Lange danach gesucht - auf Ibiza 2012 endlich gefunden
Musiker gesucht

„Wellness-Tempel Haferkorn“

 

 

(hochdeutsche Fassung)

 

 

Komödie in 3 Akten

 

von

 

Helmut Schmidt

 

 

 

 

 

Inhalt:

 

Der Wellness-Tempel des Ehepaares Otto und Anette Haferkorn steht kurz vor dem 10jährigen Jubiläum, welches mit den Kunden groß gefeiert werden soll. Ein paar Wochen vor diesem Ehrentag kommt Anette jedoch dahinter, dass ihr Ehemann sie mit der jungen Lara-Jane betrügt, die obendrein auch noch schwanger von Otto ist, und wirft ihn aus dem Haus. Verzweifelt und enttäuscht denkt Anette daran, den Betrieb zu schließen, wäre da nicht die polnische Raumpflegerin Anna Bolika, die auf alle Geschehnisse im Betrieb ein Auge hat. Ein Wasserrohrbruch im Keller des Wellness-Tempels, ein Schwächeanfall einer Kundin, unerfüllte Sehnsüchte von Eheleuten, das Verlangen nach Berührungen, ein trotteliger junger Mann, sowie die Geburt eines Kindes treiben das Chaos im Wellness-Tempel Haferkorn schließlich auf die Spitze. Kann die Polin Anna jetzt noch was retten?

 

 

Spieler:  4m / 6w - sowie einige Statisten - 1 Bühnenbild

 

 

Anette Haferkorn                   -           Inhaberin des Wellness-Tempels (ca. Ende 50)

 

Otto Haferkorn                      -           Ehemann von Anette (ca. 60 Jahre)

 

Andreas Kreuz                       -           Angestellter (25-35 Jahre)

 

Melanie Blömer                      -           Angestellte (25-30 Jahre)

 

Ewald Kappelmeister             -           Kunde (ca. 50 Jahre)

 

Helga Kappelmeister              -           Kundin, Ehefrau von Ewald (ca. 50 Jahre)

 

Anna Bolika                           -           Raumpflegerin aus Polen (ca. 30-40 Jahre)

 

Lara-Jane Kleemann               -           Lebensgefährtin von Otto (ca. 25-30 Jahre)

 

Hannelore Tellkamp               -           Kundin (ca. 50 Jahre)

 

Ronny Tellkamp                     -           Sohn von Hannelore (ca. 25-30 Jahre)

 

 

 

Bühnenbild:

 

Das Bühnenbild zeigt eine Mischung aus Eingangs- bzw. Empfangsbereich des Wellness-Tempels Haferkorn, und einen Entspannungs-Warte-und Aufenthaltsraum. Von hinten ein breiter, offener Eingang, über den man von links und rechts zur Bühne gelangt. Türen sind hier nicht notwendig. An der hinteren Wand sind einige Wellness-Plakate, Veranstaltungs-Termine, Werbeposter für Fitness-Drinks, Ernährungstipps u.a. angebracht. An der Wand hinten links sieht man mit Hinweispfeilen schräg nach unten zeigend die Schilder „Massagen“ und „Beauty Center“; rechts ebenfalls schräg nach unten zeigend „Fitnessbereich“ und „Sauna“, und waagerecht nach rechts zeigend "Ausgang", "Café"  und "Umkleideraum". Die Akteure können in beide Richtungen auftreten und abgehen. Rechts auf der Bühne befindet sich eine Kombination aus  Empfangstresen und Theke, sowie ein Garderobenständer. An der Wand hinter dem Tresen ein Regal mit einigen Gläsern. Unter dem Tresen sind Getränkeflaschen. Links ein runder Tisch mit 2 - 3 Stühlen. Auf dem Tisch einige Zeitschriften. Rechts und links jeweils eine Tür. Nach rechts führt eine zu den Büro-und Privaträumen – darauf ein Schild „Privat“, nach links führt eine Tür zur Toilette mit Hinweis „WC“. Irgendwo eine große Uhr, sowie ein Plakat mit der Aufschrift: „Tag der offenen Tür am 20.12.2015* zum 10jährigen Jubiläum des Wellness-Tempels Haferkorn“. Die Bühne kann desweiteren mit Grünpflanzen, Wellnessprodukten, Lampen u.a. ausgestattet werden. Alle weiteren Ausstattungen sind der Gruppe überlassen. Bühnenbildänderungen sind im Stück angegeben. *Jahreszahl bitte aktualisieren. Leitung und Mitarbeiter tragen evtl. Einheitskleidung, auch Namensschilder am Bekleidungsoberteil sind möglich.

 

Spielzeit: Dezember in der Gegenwart

Spielort: größeres Dorf oder Kleinstadt in Deutschland

Spieldauer: ohne Pausen ca. 100 Minuten

 

 

Erster Akt

 

                  (Wenn der Vorhang sich öffnet, sitzt Helga am Tisch und liest in einer Zeitschrift. Die Tür nach rechts ist einen Spaltbreit geöffnet. Es ist ein Wochentag am späten Nachmittag, ca. 18 Uhr)

 

1.Szene

Helga:         (blättert in ihrer Zeitschrift, schaut auf ihre Armbanduhr, wirkt ungeduldig. Sie trägt einen Sportanzug. Neben ihr auf dem Boden steht eine gefüllte Sporttasche.

                   Sie wirkt insgesamt recht modern, trägt aber eine eher biedere Frisur.            Von rechts nach links laufen zwei Statisten im Bademantel und mit Saunatuch vorbei. Entweder unterhalten sie sich, oder begrüßen Helga kurz)    

 

2. Szene

Anna:         (kommt dann rückwärts, den Boden des rechtes Raumes wischend mehr und mehr herein. Sie öffnet die Tür praktisch mit ihrem Hinterteil. Sie holt den Wassereimer dann in den Raum, wringt dann den Feudel bzw. Wischlappen aus, kommt hoch, wischt sich den Schweiß von der Stirn ab. Während sie hereinkommt, kann sie auch ein Lied singen oder pfeifen) So, das wären das. (Anna trägt einfache Kleidung, sowie eine Kittelschürze. Aus ihrer Schürzentasche holt sie dann einen Flachmann hervor, trinkt daraus, dann erst sieht sie plötzlich Helga, ist erschrocken) Oh meine Güte Gott. Ich habe nicht gesehen. (verschließt die Flasche, steckt sie schnell wieder ein, erkennt sie dann) Ach, guten Tag auch, Frau Kapellmeister.

 

Helga:         (etwas genervt) Kappelmeister ist mein Name. Das habe ich Ihnen bestimmt schon zehn Mal gesagt. Helga Kappelmeister. Mit 2 „p“. Merken Sie sich das mal, Frau Bolika.

 

Anna:         Oh, tut mir leid. Ich kann merken mir sehr schlecht. Ist aber auch nicht so sehr wichtig, oder?

 

Helga:         Das ist es absolut. Ihr Vorname ist doch Anna, nicht wahr?! Und Ihr Nachname Bolika. Und ich nenne Sie ja auch nicht Anabolika oder Frau Steroide.

 

Anna:         Das ist lustig. Ja, ich habe erfahren, das soll sein eine Medikament für Aufbau von Muskeln oder so.

 

Helga:         Genau.

 

Anna:         Aber mein Name sprechen bitte aus Bolika. (sprechen Sie: „Boljika“) Und Anna ist Vorname, richtig. Anna Bolika. Ist typisch polnischer Name.

 

Helga:         (leicht abwertend) Ja ja, das Sie keine Deutsche sind ist unschwer zu hören.

 

Anna:         Wir beide werden machen nun keine Fehler mehr mit Aussprechen von Namen, ja?! Sie sind Frau Helga Kapellmeister – äh – Kappelmeister…

 

Helga:         (ebenso ironisch) …und Sie sind Anabolika – äh – ich meine natürlich Frau Anna Bolika. (sprechen Sie wieder „Boljika“ mit „j“)

Anna:         Sie möchten wieder ein bisschen Entspannung für Körper in diese kalte Jahreszeit?

 

Helga:         Also wirklich. Schon mal was von Pietät gehört? Ich frage mich, weshalb putzen Sie hier eigentlich nicht NACH den Öffnungszeiten?

 

Anna:         Das ich würde sehr gerne machen. Und meine Chefin, Frau Haferkorn, sagt auch dieses. Aber ich habe sehr oft noch andere Termine. Habe noch eine zweite Stelle bei Zahnarzt zum Saubermachen. Unsere Familie kommen sonst nicht klar mit Geld, Sie verstehen?! Und HEUTE hier geht gaaaaar nicht mit später putzen. Meine Mann haben Geburtstag. Und wir wollen noch machen eine kleine Feier.

 

Helga:         (wenig interessiert) Wie schön.

 

Anna:         Ich werde ihm machen große Freude mit kleine Geschenk. Ich habe gekauft ihm eine ganz schicke neue Frottee-Schlafanzug aus Sonderpostenmarkt für nur 8 Euro.

 

Helga:         (gelangweilt) Das ist wirklich sehr interessant, Frau Bolika.

 

Anna:         Ja, das ist es auch. Vielleicht ist neue Anzug für Schlaf zu Geburtstag nicht gut persönlich. Aber meine Geschenk hält meine Mann warm - vor allem in seine Schritt. (zeigt das) Und Geschenk kommt von Herzen. Und das ist gut für Ehe.

 

Helga:         Wenn Sie das sagen. Dann möchte ich auch hoffen, dass ihr Gatte den neuen Schlafanzug auch mal auszieht. Denn auch DAS ist gut für die Ehe.

 

Anna:         Oooh... Frau Kappelmeister, Sie kleine Luder. Reden von Liebe machen? Haben keine Bange. Meine Mann und ich sind immer noch aktiv so wie kleine Karnickel.

