Lange danach gesucht - auf Ibiza 2012 endlich gefunden
Musiker gesucht

„Een schöön´rer Dood bi Abendroth“

 

(niederdeutsche Fassung)

 

 

groteske Komödie in 3 Akten

 

von

 

Helmut Schmidt

 

 

Inhalt: Die recht barsche, aber sehr geschäftstüchtige Andrea Abendroth führt eines der renommiertesten Bestattungsunternehmen in der Kleinstadt Neuensiel. Zumindest sieht Andrea ihren Betrieb selbst als bestes und erstes Haus am Platz. Zu Andreas Leidwesen arbeitet ihre schon leicht verwirrte 70jährige Mutter Helene noch mit im diesem Familienunternehmen, die sich einfach nicht aus den Geschäften heraushalten kann. Andrea - jetzt schon über 40 Jahre alt - hatte bisher noch keine längere Beziehung zu einem Mann; somit sieht ihre Mutter die nächste Generation der Firma Abendroth gefährdet und lässt nichts unversucht, Andrea zu verkuppeln. Diese hat jedoch kaum Zeit für ein Privatleben und ist fortwährend damit beschäftigt, ihrem Konkurrenten Gottlieb Morgenthau die Kunden abzuwerben. Morgenthau ist ebenfalls Bestatter und unterbietet oftmals preislich Andreas Angebote bzgl. der Beisetzungen. Mutter Helene kann diesen Machtkampf nicht verstehen, weil sie zum einen keinen Nachkömmling für die Firma Abendroth sieht, dem es etwas nutzen könnte, und andererseits nicht begreift, warum die beiden sich das Leben gegenseitig so schwer machen. Der Sargträger Martin Horn und die neue russische Raumpflegerin Olga Iwankowa, machen Andrea durch ihre Ungeschicklichkeit weitere Sorgen. Dann tauchen plötzlich sogar Drogen bei Abendroth auf; und Olga berät nach eigenem Ermessen auch schon mal Kunden und nimmt nachts zusammen mit zwei weiteren Männern auf Friedhöfen Ausgrabungen vor. Andrea hat es dann satt, sich die Predigten ihrer beginnend dementen Mutter anzuhören und beginnt dann doch auf eigene Faust, sich nach einem Mann umzuschauen. Doch ihr erstes Blind Date ist eine einzige Katastrophe. Ist Andrea die Letzte der Firma Abendroth oder hat die nächste Generation nach ihr doch noch eine Chance?

 

 

Spieler: 5m/5w - 1 Bühnenbild - Bestattungsunternehmen

 

 

 

Andrea Abendroth                 - Bestatterin (ca. 40 Jahre)

 

Helene Abendroth                 - Andreas Mutter (ca. 70 J.)

 

Thorsten Roth                        - Mitarbeiter bei der Firma (ca. 40 Jahre)

 

Margarete Müller                    - Witwe, Kundin  (ca. 50 J.)

 

Tobias Müller                          - Margaretes Sohn (ca. 25 J.)

 

Friedrich Schmidt                  - Kunde (ca. 70 Jahre)

 

Gottlieb Morgenthau              - Bestatter (ca. 50 Jahre)

 

Olga Iwankowa                      - Russland-Deutsche - Raumpflegerin (ca. 25 J.)

 

Angela Gierse                         - Witwe, Kundin (ca. 60 Jahre)

 

Martin Horn                           - Sargträger (ca. 25-60 Jahre)

 

 

 

 

 

 

Bühnenbild:

 

Das Bühnenbild zeigt die Mischung eines Büros, Besprechungs – und Ausstellungsraums des Bestattungshauses Abendroth. Auf der linken Seite steht ein großer Schreibtisch mit Stuhl. Davor stehen zwei weitere Stühle für die Kunden. Auf dem Schreibtisch das Telefon (einfach und eher alt), Computer, Schreibutensilien u.a. Hinter dem Schreibtisch entweder Regal oder Schrank mit Aktenordnern, Bildbänden, Büchern. Hinten an der Wand ein Regal mit 2-3 Urnen und Vasen.  Rechts ein kleiner runder Tisch mit weiteren 2-3 Stühlen. Des weiteren hier und da einige Blumensträuße oder Gestecke; an den Wänden evtl. Bilder mit Sprüchen, Holzkreuze u.a. Alle weiteren Ausstattungen sind Ihrer Spielgruppe überlassen. Das Zimmer benötigt 2 Türen. Links führt eine Tür zum Flur nach draußen (zur Eingangstür des Bestattungsunternehmens), nach rechts führt eine zweite Tür zu den Privaträumen der Familie Abendroth.

 

 

Spielort: Kleinstadt mit Namen Neuensiel

 

Spielzeit: Mai/Juni in der Gegenwart

 

Spieldauer: ohne Pausen etwa 100 Minuten

 

 

Erster Akt

 

                  (Wenn der Vorhang sich öffnet, ist Olga damit beschäftigt, den Raum mit einem Staubwedel zu säubern. Irgendwo im Hintergrund stehen Eimer, Wischmopp u.a. Olga trägt T-Shirt und Hose, darüber eine bunte Kittelschürze. Sie ist gut gelaunt und singt während des Säuberns einen deutschen Schlager . Es ist ein Wochentag in den Vormittagsstunden) 

 

1. Szene

Olga:         (singt mit leicht russischem Akzent und auch mit leicht schiefen Tönen:) „Du hast mich 1000 mal belogen - Du hast mich 1000 mal verletzt - ich bin mit Dir so hoch geflogen, doch der Himmel war besetzt.“ (oder aber auch ein anderes bekanntes Lied. - Nach ca. 30 Sekunden kommt...)

 

Andrea:      (…von rechts herein. Sie trägt schwarze Garderobe, Hose oder Rock, Kostüm oder Kleid, dazu trägt sie auffallend schrille, farbige Schuhe oder Sandalen. Sie ist recht stark geschminkt. Macht einen sehr strengen, mürrischen Eindruck. Sie geht geradewegs durch den ganzen Raum auf den Schreibtisch zu und setzt sich mit viel Aufhebens und Stöhnen, rückt die Dinge auf dem Schreibtisch wieder zurecht. Erst jetzt nimmt sie bewusst Notiz von Olga) Olga, sükse fröhlich Schlagers hören sik woll nich för een Huus, so as wi dat sünd. Wi sünd immerhen dat best Huus an d´ Platz. Wenn Se man so good putzen kunnen as singen, dann deenen Se man blots half so veel Tied brüken un ik muss Se ok man half soveel betahlen.

 

Olga:         (kontert in gebrochenem Deutsch, wie im gesamten Stück) Und wenn SIE nur wären halb so schlecht gelaunt wie sollte sein, wäre Arbeit hier doppelt schön für Olga. (singt weiter. Entweder die 2. Strophe des Liedes oder nur Lalala...)

 

Andrea:     (fasst sich mit dem Fingern an die Stirn) Lang hol ik dat nich mehr ut. Worüm hett sik op uns Annonce vör 3 Weeken ok nich EEN Dütsken meld?

 

Olga:         Ich bin deutsch!

 

Andrea:     Och ja? Un nu kummt de Geschicht vun de Groodvadder un de Schäferhund? - EEN eenzigen annern harr sik doch noch melden kunnt.

 

Olga:         Wenn niemand sonst will arbeiten hier - Sie werden wohl weiter mit mir müssen auskommen. Ich kann nicht wissen warum hier niemand will sein. Vielleicht andere haben Angst vor Tod oder Raum hier, wo sind viele nicht mehr lebendig?

 

Andrea:     (herrisch) Och, holen Se doch dat Mundwark un putzen Se. Wat weeten SE denn al?! (widmet sich intensiv ihrer Arbeit am Computer)

 

2. Szene

Helene:      (kommt sodann von rechts dazu. Sie trägt ebenfalls schwarze und weiße Kleidung, ist in ihrer Art grundsätzlich sympathischer als Andrea, aufgrund ihres Alters aber hin und wieder schon etwas „zerstreut“ und vergesslich. Sie begrüßt als erstes Olga sehr freundlich, reicht ihr die Hand, streichelt ihr mit der anderen jovial über den Oberarm)* Fro Iwankowa, dat is ja schöön, dat ik Se seh. Een schöönen gooden Dag. Un? Allns good? Komen Se good trecht hier bi uns? 

*(diese Begrüßungsgeste – Hand reichen und mit der anderen den Oberarm wohlwollend leicht streicheln ist eine Marotte von Mutter sowie Tochter)

 

Olga:         Vielen Dank, Frau Abendroth senior. Wären alle Menschen in diese Haus nett wie Sie, wäre sterben reinste Freude.

 

Helene:      (zwingt sich ein Lächeln ab) Hähähä…

 

Olga:         Und mit Putzen ich gebe Mühe mir. Ich hoffe Sie – und auch Frau Boss junior (deutet auf Andrea) sind zufrieden mit Arbeit von Olga.

                 

Andrea:     (räuspert sich, schaut nur kurz missbilligend auf, dann zu Helene) Och Mudder, wat is denn al wedder?

 

Helene:      (geht zu ihrer Tochter, Olga putzt derweil weiter) Kind!

 

Andrea:     (sehr betont): Segg – nich – alltied - Kind – to – mi!!! Wo faken schall ik Di dat noch seggen?

 

Helene:      Nu wees doch nich jümmers so gereizt - Kind. De Arbeid is hart hier bi uns. Un dat dat Dien Vadder - Gott hebb em selig - un mi nich vergönnt weer, dat Du een Broder hest, de hier mit anfaat - dorför kann ja blots de leev Herrgott wat. Ik help Di so good ik kann. Ik hebb Herrn Oppermann vörhen anropen un em de Columbus-Sarg empfohlen. He nimmt nu DE för sien Fro.

 

Andrea:     Ik hör woll nich recht. Herr Oppermann harr sik dat Modell "Ewigkeit" utsöcht. Bi de Sarg is uns Gewinnspanne veel hoger.

 

Helene:      Aver dat Modell "Ewigkeit" is ok veel dürer. Un Herr Oppermann hett dat nich so dick, Kind. Daar versteihst Du doch seker mien Hanneln, nich wohr?!

 

Andrea:     Nee, dat verstah ik nich! Misch Di nich jümmers negativ in uns Bedriev in! Dat Modell "Columbus" kann al siet 2 Johren nich mehr leevert warrn.

 

Helene:      Och nee? Oh - dat hebb ik nich wüsst. Wat maak wi denn nu?

 

Andrea:     (steht auf, fasst ihre Mutter an die Oberarme, nun aber eher liebevoll) Mudder, ik hebb Di leev - un ik bün blied, dat dat Di gifft. Aver overlaat de Geschäfte bitte mi.

 

Helene:      Ik hebb dat blots good meent. Ik rop de Herr Cloppenburg glieks an un vertell em vun dat Malör.

