Lange danach gesucht - auf Ibiza 2012 endlich gefunden
Musiker gesucht

 

 

 

„Der Bachelor von Kattendorf“

 

 

(hochdeutsche Fassung)

 

 

Komödie in 3 Akten

 

von

 

Helmut Schmidt

Inhalt:

 

Der Fernsehsender Kabel 3 zeichnet erneut eine Staffel der beliebten Show „Der Bachelor“ auf. Der Auserwählte ist der 40jährige Yannik Hübner. Ein Mann, 20 Frauen und eine eher weniger traumhafte Umgebung in dem kleinen Kattendorf* in Norddeutschland. Ob das allerdings der perfekte Platz für starke Emotionen und echte Leidenschaft ist, bezweifeln die meisten der weiblichen Kandidaten; und schon nach wenigen Stunden gehen die meisten der anspruchsvollen Frauen freiwillig fort. Der Fernsehsender hat das Konzept der Show leicht verändert und deshalb ist dieses Mal beim „Bachelor“ alles anders. Es gibt keinen Pool vor dem Haus, dafür sieht und riecht man jedoch 200 Kühe vom Nachbar-Bauern. Statt eines Candlelight-Diners mit außergewöhnlichen Leckereien serviert Yanniks Mutter Thekla den Frauen Linsengemüse mit Blutwurst. Gedreht wird auch nicht in Südafrika, sondern im ländlichen Kattendorf*. Noch sind 3 sehr unterschiedliche Damen übrig, die um den smarten Yannik buhlen. Interesse an den verbliebenen Frauen hat dann auch Lennart - der Sohn der neugierigen Nachbarin Anni Thoben. Gibt es am Ende wirklich eine Frau für Yannik oder eher eine für Lennart, oder ist diese ganze Fernsehshow nur ein gespieltes Unterhaltungsprogramm auf Kosten der Gefühle?   

 

 

*Hinweis: Statt "Kattendorf" dürfen Sie im Titel natürlich auch Ihren eigenen Spielort nennen.

 

 

Spieler:  3m / 5w - sowie mehrere weibl. Statisten              

 

 

Yannik Hübner           -           der Bachelor (ca. 40 Jahre)

 

Thekla Hübner            -           Yanniks Mutter (ca. 60 J.)

 

Otto Hübner               -           Yanniks Vater (ca. 60 J.)

 

Kimberly Jablonsky    -           Kandidatin (ca. 25 Jahre)

 

Daniela Caspers          -           Kandidatin (ca. 30 Jahre)

 

Hedwig Westphal      -           Kandidatin (ca. 50 Jahre)

 

Anni Thoben              -           Nachbarin (ca. 60 Jahre)                   

 

Lennart Thoben          -           ihr Sohn (ca. 30 Jahre)

 

 

 

Bühnenbild:

 

Das Bühnenbild zeigt das Wohnzimmer von Yannik

Hübner. Recht modernes Sofa mit Sesseln oder eine

andere Art von Wohnlandschaft, sowie Tisch, Schrank,

Regale usw. Es ist hübsch und modern eingerichtet. Eine

Tür nach hinten führt zum Flur nach draußen; eine

zweite rechts oder links* zur Küche, zum Bad und zu den

Schlafräumen und Gästezimmern. Irgendwo ein Telefon

und eine Stereoanlage. In den Ecken der Bühne und evtl.

auch zusätzlich oben an den Wänden sind kleine Kästen

befestigt, die wie Kameras aussehen sollten.

 

*im Stück wird dafür jeweils „rechts“ angegeben. Es wäre sehr vorteilhaft, wenn es hinter der Bühne eine Verbindung von der Tür rechts zu der Tür nach hinten geben würde.

 

Spielzeit: Frühling in der Gegenwart

Spielort: Größeres Dorf in Deutschland

Spieldauer: ohne Pausen ca. 100 Minuten

 

Hinweis: Ihre Gruppe benötigt für die Inszenierung dieser Komödie die instrumentale Fassung des Schlagers von Helene Fischer "Atemlos durch die Nacht". Gerne stellt der Autor Helmut Schmidt Ihnen zu Übungszwecken diese kostenlos zur Verfügung und sendet Ihnen einen Tonträger per Post zu, falls Sie Probleme haben, sich diese selbst zu besorgen. Email an theaterschmidt@aol.com oder per Telefon unter 0441/21988824. Autor und Verlag sind hier dazu verpflichtet, die Theatergruppe auf evtl. anfallende GEMA-Gebühren hinzuweisen.

 

 

Erster Akt

 

                  (Beide Türen sind weit geöffnet. Wenn der Vorhang sich öffnet, steht Yannik recht "verloren" und enttäuscht, seitlich zum Publikum schauend an der hinteren Tür. Er hält viele Rosen in seiner Hand. Er trägt einen Anzug, Hemd und Krawatte. 3-5 Frauen sind schon auf der Bühne, stehen in einer Reihe hintereinander, teilweise mit Hand-oder größeren Taschen, aber keine Koffer. Weitere 10-12 weibliche Statisten (insgesamt gerne 17 - aber nicht mehr) kommen nacheinander von rechts auf die Bühne und gehen an ihm vorbei. Sie bleiben vor Yannik kurz stehen, und jede sagt ihm zum Abschied noch wütend oder enttäuscht ein paar Worte. Falls Ihrer Gruppe keine 17 weibl. Statisten zur Verfügung stehen, können Sie dieses auch mit weniger Akteuren hinbekommen, wenn es hinter der Bühne eine Verbindung von der Tür nach hinten und rechts gibt. Die Frauen können sich schnell nach ihrem Abtritt ein anderes Ober-oder Unterteil anziehen, Perücke aufsetzen oder andere Accessoires benutzen, sich erneut in der Schlange einreihen und dann nochmal von rechts hereinkommen und wieder hinten abgehen usw. Etwas abseits hinten links im Raum stehen Thekla und Otto. Beide sind offensichtlich erschüttert über die Szene. Das Ehepaar Hübner trägt normale, zeitgemäße Alltagskleidung. Es ist ein Abend an einem Wochentag, ca. 18 Uhr)

 

1. Szene

                  Textbeispiele für die "gehenden" Frauen:

                                                                      

Statistin1:  "Nein danke, sowas wie Dich brauch´ ich wirklich nicht." (ab)

 

Statistin2:  "Behalt´ Deine Rose. Unfassbar, was ich hier mitmachen muss." (ab)

 

Statistin3:  "Wer will denn bitte sowas wie DICH?" (ab)

 

Statistin4:  "Leb´ wohl", "Ich will auch keine Rose, vielen Dank. Entschuldige,  ich suche einen MANN und keinen Schlappschwanz." (ab)

 

Statistin5:  "Tut mir leid, für eine Beziehung brauche ich etwas anderes als Dich. Aber schön, dass ich Dich kennenlernen durfte." (ab)

 

Statistin6:  "Pah..., Mama und Papa mit im Haus. Ich glaub´ ich spinne. Selten so gelacht." (ab)

                  dann Statistin 7, 8, 9 usw. bis höchstens 17 mit weiterem Text, der ab und zu barsch und deutlich oder aber auch liebenswürdig ablehnend sein kann.

                 

2. Szene

Yannik:     (geht zur Tür, als die letzte Frau den Raum verlassen hat, schaut leicht verzweifelt allen hinterher)

Otto:          (fassungslos) Thekla, sie gehen! Sie gehen fast alle!

 

Thekla:      (ebenso) Ich sehe es, Otto.

 

Otto:          (zu Yannik) Junge, so mach doch was.

 

Yannik:     (eher gereizt) Ja, WAS denn?

 

Thekla:      (geht zur rechten Tür, schaut hinaus, schließt diese, geht dann besorgt zu Yannik) Da ist niemand mehr. Ich hab´ mitgezählt. Es waren 17.

 

Otto:          (kommt dazu) Und es waren insgesamt 20! Das ist ja eine Katastrophe. Das kann doch alles wohl nur ein Missverständnis sein. Warum will denn keine unseren Yannik?

 

Thekla:      Moment mal. 20 weniger 17...

 

Otto:          Oh Gott, das senden die doch hoffentlich nicht im Fernsehen, oder? (schaut kurz nach oben in die Ecken der Bühne zu den installierten Kameras)

 

Yannik:     (wirft die Rosen auf den Boden, setzt sich wütend und verzweifelt, vergräbt das Gesicht in seine Handflächen.) Die können mich doch alle mal gern haben. Sollen sie doch abhauen. Mir doch egal. (die Tür nach hinten bleibt offen)

 

Thekla:      Wir sollten jetzt ganz ruhig bleiben. Du auch, Yannik. Außerdem ist noch nichts verloren. Ich sagte ja schon: Es waren nur 17, die gegangen sind. Da müssen dann ja noch irgendwo 3 stecken. (hebt die Rosen auf, legt sie dann irgendwo ab)

 

Yannik:     Die sind bestimmt geflohen, OHNE sich zu verabschieden. Boah, ist das alles peinlich.

 

Thekla:      Ja, aber warum denn nur? Was ist denn passiert? Ist irgendetwas vorgefallen?

 

Yannik:     Nein.

 

Thekla:      Ich versteh´ das alles nicht. Das war hier nun die allererste Nacht der Rosen und dann endet das so?!

 

3. Szene

Anni:         (kommt zügig von hinten herein, klopft dabei kurz an die geöffnete Tür. Eine energische Person, trägt "landwirtschaftliche" Alltagskleidung, evtl. Schürze, Gummistiefel und Kopfbedeckung, Gummihandschuhe sind auch möglich, die sie dann während des folgenden Dialogs auszieht, irgendwo ablegt. Sie kann auch ein wenig dreckig sein) Otto! Thekla! Sollte ich irgendwas wissen?

 

Thekla:      (nicht sehr begeistert) Ach Anni, Du...?!

 

Otto:          (mehr für sich) Oh nee...

Anni:         Was denn? Die Gummistiefel hab ich draußen gut abgeputzt, keine Bange. Die muss ich hier doch nicht ausziehen, oder? Das hab´ ich hier noch nie getan.

 

Thekla:      Ist schon gut, Anni.

 

Anni:         Also dann: Heute Morgen um kurz nach 10 kam hier ein Kleinbus mit 20 Frauen an. Jetzt ist es Abend, ich bin im Gemüse-Garten und pflanz´ gerade dicke Bohnen. Es ist März und ihr kennt ja den Spruch: "Wer dicke Bohnen will essen, darf den März nicht vergessen", nicht? - Ich schaue plötzlich nichtsahnend hoch, und sehe, dass all diese Damen wieder in den Bus einsteigen. Und die Gesichter sahen aus, als wenn jede einen Liter Sauerkrautsaft getrunken hat. Machen die einen Ausflug? Und wenn ja - fährst Du denn gar nicht mit, Yannik?