 

Helga:         (empört) Also wirklich...

 

Anna:         Was haben Sie denn geschenkt Ihre Ehemann zuletzt bei Geburtstag?

 

Helga:         Das wird mir hier nun wirklich ein wenig zu persönlich, Frau Bolika.

 

Anna:         Aaaach, warum denn das? Wir Frauen können uns doch tauschen aus. Sie selbst wollten doch gerade noch, dass mein Mann ziehen aus seine Anzug für Schlaf. - Aber wenn Sie meinen... Wichtig ist für Ehe, dass niemals erlischt die Feuer. Liebe muss halten ein Leben lang. Man muss immer sich fallen lassen ein neue Dinge, damit Ehe auch nach Jahren noch klappt gut. Und vor allem: Man muss reden! Man muss immer reden zusammen. Das ist das O und E.

 

Helga:         A und O heißt es!!! - Nur damit Sie zufrieden sind, Frau Bolika: Mein Mann Ewald und ich sind glücklich. SEHR glücklich. Und das Feuer in unserer Ehe brennt auch nach 30 Jahren noch in hohen Flammen. Wir sind uns treu, gehen offen und ehrlich miteinander um, und lieben uns auch nach der langen Zeit noch. Andere Frauen und Männer haben niemals eine Rolle gespielt bei uns. Niemals. Zufrieden?

 

Anna:         Ooooh, das ist gut. Das hört sich an sehr gut.

Helga:         Ja, und das ist es auch. Und jetzt möchte ich unsere kleine Unterhaltung sehr gerne beenden. Ich möchte mich mental auf meine Massage vorbereiten.

 

Anna:         (versteht nicht) Mental? Oh oh. (überlegt) Ja, ich glaube, Großmutter hatte auch schon mal Mental. Aber Doktor hat das gut wieder wegbekommen mit Medizin.

 

Helga:         (versteht nicht) Was?

 

3. Szene

Andreas:     (kommt von hinten links mit einem Klemmbrett in den Händen auf die Bühne. Er trägt eine weiße Hose, weißes Polo-oder Achselshirt) Frau Kapellmeister?!

 

Helga:         (springt sofort erfreut auf) Ja. Da bin ich.

 

Anna:         (schnell) NEIN! Ist sie nicht! Das ist Frau Kappelmeister – mit 2 „p“.

 

Helga:         (überhört das) Hallo, Andreas. (gibt ihm die Hand, zuckersüß:) Ich hatte Ihnen doch gesagt, Sie sollen mich Helga nennen. Dann können Sie bei meinem dummen Nachnamen auch keinen Fehler mehr machen.

 

Anna:         (beobachtet die Szene) Na, da schau an. ER darf sagen falsch – weil er ist eine junge, hübsche Mann, ja?! Und was ist mit mir?

 

                   (von rechts nach links laufen erneut zwei-drei Statisten im Bademantel und mit Saunatuch vorbei) Guten Tag.

 

Alle:           (drei grüßen kurz)

 

Andreas:     (zu Helga:) Tut mir leid, Frau Kappelmeister. Bei den vielen Kunden ist mir sicher entfallen, dass wir uns die Vornamen angeboten haben. Aber so wie Sie möchten - Helga. Sie wünschen eine 60 minütige Ganzkörper-Wellness-Massage, ja?!

 

Helga:         Genau das. Hach, wie ich mich wieder darauf freue. Ich bin heute zum 10ten Mal hier.

 

Andreas:     (leicht verwirrt) Ja, aber Sie waren nicht immer bei MIR, oder? Daran würde ich mich doch erinnern.

 

Helga:         Nein, bei den meisten Massagen durfte ich die Zauberhände von Ihrem Kollegen Herrn Reuter spüren.

 

Andreas:     Ahja. Der hat derzeit Urlaub.

 

Anna:         Ist mit Ehefrau Nr. 2 geflogen auf die Seychellen, der gute Herr Reuter. Ist frisch verliebt, müssen wissen. Kleine Baby aus erste Ehe ist solange bei Schwiegermutter untergebracht.

 

Andreas:     Na, DU weißt aber gut Bescheid, Anna.

 

Anna:         Ja, ich weiß.

Helga:         (überhört Annas Kommentar, zu Andreas) Andreas, das macht überhaupt gar nichts, wenn Herr Reuter nicht da ist. Ihre Künste sind doch auch ganz sicher unübertrefflich. Allein schon wie Sie aussehen. (streicht ihm mit einer Hand leicht über seine Brust)

 

Anna:         Boah, Sie schleimen aber ganz schön, Frau Kappelmeister. Aber Sie müssen sich geben nicht so viel Mühe. Andreas ist schon vergeben. Mit Mädchen Yvonne. Große Liebe, Sie wissen?!

 

Andreas:     Anna! Misch Dich bitte nicht in unsere Kundengespräche ein. Wenn die Chefin das mitbekommt ist aber was los. Was machst Du hier überhaupt?

 

Anna:         Ja ja. Bin ja schon still. Ich werde wischen jetzt Toiletten von Fitness-Raum.

 

Andreas:     Tu das.

 

Anna:         (langsam mit Besen und Eimer abgehend nach rechts, geht kopfschüttelnd und lächelnd an Helga vorbei)

 

Andreas:     Na, wird´s jetzt bald?!

 

Anna:         Ja ja. (ab)

 

4. Szene

Andreas:     (schaut auf das Klemmbrett, macht Notizen darauf) Gesundheitliche Einschränkungen liegen bei Ihnen nicht vor? Ein Bandscheibenvorfall, Krampfadern, Allergien? Hier ist zwar nichts eingetragen, aber ich frage dennoch gerne persönlich nach.

 

Helga:         Nein nein, ich bin kerngesund. Mal so ganz unter uns: Der gesundheitliche Aspekt ist mir bei der Massage auch nicht so sehr wichtig.

 

Andreas:     (etwas überrascht) Aha. Wie äh... darf ich das verstehen?

 

Helga:         Sie müssen den Kunden gegenüber doch diskret und verschwiegen sein, nicht wahr?!

 

Andreas:     Natürlich.

 

Helga:         Es ist nämlich so, dass ich mich einfach nur nach Berührung sehne. Mein Mann und ich… na ja… Sie sind jung, Sie können das vielleicht nicht verstehen, aber…

 

Andreas:     Helga, Sie müssen mir nichts erklären. Alles ist gut. Sie bekommen von mir Ihre Massage, und ich hoffe, Sie genießen es. Bitte sehr. (bittet Sie schon mit ab nach hinten links, als…)

 

5. Szene

Anette:       (…wütend mit einem gefüllten Koffer zügig von rechts hereinkommt, diesen bei dem runden Tisch auf den Boden „knallt“. Die Anwesenden sieht sie zunächst gar nicht) Es reicht, mein lieber Otto. Es reicht endgültig. Hau ab! Hau bloß ab und lass mich in Ruhe! (sie geht dann zum Tresen, verschränkt die Arme vor der Brust, schaut wütend, wendet sich ab, schaut zur Wand. In einer Hand hat sie ein Smartphone. Gleichzeitig ist ihr beim Hereinkommen…)

 

Otto:           (…gefolgt) Anette, so beruhige Dich bitte.

 

Anette:       NEIN! Ich beruhige mich ganz sicher nicht!

 

Helga:         (und Andreas, sind hinten stehengeblieben und schauen der Szene etwas erschrocken zu) Frau Haferkorn – und äh… Herr Haferkorn. Was ist denn los?

 

Anette:       (winkt ab) Ach…

 

Otto:           (verärgert) Muss das hier jetzt sogar vor den Kunden sein, Anette?!

 

Anette:       Ha! Von mir aus kann es die ganze Welt erfahren, was Du für ein geiler Bock bist!

 

Andreas:     Äh... Chefin - Chef - können wir irgendwas für Sie tun?

 

Anette:       (und Otto gleichzeitig direkt:) NEIN !

 

Andreas:     (zu Helga) Ich glaube, es ist besser wir kümmern uns jetzt um Ihre Massage, Helga.

 

Helga:         Ja? Och schade. (beide ab)

 

6. Szene

Otto:           Anette, so lass Dir das doch alles erklären.

 

Anette:       (in einer Mischung aus Wut und Traurigkeit) Nein! Ich erkläre es DIR, mein lieber Gatte: 39 Jahre sind wir jetzt verheiratet. Kinder waren uns leider nicht vergönnt. Ich habe Dich immer geliebt und war Dir immer treu in unserer Ehe. Vor 10 Jahren hatten wir dann die Idee, uns selbstständig zu machen und diesen Wellness-Tempel gemeinsam zu eröffnen. Wir haben unseren Traum verwirklicht und ich war immer glücklich mit Dir. Und was machst Du? - Wer ist dieses Flittchen und wie lange geht das schon?

 

Otto:           Ihr Name ist Lara-Jane - nicht Flittchen.

 

Anette:       (sehr ironisch) Lara-Jane - och Gott, wie süß. Hört sich an wie ´ne billige Frauen-Illustrierte.

 

Otto:           Anette bitte. Es ist... es ist einfach so passiert. Auf dieser Fortbildung im April.

 

Anette:       (kann es gar nicht glauben) Im April?! - Es ist Dezember, Otto!

 

Otto:           Na ja, es ist eben geschehen und...

 

Anette:       Du betrügst mich seit Monaten mit diesem... diesem... (wird dann wieder sehr wütend, schlägt auf ihn ein, drückt und schubst ihn dann ihn dann nach hinten rechts zum Ausgang) Oooooh... Geh mir aus den Augen, Du mieses Stück. Ich will Dich nie nie wiedersehen. (nimmt dann den Koffer, wirft diesen im hohen Bogen nach rechts, drückt dann wieder Otto hinaus) RAUS! Hau ab!