 

Andrea:     Bitte? Well hest Du denn nu anropen? Herrn Oppermann off Herrn Cloppenburg?

 

Helene:      (überlegt) Hhmmm... ach, wenn ik dat doch blots noch wüss.

 

Andrea:     Mudder, Du brengst mi noch to ´n Vertwiefeln.

 

Helene:      Anner Dochters weern ehr Mudders dankbor. Aver ik weet al Bescheed, worüm Du jümmers so grantich büst.

Andrea:     Mudder - wat schall düsse ewig Leier nu wedder?

 

Helene:      Ik will Di doch dormit blots seggen, dat ik dat good verstahn kann, wenn Di dat hier allns toveel ward un Di männichmaal de Nerven dörchgahnt. Kind, noch hest Du mi - aver well weet, wolang noch. Un dorüm is dat doch würklich dat Best, wenn...

 

Andrea:     (unterbricht sie genervt) IK KANN DAT NICH MEHR HÖREN! Mudder bitte! Ik komm heel good klor hier. Wenn Du to´n 500sten Maal dorup anspeelst, dat ik endlich een Keerl brük, dann verschon mi dormit. Dat hett even bitlang nich sien schullt - un nu much ik nix mehr hören!

 

Helene:      Aver Dien biologisch Uhr tickt. Du büst al over 40. Du schullst doch ok al an de komend Generation denken. Un wenn Du noch Kinner hebben wullt... Du weest genau, dat sik dat alltied um Risiko-Schwangerschaften hannelt bi Fronslüüd over 40.

 

Olga:         Oh ja, ich kann nur bestätigen. Cousine von mir in Petrosawodsk war 43 und hat nochmal bekommen eine Baby. Und sie hat gelitten - und gelitten - und gelitten...

 

Andrea:     (barsch) Olga! Bitte gahnt Se na tegenan un maken daar erstmaal schoon! Op de Steh!

 

Olga:         Ja, Frau Abendroth. (beleidigt ab nach rechts)

 

3. Szene

Helene:      Nu fohr doch de good Olga nich so an, Kind. DE kann ja woll nix dorför, dat Du jümmers noch nich in fast Handen büst. Och, un wat schall ik denn to Middag koken hüüt?

 

Andrea:     Mudder - dat is mi egaal, wat Du kokst. Ik hebb nu glieks erstmaal een Termin mit Fro... (schaut in die Unterlagen auf dem Schreibtisch) Gierse.

 

Helene:      (mitfühlend) Gott, ja - de heel Stadt snackt dorvan. Ehr Mann is nie nich krank ween. Un dann plückt he blots een poor Appels vun d´ Boom vör sien Huus un fallt eenfach so dood vun de Ledder. Hartverseggen. Is dat nich gräsig, Kind?!

 

Andrea:     (weiterhin genervt) Ja, dat is dat. Aver Herr Gierse is nu maal nich mehr an ´t Leven un brükt ´n Bestattung. Un Fro Gierse kummt nu hierher un will sik informeeren. Of se uns Kundin ward, entschett sik dann glieks. Dorüm mutt ik nu allns geven un mi vörbereiten. Un dorto mutt ik nu alleen sien un mi konzentreeren, Mudder. - Also... (deutet nach rechts)

 

Helene:      (leicht pikiert zur rechten Tür gehend, dort bleibt sie stehen, dreht sich nochmal zu Andrea um) Herr Gierse is dood - un dat is bitter un tragisch. Aver Fro Gierse HARR tominst een Mann.

 

Andrea:     (warnend) M U D D E R!!!

 

Helene:      Ja ja, ik bün ja al still. (hat den Türgriff schon in der Hand, nach einer kleinen Pause) Viellicht schullst Du maal een beeten Sport maken. Joggen of Gymnastik. Dat kunn Di nich schaden. Ja, Dien Hüften sünd man bannig üppig. Dat mögen de Mannslüüd hüüt nich mehr, Kind.

 

Andrea:     (steht wütend auf, öffnet die Tür, "schiebt" ihre Mutter praktisch nach rechts hin ab, schließt die Tür. Fasst sich mit beiden Händen an die Schläfen) Ooooh.... ik KANN so eenfach nich arbeiden. (setzt sich wieder völlig genervt an den Schreibtisch)

 

Helene:      (öffnet nach einer kleinen Pause wieder die Tür, bleibt im Türrahmen stehen) Entschüldig, aver wat ik noch gor nich fragt hebb: Wat schall ik eentlik koken hüüt Middag för uns?

 

Andrea:     (gezwungen ruhiger) Jichenswat Mudder - maak Du man. Wat ok jümmers Du koken deihst - dat is lecker, dat weest Du doch.

 

Helene:      Aver Du seggst doch jümmers, dat Du Kohlrouladen nich verdragen kannst. (mit dem Kopf schüttelnd ab nach rechts, schließt die Tür)

 

4. Szene

                  (nach einer kleinen Pause klopft es an der Tür)

 

Andrea:     (steht auf, atmet ein paarmal tief ein und aus; dann an der Tür in einem mitleidigen Tonfall) Ja bitte.

 

Angela:      (kommt von links herein. Sie wirkt traurig, ist ganz in schwarz gekleidet, hat ein Taschentuch in der Hand, mit dem sie sich hin und wieder die Tränen abtupft) Gooden Dag.

 

Andrea:     (geht zu ihr, reicht ihr die Hand, streichelt mit der anderen ihren Oberarm) Fro Gierse. Mien oprichtig Beileid. (legt ihr noch fast den Kopf auf die Schulter, Oberarm) Dat is nich in Woorden to faten, wat Se nu dörchmaken un wat ok ik empfinden do. Bitte - nehmen Se doch Platz. (bietet ihr den Stuhl vor dem Schreibtisch an, schiebt den Stuhl zurück)

 

Angela:      (traurig) Danke. (setzt sich vor den Schreibtisch)

 

Andrea:     Fro Gierse, mien Woorden sünd heel seeker keen Trost för Se. Aver viellicht glöven Se doran, dat de Dood nich dat Lesd is. Un wi - dat Bestattungsunnernehmen Abendroth & Abendroth - warrn allns, wat Se sik blots denken könnt, dorför dohn, Ehrn Mann sien lesd Reis in de Ewigkeit so würdevull as mööglich to maken. (setzt sich auch wieder an den Schreibtisch)

 

Angela:      Danke. Dat hebbt Se bannig schöön utdrückt. Dat kummt allns so tomool. Daar ahnt man nix Böös, is mit dat Appelkumpott togang, un dann ward man vun een op de anner Minüte mit Dood, Beerdigung un Bestattern konfronteert un dat Mus is heelmaal unwichtig. Of man will of nich.

 

Andrea:     (leidet fast mehr als Angela, bei dem was sie sagt, steht leicht auf, beugt sich über den Schreibtisch) Se hebbt ja so recht, Fro Gierse. Aver glöven Se mi - hier bi Abendroth & Abendroth sünd Se un ok Ehr Ehemann in de best Handen. Wi kümmern uns um allns. Wi warrn Se allns so angenehm as mööglich gestalten un Ehr dormit ok een Deel vun Ehr Truur nehmen. Se weeten ja: Bi Abendroth daar liggt sik dat good.

 

Angela:      Dat hört sik schöön an, aver lebendig maken könnt Se mien Hubert ja ok wedder nich.

 

Andrea:     Nich heel - aver wi arbeiden doran. (schnell) Äh... ik meen - natürlik kann keen Minsk op düsse Welt Ehrn Verlust trüch brengen. Dennoch is Ehr Entscheedung, mit de Firma Abendroth & Abendroth düssen Weg to gahn, de recht, Fro Gierse. - Immerhen sünd wi dat erst Huus an d´ Platz.

 

Angela:      Ik... also... weeten Se... mien Mann un ik weern nich besünners riek. Un sport harren wi ok so good as nix. Ok um so ´n Verseekern hebbt wi uns nie nich Gedanken maakt. Worto ok? Well denkt denn al gern an de Dood? Na ja... un dorum much ik... nich dat mien Hubert dat nich verdeent harr - aver ik kann nich so heel veel betahlen för düsse Beerdigung.

 

Andrea:     Aver natürlik nich. Wi warrn heel seeker wat Priesgünstigs un dennoch dat Best finden; glöven Se mi.

 

Angela:      Ja danke. Dat hett de Herr Morgenthau ok al seggt.

 

Andrea:     (zunächst leicht barsch) Se weern ok al bi Morgenthau?

 

Angela:      Na ja, ik hebb mi docht, man verglickt maal de Priesen - wenn mi dat ok noch so swor fallt.

 

Andrea:     (redet zunächst weiterhin recht barsch mit ihr) Fro Gierse - ik bitt Se. Se harren doch nich na de Konkurrenz gahn musst, blots um Priesen to verglieken. Un Gottlieb Morgenthau - ik bitt Se nochmaal, de kann Ehr bi Ehrn tragischen Verlust doch nu würklich keen Trost beeden.

 

Angela:      Na ja, ik bün so alleen in düsse Saak. Un ok Herr Morgenthau hett meent, dat weer een Fehler, wenn ik mi noch bi anner Bestattern erkundigen de. HE weer de Best för mi, hett he seggt.

 

Andrea:     (steht auf, empört) Typisch. Dat is maal wedder afsluts typisch för düssen... düssen...

 

5. Szene

Gottlieb:    ("stürmt" ohne anzuklopfen von links herein, trägt schwarzen Anzug, weißes Oberhemd, schwarze Krawatte) Gooden Dag.

 

Andrea:     (wendet sich schnell ab) Kann ja woll nich wohr sien. Wenn man vun de Düvel snacken deiht. (geht dann zu ihm) Een gooden Dag is dat weder för mien Kundin Fro Gierse, noch för mi, Herr (ironisch) Kollege Morgenthau.

 

Angela:      Och Se? Hier? (steht auf)

 

Gottlieb:    Ja, Fro Gierse. Ik bün dat. Ik muss Ehr eenfach achteran lopen. Ik will doch nich, dat Se een grooden Fehler maken.

Andrea:     De Fehler - Herr Morgenthau - hebbt SE hier just maakt. Un zwar, indem Se eenfach - ohn, dat ik HEREIN seggt heebb, hier rinplatzen un mien Kundengespräch stören. Kennen Se dat Woord Pietät? Al maal wat vun hört? Hä?

 

Gottlieb:    (reagiert darauf gar nicht) Fro Gierse - Se kennen doch mien Angebot. Ik hebb Ehr versprooken, dat wi Ehr helpen. Se düren bi uns sogor in Raten betahlen, wenn dat för Se angenehmer is. Wichtig is doch blots, dat Se Ehrn Pien vullholen - un de nehm wi Ehr af. Wat maken Se also hier bi Abendroth?

 

Angela:      Ja, also... ik weet ok nich so genau. Ik wull doch eentlik blots...