 

Yannik:     (winkt ab, steht geladen auf) Ach, lasst mich doch alle in Ruhe. (zügig ab nach rechts)

 

4. Szene

Anni:         Hat er was?

 

Thekla:      Otto, schau bitte mal nach ihm. Er sollte jetzt nicht alleine sein.

 

Otto:          Ja. Und Anni - das ist jetzt wirklich unpassend, dass Du hier auftauchst. (ihm hinterher, ab)

5. Szene

Anni:         Bitte - was?

 

Thekla:      (leicht verzweifelt) Otto hat recht. Das ist jetzt ein ganz schlechter Zeitpunkt, dass Du hier... also - ich weiß gar nicht, wie ich Dir das erklären soll.

 

Anni:         (legt tröstend die Hand auf Theklas Schulter) Ach, das macht doch nichts. Das kriegen wir schon wieder hin, Thekla. Deshalb ist es ja umso besser, wenn man nette Nachbarinnen hat, mit denen man das Leid teilen kann, nicht?! Nachbarinnen und Freundinnen. So, ich bin da. Und nun rede. Was ist passiert?

 

Thekla:      (gibt auf) Wenn ich das doch nur wüsste, Anni.

 

Anni:         Na, Du willst mir doch jetzt nicht weismachen, dass Yannik einen so speziellen Geschmack hat, dass er nach weniger als 8 Stunden schon all seine Bewerberinnen wieder nach Hause schickt. Da wird von 20 Frauen doch wohl eine dabei sein, die es mit ihm aushält.

 

Thekla:      (will was sagen, aber...) Ja...

 

Anni:         Außerdem sind innere Werte doch auch viel wichtiger als das Aussehen. Mein Mann Karl-Günter war auch ein hässliches Entlein. Aber er hatte ein gutes Herz. Ja, er war hässlich aber gut. Gott hab´ ihn selig. - Ja, nun sag´ doch was, Thekla. Lass Dir doch nicht jedes Wort aus der Nase ziehen.

 

Thekla:      (will gerade wieder was sagen...) Ja...

 

Anni:         Warum will Yannik denn keine von den Grazien? Er hat sich doch freiwillig bei dieser Fernsehsendung beworben. (belustigt und abwertend) Als Bachelor. - Find´ ich übrigens sehr witzig, wenn ich das mal so sagen darf. Ja gut, es ist heutzutage nicht so einfach, den richtigen Partner zu finden.

 

Thekla:      (holt erneut Luft um etwas zu sagen) Ja...

 

Anni          Und Discotheken gibt es ja auch immer weniger. Wo finden die meisten jungen Leute ihre bessere Hälfte eigentlich? Im Internet? - Na ja, bis man sich richtig kennt, vergehen ja auch ein paar Wochen, nicht?! Und das ist es, was ich meine. Es ist ja wohl so gut wie unmöglich, dass er nach ein paar Stunden die Eigenschaften von all den Damen schon kennt. Gott Thekla, nun sag´ doch auch mal was!

 

Thekla:      (aufgebracht) Ja, Du lässt mich ja nicht! (dann ruhiger) Yannik hat die Frauen nicht weggeschickt, Anni. Sie sind selbst gegangen. Sie wollen ihn nicht.

 

Anni:         W a s ???

Thekla:      (dann schnell) Ja und ich weiß auch gar nicht, ob es wohl richtig ist, dass ich DIR das erzähle. Nu halt bloß den Mund. Das muss ja nicht gleich das ganze Dorf wissen.

 

Anni:         Nun mal... also nun mal langsam. Als ob ICH neugierig bin. Du hast mir vor Wochen schon erzählt, dass Euer Yannik sich bei dieser Fernsehshow "Der Bachelor " beworben hat.

 

Thekla:      Ja, und man hat ihn dazu ja auch gewählt.

 

Anni:         Was für ein dummer Titel eigentlich, nicht?! Ist ein Bachelor nicht sowas wie ein akademischer Grad oder sowas? Akademischer Landwirt vielleicht? Hähähä...

 

Thekla:      (findet das weniger witzig) In diesem Fall ist das wohl eher als Bittsteller gemeint, glaub´ ich.

 

Anni:         Bittsteller? Ach - um was bittet Yannik denn?

 

Thekla:      Na um die Frau für´s Leben eben. Er bittet sie zu sich. - Ach Anni, das ist nun doch auch wirklich egal. Diese Fernseh-Sendung funktioniert eben so und gut.

 

Anni:         Ja ja. Auf jeden Fall hast Du mir erzählt, dass dieser Kram vom Sender verändert worden ist, indem sie nicht mehr in Kappstadt drehen, sondern die Frauen direkt zu dem Bachelor nach Hause schicken. Also hierher - hier zu euch nach Kattendorf*.

 

Thekla:      Genau so ist es.

 

Anni:         Du hast auch gesagt, die verbringen dann 2 Wochen lang die Tage hier und nachts schlafen die in einem Hotel in der Stadt. Und abends gibts dann immer die Nacht der Rosen und der Bachelor schickt 2 oder 3 wieder fort.

 

Thekla:      So war es geplant, ja.

 

Anni:         Eben. Und was genau ist HIER seit heute Vormittag passiert? Gott, Thekla nun rede doch endlich. Ich krieg das doch sowieso raus. Ich meine, wenn Yannik für diese Frauen nicht gut genug ist - ICH habe auch einen Sohn, der noch auf der Suche ist. Und mein Lennart ist ein guter Junge. Irgendwann bin ich alt und kann nicht mehr mit anpacken auf unserem Hof. Ja, WIR haben ja noch Landwirtschaft, IHR musstet das ja aufgeben. Ich versteh´s bis heute nicht, Thekla.

 

Thekla:      (jetzt direkter) Das muss ja jeder selbst entscheiden, Anni! Wir haben vor einem Jahr unseren Hof ganz bewusst abgeschafft. Otto kann nach seinem Bandscheiben-Vorfall so gut wie gar nichts mehr machen, und Yannik war eh nie der geborene Landwirt. Außerdem ist das ganz sicher AUCH ein Grund, weshalb Yannik bisher noch keine passende Frau gefunden hat. Welches Mädchen will das denn noch in dieser modernen Zeit? Einen Landwirt heiratet man ganz sicher nicht so gerne.

 

Anni:         Das ist doch Quatsch. (stolz) Und Landwirt ist mein Lennart! Dein Yannik nicht mehr; der ist ja jetzt Milchkontrolleur.

 

Thekla:      Genau!

 

Anni:         Und trotzdem flüchten die Frauen nach ein paar Stunden schon wieder?! Hähä... Das ist ja lustig.

 

Thekla:      Ich finde auch DAS überhaupt nicht lustig! Dein Humor ist manchmal wirklich anstrengend. Und wenn Du nur hierhergekommen bist, um mir Deine Schadenfreude zu zeigen, dann ist es wohl besser, Du gehst jetzt.

 

Anni:         Bist Du jetzt beleidigt oder was?

 

Thekla:      Wenn Du darauf herumreitest, dass Yannik kein Landwirt mehr ist, dann frag´ ich mich allerdings, weshalb er Deinem Lennart so oft helfen muss.

 

Anni:         Na, DAS ist ja wohl Nachbarschafts-Pflicht.

 

Thekla:      Da schau an. Ich muss mich jetzt eh erst um meinen Jungen kümmern. Und Yannik ist ein guter Junge, genauso wie Dein Lennart. (schon zur rechten Tür gehend)

 

Anni:         Ja ja... ist ja gut. (geht zur hinteren Tür, dreht sich nochmal um) Sind denn alle weg? Ich meine, sind alle Frauen wieder abgereist?

 

Thekla:      Was spielt das denn noch für eine Rolle, Anni?

 

Anni:         Ja, wenn noch welche da sind, könnte ich doch meinen Lennart vorbeischicken. Er ist ja nicht so anspruchsvoll.

 

Thekla:      Anni, jetzt reg´ mich bitte nicht auf. Du findest alleine raus, ja? Hast ja auch alleine herein gefunden. Und mach´ die Tür zu. (recht wütend ab nach rechts) 

 

6. Szene

Anni:         (allein, schadenfroh, will auch ab, als...) Ha...

 

7. Szene

Lennart:     (...von hinten hereinkommt. Ein dröger, linkischer Mann, leicht zurückgeblieben in seiner Art, aber nicht behindert. Er trägt typische Kleidung für einen Landwirt, grinst)

 

Anni:         Lennart!

 

Lenard:      Ich hab´ mir schon gedacht, dass Du hier bist, Mama. - Sind alle weggefahren, die Mädchen. Mit ´m Bus. Bleiben die nicht mehr? Hat Yannik schon eine gefunden?

 

Anni:         Gefunden? - Da prahlt Thekla Hübner wochenlang im ganzen Dorf herum, dass ihr Yannik Fernsehstar wird und er der Auserwählte ist, der sich von 20 Frauen eine aussuchen darf, und jetzt erleben er und seine Eltern die Pleite des Jahres.

 

Lennart:     Pleite? Was meinst Du, Mama?

 

Anni:         Thekla sagte, die sind freiwillig wieder gegangen. Geflüchtet sind sie. Nach nur wenigen Stunden. Die wollen ihn nicht.

 

Lennart:     Echt jetzt?

 

Anni:         Wenn ich es Dir doch sage, Kind.

 

Lennart:     Oh. Das ist aber schade. Dann stimmt das wohl doch, was Du immer über Yannik sagst.

 

Anni:         Was meinst Du?

 

Lennart:     Na, das Yannik Hübner genau wie Teflon ist - an dem bleibt nix haften. Hähä...

 

Anni:         Genau! Teflon-Yannik. (streichelt ihm liebevoll über den Kopf) Hach, ich bin ja so froh, dass wir beide mit so einem Kram keine Last haben. WIR beide machen uns im Fernsehen nicht lächerlich, nicht wahr?!

Lennart:     Hhhmmm... machen wir nicht. Obwohl...

 

Anni:         Ja, ich weiß, was Du sagen willst. Es wird Zeit, dass wir auch eine passende Frau für Dich finden. Lass Deine Mutter das nur machen. Das wird schon.

 

Lennart:     Wo ist Yannik denn jetzt? Er ist doch sowas wie ein Freund für mich. Ist er traurig, weil ihn keine will?

 

Anni:         Was weiß ich?! Ich gönn´ dieser Familie das von Herzen, dass sie mit ihrem Hochmut auf die Nase fallen. Da sagt sie mir gerade doch direkt ins Gesicht, dass sie auch deshalb ihren Hof abgeschafft haben - na, weil Teflon-Yannik sonst vielleicht nie an eine Frau gerät. Und was haben sie nun davon: Keinen Hof mehr und ´ne Frau für Yannik erst recht nicht. So muss sie´s haben - Thekla Hübner - diese überhebliche Fregatte. (plötzlich) Oh...

