war letzte Woche erst beim Arzt. Es war alles in Ordnung.

 

Heinrich:   (Susanne und Michael schon ab in Annis Haus. Anni will auch schon hinterher gehen, als...)

 

22. Szene

Andreas:    (…enttäuscht fragt, schon leicht weinerlich) Und was ist mit mir? Ich... ich hab´ doch auch keinen Schlafplatz. Und es wurde auch noch Gewitter angekündigt. Und Hunger hab´ ich auch.

 

Anni:         (seufzt) Na gut. Auf einen mehr oder weniger kommt es jetzt auch nicht mehr an.

 

Andreas:    Oh danke. (schnell ab ins Haus)

 

Anni:         Was hab´ ich gesagt?! Füüüüße abtreten!

 

Andreas:    (kommt nochmal zurück, tut dieses recht übertrieben, dann wieder ab)

 

23. Szene

Gesine:      Du bist ja völlig durchgedreht, Anni Pollmann. Drei Kerle nimmst Du auf - und dazu noch eine junge Frau. Ist das jetzt so eine Art Hotten-Totten-WG oder was?

 

Anni:         (mit stolzer Brust) Nein. Ich zeige nur mein Herz und kehre gerade den Dreck vor meiner eigenen Tür, so wie Du es mir vorhin noch geraten hast. Kannst Dir mal ´ne Scheibe von abschneiden, Gesine Hansen. Oder von mir aus auch zwei! (erhobenen Hauptes ab ins Haus)

 

Gesine:      (Dieter und Joachim schauen sich verblüfft an, dann donnert und blitzt es stark im Hintergrund, beide erschrocken, darin fällt schnell der Vorhang, besser ist Blackout – und dann Vorhang, Ende des 1. Akts)

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Zweiter Akt

 

                  (Der selbe Tag, am Abend. Wenn der Vorhang sich öffnet, sitzen Heinrich und Susanne nebeneinander vor Annis Haus auf 2 Gartenstühlen oder auf einer Gartenbank mit Blick zum Publikum. Beide schauen in den Himmel und entspannen sich)

 

1. Szene

Susanne:    Boah, ich bin richtig voll, Heini.

 

Heinrich:   Ja, ich auch. Wann haben wir auch zuletzt abends warm gegessen? Und dazu noch so ein üppiges Menü.

 

Susanne:    Deine Tante Anni ist echt ´ne Wucht. Wenn wir nicht pilchern würden, könnt´ ich mir gut vorstellen, hier Urlaub zu machen.

 

Heinrich:   Wir haben doch Zeit, Susi. Bis nach Eckernförde ist es ja nicht mehr so weit. Wenn Tante Anni nichts dagegen hat, dann bleiben wir ein paar Tage hier.

 

Susanne:    (lehnt sich an seine Schulter) Hauptsache wir kommen rechtzeitig zu Kunnigundes Geburtstag an, mein Kaninchen.

 

Heinrich:   Richtig, mein Gänseblümchen.

 

Susanne:    Das große Bett hier ist auch toll, nicht wahr?!

 

Heinrich:   (ahnt etwas, unsicher) Hhhmm...

 

Susanne:    Man sollte echt mal darüber nachdenken, ob man nicht wieder mal Sssex* haben sollte. *(mit weichem "S")

 

Heinrich:   Ich hab´s geahnt.

 

Susanne:    Nach dem guten Essen hast Du doch jetzt genug Kraft dafür, oder?

 

Heinrich:   Mal sehen. Wir können ja später nochmal darüber nachdenken. (schaut auf die Uhr) Ist ja auch noch ein bißchen früh für´s "ins Bett gehen", nicht?!

 

Susanne:    (ein bißchen enttäuscht) Na gut - wie Du meinst, mein Böckchen.      

 

2. Szene

Anni:         (kommt aus dem Haus, Tür bleibt offen, ein bißchen stolz auf sich) Ich sag´s ja immer: Kleider machen Leute. (spricht zur offenen Tür hin) Na, nun kommen Sie schon und zeigen Sie sich, Herr Berger. Nur Mut. (in irgendeiner ihrer Taschen hat sie den Schlüssel für ihren Briefkasten)

 

3. Szene

Andreas:    (kommt aus dem Haus. Er trägt jetzt einen Anzug, der ihm zu klein und zu eng ist, sowie Hemd, Krawatte, andere Schuhe. Das Haar ist frisiert liegt recht "platt" am Kopf. Er fühlt sich sichtbar etwas unwohl)

 

Susanne:    Wow. Guck mal, Heini - mit Herrn Berger hat sowas wie eine kleine Verwandlung stattgefunden.