 

Andrea:     Herr Morgenthau - Fro Gierse is freewillig to uns kommen. To uns - dat best Huus an d´ Platz. Un ik bün just dorbi, ehr uns Angebot to maken. Wenn Se uns also bitte UMGEHEND entschülligen muchen?! (deutet zur Tür)

 

Angela:      (steht jetzt verunsichert in der Mitte des Raumes. Im folgenden Dialog wird zwar Frau Gierse von den beiden angesprochen, sie selbst ist jedoch völlig unbeteiligt an dem Gespräch, hört den beiden verwirrt zu; schaut immer den an, der gerade spricht)

 

Gottlieb:    (reagiert nicht auf Andreas "Bitte") Nu wesen Se vernünftig. Kommen Se to uns, Fro Gierse. Immerhen is dat för Ehrn Mann de lesd Weg. Un daar düren Se dat Komfortabelste to ´n fairen Pries verwachten. Blots wi sünd good un ok günstig.

 

Andrea:     Good un günstig – dat ik nich lach. Dat gifft dat ja woll blost in ´n Supermarkt.

 

Gottlieb:    Na good – dann segg wi: Fair un dennoch preiswert – dat is dat Motto vun uns Huus – un Qualität dörv ok een beeten billiger sien.

 

Andrea:     Tsss… Billig – dat passt to em. Fro Gierse, Se wüllt doch dat Allerbeste för Ehrn verstürven Gatten. Un DAT kriegen Se blots bi uns. Denn as Se weeten: Wi sünd dat best Huus an d´ Platz.

 

Gottlieb:    Ha, best Huus? Lachhaft. Fro Gierse, bi uns ward de Sarg för Ehrn Mann mit reinster Sied utslahn.

 

Andrea:     Tja, aver daarunner is ok man blots blank Holt. Bi Abendroth & Abendroth liggt Ehr Mann op Samt – best Samt – daar liggt sik dat veel weeker un beeter.

 

Gottlieb:    WI hebbt ok Daunenküssen – weeker geiht dat nu würklich nich. Kommen Se to uns. Se kennen doch uns Motto: „Bestattungen Morgenthau – mit uns an Ihrer Seite.“

 

Andrea:     „Mit uns an Ihrer Seite?“ Daar stahnt Se bi de Konkurrenz aver heel alleen daar, Fro Gierse. Weeten Se: Bi Morgenthau - daar is nix echt“.

 

Gottlieb:    (regt sich auf) Oohh… wat denken Se sik eentlik?! Over Ehr Motto lacht ja de heel Stadt: „Bei uns liegen Sie richtig“. Pah… muss woll erde heeten: „Bei Abendroth da zahlst den Tod“ – aber WIE hoch?!

 

Andrea:     Wie hoch - äh - wo hoch? Tsss… umsünst is de Dood nargends. – Fro Gierse – hier geiht dat doch in erst Linie nich um de Pries. Wichtig is doch, dat Se un Ehr Mann sik bi uns wohlföhlen.

 

Gottlieb:    (einen Moment leicht verwirrt) Ja, DAT natürlik ok!

 

Andrea:     Bi uns ward Ehr Mann herricht, dat Se em sülmst nich wedder kennen.         

 

Gottlieb:    IK maak een Brad Pitt ut em.

 

Andrea:     Bi uns gifft dat ok George Cloonie!

 

Gottlieb:    Antonio Banderas!

 

Andrea:     David Beckam!

 

Angela:      (plötzlich) Aver mien Mann weer al 76.

 

Gottlieb:    Speelt keen Rull. Na, Fro Kollegin. Hebbt Se noch mehr to beeden?

 

Andrea:     Florian Silbereisen.

 

Angela:      Um Gottes Willen – blots DE nich!

 

Gottlieb:    Sebastian Schweinsteiger.

 

Andrea:     Mario Gomez.     

 

Gottlieb:    Jodie Foster.

 

Andrea:     Angelina Jolie.

 

Angela:      (plötzlich) Aver mien Keerl weer doch een Mann.

 

Andrea:     (und Gottlieb gleichzeitig): Dat maakt GOR nix. Dat krieg wi hen.

 

Angela:      (ironisch) Hebbt Se ok Peter Alexander? De hett mien Mann jümmers so bewunnert.

 

Andrea:     (und Gottlieb zusammen) Selbstverständlich!

 

Andrea:     Un sowat kost bi uns ok nich de Welt. Daar warrn wi uns al eenig.

 

Gottlieb:    Ik maak Ehr de kumplett Sanierung vun Ehrn Gatten för 500 Euro – egaal, wo ok jümmers he achteran utsehn schall.

 

Angela:      Sanierung?

 

Andrea:     (süffisant) Weern Ehr daar 400 nich leever, Fro Gierse?

 

Gottlieb:    300!

Andrea:     250 – aver dann is Schluss.

 

Gottlieb:    Dorför maak ik dat ok!

 

Andrea:     (und Gottlieb wieder gemeinsam) Fro Gierse – nu wesen Se doch vernünftig un kommen Se to UNS!!!

 

Angela:      (fast sich an den Kopf) Aaaaaaaaaah… (kurze Pause, dann) Dat is hier ja een Irrenhuus! Ik much mien Mann blots mit Respekt beerdigen. Un Se maaken dorut een Kirmes. Daar gah ik leever na Fischer un Söhne. (erhobenen Hauptes ab nach links)

 

Andrea:     (und Gottlieb stehen einen Moment perplex da, schauen sich an, schauen dann zur Tür, dann beide gemeinsam:) Fro Gierse, so töven Se doch. (beide ihr zügig nach links hinterher, sich gegenseitig an der Tür anrempelnd, ab, die Tür zu, kurze Pause)

 

6. Szene

Thorsten:   (kommt zügig und aufgebracht von rechts herein. Er trägt einen schwarzen Anzug, weißes Hemd, schwarze Krawatte, hat eine Mappe in der Hand, die er auf den Schreibtisch "knallt". Ihm folgt sofort...)

 

Martin:      (...ebenfalls in schwarzer Kleidung wie Thorsten. Martin ist in seiner Art recht linkisch und unsicher) Herr Roth - bitte, Herr Roth. Wo faken schall ik dat noch seggen? Mi deiht dat leed. Würklich. Deiht mi totol leed.

 

Thorsten:   Herr Horn - Se könnt froh sien, dat Fro Abendroth nich anwesend weer bi de Bisettung. De harrn wi glieks in ´n Krankenhuus of in een Sanatorium brengen kunnt.

 

Martin:      Se warrn ehr vun de Vörfall aver doch nix seggen? Ik brük düssen Job hier as Sarg-Drager bi Ehr. Mien Fro kann sied de Unfall ehrn Beruf nich mehr utöven. Un Se weeten doch ok, dat ik wegen mien Privat-Insolvenz nich soveel verdeenen dörv - also offiziell, meen ik. Un dorüm is düsse Job hier bi Abendroth...

 

Thorsten:   (steht hinter dem Schreibtisch, stützt sich mit geballten Händen auf diesen ab, unterbricht ihn) Verschonen Se mi bitte mi dat Gesülze vun Ehr Privatleven. Dat kenn wir hier nu würklich mittlerwiel all.

 

Martin:      Ja, Herr Roth.

 

Thorsten:   Ik kann dat jümmers noch nich glöven. 11 Johr arbeid ik nu hier bi Abendroth; un in düsse Tied gungen hier al so männig Sargdrager in un ut. Aver nüms - nüms hett bitlang dat Tau löslaten, wieldess de Sarg in ´t Graff runnerlaten ward.

 

Martin:      Dat is mi eenfach to de Hand utgleeden, Herr Roth.

 

Thorsten:   Erst knallt de verstürven Herr Pollmann mit de Sarg pulternd 3 Meter op de Grund, dann bölkt de heel Truurgemeend op - un to ´n Krönung springen Se ok noch mit in ´t Graff un holen dat Tau wedder rut. Un de Kollegen mussen Se dann noch mit veel Möh wedder ruttrecken. - Seggen Se maal - wat schull dat eenlik, dat Se daar noch runner sprungen sünd?

 

Martin:      Ik hebb docht... ik doch... ik kunn een beeten wedder good maken bi Herrn Pollmann.

 

Thorsten:   Kunnen Se aver NICH!

 

Martin:      Dat kummt bestimmt nich wedder vör. Ik verspreek dat. Hauptsaak, Se seggen Fro Abendroth nix.

 

                  (im Hintergrund hört man deutlich ein Martinshorn eines Krankenwagens am Haus vorbeifahren)

 

Thorsten:   Ik kann mien Mund holen, Herr Horn. - Seggen Se mol - Ehr Naam is doch Martin Horn, nich?

 

Martin:      (nickt)

 

Thorsten:   Dat is ja witzig. Seggen Se - wüllt Se nich nich ´n "S" kopen? Hähähä...

 

Martin:      Wat?

 

Thorsten:   Is nich so wichtig. Trüch to de Saak: Weeten Se, wenn düsse Vörfall dörch de Stadt geiht, un wenn man dann jichenswenher Fro Abendroth dorup ansnackt - tja, dann kann ik Se ok nich helpen.

 

Martin:      Gott bewohr, dat dat nich passeert. Aver falls doch, viellicht kunnen Se düsse Saak dann noch een lütt beeten entschärfen, also... ehr seggen, dat dat Tau natt weer of so, ik praktisch nix dorför kunn of sowat.

 

Thorsten:   Herr Horn, Ehr 25 Euro hebbt Se kreegen - so as all de anner 5 Dragers - wat passeert is, is passeert - wi warrn sehn, of dat noch Folgen hett, un nu gahnt Se doch eenfach na Huus hen.

 

Martin:      Ja. Ja, viellicht hebbt Se recht, Herr Roth. Man ik much Ehr nochmaal seggen, dat mi dat heel besüners leed deiht.

 

Thorsten:   Wenn Fro Abendroth good Luun hett... (ironisch) un dat hett se ja meestens, ward Se Ehr al nich de Kopp afrieten, falls se doch dorvun gewahr ward.

 

7. Szene

Helene:      (kommt von rechts wieder herein. Sie hat eine Tageszeitung in der Hand, und trägt eine "Urne"*, darauf klebt ein kleiner Zettel) Herr Roth - Herr Horn, Se sünd al trüch vun de Beerdigung?! Hett Pastor Kleinhuus nich so lang predigt hüüt? (gibt Martin die Hand)

 

                  *(Hinweis: Helene hat nur den mit Asche gefüllten Behälter dabei, so wie er aus dem Krematorium gebracht wurde. D.h. - es handelt sich um eine "Roh-Urne" in schwarzer Farbe. Dieser Behälter wird dann erst in die eigentliche "Schmuck-Urne" gestellt. Sie können dafür gerne eine leere größere Farbdose nehmen, die Sie schwarz streichen. Eine Farbdose hat zwar nicht das Original Format einer Urne - wird aber für das Theater somit "entschuldigt". Es ist unnötig für Ihre Gruppe, originale Urnen aus einem Krematorium leihweise zu besorgen für das Stück, weil die Urne in dieser Komödie vom Schreibtisch fallen muss, und Originale dann eh zerbrechen würden, weil diese aus Ton sind. Die "Urne", die Helene hineinträgt ist gefüllt mit Asche des verstorbenen Herrn Von der Wellen. Die Asche ist grau und ähnelt der von Grillkohle. Achten Sie darauf, dass der Deckel dieser Dose nur leicht verschlossen ist, so dass die Asche beim späteren Herunterfallen vom Schreibtisch auf den Boden auch sichtbar herausfällt.)