 

Lennart:     Was ist denn, Mama?

 

Anni:         (schaut etwas verängstigt in die oberen Ecken des Raums) Thekla erzählte, dass diese Sendung ohne Moderation auskommt. Aber das in allen Räumen und auch draußen unzählige Kameras installiert sind, die alles aufzeichnen. Und davon wird dann später alles zusammen geschnitten für die Zuschauer.

 

Lennart:     Cool.

 

Anni:         Cool? Was ist daran denn cool? (leiser) Schau doch mal nach oben. Wir sind jetzt auch gerade im Bild und werden sicher aufgenommen.

 

Lennart:     Echt? (schaut in alle Ecken, geht dann in eine Ecke, schaut nach oben, winkt dahin) Hallo. Kamera da oben - ich bin´s: Lennart Thoben.

 

Anni:         (geht zu ihm) Nun lass doch, Kind. (grinst verlegen in die Kamera, richtet schnell Kleidung und das Haar, zieht ihn dann weg aus der Ecke) Wenn die davon wirklich was senden, Lennart... ich glaub´ nicht, dass das sein muss. (geht dann nochmal in eine Ecke, schaut nach oben in die Kamera, jetzt auch lauter:) Hähä... das ist ja super, das der Teflon-Yannik - äh, ich meine der nette Yannik Hübner sich als Bachelor eine Frau aussuchen darf. Jaaaa... er ist genau der Richtige dafür. ICH hab´s schon immer gesagt. Ich bin übrigens die Nachbarin: Anni Thoben. Ich komme gerade aus unserem großen Garten neben unseren großen Hof. Und das hier... (zieht Lennart ins Bild) ist MEIN Junge - Lennart. Der sucht auch noch. Aber ich finde für ihn auch OHNE diese wunderbare Sendung ein passendes Gegenstück, glaub´ ich. (beide winken dann dumm grinsend in die "Kamera". Sie sollten dabei in die obere Ecke links vorne oder hinten im Raum schauen)

 

8. Szene

Hedwig:    (kommt sodann von rechts herein. Schaut sich kurz um, zunächst verunsichert, dann überrascht, vorsichtig:) Hallo? (Hedwig ist recht altbacken gekleidet, in ihrer Art auch ein wenig verklemmt, ihre Frisur ungewöhnlich)

 

Anni:         (und Lennart, die solange immer noch grinsend in die Kamera gewunken haben, drehen sich erst jetzt um) Oh, guten Tag.

 

Lennart:     Tach auch. Na...

 

Hedwig:    Können Sie mir vielleicht sagen, wie es hier nun weiter geht?

 

Anni:         Äh... weiter geht?

 

Hedwig:    Ja, wir sollten warten - im Wintergarten. Wir alle. Weil doch jetzt am Abend die sogenannte "Nacht der Rosen" stattfindet. Yannik muss doch seine erste Entscheidung treffen, welche heute schon wieder gehen sollen. Ja und dann tuscheln plötzlich die meisten miteinander, stehen auf, sagen nix und gehen raus. Und uns sagt keiner Bescheid, wie es nun weiter geht und wir warten und warten.

 

Anni:         WIR?

Hedwig:    Ja, ich und die beiden anderen. Diese eine blöde Kuh heißt wohl Kimberly. Und wo all die anderen sind wissen wir nicht.

 

Anni:         Sie sind auch eine von den Kandidatinnen? Ich meine, ich will ja nicht unverschämt sein, aber...

 

Hedwig:    Ich weiß, dass ich keine 20 mehr bin. Na und? Was macht das schon? Vielleicht steht Yannik ja auf reife Frauen.

 

Lennart:     Eh geil - es sind noch welche geblieben, Mama.

 

Anni:         Kind, sag´ doch nicht "geil". Sag´ lieber "erfreulich" statt geil.

 

Lennart:     Es sind noch welche geblieben, Mama. Das ist doch erfreulich statt geil.

 

Hedwig:    Hä?

 

Anni:         (geht zu ihr, reicht ihr freundlich die Hand) Anni Thoben. Erfreulich.

 

Hedwig:    Und geil?

 

Lennart:     Hähä...

 

Anni:         (schiebt ihren Sohn vor) Und das ist mein Sohn Lennart.

 

Lennart:     (reicht ihr auch die Hand) Hallo. Erfreulich.

 

Hedwig:    Geil!

 

Anni:         Was?

 

Hedwig:    Ich meine, freut mich. Mein Name ist Hedwig Westphal.

 

Anni:         Hedwig! Ein schöner Name. Nicht so modern wie die meisten, nicht wahr, Lennart?!

 

Lennart:     Joah...

 

Hedwig:    Danke. Aber sagen Sie: Wo sind Herr und Frau Hübner? Und vor allem: Wo ist Yannik? Hat er sich denn immer noch nicht entschieden wer bleiben darf?

 

Anni:         Ach DER... machen Sie sich doch keine Gedanken um den. Und was Ihre Frage angeht: Die anderen Kandidatinnen sind gegangen. Ja, sie sind alle weg.

 

Hedwig:    (kann es nicht glauben) Weg? Das glaub´ ich nicht.

 

Anni:         Wenn ich es Ihnen doch sage!

 

Lennart:     Wenn meine Mama es Ihnen doch sagt!

 

Anni:         Genau! Sie wollen Teflon-Yannik nicht. Keine. Na, wen wundert´s, nicht?!

Hedwig:    Äh, Teflon-Yannik?

 

Lennart:     (grinsend) Joah, an dem bleibt nix haften, hähä...

 

Anni:         Richtig. Aber mein Junge hier - der ist komplett unbeschichtet. Reinster Stahl. Ist das nicht geil - äh - ich meine: erfreulich?!

 

Hedwig:    Ja, aber ich weiß auch nicht so recht, was... also...

 

Anni:         (und Lennart stellen sich rechts und links neben Hedwig, schauen dann wieder grinsend in eine obere Ecke der Bühne in eine Kamera, winken dort gemeinsam hinein)

 

Hedwig:    (wundert sich, schaut beide an, versteht nicht, dann kommen spontan...)

 

 

9. Szene

Kimberly:  (...und Daniela von rechts aufgebracht herein. Kimberly trägt sehr elegante, extravagante Kleidung wie ein Minikleid o.a. sowie High Heels, üppige Frisur, ist stark geschminkt, mit Handtasche, evtl. viel Schmuck usw. Daniela ist eher schick und sportlich gekleidet und trägt ein dezentes Make up. Ebenso ist auch das Verhalten und der Charakter der beiden.) Gibt es hier jetzt bitte mal eine klare Ansage was Sache ist? (zu Hedwig) Hast Du was rausgefunden?

Hedwig:    Äh... nein, also...

 

Kimberly:  (barsch) Und wer sind die da? (deutet auf Anni und Lennart)

 

Lennart:     Geil - jetzt sind´s 3, Mama.

 

Anni:         (leicht ironisch) DIE da sind Anni Thoben und ihr Sohn Lennart.

 

Kimberly:  Na toll. Und was bitte habt ihr hier verloren? Wollt ihr vielleicht auch um den Bachelor kämpfen? Dann solltest (zu Anni) Du erstmal durch ´nen Jungbrunnen hüpfen.

 

Anni:         Also, ich will Ihnen mal was sagen, Sie Cremetopf auf Stelzen.

 

Kimberly:  Ha, gerade DAS sagt mir so ´ne Stinkbombe. Sehr komisch. (zu Lennart) Und Du? Stehst auf Kerle oder was?

 

Lennart:     (verlegen und grinsend, aber nicht beleidigt) Neee... ganz und gar nicht.

 

Daniela:     (geht schnell hin, reicht zunächst Anni, dann Lennart freundlich die Hand) Daniela Caspers. Gehören Sie zum Team?

 

Anni:         Team? Jaaa... also, das kann man sehen wie mal will.

 

Lennart:     Hallo. Ich bin Lennart.

Hedwig:    (zu Kimberly) Du bist echt unmöglich mit Deiner Unfreundlichkeit.

 

Kimberly:  Was willst DU denn, Hedwig Westphal? Mich anmachen oder was? Du kannst gleich mit dieser (deutet auf Anni) Vogelscheuche gehen. DU bist nämlich auch 30 Jahre zu spät geboren und hier völlig fehl am Platz.

 

Hedwig:    Oah, was bist Du gemein. Dein Name hört sich an wie von einer Puppe. Da brauchst Du Dir nix drauf einzubilden. Wer heißt denn bitte Kimberly Chantalle?!

 

Daniela:     Hört jetzt auf! (zu Anni und Lennart) Wo sind all die anderen und wo ist Yannik? Können Sie uns das sagen?

 

Kimberly:  DIE kannste fragen, was ´ne Kuh kostet. Man sieht und riecht es, Schätzchen.

 

Hedwig:    (zu Anni und Lennart) Hören Sie nicht auf die. Die ist den ganzen Tag schon so vulgar.

 

Kimberly:  Vulgär heißt das, Du Dummchen. Und pass bloß auf, was Du sagst. NOCH bin ich gut gelaunt.

 

Anni:         (muss lachen) Gut gelaunt? Wie führen Sie sich denn auf, wenn sie das nicht sind, Kimberly?

 

Kimberly:  Ich glaube es ist besser, wenn Du das nicht erfährst, Bauern-Lady. (geht zu einem Sessel oder zur Couch, lässt sich darin "fallen", schaut gelangweilt)

 

Lennart:     Hähä... Bauern-Lady sagt sie zu Dir, Mama. Geil.

 

Anni:         Geil finde ich das hier gerade ganz und gar nicht, mein Junge.

 

Hedwig:    Sie meinen sicher "erfreulich".

 

Anni:         Was?

 

Hedwig:    "Erfreulich" statt geil.

 

Anni:         Jaja.

 

Kimberly:  Sag mal, tickt ihr noch echt?

 

Daniela:     Wovon reden Sie?

 

10. Szene

Otto:          (kommt zügig gefolgt von Thekla von rechts herein, Otto erleichtert) Hier sind sie. Alle drei.  

 

Thekla:      Alle FÜNF! (zu Anni) Entschuldige, aber was machst Du noch hier? Und weshalb ist Lennart nun auch bei uns?

 

Daniela:     (und Hedwig gehen während des nächsten Dialogs auch zum Tisch bzw. zur Couch)

 

Anni:         Wir wollen nur noch schnell ein paar Eindrücke sammeln. Ich muss doch wissen, wer Eure Schwiegertochter vielleicht bald wird, nicht?! Na ja, und dann hab´ ich auch gleich für meinen Lennart mal geschaut. Denn DREI braucht Euer Yannik ja nun wohl nicht, oder?