 

Otto:           Anette, das kannst Du doch nicht machen. Und Du hast mein Smartphone noch. Das brauche ich.

 

Anette:       (hält das Gerät kurz hoch) Das schicke ich Dir per Post zu - durch meinen Anwalt - zusammen mit den Scheidungspapieren. (dann sehr laut) RAUS! Raus raus raus.

 

Otto:           Ja doch. (dann zügig ab)

 

Anette:       (alleine, steht verloren da, seufzt, dann kann sie ihre Tränen nicht mehr aufhalten, weint laut hemmungslos, das Smartphone legt sie auf dem Tresen ab)

 

7. Szene

Melanie:     (kommt von links mit einigen gestapelten Handtüchern, trägt auch weiße Hose, Poloshirt, will ab nach rechts, sieht dann Anette, geht leicht besorgt zu ihr) Frau Haferkorn? Alles in Ordnung?

 

Anette:       (steckt ihr Taschentuch schnell wieder ein, weil es ihr peinlich ist, beruhigt sich) Ach Melanie. Ja, alles gut. Äh... ich wäre Dir aber sehr dankbar, wenn DU Dich heute bis zum Feierabend um den Empfang kümmern würdest.

 

Melanie:     Oh, das ist ganz schlecht. Herr Reuter ist im Urlaub, Erika ist krank, Andreas hat noch 2 Massagen und ich muss gleich noch einen Saunaaufguss machen, bevor dann der Zumba-Kurs losgeht.

 

Anette:       Ach ja, stimmt ja.

 

Melanie:     Aber wenn Sie noch etwas erledigen müssen oder sich nicht wohl fühlen, könnte doch Ihr Mann hier bedienen. Auf dem Dienstplan ist er eh dafür eingetragen.

 

Anette:       (wütend) Meinen Mann wirst Du hier nie wiedersehen, Melanie.

 

Melanie:     WAS sagen Sie da?

 

8. Szene

Anna:         (kommt spontan zügig von rechts dazu mit Besen) Ich habe ein bisschen gehört. Nicht dass glauben, ich habe gemacht Ohren auf bewusst. Nein nein. War nur so laut.

 

Anette:       Ach Anna...

 

Melanie:     Ja aber, was ist denn passiert?

 

Anna:         Ehemann von Frau Haferkorn hat Geliebte. Ist eine alte Bock!

 

Melanie:     Nein!

 

Anna:         Oh doch. Und Frau Chefin hat ihn geworfen hinaus. Gerade vor 2 Minuten.

 

Anette:       (wütend und wieder etwas weinerlich) Ja, das hab´ ich.         

 

Melanie:     Oh Chefin, das tut mir so leid. Und dass Sie hier jetzt nicht arbeiten können, ist mir auch klar.

 

Anette:       Ich brauche jetzt ein paar Minuten für mich.

 

Melanie:     Natürlich. Aber... soll ich den Zumbakurs absagen?

 

Anette:       Nein. Das heißt... ach, das ist mir alles so egal. Von mir aus können wir diese Bude auch schließen. Es ist doch alles so sinnlos. Das Leben ist so ungerecht und grausam. Wozu denn das alles noch? Machen Sie, was Sie wollen. (ab nach rechts)

 

Melanie:     Frau Haferkorn... also... ich meine...

 

9. Szene

Melanie:     Was machen wir denn jetzt?

 

Anna:         Chefin schwer gekränkt. Und depressiv dazu. Sollte jetzt nicht alleine sein. Braucht Person, die sie tröstet und bauen wieder auf.

 

Melanie:     Ja sicher. Aber wer soll das tun? Hier ist kein Personal.

 

Anna:         Anna sagen Dir: DU wirst kümmern Dich um Chefin und ICH machen hier Empfangsarbeit. (stellt den Besen an die Wand, zieht ihre Kittelschürze aus)

 

Melanie:     Anna, das ist lieb gemeint; aber das wäre Frau Haferkorn sicher nicht recht. Du bist immerhin nur...

 

Anna:         ...die Frau für machen sauber? - Ja ja. Ich kenne besser aus mich als fast jeder hier. Also rede nicht und helfe auch Du.

 

Melanie:     Meinst Du wirklich?

 

Anna:         Meine wirklich. Und wenn ich nicht komme klar, ich werde fragen. Und Zumbakurs beginnt heute dann 30 Minuten später. Kunden werden verstehen. - Na, nun geh schon und mache Chefin wieder gesund. Ist heute außergewöhnliche Notfall.  

 

Melanie:     Vielleicht hast Du recht. (abgehend nach rechts) Aber wenn Du mit irgendetwas nicht zurecht kommst, holst Du mich sofort, ja?! Und halt´ bloß den Mund. Das müssen unsere Kunden nicht wissen, was hier vor sich geht. Du darfst Keinem auch nur EIN Wort sagen, hörst Du?!(ab)

 

Anna:         Ja ja. Vertraue Anna. Kann schweigen wie Grab.

 

10. Szene

Anna:         (lächelt, holt tief Luft, zu sich selbst:) Na, das ist mal eine Aufstieg. Von Reinemachefrau zur Chefin von Empfang. Und das in nur 2 Minuten. (sieht das Smartphone, nimmt es in die Hand) Was ist das? (überlegt kurz, schiebt und tippt darauf herum, sehr erstaunt) Oh meine Güte Gott. Das ist zu fassen nicht.

 

11. Szene

Hannelore:  (kommt von rechts auf die Bühne. Sie ist eine eher "einfache" Bürgerin, mit normaler Kleidung, trägt auch Handtasche. Dann in der Nähe vom Tresen bei Anna) Guten Tag.

 

Anna:         (kann ihren Blick gar nicht vom Smartphone nehmen, sieht sie zunächst nicht, zu sich selbst:) Meine Güte - meine Güte. So eine Flittchen.

 

Hannelore:  Hallo?

 

Anna:         Aber ER ist auch nicht besser. Eben ein Bock, meine Chef.

 

Hannelore:  (dann etwas energischer) Hallo?

 

Anna:         (legt das Gerät dann auf den Tresen) Oh guten Tag. Entschuldigung. Es ist nur so unglaublich, was ich da habe gesehen. Eine Video, wissen Sie?!

 

Hannelore:  Eine Video, ahja.

 

Anna:         Ja. Von diese neue Früchtchen und meine Chef - Herr Haferkorn. Er betrügt seine Frau, müssen wissen. Mit diese junge Ding. Gerade hier war ein großes Hallo, und Frau Haferkorn - also Chefin - hat geworfen raus ihre Mann. Und dieses hier ist wohl Handy von Chef. Und was ich da sehe ist schmutzig und unrein.

 

Hannelore:  Interessant. Ich bin aber doch richtig hier im Wellness-Tempel, oder?

 

Anna:         Ja ja. Alles richtig. Wollen Sie mal sehen? (nimmt das Gerät wieder in die Hand, zeigt Hannelore das Video) Sehen Sie? Aber GESAGT habe ich nichts!

 

Hannelore:  (jetzt auch recht interessiert) Ach, Du liebe Zeit. Die sind ja beide komplett textilfrei. Und was macht er denn da?

 

Anna:         Chef streichen diese Frau was auf den Körper.

 

Hannelore:  Oh Gott, jaaaa... jetzt sehe ich das auch.

 

Anna:         Und gleich lecken er es ab - warten Sie.

 

Hannelore:  Tatsächlich.

 

Anna:         Sieht aus wie Marmelade von Beeren aus Erde.

 

Beide:         (schauen Kopf an Kopf nun schweigend und staunend auf das Gerät)

 

12. Szene

Melanie:     (kommt zurück, schon sprechend beim Herauskommen aus der Tür von rechts:) Frau Haferkorn möchte gerne, dass ICH am Empfang bleibe. - Oh, guten Tag.

 

Anna:         (und Hannelore reagieren gar nicht)

 

Melanie:     HALLO?

 

Anna:         (dann, wie Hannelore etwas erschrocken) Oh, Melanie. Was sagst Du?

 

Melanie:     Frau Haferkorn sagt, ICH soll hier bleiben. Und Du sollst weiter putzen.

 

Anna:         Ach, das ist dumm. Das passt jetzt gerade gar nicht.

 

Hannelore:  Das sehe ich aber auch so.

 

Melanie:     Bitte? Nun tu, was die Chefin sagt.

 

Anna:         Ich werde ganz sicher nicht putzen. Wenn ich nicht hier sein darf, dann ICH werde mich kümmern um Chefin. Die braucht nun Stand by.

 

Melanie:     Beistand heißt es, Anna. Beistand.

 

Anna:         Ja das. (abgehend nach rechts, vorher drückt sie Melanie weniger galant und enttäuscht das Smartphone in die Hand) Dabei war gerade sowas von spannend diese Film. Schau selbst, dann Du wirst Anna verstehen. (ab)

 

13. Szene

Melanie:     (versteht nicht) Diese Film?

 

Hannelore:  Aber ja, junge Frau. Machen Sie doch das, was Ihre Kollegin rät. Schauen Sie selbst.

 

Melanie:     Äh... entschuldigen Sie bitte das kleine Durcheinander hier. Was kann ich für Sie tun?

 

Hannelore:  Nun schauen Sie doch! Ich weiß was hier los ist. Ihre Kollegin hat mir von dem Ehedrama in diesem Haus erzählt. (nimmt das Smartphone, hält es Melanie hin in Gesichtshöhe)

 

Melanie:     Was? (schaut dann hin, ist perplex) Ach Du Scheiße. Das ist... das ist...

 

Hannelore:  (zunächst empört) Erdbeermarmelade! Eindeutig. Und er leckt es ihr vom Bauch. (nach leichter Überlegung:) Kenn ich so gar nicht.