                 

Martin:      Gooden Dag, Fro Abendroth.

 

Thorsten:   Daar weern man blots 30 Truurlüüd. Do hett de Pastor woll entschett, dat 20 Minüten Truurreed genooch sünd. Un dat weer nich Pastor Kleinhuus, sondern Pfarrer Sundermann, de predigt hett.

 

Helene:      Ja ja, mach sien. Aver dat weer doch Herr Pollmann, de Se beerdigt hebbt, ja?! (stellt die Urne auf den Schreibtisch ab, direkt vor Andreas Schreibbereich; ebenso legt sie die Zeitung ab)

 

Thorsten:   (und Martin nicken)

 

Helene:      Och Gott, de Arme. Twee-eenhalf Johr schall de ja in ´t Krankenhuus legen hebben. Knakenkrebs. Is dat nich gräsig?! Ik glöv, wi hebbt gor keen Ahnung, wat düsse Mann utholen hett. Dat is woll beeter so, dat he nu bi uns leev Herrgott is, denk ik. Nu hett he keen Pien mehr. Schöön sanft, week un still liggt he nu in sien Sarg in sien lesd Ruhsteh.

 

Martin:      (kamen bei Hildegards Dialog schon die Tränen, dann weinerlich) Dat is ja nich uttoholen. Un Se denken, dat he bi de Beerdigung würklich gor nix mehr spürt hett?

 

Helene:      Wat snacken Se denn daar, Herr Horn? - Brullen Se?

 

Thorsten:   Herr Horn, bitte rieten Se sik nu tohoop!

 

Martin:      Ik meen ja man blots. Wenn he doch jümmers so ´n Pien in de Knaken harr, dann... dann...

 

Thorsten:   ...dann schull dat beeter bi de Beerdigung keen Komplikationen geven, dormit Herr Pollmann sik DANN nich nochmaal weh deiht.

 

Helene:      Ja, aver de gaff dat doch ok nich, oder?

 

Thorsten:   Nee nee - dat leep allns as an d´ Schnürchen. As jümmers, bi Abendroth & Abendroth.

 

Helene:      Dat mach ik hören.

 

Martin:      Oh Gott, oh Gott, oh Gott.

 

8. Szene

Andrea:     (kommt zügig von links wieder herein, geht während ihres Dialogs aufgebracht zum Schreibtisch, setzt sich, vergräbt das Gesicht in ihre Handflächen. Die Anwesenden nimmt sie zunächst erst gar nicht wahr) Eenfach nich to faten, wat düssen... düssen... Minsk sik erlauben deiht.

 

Thorsten:   (hat - wie Helene, schnell Platz gemacht, als Andrea hereinkam, deutet Martin gestisch, dass er verschwinden soll)

 

Martin:      (vorsichtig ab nach rechts. immer noch weinerlich)

 

9. Szene

Thorsten:   Fro Abendroth; jichenswat nich op Steh?

 

Helene:      Kind - allns good?

 

Andrea:     Gor nix is good mit dat KIND! Versaut de Morgenthau mi hier doch tatsächlik dat Geschäft mit Fro Gierse. Platzt hier eenfach rin un werbt mi uns Kundin af. Aver dat hett he nich umsünst dohn. Dat swör ik Di, Mudder. De schall blooden - utblooden laat ik em.

 

Thorsten:   Bedohren Se sik, Fro Abendroth. Wenn Fro Gierse sik erstmaal bi elkeen informeert hett, ward se seeker in heel Neuensiel hören, dat wi dat erst Huus an d´ Platz sünd un trüchkommen.

 

Andrea:     Nee, dat ward se nich. Se is just op de Patt na Fischer un Söhne.

 

Helene:      Hach, Du un düsse Morgenthau. Jümmers wedder raak ji annanner. Wat schall dat blots? Ji schullen jo as Kollegen un nich as Konkurrenten sehn.

 

Andrea:     Jaaaaaa... sowiet kummt dat noch, dat Gottlieb Morgenthau mien Kolleg ward. (sieht die Urne) Wat is dat hier?

 

Helene:      (stolz) Dat is Herr von der Wellen. De Urnenbestattung is för mörgen um 11 Ühr ansett.

 

Andrea:     Ja, dat weet ik. (streng zu Thorsten) Herr Roth, ik denk, Se arbeiden lang nooch in uns Firma, un Se schullen weeten, dat ik Urnen, de al füllt sünd, GOR nich gern op mien Schrievdisk seh. (stellt den Behälter ein Stück zur Seite)

 

Thorsten:   Dat deiht mi leed, Fro Abendroth, aver ik hebb...

 

Helene:      (unterbricht ihn) Nee nee, Kind. Herr Roth hett dormit nix to dohn. IK hebb dorför sörgt, dat Herr von der Wellen hierher kummt. He is just vun de jung Herr Kleist bröcht warrn. Frisch ut dat Krematorium.

 

Andrea:     (leicht verzweifelt) Mudder, wo faken schall ik Di noch seggen, dat de starvlik, verbrannt Overreste vun de verstürven Lüüd vun uns Mitarbeiter Herrn Roth vun dat Krematorium afholt warrn?!

 

Helene:      Ja, ik weet, Kind. Aver Herr Roth hett hier doch al genooch to dohn. Un de fründelke Herr Kleist freit sik jümmers, wenn ik em anroop un he wat brengen dörv.

 

Andrea:     Jaaaaa... wenn Du em dorför jümmers ördentlik wat tostoppst.

 

Helene:      Wat sünd al 30 Euro? He kann dat good brüken. Butendem is he noch nich in fast Handen. Schad, dat Du vörhin nich daar weerst. Dat is een bannig staatsken Mann – un he sücht besünners good ut. Un in ´t best Oller is he ok. Um nich to seggen: In ´t best heiratsfähig Oller.

 

Andrea:     Herr Roth - brengen Se mien Mudder bitte in de Köken?!

 

Thorsten:   Äh, ja seeker doch. (geht schon zur Tür)

 

Helene:      Maaken Se sik keen Müh, Herr Roth. Ik hebb al verstahn, wat mien Dochter seggen will. (deutet auf die Zeitung) Dat is übrigens de Zeitung vun hüüt. De Doodesanzeigen.

 

Andrea:     Ja un?

 

Helene:      Sünd 2 Fronslüüd dorbi hier ut uns Kuntrei. Beid erst um de 40 Johren old. Och Gott, de Armen. Mussen veel to fröh gahn. Dat Leven is doch männichmaal würklich ungerecht, nich?!

 

Andrea:     Un wieder?

 

Helene:      2 verstürven Fronslüüd um de 40 heet ok glieks wedder, dat dat daar nu 2 Witwer gifft in ´t sülfge Oller. Witwer, de nu alleen sünd un viellicht bold wedder een neij Fro brüken, Kind.

 

Andrea:     (steht auf, wütend) M U D D E R !!!

 

Thorsten:   (nimmt sie am Arm) Kommen Se, Fro Abendroth. (mit ihr ab nach rechts)

 

Helene:      (abgehend) Un noch wat anners: Wat schall ik eentlik koken hüüt Middag? (beide ab, Tür zu)

 

Andrea:     (nimmt den Hörer des Telefons, sucht in einem Notizbuch eine Nummer, tippt ein, wartet kurz, dann überaus freundlich und wieder sehr mitfühlend) Fro von der Wellen? Andrea Abendroth vun dat Bestattungsunnernehmen Abendroth & Abendroth. Ik much Ehr blots mitdeelen, dat de Urne mit Ehrn verstürven Mann nu bi uns in ´t Huus is. He sitt hier just tegen mi – op ´n Schrievdisk. (Pause) Äh… ik meen natürlik, he steiht hier – äh, de Aske, äh – also de Urne mit de Aske vun Ehrn Mann. (streichelt die Urne liebevoll) Un de Beerdigung - so as afsnackt - mörgen um 11 Ühr op de katholsk Karkhoff an d´ Reinkebarg. Ja, Herr Pfarrer Usenborg weet Bescheed. Um allns anner kümmer wi uns dann, ja?! (sehr mitfühlend, gedehnt sprechend:) Joooah... bit mörgen dann, Fro von der Wellen, nicht?! Un gröten Se Ehr Dochter heeeeeel leev vun mi. Jaha. Wiederhör´n. (drückt erneut eine Taste, beendet das Gespräch, notiert etwas in einem Buch, putzt sich dann etwas angewidert die Hände ab, dann schaut sie auf die Uhr, seufzt. Jetzt hört man im Hintergrund erneut das Martinshorn. Sie steht auf, öffnet die rechte Tür, ruft dorthin:) Herr Roth!

 

10. Szene

Thorsten:   (kommt sodann herein) Ja, Fro Abendroth?

 

Andrea:     Ik äh... also, düsse Saak daar vörhin mit Morgenthau hett mi heel verrückt maakt.

 

Thorsten:   Tja, Morgenthau maakt Ehr das Leven swor, wa?!

 

Andrea:     Ik mutt erstmaal wedder runnerkommen un brük een Tiedlang blots för mi.

 

Thorsten:   Natürlik, Fro Abendroth.

 

Andrea:     Seggen Se mien Mudder bitte, Se schall sik dat mobil Telefon op ´n Kökendisk leggen; un rangahn, falls jichenswell anröppt. Ik hebb düssen Aparat ümstellt op dat Handy.

 

Thorsten:   (versteht nicht recht) Äh ja, maak ik.

 

Andrea:     Ik bün maal weg för ´n Stünd of so. (strenger und genervter:) Un seggen Se ehr ok: Wat se hüüt kookt, is mi egaal!

 

Thorsten:   So as Se wünschen, Fro Abendroth. Aver IK kann doch ok...

 

Andrea:     SE setten sik nu bannig fix in ´t Auto un fohren an de Ort vun dat Malör.

 

Thorsten:   Ähm...

 

Andrea:     Ja, hebbt Se dat Martinshorn nich hört? Daar is doch wat passeert. Wenn dat een Unfall weer, weet man nie nich, of de Minsken blots verletzt sünd oder of dat viellicht al to laat is. Daar is dat jümmers good, as Bestatter glieks dorbi to sien, um dann tominst de noch levend Angehörigen uns Visitenkort totostoppen.