 

Heinrich:   Na, das kann man laut sagen.

 

Anni:         Jaaaa... ein schönes heißes Bad, der schicke Anzug von meinem verstorbenen Alfred, und unser Herr Berger sieht aus wie ein Gentleman. (lauter, zu Hansens Haus hin sprechend:) Was ich nicht alles für Menschen tue, die ein wenig Hilfe brauchen, nicht?!

 

Andreas:    Das ist wirklich überaus freundlich von Ihnen, Frau Pollmann. Aber mir scheint, Ihr Mann war wohl eher ein kleines, dünnes Würstchen, nicht?!

 

Anni:         Jaaa, mag sein. Aber heutzutage spielt das doch keine Rolle mehr, bei der verrückten Mode in dieser Zeit. Schauen Sie sich doch nur die Modelle auf dem Katzenweg an.

 

Andreas:    Katzenweg?

 

Heinrich:   Tante Anni meint Catwalk.

 

Anni:         Genau das.

 

Heinrich:   Ein amerikanischer Ausdruck für Laufsteg.

Susanne:    (beeindruckt) Boah, Du bist so schlau, Heini.

 

Heinrich:   (stolz) Ja, das bin ich wohl.

 

Susanne:    Könnte doch nur ein kleines bißchen von Deinem schlauen Köpfen hin und wieder in Deine Lenden wandern.

 

Heinrich:   (erschrocken) Was?

 

Anni:         (räuspert sich, dann:) Auf dem Katzenweg haben die jungen Dinger zumindest auch immer Sachen an, da fragt man sich doch: Hat sie jetzt beim Anziehen etwas vergessen?

 

Andreas:    Na ja... Danke, Frau Pollmann.

 

Anni:         Ja, ich geb´s ja zu. Ist ein bißchen klein, der Anzug. Aber sauber ist er. Und bis ich Ihre alten Klamotten gewaschen und getrocknet habe, sehen Sie hiermit besser aus als nackt.

 

Susanne:    Wer kann das schon genau beurteilen? Hähä...

 

Heinrich:   Susi, Du solltest Dich manchmal besser ein klein wenig zurück halten.

 

Anni:         Wir können uns ja gleich noch ein bißchen unterhalten. Jetzt muss ich aber erst noch die Zimmer für Herrn Berger und für Michael herrichten.

 

Susanne:    Wo ist Michael eigentlich?

Anni:         Der steht wohl noch unter der Dusche.

 

Susanne:    (ganz begeistert) UND IST NACKIG ???

 

Heinrich:   (empört) SUSI !!!

 

Susanne:    Ist ja gut, mein Bärchen.

 

Anni:         (belustigt) Ich werd´ ihn mal besser vor Dir warnen Susanne, falls er noch textilfrei sein sollte. (wieder lauter sprechend und zu Hansens herüberschauend) So, dann will ich mich mal intensiv um den armen, obdachlosen Michael Hansen kümmern. Seine Eltern haben ihn ja verstoßen, diesen armen Kerl. (holt den Schlüssel hervor, öffnet den Brief-kasten. In diesem sind mehrere Briefe)

 

Andreas:    (währenddessen) Aber... aber morgen früh kann ich meine eigene Kleidung doch wieder anziehen, oder?

 

Anni:         Bestimmt. - Nun schaut Euch das an. Jetzt ist DOCH noch Post gekommen. Nicht zu fassen. (mit ihrer Post ab ins Haus)

 

4. Szene

Andreas:    (deutet auf einen weiteren Stuhl oder auf die Gartenbank) Ich darf doch?

 

Heinrich:   (und Susanne gleichzeitig) Aber sicher doch!

 

Susanne:    Wir wohnen doch jetzt alle zusammen hier und sind sowas wie Freunde, nicht wahr?! - Sie ist echt toll, Tante Anni, nicht?!

 

Andreas:    Ja, selten trifft man auf solche freundlichen Menschen. - Und ihr zwei pilgert, ja?

 

Susanne:    (und Heinrich gleichzeitig korregierend:) Wir pilchern!