 

Melanie:     Ich esse das immer nur auf Toast.

 

Hannelore:  Ja SIE! - Und schauen Sie. Es ist selbstgemachte Erdbeermarmelade. Sehen Sie das Glas auf dem Tisch im Hintergrund?

 

Melanie:     Jaaa... Das ist Frau Haferkorns Hobby. Sie kocht jeden Sommer unzählige Gläser davon ein. - Ach, was red´ ich denn da?! Das geht Sie und mich doch alles gar nichts an.

 

Hannelore:  Geht es, junge Frau. Geht es. Weil wir durch dieses Video jetzt Zeugen sind. Seine eigene Ehefrau steht in der Küche und kocht mühselig stundenlang Marmelade ein und ihr Gatte leckt es seiner Geliebten vom Körper. Perverser geht´s nicht. Mein Mann hat jahrelang ähnliches gemacht mit seinen Affären. Und was ist dabei herausgekommen vor 8 Monaten? Herzinfarkt - Exitus. Tja, für soviel Süsses war sein Herz wohl doch zu schwach.

 

Melanie:     Oh, das tut mir leid.

 

Hannelore:  Muss es nicht. Muss es nicht. Hab´s schon überwunden. Seine Lebensversicherung war sehr hoch. Das entschädigt mich dafür. Ich lebe seither ganz gut.

 

Melanie:     (hat schon wieder auf da Smartphone geschaut) Sehen Sie das auch?

 

Hannelore:  Was?

 

Melanie:     Na diesen Bauch von der Frau.

 

Hannelore:  (schaut auch wieder neugierig darauf) Die ist schwanger.

 

Melanie:     Aber ja.

 

Hannelore:  Na, und WIE schwanger die ist. Siehst aus wie 7. oder 8. Monat.

 

Melanie:     Die ist total schwanger. Auch das noch. Wenn Frau Haferkorn das erfährt, das übersteht sie nicht.

 

14. Szene

Anna:         (kommt von rechts, spricht dorthin, lässt die Tür offen, geht zum Tresen) Aber ja, wenn ich es doch sage, Chefin Haferkorn. Wir haben beide gesehen. Neue Kundin und ich. Es ist Konfitüre von Beeren aus Erde. Ich zeige Ihnen. (nimmt das Smartphone, wieder abgehend nach rechts)

 

Melanie:     (wie geschockt) ANNA! Das kannst Du nicht machen.

 

Anna:         (an der Tür) Ich kann. Wahrheit ist immer besser als noch mehr Lügen. Und so sie kommt sicher viel besser darüber weg. (ab, Tür zu)

 

15. Szene

Melanie:     Ja aber...

 

Hannelore:  Sie hat nicht ganz unrecht.

 

Melanie:     Oh Gott, was müssen Sie nur denken, wo Sie hier gelandet sind. Das tut mir wirklich leid. - Ich bin Melanie Blömer.

 

Hannelore:  Hannelore Tellkamp. Ich würde meinen Sohn Ronny gerne zu Ihnen schicken. Der muss unbedingt etwas für seinen Körper tun. Und Sie bieten doch auch Fitness und Krafttraining an, nicht wahr?!

 

Melanie:     Natürlich. Das ganze Programm. Sauna, Massagen, Gymnastik und Fitness - alles, um sich rundum wohl zu fühlen.

 

Hannelore:  Das ist gut. Das ist gut. Mein Ronny lässt sich zu sehr gehen. Und selbst kommt er nicht auf die Idee, mal was für seinen Körper zu tun. Der braucht immer ´nen Tritt in den Hintern, wissen Sie?! Egal, was es auch ist. Bei der Sache mit den Frauen ist das auch so. Er ist schon fast 30 und noch Single. Na, von seinem Vater hat er das ganz sicher nicht geerbt. Ist auch viel zu schüchtern und still für diese Welt, der Junge.

 

Melanie:     Da wird ihm ein gut ausgearbeitetes Trainingsprogramm bei uns sicher gut tun. Fettverbrennung und Muskelaufbau stärken automatisch das Selbstbewusstsein, Frau Tellkamp. Und er zahlt im Wellness-Tempel Haferkorn nur 19,99 Euro pro Monat. Und er kann trainieren, wann immer und so oft er möchte.

 

Hannelore:  Das ist gut. Aber der Preis spielt keine Rolle. Sie erinnern sich: Die Lebensversicherung von meinem Verstorbenen. Hähä...

 

Melanie:     Achso... Ja dann... Schicken Sie Ihren Sohn einfach zu uns. Wir kümmern uns um ihn.

 

Hannelore:  Das mache ich. Aber ich werde mitkommen. Ich muss ihn im Auge behalten, dass er hier auch wirklich was tut. Und wenn ich dann schon mal da bin, könnte ich mir doch auch mal ´ne nette Massage oder sonstwas gönnen.

 

Melanie:     Gerne.

 

16. Szene

Andreas:     (kommt zügig und aufgebracht von links herein) Melanie, Frau Kappelmeister hat einen Schwächeanfall. Kannst Du mir mal schnell helfen und auch das Blutdruckmessgerät mitbringen? (schon wieder ab)

 

17. Szene

Melanie:     Ja klar. (holt unter dem Tresen einen kleinen Koffer hervor, schon zügig abgehend nach links) Wir waren ja eh soweit fertig, Frau Tellkamp, ja?! Entschuldigen Sie mich bitte.

 

Hannelore:  Ja ja. Alles gut. Gehen Sie nur. (richtet ihre Kleidung, will schon gehen, als...)

 

18. Szene

Ewald:        (...von rechts auf die Bühne kommt) Guten Tag.

 

Hannelore:  Guten Tag. (schon fast hinten beim Abgang)

 

Ewald:        Ähm... es ist gerade niemand hier.

 

Hannelore:  (dreht sich um) Was sagten Sie?

 

Ewald:        Ich sagte, es ist wohl gerade niemand hier. Ich bin zum ersten Mal hier und dachte gerade - falls Sie schon eine Kundin sind von diesem Wellness-Center - können Sie das empfehlen?

Hannelore:  (kommt zu ihm) Oh, das kann ich Ihnen leider auch nicht sagen. Für mich war das hier heute auch mein erster Besuch. Und auch nur, um mich zu informieren. Die junge Dame, die mich beraten hat, war aber sehr freundlich. Und alles was ich hier sehe macht auf mich einen sehr guten Eindruck.

 

                   (von links nach rechts laufen wieder einige Statisten vorbei, grüßen evtl.)

 

Ewald:        Vielen Dank. Das ist doch schon mal was.

 

19. Szene

Anna:         (kommt sodann aus dem rechten Raum zurück) Sie will sein alleine. Ist schwer geschockt über Konfitüre-Film. Aber sie sagt, sie muss nun sein alleine, die gute Chefin Frau Haferkorn. (sieht Ewald) Oh, guten Tag. Neuer Kunde?

 

Ewald:        Guten Tag.

 

Hannelore:  Ist es denn wirklich gut, wenn sie sich nun alleine einigelt?

 

Anna:         Was soll ich machen? Sie will so. - Wo ist Melanie?

 

Hannelore:  Sie musste irgendwo helfen. Einer Frau geht es nicht gut. - Sagen Sie: Haben Sie denn mittlerweile auf dem Video auch gesehen, dass dieses junge Frau ein Kind erwartet?

 

Anna:         Aber jaaaaa... Das Schocken nimmt kein Ende nicht. Praline ist gefüllt. - Frau Haferkorn sehr sehr traurig.

 

Hannelore:  Ich bin sehr gespannt, wie das hier weitergeht. Aber wir sehen uns ja nun öfter. Und wenn Ihre Chefin mal ein Gespräch mit einer Frau sucht, die Gleiches erlebt hat, dann sagen Sie mir einfach bescheid. Und sagen Sie ihr: Sie muss kämpfen! Sie darf nicht von Traurigkeit zerfressen werden. Feuer bekämpft man mit Feuer!

 

Anna:         Feuer mit Feuer - ich werde ihr sagen. (zu Ewald) Und was kann ich tun für Sie? Ich bin Anna. Ich soll nicht sein hier am Empfang - aber wenn ich nicht bin, dann keiner hier. Melanie weg. Ist alles seltsam heute hier. Machen keine Gedanken. Alles gut. Ich bin Anna. Anna Bolika.

 

Ewald:        (etwas belustigt) Freut mich. Ich bin Ewald Kappelmeister.

 

Anna:         (fällt aus allen Wolken) Herr KAPPELMEISTER? Oh... na, das ist eine Überraschung. Herzlich Willkommen hier bei uns.

 

Hannelore:  Ich geh´ dann mal, ja?! Tschüsssiii... (ab nach hinten rechts)

 

Anna:         Auf Wiedersehen.

 

20. Szene

Ewald:        Äh... weshalb ist das eine Überraschung, dass ich hier bin?

 

Anna:         Ach, ich habe nur so gesagt. Sie sind hier für erste Mal in Wellness-Tempel?

 

Ewald:        Ja, ich äh... dachte mir, ich könnte mal etwas Entspannung vertragen.

 

Anna:         Wenn Kollegin Melanie ist zurück, sie kann machen gerne mit Ihnen eine Führung durch ganze Tempel, wenn wollen. Oder hatten Sie schon gedacht an etwas ganz spezielle Behandlung?

 

Ewald:        Nun ja, also... eine Massage wäre vielleicht mal ganz gut für mich.

 

Anna:         Sie werden es glauben nicht, aber Anna hatte schon gedacht dieses.

 

Ewald:        Ach ja?

 

Anna:         Ach ja! - Und Sie wollen auch bestimmt wissen, ob wir haben frauliche Masseusen. Ist es so?