 

Thorsten:   Meenen Se würklich, dat...

 

Andrea:     Ja, dat meen ik. Ik gah jeede Wette mit Se in, dat Herr Morgenthau sik ok al op ´n Weg maakt hett. - Aver fohren Se nich mit de Leichenwagen, nehmen Se de Ford. De Pietät schall ja immerhen bewohrt warrn - wi sünd ja dat erst Huus an d´ Platz, un dat wüllt wi ja ok blieven, nich?!

 

Thorsten:   Selbstverständlich, Fro Abendroth. (abgehend nach rechts)

 

11. Szene

Andrea:     (nimmt erneut das Telefon, drückt ein paar Tasten, wartet kurz) Rita? Ik bün dat - Andrea. - Hach, frag mi nich. Ik mutt hier rut - op de Steh. Kannst Du mi glieks dran nehmen? (betrachtet ihre Fingernägel) Ja, mien Nagels hebbt dat wedder nödig. Ik doch daar maal an wat in witt - paart mit een zorten bruun-ton. Allns anner overlaat ik natürlik Di - de Fachkraft. Hauptsaak, dat sücht schick un liekers diskret ut. - Ik kann forts herkommen?! Och Rita - Du büst een Schatz. Ja, bit glieks dann. (Beendet das Gespräch, steht auf, geht nach links, Tür bleibt offen)

12. Szene

Thorsten:   (kommt sodann mit Jacke oder Mantel bekleidet von rechts, Autoschlüssel in der Hand, noch an der Tür nach rechts sprechend) Dat dürt seeker nich lang, Fro Abendroth. Se weeten ja nu bescheed.

 

Helene:      (von rechts rufend) Jaaaa...

 

Thorsten:   (schließt die rechte Tür, abgehend nach links, von dort kommt...)

 

Andrea:     (...auch mit Jacke oder Mantel bekleidet noch kurz wieder herein) Mien Mudder is informeert, Herr Roth?

 

Thorsten:   Dat is se, Fro Abendroth.

 

Andrea:     Schöön. Bit naher dann.

 

Thorsten:   Ja, bit later. (beide ab nach links, Tür zu)

 

13. Szene

Olga:          (kommt nach einer kurzen Pause mit ihrem Putzzeug* singend wieder von rechts herein) *(Staubwedel, Staublappen, Eimer, Besen, sowie Handfeger und Schaufel, wird dann unterbrochen)

 

Helene:      (...spricht von rechts laut) Aver Kind - Du seggst doch jümmers, dat Du Soppen mit Inlag so schlecht verdragst. Kannst Du denn nich eenfach klipp un klor seggen wat ik för Di kooken... (ist dann auch im Raum) Andrea?

 

Olga:         Ich glaube, Frau Boss von diese Haus ist schon gegangen. (geht zur Tür nach links, Tür bleibt offen)

 

Helene:      Ohn mi persönlich dorvun EEN Woord to seggen?

 

Olga:         Jacke (oder Mantel) von Chefin junior ist nicht an Haken von Garderobe. Somit Olga kombiniert, dass Frau Abendroth ist hinaus.

 

Helene:      Se ward jümmers sünnerborer, mien Dochter. Is dat nich so, Fro Pamela?

 

Olga:         Olga ist mein Name. Aber ich sollte nicht mir erlauben zu fällen ein Urteil und mich mischen ein. Olga macht hier bei Bestatter - was ist das beste Haus an Platz - die Räume sauber und hat zu halten den Mund und soll auch nicht singen deutsche Schlager. Dabei ich mache nur das um zu lernen besser deutsch.

 

Helene:      (geht zu ihr, freundlich) Se dörven sik nich allns so to Harten nehmen, wat mien Dochter seggt. Se is blots männichmaal een beeten schlecht geluhnt, wiel... na ja... se brükt endlich een Mann, denk ik.

 

Olga:         Wenn Chefin senior das sagt... aber dabei können wir nicht viel helfen, ich denke. Frau Abendroth muss suchen sich selbst eine Mann.

 

Helene:      Is woll so. Wenn IK ehr ´n Rat geev, is dat so un so jümmers verkehrt.

 

Olga:         Kann ich jetzt machen sauber hier weiter? Nur diese Raum muss heute noch fertig.

 

Helene:      Aver ja doch. Ik stör ok nich. (leicht pikiert) Ik hebb ja Bereitschaftsdeenst, so as uns Mitarbeiter Herr Roth mi dat mitdeelt hett. Tsss... Un dat Eeten mutt ik vörbereiten. (hat die Tür nach rechts schon geöffnet, freundlich lächelnd) Och, un singen Se gern nu wedder de schööne Leeder. Is ja just nüms in ´t Huus, de dat nich hören much. (ab)

 

14. Szene

Olga:         Danke, Frau Abendroth senior. (nimmt sich einen Staubwedel, geht damit hier und da über die Bilderrahmen an den Wänden u.a., dann nimmt sie einen Staublappen, putzt auf dem Schreibtisch alles ab, beugt sich dann irgendwann ungeschickt nach vorne, so dass die "Urnenkapsel" herunterfällt. Auf dem Boden sollte nun die herausgefallene Asche deutlich zu sehen sein für die Zuschauer) Ach Du liebe Güte Gott, was habe ich getan? (wird nervös und unsicher, schaut sich um, kniet sich dann herunter, schaut auf den Zettel, der noch auf dem Deckel klebt) Herr von der Wellen. (dann fast verzweifelt und auch ein bisschen weinerlich) Ich habe nicht gewollt, Herr von der Wellen. Bitte verzeihen Sie. Haben Sie sich getan sehr weh? - Ich werde machen wieder gut und Sie in Frieden ruhen lassen in Behälter - ich verspreche. (stellt die Urnenkapsel aufrecht hin, nimmt zuerst ihre Hände und "schaufelt" damit die Asche wieder in Kapsel, schaut dann mit zugekniffenen Augen weg dabei) Herr im Himmel, was habe ich da verschüttet nun von Sie, Herr von der Wellen? Ist das Ihre Kopf oder die linke Bein? Ich kann nicht glauben, was ich mache hier. (nimmt dann das Kehrblech und den Handfeger, fegt den Rest der Asche zusammen, schüttet auch dieses in die Urnenkapsel) Bitte nicht sein böse mit Olga - ich verspreche - ich gebe alles wieder hinein in die Gefäß, auch jeden Finger, jeden Zahn und auch von Herrn von der Wellen die kleine Pipimann. (als sie die komplette Asche wieder in die "Dose" gefüllt hat, kniet sie noch auf den Boden, hält die "Dose" hoch, ein bisschen erfreut über das Ergebnis. Der Deckel ist jedoch noch nicht wieder darauf) Sehen Sie, Herr von der Wellen - Olga hat gemacht alles wieder gut.

 

15. Szene

Tobias:       (kommt plötzlich von links "hereingestürmt". Er wirkt wie in Panik, schließt laut schnell die Tür, lehnt sich dagegen, leicht außer Atem) Helpen Se mi - bitte helpen Se mi! (Tobias ist locker gekleidet, mit Jeans, T-Shirt, Sportschuhen, evtl. Baseballcap)

 

Olga:         (kreischt bei Tobias´ Hereinkommen kurz und heftig auf, lässt vor Schreck die "Urne" wieder fallen, so dass ihre ganze Arbeit umsonst war und die Asche wieder herausfällt) Aaaah...

 

Tobias:       (geht dann ein paar Schritte auf Olga zu) Hebbt Se keen Angst. Ik do Ehr doch nix. Aver bitte helpen Se mi.

 

Olga:         (wird jetzt "sauer") Sind Sie geworden verrückt völlig? Jetzt schauen Sie, was Sie haben getan? Herr von der Wellen liegt hier wieder auf die Boden wie eine Puzzle. (nimmt den Behälter wieder in die Hände, schüttet ein-zweimal erneut die verschüttete Asche hinein)

 

Tobias:       Bitte wat? Verkloren Se mi dat later. (geht dann schnell zu ihr) Ik bün Tobias. Tobias Müller. Se is mi op de Fersen, junge Fro. Un wenn se DAT* hier finden deiht, bün ik leevert. *(während er "DAS" sagt, holt er eine Klarsicht-Tüte - Größe ca. 7 x 15 cm - hervor, diese ist mit einem weißem Pulver gefüllt)

 

Olga:         Olga versteht kein Wort nicht. (steht verwirrt da, hält das Gefäß in der Hand)

 

Tobias:       (schaut ängstlich zur Tür) För lang Erklärungen is nu würklich keen Tied. Ik bitt Se blots, dit hier to verstoppen. Un dat mutt een Steh sien, wor man dat nich so fix finden deiht. (geht schnell einmal suchend durch den Raum, schaut zu Regalen auf den Schreibtisch u.a.)

 

Olga:         (sieht das, dann erbost) Ich kann auch rufen die Polizei oder die Frau Abendroth senior!

 

Tobias:       Um Himmels Willen - blots DAT nich!

 

Margarete: (noch draußen, von links:) Tobias?

 

Tobias:       (wieder in Panik, steht nun in unmittelbarer Nähe bei Olga, nimmt die Tüte, stopft sie schnell in die "Urne", die Olga weiterhin in Händen hält)

 

Olga:         (kann gar nicht so schnell reagieren, als...)

 

16. Szene

Margarete: (...von links zügig hereinkommt. Sie ist nicht in schwarz gekleidet, jedoch dezent - nicht in krass-bunten Farben) Ik wüss dat doch. (stützt die Arme in die Seite)

 

Tobias:       Mudder!

 

Olga:         Kann mir bitte sagen irgendwer, was los ist hier bei meine Arbeitgeber? (schaut dann wieder ungläubig und auch verzweifelt in die Urne)

 

Tobias:       Düsse jung Dame hett recht, Mudder. Du störmst hier eenfach rin un veranstaltst een grood Theater. Stell Di vör, jichenswell de in uns Huus sowat.

 

Margarete: Ja ja... fang DU noch an, Dien Mudder to belehren. Wat weer dat denn bitte vörhin för een Anroop, hä? Wat hett düsse Mann an ´t Telefon vertellt, wat Du em ut Holland mitbröcht hebben schullst? Un worüm geihst Du mi ut de Weg un kannst mi nich mehr in de Oogen kieken? Na - ik hör?

 

Olga:         Ich weiß nicht, ob das alles ist richtig, was hier geht vor sich. Ich werde jetzt holen die Frau senior. (weinerlich abgehend mit der "Urne" nach rechts, spricht IN die Urne) Oh meine Güte, Herr von der Wellen. Wie geht es Ihnen? (ab)

 

17. Szene

Tobias:       (schaut Olga unsicher hinterher, da sie mit seiner "Tüte" verschwindet, dann:) Daar süchst Du, wat Du anricht hest. Wi sünd hier bi een Bestatter un nu holt düsse Fro seeker glieks de Chef of of... de Seekerheitsdeenst of wat weet ik. Un blots, wiel Du maal wedder Gespenster süchst.