 

Andreas:    Ah-ja.

 

Susanne:    Und Du bist am odachlosen?

 

Andreas:    Äh - ja. Ich bin sozusagen am obdachlosen.

 

Heinrich:   Da hast Du heute aber verdammt viel Glück gehabt, dass Du hier auf Tante Anni gestoßen bist. Ohne Dach wäre es heute Vormittag bei dem schweren Gewitter sicher sehr übel für Dich geworden.

 

Andreas:    Das kann man wohl sagen. Aber... na ja... da ist noch was anderes.

 

Susanne:    Ja?

 

Andreas:    Ich bin nicht ganz zufällig hier.

 

Susanne:    Hä? Verstehst Du das, Heini?

 

Heinrich:   Andreas wird uns sicher gleich aufklären.

 

Susanne:    (grinsend) Uns aufklären - hähä... geil. Sind wir doch schon.

 

Heinrich:   Susi - bitte!

 

Andreas:    Das muss aber unter uns bleiben!

 

Susanne:    Klar doch. Nicht wahr, Heini?!

 

Andreas:    Ihr seht ja selbst, dass es das Schicksal nicht so gut mit mir meint. Und vor ein paar Monaten da lief es gar nicht gut bei mir. Ich konnte so gut wie nix erbetteln und war fast am Ende.

 

Heinrich:   Das muss bitter sein.

 

Andreas:    Wer´s nicht selbst erlebt hat, hat kaum eine Vorstellung davon. Na ja, ich hab´ dann eben Scheiße gebaut und bin dafür 6 Monate ins Gefängnis gekommen.

 

Heinrich:   (ein wenig ängstlich) Oh, Du... Du... bist aber nicht gefährlich oder brutal oder sowas?

 

Andreas:    Ich kann noch nicht mal eine Fliege umbringen - mir geht es immer nur darum, den Hunger zu stillen und im Winter nicht zu erfrieren.

 

Susanne:    Dann war es für Dich also gar nicht so schlimm im Knast, wa?!

 

Andreas:    Ganz recht. So schlecht war es wirklich nicht.

                  Seit 10 Tagen bin ich jetzt wieder draußen. Aber ich hab´ da etwas gemacht, was nicht ganz in Ordnung ist. Jaaa... ich... also ich möchte endlich mal wieder eine Chance haben - und ich will auch Sozial-Leistungen. Ich hab´ das Leben auf der Strasse satt. Das könnt ihr doch verstehen, oder? Und... na ja... um mit dem Ganzen einen Anfang zu machen, habe ich bei meiner Entlassung einen Wohnsitz angeben.

 

Heinrich:   Aha. Und welchen?

 

Andreas:    Na, DIESEN hier. Die Adresse von Anni Pollmann.

 

Susanne:    W a s ???

 

Andreas:    Ja, sie muss das ja gar nicht erfahren. Ihr könnt doch schweigen, oder?

 

Heinrich:   Ja klar. Aber wie bist Du denn auf meine Tante gekommen?

 

Andreas:    Das war purer Zufall. Mein Zellengenosse Gustav und ich haben wahllos im Telefonbuch geblättert - und Anni Pollmann aus Langenhorn ist dabei ausgelost worden. Und deswegen dachte ich heute: WENN ich schon offiziell hier wohne, dann schau ich doch auch mal vorbei. Und jetzt lässt die Gute mich hier wirklich eine Nacht unterkommen.

Heinrich:   DAS nennt man Schicksal!

 

Susanne:    Diese Geschichte ist voll krass, Andreas. Aber wir verstehen das. Es wäre schön, wenn Du durch diese kleine Lüge wieder einen neuen Anfang machen könntest. Nicht wahr, Heini?! Du kannst uns total vertrauen. Wir sagen kein Wort.

 

Heinrich:   Genau. Von UNS wird Tante Anni davon niemals etwas erfahren.

 

Andreas:    Hach, da bin ich aber beruhigt.

 

5. Szene

Anni:         (kommt in einer Mischung aus Empörung und Verwirrung mit einem Brief aus dem Haus) Sagt mal - ich bin doch noch nicht dement, oder?

 

Heinrich:   Wie kommst Du denn bloß darauf?

 

Anni:         Und meine Augen sind doch auch soweit in Ordnung, soviel ich weiß.