 

Ewald:        (nimmt es gelassen) Sie meinen Masseurinnen? Also, eine Frau, die mich massieren würde? Nun ja, das könnte mir schon gefallen.

 

Anna:         Und auch das dachte sich Anna. (zu sich selbst) Sie sind doch alle gleich, diese Hengste. --- Äh... wir haben Bonus-Preis. Soll heißen - Sie könnten kommen zusammen mit Ihre Frau - dann ist billiger. Sie haben doch Frau, wenn ich darf wissen, Herr Kapellmeister?

 

Ewald:        Kappelmeister ist der Name - nicht Kapellmeister.

 

Anna:         Ja ja - ich habe schon gehört. Mit 2 "p". Und? Ich darf wissen?

 

Ewald:        Nun, selbstverständlich dürfen Sie das wissen, und Ihr Angebot weiß ich auch zu schätzen. Aber für meine Frau ist das nichts, so eine Massage. Das hat sie schon sehr oft gesagt. Sie mag das GAR nicht.

 

Anna:         (ironisch) Natürlich nicht. Aber Ehe mit Frau ist gut, ja?!

 

Ewald:        Jetzt muss ich aber wirklich bitten.

 

Anna:         Ja, ich denke, Ehe ist gut.  (eher gelangweilt) Ihre Frau und Sie sind glücklich. SEHR glücklich. Und das Feuer in Ehe brennt auch nach 30 Jahren noch in hohen Flammen. Sie sind sich treu, gehen offen und ehrlich um miteinander, und lieben sich auch noch nach der langen langen Zeit. Andere Frauen und Männer haben gespielt niemals eine Rolle bei Ihnen. Niemals. Ist es so?

 

Ewald:        Äh ja. Was hat das aber mit einem Termin in Ihrem Wellness-Tempel zu tun?

 

Anna:         Ach nichts. Ich wollte nur mal halten fest wie ist die Lage in den meisten deutschen Ehen. Um auf Frage rückwärts zu kehren wegen Massage: Ja, wir haben Melanie. Melanie massiert gut. Und sie ist fraulich und auch jung - so wie Herr Kappelmeister mit 2 "p" es wünschen.

 

Ewald:        Das hört sich sehr gut an. Ich äh... kann aber doch auf Diskretion hoffen in Ihrem Unternehmen?

 

Anna:         Na sowas. Soll Frau Kappelmeister nichts erfahren, obwohl doch die Ehe so gut ist?

 

Ewald:        Ach, jetzt reden Sie doch keinen Unsinn. Wenn es nicht zuviel verlangt ist, holen Sie doch bitte diese Melanie. Ich denke es ist besser, wenn ich direkt mit ihr einen Termin abspreche. Ich bin in dieser Zeit mal kurz... (deutet auf die Toilette links) Seien Sie mir nicht böse, aber SIE sind mir ein klein wenig zu forsch. (ab auf die Toilette)

 

Anna:         So so. Zu forsch ist Anna. Und das sagt mir so eine Bock. (ruft dann nach hinten links) M e l a n i e ?

 

Melanie:     (von dort recht barsch) Ja doch.

 

21. Szene

Melanie:     (kommt sodann zusammen mit Andreas von hinten links auf die Bühne. Beide stützen Helga, die erschöpft und angeschlagen wirkt. Die beiden jungen Akteure bringen sie zu einem Stuhl bei der Sitzgruppe. Helga setzt sich, stöhnt leicht, fasst sich an die Stirn. Helga trägt einen Bademantel) Ein Glas Wasser, Anna.

 

Anna:         (ebenso barsch wie Melanie) Ja doch. (eher belustigt) Oooh... kleine Schwächeanfall, Frau Kappelmeister?! Tss... tss... (schenkt während des nächsten Dialogs ein Glas voll)   

 

Melanie:     Halt doch den Mund, Anna. Was machst Du hier eigentlich schon wieder?

 

Anna:         Na, hör´ Du mal. Wenn Du nicht bist da - und Frau Haferkorn nicht da - und niemand da - dann MUSS ich ja wohl sein hier. (süffisant) Habe bedient neue Kunden. Sehr nette Herr. Ist gerade gegangen auf Toilette. Und wenn kommen heraus, hier sicher geben gleich noch mehr Schwächeanfälle. Hehehe...

 

Helga:         Gott, das ist mir jetzt wirklich peinlich.

 

Andreas:     Sowas passiert schon mal, Helga. Das kann viele Ursachen haben. Ihr Blutdruck ist aber normal. Trinken Sie ein Glas Wasser, atmen Sie tief ein und aus, dann wird das schon wieder.

 

Anna:         (bringt das Glas Wasser) Hier. Trinken. Sie werden brauchen. (geht zurück zum Tresen)

 

Helga:         Danke. (trinkt)

 

Anna:         Neue Kunde will Massage. Aber nur von DIR, Melanie.

 

Melanie:     Ja, das klären wir dann gleich. Ich bleib jetzt hier. Und Du geh wieder an Deine Arbeit. Du weißt, dass Frau Haferkorn Dich nicht gerne am Empfang sieht. Los, mach das, was Du hier machen sollst. Schwing Deinen Feudel.

 

Anna:         Ja ja. Gleich.

 

Andreas:     (zu Helga) Hatten Sie denn bisher keine Kreislauf-Probleme, Helga?

Helga:         Nein. Bei mir war bislang immer alles gesund.

 

Anna:         BISLANG! Ja ja. Kann sich alles ändern. Warten nur ab, bis neue Kunde hat gemacht Pups zuende. Hehehe...

 

Andreas:     Geht´s denn wieder?

 

Helga:         Ja danke. Es wird.

 

Anna:         Hält nur kurz, glaubt mir. Gleich ist Kreislauf wieder auf 285.

 

Melanie:     Anna! Du gehst jetzt sofort an Deine Arbeit!

 

Anna:         (will beleidigt ab, als...)

 

22. Szene

Anette:       (...heulend und gleichzeitig sprechend von rechts mit einem Marmeladenglas hereinkommt) 28 Gläser hatte ich davon eingemacht. 28.

 

Melanie:     Frau Haferkorn. (geht besorgt zu ihr, gibt ihr ein Taschentuch)

 

Andreas:     Chefin.

 

Helga:         Meine Güte, was ist denn nur los hier?

 

Anette:       Ich wundere mich jeden Tag, warum schon soviel davon weg ist und wer das alles gegessen hat, dabei nimmt mein Otto die Marmelade mit zu seinem Flittchen und... (Hinweis: Anette muss hier die Mischung aus sprechen und weinen so hinbekommen, dass sie dennoch für die Zuschauer gut verständlich ist)

 

Anna:         ...lecken es ihr von Busen und Bauch. (bleibt natürlich, verschränkt die Arme, hört interessiert zu)

 

Andreas:     Anna!

 

Anette:       Ja, er leckt es ihr zumindest vom Körper. Meine selbstgemachte Erdbeermarmelade.

 

Anna:         Und schwanger ist diese Erdbeer-Lady dazu.

 

Anette:       (heult laut auf) Die Erdbeer-Lady. Lara-Jane heißt sie. Ich werde sie umbringen, wenn sie in meine Nähe kommt.

 

Melanie:     (tröstet sie) Ach was, das wird schon wieder.

 

Anette:       Nein, das wird nie nie wieder anders.

 

Helga:         Ich höre daraus, dass Ihr Mann Sie betrogen hat. Das tut mir sehr leid.

 

Anette:       Danke.

 

Helga:         Man muss in einer Ehe einfach mehr miteinander reden, damit auch nach vielen Jahren das Vertrauen stark und fest bleibt.

 

Anna:         (lacht laut los) Hahaha... und die Flamme der Liebe schlagen sehr hoch. Das sagen genau die Richtige.

 

Melanie:     Chefin, Sie sollten einfach auf andere Gedanken kommen. Die Situation ist nun mal da und man muss sich den Dingen stellen.

 

Andreas:     Das sehe ich auch so. Kümmern Sie sich intensiv um die Jubiläumsfeier. Das 10jährige Bestehen vom Wellness-Tempel ist in ein paar Wochen. Dann vergessen Sie den Kummer sicher schnell.

 

Anette:       Nein, es wird keine Jubiläumsfeier geben. 

 

Alle:           Bitte?

 

Anette:       Wozu denn diese ganze Show? Zusammen mit meinem Otto habe ich dieses Unternehmen aufgebaut. Und der will mich nicht mehr. Ich werde den Wellness-Tempel schließen. Anstatt sich um unsere Kunden zu kümmern, (dann wieder weinerlicher) ...leckt er lieber meine selbstgemachte Erdbeermarmelade vom Körper junger Frauen.

 

Anna:         Von Busen. Lecken von Busen!

 

Anette:       (heult wieder laut auf)

 

Melanie:     (legt ihren Arm um sie) Kommen Sie, Frau Haferkorn. (mit ihr ab nach rechts)

 

23. Szene

Andreas:     Das hat sie wirklich nicht verdient. Die Chefin ist so eine liebe Person.

 

Anna:         Ja, das ist sie.

 

Helga:         Das glaube ich gerne. Aber dennoch hat es immer einen Grund, wenn ein Ehepartner fremd geht.

 

Anna:         Oh, Sie haben ja so recht, Frau Kappelmeister.

 

Helga:         Andreas, es geht mir wieder gut. Ich denke, wir können mit der Massage weitermachen. (steht auf)

 

Andreas:     Wirklich?

 

Helga:         Natürlich. (leicht erotisch) Ich hab´ Ihre Hände doch kaum gespürt bisher.

 

Andreas:     Wenn Sie meinen.

 

24. Szene

Ewald:        (kommt von der Toilette zurück, sieht dann seine Frau) H e l g a !

 

Helga:         (dreht sich um) E w a l d !