 

Otto:          Anni, ist gut jetzt. (geht hin, nimmt sie am Arm, zieht sie zur hinteren Tür) Du bist willkommen bei uns - aber JETZT musst Du gehen! Du auch, Lennart.

 

Anni:         Ja doch. Lass mich los. (wehrt sich, an der Tür zu den Frauen hin sprechend:) Wenn Sie Zeit haben, kommen Sie gerne mal bei uns vorbei. Mein Lennart ist ein guter Junge.

 

Kimberly:  Boah eh, ist das peinlich hier.

 

Anni:         SIE hab´ ich nicht gemeint, Farbtopf - sondern eher Hedwig.

 

Kimberly:  Du fängst Dir gleich eine, Melk-Tusse.

 

Hedwig:    (wundert sich über das, was Anni zu ihr sagte) Was meinen Sie, Frau... äh...

 

Thekla:      ANNI, es reicht.

 

Anni:         Ja doch. (dann mit Widerwillen ab, gefolgt von Lennart. Die Gummihandschuhe vergisst sie)

 

Lennart:     (allein an der Tür, dreht sich nochmal um, dumm grinsend in eine "Kamera-Ecke" schauend, dahin winkt) Tschüß Kamera - bis bald. (dann auch den Frauen zuwinkt) Tschüß ihr 3 Mädchen. Ich find´ euch alle geil - äh - ich meine erfreulich. Hähä... (ab)

 

Thekla:      (schließt die Tür)

 

11. Szene

Otto:          (seufzt, dann freundlich) So. Ich äh... also ich meine: Meine Frau und ich - wir freuen uns, dass Sie noch hier sind.

 

Daniela:     Noch hier sind? Was soll das heißen?

 

Thekla:      Die anderen Kandidatinnen sind gerade, nun ja...

 

Kimberly:  Ja was?

 

Otto:          Sagen wir es mal so: Sie hier haben ganz plötzlich 17 Ihrer Konkurrentinnen aus dem Rennen geschlagen. Ja.

 

Thekla:      Na, wenn DAS kein Grund zur Freude ist. Hähä...

 

Hedwig:    Die sind weg?

Daniela:     Einfach so?

 

Kimberly:  Wow. Cool. Dann muss ich also nur noch diese beiden Tussen hier aus dem Weg räumen und alles ist fit. Geht doch.

 

Daniela:     Freu Dich mal bloß nicht zu früh.

 

Hedwig:    Genau. (geht dann nach hinten ab, die Tür bleibt offen)

 

Kimberly:  Ja, ihr mich auch. (dann zu Otto:) Und geht´s denn auch nochmal weiter im Programm? Wir haben lange genug gewartet. Und was wollt IHR (deutet auf Otto und Thekla) eigentlich hier?

 

Thekla:      (leicht empört) Wir sind die Eltern von Yannik, falls Sie es noch nicht bemerkt haben sollten.

 

Kimberly:  Wie schön. Und wer will das wissen?

 

Thekla:      Also... (will sich schon aufregen)

 

Otto:          (nimmt Thekla am Arm) Sie haben völlig recht.

 

Kimberly:  Sie können uns was zu trinken bringen; und ein kleiner Imbiss wäre auch nicht schlecht. Eine Kir Royal wäre super und dazu vielleicht ein paar Kräcker mit Kaviar.

 

Thekla:      Ja, bin ich denn Ihre...

 

Otto:          (schnell) Wir sind schon weg und holen jetzt die Hauptperson. Und etwas zu essen bringt meine Frau auch gleich. (zieht Thekla mit ab nach rechts, die sich ein bisschen wehrt, weil sie Kimberly noch die Meinung sagen will. Otto hält Thekla den Mund zu)

 

12. Szene

Hedwig:    (kommt zurück, schließt die Tür) Der Bus ist wirklich weg.

 

Daniela:     Wie können die denn alle so schnell aufgeben? Wir kennen Yannik doch noch gar nicht richtig. Das muss für Yannik eine Blamage sein.

 

Kimberly:  Schätzchen, schau Dich doch mal um. Wir sind hier von dem Fernseh-Sender mit einem Bus irgendwo auf´s platte Land gekarrt worden. Alle zusammen. Keine Luxus-Limousine für jede von uns alleine, kein Pool, keine große Villa. Hier von nebenan stinkt´s nach Mist und wir haben hier bisher fast mehr Kontakt mit den Eltern vom Bachelor gehabt als mit ihm selbst. Wer will das denn schon? Frauen haben Ansprüche heutzutage.

 

Hedwig:    Achja?! Und warum bist DU dann noch hier?

 

Kimberly:  Weil ich ihn mag. Er hat irgendwie was.

 

Hedwig:    Ich mag ihn auch! Er hat so schöne Augen.

 

Daniela:     Mir gefallen besonders seine Hände.

 

Hedwig:    Schöne Füße hat er auch.

 

Daniela:     Wann hast Du denn seine Füße gesehen?

 

Hedwig:    Na ja, ich meine - so in Schuhen eben.

 

Daniela:     In Schuhen eben?

 

Hedwig:    Ja Mann. Man hat doch eine gewisse Vorstellung, wie Dinge aussehen, wenn sie nicht verhüllt sind.

 

Kimberly:  Wow. Gefällt Dir denn auch seine Hose? Vielleicht so im Bereich Reißverschluss?

 

Hedwig:    (zu Daniela) Boah, die ist nur vulgar.

 

Kimberly:  Wie oft noch, Dummchen? Das heißt vulgär! Mann eh, bist Du deef.

 

Hedwig:    Das heißt doof!

 

Kimberly:  (belustigt) Na, zumindest DAS weist Du!

 

13. Szene

Yannik:     (kommt von rechts zurück, zunächst ein bisschen unsicher) Hallo.

 

Daniela:     Ach, da ist er ja wieder.

Hedwig:    (seufzt) Ja, da ist er.

 

Kimberly:  Hi. Geht´s jetzt endlich weiter?

 

Yannik:     Ja. Es ist... tja, alles ein wenig anders gelaufen als geplant. Und es tut mir auch leid, dass ihr solange warten musstet. (geht zu den Rosen, nimmt sich drei davon)

 

Daniela:     (freundlich) Das macht doch nichts. Manchmal passieren eben Dinge, die nicht vorhersehbar sind.

 

Hedwig:    So ist es.

 

Kimberly:  Ist kein Ding. Mach nur zu.

 

Yannik:     (steht dann mit seinen Rosen da) Ich möchte keine langen Erklärungen abgeben und komme dann auch gleich zur Entscheidung.

 

Kimberly:  So soll es sein.

 

Yannik:     Die Wahl, wem ich heute in der ersten Nacht der Rosen eine Blume überreichen möchte, ist mir wirklich nicht leicht gefallen.

 

Kimberly:  (lacht laut los) Hahaha... ist das geil.

 

Yannik:     Ja, und... äh, die erste Rose möchte ich an eine Frau vergeben, die mich mit ihrer sympathischen Art und auch mit ihrer positiven Ausstrahlung schon in diesen wenigen Stunden         fasziniert hat. Und deshalb frage ich Dich: (kurze Pause) Daniela, möchtest Du diese Rose haben?

 

Daniela:     (kommt erfreut vor, nimmt sie) Oh ja. gerne. Vielen Dank. (geht zurück)

 

Kimberly:  Eh Süßer, hast Du echt Bock auf diese Show? Was soll denn der Mist? Wir drei sind die letzten von 20. Schon vergessen? Alle sind abgehauen. Wir wissen Bescheid. Du willst jetzt noch wählen zwischen uns drei?

 

Hedwig:    Nun lass ihn doch. Das ist sicher für ihn nicht leicht. Und vielleicht kannst Du ja auch gleich abhauen, wer weiß?!

 

Kimberly:  Schätzchen. WENN hier jemand das Weite sucht, bist DU das eher. (zu Yannik:) Damit Du schon mal klar siehst: Sie ist Fuß-Feteschistin.

 

Hedwig:    Das ist gar nicht wahr!

 

Yannik:     Äh... ja, Kimberly hat nicht ganz unrecht. Selbstverständlich frage ich auch Dich, (zu Hedwig) äh... wie war noch gleich Dein Name?

 

Hedwig:    (stolz) Hedwig. Hedwig Westphal.

 

Kimberly:  MEINEN Namen hat er sich gemerkt - nur zur Info.

Daniela:     Meinen auch; bild´ Dir bloß nix ein.

 

Yannik:     Also ich frage auch euch, Hedwig und Kimberly, ob ihr beide eine Rose von mir möchtet, weil ich euch gerne noch näher kennenlernen will.

 

Kimberly:  (hält Hedwig zurück, die schon erfreut ihre Rose in Empfang nehmen wollte) Ja klar wollen wir ´ne Rose. Aber kommt da vielleicht noch was?

 

Hedwig:    Lass mich los, Du!

 

Yannik:     Achso, ja sicher. - Kimberly, Deine direkte Art vieles gleich auf den Punkt zu bringen...

 

Hedwig:    Vulgar ist sie.

 

Kimberly:  Klappe, Oldie.

 

Yannik:     ...nicht um den heißen Brei reden ist für mich ein wenig neu...

 

Hedwig:    ...taktlos!

 

Kimberly:  ...alte Kartoffel!

 

Yannik:     ...aber manchmal ist es im Leben sogar besser, offen die Wahrheit zu sagen. Ich kann bestimmt noch einiges von Dir lernen.

 

Hedwig:    ...vulgar zu werden. Billige Schlange.

Kimberly:  ...zähl´ Deine Tage, Grufti-Schnecke.

 

Yannik:     Und Hedwig, Du bist mir mit Deiner einfachen Art aufgefallen.

 

Kimberly:  Pah...

 

Yannik:     Du legst schon mal optisch weniger Wert auf ausgefallenes und legst charakterlich den Schwerpunkt auf das Wesentliche. Und das machst Du herzlich und ehrlich.

 

Hedwig:    Es bewegt mich so sehr, dass Du all das gleich gespürt hast.

 

Kimberly:  Ich spür´ auch grad was - dass ich gleich kotzen muss.

 

Yannik:     Kurz und gut: Ihr drei seid sehr unterschiedlich, aber sehr interessant. Und ich freue mich, Euch noch näher kennen zu lernen. (reicht die beiden anderen Rosen dann) Schön, dass auch ihr meine Rose nehmt.

 

Hedwig:    (und Kimberly nehmen nun die Rosen, es entsteht dabei ein kurzer kleiner Machtkampf wer zuerst eine nimmt, sie schubsen sich u.a. gehen dann aber wieder auf ihren Platz zurück)

 

Yannik:     Der Sender hat das Konzept vom "Bachelor" verändert, wie ihr unschwer erkennen könnt. Er hat für Euch Aufgaben parat, die ich Euch geben soll. Und auch ich soll bestimmte Dinge erfüllen.