 

Andreas:    (freundlich) Das sind sie ganz bestimmt, Tante Anni.

 

Anni:         (deutlicher) Dann frag ich mich allerdings, wie ein Brief in meinem Kasten landet, auf dem draufsteht: An Herrn Andreas Berger, bei Anni Pollmann, Eichenstrasse 6 in Langenhorn.

Heinrich:   Oh...

 

Susanne:    Oh...

 

Andreas:    Oh...

 

Susanne:    Soweit zu der Sache mit "Sie wird niemals etwas davon erfahren". So ´n Scheiß!

 

Anni:         Sie wird niemals WOVON etwas erfahren? Herr Berger - Sie haben mir nicht vielleicht etwas zu sagen?

 

Andreas:    (eingeschüchtert) Ja, also... wissen Sie... das... das konnte ich ja nun auch nicht ahnen, dass ich Post bekomme. Vor allem frag ich mich: Wer schreibt mir denn? Mir hat ja seit Jahren niemand mehr geschrieben. Wie denn auch, wenn man keine feste Bleibe hat?

 

Anni:         (deutlich) Herr Berger - ich kenne Sie noch keine 12 Stunden und dennoch ist schon Post für Sie in meinem Briefkasten?! Wie erklären Sie mir das?

 

Andreas:    (steht auf) Bitte beruhigen Sie sich. Ich werde Ihnen alles erklären. Unter vier Augen, wenn es Ihnen recht ist.

 

Anni:         (barsch) Ja, das ist mir sogar SEHR recht. (deutet zur Tür) Bitte - nach mir. (geht ins Haus, Andreas - ertappt – hinterher; Anni von innen: Und Füsse abtreten! (Andreas tut dies, dann ab; Tür zu)

 

6. Szene

Susanne:    Ach menno - hoffentlich macht Tante Anni ihm jetzt nicht den Himmel kalt.

 

Heinrich:   "Die Hölle heiß", Susanne. Es heißt: Die Hölle heiß.

 

Susanne:    Hähä... ich weiß. Ich wollt´ Dich nur testen.

 

7. Szene

Gesine:      (...und Dieter kommen aus dem Haus, sehen die beiden vor Annis Haus sitzen) Ach Gott, nun haben wir auch noch Zuhörer, Dieter. Das ist mir ja SO schon peinlich genug. Mach doch was!

 

Susanne:    (...und Heinrich gemeinsam und etwas dümmlich grinsend) Guten Abend!

 

Dieter:       (...und Gesine gehen dann langsam zu Annis Haus herüber, eher kurz) Guten Abend. (dann zu Gesine) Du hättest Michael doch auch anrufen oder ´ne SMS schicken können.

 

Gesine:      Das hab´ ich, Du Schlaftüte. Mindestens 20 mal. Wenn er aber doch nicht reagiert und nicht ran geht...

 

Dieter:       Hhhmmm...

 

Heinrich:   Ein wunderschöner Sommerabend, nicht wahr?!

 

Susanne:    Vor allem nach dem schweren Gewitter heute vormittag.

 

Gesine:      Was? Äh... ja ja. So ist es.

 

Dieter:       Das Wetter läd direkt zu einem Abendspaziergang ein; ist es nicht so?!

 

Susanne:    Ach, Sie wollen spazieren gehen? Das ist eine tolle Idee. Nicht wahr, Heini?!

 

Dieter:       Nein, WIR nicht. Ich dachte eher, dass SIE vielleicht...

 

Heinrich:   Wir dürfen uns nicht so viel bewegen jetzt. Hatten gerade erst richtig gutes Abendessen. Und das muss jetzt ruhen in unserem Bauch.

 

Gesine:      Na toll. Na dann... (geht dann etwas unsicher mit Dieter direkt zu Annis Tür, klingelt oder klopft)

 

Susanne:    (und Heinrich beobachten die folgenden Szenen belustigt und hören zu)

 

8. Szene

Anni:         (öffnet nach einer kurzen Pause) Ja? (kommt dann vor die Tür, dann leicht überheblich) Ach, das Ehepaar Hansen. Guten Abend. Was auch immer mir die Ehre verschaffen sollte; ich habe jetzt gerade keine, um nicht zu sagen: sowas von absolut gar keine Zeit für ein kleines Schwätzchen. Ich befinde mich soeben in einem sehr wichtigen Meeting. Schauen Sie doch bitte ein andermal wieder vorbei, ja?! Oder besser noch: Melden Sie sich doch an. (geht wieder rein, knallt den beiden die Tür vor der Nase zu)

 

9. Szene

Gesine:      Anni, so warte doch.