 

Anna:         Und JETZT spielen der Kapellmeister einen Blues!

 

Ewald:        Was machst Du hier?

 

Helga:         Die Frage stelle ich auch DIR!

 

Anna:         Und ich werde beantworten: FRAU Kappelmeister holen sich hier in Wellness-Tempel das starke und feste Vertrauen für Ehe. Und HERR Kappelmeister will schauen nach, ob Knoten für starke Band auch fest genug ist.

 

Andreas:     Anna, es reicht jetzt wirklich. GEH AN DEINE ARBEIT !!!

 

Anna:         Ja ja. (beleidigt ab nach hinten links)

 

25. Szene

Ewald:        Helga, ich bin platt.

 

Helga:         Ewald, frag MICH mal.

 

Ewald:        Du lässt Dich hier massieren und erzählst mir kein Wort davon?

 

Helga:         Ich denke, Du hast eine wichtige Besprechung - und finde Dich HIER?

 

26. Szene

Lara-Jane:   (hat sodann von rechts die Bühne betreten. Sie ist stark geschminkt, trägt außergewöhnliche Kleidung, ist hochschwanger, in ihrer Art aber freundlich) Schönen guten Tag.

 

Andreas:     Guten Tag.

 

Ewald:        (barsch zu Helga:) Kommst Du bitte mal mit vor die Tür, Helga?! Ich hab´ da mal ein paar Fragen.

 

Helga:         (ebenso) Nichts lieber als das, Ewald. DIE habe ich ja wohl auch. (erhobenen Hauptes ab nach rechts)

 

Ewald:        (ihr "stramm" hinterher)

 

Andreas:     (ruft Helga hinterher) Regen Sie sich bitte nicht zu sehr auf, Helga. Sie wollen doch nicht schon wieder einen Schwächeanfall, oder?

 

27. Szene

Andreas:     Äh... dann... (schaut sich um, überlegt kurz, zu Lara-Jane:) Tja, was kann ich für Sie tun?

 

Lara-Jane:   Das ist eine sehr berechtigte Frage - in meinem Zustand, meinen Sie sicher?!

 

Andreas:     Nun ja, das...

 

Lara-Jane:   Mein Name ist Kleemann. Lara-Jane Kleemann. Ich bin schwanger wie Sie sehen. Und ich möchte weder Muskeln aufbauen, noch in die Sauna. Und für eine Massage wäre mein Bauch wohl auch zu dick. Es ist so: Sie haben doch einen Whirlpool, nicht wahr?!

 

Andreas:     Richtig.

 

Lara-Jane:   Und genau das ist es, was ich suche. Wissen Sie, ich möchte gerne eine Wassergeburt, wenn es soweit ist. Mein Arzt weiß das schon und im Geburtshaus wird man mich mit einem Kurs auch noch darauf vorbereiten. Aber ich würde gerne vorher schon dieses Gefühl kennenlernen, verstehen Sie?!

 

Andreas:     Ja ja.

 

Lara-Jane:   Ich weiß ja nicht, ob das möglich ist, aber ich möchte natürlich alleine sein in dem Pool. Und auch das Geblubber müssten Sie dann für mich abstellen. Denken Sie, dass das machbar wäre? Die Wassergeburt soll eine Überraschung sein für meinen Lebensgefährten. Mein Otto weiß noch nichts davon.

 

Andreas:     Otto?

 

Lara-Jane:   Ja genau. Er hat schon oft von diesem Wellness-Tempel gesprochen, obwohl er wohl noch nie hier war, soweit ich informiert bin.

 

Andreas:     Ja äh... Sie heißen also Lara-Jane, sind schwanger und Ihr Lebensgefährte heißt Otto?

 

Lara-Jane:   Ja, warum?

 

Andreas:     Moment mal eben. (schnell ab zum rechten Raum)

 

Lara-Jane:   (leicht verwirrt)

 

28. Szene

Andreas:     (kommt sofort zurück, ihm folgt Melanie) Melanie, dass ist Frau Kleemann. Lara-Jane Kleemann. Sie ist schwanger wie Du siehst, und ihr Lebensgefährte heißt Otto.

 

Melanie:     Oh mein Gott.

 

Lara-Jane:   Sagen Sie mal, geht´s noch?

 

Melanie:     Sie trauen sich wirklich hierher?

 

Lara-Jane:   Bitte?

 

29. Szene

Anna:         (kommt sodann von rechts zurück) Bin dann fertig mit Putzen. (sieht Lara-Jane) Oh Hallo.

 

Melanie:     (geht zu Anna) Anna, das ist Frau Kleemann. Lara-Jane Kleemann. Wie Du siehst ist sie schwanger und ihr Lebensgefährte heißt Otto.

 

Anna:         Meine Güte Gott, die Erdbeer-Lady.

 

Andreas:     Was machen wir denn jetzt?

 

Anna:         Ich kann nicht glauben, dass Sie sind hier.

 

Lara-Jane:   Ist das hier ein Tollhaus? Was ist denn nur los mit Ihnen?

 

Anna:         Weiß Ihr Gefährte für Leben, dass Sie sind hier?

 

Lara-Jane:   Mein Otto? Was soll das?

 

Anna:         Weiß er oder weiß er nicht?

 

Lara-Jane:   Nein. Ich habe doch schon gesagt, dass die Idee von der Wassergeburt eine Überraschung für ihn sein soll.

 

Anna:         Und wo ist Ihre Gefährte Otto jetzt bitteschön?

 

Lara-Jane:   Jetzt wird mir das hier aber langsam zu bunt. Mein Otto arbeitet. (kramt in ihrer Handtasche herum) Er hat eine leitende Position bei der Sparkasse. (hält das Foto hin) SO sieht er aus, er ist knapp 60 Jahre alt und seit 8 Jahren geschieden.

 

Alle:           (schauen gierig auf das Foto)

 

Anna:         Chef.

 

Melanie:     Ja.

 

Andreas:     Unfassbar.

 

Anna:         (etwas leiser zu Melanie und Andreas) Alles Lügen - nur Lügen. (dann zu Lara-Jane) Und wie heißen Ihr Gefährte mit Namen am Ende? Also, ich meine mit...

 

Melanie:     ...den Nachnamen meint Anna.

 

Lara-Jane:   Brauchen Sie von mir vielleicht auch noch ein polizeiliches Führungszeugnis, meine Konfektionsgröße und einen HIV-Test? Wo bin ich denn hier nur gelandet? Aber damit Sie zufrieden sind: Mein Mann heißt Otto. Otto Hansen.

 

Andreas:     (wieder zu Melanie und Anna) Hat er ihr auch noch einen falschen Namen genannt. Was für ein Schlawiner.

 

Lara-Jane:   Bitte was?

 

30. Szene

Anette:       (kommt sodann aus dem Raum rechts) Na gut, Melanie. WENN wir eine Feier geben, dann aber nur ganz klein. (sieht dann Lara-Jane) Oh...

Melanie:     (geht schnell zu ihr) Frau Haferkorn, Sie brauchen nun viel Kraft. (hakt sie ein) Und Sie müssen vor allem jetzt ganz ruhig bleiben. Das ist ganz wichtig.

 

Anette:       Wieso?

 

Anna:         Das ist Frau Kleemann.

 

Andreas:     Ihr Vorname ist Lara-Jane.

 

Anna:         Und sie kriegen eine Kind. Sehen Sie.

 

Melanie:     Dazu kommt, dass Sie uns soeben erzählt hat, dass ihr Partner Otto heißt.

 

Anna:         Und auf der Hand liegt wohl, dass sie gerne isst Erdbeermarmelade.

 

Anette:       (holt tief Luft, baut sich auf) Soooooooooo...

 

Lara-Jane:   Das reicht mir jetzt. Einen schönen Tag noch. (geht schon ab)

 

Melanie:     (leiser zu Anette) Nein nein, Frau Haferkorn. Es ist nicht so wie Sie denken. Wirklich nicht. Sie weiß von nichts. Glauben Sie uns.

 

Andreas:     (Lara-Jane hinterher, hinten auf der Bühne) So bleiben Sie doch. Es tut uns leid, wenn wir merkwürdige Fragen stellen. Das hat nichts zu bedeuten. (beide bleiben aber noch hinten stehen)

 

Anna:         (zu Anette) Sie sagt, dass ihr Gefährte heißt Otto, aber am Ende Hansen. Und er arbeitet in Kasse für Sparen.

 

Anette:       Dann hat diese Person also keine Ahnung, dass...

 

Melanie:     Nein, hat sie nicht.

 

Anette:       (geht zu Lara-Jane, gestellt freundlich) Was können wir denn für Sie tun, junge Frau? Und entschuldigen Sie bitte unser Verhalten und unsere Fragen. Aber wir nehmen ausschließlich die besten Gäste auf. Deshalb brauchen wir immer ein paar Informationen vorab. Wir nehmen ja nicht jeden auf, wissen Sie?!

 

Lara-Jane:   Na gut. Merkwürdig ist das aber schon.

 

Anette:       Ach Kindchen, was ist nicht alles merkwürdig auf der Welt, (barsch und streng dann:) Lara-Jane! - Ich darf doch Lara-Jane sagen?

 

Andreas:     Frau Kleemann - also Lara-Jane möchte gerne unseren Whirlpool ausprobieren.

 

Melanie:     (zu Lara-Jane) Ich kann Ihnen das zeigen.

 

Anette:       (bestimmend) Kommt überhaupt nicht in Frage. Um diese neue Kundin kümmere ich mich ganz persönlich. (reicht ihr die Hand) Anette Haferkorn. Ich bin die Chefin hier. Kommen Sie - unser Whirlpool gehört Ihnen in der nächsten Stunde ganz alleine. (legt einen Arm um ihre Schulter, mit ihr langsam abgehend nach hinten links) Wir wollen doch mal sehen, wie heiß das Wasser für Sie sein darf. Und darf ich Ihnen vielleicht einen Snack anbieten? Wie wäre es mit einer Scheibe Toast...