 

Daniela:     Das hört sich interessant an.

 

Hedwig:    Ich bin schon ganz aufgeregt.

 

Kimberly:  Soll Dir jemand die Füße waschen? Da wüsst ich schon eine. Hähä...

 

Yannik:     Schon heute Abend soll ich ein erstes Einzel-Date mit einer von Euch verbringen. Das heißt - ich soll mich ungestört mit einer Frau ein paar Stunden unterhalten. Und ich entscheide mich da spontan für...

 

Daniela:     (voller Erwartung) Ja?

 

Hedwig:    (ebenso) Ja?

 

Kimberly:  (eher gelangweilt) Na?

 

Yannik:     ...für Kimberly.

 

Hedwig:    na dann viel Spaß.

 

Daniela:     (auch etwas enttäuscht) Ja.

 

Yannik:     Jede von Euch bekommt ihre Chance. Ich verspreche es. Die anderen beiden dürfen sich derweil gerne schon Gedanken zu der ersten Aufgabe machen. Und dazu braucht ihr etwas Zeit. Vielleicht müsst ihr dazu sogar nochmal zurück ins Hotel fahren zu Euren Sachen oder in die Stadt, um etwas zu besorgen. Die Läden haben ja bis 22 Uhr geöffnet. Es tut mir leid, wenn dadurch Umstände entstehen, aber der Sender verlangt es so.

 

Hedwig:    Was sollen wir denn machen?

 

Kimberly:  Sicher Fußbad einkaufen. Hähä...

 

Yannik:     Jede einzelne von euch soll mich mit ganz spezieller erotischer Kleidung überraschen. (schnell) Tja - diese Idee stammt nicht von mir. Es soll Kleidung sein, mit der ihr mich in die Träume der Lust entführen und verführen wollt. Das, was ihr präsentiert, ist dabei völlig euch überlassen. Und ihr sollt dabei nicht nur euren eigenen Geschmack berücksichtigen, sondern auch bedenken, was MIR gefallen könnte.

 

Daniela:     Meine Güte, das wird nicht leicht.  

 

Kimberly:  Das dürfte für mich kein Problem sein.

 

Hedwig:    Ja, DAS war ja klar. Du hast in Deinen Koffern bestimmt einen halben Porno-Laden.

 

Kimberly:  Neidisch?

 

Hedwig:    Pah...

 

Yannik:     Auch für diese Aufgabe darf ich bestimmen, wer das wann machen soll. Und für heute Abend habe ich mir da...

 

Daniela:     Ja?

 

Kimberly:  Ja?

 

Hedwig:    Ja?

 

Yannik:     Hedwig ausgesucht. Kimberly hat eh keine Zeit, wenn ich mich mit ihr unterhalten will. Und Daniela - Du bist dann morgen dran und darfst solange schon mal überlegen.

 

Daniela:     Okay.

 

Hedwig:    Und ich soll hier heute Abend noch erotisch auftreten? Ach, Du meine Güte.

 

Kimberly:  (belustigt) Jaaaa... und niemand ist gespannter auf diesen Auftritt als ich.

 

Yannik:     Okay. Jetzt möchte ich Euch "Danke" sagen. Danke, dass ihr noch hier seid. - Kimberly, kommst Du mit mir in den Wintergarten? (öffnet die Tür nach rechts)

 

Kimberly:  Klaro. (dreht sich an der Tür um) Viel Glück bei der Maskerade, Grufti. Ich besorg´ schon mal Taschentücher für die Lachtränen. (ab, gefolgt von Yannik)

 

Hedwig:    Bääh...

 

14. Szene

Daniela:     Wieso will er sich denn mit DER nun zuerst unterhalten? Verstehst DU das?

 

Hedwig:    Es gibt nur zwei Erklärungen dafür. Entweder ist er dumm und fährt wirklich auf sowas wie die ab, oder er will es schnell hinter sich bringen, weil er die Bestätigung sucht, dass DIE es ganz sicher nicht ist.

 

Daniela:     Ja, da hast Du wohl recht.

 

Hedwig:    Die ist vulgar.

 

Daniela:     Vulgär!

 

Hedwig:    Ja, DAS auch! - Du Daniela?

 

Daniela:     Ja?

 

Hedwig:    Hilfst Du mir? 

 

Daniela:     Wobei?

 

Hedwig:    Na, bei dieser... wie soll ich sagen? Verkleidung. Ich meine, damit ich etwas erotisches zum Anziehen finde und für Yannik gut aussehe.

 

Daniela:     Hedwig, Du bist ganz okay. Zumindest mag ich Dich viel lieber als diese unmögliche Kimberly Chantalle. Aber trotzdem sind wir Konkurrentinnen. Jede von uns ist hier, weil wir den Bachelor wollen. Da kann ich Dir nicht helfen. Das musst Du verstehen.

 

Hedwig:    (enttäuscht) Aber ich kenn mich da gar nicht aus.

 

Daniela:     Das kann ich mit denken. Ich muss mir ja selber Gedanken machen, was ich anziehe. - Ach, nun schau nicht so traurig drein. Das wird schon. Ich wünsch´ Dir viel Glück.

 

Hedwig:    Hhmmm...

 

15. Szene

Anni:         (kommt von hinten zügig herein, nachdem sie vorher kurz an die Tür geklopft hat. Ohne groß aufzuschauen, spricht sie schon beim Hereinkommen:) Jaaaa... nun reg´ Dich ab, Thekla Hübner - ich bin ja schon wieder weg. Ich stör´ auch nicht und bin vernünftig. Ich wollte nur... (sieht dann die beiden Frauen) Oh...

 

Hedwig:    Ja?

 

Anni:         Ich dachte, Otto und Thekla wären noch hier. Ich will ja keine Schwierigkeiten machen. Sie waren vorhin ja deutlich genug. - Äh... wo ist denn der zweibeinige Farbtopf? Haben Sie beide die endlich erledigt?

 

Daniela:     Kimberly hat ein privates Date mit Yannik.

 

Anni:         Nein! Na DIE will er doch wohl nicht, oder?

 

Hedwig:    Wir wissen es auch nicht.

 

Anni:         Ich hab´ meine Handschuhe vergessen und bin ja mit dem Bohnen-Pflanzen noch gar nicht fertig. (sieht sie) Aaah... da sind sie ja. (nimmt sie) Und Sie ? Also, ich meine - wenn Teflon-Yannik und Farb-Topf jetzt alleine sein wollen; was machen Sie denn solange?

 

Daniela:     Wir müssen uns Gedanken machen.

 

Anni:         Gedanken. Ahja.

 

Hedwig:    Wir haben eine Aufgabe bekommen.

 

Anni:         Aufgabe. Ahja.

 

Daniela:     Weil der Sender das ganze Konzept geändert hat, gibt es nun sowas wie Herausforderungen für die Kandidatinnen.

 

Anni:         Herausforderungen. Ahja. (kurze Pause) Gott, nun erzählen Sie doch endlich, was Sie damit meinen.

 

Hedwig:    Wir sollen uns dem Bachelor in einem erotischen Outfit zeigen.

 

Anni:         Ach Du liebe Zeit. So mit Strapse und so?

Hedwig:    Tja... ich bin völlig überfordert mit dieser Sache. Und Daniela will mir ja nicht helfen.

 

Anni:         Na hör´ mal. Daniela ist ja auch sowas wie eine Rivalin.

 

Hedwig:    Ja, das sagte sie auch schon. Ich werd´ am besten sagen, dass ich dieser Aufgabe nicht gewachsen bin. Dann werd´ ich morgen sicher keine Rose kriegen und darf nach Hause fahren.

 

Anni:         Moment Moment. Sie können doch nicht einfach die Flinte ins Korn werfen, nur weil es ein kleines Problem gibt. Denn ICH bin ja auch noch da. Kommen Sie mit rüber zu uns. Ich bin wohl keine 20 mehr, aber mit einem erotischen Fummel hab´ ich meinen Heinz-Günther in jungen Jahren auch schon mal überrascht. Und ich bewahre sehr lange alles auf an Klamotten. (schon an der Tür) Na, nun kommen Sie schon. Ein zweites Mal biete ich meine Hilfe vielleicht nicht wieder an.

 

Hedwig:    (schon erfreuter) Sie wollen mir wirklich helfen?

 

Anni:         Aber jaaaa... wenn ich es Ihnen doch sage!

 

Daniela:     (belustigt) Wenn sie es Dir doch sagt!

 

Hedwig:    Das ist ja geil.

 

Anni:         Sie meinen erfreulich?!

 

Hedwig:    Erfreulich geil - ja. (erfreut Anni hinterher ab nach hinten)

 

Daniela:     (schüttelt belustigt mit dem Kopf)

 

16. Szene

Otto:          (kommt von rechts mit einem Tablett herein. Darauf 3 Gläser und ein Krug mit Saft oder eine Flasche Wasser o.a.) Nanu, Sie sind ganz alleine? (stellt das Tablett auf den Tisch ab)

 

Daniela:     Ja. Ist es in Ordnung, wenn ich hier ein bisschen bleibe? Yannik unterhält sich erstmal und Hedwig plant ihren Auftritt.

 

Otto:          Aha. Aber sicher dürfen Sie sich hier aufhalten. Soweit ich informiert bin, kommt der Bus heute erst gegen 22:30 Uhr, um alle wieder ins Hotel zu fahren.

 

Daniela:     Genau. Es wäre geselliger, wenn die anderen 17 auch noch hier wären, aber...

 

Otto:          Sagen Sie nichts. Es ist eine Tragödie. Und umso schöner, dass Sie noch da sind. Was war es genau, was Sie dazu animiert hat, sich als Kandidatin für unseren Yannik zu bewerben?

 

Daniela:     Als ich vor vielen Wochen den Aufruf im Fernsehen sah und auch Yannik, da dachte ich: Der hat eine sehr schöne, interessante Ausstrahlung. Okay, ich hab´ dabei natürlich auch an zwei Luxuswochen gedacht in einem fernen Land; ich wusste ja nicht, dass die Regeln verändert worden sind.

 

Otto:          ...und sind schwer enttäuscht, dass Sie nun mit unserem bescheidenen Haus Vorlieb nehmen müssen?

 

Daniela:     Aber nein. Es ist doch sehr schön hier bei Ihnen.

 

Otto:          Vielen Dank. - Ich denke, ich kann mir so schnell kein Urteil erlauben; aber wenn ich Sie mit den anderen beiden vergleiche, meine Güte.

 

Daniela:     Wie darf ich das "meine Güte" deuten?

 

Otto:          Dieser bunte vorlaute Vogel...

 

Daniela:     die man auch Kimberly Chantalle ruft...

 

Otto:          ...also sowas passt einfach nicht zu Yannik. Und zu uns auch nicht. Na und dann diese... nun "rustikale" Person...