 

Dieter:       Anni! Wir wollen doch nur kurz mit Michael reden.

 

Gesine:      Schlägt die uns einfach die Tür vor der Nase zu. In einem Meeting befindet sie sich - wo hat sie das Wort nur her? Und sie hat SIE zu uns gesagt. Ist sie jetzt völlig übergeschnappt? Die hält unseren Sohn bei sich gefangen.

 

Susanne:    Genau! Und zwar nackig!

 

Gesine:      Was?

 

Dieter:       Gesine, ruf ihn doch nochmal an.

 

Gesine:      Ja. (holt ihr Smartphone hervor, tippt bzw. schiebt darauf, dann das Gerät ans Ohr. Währenddessen:)

 

Dieter:       Das wäre alles gar nicht nötig gewesen. Wenn ich darüber nachdenke, war es ja wohl wirklich ein wenig vorschnell, Michaels Zimmer so rasch zu vermieten. Und DU hast das damals einfach bestimmt, Gesine.

 

Gesine:      (lässt das Smartphone sinken) Ich glaub´ es geht los, Dieter Hansen! Wie redest Du denn mit mir?

 

Dieter:       So, wie es schon längst mal nötig war. Wir brauchen das Geld doch gar nicht. Die Miete von Herrn Troll geht nur für Deinen technischen Kram drauf. Notebooks, Tablets, Smartphones - Hauptsache, Du hast immer das Beste und Neueste. Was soll das nur?

 

Gesine:      Man muss mit der Zeit gehen. Und dazu gehören diese Geräte nun mal. (hat erneut auf dem Smartphone getippt, hält das Gerät ans Ohr, wartet)

 

Dieter:       Und Deines Erachtens ist es auch modern, wenn das eigene Fleisch und Blut bei einer Nachbarin schlafen muss?

 

Gesine:      (kleinlaut) Nein... oh Gott, das darf auf gar keinen Fall passieren. Wenn Michael hier wirklich übernachten sollte, schludert Anni Pollmann das spätestens Morgen nach dem Frühstück durch ganz Norddeutschland. Dann sind wir erledigt. - Warum geht er denn auch nicht an sein Handy?

 

Dieter:       (geht schon zurück zur eigenen Haustür) Schick ihm eine SMS, dass er Geld von uns bekommt für ein Hotel. Morgen lassen wir uns dann etwas Neues einfallen. Aber eins steht schon jetzt für mich fest: Der Troll muss hier raus bei uns! Und damit ist das Thema für mich heute erledigt. (wütend ab ins Haus)

 

Gesine:      (tippt auf dem Gerät herum, geht Dieter dann aber doch schnell hinterher) Ja aber, Herr Troll hat doch einen Mietvertrag. Dieter - Dieter, so geht das nicht. Jetzt rede doch mit mir. (auch ab ins Haus)

 

10. Szene

Susanne:    (und Heinrich schauen sich an) Du Heini?!

 

Heinrich:   Ja Susi?

 

Susanne:    Ist viel schöner, wenn man sich immer einig ist, nicht?! Ist ja viel harmonischer so miteinander.

 

Heinrich:   Das ist wahr.

 

Susanne:    Versprichst Du mir, dass wir beide uns nie streiten und uns immer einig sind?

 

Heinrich:   Das hoffe ich.

 

Susanne:    Und wenn Du mal anderer Meinung bist, dann bin ich das eben auch. Wenn man die gleichen Interessen hat und sich lieb hat, gibt es ja auch gar keinen Grund sich zu streiten, nicht?!

 

Heinrich:   Hhmmm... stimmt wohl.

 

Susanne:    Und wenn man sich doch mal nicht so ganz grün ist, dann muss man eben Kompressen machen.

 

Heinrich:   Kompromisse, Susanne.

 

Susanne:    Genau, das auch. Ich meine damit, wenn einer von uns beiden einen Wunsch hat, und der andere das eigentlich nicht so gerne möchte, dann muss man auch mal in den sauren Apfel beißen und es trotzdem tun und sich anpassen.

 

 

 

 

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