 

Anna:         ...mit selbstgemachter Erdbeermarmelade?

 

Lara-Jane:   (und Anette ab)

 

31. Szene

Andreas:     Ups, wenn das mal gut geht.  Wenn die Chefin plötzlich ausrastet, gibt es hier heute noch einen großen Skandal.

 

Anna:         Oh nein. Ich denke, wir haben heute hier in Wellness-Tempel noch eine Tote!

 

Andreas:     (und Melanie erschrocken zusammen) W a s ???

 

Blackout oder schneller Vorhang - Ende des ersten Akts

 

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Zweiter Akt

 

                  (einige Tage später. Ca. 10 Uhr. Wenn der Vorhang sich öffnet, steht auf der linken Seite der Bühne jetzt eine Massageliege und ein Stuhl. Darunter einige Handtücher, sowie eine Flasche mit Massageöl. Rechts neben der Liege steht ein Paravent, der die Sicht zum Empfangstresen behindert. An der hinteren Wand ein großes Schild mit dem Hinweis: "Kein Zutritt zum Untergeschoss" oder "UG derzeit aus Sicherheitsgründen nicht geöffnet" o.a. Die Stühle bei der Sitzgruppe sind durch 2 Liegen ausgetauscht worden)

 

1. Szene

Anette:       (kommt aufgebracht gefolgt von Melanie von hinten rechts) Das sind Zeichen, Melanie - was ich Ihnen sage. Das sind eindeutig Zeichen!

 

Melanie:     Frau Haferkorn. Ein Wasserrohrbruch im Keller unseres Wellness-Tempels ist kein Zeichen, sondern ein schlimmes Unglück. Um nicht zu sagen: Großer Bullshit. Das ist alles. Was sollten das denn für Zeichen sein?

 

Anette:       Irgendeine Macht von oben oder so will mir damit sagen, dass ich diesen Laden DOCH schließen sollte.

 

Melanie:     Nein. Wenn es wirklich ein Zeichen ist, bedeutet es, dass Sie jetzt zeigen können, mit solchen Situationen auch alleine fertig zu werden. Alleine - ohne Ihren Mann Otto.

 

Anette:       Otto? Wer war das nochmal?

 

Melanie:     (schmunzelt) Es wird alles wieder gut. Wir haben alles bestens im Griff. Der Rohrbruch ist jetzt 3 Tage her. Und Sie haben den Gutachter doch gerade gehört. Wenn die Phase des Austrocknens abgeschlossen ist und fleißige Arbeiter dann den Bodenbelag in drei Räumen erneuern, können wir sogar schon in zwei Wochen den Keller wieder benutzen. Passt doch wie Faust auf´s Auge. Die Jubiläumsfeier wird gekoppelt mit einer Wiedereröffnung.   

 

Anette:       Hätt´ ich doch nur etwas mehr von Ihrem Optimismus.

 

Melanie:     Und bis es soweit ist, machen wir im kleinen Rahmen munter weiter. Sauna und Fitness muss erstmal leider ausfallen. Aber das Café ist geöffnet, es gibt auf dieser Ebene Toiletten und die Umkleideräume, die wir nutzen können, und die Massagen... ja, die machen wir solange einfach hier. (deutet nach links)

 

Anette:       Das ist total peinlich. Massagen im Empfangsraum.

 

Melanie:     Das wird jeder gut verstehen. Und durch die Trennwand wird auch die Intimsphäre nicht verletzt. Und es zeigt unseren Kunden, dass wir mit solchen Zwischenfällen super umgehen können. Und versichert sind Sie auch bestimmt sehr gut gegen den Schaden, oder?

 

Anette:       Na ja...

 

Melanie:     Sehen Sie?! Mit Ihrem privaten Malheur kommen Sie mehr und mehr auch gut klar - es gibt also keinen Grund, den Kopf hängen zu lassen.

 

Anette:       Privates Malheur... ja... (seufzt) Ach, wenn ich Sie nicht hätte, Melanie.

 

Melanie:     Also, Sie schließen den Wellness-Tempel doch nicht, oder?

 

Anette:       Ich... ich weiß es noch nicht.

 

Melanie:     Bitte nicht, Frau Haferkorn. (abgehend nach hinten links, ihr kommt von dort...)

 

2. Szene

Andreas:     (...entgegen)

 

Melanie:     Alles fit, Kollege? (ab)

 

Andreas:     Alles fit! (geht zu Anette, die jetzt hinterm Tresen steht) Frau Haferkorn, ich hab´ nochmal über den kleinen Raum hier rechts oben nachgedacht.

 

Anette:       Kleiner Raum, das ist gut. So klein, dass man nicht mal drin massieren kann.

 

Andreas:     Ja leider. Aber für einen Kunden mit Trainer würde das reichen, um dort ein bisschen Freihanteltraining oder Gymnastik anzubieten.

 

Anette:       Glauben Sie, dass unsere Kunden das akzeptieren würden? Man kommt sich ja vor wie in einer Besenkammer.

 

Andreas:     Es wäre zumindest einen Versuch wert. Soll ich ein paar Hanteln und eine Matte nach oben holen?

 

Anette:       Meinetwegen, versuchen wir es.

 

Andreas:     Gerne. (abgehend nach hinten)

 

Anette:       Andreas?!

 

Andreas:     (bleibt stehen, dreht sich um) Ja?

 

Anette:       Ich bin Ihnen und Melanie sehr dankbar, dass Sie sich soviele Gedanken machen, wie wir diese Zeit hier nach dem Rohrbruch überstehen. Ohne Sie wäre ich verloren.

 

Andreas:     Das hier ist unser Arbeitsplatz und wir machen das gerne, Frau Haferkorn. Ist doch eigentlich selbstverständlich. Und so ein Unglück passiert nun mal.

 

Anette:       Ja, so ein Unglück passiert.

 

Andreas:     Also, Sie schließen den Wellness-Tempel doch nicht, oder?

 

Anette:       (schmunzelt kurz, weil sie diese Frage schon wieder hört) Ich weiß es noch nicht, Andreas.

 

Andreas:     (nicht sehr zufrieden mit dieser Antwort) Hhmmm... (ab nach links) 

 

3. Szene

Hannelore:  (kommt sodann von rechts herein. Ihr folgt Ronny, der eher linkisch und etwas "zurückgeblieben" wirkt, jedoch nicht geistig behindert ist. Er trägt auch eher weniger zeitgemäße Kleidung.) (Übertreiben Sie aber bitte nicht zu sehr mit dieser Rolle) (Hannelore trägt eine kleine Sporttasche über ihrer Schulter, Ronny eine größere Sporttasche in der Hand. Dann zu Ronny) Ja ja, das ist schon ganz richtig hier. Nun komm schon, Ronny. (geht zum Empfangstresen) Guten Morgen. Sagen Sie nichts. Sie MÜSSEN Frau Haferkorn sein - die Chefin des Hauses, hab´ ich recht?

 

Anette:       (überrascht) Äh ja.

 

Hannelore:  (reicht ihr die Hand) Sehr angenehm. Wunderbar, dass ich Sie endlich persönlich kennenlerne, weil ich ja schon soviel von Ihnen und Ihrem Drama gehört habe. Jaaaa... vor drei Tagen, wissen Sie?! Hannelore Tellkamp. Freut mich sehr. Und das hier ist Ronny, mein Sohn.

 

Ronny:       Moin. (stellt die Tasche auf den Boden ab, steht während der nächsten Dialoge etwas verloren da)

 

Anette:       Moin. - Es tut mir sehr leid, dass wir Sie hier in diesem Chaos empfangen müssen.

 

Hannelore:  Ich hab´s schon gehört. Ein Wasserrohrbruch im Keller des Wellness-Tempels Haferkorn. Lieschen Pannemann erzählte das bei Edeka an der Kasse. Sie stand vor mir in der Schlange, wissen Sie?! Die weiß immer alles. Tragisch tragisch, das mit dem Rohrbruch. Aber sowas haut Sie doch nicht um, oder? Ich sag´ mir immer: WENN es anfängt zu regnen, muss man auch immer damit rechnen, dass Hagel und Sturm dabei ist.

 

Anette:       (versteht nicht) Bitte?

 

Hannelore:  Na, Sie sind doch schon genug bestraft mit ihrem Ehemann und dieser Marmeladen-Liebschaft. Darauf konnte dann ja nur noch ein weiteres Unglück folgen. - Ja, schauen Sie bitte nicht so verblüfft. Ich war bei der Überführung live dabei.

 

Anette:       Live dabei?

 

Hannelore:  Aber jaaaa. Ich durfte es doch mit meinen eigenen Augen sehen - dieses Frucht-Leck-Video auf dem Smartphone.

 

Anette:       Ach Du Schande.

 

Hannelore:  Ist doch völlig in Ordnung, Frau Haferkorn. (knufft sie) Geht doch nichts über Selbstgemachtes, nicht?! Ihre Raumpflegerin hat mich teilhaben lassen.

 

Anette:       Anna - natürlich!

 

Hannelore:  Wer könnte Ihre Gefühle wohl besser verstehen als ich?! Sein Vater (deutet auf Ronny) war auch so ein Schürzenjäger, nicht wahr, Ronny?

 

Ronny:       Wenn Du das sagst, Mama. ICH werde einer Frau immer treu sein, das weiß ich jetzt schon.

 

Hannelore:  DU musst erstmal ´ne Frau finden, die es mit Dir aushalten will, Kind. Weshalb sind wir wohl hier? Um aus Dir endlich einen richtigen Kerl zu machen.