 

Margarete: IK weer sowieso op de Weg hierher. Falls Di dat entgahn sien schull, geiht dat üm Dien Groodmudder, un wi schullen ehr Beerdigung planen. Dat Du dann op de Patt hierher vör mi flüchten deihst un mit een sünnerbor Püüt d´r vandör löppst, is ja woll Grund nooch, dat OMA nu erstmaal töven mutt. Also - wat weer dat för ´n Anroop un wat is in düsse Plastik-Püüt in?

 

Tobias:       Püüt? Plastik-Püüt? - Ik weet gor nich, worvun Du snackst, Mudder.

 

Margarete: (geht im Raum einmal hin und her) Een lütte Plastik-Püüt mit een hellen Pulver drin. Mi musst Du nich vertellen, wat dat woll sien kunn. (ist dann an der Stelle angekommen, an der noch Asche auf dem Boden liegt) Leev Himmel, könnt de nich maal vernünftig schoon maken hier? (tritt einmal grob mit ihrem Schuh über die Asche)

 

Tobias:       Nu, ik denk, dat düsse jung Fro dat just vör harr. Du süchst doch sülmst... (deutet auf die Putzutensilien)

 

Margarete: Nu lenk nich af! (geht zu ihm, fasst ihn an die Schultern, ruhiger) Jung, Du kannst mit mi doch over allns snacken. Ik weet, dat dat swor is mit Hartz IV. Un ok, dat Du Di bemühst, wedder neij Arbeid to finden. Aver bitte maak keen krumm Geschäfte. Wat ok jümmers in düsse Püüt is - un worüm Du ok för 2 Dagen in Holland weerst - BITTE maak keen dumm Tüch. Snack mit mi, wenn Di dat schlecht geiht. Wi finden tosamen seeker een Lösung.

 

Tobias:       Mudder - allns is good. Du bildst Di dat allns blots in.

 

Margarete: (dann wieder "böser") Ochja?! Arms hoch! Los. Zack zack.

 

Tobias:       (tut dies, weil er keine andere Chance sieht und Margarete seine Arme schon nach oben drückt) Mudder!

 

Margarete: Wenn Du een schoon Geweeten hest, spreekt doch nix tegen een Leibesvisitation, oder?! (untersucht ihn, tastet ihn ab, kontrolliert auch seine Taschen)

 

Tobias:       (lässt es genervt geschehen) Mama, bitte. Wat söchst Du eentlik?

 

Margarete: Dat weest Du heel genau. (enttäuscht, dass sie nichts findet) Ja aver... ik hebb doch dütlik sehn, dat Du een Püüt...

 

Tobias:       (süffisant) Mudder - ik denk, Du kummst nu langsam in dat Oller, daar sücht man männichmaal Saken, de annern NICH sehnt.

 

Margarete: Frechdachs! Pass blots op, Du! - Ik krieg dat noch rut, wat mit Di nich stimmt.

 

Tobias:       Ja ja...

 

18. Szene

Helene:      (kommt gefolgt von Olga herein) Gooden Dag. (reicht Margarete die Hand) Abendroth. Helene Abendroth.

 

Olga:         (und Tobias stehen während des nächsten Dialogs schweigend da, schauen sich hin und wieder an)

 

Margarete: Müller. Gooden Dag.

 

Helene:      (reicht dann auch Tobias die Hand, kurze Begrüßung) Mien Dochter is just nich in ´t Huus. Aver IK kann Ehr selbstverständlik ok helpen. Wat kann ik för Se dohn?

 

Margarete: Dat is fründlik. Dat geiht um Oma. Also ik men - mien Mudder. Ik much gern een Sarg utsöken un ok de Termin fastsetten för dat Bisetten un allns anner, wat so nödig deiht.

 

Helene:      (sehr mitfühlend, reicht ihr nochmal die Hand, streichelt ihren Oberarm) Oh, dat deiht mi so leed, Fro Müller. Se brüken nu seeker veel Kraft. Aver ik verseeker Ehr, dat uns Huus allns dorför deiht, dat Se un Ehr Familie de Verlust un de Piem vullholen.

 

Margarete: Äh ja... Moment. Also, mien Mudder levt noch. Man dat geiht ehr bannig schlecht. Dat ward woll nich mehr lang dürn, denk ik, bit dat vörbi is. Ik wull dat blots allns al regelt hebben. Wenn dat erst sowiet is, kummt dat seeker so batz op de Steh un man weet gor nich mehr, wor een de Kopp steiht, nich?!

 

Helene:      Ochso is dat. Ja, verstah. Aver... hebbt Se nich just seggt, Se muchen ok een Termin för de Beerdigung?

 

Margarete: Ja richtig. De 05. Juni de uns heel good passen. Dat is noch VÖR uns Urlaub.

 

Tobias:       Mudder, is dat nich een beeten pervers?

 

Margarete: Hol DU dat Muul!

 

Helene:      Viellicht besnacken Se düsse Termin-Saak beeter mit mien Dochter - un vör allem - mit de tostännig Pastor. - Muchen Se sik erstmaal uns Sarg-Modelle ankieken? In uns Utstellungs-Halle befinnen sik 11 verscheeden dorvun. Vun de priesgünstig bit hen to de Luxus-Variante beeden wi Ehr jeedeen Modell. Un schullen Se liekers wat anners för passender holen, dörven Se ut uns Katalog utwählen. In 4 Dagen is Ehr Bestellung dann hier bi uns.

 

Margarete: Ja, dar hört sik good an.

 

Helene:      Wenn Se mi dann bitte in de hillig Halle folgen muchen?! (geht nach links, öffnet die Tür) Bittesehr.

 

Margarete: Veelen Dank. (bleibt an der Tür noch stehen, zu Tobias) Wullt Du nich mitkomen?

 

Tobias:       Ik komm glieks na.

 

Margarete: Tss... na dann... (ab)

 

Helene:      (folgt ihr, Tür zu)

 

19. Szene

Olga:         (schaut Tobias einen Moment "böse" an, geht dann zügig ab nach rechts, Tür bleibt offen, kommt mit der "Urne" zurück, stellt diese grob auf den Schreibtisch ab) Also - junger Mann: WAS IST IN TÜTE? Und versuche nicht, Olga zu verhintern.

 

Tobias:       Verarschen! Dat heet verarschen.

 

Olga:         (wütend) Olga ist völlig egal, wie das muss heißen. Du kannst vielleicht führen herum Deine Mutter an die Nase - aber nicht Olga.

 

Tobias:       Eh kumm, nu maak hier maal keen Stress. Gev mi eenfach de Püüt trüch un zack - bün ik hier wedder verswunnen. (geht schon zur "Urne", will sich den Inhalt zurückholen)

 

Olga:         (hält ihn schnell davon ab, indem sie das Gefäß beschützend an sich nimmt) Wir wissen beide genau, dass es sich bei Inhalt in Tüte nicht handelt um weiße Mehl für Kuchen oder Brot. Wenn Du mir nicht erklärst auf der Stelle, was Du hier getan hast, dann ich werde wirklich rufen die Polizei. (hebt schon den Hörer des Telefons ab, während sie mit der anderen Hand das Gefäß an ihren Bauch drückt)

 

Tobias:       Okay okay. Du hest wunnen. Ik bün een beeten afbrannt. Na - ik hebb keen Kohle, versteihst Du?! No money! Un dat Leven is nu maal düür. Un dann harr Charly een geil Angebot för mi. He hett mi beden, na Holland to fohren. Daar hebb ik vun een Kumpel vun em düsse Waar kreegen. Ik muss dat blots holen un overbrengen. Dat is allns. Sobold ik em de Püüt geven hebb, krieg ik ´n Hunni dorför. Dat is doch licht verdeent Geld, meenst Du nich ok?

 

Olga:         Und das soll Olga glauben Dir?

 

Tobias:       Dat is de Wohrheit - ik schwör. Okay, as ik düsse Püüt sehn hebb, weer ik sülmst een beeten schockt. Erst daar hebb ik langsam kapeert, wat ik overhopt maak un worüm sik dat seeker hannelt. Doch Du musst mi glöven, dat ik sülmst nie nich wat mit dit Tüch to dohn hatt hebb. Ik nehm keen Drogen - würklich nich.

 

Olga:         Aber wenn Du machst Bote für andern, dann auch DU machst Dich strafbar. Wenn das auf dem Weg hierher geflogen wäre auf, Du würdest jetzt sitzen in Knast.

 

Tobias:       Danke för de Belehrung. Sowiet kann ik ok al denken. Ik do dat ok heel seeker nich wedder. Ehrenwoord. Un nu gev de Büdel rover un vergeet de heel Show hier.

 

Olga:         Oh nein. So einfach das ist nicht. Du wirst sagen Deine schöne Freund Charly, dass er sich abholen kann seine Beutel hier bei mir. Und dann ICH werde klären auf!

 

Tobias:       Eh, dat kannst Du nich maken. Dat geiht Di doch gor nix an.

 

Olga:         Seit 10 Minuten mich geht das sehr viel an. Und es wird passieren so, wie Olga gesagt.

 

Tobias:       Eh Deern, nu komm maal wedder runner. Du giffst mi nu de Püüt un mischt Di daar nich wieder in. (geht zu ihr, greift in das Gefäß, Olga wehrt das ab, es entsteht ein Gerangel im Raum, beide drehen sich auch manchmal dabei. Es ist Dialog dabei zu hören wie z.B.:) Nein, lass das. - Nu zick hier maal nich rüm. - Gev mi forts de Büdel. - Lass das usw. (nach einer angemessen Zeit zieht Tobias dann einen leeren Beutel aus dem Gefäß heraus*.) Oh leev Gott - nee.

                  *(Wenn es für Sie Probleme gibt, bzgl. Ausleeren der Tüte im Gefäß, können Sie auch schon einen zweiten leeren Beutel vorher in die Urne verstecken, welcher oben unter dem Gefäßrand geklebt wurde o.a.)

 

Olga:         (fängt dann laut zu weinen an, als Tobias den leeren Beutel hoch hält)

 

Tobias:       (drückt Olga - weniger galant - den leeren Beutel in die Hand oder stopft ihr diesen in ihren Pullover-Ausschnitt) Dat is allns Dien Schuld. Du maakst allns kaputt, Du blööd Zeeg. Weest Du eentlik, wat Du daar anricht hest?

 

Olga:         (weinerlich) Jaaaaaaa... Herr von der Wellen ist jetzt ein Junkie.

 

Tobias:       WAT is los?

 

Olga:         (laut und verzweifelt) Geh weg! Geh sofort weg von hier! (hält das Gefäß wieder sehr beschützend vor die Brust bzw. Bauch)

 

Tobias:       Viellicht könnt wi vun dat Wark noch wat retten. Dat mutt een Vermögen wert sien. Ik bün dran, wenn ik Charly segg, dat ik sien Pulver nich hebb.