 

Daniela:     (belustigt) Ich denke, Sie sprechen von Hedwig.

 

Otto:          Wenn das ihr Name ist... die ist - entschuldigen Sie, aber sie ist viel zu alt für unseren Sohn. Yannik möchte doch auch noch Kinder haben. Und die biologische Uhr von dieser Person ist ja schon kurz nach dem 2. Weltkrieg stehen geblieben.

 

Daniela:     Jetzt übertreiben Sie aber. Und welchen Makel finden Sie bei mir?

 

Otto:          Absolut keinen. Sie sind perfekt, äh... Daniela?

 

Daniela:     Daniela, richtig. Und äh - vielen Dank.

 

Otto:          Ihre Figur, die Kleidung, ihr Make up, ihre sympathische Art, diese Augen...

 

Daniela:     Kann es sein, dass Sie gerade mit mir flirten?

 

Otto:          Ach Gott, flirten... das hört sich so aufdringlich an, nicht wahr?! Nennen wir es doch lieber komplimentieren. Und Sie haben jedes Kompliment verdient, welches man Ihnen nur machen kann.

 

Daniela:     Kimberly hätte nun einen Spruch dazu auf Lager. Ich sage nochmal "vielen Dank", Herr Hübner.

 

Otto:          "Herr Hübner", wie sich das anhört. Für Sie bin ich Otto. Und NUR Otto!

 

Daniela:     Dann wären Sie nach diesen 2 Minuten Kennenlernen also einverstanden, wenn ich bald Ihre Schwiegertochter werden würde?

Otto:          Aber ja! Absolut!

 

Daniela:     Ihre Frau war bestimmt auch eine ganz besonders hübsche junge Frau, als Sie ihr den Hof gemacht haben.

 

Otto:          Och...

 

Daniela:     Und wir dürfen nicht vergessen, dass es Yannik ist, der sich letztenendes entscheiden muss, wen er möchte. Es muss ja auch funktionieren - man muss sich ja auch verstehen. Das war doch auch bei Ihnen und Ihrer Frau damals das erste Gebot, oder?

 

Otto:          Eigentlich nicht. Thekla war ein Einzelkind auf einem großen Hof. Da hab´ ich dann eingeheiratet, die Landwirtschaft übernommen und nur ans Geld gedacht.

 

Daniela:     (schelmisch strafend) Otto!

 

17. Szene

Thekla:      (kommt mit einem kleinen, verpackten Päckchen von rechts) Ach, hier bist Du.

 

Otto:          Ja, ich äh... habe etwas zu trinken gebracht. Aber Frau äh...

 

Daniela:     Caspers. Daniela.

 

Otto:          ...Caspers ist ganz alleine hier. Und ich habe es nicht übers Herz gebracht, sie hier so einsam sitzen zu sehen.

 

Thekla:      Du und Dein empfindsames Herz.

 

Daniela:     (glaubt, dass sie stört) Ich... äh... könnte mal ein bisschen frische Luft schnappen.

 

Thekla:      Nein nein, Frau Caspers. Bleiben Sie gerne hier. Schauen Sie sich gerne die nächste Szene an. Denn ich möchte wetten, dass sie 100%tig so abläuft, wie ich sie mir ausmale.

 

Otto:          Thekla, alles in Ordnung?

 

Thekla:      Das stellt sich gleich heraus. Dieser Abend hat ganz grauenhaft für uns angefangen. Es war ein Schock, als plötzlich fast alle Frauen das Weite gesucht haben. Aber nun sollten wir uns beruhigen. Drei sind noch da und unser Yannik hat nun alle Zeit der Welt, diese in Ruhe kennen zu lernen.

 

Otto:          Wahre Worte, Thekla.

 

Thekla:      Auch wenn es schon Abend ist und sich der ganze Tag bislang nur um die Bachelor-Sendung und um unseren Yannik drehte, dürfen wir andere wichtige Sachen natürlich nicht vergessen. Nicht wahr, Otto?

 

Otto:          (verwirrt) Äh...

Daniela:     (leiser, aber dennoch so deutlich, dass Thekla es hört) Sie müssen zustimmen, Otto.

 

Thekla:      Ach Sie nennen meinen Otto schon Otto?! Interessant.

 

Daniela:     Nun ja, Ihr Mann hat es angeboten.

 

Thekla:      So so. Also - bitteschön, mein (ironisch) lieber Otto. Für Dich. (überreicht ihm das Päckchen. Alles Gute zu unserem 41. Hochzeitstag.

 

Otto:          (peinlich überrascht) Oh. Oh... Thekla. Und da... da hast Du extra für mich...

 

Thekla:      SO wie ich das jetzt seit 41 Jahren tue, Otto. Und warum muss ich jedes Jahr die Erste sein, die mit den Wünschen und dem Geschenk anfängt?

 

Otto:          Jaaaa... weil... also...

 

Thekla:      WO IST MEIN BLUMENSTRAUSS?

 

Daniela:     (will die Situation retten, reagiert blitzschnell und holt die Rosen hervor, die noch irgendwo liegen, gibt sie Otto von hinten in eine Hand)

 

Otto:          Hähähä... Hier Thekla. Hier sind sie doch. (hält ihr diese hin)

 

Thekla:      (entreißt ihm den Strauß, wirft sie wütend auf den Boden) Du hast unseren Hochzeitstag vergessen! Das erste Mal nach 40 Jahren.

 

Otto:          Immerhin.

 

Thekla:      Immerhin? Kaum ist das Haus voll mit jungen Frauen, hat mein Gemahl auch das Gehirn verloren.

 

Daniela:     Otto, nun sag´ was.

 

Thekla:      Otto, nun sag´ was?! Mein Otto muss GAR nix mehr sagen! Unser Yannik ist der Bachelor - nicht DU! Falls Du da was durcheinander bekommst. Viel Spaß noch Euch beiden. (wütend ab nach rechts, knallt die Tür zu)

 

18. Szene

Otto:          Das hätten Sie nicht miterleben sollen. So kenn ich meine Frau gar nicht. Und glauben Sie auch bitte nicht an Erbfaktoren. Nur weil ich so ein Schussel bin, muss Yannik das nicht notgedrungen auch sein.

 

Daniela:     Frauen reagieren empfindlich auf vergessene Hochzeitstage. Sie denken, wenn der Ehemann es vergisst, ist auch die Liebe vergessen.

 

Otto:          Denken Sie, ich hab´ ´ne Chance das wieder gut zu machen?

Daniela:     Da müssen Sie sich schon was ganz Besonderes einfallen lassen, glaub´ ich.

 

Otto:          Helfen Sie mir dabei?

 

Daniela:     Wenn Sie meinen, dass ich das kann...

 

19. Szene

Kimberly:  (kommt wütend von rechts herein, ihr folgt sodann Yannik, dann kommt auch Thekla dazu) Nein, ich verstehe das NICHT. Weshalb kannst Du denn nicht ein bisschen flexibler sein? (stellt sich in den Raum, verschränkt die Arme)

 

Yannik:     Kimberly, man hat doch etwas mitbekommen von seinen Eltern. Den Charakter, die Art und Weise zu leben. Jeder hat eine Vergangenheit und auch sein Leben gelebt - und zwar SO, wie es einem gezeigt wurde.

 

Kimberly:  Ja eben! Und weil mir das zu spießig ist, hast Du die Verpflichtung das für mich zu ändern!

 

Thekla:      Alles in Ordnung?

 

Kimberly:  Nein, es ist gar nichts in Ordnung. Ich habe Eurem (ironisch) wunderbaren Sohn, den Bachelor von Kattendorf nur ein paar klare Details für unsere Ehe mitgeteilt.

 

Otto:          Aha. Dürfen wir wissen, was?

 

Kimberly:  (zählt auf) Keine Kinder - ich will ein eigenes Auto, diese Klitsche hier wird verkauft und ich möchte ein Haus auf Kuba.

 

Thekla:      Auf Kuba?

 

Otto:          Junge, Du willst nach Kuba ziehen?

 

Yannik:     Nein.

 

Kimberly:  Das ist es ja gerade. Anstatt zuzustimmen, sagt er nur, dass man sowas alles gut überdenken sollte. Überdenken - pah...

 

Otto:          Junge, vergiss aber bloß nie den Hochzeitstag, sonst tötet sie Dich.

 

Thekla:      Sehr komisch.

 

Yannik:     Nun sei mir doch wieder gut, Kimberly. Deine Wünsche sind ja berechtigt, aber sowas müssen auch beide wollen. Ich bin nun mal ein Landjunge. Ich hab´ keine Ahnung, ob ich auf Kuba leben möchte.

 

Kimberly:  Ach und was spricht dagegen?

 

Daniela:     Vielleicht sprichst DU dagegen - weil Du nicht in Yanniks Leben passt.

 

Kimberly:  Reg´ DU mich jetzt auch noch auf. Das fehlt mir gerade noch.

 

20. Szene

Anni:         (kommt sodann erfreut von hinten in den Raum geplatzt) Das hat geklappt wie der Wirbelwind. (sieht dann alle Anwesenden) Oh... (Tür bleibt offen)

 

Kimberly:  Oh Shit, die Stinkbombe.

 

Otto:          Ich hab´ wirklich mehr und mehr den Eindruck, dass nicht unser Yannik für diese Fernseh-Sendung ausgewählt wurde, sondern dass Anni Thoben die Bachelorette ist.   

 

Anni:         Seid mir lieber dankbar. Ohne mich wäre eine der Kandidatinnen jetzt sehr sehr traurig gewesen. (ruft nach hinten) Frau Westphal, kommen Sie.

 

21. Szene

Hedwig:    (kommt langsam herein, trägt einen altmodischen Bademantel, den sie vorne zuhält)

 

Thekla:      Was soll das alles?

 

Anni:         Was das soll? Ich trage dazu bei, dass bei eurem verrückten Bachelor-Kram alles nach Plan läuft. Es wurde von Hedwig verlangt, dass sie sich eurem Sohn in erotischer Kleidung präsentiert. Und weil sie damit Probleme hatte, hab´ ich ihr beigestanden. (zu Hedwig) Na, nun zeigen Sie sich schon; nur Mut.

Hedwig:    Was denn? Hier und jetzt - bei all den Anwesenden? (zu Yannik) Meinst Du auch?

 

Yannik:     Warum nicht?! Das würde dann doch schon mal zeigen, wie mutig Du bist.

 

Anni:         Eben. (erfreut präsentierend) Hier ist Hedwig Westphal, die mit meiner Unterstützung eine große Portion Erotik in Yannik Hübners Leben bringt.

 

Hedwig:    Na dann. (öffnet den Bademantel, lässt ihn sodann fallen. Sie trägt am Oberkörper nur noch einen altmodischen BH, dazu einen recht großen rosafarbenen Schlüpfer mit Bein. Dazu Kniestümpfe, die sie evtl. mit Einkochringen "hochhält" o.a.)