 

Ronny:       Ja Mama.

 

Hannelore:  (zu Anette) Sagen Sie nichts. Ronny ist eigentlich alt genug, um alleine zu entscheiden, was er will. Aber er braucht von mir immer eine symbolische Peitsche, wissen Sie?! Und ich muss ihn im Auge behalten, sonst wird das nix. Und da ich schon mal mitgekommen bin, möchte ich gerne eine Massage in dieser Zeit, wenn das kurzfristig möglich ist bei Ihnen.

 

Anette:       Eine Massage? Ja, also wenn Sie in Kauf nehmen, dass durch unsere Renovierung der eigentliche Massageraum nicht zur Verfügung steht...

 

4. Szene

Melanie:     (läuft von hinten links nach rechts mit einer aufgerollten Gymnastikmatte vorbei, grüßt die Anwesenden)

 

Hannelore:  Aaaah, Moment. SIE kommen mir bekannt vor. Melanie, richtig?

 

Melanie:     Ach, Hallo Frau Tellkamp.

 

Hannelore:  Sie können sich doch sicher um meinen Ronny kümmern, oder?

 

Melanie:     (kommt dazu) Gerne.

 

Hannelore:  Prima. Mein Ronny braucht Fitness. Sie dürfen Du zu ihm sagen. Machen Sie aus ihm einen richtig tollen Adonis, damit die Frauen endlich anbeißen. Kriegen Sie das hin? Ist das überhaupt möglich? Na ja, optisch wird wohl KEIN Brad Pitt aus ihm, denke ich. Hehe...

 

Melanie:     Für seinen Körper kann man IMMER etwas tun - in jedem Alter. - Hallo Ronny. Kommst Du mit? Ich zeig´ Dir den Umkleideraum. Wir können dann auch gleich anfangen.

 

Hannelore:  Ach herrlich. DAS nenne ich Service.

 

Melanie:     Wir sind ein wenig eingeschränkt durch den Rohrbruch, aber dennoch werden wir schon heute etwas erreichen.

 

Hannelore:  DAS mag ich hören. (reicht Melanie Ronnys Sporttasche) Hier sind seine Sachen drin. Quälen Sie ihn gerne richtig. Seine Muskeln müssen glühen, damit er endlich unter die Haube kommt. Solche dünnen Schlaffies wollen die Frauen in dieser modernen Zeit nicht mehr. Das sehen Sie doch auch so, junge Frau, nicht?!

 

Melanie:     (belustigt) Okay. Hast Du denn auch Lust, Ronny? Bist Du auch motiviert?

 

Ronny:       Ja also... Mama meint ja, dass...

 

Hannelore:  Natürlich ist er motiviert. Na, nun geh´ schon.

 

Ronny:       Ja Mama. (Melanie hinterher ab nach hinten rechts)

 

5. Szene

Hannelore:  (hat ihrem Sohn kopfschüttelnd hinterher geschaut, dann zu Anette) Hach, dieser Junge... Haben Sie Kinder?

 

Anette:       Nein. Meinem Mann und mir war das leider nicht...

 

Hannelore:  Oh nein! Das muss für Sie ja dann umso bitterer sein, wenn nun diese Marmeladen-Lady von Ihrem Mann ein Kind erwartet.

 

Anette:       Tja... wem sagen Sie das?!

 

Hannelore:  Wollten Sie und Ihr Mann denn keine Kinder, oder ist diese Frage zu persönlich?

 

Anette:       Äh... doch, Otto und ich wollten Kinder. Aber es hat nie geklappt. Eine Untersuchung vor 30 Jahren hat damals ergeben, dass bei uns beiden alles gesund ist. Aber ich denke, seine... na ja... Spermien waren immer zu... schläfrig.

 

Hannelore:  Und jetzt im Alter sind diese aufgewacht und beglücken junge Küken? Seltsam.

 

Anette:       (wieder betrübt) Ja, Frau Tellkamp, ich weiß auch nicht...

 

Hannelore:  Hey... Kopf hoch. Für´s Rumjammern sind wir Frauen nicht geboren, Frau Haferkorn. Erzählen Sie mir lieber, was genau Sie nun vor haben.

 

Anette:       (ist skeptisch, ob sie mit Hannelore darüber reden möchte) Nun ja, ich weiß auch nicht... verstehen Sie...

 

Hannelore:  Ach, nun zieren Sie sich nicht so. Sie brauchen in dieser düsteren Zeit doch eine Freundin. Warum kann ich das denn nicht für Sie sein? Ich war doch mit einem ähnlichen Bock bestraft.

 

Anette:       Und Sie haben sich scheiden lassen?

 

Hannelore:  Das war gar nicht nötig. Er hat vorher ins Gras gebissen. Hehe...

 

Anette:       Ach, das tut mir leid.

 

Hannelore:  MIR NICHT ! - Ich meine: Wir müssen irgendwann ja alle mal gehen. Soweit ich weiß, ist die letzte Liebschaft von meinem Göttergatten völlig mittellos. Das hab´ ich auch von Lieschen Pannemann. Sie stand bei Edeka an der Kasse in der Schlange vor mir. Hatte ich das schon gesagt? - 26 Jahre jünger als mein Mann war diese Liebschaft. Lächerlich. Soll sie gerne leiden, dieses... dieses... kleine flatterhafte Früchtchen, die einer treuen Ehefrau wie mir den Mann ausspannt. Die Pest wünsche ich ihr. Hach, ich reg´ mich schon wieder auf. - Aber nun reden Sie! Was wollen Sie unternehmen?

 

Anette:       Die Sache ist bei mir ein wenig anders. Lara-Jane, die Geliebte von meinem Mann Otto...

 

Hannelore:  LARA-JANE! Ha... alleine schon dieser Name!

 

Anette:       Ja, das war auch meine Rede. Aber sie ist eher unschuldig.

 

Hannelore:  Unschuldig? Das sind sie NIE, Frau Haferkorn - oder darf ich Anette sagen? Ich bin Hannelore. Ist doch viel persönlicher, nicht?!

 

Anette:       Wie Sie meinen, Hannelore. - Sie war hier - Lara-Jane - völlig ahnungslos, wer ich bin. Otto hat ihr nichts erzählt von mir. Er hat ihr gesagt, er sei geschieden. Und beruflich hat er ihr auch eine große Lüge aufgetischt.

 

Hannelore:  Nein! Na das ist wirklich dreist.

 

Anette:       Ja, das ist es.

 

Hannelore:  Und weiter? Und weiter?

 

Anette:       Die junge Dame möchte sich hier auf eine Wassergeburt vorbereiten. Bei ihrem ersten Besuch war ich gerade dabei, den Inhalt des Whirlpools auf 120 Grad aufzuheizen, um sie zu vernichten.

 

Hannelore:  Ach Du liebe Zeit.

 

Anette:       Dann hat sie mir gerade im letzten Augenblick noch selbst von ihrem Lebensgefährten erzählt und ich glaubte ihr, dass sie keine Ahnung hat. Na ja, und dann hatte ich Mitleid.

Hannelore:  Na gut. Das akzeptiere ich. WENN es denn stimmt, Anette. WENN es denn stimmt. Und weiter? Und weiter?

 

Anette:       Es stimmt. Denn vorgestern war sie wieder hier. Und dann hab´ ich ihr reinen Wein eingeschenkt. Sie war völlig fassungslos, mit was für einem Lügner sie da zusammen ist. Sie hatte sich schon gewundert, weshalb Otto vor ein paar Tagen plötzlich bei ihr einziehen wollte - na ja - wen wundert´s, nachdem ICH ihn hier rausgeworfen hatte?!

 

Hannelore:  Sehr gut, Anette. Und weiter?

 

Anette:       Sie hat mich dann abends angerufen und erzählt, dass sie ihn zur Rede gestellt hat und hat ihn dann auch rausgeworfen. Ja, Lara-Jane und ich verstehen uns plötzlich prächtig.

 

Hannelore:  Wunderbar. Ganz wunderbar. Möge er unter Brücken schlafen und frieren müssen. Jetzt, so kurz vor Weihnachten ist das viel zu mild, meinen Sie nicht auch, Anette?!

 

Anette:       (muss lachen) Ja allerdings.

 

Hannelore:  Und er hat sich bei Ihnen noch nicht hören lassen?

 

Anette:       Nein - und ich denke, dass wird er auch nicht wagen.

 

Hannelore:  Er wird! Glauben Sie es mir - er wird! Aber dennoch: Herrlich, diese Geschichte. Einfach herrlich. Bin gespannt, was Lieschen Pannemann beim Edeka dazu sagen wird. Hach, darauf könnte ich jetzt eine entspannende Massage vertragen.

 

Anette:       Gerne. (holt ein Handy hervor, tippt ein paar Nummern, hält das Gerät ans Ohr) Andreas? - Könntest Du eine Massage übernehmen? Ja schön. (drückt wieder eine Taste, legt das Gerät beiseite) Er ist gleich für Sie da.

 

Hannelore:  Vielen Dank. Wo muss ich hin?

 

Anette:       Tja, das ist ja leider unser Problem. Wir können Ihnen aufgrund des Malheurs im Moment nur hier - hinter dem Paravent - die Massage anbieten.  

 

Hannelore:  Auch gut. Aber könnte mein Ronny denn nicht auch hierher kommen? Ich MUSS ihn in meiner Nähe haben, damit ich weiß, dass er auch wirklich was tut.

 

Anette:       Ich weiß nicht. Wir reden mal mit Melanie. Kommen Sie doch erstmal mit in die Umkleide. Folgen Sie mir bitte. (geht voran ab nach hinten rechts)

 

Hannelore:  (ihr hinterher) Aber gerne doch. Aber gerne doch. (ab, kurze Pause)

 

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