 

Olga:         (lauter) Hau ab jetzt!

 

Tobias:       Ja doch. (fluchtartig ab nach links)

 

20. Szene

Olga:         (allein, schaut in das Gefäß) Oh je oh je, was kann ich nur machen, Herr von der Wellen? Nie vorher haben Sie gesehen aus so blass wie jetzt. (stellt die "Urne" wieder auf den Schreibtisch ab, geht nach rechts, kommt sodann mit einem Löffel zurück, setzt sich, schaufelt ca. 3 mal vorsichtig das weiße Pulver mit dem Löffel heraus, füllt es in den Beutel) Das ist alles so schrecklich. So schrecklich ist das alles. Ich kann nicht versprechen, ob ich kann machen alles wieder gut. - Wissen Sie was, Herr von der Wellen: Ich werde Sie jetzt mitnehmen in Küche und komplett auseinandernehmen, von Drogen befreien und wieder zusammen setzen. Einverstanden? Und niemand wird bemerken etwas. (seufzend ab, dann schneller Vorhang)

 

 

 

 

Ende des ersten Akts

 

 

 

 

 

Zweiter Akt

 

                  (ca. 2 Wochen später, am späten Nachmittag zwischen 18 und 19 Uhr. Ein Freitag. Auf dem Schreibtisch steht jetzt ein Notebook, irgendwo ein CD-Recorder. Wenn der Vorhang sich öffnet, ist kein Spieler auf der Bühne. Der Hörer des Telefons liegt nicht ganz "richtig" auf den Apparat)

 

1. Szene

Andrea:     (kommt von rechts herein. Sie ist wesentlich besser gelaunt als im ersten Akt; man sieht es ihrem Gesichtsausdruck an, welcher nun weniger mürrisch aussieht. Sie hat ein Handtuch in der Hand und trägt Sportbekleidung. Das kann ein farbenfroher Jogginganzug sein; mutige Spielerinnen können auch einen Body tragen, den sie unter einem Bademantel versteckt, welchen sie dann gleich auszieht. Dazu trägt sie Sportschuhe und evtl. ein Stirn - bzw. Schweißband. Sie schließt die Tür rechts mit dem Schlüssel ab, geht dann zur Tür nach links, schließt diese ebenfalls ab, seufzt, lächelt, stellt dann den Recorder an. Daraus erklingt entweder nur eine flotte Musik, zu der Andrea selbst gymnastische Bewegungen macht, oder aber: es ist eine CD, bei der mit Musik eine Anleitung gesprochen wird, die sie dann nachmacht. Sie macht das vorne mittig auf der Bühne. Die Übungen fallen ihr recht schwer, weil sie untrainiert ist, und sie macht diese auch so, dass es eher "komisch" aussieht. Nach ca. 1 - 1,5 Minuten beendet sie ihre sportliche Aktivität, stellt leicht erschöpft die CD ab, setzt sich an den Schreibtisch, öffnet eine Schublade, holt eine Flasche Cognac und ein Glas heraus, gießt sich ein, trinkt) Leeve Tied. Well ok jümmers düssen Satz "Sport is Moord" in ´t Leven ropen hett - düsse Minsk hett een Utteeken verdeent! (dann widmet sie sich erfreut dem Notebook, tippt darauf, lehnt sich zurück, lächelt. Dann klopft es an der Tür links. Andrea ist erschrocken, winkt zunächst ab, aber es klopft erneut und länger, verstaut dann rasch Flasche und Glas wieder)

 

Margarete: (von links) Hallo? Is hier nüms tohuus?

 

Andrea:     (steht auf, überlegt einen Moment, was sie tun soll, schaut an sich herunter, geht dann aber doch zur Tür, lässt sie aber geschlossen) Äh - ja bitte?

 

Margarete: (von links) Entschülligen Se, dat ik unanmeldt bi Se vör de Döör stah. Müller is mien Naam. Wenn Se bitte een Minüte Tied för mi harren...

 

Andrea:     Ja, dat is nu een beeten... also... (erneut verunsichert, falls sie den Body trug, zieht sie schnell den Bademantel darüber, dann öffnet sie die Tür einen Spalt breit) Ja...?

 

Margarete: (noch hinter der Tür) Ik hebb keen Termin. Man ik hebb al ´n poormaal versöcht, antoropen. Jichenswat mutt aver woll mit dat Telefon nich op Steh sien.

 

Andrea:     So? Ja dann... dann komen se man rin. (ihr ist es sichtlich peinlich, in ihrem Outfit eine Kundin zu empfangen)

 

2. Szene

Margarete: (kommt herein. Sie trägt bunte Kleidung, ist dann recht überrascht über Andreas Bekleidung) Oh, ik stör, nich wohr?!

 

Andrea:     Fro Müller, dat is mi ja nu würklich unangenehm, so as Se mi hier sehn. Wenn Se mi 10 Minüten geven, treck ik mi fix üm. Wat möten Se blots denken, vun een Bestatterin, de noch dorto de Roop vun dat erst Huus an d´ Platz hett? Herrgott, is mi dat peinlich.

 

Margarete: Ik bitt Se - dat is doch nich so leep.

 

Andrea:     Würklich nich?

 

Margarete: Ochwat. Vör ´n half Stünn leep ik tohuus doch ok noch so herüm.

 

Andrea:     Ja? Na, mach sien. Aver as Bestatterin schickt sik dat minner. - Aver bitte, so nehmt Se doch Platz.

 

Margarete: IK hebb mi to entschülligen, hier so rin to platzen. (setzt sich)

 

Andrea:     Ik bitt Se. (geht zum Schreibtisch, sieht dann, dass der Telefonhörer nicht richtig auf der Gabel liegt) Ha... daar hebb wi dat Malör. De Hörer lach nich recht op de Gabel vun dat Telefon. Fro Müller, ik bün untröstlich. Wat möten Se blots denken?

 

Margarete: Ik denk, dat Se just so as ik spüren, dat man af un to wat för de Körper dohn mutt. Un ik hebb Se woll bi Ehr Gymnastikstünd stört.

 

Andrea:     (etwas verschämt) Ja, so is dat woll. Daar lachen just keen Termine an. Un daar hebb ik mi docht, dat ik maal even fix... aver een Huus as uns is jümmers open - 24 Stünden, dat weten Se doch hopentlich?

 

Margarete: Ik hebb dorvun hört, ja.

 

Andrea:     Se... äh... also, wenn mien Mudder mi dat recht vermiddelt hett - weten Se - se kriggt daar hin un her ok woll maal wat dörchnanner - Se weern al vör 14 Dagen al maal hier?

 

Margarete: Richtig. Ik hebb de Sarg för uns Oma utsöcht. Un dann gung dat daar noch um de Termin för de Beerdigung. Ik harr mi daar ja eenlik al de 05. Juni utkeeken. Bit op düssen genauen Termin harr ik nu würklich ALLNS vörbereit - un weten Se wat passeert is: Oma geiht dat tomaal wedder beter.

 

Andrea:     Ochwat?!

 

Margarete: Dit zähe Luder. Jümmers mutt se mi een Streek dörch de Reeken maken. Dat hett se al ehr heel Leven lang dohn.

 

Andrea:     Ja... äh, wat schall ik dorto seggen?

 

Margarete: Gor nix, Fro Abendroth. Laten Se ´t eenfach. Ik bün ja blots hier, üm düssen Termin erstmaal to storneeren. De 05. Juni is ja al in 10 Dagen. Bit dorhen ward dat ja woll nich mehr klappen.

 

Andrea:     Fro Müller, Beerdigungs-Termine plan wi mit uns Kunden sowieso nich op lang Sicht. Dat maken wi tosamen mit de Pastoren un Priester jümmers dann, wenn ok würklich well stürven is. Wiel - allns anner is ja ok erde een beten - wo schall ik seggen: dat richtig Woord weer woll: makaber, nich wohr?!

 

Margarete: Finden Se? Och, ik seh sowat heel nüchtern. (steht auf) Wat Se aver liekers al maal noteeren könnt: Wi sünd woll katholsk - aver bi de Truurfier muchen wi op gor keen Fall een Fodern.

 

Andrea:     Fodern?

 

Margarete: Jaja. Männich Priester maken dat doch gern - dat treckt doch aver de heel Afloop blots unnötig in de Längte, nich?!

 

Andrea:     Wenn ik Se recht verstah, snacken Se vum dat Requiem un dat Utdeelen vun de hillige Kommunion?

 

Margarete: So drückt man dat woll vörnehm ut. Ik hebb dorto jümmers dat "Fodern" seggt. Aver ik spreek dat dann ok nochmaal an, wenn dat sowiet is. De vörmarkt Termin dörven Se tominst strieken. Na ja, un dat, wat ik anners noch hier utsöcht hebb, dat kann ja gern so blieven. Mien Mudder liggt siet 12 Johren in ´t Bedd in ´t Plegheim un is 96. Jichenswenher ward se al maal de Leepel afgeven, nich?! Hähähä...

 

Andrea:     (steht auch auf, ein wenig erschrocken über Angelikas Verhalten) Ja... wenn Se dat seggen... (überlegt kurz, muss dann schelmisch lachen) Hach, Fodern - FODERN hebbt Se seggt. - H E R R - L I C H! Würklich herrlich, Margarete. Ja, Spaß mutt sien, nich?!

 

Margarete: Genau. - Maken Se nu gern wieder mit Ehr Gymnastik. Ik hebb de Musik buten hört. Een besünners good Idee, mit Musik de Körper to formen. Dat ward ok ik glieks naher so maken.

 

Andrea:     Na ja, ik sitt veel an d´ Schrievdisk, weten Se?! Un ik hebb ja ok gor keen Tied för een Sportstudio. Daar mutt ik dann even maal hier...

 

Margarete: Richtig so. Ehr kann ik dat ja seggen: In erst Linie much ik natürlik för mi wat dohn. Aver ik weet, dat mien neije Levensgefährte Lars-Günter dat gern een beten schlanker hett. Un för DE do ik nu würklich allns.

 

Andrea:     Wo schöön för em.

 

Margarete: Ik weet ja nich, of Se dat interesseert, aver ik bün richtig verleevt. Na ja, Karl - mien Mann - is vör 15 Maant vun uns gahn - dann schull doch langsam Platz för wat Neijs maakt warrn, finden Se nich ok?! Un mien Söhn Tobias maakt mi al Sörgen nooch. Daar brük ik dann tominst för mi sülmst een Afwesseln.

 

Andrea:     (zunächst noch zurückhaltend) Dat kann ik good verstahn, Fro Müller.

 

Margarete: Och, seggen Se doch Margarete an mi. Wat schall denn düsse stellt Höflichkeit?

                  Dat is doch för ´n Mors.