 

Alle:          (lachen und prusten laut los, darin fällt schnell der Vorhang)

 

 

Ende des ersten Akts

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Zweiter Akt

 

                  (einige Tage später, ein Sonntag am Nachmittag. Alle Akteure tragen andere Kleidung als im 1. Akt. Wenn der Vorhang sich öffnet, sitzt Hedwig in einem Sessel mit einem Smartphone am Ohr und telefoniert. Sie macht dieses traurig und weinerlich, evtl. auch mit einem Taschentuch, aber so, dass man sie akustisch noch gut verstehen kann)

 

1. Szene

Hedwig:    Ja Mama. Sonst ist es ja ganz gut hier. Aber wenn ich an vorgestern denke... ALLE haben mich ausgelacht. Das war so schrecklich. Ich kann das einfach nicht vergessen.

 

2. Szene

Daniela:     (ist während Hedwigs Monolog von hinten hereingekommen, hört noch, was sie ins Handy sagt, abgehend nach rechts, leicht genervt von Hedwigs Gejammer) Es ist gut jetzt, Hedwig. Du solltest lieber für Deine nächste Aufgabe üben. (ab)

 

3. Szene

Hedwig:    (nimmt Daniela gar nicht wahr) Ja, sie haben sich ja auch entschuldigt. Ja alle. Erst hab´ ich gar nicht genau gewusst warum die alle lachen. Kannst Du Dir vorstellen, wie peinlich das für mich war?

 

 

4. Szene

Thekla:      (ist während Hedwigs Monolog von rechts hereingekommen, hat eine Topfpflanze in der Hand, hört noch, was sie ins Handy sagt, abgehend nach hinten, ebenso genervt von Hedwigs Gejammer) Es ist jetzt gut gewesen, Hedwig. (kopfschüttelnd ab)

 

5. Szene

Hedwig:    (nimmt Thekla gar nicht wahr) Ja, wir sagen jetzt auch alle "DU" zueinander, das ist sehr schön. Aber das ist nichts im Vergleich dazu, was ich hier für eine Blamage erleben musste. - Ob ich zu Deinem 75sten Geburtstag komme? Ja ich weiß nicht. Heute ist ja wieder die Nacht der Rosen. (wieder weinerlicher) Aber nach diesem erotischen Fehltritt werd´ ich ganz sicher keine kriegen.

 

6. Szene

Otto:          (ist während Hedwigs Monolog von hinten hereingekommen, hört noch, was sie ins Handy sagt, abgehend nach rechts, leicht genervt von Hedwigs Gejammer) Hedwig, Schluss jetzt mit dem Gejammer - es reicht jetzt! (kopfschüttelnd ab)

 

7. Szene

Hedwig:    (nimmt auch Otto gar nicht wahr) Mama, diese Kimberly, die ich eh nicht mag, die hat gesagt, dass ich eine altbackene Oma bin. Ist das so? Warum sagt die das? Warum hab´ ich keine Ahnung von erotischer Kleidung, Mama? Warum hast Du mir sowas nie gezeigt?

 

8. Szene

Yannik:     (ist während Hedwigs Monolog von rechts hereingekommen, hört noch, was sie ins Handy sagt, abgehend nach hinten, leicht genervt von Hedwigs Gejammer) Hedwig bitte - Du kannst doch nicht immer noch Trübsal blasen wegen dieser Sache. Es reicht jetzt wirklich. Ich hab´ gelacht, weil´s witzig aussah. Und entschuldigt hab´ ich mich auch. (kopfschüttelnd ab. Yannik trägt wieder einen Anzug, Hemd und Krawatte)

 

9. Szene

Hedwig:    (nimmt auch Yannik gar nicht wahr) Was meinst Du? Ich soll mir das nicht so zu Herzen nehmen und vergessen? Ja, das sagt sich so leicht. DU hast diese Katastrophe ja nicht miterlebt. Oh Mama, es war so schrecklich. Und soll ich Dir mal was sagen: Diese nette Nachbarin, die Anni Thoben, die hat nämlich AUCH gar keine Ahnung von Erotik und Sex. Das wird mir mehr und mehr klar.

 

10. Szene

Kimberly:  (ist während Hedwigs Monolog von hinten hereingekommen, hört was sie ins Handy sagt, sehr genervt von Hedwigs Gejammer) Hallo? Es reicht jetzt mal, ja?! Seit zwei Tagen hören wir nur Dein Geplärre. Du gehst uns auf den Keks. Hör auf damit! (reißt ihr das Smartphone aus der Hand, hält es ans Ohr) Hedwig hat sich beruhigt. Sie ruft wieder an. Schönen Tag noch. (drückt eine Taste auf dem Gerät, reicht es ihr weniger galant) Und dass wir hier gleich was zusammen machen müssen, hab´ ICH mir auch nicht ausgedacht. Wenn Du also dabei sein willst, dann komm her, Du Kartoffel-Käfer. (dann ab nach rechts)

 

11. Szene

Hedwig:    (hält sich das Gerät schnell wieder ans Ohr) Mama? Bist Du noch dran? Mama? (wieder weinerlicher) Oh neee... nun hat diese blöde Kimberly auch noch meine Mama gewürgt, oder wie das heißt. (legt das Mobilteil auf den Tisch ab)

 

12. Szene

Lennart:     (ist währenddessen von hinten hereingekommen, nachdem er kurz angeklopft hat. Er ist sportlich schick gekleidet. Aus seiner Gesäß-Hosentasche schaut ein dünner Katalog heraus) AB, Hedwig.

 

Hedwig:    Was?

 

Lennart:     ABgewürgt hat Kimberly das Gespräch. Schönen Sonntag wünsch ich Dir.

 

Hedwig:    (noch immer betrübt) Ja ja. Hallo Lennart.

 

Lennart:     Immer noch traurig?

 

Hedwig:    Lennart, DU bist der Einzige, der mich nicht gesehen hat in der albernen Aufmachung. Darum bist Du auch der Einzige, mit dem ich noch ungeniert reden kann. Deine Mutter hat es sicher gut gemeint. Ja, sie wollte mir helfen. Aber es war falsch. Es war alles falsch. (sieht ihn erst jetzt so richtig) Oh, Du bist so schick heute.

 

Lennart:     Joah... ist Sonntag - da darf ich die Arbeitsklamotten ja auch wohl mal ausziehen. Und nimm es meiner Mutter nicht übel. Sie ist nun mal eine Generation älter. Als sie jung war, hatte man wohl eine andere Auffassung von sexy Klamotten. Hähä.

 

Hedwig:    Ich bin ja selbst keine 25 mehr. Aber trotzdem ärgert mich das, dass MEINE Mutter mich so spießig erzogen hat und dass ich es andererseits selbst nie geschafft habe, ein bisschen moderner zu denken. Die Erziehung prägt einen wohl für´s ganze Leben.

 

Lennart:     Das ist wahr. Aber jeder hat die Chance auch ein eigenes Leben zu führen und seine Interessen zu erweitern. Ob das allerdings immer gut ist, das weiß ich auch nicht. Du musst einfach für neue, moderne Dinge offen sein. Dann kannst Du mit den jungen Leuten gut mithalten. Ein Smartphone (deutet darauf) hast Du doch auch. Damit muss man meiner Mutter erst gar nicht kommen. Die hält sich an ihr Festnetz-Tastentelefon. Sie sagt: Alles was kein Kabel hat, kann keine vernünftige Verbindung herstellen.

 

Hedwig:    Lennart, ich bin ganz überrascht, wie gut und vernünftig man mit Dir reden kann.

 

Lennart:     Hähä. Hast gemeint, ich bin ein bisschen doof, was?!

 

Hedwig:    Achwas. Sowas würde ich nie denken.

 

Lennart:     Vielleicht kann ich ja wieder gut machen, was Mutter versaut hat.

 

Hedwig:    (schaut ihn fragend an)

 

Lennart:     (holt den Katalog hervor, schlägt es auf) Hier. Das sind erotische Klamotten - und zwar MODERNE. Sowas finden die Kerle heute geil.

 

Hedwig:    (schaut hinein) Lennart, woher hast Du denn so einen Katalog?

 

Lennart:     Och, ich glaub´ der lag mal beim Frisör herum.

 

Hedwig:    Achja?! Hab´ ich da noch nie gesehen. Aber das kommt sicher daher, dass ich nie beim Frisör bin. Mama schneidet mir die Haare. (stolz) Sie wird 75 nächste Woche.

Lennart:     Du bist ein Einzelkind, so wie ich?

 

Hedwig:    Woher weißt Du das?

 

Lennart:     Und Vater lebt nicht mehr?

 

Hedwig:    Ist früh gestorben. - Lennart, ich glaub´s nicht. Woher...?

 

Lennart:     Na ja, Du bist mir sehr ähnlich. Ist bei mir ebenso. Wenn die Mütter keinen neuen Partner wollen, fangen sie mehr und mehr an, sich an ihre Kinder zu klammern. Wir können es zulassen oder versuchen uns abzunabeln. Vorsichtig aber direkt.

 

Hedwig:    Cool. Was Du alles weißt. Und... und... diese Sachen hier... (zeigt auf den Katalog)

 

Lennart:     Dessous nennt man die.

 

Hedwig:    Ja das. Das kann man bestellen?

 

Lennart:     Kann man. In der Stadt gibt es aber auch einen Laden. Wenn Du willst, fahren wir da morgen zusammen hin. Dann kannst Du Deine Aufgabe für Yannik vielleicht nochmal wiederholen.

 

Hedwig:    Ich weiß nicht, ob ich mich in so einen Laden hinein traue. Und hast Du dafür denn überhaupt Zeit?

 

Lennart:     Meine Kühe können auch mal eine Stunde lang ohne mich grasen. Und mit mir zusammen traust Du Dich auch da rein zu gehen.

 

Hedwig:    Toll. Daniela hatte gestern ja auch sowas ähnliches an. Du bist echt nett, dass Du mir hilfst.

 

Lennart:     Mutter hat´s versaut - ich möchte es wieder gut machen. Und wenn Du den Yannik doch so gern hast und ihn willst...

 

Hedwig:    Oh jaaa... ich mag den Bachelor wirklich sehr.

 

13. Szene

Yannik:     (kommt von hinten wieder herein) Oh, Hallo Lennart.

 

Lennart:     Tach Yannik.

 

Yannik:     Hast Du Dich jetzt endlich beruhigt, Hedwig?

 

Hedwig:    (seufzt) Ja, Lennart hat das geschafft.

 

Yannik:     (gefällt das nicht sehr) Achja? - Ihr könnt Euch gerne noch länger unterhalten, aber Hedwig - Du weißt schon, dass gleich für euch alle drei das nächste Battle stattfindet?!