Andrea:     As Se meenen, Margarete. - Äh - ik bün Andrea.

 

Margarete: Klingt doch glieks veel persönlicher, nich?! - Seggen Se, Andrea - nich, dat ik neijschierig bün - aver gifft dat hier eenlik gor keen HERR Abendroth?

 

Andrea:     Äh... mien Vadder is al vör veele Johren stürven, wenn Se dat meenen.

 

Margarete: (knufft sie) Och DE... Andrea - komen Se - Se weten doch genau, wat ik meen – unner uns Pastorendochters könnt wi doch een open Woord snacken.

 

Andrea:     Also... nee, ik... dat hett even bitlang nich sien schullt.

 

Margarete: Mensch, dann maken Se dat doch as ik. Na, ok IK bün to old för de Disco. Man wi sünd doch för de Leevde noch jung nooch. Un dorför gifft dat in düsse modern Tied doch dat Internet. Chat-Ruums - Dating-Plattformen. Probeeren Se dat ut. Mien Lars-Günter hebb ik doch ok ut dat Netz. Dat gung ruck-zuck.

 

Andrea:     (lächelt jetzt, nun gefällt ihr offensichtlich das Gespräch mit Margarete) Och Gott, Margarete - ik weet gor nich, wat ik seggen schall. Mien Mudder versöcht al siet Johren mi to verkuppeln. Elkeen Witwer leggt se mi nah, Kontaktanzeigen ut de Zeitung snitt se ut un leggt mi de op ´n Schrievdisk - se versöcht würklich allns.

 

Margarete: Dat find ik bannig sympathisch vun Ehr Mudder.

 

Andrea:     Hhmm... Na ja... un dann hett Rita, de good Seel, de mi all 14 Dagen de Nagels maakt, mi vör ´n Sett OK düssen Tipp geven, dat maal mit dat Internet to versöken.

 

Margarete: Na sehnt Se! Un?

 

Andrea:     Toerst weer ik heel unseker - un ik hebb mi fragt, wat dat eenlik schall un of ik overhopt ernsthaft an een Mann interesseert bün. Ja, aver dann fung dat Chatten an un bannig fix wur dat to so ´n Art Hobby, wat mi gefull. Ik hebb mi dorför sogor dit Notebook köfft un bün ok nu online. Ik töv noch dorup, dat ik glieks nochmaal Narichten krieg.

 

Margarete: Na, aver alleen mit dat Chatten komen Se nich wieder, Andrea.

 

Andrea:     Ik weet. Dat is ja just dat Verrückte - na, wor Se mi daar just op ansnackt hebbt. Daar gifft dat tomol een.

 

Margarete: Ja?

 

Andrea:     Bitlang weer dat blots dat Chatten - aver alleen dat is al wunnerbor. He is eenföhlsam un hett Humor un ok Phantasie; dorbi hett he sik optisch bitlang man blots beschreeven. Biller hebb wi uns nich stürt. Aver düsse Keerl maakt mi jichenswie heel... ik kann dat ok nich genau utdrücken. Ik föhl mi veel beeter un bün utgleeken un hebb veel beter Luun, sietdem dat anfungen hett.

 

Margarete: Ja, un wieder?

 

Andrea:     (nach einer kleinen Überwindungs-Pause) Hüüt Avend hebb ik een Date! - Jaaaa... ik drap mi mit "Kuschel-Kater 007".

 

Margarete: Hach, herrlich. Is dat sien Nicknaam?

 

Andrea:     (nickt erfreut)

 

Margarete: Lars-Günter harr in ´t Chat de Naam "Schlüpfer-Stürmer".

 

Andrea:     (schaut sie ungläubig an)

 

Margarete: Ja ja, seggen Se leever nix. Ik weet, wat Se nu denken. Aver ik segg Ehr wat: He maakt sien Nicknaam all Ehr - oh ja. (schaut auf die Uhr)

 

Andrea:     So direkt wull ik dat eenlik gor nich...

 

Margarete: Woran kennen Se sik denn hüüt Avend, wenn Se keen Biller tuskt hebben?

 

Andrea:     Na ja, wi hebbt een Gaststuuv wählt un daar ward he dann ja wohrschienlik alleen jichendwor an een Disk sitten. Un een Erkennungsteeken gifft dat ok. He dragt een Bloom an d´ Jack. Ja, dat is albern un overholt - ik weet. Dat is een witte Nelk. Aver ik find dat romantisch.

 

Margarete:  Hach - Andrea - ik wünsch Ehr een wunnerbor Date hüüt Avend. Wesen Se nich to schüchtern – griepen Se to. In uns Oller is de Utwahl nich mehr so grod. Nehmen Se ok Kondome mit - man kann nie nich weten. Un holen Se mi blots op ´n neijsten Stand - ik kiek maal wedder rin. Nu mutt ik aver würklich los. (geht zur Tür, dreht sich nochmal um) Toi toi toi.

 

Andrea:     (öffnet ihr diese) Ja, danke. Un - veelen Dank, dat ik so open mit Se snacken  kunn, Margarete.

 

Margarete: Wi brükt doch all Fründen, is dat nich so?! Tschüsssiii... bit bold. (ab)

 

3. Szene

Andrea:     (schließt die Tür wieder ab, seufzt) Bannig fründlik, düsse Margarete. (fröhlich, gönnt sich wieder einen Cognac) So, nu aver wieder. (will schon wieder die CD anstellen, als...)

 

Helene:      (...den Türgriff rechts mehrfach herunterdrückt, dann ruft:) KIND - büst Du hier in ´t Büro? Un wenn ja, worüm hest Du denn afsloten? A N D R E A  !!!

                  K I N D !!! Levst Du noch? (klopft) Hest Du Di wat broken?

 

Andrea:     (verdreht die Augen, geht dann zur rechten Tür, schließt auf) Nee, wat is denn?

 

Helene:      (kommt herein, wieder dezent in schwarz-weißer Kleidung) Kind, worüm slutst Du Di denn in? (sieht dann ihr Outfit, entsetzt) Un wo süchst Du denn ut, KIND?! - WOR BITTE BLIFFT DIEN ETIKETTE?

 

4. Szene

Friedrich:   (folgt Helene sodann in den Raum, schaut Andrea ebenfalls erstaunt an)

Helene:      Äh Friedrich... (hält ihm mit ihrer Hand die Augen zu) Friedrich... dat schullst Du nich sehn. Mi fehlen de Woorden.

 

Friedrich:   Is al good, Helene. (nimmt ihre Hand weg. Friedrich trägt einen dunklen Anzug) Dat is doch nich so leep. Ik hebb in d´ Urlaub op Gran Canaria an d´ Strand al Fronslüüd sehn, de noch textilfreer rumleepen. Um nich to seggen: De weern borfoot bit an d´ Hals.

 

Helene:      Nich so leep? Borfoot bit an d´ Hals? - Mien Dochter hett woll vergeeten, dat wi ´n Bestattungsunnernehmen föhren - un zwar dat best Huus an d´ Platz.

 

Andrea:     Leeve Tied, Mudder! Dorüm harr ik ja ok afsloten. Ik brük doch ok maal een poor Minüten blots för mi. Un Termine liggen hüüt so laat an ´n Namiddag doch eh nich mehr an.

 

Helene:      Och, un dann musst Du hier in ´t Büro schamlos jichenseen Sport bedrieven? Hest Du keen eegen Kamer hier in ´t Huus?

 

Andrea:     Doch! Aver DAAR kummst Du ja ok all 5 Minüten rin. Butendem is dat ja ok mööglich, dat DOCH jichenseen ohn Termin hierher kummt. Dat is sogor just even passeert. Un dann stah ik glieks parat.

 

Helene:      Un präsenteerst Di uns Kunden in DE Opzug! Schamen schullst Du Di! Wenn DAT Dien Vadder sehn de. (zu Friedrich) Se is siet een poor Dagen al so anners. Ik maak mi langsam Sörgen. (dann zu Andrea) Viellicht schullst Du maal na ´n Doktor gahn. Di fehlt doch wat. Daar gifft dat doch bestimmt wat tegen. Viellicht lidst Du an Iesenmangel off Rheuma off Depressionen off...

 

Andrea:     IK brük heel seker keen Doktor, Mutter. - Dat deiht mi leed. Un ik kunn ja ok nich ahnen, dat Du... (geht dann zu Friedrich, reicht ihm die Hand) Andrea Abendroth.

 

Friedrich:   Freit mi. Friedrich Schmidt.

 

Helene:      Friedrich is dörch uns Privat-Huusdöör rinkomen. Wi beid kennen uns noch vun de Schooltied. Stimmt doch, oder?

 

Friedrich:   Ja ja. Wi weern in d´ Grundschool in een Klass un hebbt sogor een poor Johr tegenanner seeten.

 

Helene:      Nee! Is dat würklich wohr?

 

Friedrich:   Oh ja. As ik 10 weer, hebb ik jümmers seggt, dat ik Di jichenswenher heiraden will.

 

Helene:      Och Gott, wo sööt - nich wohr, Andrea?! - He hett güstern sien Fro verloren. He wohnt in Krusenbusch. Aver se hebbt Graffstehen hier bi uns op ´n Karkhoff. Dorüm schall se hier beerdigt warrn; un dorüm is Friedrich ok för ´n poor Dagen hier. Sien Fro hett sik praktisch doodsopen. (dann energisch zu Friedrich)  Du harrst MI DOCH hieraden schullt. Dann weerst Du nu keen Witwer, Harald.

 

Friedrich:   Friedrich is mien Naam, Helene. Friedrich Schmidt!

Helene:      Och ja, natürlik. Dorför kannst Du aver ja nix.

 

Friedrich:   Un mien Fro harr ´n Unfall. Mit ehr Auto. Drunken hett se eenlik nie nich.

 

Helene:      Ja ja. (dann zu Andrea) As wenn dat nich al trurig nooch weer, musst DU hier...

 

Andrea:     MUDDER - dat langt nu. (zu Friedrich) Herr Schmidt, bitte entschülligen Se mi een poor Minüten. Ik treck mi fix um un stah Ehr dann forts to Verfügung. (abgehend nach rechts, bleibt an der Tür stehen)

 

Helene:      (streng) DAT kannst Du na düt peinliche Optreden ok nich wedder good maken, Kind. IK ward Herrn Schulze beraden. - Nich to faten.

 

Friedrich:   Schmidt, Helene. - Schmidt.

 

Helene:      Helene Schmidt? Well is dat? Ik hebb docht, dat geiht üm Dien Fro. (winkt ab) Och, is ja ok egaal. (zu Andrea schnippisch) Ja ja – gah Du man – ik maak dat al.

 

Andrea:     Dat is leev vun Di, Mudder. Ik hebb so un so eenlik keen Tied. Un söök mi naher bitte nich. Ik gah weg hüüt Avend. (ab) 

 

 

 

 

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