 

Hedwig:    (aufgebracht) Ach Du meine Güte jaaa, das Battle. Ich hätte das fast vergessen. Ich muss mich doch noch vorbereiten und proben. Und ich werde alles geben, damit ich mich nicht noch einmal blamiere.

 

Yannik:     Na dann...

 

Hedwig:    (nimmt das Smartphone schnell vom Tisch, entreißt Lennart den Katalog) Bis gleich, und... (süß lächelnd) vielen Dank Lennart, für Deine Hilfe. (schnell ab nach rechts)

 

Lennart:     Aber gerne doch.

 

14. Szene

Yannik:     Soso. Du hilfst Hedwig? Wobei denn bitte, wenn ich mal fragen darf?

 

Lennart:     Sie braucht ein bisschen mehr Selbstvertrauen. Außerdem musste sie doch irgendjemand ein wenig aufbauen. Sie leidet doch immer noch unter dieser verpatzten Schlüpfer-Aktion. Hähä...

 

Yannik:     Hauptsache Du weißt, wo die Grenzen sind. Frauen sind sehr empfänglich für freundliche Männer. Du darfst nie vergessen, dass ICH der Bachelor bin.

 

Lennart:     Nö nö... vergess´ ich nicht.

 

Yannik:     Dann ist es ja gut.

 

Lennart:     (steht leicht dumm grinsend da) Hähä...

 

Yannik:     (eher barsch) Ist sonst noch was? Möchtest Du auch Kimberly und Daniela noch gute Tipps geben?

 

Lennart:     Die brauchen meine Hilfe nicht, glaub´ ich. Aber DIR könnt´ ich ´nen guten Rat geben.

 

Yannik:     Bitte?

 

Lennart:     Warum läufst Du immer in diesem steifen Anzug herum?

 

Yannik:     (überrascht, schaut an sich herunter) Was? Wieso? Sieht das nicht gut aus?

 

Lennart:     War das Deine Entscheidung, den anzuziehen?

 

Yannik:     Lennart, Du weißt, dass alles aufgenommen wird was hier passiert. Und ich bin ja wohl als Hauptdarsteller später im Fernsehen sehr oft im Bild zu sehen. Da ist eine korrekte Kleidung ganz wichtig.

 

Lennart:     Wichtig heißt aber nicht gleich richtig.

 

Yannik:     Wie redest Du denn mit mir?

 

Lennart:     Das kennst Du nicht, vom dummen Nachbarn Lennart Thoben, was?! Du bist kein Manager auf der Arbeit und willst auch gerade nicht zum Standesamt - weshalb also dieser Anzug?

 

Yannik:     Mein Gott, Mutter meinte, dass...

 

Lennart:     Zack! Da haben wir es. Mutter meinte! - Ist genau wie bei Hedwig und mir.

 

Yannik:     Du wirst mir langsam unheimlich, Lennart Thoben!

 

Lennart:     Bleib´ ganz locker. Du willst doch den Frauen gefallen, oder? Lass uns mal in Dein Schlafzimmer gehen.

 

Yannik:     (erschrocken) W a s ?

 

Lennart:     Um Deine Klamotten durchwühlen. Ich denke, Du brauchst eine kleine Veränderung.

 

Yannik:     Ja ja. Damit Du mir ebensolche dummen Tipps geben kannst, wie Deine Mutter es bei Hedwig getan hat?! Nein danke. Blamieren kann ich mich alleine. Du führst doch was im Schilde.

 

Lennart:     Mutter hat es mit Hedwig versaut. Aber nicht bewusst. Sie ist ein guter Mensch mit einem guten Herz. Aber ich bin ich. Und Du bist mein Freund. Schade, dass Du so schlecht von mir denkst. Ich meine es nur gut. (geht schon zur Tür nach hinten)

 

Yannik:     Äh, Moment. Warte doch. Wenn Du das wirklich ernst meinst... na ja... dann... (schaut auf die Uhr) Bis zum Battle dauert es ja noch ein paar Minuten. Vielleicht magst Du ja doch mal einen Blick auf meine Klamotten werfen.

 

Lennart:     (gespielt) Ich glaub´ ich möchte das jetzt nicht mehr. Ich bin zu verletzt.

 

Yannik:     Jetzt spiel´ hier nicht die schwuppige Zicke. Das passt nicht zu Dir. Komm schon. Viel Zeit ist eh nicht mehr - die Frauen wollen doch gleich etwas präsentieren.

 

Lennart:     (schnell) Na gut. (beide zügig ab nach rechts, kurze Pause)

 

15. Szene

Thekla:      (kommt mit der Topfpflanze von hinten zurück, gleichzeitig kommt...)

 

Otto:          (von rechts wieder herein) Thekla!

 

Thekla:      Gib Dir keine Mühe. (will mit der Pflanze schon wieder ab nach rechts) Wir haben uns nichts mehr zu sagen.

 

Otto:          (hält sie auf) Thekla bitte. Was machst Du denn überhaupt? (deutet auf die Blume)

 

Thekla:      Ich hab´ sie umgetopft. Pflanzen brauchen Liebe, weißt Du? Ach, ich vergaß - das Wort ist Dir ja fremd.

 

Otto:          Wie kann mir das denn fremd sein?! Hier in unserem Haus wohnt der Bachelor. Es dreht sich um nichts anderes als um die Liebe bei uns.

 

Thekla:      Tja, vielleicht findet unser Yannik hier wirklich die Frau für´s Leben. Dann kann ja gerne gleichzeitig eine bestehende Ehe kaputt gehen, nicht wahr?! Ach, und die drei übergroßen Blumensträuße, die auf dem Wohnzimmertisch stehen, hättest Du Dir auch sparen können.

 

Otto:          Aber Du wolltest doch Blumen.

 

Thekla:      Ja, zu unserem Hochzeitstag - und nicht einen Tag später. Hier geht es ums Prinzip, mein lieber Herr Gemahl. Schon mal was von gehört?

 

Otto:          Thekla. Übertreibst Du das Ganze nicht ein wenig? Mein Gott, man kann doch mal was vergessen. Das ist Dir doch auch schon mal passiert.

 

Thekla:      Ja, wenn ich vom Supermarkt zurück bin und Eier oder Suppengrün vergessen habe - aber noch nie unseren Hochzeitstag.

 

Otto:          Und wie lange willst Du Dich noch jeden Abend im Schlafzimmer einschließen und wie lange soll ich noch auf der Couch schlafen?

 

Thekla:      Von mir aus kann das gerne ein Dauerzustand werden. Ich vermisse nichts.

Otto:          ES TUT MIR LEID!

 

Thekla:      Wenn es Dir wirklich leid täte, dann würdest Du Dir auch etwas einfallen lassen, damit ich das glauben kann. Das ist mit üppigen, verspäteten Blumensträußen nicht getan. Ich muss Deine Liebe sehen und fühlen in einer Wiedergutmachung. Aber darauf kann ich wohl lange warten. Und jetzt geh´ mir aus dem Weg. (will nach rechts, schon an der Tür)

 

Otto:          Aber das weiß ich doch, Thekla. (greift in die Innentasche seiner Jacke, holt einen Umschlag hervor, spielt) Schade, dass ich dann zu spät komme mit meinem Geschenk für Dich - so ganz voller Liebe. 

 

Thekla:      (bleibt stehen, schaut zum Umschlag, kurze Pause) Äh, was ist denn das?

 

Otto:          (steckt den Umschlag wieder ein) Unwichtig, Thekla. Was könnte das schon sein? Hach, ich hoffe nur, dass ich es umtauschen kann.

 

Thekla:      (hält es kaum noch aus vor Neugierde) Umtauschen? Wieso denn umtauschen? Das äähh... ist doch sicher nur ein Gutschein für einen weiteren Blumenstrauß, nicht wahr?!

 

Otto:          Oh Thekla - da liegst Du leider ganz falsch. Aber was soll´s?! Vielleicht kann ich es auch auf ebay anbieten. (will ab nach hinten)

 

Thekla:      Auf ebay? Das äh... nein, das kannst Du nicht machen. Das ist ja immerhin ein Geschenk für mich. Otto, nun sag´ schon, was es ist.

 

Otto:          Ach nein - was sollte das schon sein? Ich bin in diesen Wieder-gut-mach-Dingen furchtbar ungeschickt.

 

Thekla:      Das werden wir ja sehen. (es entsteht ein Gerangel um den Umschlag, den Thekla aus seiner Innentasche greift, Otto findet das eher belustigend. Irgendwann hat Thekla dann den Umschlag in ihrer Hand, geht damit ein Stück von Otto weg, öffnet diesen, liest, dann unglaublich erfreut:) Oh Otto! Das kann ja wohl nicht wahr sein!

 

Otto:          Wovon sprichst Du, Thekla?

 

Thekla:      10 Tage für 2 nach Madeira - auf die Blumeninsel.

 

Otto:          (spielt) Ja. Schade, dass daraus jetzt nichts wird.

 

Thekla:      Nichts wird? Wieso das denn nicht?

 

Otto:          Hach, ich bin so ungeschickt in diesen Dingen. Na ja, es war ein Versuch wert.

 

Thekla:      Aber Otto. Madeira ist mein Traum. Und Du hast es nicht vergessen, obwohl wir jetzt schon so lange nicht darüber gesprochen haben. (geht schnell zu ihm, umarmt und küsst ihn) Ach Schatz, Du bist doch gar nicht so verkehrt.

 

Otto:          Vielen Dank. Ich glaube, sowas nennt man Liebe. Ist denn jetzt alles wieder gut?

 

Thekla:      Ja. Ist es. Komm, lass uns Tee trinken. (nimmt ihn an die Hand, zieht ihn mit ab nach rechts, an der Tür) Ach und... wenn die Geschenke in Zukunft immer SO ausfallen, dann darfst Du gerne nochmal unseren Hochzeitstag vergessen.

 

Otto:          Du Luder, Du. (gibt ihr einen Klaps auf den Po, dann beide lachend bzw. Thekla jauchzend abgehend, sodann kommt...)

 

16. Szene

Daniela:     (...von dort herein. Sie hat einen Zettel in der Hand) Oh, Entschuldigung.

 

Thekla:      Kein Problem, ist ja nichts passiert. (lässt Otto los, schon ab)

 

17. Szene

Daniela:     (zu Otto, leise) Alles wieder gut?

 

Otto:          (ebenso) Alles wieder gut. Und vielen vielen Dank nochmal für den Tipp. Ohne Ihre Hilfe hätte das nie geklappt.

 

Daniela:     Hab´ ich doch gerne gemacht.

Thekla:      (von rechts schon wieder ein wenig strenger) OTTO, kommst Du?!

 

Otto:          Ja Schatz. (schnell ab nach rechts)

 

 

 

 

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